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Zwei ungleiche Brüder - können Dominik und Patrick die Vergangenheit hinter sich lassen?

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Dominik Gundlach Dr. Hans-Joachim "Joe" Gerner Emily Höfer (Badak) Jasmin Flemming Katrin Flemming-Gerner Patrick Graf
07.08.2012
16.09.2020
127
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07.08.2012 2.306
 
Am nächsten Morgen wachte Dominik davon auf, dass sein rechter Arm sich irgendwie taub anfühlte und höllisch kribbelte, mehr oder weniger noch im Halbschlaf, probierte er etwas erstaunt ihn zu bewegen, aber es ging nicht, denn Patrick lag darauf und schlief süß und friedlich.
Vorsichtig, bemüht Patrick nicht zu wecken, versuchte er sich zu befreien und schob seinem Bruder stattdessen sein Kopfkissen hin, welches  dieser dann auch sogleich, im Schlafe seufzend, in eine enge Umarmung zog.
Dominik grinste belustigt, zu schade, dass Johanna mit ihrem Riesenteddy Berti zu Kathrin gezogen war, den hätte er gerne Patrick statt des Kissens angeboten. Das wäre ein hinreißendes Bild geworden.
Ein leises schnaubendes Geräusch irgendwo im Zimmer ließ ihn aufhorchen, noch belustigt von der Vorstellung von Berti und Patrick ein Foto zu knipsen, sah Dominik sich um und stutzte, sein Lächeln erstarb auf seinen Lippen, da saß doch tatsächlich sein Vater zusammen gesunken im Sessel neben der Tür und schlief.
Dominik stand rasch auf, schlich extra leise, um Patrick nicht zu stören zu Jo rüber und rüttelte ihn ganz unzeremoniell wach. „Was machst du hier“ zischte er ihn an.
„Oh, ich wollte nur nach euch sehen, ob ihr alles habt, was ihr braucht und muss wohl darüber eingeschlafen sein, weißt du“,  antwortete Jo, verunsichert durch Dominiks feindseligen Tonfall, verschlafen aber ebenso leise und sah anschließend nervös auf seine Armbanduhr, “ich muss leider gleich wieder ins Gericht, kannst du heute noch mal bei Pa...“
„Keine Sorge“, unterbrach Dominik ihn umgehend, „ich lasse ihn nicht allein, das letzte Mal, dass ich das gemacht hab, ist er spurlos verschwunden, erinnerst du dich?“fragte er giftig nach und ergänzte ohne Pause, „aber Moment - er war ja nicht allein, er war bei dir! Und nun stehe ich vor der schweren Entscheidung, ob ich es wagen kann zum Klo zu gehen...“ betont und ohne eine Antwort seines Gegenübers abzuwarten ging Dominik Richtung Bad.
Jo trat bei so viel frühmorgendlicher Angriffslust lieber den Rückzug an und als Dominik zurückkam, war sein Vater verschwunden.
Leise schlich er zurück durchs Zimmer und setzte sich, durch diesen Etappensieg über Jo zufrieden gestellt, in den freigewordenen Sessel und schrieb erst mal eine SMS an Pia: >...brauche dringend ein paar Tage frei, familiärer Notstand, verteilst du bitte meine Schichten<  und weil es noch früh am Tage war, legte er sich noch mal neben seinen Bruder.
Als Dominik, deutlich später, gegen Mittag wieder aufwachte, knurrte sein Magen laut hörbar und er setzte sich rasch auf.
„Oh, hab ich dich geweckt?“ fragte Patricks Stimme, irgendwie schuldbewusst klingend, von der Seite. Er saß ebenfalls aufrecht noch im Bett und knabberte an etwas.
„Nein, nein – das war eher mein leerer Magen, nach dem eher dürftig ausgefallenen Abendessen, hab ich einfach mächtig Kohldampf.“ antwortete Dominik verschlafen, rieb sich die Augen und streckte sich erst mal.
„Auch einen?“ fragte Patrick hilfsbereit und hielt Dominik den Teller mit dem Zwieback vom Vortag hin.
„Nein danke, bloß nicht, sonst  haben wir die nächsten 3 Wochen die Krümel im Bett“ lehnte Dominik gespielt entrüstet das nett gemeinte Angebot ab.
„Das hier ist immer noch MEIN Bett“ moserte Patrick leise und nahm sich, wie zum Trotz, den nächsten Zwieback vom Teller, in seinem Schoss. Dominik schüttelte nachsichtig den Kopf: „Also ich bin eher für ein richtiges Frühstück, von mir aus auch im Pyjama“ schlug er vor.
„Aha“, bemerkte Patrick trocken, Zwieback knuspernd und fragte weiter, „...und was macht du solange?“ er deutete mit dem angeknabberten Gebäckstück in seiner Hand auf Dominik, der anders als er selber, in nur T-Shirt und Boxershorts da saß. Dessen nonverbale schlichte Antwort darauf war ein Kissenwurf direkt in Patricks Gesicht!
Als sie letztlich doch, halbwegs angezogen, nach unten in die Küche gingen, staunten beide nicht schlecht, der große Esstisch war gedeckt, als sollte eine ganze Kompanie verpflegt werden.
Patrick setzte sich andächtig und betrachtete die Auswahl an Speisen vor ihm: „Hast du das gemacht?“ fragte er verwundert und doch anerkennend seinen Bruder.
„Ha! sehe ich aus als ob ich Schlafwandel und dann wie ein Heinzelmännchen den Haushalt schmeiße?“ entrüstete sich Dominik nicht minder verwundert.  
„Na dann war es wohl Jo!“ schlussfolgerte Patrick leise und hatte wieder diesen komischen fernen Gesichtsausdruck, als wäre er den Tränen nahe. „WAS!“ fragte Dominik ganz leicht entnervt, „ Was ist jetzt schon wieder?“
Patrick biss sich verlegen auf die Lippen, bevor er leise erläuterte: „Na ja, warmes Croissant mit Erdbeermarmelade“, und er deutete auf das Glas direkt vor seinem Teller auf dem Gebäck lag und ergänzte, „ist mein Lieblingsfrühstück...“
„Patrick, das ist Zufall, wir haben immer Erdbeermarmelade im Haus.“, stöhnte Dominik, „es ist die einzige Marmelade die Johanna mag und isst.“
Leicht enttäuscht von der Bemerkung seines Bruders seufzte Patrick schwer und spielte in Gedanken versunken mit dem Marmeladenlöffel, er hätte so gerne geglaubt das eine tiefere Absicht dahinter gewesen sei, auch wenn sein Verstand natürlich Dominik recht gab – es war sicher nur Zufall.
„Ich mach dir jetzt erst mal einen Kaffee“, kündigte  Dominik, entschlossen die Dinge nun in die Hand zu nehmen, an,  „...um 11:00 Uhr haben wir einen Termin bei Dr. Ries.“
Patrick sah, mit einem offensichtlich mulmigen Gefühl, auf: „Ich dachte, das hättest du nur so dahin gesagt...“  
„Nein, das habe ich nicht“, bekräftigte sein Bruder,  „es ist eigentlich mein Termin, aber ich trete ihn dir gerne ab, bis du dir selber welche vereinbaren kannst.“ Dominik ging zur Kaffeemaschine und betätigte den Schalter, als überraschend die Tür aufgeschlossen wurde und Tuner rein kam.
„Wat is denn dees hier?“ polterte der los, als er Patrick entdeckte, währenddessen versteckte dieser seine dick verbundenen Hände schnell unter dem Tisch und versuchte einen gelangweilt gleichgültigen Blick aufzusetzen.
„Frühstück!“ antwortete Dominik knapp und setzte die Kaffeemaschine endlich in Gang. Tuner kam näher, den Schlüssel noch in der Hand und stotterte vor Erregung: „Ick meene was tut die Wurst hier, der war doch wech! Auf und davon die feige Möhre...“
„Patrick ist gestern nach Berlin zurückgekommen und wohnt nun wieder hier im Town House bei uns, genau wie du“ antwortete Dominik betont ruhig und besonnen.
„Waaas - Mopsi wohnt hier? Seit wann denn das?“ fragte Patrick nun vom Tisch aus, deutlich angekratzt von Tuners offenen Beleidigungen. „Ick jeb dir jleich `nen Mopsi...“ brüllte Tuner daraufhin und kam bedrohlich schnell näher.
„PATRICK -  TUNER ES REICHT!!!“, Dominik war nicht nur in die verbale Schusslinie gesprungen sondern baute sich zwischen den Beiden auf, „Patrick, ein für allemal, mein Freund heißt Max Krüger oder auch Tuner.“ klärte er nachdrücklich seinen Bruder auf.  
„Waaas HERR KRÜGER wohnt hier? Seit wann?“ wiederholte Patrick gedehnt und Dominik riss nun der Geduldsfaden und er schnauzte los: „JA!!! Er ist mein Gast , bei mir oben im Dachgeschoss und bleibt solange er will.“, dann wandte er sich zu Tuner um, „Und du, Tuner,  hörst auf hier rum zu pöbeln. Patrick gehört nun mal zu meiner Familie. Wo kommst du eigentlich jetzt her? Wie ist es gelaufen?“
Bei den letzten zwei, deutlich freundlicher gestellten, Fragen seines Freundes entspannte sich Tuner etwas und antwortete  bereitwillig: „Ick war bei meener Mutti in Spandau über Nacht. Sie braucht wohl sonn Herzmaschinchen und soll bald operiert werden. Da macht man sich halt so seine Jedanken.“
„Das tut mir leid Tuner“, sagte Dominik anteilsvoll, „magst du auch was mit frühstücken?“und er zeigte einladend auf den gut gedeckten Tisch. Doch Tuner winkte ab: „Schon jut, ick muss ins Vereinsheim, Pia hat mich zur Unterstützung anjerufen...“ er warf Patrick noch einen betont finsteren Blick zu, machte ohne weitere Worte zu verlieren auf dem Absatz kehrt und ging wieder zur Tür hinaus.
Dominik setzte sich aufseufzend nun endlich zu Patrick, der Tuners Abgang zunächst aufmerksam mit Blicken verfolgt hatte, nun aber eher in sich gekehrt da saß, an den Tisch.
„Sorry, ich wollte nicht...“fing Patrick zerknirscht an. Doch Dominik winkte ab: „Schon gut! Lass ihn einfach zu frieden. Tuner wohnt hier bei uns seit er sich von Emily getrennt hat und ihr nicht bei jedem Schritt in der WG übern Weg laufen wollte.“ erklärte Dominik leicht genervt.
>EMILY! < Patrick hatte, seit er nach Berlin zurückgekehrt war, noch nicht an sie gedacht. Und auf einmal tat es weh, ein heißer Stich ins Herz, allein der Name.  
„Emily?“ fragte er mit dumpfer heiserer Stimme,  „Emily hat sich getrennt?“
„Nein - Tuner hat sich getrennt“ berichtigte Dominik ohne Patrick weiter anzusehen und schmierte Butter auf sein Brötchen, bevor er plötzlich das Messer ganz langsam weglegend, aufsah: „Oh man - jetzt begreife ich erst, dein Date auf dem Musik Festival damals, das war EMILY?“
„Ist doch egal“, murmelte Patrick geknickt und starrte in seine Tasse, der Rest des Croissant, über das er sich eben noch gefreut hatte, lag vergessen vor ihm, „sie will bestimmt nichts mehr von mir wissen. An dem Abend vor dem Festival da hab... hab ich hab ihr eine Liebeserklärung gemacht und sie geküsst.“ seine Augen wurden ganz groß und dunkel und sein Ausdruck weich und sanft, bei dieser Erinnerung.
„Und später habe ich ihr eine SMS geschickt und mich für das Festival mit ihr verabredet, ich wollte sie unbedingt zurück gewinnen...“, er sah unsicher, darüber wie sein Bruder das aufnahm, zu  Dominik, „ ...ja...ich weiß sie war mit Mop...TUNER zusammen aber... das ist ja auch jetzt alles egal. Denn am nächsten Morgen saß ich neben Jo im Auto und konnte nicht zu ihr hin gehen und dabei weiß ich - sie hat dort auf mich gewartet. Da war eine Radioübertragung vom Festival, Jo hatte das Radio eingeschaltet, weil ihn  mein...mein...Weinen gestört hat, und die haben Besucher Interviews gemacht dort...ich hab Emilys Stimme gehört, hab sie sofort erkannt und konnte nicht zu ihr. Sie hat gewartet und ich bin nicht gekommen...hab sie versetzt...wiedermal...ein letztes Mal.“
Patrick machte eine bedeutungsschwere Pause bevor er abschließend sehr niedergeschlagen, fast verzweifelt, schlussfolgerte: „Sie guckt mich nie wieder an. Ich hab sie verloren. Diesmal hab ich sie wirklich und endgültig verloren...“
Dominik schwieg betroffen, welch eine unglückliche Verkettung der Ereignisse was das nur gewesen...doch es regte sich widerstand in ihm, er mochte das nicht einfach so als gegeben hinnehmen
„Das ist doch Unsinn, du kannst Emily doch erklären... “ fing er zögerlich an, doch Patrick schüttelte nachdrücklich den Kopf, als wollte er nicht hören und nichts gelten lassen, aber Dominik ließ nicht locker, „...Mensch, sie hatte noch ein Foto von dir, wenn du ihr wirklich gleichgültig wärst, dann hatte sie das doch weg geschmissen.“ In Gedanken setzte Dominik noch >So wie Jo es getan hat<,  hinzu doch es erschien ihm zu grausam es auszusprechen.
„Ein Foto? Von mir?“ fragte Patrick eine Spur hoffnungsvoller.
„Ja, sie hatte es in einem Modemagazin versteckt, die ganze Zeit über, die sie mit Tuner zusammen war, hat sie es aufgehoben, ich hab’s mir ausgeborgt, für Kommissar Plass Suche nach dir.“
Emilys Kommentar, den sie gebracht hatte an dem Tag, das Foto und Patrick betreffend, verkniff sich Dominik vorsichtshalber und forderte Patrick stattdessen auf: „Erklär es ihr, erzähl ihr was vorgefallen ist an dem Tag des Festivals und was du fühlst und wenn sie dich auch noch liebt, kommt sie auch zu dir zurück, bestimmt.“
Patrick stand mit einer neuen Entschlossenheit auf: „ Ja du hast recht, ich  muss es versuchen, mehr als eine Abfuhr kann ich mir nicht einfangen!“
„Hey langsam Romeo, erst hast du ein Rendezvous mit „Dottore Ries“, schon vergessen?“, bremste Dominik Patricks Tatendrang aus, „und wenn du wirklich Emily zurück gewinnen willst, dann solltest du vielleicht warten, bis du nicht mehr ganz so verbeult aussiehst.“
Patrick zögerte und sah zunächst verhalten auf seine Hände und tastete dann vorsichtig nach seiner schmerzenden Backe: „Ich seh wohl ganz schön schlimm aus?“ Dominik machte ein mitfühlendes Gesicht und bestätigte dann: „Krass Mitleid erregend vielleicht, aber nicht unbedingt - sexy, Sorry Man“

„Patrick? - Dominik?“ fragend kam Katrin die Treppe aus der Redaktion herauf, „ich hab eure Stimmen gehört...“
Patrick versteckte seine lädierten Arme schnell auf dem Rücken und setzte sein gewinnendstes Lächeln auf.
„Mit dir wollte ich sprechen“, wandte sie sich ohne Umschweife an Patrick, „Jo hat mich gestern Abend ins Bild gesetzt und mir alles erzählt!“
„Was - so - alles?“ fragte Patrick unbehaglich, er trat nervös von einem Bein aufs andere und sah unsicher zu Dominik, der langsam näher kam.
Kathrin schien etwas ungeduldig und präzisierte ihre Aussage knapp: „Was er getan hat, mit dir, nachdem er das Lösegeld bei dir gefunden hatte und auch was dir dann später in Russland zugestoßen ist. Es war eine, sagen wir sehr umfassende Beichte und es scheint ihm aufrichtig leid zu tun, aber deswegen bin ich nicht hier.“ Sie trat ein paar Schritte auf Patrick zu, und sah ihm nun direkt in die Augen als sie fort fuhr:  „Ich wollte dir danken – danken, dass du mich vor David gewarnt hast und es tut mir wirklich leid, dass ich dir nicht geglaubt habe. Ich bedaure auch wie ich dich behandelt habe, denn ich habe dich falsch eingeschätzt und du bist einfach zwischen die Fronten geraten. Solltest du, wenn es dir besser geht, eine Arbeit suchen und ich weiß, dass ist mit deiner Vita nicht so leicht, also dann kannst du zu Metropolitan Trends zurückkommen, wenn du das möchtest.“
Patrick war verblüfft und stotterte: „Ja...ja danke, ich...ich werde es mir überlegen.“ Sie nickte ihm lächelnd kurz zu und wandte sich bereits zum Gehen als Patrick sie zurückrief:  „Katrin  bitte warte!“, er schluckte, „danke - für deine Entschuldigung, das bedeutet mir viel, auch wenn wir uns nie so gut verstanden haben.“
Katrin lächelte ihm nochmals kurz zu und ging ebenso rasch wieder, wie sie gekommen war.
„Na bitte, das läuft ja überaus Prima.“ meldete sich Dominik wieder zu Wort, „einen Job und eine Freundin in Aussicht und du kommst zu deinem ersten Gespräch mit Dr. Ries schon zu spät.“ und damit scheuchte er seinen Bruder die Treppe rauf
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