Forget your past

GeschichteDrama / P16 Slash
Alexander Cassander Cleitus Hephaestion
30.07.2012
15.08.2013
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30.07.2012 3.373
 
Chapter 3 - A look in the eye



Hephaestion wunderte es nicht, dass er am nächsten Morgen vollkommen übernächtigt war. Er hatte lange über Alexanders und Kleitos Gespräch nachgedacht und nur wenig Schlaf gefunden. Und wenn er geschlafen hatte, hatte er im Geiste ein weiteres Mal das Gespräch erlebt.

Alexander schien ernsthafte Probleme zu haben. Alpträume die ihn mehr plagten, als er ihm gegenüber zugeben wollte. Und auch Kleitos hatte er nichts von seinen Träumen gesagt. Fragte sich, welche Rolle Kassander dabei spielte.

Wusste er vielleicht von Alexanders Träumen? Sprach er mit ihm darüber? Und wenn es so war, warum suchte er dennoch Kleitos Bestätigung?

Hephaestion wollte sich darin kein klarer Sinn aufweisen. Er verstand es einfach nicht. Er hatte nie den Eindruck gehabt, Alexander könne mit seiner Vergangenheit nicht abgeschlossen haben. Er war immer stark gewesen, hatte durchgesetzt, was er sich vorgenommen hatte.

Natürlich hatte er aus nächster Nähe die Fehde zwischen Philipp und Alexander mitbekommen, doch auch wenn Alexander Anfangs verzweifelt war, so hatte er doch schlussendlich bekommen was er gewollt hatte.

Oder hatte Hephaestion übersehen, was Alexanders eigentlicher Wille war? Hatte er letztendlich doch nur die Anerkennung und den Segen seines Vaters haben wollen? Es erschien ihm zweifelhaft, denn Alexander hatte so viele Dinge in Kauf genommen, um König zu werden. Er hatte die Leute, die ihm den Thron streitig machen könnten, beiseite geräumt. So wie es üblich war.

Bevor ein neuer Herrscher den Thron bestieg, gab es Monatelang einen erbitterten Kampf in der Familie. Der neue Thronfolger musste sich beweisen und konnte den Thron erst besteigen, wenn er die Angehörigen, die ebenfalls in Frage kamen, ausgelöscht hatte. Alexander hatte verhältnismäßig Glück gehabt. Er wollte den Thron nicht durch einen Mord besteigen. Sein Bruder hatte außer Frage gestanden, denn er war schwachsinnig und nicht in der Lage ein Volk zu führen. Da hatte es nur die Männer seiner Schwester gegeben, die ihm hätten gefährlich werden können.

Doch schlussendlich war Alexander König. Ein König der von seinen Männern vergöttert wurde. Aber offenbar war das nicht alles, was er gewollt hatte.

Hephaestion betrat in seiner leichten Robe die Halle, in der sich die meisten der Männer zum Frühstück trafen. Der Wein der vergangen Nacht war vielen anzusehen und sie beschränkten sich lediglich darauf, Hephaestion mit einem brummenden Nicken zu begrüßen. Sein Blick glitt über die Männer, die gerade den Eindruck erweckten, als hätte Dareios Flanke sie niedergestreckt. Alexander konnte er nicht unter ihnen ausmachen, was ihn reichlich verwunderte.Alexander war einer der ersten, die am Morgen zu sehen waren und doch war er nun nicht hier. Hephaestion schlängelte sich zwischen den großen Holzbänken hindurch und ließ sich auf einem Platz zwischen Kassander und Kleitos nieder. Kassander nahm einen großen Schluck Wasser aus seinem Becher, nickte ihm karg zu und rieb sich dann stöhnend die Schläfen.

Kleitos, zu Hephaestions Linken, sah hingegen vollkommen ausgeruht und frisch aus.

„Alexander ist noch nicht erwacht?“, fragte er Kleitos zweifelnd und presste die Lippen zusammen, als er sich daran erinnerte, dass er die beiden am vergangenen Abend belauscht hatte. Das war nicht seine Art und doch war er froh, dass er es getan hatte.

„Sag nicht, du hast die Nacht mal nicht bei ihm verbracht?“, wandte Kassander ein, noch bevor Kleitos zu einer Antwort ansetzte.

„Es hat dich nicht zu interessieren, wo ich meine Nächte verbringe!“, schoss er zurück, woraufhin Kassander müde lächelte. Zu mehr war er scheinbar nicht in der Lage. „Wie mir scheint, verbringst du in den letzten Tagen viel mehr Zeit mit ihm, als ich es tue.“

Den letzten Satz hatte er nicht sagen wollen, denn er wollte seine Schwäche nicht gerade vor Kassander darlegen. Und dennoch war es ihm einfach so herausgerutscht.

Für Kassander war das ein gefundenes Fressen und er stürzte sich sogleich wie ein Aasgeier darauf.

„Fühlst du dich von mir vernachlässigt, Liebster? Ich versichere dir, Alexander vermag dich nicht zu ersetzen.“

Hephaestion schnalzte mit der Zunge.

„Spar es dir!“ Warum glaubte jeder, er wäre eifersüchtig, dass Kassanders Interesse einem anderen galt? Wieso sahen sie nicht das Offensichtliche? Dass es ihm nicht passte, wenn Alexander so viel Zeit mit einem anderen verbrachte. Das war doch der Grund, weshalb Hephaestion so schlecht darauf zu sprechen war.

„Alexander hat sich bereits wieder zurückgezogen. Er hat noch etwas zu erledigen, sagt er“, warf Kleitos nun ein, um Kassanders aufkommende Worte im Keim zu ersticken.

Hephaestion wandte sich ihm überrascht zu und unterdrückte gerade noch rechtzeitig einen niedergeschlagenen Seufzer. Er hatte Alexander verpasst. Dabei hatte er versuchen wollen, noch einmal ein ernsthaftes Gespräch mit ihm zu beginnen. Wenn er nun zu tun hatte, war es möglich, dass er nicht gestört werden wollte. „Aber wenn du ihn nun aufsuchen solltest, würdest du ihn noch einmal daran erinnern, dass Dareios‘ Gemahlin im Kindbett verstorben ist? Ich habe es ihm bereits gestern gesagt, aber ich befürchte, er hat die Nachricht nicht wahrgenommen. Unser König scheint mir in letzter Zeit sehr abwesend zu sein.“

Hephaestion hob die Augenbrauen und musste hilflos mitansehen, wie Kassander Alexanders Zustand in Schutz nahm und nicht er selbst, wie es seine Richtigkeit hätte.

„Er muss einige Dinge überdenken. Besser jetzt, als in der Schlacht gegen Dareios“, sagte er. Hephaestion drehte ruckartig seinen Kopf und seine Augen sprühten vor Wut, als er Kassander fixierte. Dieser schien sich unter seinem Blick nicht im Mindesten unwohl zu fühlen. Als wäre Hephaestion der Einzige, der offensichtlich nicht zurechtkam. Und das war er auch. Keiner sonst kümmerte sich um die enge Bindung, die sich zwischen Alexander und Kassander auftat. Niemand fühlte sich übergangen und niemand schien zu verstehen. Niemand konnte die Verzweiflung spüren, die in Hephaestion tobte, weil er sich bedroht sah. Mehr noch, als Bessos ihn vor einiger Zeit versucht hatte zu verdrängen.

„Möchtest du dem noch etwas hinzufügen, Hephaestion?“ Die Provokation in seiner Stimme war nicht zu überhören und so ballte Hephaestion seine Hände zu Fäusten und erhob sich bebend vor Wut.

Er würde sich nun nicht zum Narren halten lassen. Er würde nicht zugestehen, dass Kassander ihn getroffen hatte und er würde Ruhe bewahren.

„Vielen Dank, Kassander“, sagte er daher knapp, nickte ihm und Kleitos zu, ehe er sich erhob und so ruhig und gelassen wie möglich den Saal verließ.



Erst als er links in einen Gang einbog, lehnte er sich gegen eine Wand und atmete tief durch. Sein Körper zitterte vor Anspannung und zurückgehaltener Wut. Am liebsten hätte er seine Faust gegen die Wand geschlagen, um seine Wut heraus zu lassen. Doch Hephaestion war noch immer vernünftig genug, um zu wissen, dass er sich keinen Gefallen tat, wenn er sich dabei die Hand brach. Er hatte viele Unglücksraben gesehen, wie sie mit ihrer gebrochenen Hand leben mussten, wie die Gliedmaßen manches Mal schief wieder zusammenwuchsen und des Öfteren ein Leben lang unbrauchbar blieben. Das brauchte er nicht.

Stattdessen verharrte er also einige Minuten lang an der Wand gestützt und kämpfte darum seine Atmung wieder zu normalisieren.

Erst als sein Herzschlag sich langsam wieder runterfuhr und das Zittern wieder nachließ, richtete er sich wieder auf und sah sich um. Bis zu Alexanders Räumen war er es nicht mehr weit. Hephaestion wusste, dass Alexander seine Stimmung bemerken würde. Alexander spürte jede seiner Gefühlsregungen und jetzt, wo er selbst viele Dinge im Kopf hatte, die ihn belasteten, wollte Hephaestion ihm nicht noch mehr Gründe zur Sorge bieten.

Kurzerhand kehrte er also wieder um und verließ das Gebäude. Er hatte sich die Stadt bislang noch nicht genau angesehen und das wollte er nun mit einem Spaziergang nachholen. Ein einfacher Spaziergang, der seinen Kopf wieder freimachte.



Hephaestion fühlte sich schon gleich besser, als er hinaus trat und von den wärmenden Strahlen der Sonne begrüßt wurde. Die Menschen gingen bereits eilig ihren Geschäften nach. Bauern verkauften ihre Ware auf dem Markt, Kinder liefen wild lachend durcheinander und viele der Einwohner begegneten ihm mit nahezu überraschender Freude. Scheinbar hatten sie lange auf einen Herrscher wie Alexander gewartet. Hephaestion konnte es gut verstehen. Alexander war ein großer Mann, er gab seinem Volk ein Leben und das hatten die Ägypter in der persischen Herrschaft lange nicht gehabt.

Hephaestion besah sich die kunstvoll geschmiedeten Waren, für die die Ägypter scheinbar ein besonderes Händchen hatten. Er lächelte Verhalten, während er die Stände betrachtete. Soviel prachtvoller Schmuck und all die duftenden Öle. Er hätte Alexander mitnehmen sollen, die Stände hätten ihn sicherlich interessiert.

Hephaestion beugte sich über die Ringe und biss sich nachdenklich auf die Unterlippe. Er sollte die Ringe für sich selbst kaufen, aber egal welchen er betrachtete, er sah vor sich, wie sie an Alexander aussehen würden.

Das war absolut albern. Er konnte Alexander keinen Ring schenken. Ein solches Geschenk sollte man einer Frau machen… Obwohl es kein Ring war, der einer Frau gepasst hätte. Das war ein Ring, wie gemacht für einen König. Für einen, der die Anmut und den Stolz besaß, wie Alexander ihn hatte.

Hephaestion knirschte mit den Zähnen. Wenn er Alexander schon etwas schenken wollte, sollte er sich bei den Duftstoffen anstellen. Alexander freute sich über alles, aber Hephaestion wusste, dass er Düfte liebte und es würde nicht ganz so fragwürdig aussehen wie ein Ring.

„Na, das Herz welcher Dame gedenkst du zu erobern, Hephaestion?“ Ein schallendes und zugleich dröhnendes Lachen ertönte, als sich eine Hand auf Hephaestions Schulter legte und er sich erschrocken umdrehte.

Ptolemaios stand vor ihm und grinste breit. Hephaestion ließ sich von ihm beiseiteschieben, damit er einen Blick auf die Schmuckstücke werfen konnte, die er sich gerade angesehen hatte. „Und ich dachte, du wolltest Alexanders Zorn beschwören, indem du die ein Weib nimmst. Doch wie ich das sehe, dachtest du eher daran, Alexander zu deinem Weibe zu machen.“

Hephaestion verschränkte die Arme vor der Brust und schnalzte trocken mit der Zunge. Genau diese Reaktion hatte er erwartet.

„Was lässt dich glauben, alles was ich tue führt zu Alexander? Ich habe durchaus meine eigenen Interessen“, erwiderte er. Ptolemaios sah gar nicht zu ihm rüber, sondern besah sich weiter die große Schmuckauswahl.

„Weil es so ist, Hephaestion. Deine Interessen sind Alexander. Also ich würde diesen dort nehmen, er passt zu seinen Augen!“ Hephaestion wollte schon zu einer scharfen Antwort ansetzen, ließ es dann aber doch bleiben und lehnte sich interessiert vor, um sich den Ring anzusehen von dem Ptolemaios sprach. Er ignorierte sein süffisantes Grinsen und musterte den Stein des Rings, der ihm in einem satten braun und blau entgegenglitzerte. Er schwieg einen Moment, ehe er dann den Kopf schüttelte.

„Nein. Der sagt mir nicht zu“, erwiderte er, wandte sich vom Stand ab und ging ein paar Schritte weiter durch die Menge. Ptolemaios folgte ihm, noch immer mit demselben Grinsen auf den Lippen.

„Aha! Du hast bereits einen gekauft, nicht wahr?“, riet er scharfsinnig. Hephaestion gab ein Seufzen von sich.

„Nein“, sagte er knapp.

„Nun komm schon, zeig ihn mir!“ forderte er unablässig, ohne sich von Hephaestions Worten beeindrucken zu lassen.

Hephaestion drehte sich abrupt zu ihm um, bedachte ihn mit einem verärgerten Blick und ließ ihn dann ohne ein weiteres Wort stehen und verließ den Markt.



Als er klopfte dauerte es eine kurze Weile, bis er Alexanders erschöpfte Stimme vernahm. Er schob die Tür auf und entdeckte ihn auf einer Liege, inmitten des Raumes, den Blick gen die Decke gerichtet. Nicht weit von ihm stand ein Page, der offensichtlich Alexanders Worte niederschrieb. Vielleicht für einen Brief oder einfach nur, um seinen Kopf von Dingen zu befreien, die er nicht länger in Gedanken haben wollte.

Die schweren Vorhänge waren vor die offenen Fenster gezogen und schotteten den größten Teil der Sonne ab. Nur hin und wieder, wenn der Wind mit den Stoffen spielte, sickerte das helle Tageslicht hindurch und erhellte Alexanders Antlitz. Seine hellen Haare, die im Licht schimmerten, seine braunen Augen, die eine Wärme ausstrahlten, die Hephaestion selbst im tiefsten Schnee erhitzten, und das feine Rot seines Umhangs, den er um den Schultern trug.

„Störe ich?“, fragte Hephaestion sanft, um Alexanders Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Alexander sah nicht zu ihm, winkte ihm jedoch kurz zu, als Zeichen, dass er gleich für ihn da sein würde.

Hephaestion wartete geduldig, bis Alexander seine Gedanken vollendet hatte und seinem Pagen zunickte.

„Das genügt. Lies es mir noch einmal vor“, forderte Alexander und sah zu Hephaestion herüber. Ein Lächeln trat im selben Moment auf seine Lippen, er nahm seine Beine von der Liege und setzte sich aufrecht hin. „Hephaestion, setz dich her, ich möchte dass du dir das anhörst. Ich habe ein Antwortschreiben an Dareios verfasst. Du erinnerst dich, dass er um die Freilassung seiner Mutter und seiner Gemahlin bat?“

Hephaestion nickte kurz und zögerte nicht lange, sich an Alexanders Seite zu setzen. Bei der letzten Schlacht in Issos, als Dareios die Flucht ergriffen hatte, hatte Alexander sein gesamtes Lager eingenommen. Dareios hatte in seiner Panik auch seine Familie zurückgelassen. Alexander hätte die Möglichkeit nutzen zu können, ihn damit zu erpressen, doch er hatte angeordnet, dass sich um Dareios Familie gekümmert wurde, als wäre es seine eigene.

"Da ich nun Herr Asiens bin“, begann der Page vorzulesen. Seine Stimme klang dünn und etwas zittrig, weshalb er sich daraufhin räusperte und mehr Kraft in seine Stimme legte. „so verlange ich, dass Du zu mir kommst. Vor meinem Angesicht wirst Du um Deine Mutter, Deine Gemahlin und Deine Kinder bitten; und was Du sonst noch wünschst, Du wirst Gehör finden. Übrigens hast Du, wenn Du mir wieder Botschaft schickst, Dich an den König von Asien zu wenden. Ich bin nicht Deinesgleichen, sondern der Herr über all das, was Dein war. Solltest Du es an Ergebenheit fehlen lassen, werde ich mit Dir als dem Beleidiger meiner königlichen Majestät verfahren. Bist Du anderer Meinung darüber, wer nun Herrscher ist, dann erwarte mich noch einmal zum Kampf im offenen Feld. Und fliehe nicht! Denn wo Du auch sein magst, ich werde Dich finden!"

Alexanders einzigartige Augen richteten sich aufgeregt auf Hephaestions, um in Erfahrung zu bringen, was er davon hielt. Hephaestion fühlte einen Anflug von Stolz in sich, dass er es noch immer war, der als erster von Alexanders Vorhaben hörte. Und er freute sich über Alexanders Freude, die nun so deutlich in seinem Gesicht zu lesen war.

Auch wenn er gleichzeitig diesen feinen Stich in sich spürte, wie immer, wenn er Alexanders Freude dämpfen musste.

„Das ist genau was ich schreiben würde“, begann er lächelnd und Alexanders Stolz wuchs daraufhin noch weiter an. „Aber es gibt da eine Tatsache, die dich wohl überraschen wird zu hören. Dareios Gemahlin ist vor kurzem im Kindsbett verstorben. Kleitos hat es mir vorhin gesagt.“

Alexanders Lächeln erstarb auf einen Schlag und er gab dem Pagen mit einem schnellen Wink zu verstehen, dass er die Räume verlassen sollte.

„Warum wird mir das erst jetzt gesagt?!“, fragte er scharf und Hephaestion konnte den aufkeimenden Zorn hören. Er überlegte einen Augenblick, ob er ihm sagen sollte, dass Kleitos ihm das schon einmal erzählt hatte und er nur nicht zugehört hatte, aber dann ließ er es dabei.

„Weil uns die Nachricht gerade erst ereilt hat“, erklärte Hephaestion. Er bemühte sich seine Worte beruhigend klingen zu lassen, damit auch Alexander sich wieder besänftigte. Einen Augenblick lang sah es so aus, als wolle Alexander seiner Wut freien Lauf lassen, doch dann riss er sich zusammen, seufzte schwer und ließ sich auf der Liege zurückfallen. Er rieb sich schwer die Schläfen.

„Gut. Ich nehme an, Dareios weiß noch nichts davon. Behalten wir es also erst einmal für uns und wir werden sehen, wie er auf meine Nachricht reagiert“, sagte er schließlich. Hephaestion nickte, stand dann auf und stellte sich hinter Alexander an die Lehne der Liege. Er legte seine Zeigefinger an die Schläfen Alexanders und rieb sie sanft, um den Kopfschmerz zu vertreiben, von dem Alexander sicherlich geplagt wurde. Alexander seufzte entspannt, legte den Kopf in den Nacken und versank in den kreisenden Bewegungen von Hephaestions Händen.

„Ich war vorhin auf dem Markt“, sagte er, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Alexander brummte daraufhin kurz. „Ich habe… Ich habe dir etwas von dort mitgebracht.“

Alexander öffnete die Augen und blickte ihm von unten herauf interessiert entgegen.

„Du weißt, du musst mir nichts schenken, Hephaestion. Ich brauche keinen Beweis deiner Liebe, ich bin mir dessen absolut sicher.“

Hephaestion lächelte sanft, konnte jedoch auch gleichzeitig die Neugierde in Alexanders Augen lesen.

„Dessen kannst du dir auch immer sicher sein, mein Achilleus!“ Er zog seine rechte Hand zurück, griff in den Stoff seiner Robe und reichte Alexander ein in Stoff eingewickeltes kleines Bündel. Alexander hob den Kopf, nahm es entgegen und öffnete es erwartungsvoll. Hephaestion legte seine Hände an seine Schultern, beugte sich zu ihm vor und sah zu, wie Alexander, sein Geschenk prüfte. Ein kleines Fläschchen kam zum Vorschein, im selben Moment, als auch ein wissendes Lächeln auf Alexanders Gesicht trat. Er öffnete es vorsichtig, schloss die Augen und roch ein paar Mal daran.

„Ich frage mich immer, wie du genau meinen Geschmack triffst. Es duftet unbeschreiblich“, sagte er nach einer kurzen Weile. Hephaestion konnte den Inhalt von seiner Position aus riechen. Es duftete nach den verschiedensten Pflanzen und Kräutern, die sich sicherlich nur hier in Ägypten finden ließen. Damit ein vollkommen neuer Duft für ihre Nase.

Aber gleichzeitig war es nicht zu stark, vielmehr war es ein entspannender Duft, nach einem Tag in der Natur. Irgendwo, wo es viele Bäume und Pflanzen gab. Vielleicht einen klaren See, in dem man ein Bad nehmen konnte. All diese Dinge weckte der Duft in ihm.

Alexander reichte ihm das offene Fläschchen und Hephaestion lehnte sich wieder zurück, benetzte seine Finger damit, während Alexander sich bereits erhob, seine Robe öffnete und sie achtlos zu Boden gleiten ließ.

Hephaestions Herz machte einen Satz, als er Alexander vollständig entkleidet vor sich sah. Er erlaubte es sich, seine Augen über Alexanders perfekten Körper wandern zu lassen. Die blassen Narben an seiner Brust, die frische rötliche Narbe an seiner Schulter, wo ihn der Bolzen des Pfeils getroffen hatte, als sie Gaza eingenommen hatten und die sehnigen Muskeln an seinem Bauch.

Alexander quittierte Hephaestions Mustern mit einem wissenden Lächeln, ehe er sich dann zurück aufs Sofa legte und Hephaestion zu sich winkte. Dieser kam der Aufforderung nur zu gern nach, stellte das Fläschchen auf dem schmalen Tisch ab, verrieb das Öl zwischen seinen Händen und trat zu Alexander heran. Er wartete einen Moment, auf eine weitere Aufforderung Alexanders, doch als diese ausblieb setzte er sich kurzerhand auf seinen Schoß. Alexander sog scharf die Luft ein, schloss die Augen und stöhnte leise. Hephaestion legte seine Hände an seine Brust und massierte die verspannten Muskeln, die er unter seinen öligen Handflächen ertastete.

„Du bist so gut zu mir, Hephaestion. Sag mir, wie ich das verdient habe“, raunte er leise.

Hephaestion rutschte leicht auf seinem Schoß hin und her, was Alexander abermals ein Stöhnen entlockte.

„Du bist mein Achilleus“, antwortete Hephaestion mit einem Lächeln.

„Und du mein Patroklos“, seufzte er. „Aber woher weißt du immer genau, was ich brauche?“

„Weil es dasselbe ist, was ich brauche.“

Alexander lächelte erfreut, hob die Hände und öffnete den Knoten, der Hephaestions Robe zusammenhielt.

„Reite mich“, forderte er, als er den Stoff von Hephaestions Schultern streifte und ihn ebenfalls zu Boden gleiten ließ. Hephaestions Wangen röteten sich, als ihm die Hitze ins Gesicht stieg. Er hatte darauf gewartet. Viel zu lange, denn die letzten Nächte schien Alexander immer etwas anderes vorgehabt zu haben. Doch das Warten zahlte sich aus. Umso hungriger begegnete er seinen Lippen, umso sehnsüchtiger erkundeten seine Hände nun seinen perfekten Körper.

Alexander seufzte auf, während Hephaestion ihn liebkoste, mit der Zunge eine feuchte Spur über seine Brust zeichnete, neckend in seine Schulter biss und seine Härte an Alexanders rieb.

Er war hungrig und ungeduldig. Wollte sich keine Zeit nehmen und umso glücklicher war er, als er in Alexanders Augen denselben Hunger entdeckte. Keine Zeit für sanfte Zärtlichkeit oder liebkosende Berührungen als Hephaestion ihn in sich aufnahm und die Welt für diesen Moment um sich herum vergaß.

Kein Kassander, kein Ptolemaios und kein anderer, der ihn aufziehen wollte. Nur er und Alexander. Eins für diesen Moment, ohne jeglichen Gedanken an den Stress und den Kummer der vergangenen Tage. Nur der Rhythmus ihrer Körper, ihr ungleichmäßiger Atem und die Hitze die zwischen ihnen den gesamten Raum aufheizte und einen glänzenden Film auf ihren Körpern hinterließ.

Alexander stöhnte unter ihm auf, seine Hände krallten sich in Hephaestions Oberschenkel, als er über die Klippe sprang und Hephaestion rücksichtslos mit sich zog.
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