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Zwei ungleiche Brüder - können Dominik und Patrick die Vergangenheit hinter sich lassen?

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Dominik Gundlach Dr. Hans-Joachim "Joe" Gerner Emily Höfer (Badak) Jasmin Flemming Katrin Flemming-Gerner Patrick Graf
07.08.2012
16.09.2020
127
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07.08.2012 2.269
 
Nun wage ich es: meine erste FF, ich hab den Text mehrmals umgeschrieben – besser gehts nicht.
Ich bitte Euch Leser darum über die Orthographie- und Interpunktionsfehler hinweg zu lesen, als Legasthenikerin fällt mir das Schreiben unheimlich schwer und ohne Computer ginge es gar nicht.
Dennoch viel Spaß, mal sehen wohin die Reise führt....

Dominik blinzelte. Die Sonne schickte ihre ersten spät-sommerlichen Strahlen in das Dachgeschoß, welches er sein Reich nennen konnte. Gemütlich lag er, noch etwas verschlafen, im Bett und streckte sich. Ein leises Schnarchen deutete an das Tuner, noch an seiner Luftmatratze horchte und im Land der Träume weilte. Dominik genoss die frühmorgendliche Ruhe.
„Eigentlich ist das Leben schön“ rekapitulierte er, der nervenaufreibende Prozess war vorbei und Linostrami endlich rechtskräftig verurteilt und sicher weggeschlossen im Gefängnis.
Jo ging es bedeutend besser. Seit der ganz große Trubel abgeklungen war und er sich endlich schonen konnte, verheilte die Schusswunde, die fast Jos Leben gekostet hatte.
Er hatte erst kürzlich ein schönes Wochenende mit Johanna und Katrin auf Sylt verbracht und alle drei waren zufrieden und erholt zurückgekehrt.
Und die Tatsache, dass Dominik endlich sich entschlossen hatte seines Vaters Namen anzunehmen hatte Jos Triumph gekrönt. Dominik schmunzelte zufrieden, als er sich erinnerte, wie er überraschend mit Dr. Kunz, dem Notar,  zuhause aufgetaucht war. Es war schwer Jo Gerner zu verblüffen und er hatte sich ehrlich gefreut. Das kleine Familienfest mit Katrin, Jasmin und Johanna zur Namensänderung war sehr schön gewesen und ungewohnt friedlich.
Ja stimmt, Katrin beharrte auf der Scheidung, aber mal ehrlich das ganz große Liebespaar sind Jo und Katrin doch nie gewesen, vielleicht tat ihnen die klare Trennung gut und sie fanden zu einem Freundschaftlichen Verhältnis. Für Johanna wäre das sicher besser, als dieser ewige Kleinkrieg und diese Eifersüchteleien aus der Vergangenheit.
Ein walrossähnliches Prusten störte Dominiks Gedankenfluss, Tuner drehte sich auf den Bauch die Luftmatratze im Arm, er würde sicher noch eine Weile weiter schlafen, schließlich hatte er gestern Spätschicht im Vereinsheim. Heute früh war Pia dran und Dominik hatte den ganzen Tag zur freien Verfügung.
Vergnügt überlegte er, was damit anzufangen sei – vielleicht an seinem neuen Motorrad schrauben? Oder vielleicht irgendetwas mit seinem Dad? Um ihn von Katrin und der Scheidung abzulenken? Jo hatte ja doch gehofft sie käme zu ihm zurück, wie er erst neulich abends geknickt Dominik anvertraut hatte.
Ein Ausflug mit Motorrädern? Das wär´s doch, Dominik grinste breit, als er sich erinnerte: Dr. Jo Gerner im Beiwagen, das war ein Bild für die Götter. Vater und Sohn, die Gerners gegen den Rest der Welt, das würde ihm sicher gefallen.
Doch plötzlich verdunkelte sich sein Gesicht, als ob sich eine Wolke vor die Sonne geschoben hätte. Patrick – auch ein Gerner! So viele SMS hatte er Patrick geschickt vor, während und nach dem Prozess und erst gestern wieder und keine Antwort. Er war einfach verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.
Sie waren beide in Patricks Zimmer, auf Jo wartend, eingeschlafen und Seite an Seite aufgewacht, an diesem letzten gemeinsamen Tag im Mai. Der erste Tag des Musik-Festivals. Es war der Tag an dem Patrick verschwand, Jo in den polnischen Wäldern niedergeschossen wurde und Katrin, die ihn letzten Endes gerettet hat zu unrecht im Gefängnis landete.
Der wahre Täter, David Carstensen, war immer noch nicht gefasst. Dominik setzte sich beunruhigt auf. Was wenn dieser Carstensen Patrick beseitigt hat, bevor er Jo nach Polen folgte und dort auflauerte? Schließlich hatte Patrick ihn erst am Vorabend davon unterrichtet, dass er glaubte, eine Verbindung von Carstensen und Linostrami gefunden zu haben...
Dominik verdrehte die Augen: „Oh man, jetzt werde ich auch noch Paranoid!“, entfuhr es ihm. Ein lautes Schnaufen von Tuner war die Antwort.
Dominik schüttelte den Kopf über seine eigene Dummheit, Patrick hatte doch einen Abschiedsbrief geschrieben, er war weg, untergetaucht, hatte einfach zuviel Angst. >...deshalb sucht nicht nach mir<.
Das war eine eindeutige Aussage. Dominik seufzte und streckte sich wieder im Bett aus. Die Sonne malte goldene Streifen an die Decke.
Dominik war immer noch tief in seinen Gedanken versunken. Wo hatte Jo den Brief eigentlich gefunden? Er hatte ihn nie gefragt, wie auch, schließlich stellte die Polizei den Brief in Jos Wagen, bei der Spurensuche sicher, während dieser mehrfach operiert im Krankenhaus lag und um sein Leben kämpfte.
Leider war Jo immer noch nicht besonders gut auf Patrick zu sprechen, wenn er also einen Vater- und-Sohn-Tag plante, dann sollte er das Thema Patrick besser nicht ansprechen. Leise schlich sich Dominik ins Bad und kurz darauf, an seinem immer noch schlafenden Hausgenossen vorbei, die Treppe hinunter.
Unten angekommen traf er, trotz der frühen Stunde, auf Prof. Dr. Hans-Joachim Gerner, den Anwalt und Rechtswissenschaftler , fix und fertig in Anzug, Weste und Krawatte, einen Kaffee trinkend, am reich gedeckten Frühstückstisch sitzend und die Zeitung studierend.
„Guten Morgen – schläfst du eigentlich nie?“ „Selten, höchst selten, mein Sohn“ war die amüsierte Antwort. Jo sah kurz auf: „Auch einen Kaffee?“ bot er seinem Sohn an. Dominik setzte sich und reichte seinem Vater wortlos die Tasse.
„Sieht so aus als müsste ich meinen freien Tag doch ohne dich planen, ich hatte gehofft wir könnten etwas mit einander unternehmen.“ fing Dominik zögerlich an. Doch Jo war gleich Feuer und Flamme von der Idee und versprach sofort seine Termine zu verschieben.
„An was hattest du denn gedacht? Skeet oder Golf ist ja nicht so nach deinem Geschmack“, überlegte Jo eifrig, „und Tennis, Klettern oder Motorrad fahren dürfte aus medizinischer Sicht noch nicht in Frage kommen“, er klopfte sich erklärend leicht auf den Bauch.
„Wie wäre es mit einer gepflegten Runde Billard?“ schlug Dominik vor. „Oho, da muss ich dich aber warnen“, prahlte Jo, „im Pool-Billard war ich einmal Meister.“
„Sicher in der Kreidezeit zu deinen Studententagen.“ frotzelte Dominik. Die Türglocke unterbrach die beiden, gut gelaunt stand Gerner Senior auf, um die Tür zu öffnen.
„Kommissar Plass!“ überrascht bat der Anwalt den Polizisten ins Haus. „Wie kommen wir zu der Ehre? Ist David Carstensen endlich gefasst worden?“ Etwas gequält lächelnd verneinte der Kommissar: „Nein leider noch nicht. Aber die Fahndung läuft auf Hochtouren, es ist nur eine Frage der Zeit bis wir ihn haben“, er schritt in die Wohnung und drehte sich dann zu dem Rechtsanwalt herum, „nein, Carstensen ist es nicht, der mich, zu so früher Stunde, zu ihnen bringt.“
Dominik war inzwischen vom Frühstückstisch aufgestanden und trat zu den beiden Männern in der Wohnküche. „Haben Sie in letzter Zeit etwas von ihrem anderen Sohn, Herrn Patrick Gerner gehört?“erkundigte sich der Kommissar gerade.
Jos gute Laune war wie weggeblasen „Nein, er ist untergetaucht und verschwunden, Sie haben seinen Abschiedsbrief doch gelesen.“ knurrte er abwehrend. Plass wendete sich Dominik zu doch der schüttelte nur bedauernd den Kopf: “Warum fragen sie? Ist ihm etwas zugestoßen?“
„Das ist es was ich heraus zu finden versuche, Herr Gundlach.“ antwortete der Kommissar geduldig. „Gerner“ korrigierte Jo knapp. „Wie bitte?“ Dominik lächelte: „Ich heiße jetzt Gerner, wie mein Vater.“ erklärte er entschuldigend.
„Also was soll nun genau Patrick passiert sein?“ fragte Jo ungehalten, sein Tonfall zeigte sein Desinteresse überdeutlich.
„Ich weiß es nicht, vielleicht sagen sie es mir?“ Jos empörtes Schnauben übergehend fuhr der Kommissar fort: „In einem See bei Danzig ist, von einem Angler, ein Auto entdeckt worden. Die polnische Polizei konnte den Wagen als jenes Fahrzeug identifizieren, welches David Carstensen am Abend des  22. Mai, dem Tag an dem er auf sie geschossen hat, benutzte. Er hat es offensichtlich auf der Flucht dort versenkt um seine Spuren zu verwischen. Auf dem Beifahrersitz fand sich das hier...“
Der Kommissar griff in die Innentasche seiner Lederjacke und legte eine Plastiktüte mit einem Mobiltelefon auf den Küchentresen. „Kennen sie dieses Handy?“ Jo schüttelte unwirsch den Kopf, doch Dominik zögerte: „Patrick hatte so eines...“ begann er, aber er wurde jäh unterbrochen. „Wie sollte ausgerechnet Patricks Handy in Carstensens Wagen kommen?“ wütend funkelte der Anwalt den leise lächelnden Kommissar an.
„Glauben sie Carstensen hat Patrick etwas angetan“ fragte Dominik beinah flüsternd. „Ich glaube gar nichts Herr Gerner. Ich sammele Fakten. Nun - es ist tatsächlich das Mobiltelefon ihres Cousins, Verzeihung, Adoptivbruders“, sagte Plass zu Dominik gewandt, „wir konnten die Daten auf der Simkarte rekonstruieren, doch ihre Frage ist von größter Relevanz, Herr Dr. Gerner, warum beantworten sie sie nicht gleich für uns?“
Dominik riss die Augen auf. >Dad? Was hatte er damit zu tun? <. Der Anwalt hatte sich inzwischen abgewandt. „Wie kommen sie nur darauf, dass ich etwas dazu zu sagen hätte“, erwiderte er betont beiläufig.
Angriff ist die beste Verteidigung; Will man eine Frage nicht beantworten dann stellt man eine Gegenfrage. Tricks und Finten. Dominik durchschaute seinen Vater sofort: „Dad, was weißt du?“ Ein kurzer prüfender Blick von Jo in seine Richtung, kein Zweifel da war etwas, aber der Anwalt schwieg.
Leise seufzend meldete sich stattdessen der Kommissar wieder zu Wort: „Wir wissen aus der Auswertung der Untersuchung ihres Wagens, nebst Navigationsgerätes, dass sie an dem betreffenden Abend bis zu einem Grenzposten im Norden Polens, an der polnisch/russischen Grenze gefahren sind, und bereits auf dem Rückweg waren, als sie von David Carstensen gestoppt wurden. Und wir wissen, dass sie, als sie Berlin verließen und durch Brandenburg Richtung Polen fuhren, nicht allein im Auto waren.“ Eisiges Schweigen.
Der Kommissar fuhr fort: „So ein Mobiltelefon loggt sich im eingeschaltetem Zustand automatisch bei den Sendemasten, die sie auf so einer Fahrt passieren, ein. Die Spur, die ihr Handy, Herr Dr. Gerner, an jenem Tag hinterlassen hat, deckt sich 1:1 mit der Route ihres Navigationsgerätes im Wagen und, zum größten Teil, auch mit dem Logg-in-Protokoll dieses Gerätes“, er deutete auf das eingetütete Handy auf der Tischplatte vor ihm, „mindestens bis es irgendwo in Brandenburg, kurz vor der polnischen Grenze ausgeschaltet wurde, befand es sich, vermutlich in Begleitung seines Eigentümers, in ihrem Wagen.“
Fassungslos blickte Dominik von seinem Vater zu dem Kommissar. Herausfordernd beobachtete Kommissar  Plass den Anwalt. Wie eine Katze die Maus.
Jo Gerner kämpfte mit sich und der Wahrheit: „Na schön! Ja, ich habe Patrick mitgenommen.“ Totenstille. „Er kam mit seiner gepackten Tasche in mein Büro, er war kopflos vor Angst, faselte etwas von einer Verbindung zwischen David Carstensen und Bajan Linostrami und das er untertauchen müsste, weil er ja von ihnen, Herr Plass, keinen Polizeischutz bekommen habe. Ich versuchte ihn zu beruhigen, erinnerte ihn daran, dass er nur im Prozess aussagen müsste und dann wäre keine Gefahr mehr – alles zwecklos. Schließlich habe ich mich bereiterklärt, ihn bis zur Grenze zu fahren, da er befürchtete, dass bei einer Buchung für Flugzeug oder Bahn Linostramis Leute ihm auf die Spur kommen könnten. Nachdem ich ihn abgesetzt hatte, fand ich den Brief und das Handy auf dem Beifahrersitz, er muss es absichtlich zurückgelassen haben. Schließlich wollte er ja, laut Brief, keinen Kontakt mehr. David Carstensen hat dann beim Durchsuchen meiner Taschen das Handy gefunden und mir abgenommen, er hielt es wohl für meines.“ Jo atmete tief durch.
„Warum Russland? Kennt ihr Adoptivsohn dort jemanden? Hatte er Geschäftsbeziehungen dorthin?“ bohrte der Kommissar nach. „Was weiß ich, der Junge war doch nie besonders Aufrichtig, hat aus allem ein Geheimnis gemacht, sie haben ihn doch erlebt. Er hat nach der Entführung das Blaue vom Himmel herunter gelogen.“
Jo ging zu dem Küchentresen und goss sich ein Glas Wasser ein. Dominik suchte nach Worten: „Du wusstest die ganze Zeit, dass Patrick nach Russland gegangen ist?“, rief er schließlich außer sich, „was wenn Carstensen euch bis zur Grenze gefolgt ist und einen Komplizen hinter Patrick hergeschickt hat? Ich habe ihm so viele SMS geschickt. Er hätte sich doch gemeldet...“, Dominik brach erschüttert ab und starrte auf das eingetütete Handy vor ihm auf dem Tresen. Ein Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte: >sicher hätte er sich gemeldet, aber er konnte nicht, er hat deine Nachrichten nie bekommen< Kraftlos setzte sich Dominik und vergrub das Gesicht in seinen Händen.
Betreten beobachtete Jo seinen Sohn,  sein schlechtes Gewissen regte sich wieder. Damals im Krankenhaus, als er die Videoaussage von Patrick gesehen hatte und einsehen musste falsch gehandelt und Patrick zu Unrecht verstoßen zu haben, da konnte er sich schnell mit dem Prozess wieder ablenken, aber jetzt? „Wir werden Nachforschungen anstellen“, sagte der Kommissar und sah Dominik mitfühlend an, „ich muss jetzt wieder ins Präsidium – Danke ich finde allein hinaus.“ Rasch durchquerte der Kommissar den Raum und schloss die Tür leise hinter sich.
Jo stand neben Dominik in der Küche, er wollte beruhigend seine Hand auf dessen Schulter legen doch er wagte nicht ihn zu berühren. „Vielleicht solltest du Patrick doch noch mal eine Email schreiben?“ sagte Jo zögerlich.
„Wozu? Ich habe ihm Duzende geschrieben. Über den Verlauf und den Ausgang des Prozesses, und das es vorbei ist und er zurückkommen könnte – was wenn ihm etwas angetan wurde und wir es nie erfahren?“ Dominik hob den Kopf, feucht glitzerte es in seinen Augen.
Jo erschrak bei diesem Anblick. >Was wenn Dr. Hans Joachim Gerner Patrick etwas angetan hat und Dominik erfährt es? <, schoss es ihm durch den Kopf. Dominiks Sorgen um Patrick verschlimmerten Jos Gewissensbisse gewaltig. Eventuell sollte er selbst tätig werden und Patrick suchen lassen. Wo hatte er noch die Telefonnummer von Schmid, dem ehemaligem BND Mitarbeiter, den er damals auf die Entführer angesetzt hatte?
„ Na wat is den hier los?“ Tuner stand auf der Treppe ins Obergeschoss „Schlechte Stimmung – Tuni rufen, der bring det in Ordnung!“ „Nein“ Dominik sprang auf, schnappte sich seine Jacke „Ich brauche nur frische Luft, das ist alles“ und schon fiel die Tür hinter ihm ins Schloss.
„Ich muss jetzt ins Büro“, sagte Jo Gerner, mehr zu sich selbst als zu Tuner und eilte die Treppe hinunter. Zurück blieb ein verwirrter Tuner. Na so ein Chaos an so einem bildschönen Tag.
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