Forget your past

GeschichteDrama / P16 Slash
Alexander Cassander Cleitus Hephaestion
30.07.2012
15.08.2013
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30.07.2012 3.970
 
Chapter 2 - Another man there


Winter 332 v. Chr.


Es war ein harter Marsch nach Ägypten. Für alle von ihnen, denn die Nahrung war knapp und die Sonne brannte unnachlässig auf sie nieder. Die Pferde waren müde und diejenigen die zu Fuß waren, waren innerhalb einer kurzen Strecke schon erschöpft. Sie musste öfter Rast machen, als beabsichtigt und je weiter sie liefen, desto schwerer wurden ihre Glieder.

Hephaestion führte die Hetairenreiterei, was bedeutete, dass er einer derjenigen war, die auf dem Rücken eines Pferdes saßen. Ebenso wie die üblichen Generäle und natürlich Alexander. Doch auch ihm machten die Hitze und die Trockenheit zu schaffen. Er sehnte sich nach einem erfrischenden Bad, denn obwohl er sich heute Morgen an einem See gewaschen hatte, fühlte er sich bereits schon wieder unwohl. Um genau zu sein, fand er, sein Geruch unterschied sich nicht mehr großartig von dem der anderen. Und er war jemand, der sehr auf seine Sauberkeit achtete. So wie Alexander es tat.

Den übrigen Männern war Sauberkeit egal. Sie waren echte Männer und hier galt es Schlachten zu gewinnen und nicht das Herz einer Frau.

Doch das war nur ein kleiner Teil von Hephaestions Last, die er mit sich tragen musste. Seine eigentliche Belastung lag in einem anderen Bereich.

Alexander entzog sich ihm, bereits seit einigen Wochen. Er schien ständig in Gedanken und fernab jedweder Kommunikation. Hephaestion hatte in der Wüste ein paar Mal versucht mit ihm zu sprechen, doch Alexander hatte nicht einmal zu erkennen gegeben, dass er ihn verstanden hatte.

Zu allem Überfluss war Kassander es, der hoch erhobenen Hauptes an Hephaestion vorbeiritt und ohne Mühe zu seinem König aufschloss.

Zuerst noch ungläubig hatte er die Szene verfolgt, ehe ihm dann fassungslos der Mund aufgeklappt war. Von Hephaestions Anwesenheit hatte Alexander nichts bemerkt, aber zu Kassander drehte er sich um. Und er sprach mit ihm.

Hephaestion ritt zu weit hinter ihnen, um ihre gedämpften Stimmen verstehen zu können. Doch was er sah gefiel ihm ganz und gar nicht.Alles was Kassander mit Alexander zu schaffen hatte, konnte nicht gut sein. Kassander hasste seinen König und obwohl er ihm treu ergeben war, zeigte er Alexander deutlich seine Abscheu. Schon alleine, weil er mehr für Hephaestion übrig hatte und Alexander ihm dort den Weg versperrte.

Doch nun schien sich der Abgrund der Welt aufzutun, denn beide sprachen vollkommen ruhig miteinander. Keine Drohgebärden und keine feindlichen Blicke.

Es war natürlich nicht vollkommen leicht, einen freundlichen Blick von Kassander auszumachen, aber er schien zumindest neutral zu sein. Vollkommen ohne voreingenommenen Hass.

Hephaestion starrte die Beiden fassungslos an, während sein Pferd ihnen folgte und genügend höflichen Abstand bewahrte.

Zu seinem Ärger fühlte er die Wut in sich. Darüber dass nun Kassander mit Alexander sprach und Alexander Hephaestion nicht einmal wahrgenommen hatte. Seit Wochen versuchte Hephaestion nun schon mit ihm zu sprechen. Doch entweder ignorierte er seine Versuche oder er lenkte ihn mit unwichtigen Dingen auf ein anderes Thema.Es war nicht zu übersehen, dass ihn etwas belastete, von dem Hephaestion nichts wusste. Er war unausgeschlafen und ununterbrochen in Gedanken. Er war unkonzentriert und Hephaestion hatte mehr als einmal beobachtet, wie Alexander sich des Nachts aus dem Zelt geschlichen hatte.

Er schlief schlecht und wurde von Alpträumen geplagt, dessen Ursprung Hephaestion allerdings nicht kannte. Er hatte die Vermutung, dass er von diesen heimgesucht wurde und sich davor fürchtete wieder einzuschlafen.

Das Feuer in ihm loderte, während er Alexander und Kassander zusah, wie sie sich in ein ernstes Gespräch vertieften. Das war sein Gespräch! Und es war sein Lächeln, das Alexander gerade Kassander zuwarf.

Es war sein gutes Recht, all diese Dinge für sich zu beanspruchen. Aber Kassander drängte sich einfach dazwischen und nahm sich, was rechtmäßig Hephaestion gehörte!

Und ein ganz kleiner Teil in ihm war sogar wütend darüber, dass Kassanders Interesse sich nun ganz auf Alexander legte. Das war er nicht gewohnt. Er wusste, wann immer er sich umsah, ruhte Kassanders Blick auf Hephaestion. Das waren Dinge, die immer so waren und Hephaestion hatte sich darunter nicht gerade unwohl gefühlt. Mehr noch hatte es ihn in Sicherheit gewogen und er hatte sich an seine Blicke gewöhnt.

Doch nun hätte Hephaestion sich absichtlich abwerfen lassen können und weder Kassander noch Alexander würden es bemerken.

„Scheint als würden deine Beiden Geliebten, sich doch noch mit einander anfreunden“, ertönte die amüsierte Stimme Ptolemaios neben ihm. Hephaestion wandte seinen Kopf und schoss Ptolemaios einen wütenden Blick zu. Dieser führte seinen Hengst direkt neben Hephaestions. In seinen Augen lag ein spöttischer Glanz, der Hephaestions ungeteilte Wut auf sich zog.

„Was immer sich in deinem Kopf abspielt, es geht dich nichts an!“, fauchte er zornig. Seine Haare standen bereits vor Wut ab. Ptolemaios runzelte überrascht die Stirn, zuckte die Schultern und blickte wieder voraus zu Alexander und Kassander.

„Aus deiner üblichen freundlichen Art, schließe ich, dass es dir nicht passt, wenn sie sich nun verstehen. Ich kann es nachvollziehen. Vielleicht bist du nun nicht mehr die Hauptattraktion der Beiden“, meinte er kühl. Hephaestion schnappte empört nach Luft und schüttelte heftig den Kopf.

„Das ist nicht… Das ist mir nicht wichtig. Alexander ist der, den ich will und Kassander kann meinetwegen verschwinden. Ich empfinde keinerlei Sympathie für ihn!“, antwortete er und seine Blicke fraßen sich förmlich in Kassanders Rücken.

„Natürlich. Doch hat er dir in Gaza das Leben gerettet. Nicht wahr? Das war eine sehr untypische Tat für Kassander und man hatte den Eindruck, du freust dich über seine wachsamen Augen.“

„Ich habe ihn nicht darum gebeten. Es war seine Entscheidung“, entschied Hephaestion steif. Ptolemaios blickte ihn aufmerksam an und setzte schon zu einem Gegenargument an, als Hephaestion die Zügel schwang und Ptolemaios einfach hinter sich zurückließ.



Sie waren ausgelaugt und müde, als sie Pelusion erreichten. Die Stadt Ägyptens empfing Alexander mit tosender Begeisterung, hofften sie doch auf die Befreiung aus der persischen Herrschaft. Der persische Satrap hingegen schien durch Alexanders gewaltiges Heer und seine gewonnene Schlacht in Issos bereits das Schlimmste zu befürchten. Alexander hatte bereits vorher die Nachricht erhalten, dass Ägypten ihn als Herrscher wollte und der Satrap sich ergab.

Als sie Pelusion erreichten, kam ihnen der Satrap schon entgegen. Er bot Alexander 800 Talente und seinen gesamten Hausrat für freies Geleit.

Um alle nötigen Vorhaben zu erörtern, hatte Alexander seine wichtigsten Männer zu sich berufen, um sich mit ihnen auszutauschen. Sie standen am Zentralplatz in Pelusion, an dem bereits zum Abend einige Fackeln entfacht wurden. Die Sonne war am Horizont versunken und spendete nur noch spärliches Licht. Die Temperatur kühlte schlagartig ab und kalte Luft erfrischte die erschöpften Körper der Männer.

Hephaestion hielt sich wie üblich die gesamte Zeit an Alexanders Seite auf, um ihn mit seiner bloßen Anwesenheit zu stärken. Er wusste, dass er Alexander Kraft gab und ihn jedes Mal in seinen Entscheidungen bekräftigte, sobald dieser ihm einen unauffälligen Blick zuwarf. Hephaestion hielt ruhig, folgte den Gesprächen und Diskussionen aufmerksam, äußerte sich jedoch selbst nicht. Es war nicht nötig, dass er den Mund aufmachte, denn jeder der Generäle wusste, das Hephaestion Alexanders Ansichten und Bedenken teilte. Denn das war es, was sie alle in ihm sahen. Auch Hephaestion war Alexander.

Zu seinem Verdruss jedoch, stand nun auch Kassander in ihrer Nähe. Er hatte sich in seiner Dreistigkeit neben Hephaestion gestellt und wann immer ein Schatten über Alexanders Gesicht huschte, den Hephaestion nicht deuten konnte, sah er zu Kassander. Sie schienen stumm zu kommunizieren, so wie Hephaestion es auch immer mit Alexander getan hatte. Doch nun drängte sich ein Dritter in ihre Mitte und stieß Hephaestion somit von seinem Thron der unangetasteten Aufmerksamkeit von Alexander.

Er verstand nicht, was zwischen ihnen geschah und was Kassander mit alldem zu tun hatte. Ausgerechnet Kassander!

Hephaestion hatte ihm nicht vergeben für das, was er ihm angetan hatte und seinem Erachten nach, sollte auch Alexander ihm nicht vergeben.

Die unverkennbare Ausgrenzung machte ihn abermals wütend. Doch wollte er sich nicht seiner Wut hingeben und einen von ihnen anfahren. Es war schwer sich zurückzuhalten und je mehr Zeit verstrich und je öfter Alexander sich nach Kassander umwandte, desto deutlicher zeigte sich die Wut in Hephaestions Gesicht. Seine warmen blauen Augen, wandelten sich in ein frostiges Eisblau und er war nicht fähig, diese Tatsache zu ändern. Die Wut und die Verletzung darüber hatten ihn bereits zu sehr in Besitz genommen.

Und als Alexander dann Hephaestions zornigem Blick begegnete, hielt er verwundert inne. Für einen Moment, sah Hephaestion die Bestürzung und die Orientierungslosigkeit in seinen zweifarbigen Augen.

Seine plötzliche Bestürzung blieb auch den übrigen Generälen nicht verborgen und einer nach dem anderen richtete seine Aufmerksamkeit auf Hephaestion. Er schluckte schwer, als ihm bewusst wurde, wie sehr er sich nur durch seinen Ausdruck bemerkbar gemacht hatte. Sicherlich hätte nicht einmal ein lauter Schrei mehr Aufmerksamkeit auf ihn ziehen können.

Noch bevor einer der Anwesenden das Wort an ihn richten konnte, wandte er sich um und eilte mit schnellen Schritten aus ihrer Reichweite.



Hephaestion hatte sich früh in das Gemach im Palast zurückgezogen, welches man ihm zugeteilt hatte. Es war angenehm, nach Monaten endlich wieder den Luxus eines Gemachs genießen zu können. Obwohl die ersten Nächte, die man nicht mehr unter freiem Himmel verbrachte, immer etwas einengend waren. Die ungewohnte Stille um ihn herum, die ihm vom Gelage der übrigen Männer abschirmte, war ein wenig beängstigend.

Im Zelt hatte er die Stimmen der Männer hören können, das Schnauben der Pferde, das Klirren der Rüstungen und selbst den Wind, der durch die Baumwipfel pfiff.

Hier war es nahezu unangenehm still.

Nachdem er ein heißes Bad genommen hatte und sich den leichten Stoff einer Robe umgelegt hatte, hatte er sich in sein Bett gelegt und starrte seither an die mit Gold verzierte Decke. Die Fackeln spendeten spärliches Licht. Die Müdigkeit war deutlich in seinen Gliedern zu spüren und dennoch schaffte er es nicht in einen ruhigen Schlaf zu fallen.

Zu viele Dinge wirbelten durch seinen Kopf und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen.

Noch Stunden später lag er mit wachen Augen in seinem Bett.

Es musste tiefe Nacht sein, als sich beinahe lautlos die Tür zu seinen Räumen öffnete. Er musste nicht aufsehen, um zu wissen, dass es Alexander war. Er erkannte ihn an seinem Schritt, der jedoch nicht ganz so beherrscht wie üblich war. Er stolperte gegen den Pfosten von Hephaestions Bett und fluchte gedämpft. Hephaestion machte sich nicht die Mühe, sich aufzusetzen. Auch nicht, als Alexander sich neben ihm aufs Bett setzte und sich behutsam an seine Seite legte. Er legte einen Arm um Hephaestions Hüfte, zog ihn nah an seinen Körper und lehnte seinen Kopf an Hephaestions Schulter.

Alexanders warmer Atem strich über seinen Hals und Hephaestion konnte die Menge an Wein riechen, die Alexander getrunken hatte.

„Ich hab dich vermisst“, seufzte er schwer und mit belegter Zunge. Hephaestion brummte etwas Unverständliches, von dem er selbst nicht einmal wusste, was es bedeuten sollte. „Bist du verärgert?“

Er drehte sich langsam zu Alexander herum, um ihn ansehen zu können und vergrub seine Hand in seinem dichten Haar.

„Vielleicht. Ich weiß nicht, was ich bin“, gestand er flüsternd. Alexander verknotete seine Beine mit Hephaestions.

„Sag mir, was dich nicht zur Ruhe kommen lässt“, forderte er.

„Ich habe das Gefühl, dich und Kassander verbindet etwas. Etwas zu dem ich nicht gehöre“, gestand Hephaestion nach einem kurzen Zögern. Alexander schien darüber nachzudenken, ehe sich dann ein Lächeln auf sein Gesicht zeichnete.

„Und nun hast du Sorge, Kassanders Liebe gilt nicht mehr nur dir allein?“, fragte Alexander und in seinen Worten klang eindeutig ein amüsierter Unterton mit.

Hephaestion schnappte empört nach Luft. Wollte man ihn ewig auf Kassander fixieren? Immerhin war Alexander nicht der erste, der meinte sein Zorn rührte daher. Doch Kassander war wertlos für ihn. Ihm ging es nicht darum, nicht mehr Kassanders ganze Aufmerksamkeit zu sein! Er schnaubte abwertend.

„Ich will Kassanders Liebe nicht, du kannst sie ganz und gar für dich beanspruchen“, erwiderte er kühl und drehte sich auf den Rücken. Die verblassenden Striemen an seinem Rücken spannten noch ein wenig, aber sie schmerzten nicht mehr. Eine letzte Erinnerung an Alexanders Peitschenhiebe, die so wie die Wunden in seiner Seele, nicht zur Gänze verschwinden wollten. „Ich will nur… Kassander hat dich nie vergöttert. Er war immer abwertend und es schien mir nicht, als würdet ihr euch gut verstehen. Doch jetzt… Jetzt scheinst du meiner Gesellschaft müde geworden zu sein und wann immer ich deine Nähe suche, füllt Kassander sie bereits.“

Alexander seufzte tief und sein Weinatem stach in Hephaestions Nase. Er rutschte näher an ihn heran und zog ihn abermals fest in seine Arme, ohne das Hephaestion Widerstand leistete.

„Mein Patroklos“, murmelte Alexander dicht an seinem Ohr. Sein Zeigefinger strich über Hephaestions Schulter, hinunter zu seiner muskulösen Brust. Ein wohliger Schauer zog sich über Hephaestions Rücken, als Alexanders Hand unter den leichten Stoff seiner Robe schlüpfte. Seine Hände waren so weich, wie die eines Königs sein sollten und Hephaestions Brustmuskulatur spannte sich unter der Hand an. Er legte seinen Kopf an Alexanders Seite, schloss die Augen und sog seinen wunderbar süßen Duft ein. Nach der langen Reise hatte auch Alexander sich scheinbar ein Bad gegönnt und die verschiedenen Düfte aufgelegt, die er immer schon als königlich angesehen hatte. Alexander liebte süße Gerüche, denn er befand, nur sie waren eines Gottes würdig. Hephaestion konnte ihm da nur zustimmen, denn Alexander war für ihn in jeder Art göttlich. „Ich könnte deiner Gesellschaft niemals müde werden. Und kein Kassander dieser Erde könnte dich in den Schatten drängen. Wenn du den Raum betrittst, scheint die Sonne, Hephaestion. Es ist, als würde alle Luft entweichen und die Sonne nur für dich Strahlen.“

Hephaestion presste die Lippen zusammen und wandte sein Gesicht ab.

„Das ist zu viel, Alexander. Soviel bin ich nicht. Ich komme mir vor, als würde ich von einer dunklen Wolke überschattet und Kassander ist der Wind, der mich ohne Mühe hinfort pustet.“

Alexanders Kehle entrang sich ein heiseres Lachen, ehe er einen sanften Kuss auf Hephaestions Stirn drückte.

„Du stellst dein Licht selbst in den Schatten, Hephaestion. Dafür liebe ich dich umso mehr“, schnurrte Alexander, rutschte ein Stück weit hinab und die warmen Lippen liebkosten die weiche Haut an Hephaestions Brust. Er zog eine schmale Spur mit seiner Zunge hinab und Hephaestion schloss die Augen und bäumte sich erschauernd auf. Seine Hände legten sich in Alexanders Nacken und krallten sich in seinen Haaransatz. Er keuchte schwer, ertastete die Muskeln an Alexanders Schulter und zuckte erschrocken zusammen, als Alexander ihm leicht in die Seite Biss.

Sein Körper, der halb über ihm lag, vibrierte durch sein kehliges Lachen und Hephaestion knurrte verärgert. Alexander schob sich wieder zu ihm hoch, biss neckend in seinen Hals und gluckste bei Hephaestions Laut, der eine Mischung aus Schnurren und Schnauben war. „Lass uns schlafen, Hephaestion. Ich bin müde.“

Alexander kuschelte sich im gleichen Moment an ihn, legte ein Bein über Hephaestions Hüfte und seufzte erschöpft.

Etwas verdutzt blinzelte Hephaestion in die Schwache Dunkelheit. Er war dicht dran zu protestieren, da er sich ein wenig mehr erhofft hatte und er nun keine Ahnung hatte, wie er Schlaf finden sollte. Noch dazu wenn der Grund seiner Begierde so dicht an ihm gekuschelt lag.

„Oh. Ja… Wenn du müde bist“, murmelte er immer noch verwirrt, wandte den Kopf und betrachtete Alexanders gleichmäßigen Atem. Er seufzte tief und schüttelte sanft den Kopf. „Innerhalb von einem Augenschlag schläft er ein und lässt mich allein.“

Er zog eine Schnute und drehte Alexander den Rücken zu, da er befürchtete von seinem Atem ebenfalls am Morgen einen Kater zu bekommen. Seine Hand strich leicht über Alexanders Oberschenkel, da sein Bein noch immer über Hephaestions Hüfte lag und er kroch dichter an Alexander heran, um seine Wärme mit in den Schlaf zu nehmen.

Alexander musste einer Menge getrunken haben, wenn er so müde war und noch dazu in Hephaestions Bett schlief. Denn allgemein war es Hephaestion, der sich zu Alexander schlich und dort bis zum frühen Morgen blieb. An eine Situation wie diese konnte Hephaestion sich nicht erinnern.



Nur ein paar Stunden später wurde er schon wieder von einem dumpfen Stöhnen geweckt. Müde drehte er sich in seinem Bett herum, als er auch schon einen spitzen Ellenbogen ins Gesicht bekam. Tränen trat in seine Augen, als der Schmerz ihn traf.

Fluchend setzte er sich auf, rieb sich die getroffene Nase und war mit einem Mal hellwach.

Nach der Ursache dieses Angriffs musste er nicht lange Ausschau halten. Alexander war der Schuldige, der davon allerdings nicht einmal etwas mitbekommen hatte. Er keuchte schwer im Schlaf, wälzte sich unruhig herum und seine Hand krallte sich so fest in Hephaestions nackten Oberschenkeln, dass dieser nur mit Mühe einen Aufschrei unterdrücken konnte.

Er rutschte hastig von ihm fort, legte ihm eine Hand auf die schweißnasse Stirn und zog sie im selben Moment wieder zurück, als Alexander beinahe panisch aufsprang.

Er saß kerzengerade neben ihm im Bett und blickte sich gehetzt um. Sein Atem ging schwer und ungleichmäßig und er beruhigte sich erst, als er Hephaestions Anwesenheit bemerkte.

„Ist alles in Ordnung? Hast du schlecht geträumt?“, fragte Hephaestion besorgt und legte eine Hand auf Alexanders von kaltem Schweiß glänzende Schulter.

„Es geht schon. Erinnerungen, die ich irgendwann einmal vergessen habe“, antwortete Alexander knapp, schüttelte Hephaestions Hand ab und setzte sich auf den Rand des Bettes. „Schlaf nur weiter, ich werde mich frisch machen gehen.“

Hephaestion zögerte durch Alexanders abfuhr. Er wollte Alexander nicht mit seinen bösen Erinnerungen alleine lassen und doch sah es so aus, als wollte Alexander ihn um keinen Preis bei sich haben.

Wortlos blieb er in seinem Bett sitzen, als Alexander sich erhob, sich lautlos seine Robe überstreifte und das Gemach verließ.

Hephaestion blieb in der stillen Dunkelheit zurück, seufzte schwer und ließ sich zurück in die Decken fallen.

Er hatte bemerkt, dass Alexander die letzte Zeit nicht gut schlief und von Alpträumen geplagt wurde. Doch die meiste Zeit konnte Hephaestion ihn noch im Schlaf beruhigen und dann wurde er wieder ruhiger und schlief ohne weitere Zwischenfälle bis zum Morgen durch.

Doch offenbar schienen seine Träume sich nun nicht mehr durch bloßes Zureden vertreiben lassen.

Hephaestion hätte viel darum gegeben, wenn er gewusst hätte, was für Träume Alexander plagten, doch er war nicht bereit ihn einzuweihen. Und vielleicht musste Alexander das auch alleine durchstehen.

Hephaestion wollte ihn nicht bedrängen. Er war gewillt so lange zu warten, bis Alexander mit ihm sprechen wollte.

Ruhelos lag er in seinem Bett und bemühte sich darum, die Augen wieder zu schließen und abermals in seinen ruhigen Schlaf zu fallen. Doch der Vorfall mit Alexander hatte ihn hellwach gemacht. Und ein weiterer flüsternder Gedanke stahl sich in seinen Kopf und brachte sein Herz zum Rasen.Er schluckte schwer, als er sich wieder aufsetzte und sich nachdenklich durch das kurze Haar strich. Seine Haare wuchsen nur schleppend und vermutlich dauerte es noch eine Ewigkeit, bis sein Haar wieder die Länge erreicht hatte, die es vor Bessos Entführung hatte. Doch inzwischen störte es ihn nicht mehr allzu sehr. Zu Anfang hatte er geglaubt, damit einen Teil seiner Identität verloren zu haben. Aber nach und nach hatte er sich hineingefunden und auch wenn er noch immer sein Spiegelbild mied, so glaubte er nicht mehr einen Teil seines Selbst verloren zu haben.

Es würde wieder wachsen und irgendwann hatte es die gewohnte Länge zurück.

„Kassander“, murmelte er vor sich hin. Was wenn Kassander und Alexander deshalb verbunden waren? Weil Alexander ihn in seine Träume eingeweiht hatte? Und was wenn Alexander nun genau diesen aufsuchte? Wenn er nun Kassander an seiner Seite hatte und ihm sein Leid klagte?

Im Bruchteil eines Augenschlags war Hephaestion aus dem Bett, hatte sich die Robe fester um den Körper gebunden und schritt barfuß aus seinen Räumen. Er wusste nicht, wo sich Kassanders Räume befanden, er hatte sich auch nicht dafür interessiert. Aber jetzt würde er es rausfinden müssen. Wenn Kassander und Alexander eine Verbindung hatte, dann ging ihn das auch etwas an.Zwar flüsterte eine kleine Stimme ihm zu, dass Alexander als König tun und lassen konnte, was immer ihm beliebte, doch Hephaestion sah ihn nicht als König. Er war in erster Linie sein Alexander und erst an zweiter Stelle sein König.

Lautlos schlich er durch die riesigen Gänge, die alle paar Meter von Fackeln erhellt wurde. Die meisten Männer schienen sich zurückgezogen zu haben, weil sie dem Wein nur allzu gut zugesprochen hatten. Daher kam ihm auch niemand entgegen. Erst am Ende des Ganges hielt er inne und blickte sich um.

Er hatte keine Ahnung in welche Richtung er nun musste. Er fuhr sich abermals durch die wirren Haare, lehnte sich an eine der weißen Säulen und dachte darüber nach, wie er Kassander ausfindig machen konnte.

Kleitos wusste sicherlich, wo sich Kassanders Gemach befand. Doch wo war Kleitos?

Der General brauchte den wenigsten Schlaf, weshalb man ihn auch nur selten in seinem Bett antraf.

Von nicht allzu weit her vernahm er gedämpfte Stimmen und richtete sich schlagartig auf. Vorsichtig ging er um die Säule herum und spähte zu seiner Linken, aus der die Stimmen kamen. Nicht weit von ihm befand sich ein schmaler Balkon, den er vorher nicht bemerkt hatte. Er konnte im flackernden Schein der Fackeln zwei Personen ausmachen, die an der Brüstung mit dem Rücken zu Hephaestion standen. Mit klopfenden Herzen trat er näher, hinter eine schmalere Säule.

Beinahe hätte er einen erleichterten Seufzer ausgestoßen, als er Alexanders blonden Haarschopf ausmachte und direkt neben ihm das schwarze glatte Haar seines alten Generals Kleitos.

Kleitos, nicht Kassander!

Er hätte jubeln können, wenn das nicht die Aufmerksamkeit der beiden auf sich gelenkt hätte.

"Ähnele ich meinem Vater?", fragte Alexander leise und Hephaestion hielt den Atem an, um ihn besser verstehen zu können. Er wollte die beiden nicht belauschen und doch waren seine Beine wie angewurzelt und er war nicht in der Lage sich zu bewegen.

Kleitos zögerte mit seiner Antwort und erst als Alexander ihm seinen Kopf zuwandte, begann er zu sprechen:

"Dein Vater war ein großer Mann, Alexander. Ihr seid in vielen Dingen verschieden. Ihr habt von verschiedenen Zielen geträumt. Aber du bist ihm sehr ähnlich, Alexander. Ihr seid beide Könige durch und durch. Als du zur Welt kamst, wusste ich, dass du zu höherem bestimmt bist. Du wurdest bereits als König geboren und dein Vater war da nicht anders."

„Er sagte, Könige werden nicht einfach geboren. Und ich glaube, in mir hat er niemals einen König gesehen“, erwiderte Alexander und an seinem Tonfall erkannte Hephaestion, dass er Kleitos Ansicht nicht glauben wollte. "Ich wollte niemals so sein wie er. Die Art und Weise wie er gedacht hat. Ich habe seine Sichten gehasst. Kleitos… Ich glaube, ich habe sogar ihn gehasst."

"Das hast du nicht, Alexander. Ihr hattet viele Schwierigkeiten, weil für zwei Könige kein Platz war. Natürlich hatte er recht, man wird nicht als König geboren, man muss sich das erkämpfen. Doch du hattest den königlichen Hauch, der dich schon seit deiner Geburt umgab. Wir wussten alle, dass du einmal seinen Platz einnimmst. Da bestand keinerlei Zweifel. Philipp war sich immer sicher, dass du der Sohn bist, der Makedonien weit bringen würde. Aber Philipp war stur, er wollte seinen Platz nicht einbüßen. Er hat dich geliebt und er war stolz auf dich. So stolz wie ein Vater auf seinen Sohn nur sein kannst. Und ich weiß du hast ihn für seine Fähigkeiten bewundert. Du bist wegen ihm zu dem geworden, der du heute bist."

Hephaestion musste bei Kleitos Worten lächeln. Ja, Alexander war immer schon der perfekte König gewesen. Er war als Prinz schon königlicher gewesen, als sein Vater.

"Heute bin ich der, der ich als Kind nie sein wollte. Ich weiß nicht, ob das schlecht ist", flüsterte Alexander bitter.

Kleitos legte einen Arm um Alexander und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter.

„Du hast viel Zeit mit deiner Mutter verbracht und zu wenig mit Philipp. Das verunsichert dich. Aber vergiss nicht, dass meine Schwester Lanike dich erzogen hat. Du bist der, zu dem dich die Götter bestimmt haben und genauso sollst du auch sein!“
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