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Zwei ungleiche Brüder - können Dominik und Patrick die Vergangenheit hinter sich lassen?

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Dominik Gundlach Dr. Hans-Joachim "Joe" Gerner Emily Höfer (Badak) Jasmin Flemming Katrin Flemming-Gerner Patrick Graf
07.08.2012
16.09.2020
127
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07.08.2012 3.130
 
Im Behandlungsraum I der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie des Jeremias Krankenhaus saßen sich Dr. Ries und Patrick schon über eine halbe Stunde schweigend gegen über.
„Sie müssen schon mit mir reden, Herr Gerner“, meldete sich der Therapeut freundlich zu Wort und sah aufmerksam zu seinem neuen, jedoch nicht gänzlich unbekannten, Patienten, doch Patrick presste die Lippen zusammen und knetete nervös die in seinem Schoss liegenden Hände.
„Fangen sie einfach irgendwo an“, ermunterte Dr. Ries ihn, „Zum Beispiel bei der Ohrfeige, die sie wohl vor kurzem bekommen haben müssen, oder wie es zu den Verletzungen an ihren Handgelenken gekommen ist...“
Der Arzt wartete auf eine Reaktion und bot, als diese nicht kam, an: „Wir können auch mit der Entführung ihres Adoptivbruders Dominik beginnen, für die sie sich ja offensichtlich die Schuld geben.“
„Daran bin ich ja auch Schuld“, erwiderte Patrick plötzlich kleinlaut, „ich hab’s schließlich verbockt...“

Es kam Dominik schon wie eine halbe Ewigkeit vor, wie er im Flur des Krankenhauses, vor dem Therapieräumen saß und auf Patrick wartete. Dr. Ries war nicht dafür, dass Dominik mit hinein kam, zumindest die ersten Sitzungen wollte er, verständlicher Weise, allein mit Patrick sein, auch wenn dieser zunächst seltsam enttäuscht wirkte.
Philipp Höfer war zufällig vorbei gekommen und leistete ihm, in seine Arbeitspause, eine Weile Gesellschaft. Dominik hatte wohlweislich Patrick und die Umstände, die ihn hier warten ließen, nicht erwähnt und tat so, als wäre er zu früh zu seiner eigenen Therapiestunde gekommen.
Grade als er sich den Kopf zerbrechen wollte, wie er Philipp unauffällig loswerden konnte, stand dieser jedoch auf: „Ich muss mal weiter machen, aber Dr. Ries ist bestimmt auch gleich fertig. Und hat dann für dich Zeit“
Und damit hatte Philipp Recht, denn kaum war er um die Ecke gebogen, stand Patrick in der Tür des Behandlungszimmers, er sah geschafft und angestrengt aus.
Dr. Ries verabschiedete sich: „Bis Morgen, Herr Gerner und denken sie an die Formel, die ich ihnen auf den Weg mitgebe“.
Dominik musste sich sputen um hinter Patrick her zu kommen, so eilig hatte der es, das Krankenhaus zu verlassen. „Warte doch mal! Wie war es denn?“ wollte er, atemlos neben Patrick her joggend wissen. Dieser blieb abrupt stehen, seine Unterlippe zitterte etwas: „Ich - hab mit ihm gesprochen, OK.“ stieß er hervor.  
„Gut,  und sprichst du mit ihm Morgen wieder?“ fragte Dominik misstrauisch und versuchte in Patricks verschlossenem Gesicht zu lesen.
„...am liebsten nicht“ antwortete dieser nach einer Weile bedrückt.
„Patrick, das ist normal, da musst du durch.“ versuchte Dominik ihn zu trösten, „zuerst hast du immer das Gefühl, es würde schlimmer, wenn du darüber sprichst - komm - wir gehen das Stück zu Fuß nach Hause“, schlug Dominik aufmunternd vor, „die frische Luft tut dir gut und durch die Bewegung baut sich das Adrenalin ab.“
„Bist du plötzlich auch unter die Ärzte gegangen?“ fragte Patrick sehr patzig und blitzte seinen Bruder aus seinen blauen Augen ärgerlich an.
„Nein, aber ich habe superschlaue Freunde, in diesem Fall Ayla, die mich aufgeklärt hat.“ entgegnete Dominik nur ruhig und gemächlich schlenderten sie nebeneinander her nach Hause.

Im Town House angekommen ließ sich Patrick sofort erschöpft auf dem Sofa unter dem großen Fenster des Wohnzimmers nieder, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
„Soll ich uns etwas kochen? Es ist ja schon nach zwei Uhr...“ erkundigte sich Dominik und hängte erst mal seine Jacke an die Garderobe.
„Ich weiß nicht, ich hab eigentlich keinen Hunger“ antwortete Patrick matt und müde von seinem Sitzplatz aus.
„Komm schon das gibt’s nicht, du musst etwas essen, wie willst du sonst wieder zu Kräften kommen?“ bohrte Dominik nach.
„Mach was du willst, ich komme wenn’s fertig ist und setze mich dann mit an den Tisch...“ seufzte Patrick.
In dem Augenblick kam Jo die Treppe hinauf: „Hallo, da seit ihr ja endlich, ich habe etwas zu essen besorgt aus dem Mauerwerk“, er deutete auf eine große Isolierbox auf dem Küchentresen, „alles von Dr. Kramer verordnete Dinge“ fügte er hinzu.
Dominik warf einen prüfenden Blick in die Tüten: Doppelte Rinderkraftbrühe, und eine Auswahl an Gemüsen. Da alles noch schön warm war füllte er die Sachen gleich auf Teller und schnitt etwas Brot zur Suppe, während Jo zu Patrick ging und sich zu ihm auf die Sofalehne setzte.
Patrick richtete sich kerzengrade auf, von der Küche aus behielt Dominik beide scharf im Auge, >Patrick hat immer noch Angst vor ihm< dachte er, >ganz deutlich<, die Anspannung war nicht zu übersehen.
„Wir müssen uns mal unterhalten“, sagte Jo grade, als Dominik zu ihnen kam und sich an Patricks freie Seite setzte, „Kommissar Plass hat mich heute Vormittag, als ihr weg wart, im Büro angerufen, er möchte nochmals mit dir reden.“
„Aber...aber warum denn?“, fragte Patrick leicht panisch und setzte fragend hinzu, „wegen Cengiz etwa? Hat er denn die Waffe schon bekommen?“
„Das kann ich ihn ja wohl schlecht fragen“, entgegnete Jo mit leicht spöttischem Unterton, "Nein, es geht um – sagen wir mal - unsere Fahrt nach Russland. Ich habe mich entschlossen, Patrick, ich werde alles zugeben und die Schuld auf mich nehmen, dann du brauchst keine Aussage zu machen.“
„Wie...wie meinst du das?“ fragte Patrick verwirrt.
„Ganz einfach so wie ich es sage, ich werde zu Protokoll geben dich genötigt und verschleppt zu haben. Und ich übernehme die volle Verantwortung dafür.“
Patrick war sprachlos. Damit hatte er nie und nimmer gerechnet.
„Und was hat das dann für Konsequenzen“ fragte Dominik, sich nun einmischend, argwöhnisch seinen Vater.
„Ich weiß noch nicht, das hängt von Staatsanwalt ab,“ gab Jo zu und erläuterte dann fachmännisch routiniert, „Nötigung ist ein weiter Begriff, oftmals nur schwer zu beweisen, aber da ich meine Aussage selber mache...das Gute daran ist, dass ich Patrick eine eigene Aussage und die damit verbundenen möglichen Peinlichkeiten ersparen kann. Ihm wird nur das Protokoll vorgelegt und er muss es  unterschreiben, kein Verhör und keine unangenehmen Fragen über Russland.“
„Wann kommt der Kommissar denn hierher“ fragte Patrick leise. „Gar nicht“, entgegnete Jo, „ich habe morgen einen Termin im Präsidium.“
Für Jo war das Thema damit beendet und er beschloss: „Wir sollten jetzt essen, sonst wird noch alles kalt“, und erhob sich und ging hinüber zum Esstisch, die beiden Brüder folgten ihm schweigend.
Nachdenklich rührte Patrick in seiner Suppe herum. „Schmeckt sie dir nicht?“, fragte Jo nach dem er sich das eine kurze Weile angesehen hatte, „möchtest du etwas Anderes?“
„Nein, ist schon gut“ Patrick rang sich ein Lächeln ab und stippte etwas Brot in die Suppe, aber er hatte seinen Teller noch nicht geleert, als Jo schon aufstand und seine Söhne informierte: „Ich habe gleich noch Mandanten, kommt ihr zu Recht? Gut!“ ohne auf einen Einwand zu warten ging Jo zur Treppe, wo er jedoch  noch einmal inne hielt: „Ach, noch etwas! Morgen kommt Johanna über das Wochenende aus dem Internat nach Haus, es wäre schön wenn wir uns ihr zuliebe, sagen wir mal, bemühen könnten als Familie aufzutreten.“
„Sicher“ bestätigte Patrick schnell und sah vergewissernd zu seinem Bruder der nur noch wissen wollte: „Wann holst du sie ab?“
„Morgen Mittag, wir sind dann am frühen Nachmittag hier.“ Jo warf noch einen letzten Blick auf die Zwei und eilte, irgendwie erleichtert scheinend, wieder die Treppe hinunter.
Dominik, der auch nicht den rechten Appetit verspürte, stand auch schon auf und begann die Spülmaschine ein zu räumen und erkundigte sich dabei bei Patrick: „Und was machen wir jetzt?“ Er kam mit einem Becher Kräutertee für seinen Bruder zurück an den Tisch und setzte sich quasi zur Gesellschaft wieder zu ihm.
„Danke sehr aufmerksam!“ sagte dieser zähneknirschend als er den Tee entgegennahm.
„Wie fühlst du dich nun“, erkundigte sich Dominik teilnahmsvoll, „am Anfang von so einer Therapie ist man immer total durcheinander, das ist normal du kannst das nach so einer Sitzung nicht einfach abstellen.“
Patrick nickte etwas abwesend und atmete zwei/drei Mal tief durch, und spielte mit dem Deckel der Zuckerdose.
„Möchtest du dich vielleicht hinlegen?“ schlug Dominik vor.
„Nein, wenn ich das mache kann ich heute Nacht nicht mehr schlafen und außerdem ist Augenschließen im Moment keine gute Idee, es ist alles zu frisch du verstehst?“ beklagte sich Patrick.
Dominik nickte um anzuzeigen dass ihm das sehr vertraut vorkam und fragte dann: „OK was machen wir dann, magst du vielleicht etwas am Computer daddeln? Das ist eigentlich immer eine gute Ablenkung.“
„Hast du mich schon jemals `daddeln´ gesehen!“ fragte Patrick entrüstet mit nur zum Teil gespielter Strenge.
„Nein“, lenkte Dominik ein, „ist aber auch mit deinen Händen momentan wohl nicht so eine gute Idee... Ich könnte ein paar DVDs holen.“
„Ja tolle Idee!“, stimmte Patrick zum Schein begeistert zu, bevor er ergänzte, „aber bitte keine Krimis, keine Action und bloß keine Liebesschnulzen. Was bleibt da schon übrig?“
Dominik grinste breit: „Tanzfilme - oder -  Naturdokumentationen, zum Beispiel über das geheime Leben der Eichhörnchen.“
Patrick ging gar nicht erst auf diese Scherz ein und warf stattdessen, zum wiederholten Male einen heimlichen Blick zur Seite Richtung Hausbar, Dominik folgte diesmal diesem Blick und kommentierte diesen prompt ermahnend: „Patrick, Alkohol ist keine Option.“
„Wieso? Hab ich irgendwas in der Richtung gesagt?“ moserte der angegriffen.  
„Nein, aber du guckst schon zum x-ten mal nach Jos Cognac Vorräten.“ erwiderte Dominik kurz angebunden.
„Na schön, ich gebs ja zu, ja, ich hätte jetzt gerne einen Drink oder zwei. Aber ich tu es nicht weil mein Bruder es mir verboten hat!“ sagte Patrick genervt.
„Falsch! Weil du weißt, das es nicht gut für dich ist!“ entgegnete Dominik und dann erhellte sich plötzlich sein Gesicht,  „Jetzt weiß ich, wie ich dich ablenken kann, bleib mal einfach hier sitzen, ich bin gleich wieder da, ich muss nur die Ersatz Lederjacke finden.“
Im Nu war Dominik aus der Tür und Richtung Keller verschwunden. „Lederjacke? Was für eine Lederjacke?" rief Patrick vergeblich hinterher.
Doch schon kurz darauf war Dominik wieder da, in seiner kompletten Motorradkluft und schwenkte triumphierend einen Helm und eine etwas angestaubte Lederjacke.  
„Oh man, das ist keine gute Idee!“ stöhnte Patrick, ahnend was das nun bedeuten sollte.
„Komm schon, wir cruisen ein bisschen herum, keiner wird dich erkennen, falls es dein Ruf ist um den du fürchtest.“ versuchte Dominik seinen Bruder zu überreden.
„Erinnere dich bitte an das letzte Mal, als ich mit deinem Motorrad gefahren bin, da war es anschließend kaputt und ich musste Mops...Tuner ein Heidengeld bezahlen, damit er es wieder flott macht.“ warf Patrick, schwer bemüht Dominik seine Idee wieder auszureden, ein.
„Ja, wenn ich es mir recht überlege, würde ich Tuner ohne deine Hilfe gar nicht kennen gelernt haben.“ freute Dominik sich zwanglos, Patrick jedoch verzog schmerzvoll das Gesicht bei dieser Bemerkung.
„Hier, probier mal den Helm an.“ schlug Dominik, mit nur unwesentlich ungebremsten Enthusiasmus, seinen Bruder vor.
„Puh, ist der eng“, klagte Patrick, gedämpft durch das Visier sprechend, „und er riecht komisch...“ „Ja, der war halt lange im Keller... fing Dominik entschuldigend an.
„Nein, das ist kein Kellermuff, das müsste ich ja am besten wissen, hab schließlich lange genug dort unten geschlafen, das ist...das ist...BIER!“
Dominik lachte lauthals los: „Ja, das war deine Liebste. Das hab ich völlig vergessen gehabt, Emily hat da eine Flasche Bier reingekippt, ich hatte sie mit irgendwas verärgert, aber ich habe ihn ausgewaschen und gründlich ausgelüftet, es müsste eigentlich in Ordnung sein.“
„Mann das ist Folter“, empörte sich Patrick, „du verbietest mir einen Drink aus der Bar und nun  muss ich die ganze Zeit Bier riechen...“
„Hör auf zu maulen, du kommst aus der Nummer nicht mehr raus.“ bescheinigte Dominik ungerührt seinem Bruder die Lage.
Patrick sah ein bisschen gequält auf: „...und du bist sicher, dass deine Hirnverletzung richtig ausgeheilt ist?“
Von dieser Frage war Dominik sehr angekratzt: „Ich fass es nicht! Hast du mich grade gefragt, ob ich leichtsinnig unser beider Leben aufs Spiel setze?“ hakte er verärgert nach und stemmte dabei die Arme in die Seiten.
Patrick stockte: „Nein! -  ja,  es tut mir leid.“
„Patrick, könnte es sein, dass du einfach Schiss hast?“ fragte Dominik ihn nun ganz direkt.
„NEIN!“
„Dann ist ja gut, du wirst sehen das wird herrlich, du wirst richtig durchgepustet und das brauchst du schon lange“ sagte Dominik schwärmerisch und schob damit den widerstrebenden Patrick, ohne viel weiteren Federlesens, durch die Tür und die Treppe hinunter.

Draußen bei dem Motorrad angekommen, stieg Patrick sehr verhalten und zögerlich hinter seinem Bruder auf. Der zeigte ihm geduldig, wo er die Füße abstellen und wie er sich richtig festhalten sollte: „Das ist wichtig damit du ein Gefühl für die Fahrt bekommst, wie wir uns neigen müssen, du musst mir bei meinem Bewegungen immer folgen sonst liegen wir schneller auf der Straße als uns lieb ist.“
Dann ging es auch schon los zunächst durch den Stadtverkehr in Berlin: das tägliche Chaos! Aber Dominik, mit Patrick auf dem Sozius, schlängelte sich geschickt, durch jede sich bietende Lücke, hindurch. Schon bald erreichten sie die Randbezirke der Stadt und als sie endlich die Landstraße befuhren und Dominik durchstarten konnte, verging Patrick hören und sehen, er klammerte sich an seinen Bruder und hoffte, das dieser bald ein Einsehen mit ihm hatte und die rasante Fahrt beendete.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte Dominik erbarmen,  fuhr an den Straßenrand und stellte die Maschine ab. Sofort löste sich Patrick von ihm und sank neben dem Motorrad ins Gras, irgendwo im wilden Brandenburg.
„Na, war das toll?“ Dominik war total euphorisch, er riss sich den Helm vom Kopf, schüttelte die blonden Locken und strahlte dabei übers ganze Gesicht.
„Ja, ganz super“ kam es kleinlaut von Patrick der seinerseits nun auch den Helm abnahm und tief durch atmete. Dominik setzte sich zu ihm und zusammen genossen sie eine Weile schweigend den Ausblick in die Landschaft vor ihnen.
„Wirklich schön hier“ Patrick sah sich ein wenig um, die Wiese vor ihnen, in einer Senke gelegen, war immer noch saftig grün mit Wildblumen durchsetzt, weiter hinten war ein Wäldchen, alles so friedlich, von gelegentlich vorbeifahrenden Autos mal abgesehen.
Dominik prustete los: „Ist schon komisch das von dir zu hören.“ „Wieso?“ fragte Patrick verwundert nach.  
„Na früher habe ich dich nie draußen gesehen, so im Grünen,  immer nur in geschlossenen Räumen: Schicken Clubs, edlen Büros, deinem Kellerloch, zwischen Akten, am Computer die Börse überwachend...ich meine was machst du eigentlich zum entspannen?“ Dominik sah zu ihm rüber, skeptisch die Augenbrauen hoch gezogen, „Wer ist dieser Patrick Graf Gerner? Gibt es einen Outdoor-Patrick? Nicht mal Joggen gehst du, nein, du steigst lieber in geborgten Sportsachen bei fremden Leuten ein...“
Patrick verzog schmerzlich das Gesicht bei dieser letzten Bemerkung Dominiks: „Es tut mir leid dich belogen zu haben, ehrlich.“ sagte  er betreten.
„Na wenigstens merkst du das noch wenn du lügst!“ Dominiks Blick verfinsterte sich plötzlich und er schleuderte einen kleinen Stein, den er neben sich auf dem Boden ertastet hatte, kraftvoll quer über die Straße. „JO?“ mutmaßte Patrick neben ihm leise.
„Kein gutes Thema“, wehrte Dominik ab und wiederholte lieber seine vorherige Frage: Also, was macht Patrick Gerner geborener Graf draußen in freier Natur?“
„Golf spielen“ antwortete Patrick postwendend ohne lange nachzudenken. Dominik verdrehte aufstöhnend die Augen.
„Du hast gefragt“ verteidigte Patrick aufgebracht seine Antwort.
„Das machst du doch auch nur wegen der Kontakte...“ argwöhnte Dominik unwirsch.  
„Nein, es macht mir Spaß!“ widersprach Patrick nun vehement, „Und es ist jedes Mal wieder  eine Herausforderung,  es ist diffizil, das perfekte Zusammenspiel von Körper und Geist. Du solltest es mal versuchen.“
Dominik machte eine verneinende Geste: „Ich kann ja deine Tasche tragen“, bot er an, „als Caddy eigne ich mich wohl eher...“
„Man stell doch dein Licht nicht so unter den Scheffel!“, schimpfte Patrick nun, „Du kannst...Dinge... mit deinen Händen machen“, schloss er lahm.  
„Bitte?“ Dominik guckte erstaunt, >was jetzt wohl kommt< dachte er >kommt jetzt wieder ein Holzwurmspruch? <.
„Na ich meine deine handwerklichen Fähigkeiten, da bin ich echt neidisch, ich kenne ja keine Schraubenschlüssel auseinander, kann nicht mal einen Hammer richtig halten, ohne mir auf die Finger zu schlagen oder geschweige denn mit einer Säge umgehen.“ erklärte Patrick nun aufrichtig und ernsthaft.
„Nein, das kannst du wirklich nicht“, stimmte Dominik sofort zu, „erinnerst du dich an das Weihnachtsbaumfiasko im Wald?“
„Oh hör bloß auf!“ stöhnte Patrick ungehalten auf, „damit fing die ganze Scheiße doch an...“  „Wieso?“ wollte Dominik wissen und zupfte einen Grashalm aus einander und steckte sich das Ende zwischen die weißen Zähne.
„Na, wenn ich mich da im Wald besser benommen hätte, dann wärst du niemals zu mir gekommen um dich wegen unseres Streits zu entschuldigen und ergo, du wärst nie entführt worden, und alles wäre gut.“ erläuterte Patrick die Punkte in rascher Folge herunter schnurrend.
„Alles wäre gut? wiederholte Dominik und war entsetzt, „Spinnst du? Dich hätten die doch auf jeden Fall mitgenommen.“
„Ja, aber Jo hätte für mich nie die 11 Millionen bezahlt“, sagte Patrick nun mit einer entnervenden Gleichgültigkeit, „die hätten mir einen Finger nach dem anderen gebrochen und mich dann letztlich mit einer Kugel im Kopf in irgendeinem See versenkt. Aus! Vorbei! Finito.“
„Patrick, wie kannst du so was auch nur denken! Wir sitzen jetzt beide hier und haben es beide überlebt. Das ist doch großartig.“ versuchte Dominik ihn auf zu muntern.
„Ja ganz großartig“ sagte Patrick emotionslos, stur grade aus blickend. Dominik fasste in den Nacken seines Bruders, drehte dessen Kopf zu sich und zwang Patrick dazu ihn in die Augen zusehen.
„Ich will so was nie wieder von dir hören, verstehst du?“ sagte er eindringlich langsam und betont, „das die mich mitgenommen haben, an dem Abend, war purer Zufall und nicht deine Schuld, und später in diesem Kellerloch hast du sogar versucht mich zu beschützen...“ doch Patrick senkte nur den Blick und schwieg.
Dominik beschloss es dabei bewenden zu lassen und das Gespräch wieder in leichtere Bahnen zu lenken und bemerkte deshalb: „Und ich weiß immer noch nichts über dich.“ dabei stieß er ihn
freundschaftlich in die Seite.
„Wahrscheinlich weil es einfach nicht viel über mich zu wissen gibt“ murmelte Patrick und guckte verschlossen vor sich hin.
„Ach komm“, lachte Dominik, „da muss es doch mehr geben, als Golf spielen und Geld scheffeln. Ach ich weiß was: Du magst protzige Autos!“ damit spielte er auf den Porsche an, den Patrick fuhr, als er nach Berlin kam. Patrick rang sich ein müdes Lächeln ab: „Du hast vergessen `die ich mir nicht leisten kann´ zu sagen.“
Dominik schüttelte leicht erschüttert den Kopf >was soll man auch darauf erwidern? <
„Lass uns nach Hause fahren“, schlug Patrick in einem versönlicheren Ton vor, „mir ist kalt und ich bin hundemüde.“
Dominik stand sofort bereitwillig auf und half auch flott seinem Bruder auf die Füße. Dann setzten sie sich aufs Motorrad.
„Bereit“ fragte Dominik kontrollierend nach hinten, als er die Maschine startete „Ja“, rief Patrick gegen den Motorenlärm an, „und wenn du bitte ein ganz klein wenig langsamer fahren könntest...?“
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