Feldblumen

KurzgeschichteAllgemein / P16
Colonel William Tavington
03.08.2012
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Hallo,

mit diesem OS wollte ich mich Wlliam Tavington ein wenig annähern. Mir geistert nämlich seit einigen Monaten die Idee einer FF vor... Über Feedback würde ich mich freuen!


Feldblumen


Nebel stieg aus den weiten Feldern auf. Er schien aus der dunkelbraunen, fruchtbaren Erde geboren zu werden; einer weißen Wand gleich, beinahe durchsichtig und doch fester als ein Bollwerk, legten die wabrigen Schwaden sich über den stehenden Raps. Schienen ihn verschlucken und somit vor den nicht mehr fernen ersten Sonnenstrahlen schützen zu wollen.
Für die Dauer eines Augenblicks, der ewig währte, stand die Welt still.

Ein schriller Laut durchbrach die Ruhe wie ein Peitschenknall. Verängstigt krochen die wenigen Wald- und Wiesentiere, die schon aktiv waren, in ihre Höhlen und Bauten zurück oder versteckten sich in den weiten Feldern. Eine kleine Spitzmaus, die auf den schmalen Pfad zwischen Raps und Korn gehuscht war, um nach heruntergefallenen Körnern zu suchen, erstarrte mitten auf diesem, als die Erde zu beben begann.
Nur Sekunden später schlugen Hufe genau an der Stelle ein, wo das Tier gewesen war. Ein sich entfernendes, leises Rascheln im Korn wies die Richtung seiner Flucht.

Der Überfall vollzog sich, von den Hufschlägen abgesehen, lautlos. Dennoch blieb er nicht unbemerkt. Im Obergeschoss des Hauptgebäudes brannte Licht auf, und selbst auf die Entfernung waren ängstliche, panische Stimmen zu hören.
Das Wiehern klang wie eine höhnische Antwort.

„Captain!“ Der Anführer des Überfalls winkte dem hinter ihm Reitenden, zu ihm aufzuschließen. Ohne den Blick von dem vor ihm liegenden Ziel zu nehmen, wies er seinen Untergebenen an: „Nehmt so viele Männer, Frauen und Kinder gefangen, wie es Euch möglich ist. Wir werden aus ihnen die Verstecke der Rebellen herauspressen. Erschießt, wer sich mit Waffen gegen uns stellt.“
„Verstanden, Colonel!“

Das Schießen begann wenige Sekunden später. Doch anstatt seinen Fuchshengst zur Seite zu lenken, damit er den tödlichen Kugeln aus dem Weg war, griffen die kräftigen Hände nur fester in die Zügel. Es war blanker Wahnsinn, so zu verfahren: Sollte das Pferd von Kugeln getroffen werden, konnte er unter dem schweren Leib eingedrückt und ohne große Schwierigkeiten erschossen werden. Um sein eigenes Leben fürchtete er nicht, aber sein Hengst hatte ihn ein kleines Vermögen gekostet. Es wäre eine finanzielles Fiasko, ihn zu verlieren.
Außerdem war das Tier das einzige Wesen, das ihm in irgendeiner Weise am Herzen lag.
Trotzdem hielt der Colonel weiterhin gerade auf das zweistöckige Haus zu. Kugeln pfiffen um ihn herum, bereits zweimal waren hinter ihm Soldaten Seiner Majestät verwundet oder tot aus dem Sattel gestürzt. Die Rebellen hatten den Vorteil, sich von einer geeigneten Position aus verteidigen zu können. Zwar glühten die Mündungen ihrer Gewehre auf, wenn sie einen Schuss abgaben, aber immer nur kurz. Es war schwierig, ein solches Ziel genau zu treffen.

Dennoch würden alle Schützen innerhalb der nächsten Minuten den Tod finden.

Sobald er an der weitläufigen Veranda angekommen war, zügelte der Colonel den Hengst und sprang aus dem Sattel. In der linken Hand hielt er eine geladene Pistole, die Rechte zückte den langen, leicht krummen Säbel. Eine gefährliche Waffe des Nahkampfes – besonders, wenn sie von ihm geführt wurde. Trotzdem war er nicht so wahnsinnig, sich allein in die Nähe des Feindes zu begeben. Doch bereits wenige Sekunden später waren Captain Bordon und die restlichen Dragoons neben ihm. Und durch das immer noch knallende Waffenfeuer vernahm man den Laufschritt von einer Kompanie Fußsoldaten, die ebenfalls in Richtung der Farm eilte.
„Vorwärts!“ Als Erster lief der Colonel auf die Tür zu; kraftvoll warf er sich mit der Schulter dagegen, um eventuell dahinter aufgestapelte Gegenstände zu Fall zu bringen. Das war jedoch nicht so, und der Sprung wurde beinahe zu einem Sturz. Genau dieses Missgeschick jedoch rettete ihm das Leben: In den Moment, wo er fiel und sich geschickt über die rechte Schulter abrollte, knallten über ihm Schüsse. Von draußen drangen Schreie, dann erwiderten die Briten das Feuer. „Verteilung! Zehn Mann nach oben, der Rest bleibt unten! Die Schützen werden getötet, der Rest gefangen genommen!“ Hinter den Soldaten, die mit vorgestreckten Bajonetten die Holztreppe hinauf stürmten, aber vor Captain Bordon, der zwei Pistolen in den Händen hielt, sprang er die Stufen hinauf.

Schon nach weniger als einer Minute war der Flur des Obergeschosses mit Toten und blutenden Verwundeten bedeckt, die sich stöhnend und schreiend ihre angeschossenen Gliedmaßen hielten oder versuchten, die Ströme des roten Lebenssaftes aufzuhalten, die aus ihren Körpern flossen. Die Holzdielen wurden glitschig und zu einer gefährlichen Stolperfalle, nicht weniger, weil die sich windenden oder still liegenden Soldaten und Rebellen kaum zu sehen waren.
Beinahe blind stand der Colonel am Kopf der Treppe, die linke Hand mit der Pistole ruhte am Geländer. Weißer Pulverrauch lag unbewegt in der Luft und ließ alles, was weiter als einen Schritt entfernt war, diesig und verschwommen erscheinen. Das Knallen der Musketen währte nur noch wenige Herzschläge; niemand konnte unter diesen Umständen noch sicher einen Schuss abgeben, ohne befürchten zu müssen, einen Kameraden zu treffen.

Allerdings war das auch das Zeichen dafür, dass die Schützen ausgeschaltet worden waren.

„Colonel?“ Bordon tauchte aus dem Rauch auf. Er wirkt zufrieden. „Die Rebellen sind niedergeschlagen, Sir. Elf Tote und sechszehn Gefangene, darunter Frauen, Kinder und Sklaven.“
„Verluste?“
„Zwei leicht verletzte Soldaten, Sir.“
„Bringt die Gefangenen in die Ställe. Presst aus ihnen die genaue Position des Rebellenversteckes und die Namen aller Beteiligten heraus. Zeigen sie sich verstockt, foltert die Kinder. Dann werden die Mütter schon reden.“
Bordon zeigte keine Regung ob der Grausamkeit seines Vorgesetzten. Er nickte lediglich knapp, wandte sich um und verschwand den Gang hinunter.

Der Nebel lag immer noch über dem Land, doch war er bereits gesunken und reichten den englischen Soldaten, die geschäftig über den Hof vor dem Haus umherliefen, ihre verwundeten Kameraden stützten oder die Gefangenen in ein großes steinernes Gebäude am rechten Ende des Gehöftes trieben, nur noch bis zu den Schäften ihrer Stiefel. Die Pferde der Dragoons grasten friedlich ein Stück abseits.

Colonel William Tavington wandte seine Schritte nach Westen, fort von dem Haus und den Geschehnissen der vergangenen Stunde. Schon nach wenigen Metern berührten seine Füße, die in schwarzen Lederstiefeln mit hohem Schaft steckten, nicht mehr den festgetretenen Boden der Farm, sondern lockere Erde. Die Felder, auf denen die Erträge der Familie wuchsen - die nicht mehr lange am Leben sein würde – erstreckten sich, so weit das Auge reichte, in alle Himmelsrichtungen. Obwohl Tavington sein Leben lang in der Armee gedient und keinerlei Erfahrung mit Feldarbeiten hatte, erkannte er Raps, Mais, Getreide und Tabak. Bis heute Morgen, vor dem Anrücken der englischen Einheit, war dies die Heimat einer wohlsituierten Farmersfamilie gewesen.
Ohne einem erkennbaren Pfad zwischen den gut einen Meter hohen Pflanzen zu folgen, wanderte der Engländer ein paar Minuten ziellos umher. Gut fünfhundert Meter vom Hof entfernt waren alle Geräusche auf einmal verschwunden; nur ein paar Grillen zirpten in ihren Verstecken, und leises Rascheln wies auf Feldmäuse hin, die aus ihren Bauten hervorkamen.

Im Osten ging die Sonne auf.

Ohne dies zu bemerken, blieb William Tavington stehen. Die ersten warmen Strahlen im Rücken schienen auf die grünen Pflanzen mit den kleinen, sternenförmigen rosa Blüten, die sich am oberen Rand weißer Kelche befanden. Ein sanfter Windstoß brachte die Pflanzen ins Schaukeln, und ein leises, fast unhörbares Rauschen erhob sich. In einiger Entfernung begann ein Vogel zu singen und bald waren es viele Stimmen, die den neuen Tag begrüßten.
„Es ist eine Schande, dass ich dieses Land nur sehe, weil ich mit einer Armee über das Meer gekommen bin.“ Tavington sprach leise, zu sich selbst. Er hob seine rechte Hand und strich sanft, beinahe liebkosend, über die Blüte einer direkt vor ihm stehenden Tabakpflanze. „Ein so wunderschönes Land. Ein Land, in dem, so scheint mir, alles blüht und gedeiht. Ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten.“

Ein Knacken verriet ihm, dass Bordon ein Stück entfernt stand. Bordon, der ihm unterstellte Captain. Ein Mann, der jeden seiner Befehle ausführte, ohne sie in Frage zu stellen. Wie erschreckend und grausam diese auch sein mochten. Tavington schätzte Männer unter seinem Kommando, die sich bedingungslos unterordneten und es nicht in Betracht zogen, die Worte ihres Vorgesetzten zu missachten oder zu hinterfragen.
Vielleicht auch, weil er selbst General Cornwallis, den obersten Befehlshaber der englischen Armee, genau mit diesem Verhalten schon so manches Mal in den Wahnsinn getrieben hatte.

Plötzlich wurde die Stille durch einen Schrei durchbrochen. Aufgrund der Entfernung zur Farm war er kaum zu hören, doch den geschulten Ohren der Soldaten entging er nicht. Bordon rührte sich nicht, und auch kein Laut drang über seine Lippen; doch wusste Tavington genau, dass er zurück musste.
Auf ihn wartete Arbeit.
Ein Seufzen drang aus seinem Mund. Dann drehte er sich abrupt um und ging den Weg zurück, den er gekommen war.
Bordon folgte ihm.

Aus einem steinernen Gebäude rechts vom Haupthaus, in dem Tavington zu recht den Stall vermutete, drangen mehrere Stimmen. Der Colonel musste den Kopf einziehen, um sich nicht an den dicken Holzbalken zu stoßen, die das strohgedeckte Dach stützten. Sobald er sich wieder aufrichtete, erfasste er die gesamte Situation mit einem Blick seiner eisblauen Augen. Er stand in der Sattelkammer, einem großen, rechteckigen Raum, an dessen Wänden an Halterungen Zaumzeug, Sättel und einige schwer aussehende, mit Leder überzogenen Joche hingen. Der Boden war aus festgestampfter Erde, jedoch erstaunlich eben. Die Rückfront bildeten drei hohe Fenster, durch die, gerade zu dieser frühen Morgenstunde, mehr als genug Licht fiel, um die grausame Szene zu beleuchten, die sich abspielte.
Mit der Kopfseite den Fenstern zugewandt stand ein groß gezimmerter langer Holztisch schräg versetzt vom Eingang. Er wirkte seltsam fehl am Platz, als wäre er dorthin verschoben worden. Dunkle Flecke auf der Oberfläche und den Beinen gaben dem grotesken Bild eine schauerliche Echtheit.
Neben den beiden Dragoons befanden sich noch zwei weitere Soldaten im Raum, ebenso wie ein Major und sein Lieutenant. Letztere standen am Kopf des Tisches und sahen auf den blutüberströmten Körper eines Mannes hinab.

„Colonel!“ Die Soldaten grüßten, was Tavington mit einem knappen Nicken beantwortete. Seine Aufmerksamkeit war auf den Amerikaner auf dem Tisch gerichtet. Aus diesem Grund richtete er sein Wort auch an den Major: „Irgendwelche Ergebnisse?“
„Nein, Sir.“ Der Major, ein stämmiger Mann Ende Dreißig mit kurzem braunen Haar, dunklen Augen und eingekleidet in den roten Stoff der englischen Armee, zog den Kopf des Befragten an den Haaren hoch. Der gab keinen Laut von sich, doch das war auch nicht möglich: Er war tot. Gesicht und Oberkörper waren mit offenen Wunden und noch frischem Blut übersät. „Er war zäh. Die Wunden haben ihn getötet.“

Im Gesicht des Colonels zeigte sich keine Regung. Weder beachtete er die anderen Männer, noch den Lieutenant, der sich die Hände und die Folterinstrumente an einem Tuch abwischte und dabei aus einem der Fenster sah, als er rechts an die Längsseite des Tisches trat, diese mit beiden Händen umfasste und ihn mit einem Ruck kippte. „Bringen Sie mir den Nächsten!“ Die Leiche schlug dumpf auf dem Boden auf. „Lassen Sie den Toten liegen; der Rebell soll sehen, was mit ihm geschieht, wenn er nicht redet!“
Tavington blieb am Tisch stehen, während die beiden Soldaten durch eine Tür in den angrenzenden Raum – vermutlich die eigentlichen Stallungen – verschwanden, und gab Bordon ein unauffälliges Zeichen, worauf der Captain sich neben die Tür stellte, durch die sie hereingekommen waren. In den wenigen Augenblicken, die verstrichen, ohne dass etwas geschah, versuchte Tavington seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Wie unfähig waren doch diese Männer, die Informationen zu beschaffen, die sie brauchten! Den alles entscheidenden Hinweis, wo die Rebellen sich trafen und sammelten, die seit Monaten Proviant- und Waffentransporte der Armee überfielen, alle anwesenden Soldaten töteten und die Güter stahlen. Die englische Armee brauchte dieses Wissen, um gegen die Amerikaner vorgehen zu können.

Er brauchte diese Informationen! Cornwallis machte ihn persönlich, Colonel William Tavington, für die Raubüberfälle verantwortlich. Ein Affront gegen seine Ehre! Und das alles, weil er, wie der General ihm unmissverständlich vor wenigen Tagen geradewegs ins Gesicht geschleudert hatte, diesen 'Geist' angeblich erfunden hatte. Nein – dass er ihn hervorgebracht hatte aus den Reihen der Amerikaner, als Reaktion auf seine Vorgehensweise zu Feld und mit der Bevölkerung. Lieferte der Colonel seinem Vorgesetzten das Versteck der Rebellen – oder, besser noch, diese als Geiseln -, würde das nur zu seinem Vorteil gereichen.

Und alles, was zwischen ihm und seinem Ziel stand, waren diese sturen amerikanischen Bauern, die sich lieber reihenweise foltern und töten ließen, als einen der Ihren zu verraten.

Der Mann, der von den Soldaten im nächsten Moment hereingeführt wurde, musste um die Vierzig sein. Lang und hager, mit einem spitzen Gesicht, hellbraunem Haar und gleichfarbigen Augen, war er in grauen und braunen grob gewebten Stoff gekleidet. Eine blutige Schramme auf der linken Wange zeugte davon, dass er sich mit seiner Wache angelegt haben musste. Tavington sah dies bestätigt, als der Mann grob vor ihn hingezerrt wurde, weil er von allein keinen Fuß vor den anderen stellte, und er ihm in die Augen sehen konnte. Diese lagen tief in den Höhlen, und ein wildes Funkeln war darin zu erkennen.

Trotz, erkannte der Colonel. Wut und Hass.
Starke Gefühle.
Es würde nicht einfach werden, diesen Mann zu brechen.

„Dieser Mann ist ein Rebell...“ Der Major nahm einen faustgroßen Beutel von einem der Soldaten entgegen und kippte ihn über dem Tisch aus. Klirrend ergoß sich der Inhalt auf dem Holz: Münzen von unterschiedlichem Wert, mehrere in Gold eingelegte Broschen und sogar ein daumennagelgroßer Rubin, der ein Stückchen kullerte und in einer Blutlache liegen blieb. „... und ein Dieb!“

Tavington besah sich die Funstücke einige Sekunden. Ein armseliger Raub; selbst der Edelstein war nicht viel wert.

„Ich bin kein Dieb!“ Der Amerikaner spuckte das letzte Wort aus, als sei es Galle. Und wirklich sprühten ein paar Tropfen Flüssigkeit aus seinem Mund. Sein Blick wanderte vom Major zu Tavington, dem er geradewegs in die Augen sah. „Ich bin ein Patriot!“ Er sagte es mit so viel Stolz und Würde, dachte der Engländer höhnisch, als sei es das größte Bestreben, sich gegen die englische Krone aufzulehnen.
Und doch würde es nicht schwierig werden, ihn dorthin zu lenken, wo seine Befrager ihn haben wollten.

„Lohnt sich dieser Patriotismus, um dafür zu sterben?“ Tavington trat näher, sah kurz zum Tisch und griff sich eine der Münzen, die er sodann vor den Augen des Rebellen geschickt zwischen seinen Fingern drehte, dass sie im Sonnenlicht blitzte und blinkte. „Ich gebe Ihnen die Chance, diesen Raum lebend zu verlassen. Und dies alles hier“, er wies kurz mit dem Kopf auf den Inhalt des Beutels, „zu verdreifachen.“ Reich würde der Mann dadurch nicht werden – was für ein lächerlicher Gedanke -, aber es würde reichen, um seine Familie zu ernähren. Und das für längere Zeit. Ein sehr wichtiger Faktor, besonders jetzt, wo der Winter so dicht bevorstand. Hier in Amerika war diese Jahreszeit lang, hart und streng. Nicht so mild wie in England.

Im Gesicht des Mannes zuckte es, und er schluckte mühsam. Sehr wahrscheinlich befanden sich in dem anderen Raum Familienangehörige. Eine Ehefrau, Kinder. Hatte Tavington Glück, waren letztere noch jung; Kleinkinder riefen in den Eltern einen besonders stark ausgeprägten Beschützerinstinkt hervor.
Nicht, dass er persönlich Erfahrungen damit hätte.
„Alles, was Sie dafür tun müssen“, sprach der Colonel deshalb weiter, während er unaufhörlich die Münze drehte, „ist mir zu sagen, wo ich die Rebellen finden kann. Wo sich ihr Versteck befindet, wie viele Männer es sind, und wie sich sich bewaffnen.“

Er hatte gewonnen. Er sah es in dem Augenblick, wo der gehetzte Ausdruck in den braunen Augen eine Spur nachließ und sich sogar ein leichtes Lächeln auf dem hageren Gesicht ausbreitete. Tavington verzog seine Mundwinkel ebenfalls ein Stück. Um seinen Gegenüber zu ermuntern. Einige Sekunden geschah überhaupt nichts.

Dann schürzte der Amerikaner die Lippen und spuckte Tavington ins Gesicht.

Einzig die kurz geschlossenen Augen verrieten eine Regung.

„Foltern Sie mich bis zum Tod“, knurrte der Rebell, „ich werde nichts verraten!“ Im nächsten Moment wurde er von dem hinter ihm stehenden Soldaten brutal mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt und festgehalten. Direkt neben den Münzen.
Der Colonel wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht, bevor er sich dem Mann ein letztes Mal zuwandte. Die eisblauen Augen flackerten ganz kurz vor diabolischem Vergnügen auf. „Wir werden sehen.“

Eine knappe halbe Stunde später saßen die Dragoons auf. Die Fußsoldaten marschierten bereits in Zweierreihen durch die Felder in südliche Richtung davon. Tavington sah nicht zurück, als er den Befehl zum Ausrücken gab. Hinter ihm ging das zweistöckige Haus mit seinen Nebengebäuden und den darin noch gefangenen Frauen, Kindern und Sklaven in Flammen auf.
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