Mad Hatters Tea Party

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Alice Der Verrückte Hutmacher
04.08.2012
07.11.2017
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Der Tee rinnt bitter deine Kehle hinab.
Du hast ihn zu lange ziehen lassen. Es ist das erste Mal, dass du seinen Tee trinkst.
„Zucker?“, fragt der Hutmacher. Er hat gesehen, wie du bei jedem Schluck das Gesicht verziehst.
Der verrückte Hutmacher greift nach einer der unzähligen Teekannen und schenkt dir nach.
Der Teestrahl leuchtet golden in der Sonne und als er auf den Tee trifft, färbt sich der Inhalt deiner Tasse blutrot. „Fare well!“, meint er, hebt seine Teetasse an die Lippen und trinkt.
Du folgst seiner Aufforderung und führst ebenfalls deinen Tee zum Mund.
Als erstes nimmst du den berauschenden Duft des Getränks wahr.
Er ist undefinierbar, unbeschreiblich gut. Fast wie der Geruch von frisch gebrannten Mandeln, dann doch wieder wie die klare Luft nach einem Gewitter, vielleicht ein Hauch Vanille oder der betörende Duft eines Blumenstraußes. Der erste Schluck rinnt deine Kehle hinunter. Ein weiterer.
Du  schmeckst immer noch die Bitterkeit des ursprünglichen Tees, doch jetzt ist da ein süßer Beigeschmack, den du nicht so recht einordnen kannst. Honig? Zucker? Du weißt es nicht. Was hat dir der Hutmacher in den Tee gemischt?
„Was ist in dem Tee?“, frägst du ihn. „Gift.“ „Bitte was?“ „Süßes, berauschendes, tödliches Gift.“
Die Süße breitet sich langsam in deinem gesamten Körper aus. Das Gift fließt bereits durch deine Adern. Es pulsiert von deinem Herzen bis zu den Fingerspitzen. Das vorher angenehme, wunderbare Gefühl wird unerträglich. Dein Kopf beginnt zu schmerzen, ein dumpfes Pochen und schwere Süße vernebelt dir die Sinne, und du wünschst, den Tee niemals angerührt zu haben, das Geschehene ungeschehen zu machen.
Die Luft vor deinen Augen beginnt zu flirren, alles verschwimmt, beinahe wie zähflüssiger Honig, aber du siehst den Hutmacher das Gesicht zu einem schmerzlichen Lächeln verziehen.
„Ach, meine arme, arme Alice, wären wir uns doch nur nie begegnet…“
Du hörst das Klirren, als der Hutmacher seine Teetasse einfach fallen lässt, der schwarze Tee sickert durch die Tischdecke. „Ich wünschte, du hättest mich niemals nach dem Spiel gefragt.“
Langsam wird dir die Bedeutung seiner Worte bewusst.
Eine einzige Träne rinnt deine Wange herab. Der Hutmacher wischt sie fort und hält dir dann seinen tränenbenetzten Finger an die Lippen. Sein Blick wird ernst: „Du wirst unser Spiel doch nicht vergessen, Alice?“ Du nickst kaum merklich. Deine Augen fallen dir langsam zu.
Mit letzter Kraft umfasst du die Hand des Hutmachers
„Es ist nur ein Traum. Ein… verwirrender… Tagtraum…“, flüsterst du und umklammerst seine Hand noch fester. „Ich will nicht aufwachen!“, deine Stimme bricht vor Verzweiflung und seine Hand entzieht sich langsam, aber unaufhaltsam der deinen.
Das Letzte, was du siehst, ist das Gesicht des Hutmachers, geziert von einem traurigen Lächeln, das es dir schier das Herz zerbricht, dann wird alles schwarz.
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