Forget your past

GeschichteDrama / P16 Slash
Alexander Cassander Cleitus Hephaestion
30.07.2012
15.08.2013
22
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Titel: Forget your past

Idee & Text: e-z
Rechte: Die Rechte liegen nicht bei mir. Ich verdiene hiermit kein Geld.
Rating: P 16 Slash
Pairing: Alexander//Hephaestion
Begleitender Song: Die Toten Hosen – Draußen vor der Tür
Summary: Alexander hat Ägypten erreicht. Doch ein Schatten legt sich über die Freude, des neu eroberten Reichs. Der König wird von lange vergessenen Gedanken geplagt, leidet unter Schlaflosigkeit und scheint sich selbst verloren zu haben. Eines Morgens entdeckt Hephaestion, dass Alexander von seinem nächtlichen Spaziergang nicht zurückgekehrt ist. Als Chilliarch muss Hephaestion Alexanders Männer davon überzeugen, dass Alexander noch immer da ist und sich gleichzeitig, auf die Suche nach ihm machen. Doch ist Alexander wirklich freiwillig aufgebrochen, oder steckt Bessos hinter seinem plötzlichen Verschwinden?

Ja, das hier ist die Fortsetzung von "Are you loving the pain?". Es ist hilfreich die FF vorher gelesen zu haben.

Forget your past






Chapter 1 - When the storm arrives



Pella / Makedonien

337 v. Chr.



Alexander versank in den wundervollen Augen Hephaestions.

Wie immer, wenn er mit ihm zusammen war, vergaß er all die schlechten Dinge und die Sorgen, die ihn sonst umgaben. Seine Mutter, die drängte, er solle sich eine Frau suchen und nicht seine gesamte Zeit mit Hephaestion verbringen. Sein Vater, der vermutlich nicht einmal wusste, mit wem sein Sohn die Zeit verbrachte. Seine Sorge war es, Alexander den Thron zu verweigern. Warum sein Vater das tat, war ihm nicht klar. Doch es war offensichtlich, dass sich Philipp alle Möglichkeiten offenhielt, um einen anderen als Alexander zu seinem Nachfolger zu machen.Alexander wäre die beste und vernünftigste Wahl. Der Sohn, der intelligent und stark genug war, Truppen zu befehligen. Er war nicht schwachsinnig, wie sein Bruder um den er sich nun zum ersten Mal Gedanken machte. Philipp hatte seinem idiotischen Sohn eine Ehefrau versprochen. Die Tochter des Herrschers von Karien.

Alexander hatte sie nie zuvor kennengelernt, doch es war auch unwichtig. Philipp ging es um das Bündnis, welches die Ehe mit sich bringen würde. Alexanders Bruder Arrhidaios, war von Philipp auserwählt sie zu heiraten.

Doch Alexander machte diese Wahl zweifelnd, auch wenn er froh war, selbst nicht heiraten zu müssen. Er fragte sich, warum sein schwachsinniger Bruder von Philipp vorgezogen wurde. Er machte Alexanders Aussicht auf den Thron fragwürdig und vielleicht würde Alexander zusehen müssen, wie sein Bruder der Nachfolger Philipps wurde. Obwohl er ein Bastard war!

Alexanders Mutter war rechtmäßig mit Philipp verheiratet. Er war die beste Wahl. Er war ein legitimer Sohn und er war bei vollem Verstand.

Genau das hatte auch der Bote dem Herrscher Kariens in Alexanders Auftrag überbracht, als er gleichzeitig um die Hand der Tochter für Alexander anhielt.

Er wusste dass er die bessere Wahl war und der Herrscher außer sich vor Freude sein würde, ein solches Angebot für seine Tochter zu bekommen. Alexander war die beste Wahl, die sie kriegen konnte.

„Fürchtest du dich nicht, dass sie dein Angebot annehmen?“, riss Hephaestion ihn aus seinen Gedanken und strich federleicht über die warme Haut von Alexanders Brust. Ein Lächeln trat auf Alexanders Gesicht, als er Hephaestions schlanken nackten Körper betrachtete. Er lag eng an ihn geschmiegt, auf dem schmalen Bett. Sein warmer Körper übertrug die gemütliche Wärme in Alexanders Glieder und er seufzte leicht.

Hephaestion wusste jederzeit woran Alexander dachte. Er war in der Lage ihn zu lesen, wie kein anderer es konnte.

Alexander drehte sich auf die Seite, legte eine Hand an Hephaestions Hüfte und zog ihn noch näher an sich heran.

„Mein Vater wird mich nicht an eine solche Ehe verschwenden“, entgegnete er zuversichtlich und hauchte einen zarten Kuss auf Hephaestions Lippen.

„Dann hoffst du darauf, dass er von deinem Antrag erfährt? Du weißt, er wird außer sich vor Zorn sein, wenn er hört, dass du ihm seine Pläne vereitelst“, bemerkte Hephaestion mit einem wohligen Seufzen. Er hob seine Hand und griff in Alexanders kurzes blondes Haar.

„Soll er mich zu seinem Nachfolger bestimmen und er darf verheiraten wen er möchte“, schnaubte Alexander verärgert über die Situation mit seinem Vater. „Er lässt mich absichtlich zittern. Er will mir das Gefühl geben, der Thron wäre mir nicht sicher. Aber ich weiß, dass er das ist. Ich bin die einzige richtige Wahl, die er hat.“

„Du bist die beste Wahl“, hauchte er und grub seine Finger tiefer in Alexanders dichtes Haar. Ein leichter Hauch von Bitternis lag in seinen blauen Augen. Alexander wusste woher Hephaestions Gefühl rührte. Er bereute es, nicht zu den Freunden zu gehören, die Alexander bei seinem Vorhaben geholfen hatten. Hephaestion hatte ihm mehrmals seine Hilfe angeboten, doch Alexander hatte sie abgelehnt. Er wusste, wenn Philipp erfuhr, wer an Alexanders Einmischung beteiligt war, würde er sie bestrafen. Und Alexander wollte nicht, dass Hephaestion zu ihnen zählte. Er brauchte ihn an seiner Seite und er war ihm zu wichtig, um ihn leichtfertig in Gefahr zu bringen.

Hinzu kam noch Hephaestions Sorge, Alexander könnte die Prinzessin von Karien, tatsächlich zur Frau nehmen. Aber das würde nicht passieren. Alexander wollte das nicht und würde es auch nicht tun. Er verließ sich da voll und ganz auf seinen Vater und dessen Stolz. Niemals würde er zulassen, dass Alexander an eine so bedeutungslose Ehe verschwendet werden würde.

Er baute jedenfalls fest darauf, denn das würde zeigen, dass er mehr wert war, als sein idiotischer Bruder.

Hephaestion hatte jedoch Zweifel, die Alexander sich selbst nicht gestatten wollte. Er selbst hatte diese ganze Sache nur ausgeführt, weil er befürchtete, das Arrhidaios den Weg auf seinen Thron gefährdete. Hephaestion glaubte deshalb, Philipp würde dem nicht Einhalt gebieten, weil es ihm nicht wichtig war, wen Alexander zur Frau nahm.

„Denk nicht weiter darüber nach, Hephaestion“, flüsterte er, rollte sich seitlich über Hephaestion und küsste ihn besitzergreifend. „Ich werde immer Dein bleiben. Niemand wird jemals deinen Platz einnehmen können.“

Hephaestion schlang seine Arme um Alexanders Nacken und seufzte leise in den Kuss hinein. Seine Hände kraulten die weichen Haare in seinem Nacken und sein warmer Körper presste sich verlangend an Alexanders.

Sie wurden jedoch jäh unterbrochen, als die Tür zu Alexanders Gemächern ruckartig aufgestoßen wurde und sein Vater hineinrauschte.

„Was fällt dir ein, dich in Angelegenheiten einzumischen, die dich nichts angehen?!“, fuhr er ihn ohne zu zögern an. Hephaestion entwand sich hastig Alexanders Griff und rutschte an die Wand, als könnte sie ihn unsichtbar machen.

Alexander seufzte, richtete sich auf und fuhr sich durch das kurze blonde Haar, ehe er zu seinem Vater blickte.

Dieser betrachtete zuerst seinen Sohn, ehe dann seine Augen verwundert auf Hephaestion liegen blieben.

„Von welchen Angelegenheiten sprichst du, Vater?“ fragte er mit hochgezogener Augenbraue und richtete somit Philipps Aufmerksamkeit wieder auf sich.

„Der karische Herrscher war dazu bereit, seine Tochter mit meinem Sohn zu verheiraten. Du wirst dir sicher denken können, wie überrascht ich war, als ich herausfand, dass er damit nicht Arrhidaios meinte!“ Alexander gab mit keiner Regung zu verstehen, dass er sich angesprochen fühlte. „Du wagst es, dich einzumischen und dich selbst einer so unbedeutenden Ehe wie dieser hinzugeben?! Was, bei Dyonisus, ist los mit dir! Glaubst du er wird meinen schwachsinnigen Sohn noch seiner Tochter hingeben, wenn ich ihm die Ehe mit meinem Erbe untersage?“

Alexander wurde hellhörig und seine Augen wurden groß.

„Deinem Erbe? Dann wolltest du Arrhidaios mir nicht vorziehen? Dann war diese Ehe nicht wichtig für dich?“, fragte er aufgeregt. Philipp zog die Brauen zusammen und starrte seinen Sohn für einen Moment an, ehe ihm aufging, was Alexander eigentlich bezweckt hatte.

Er umfasste Alexanders Kinn mit der Hand und zog ihn zu sich hoch, um ihm in die Augen blicken zu können.

Alexander verkrampfte sich bei seinem Griff und merkte wie Hephaestion hinter ihm alarmiert zusammenzuckte.

„Du bist besessen von der Idee, meinen Platz einzunehmen, nicht wahr?“, zischte er abfällig. Arrhidaios wäre ein Spottpreis für ein solches Bündnis zwischen Karien und Makedonien gewesen. Aber du musstest dich in deiner jugendlichen Nervosität einmischen und alles zerstören! Du bist kein geborener König, Alexander. Du bist naiv und kindlich, du wärst nicht in der Lage ein Volk zu führen. Dich dürstet es nach meiner Macht und doch bist du nicht zu mehr in der Lage, als mit ihm dein Bett zu teilen!“

Er nickte zu Hephaestion und Alexander biss knurrend die Zähne zusammen. Er entwand sich dem Griff seines Vaters und funkelte ihn zornig an.

„Er ist Hephaestion!“, fauchte er. Philipps Blick glitt daraufhin erneut zu Hephaestions nackter Gestalt, den Alexander hinter sich nicht erkennen konnte.

„Du hältst Amyntors Sohn wie eine Dirne in deinen Gemächern?!“, stieß Philipp mit einem Mal aus. „Amyntor zählt zu meinen Freunden, was glaubst du was er sagt, wenn er hört wie mein Sohn…“

„Hephaestion ist nicht meine Dirne!“, unterbrach Alexander ihn ungeduldig. „Hephaestion ist mein Freund und was immer er tut, tut er, weil er es will. Wenn du dich für mich interessieren würdest, würdest du das wissen!“

Philipp schien mit dieser Erklärung trotz allem nicht zufrieden zu sein. Sicher war ein Mann als Geliebter nichts Ungewöhnliches in Makedonien und doch wusste Alexander, dass es Philipp leichter gefallen wäre, ihn mit einer richtigen Hure gesehen zu haben.

„Wenn deine Mutter dich nicht so verzogen hättest, würdest du ihr nicht wie ein reudiger Köter überallhin folgen und ich hätte einen richtigen Mann zum Sohn und keinen verzogenen Jungen, der wie ein Weib sofort in Tränen ausbricht!“ Er trat drohend einen weiteren Schritt auf Alexander zu, der instinktiv einen Schritt zurück machte und mit dem Bein gegen das Bett stieß. „Sollte deinem Bruder Arrhidaios nur einen Kratzer zugefügt werden, werde ich dich dahinter vermuten und ich werde dafür Sorge tragen, dass du den Thron nicht einmal mehr aus der Nähe sehen wirst. Dasselbe gilt, falls du dich wieder einmal in meine Angelegenheiten mischst und vorhast dich einer flüchtigen orientalischen Ehe hinzugeben!“

Alexander ließ sich sprachlos vor Zorn aufs Bett fallen, als Philipp Hephaestion und ihm noch einen weiteren drohenden Blick zuwarf und so schnell wie er gekommen war, Alexanders Gemächer wieder verließ.





Winter 332 v. Chr.

Alexander schreckte aus seinem Schlaf hoch, sein Herz raste noch vor unterdrücktem Zorn und kalter Schweiß benetzte seinen Körper. Er hatte seinen Vater so klar und deutlich vor sich gesehen, dass es ihm fast unwirklich vorkam, dass er nicht mehr lebte.

Doch hier und jetzt befand er sich in einer anderen Zeit. Sein Traum lag Jahre zurück und Alexander hätte die Szene sicherlich längst vergessen, wenn er nicht gerade davon geträumt hätte.

Er hatte lange nicht mehr an seine Beziehung zu seinem Vater gedacht. Die meisten der Erinnerungen waren schmerzlich und voller Zorn. Daran erinnerte er sich nicht gerne. Er hatte sie verdrängt und nun suchten ihn die Erinnerungen in seinen Träumen heim. Ließen ihn mit einem fröstelnden Gefühl zurück und einer Leere in seinem Inneren, die er sich nicht erklären konnte.

Sein Körper bebte, als er sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn wischte. Alexander rutschte auf seinem Bett nach vorne, um seine Füße über den Rand zu legen. Doch etwas versperrte ihm den Weg und er stieß bei dem Versuch schmerzlich gegen einen Körper, dessen Erscheinung ihn beinahe aus dem Bett hätte fallen lassen.

Er blinzelte alarmiert, versuchte sich zu erinnern, wo er eingeschlafen war und es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis ihm aufging, dass Hephaestion neben ihm eingeschlafen war und nun noch immer dort lag.

Hephaestion wie in seinem Traum.

Blind tastete er nach dessen Körper. Alexander hatte ihn durch seinen kurzen Stoß offenbar nicht geweckt. Seine Hand strich über Hephaestions weichen Rücken. Er lag auf dem Bauch, die dünne feine Decke über seine Beine gehüllt. Alexander ertastete die feinen verblassenden Striemen auf Hephaestions Rücken, an dessen Existenz er Schuld war. So schnell, als hätte er sich verbrannt, zog er die Hand wieder zurück und rang darum seinen Atem zu normalisieren. Er war noch immer aufgewühlt von seinem Traum und die Schmach, sich daran zu erinnern, wie er die einzige Person behandelt hatte, die ihn vorbehaltlos liebte, rief die Übelkeit in ihm hoch.

Lautlos um Hephaestion nicht zu wecken stieg er über ihn rüber, zog sich eine Robe über die Schulter und verließ beinahe fluchtartig sein Zelt.Er hätte seinen Freund auch wecken können, er wäre ihm auch dankbar dafür gewesen, denn Hephaestion hasste es, sich im Morgengrauen zurück in sein Zelt schleichen zu müssen. Die meisten der Männer waren um diese Zeit unterwegs und Hephaestion setzte sich nicht gerne dem Gespött aus, weil er abermals am Morgen aus Alexanders Zelt gekrabbelt kam. Aus dem Grund schlich er sich meist des Nachts schon raus, um sich in aller Ruhe und unbemerkt zu seinem eigenen Zelt zurückzuschleichen.

Doch Hephaestion hätte Alexanders Ruhelosigkeit bemerkt und sicher hätte er ihn gefragt was los war. Doch momentan war Alexander nicht dazu bereit, seinen Traum wieder hervorzurufen und darüber zu reden. Und anlügen würde er Hephaestion nicht. Es war besser, wenn er sich die Beine vertrat, den Kopf frei bekam und Hephaestion davon erzählte, wenn es nicht mehr so frisch war.

Mit noch immer klopfendem Herzen, stellte er sich an den Rand des Lagers zu den Pferden und schlang die Arme um den Oberkörper. Das ganze Lage war in tiefe Dunkelheit getaucht. Der Mond war hinter großen Wolken verschwunden und lediglich die Glut im Lagerfeuer spendete schwaches Licht. Die Wache hatte es bislang versäumt einen Scheit nachzulegen. Vermutlich waren sie allesamt eingeschlafen. Eine Situation die definitiv seiner ermahnenden Worte bedurft hätte, doch im Augenblick wollte er sich auch darum nicht kümmern.

Er sah das Bild seines Vaters vor sich. So klar als würde er vor ihm stehen. Und die Erscheinung machte ihm bange. Er war zornig, tauchte die Atmosphäre um ihn herum und dieselbe Kälte, die Alexander zum frösteln gebracht hatte.

„Was willst du mir sagen!“, fragte er laut und fest, wobei es ihn einige Mühe kostete das Beben in seiner Stimme zu unterdrücken.

Hinter ihm zwischen den Pferden schepperte es laut und eines der Pferde wieherte alarmiert, während die anderen erschrocken mit den Hufen scharrten und an ihren Halftern zogen.

Alexander wandte sich erschrocken um und versuchte krampfhaft eine Gestalt in der Dunkelheit auszumachen.

„Aua!“ fluchte eine Stimme, kämpfte sich zwischen den Pferden hervor und blickte sich gehetzt um, während er nach wie vor murmelnd vor sich hinfluchte.

„Kassander?!“, fragte Alexander verwundert, woraufhin die Gestalt erschrocken zusammenzuckte. Er zögerte sichtlich, bevor er sich dann gequält in Alexanders Richtung begab.

„Mein König“, knurrte er. Die Ansprache benutzte er anstelle seines Vornamens, um es so abwertend wie möglich klingen zu lassen. Alexander ließ sich diese Respektlosigkeit gefallen, weil er von Kassander nie etwas anderes gewohnt war. Er murrte zwar, aber er tat was ihm aufgetragen wurde. Heute jedoch klang Kassanders Gruß weniger abwertend als sonst.

„Weshalb bist du nicht in deinem Zelt?“, fragte Alexander verwundert. Er versuchte Kassanders Gesicht im schwachen Schein der Fackeln ausfindig zu machen.

„Die Frage kann ich dir auch stellen. Hat Hephaestion dich nicht ausreichend gefordert?“ Kassanders dreiste Gegenfrage ließ Alexander kalt. Auch wenn er einen kühlen Blick aufsetzte, den Kassander wahrscheinlich nicht einmal erkennen konnte.

„Er schläft. Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, Kassander. Doch jemand, der zwischen den Pferden wie ein Dieb hindurchschleicht, weckt mein Interesse“, sagte er. Kassander schnaubte abwertend.

„Ich hatte Angelegenheiten zu klären. Angelegenheiten, die nur mich persönlich betreffen und die ich nicht vor dir offen darlegen muss!“

Alexander zog eine Augenbraue hoch. Vor dem König hatte Kassander alles offen darzulegen und was Alexander nicht näher wissen wollte, entstand aus seiner puren Nachsicht heraus. Er vertraute Kassander in so weit, wie Hephaestion ihm traute. Denn noch immer wusste er nicht, was Kassander wirklich mit Bessos gemeinsam geplant hatte. Hephaestion wusste es, aber die Version, die Hephaestion ihm dargelegt hatte, entsprach sicherlich nicht der Wahrheit. Doch sein Vertrauen zu Hephaestion war grenzenlos und so verließ er sich darauf, dass Kassander ihm treu ergeben war. Selbst wenn er des Nachts durchs Lager schlich.

„Es geht mich etwas an, wenn du das Lager verlässt“, befand er schließlich knapp.

„Ich habe das Lager nicht verlassen. Ich habe mich mit einem Krieger meiner Truppe unterhalten, der ein respektloses Verhalten an den Tag legt. Und ich habe am Morgen besagte Gruppe anzuführen, da kann ich mir ein solches Verhalten nicht erlauben“, erklärte Kassander schließlich und knirschte abschließend mit den Zähnen. Es war offensichtlich, dass er nicht darüber reden wollte. Doch Alexander hatte ihn in den vergangenen Tagen beobachtet und wie Hephaestion es prophezeit hatte, brachte man Kassander nicht mehr den gewohnten Respekt entgegen.Er hatte immerhin den Feind ins Lager gebracht und er hatte Hephaestion angetastet. Letzteres schürte noch immer eine tiefe Wut in Alexander, die er nur mit Mühe im Zaun halten konnte.

Doch all das hatte auch sein Gutes gehabt.

Hephaestion begegnete man inzwischen mit Respekt. Er hatte sich auf eine Art verändert, die ihm guttat und die in diesem Format auch Alexander zu Gute kam. Durch seinen offenen Angriff auf Bessos begegneten ihm viele sogar beinahe ängstlich. Wahrscheinlich gefiel Hephaestion diese neue Art der Behandlung, wo er doch nicht mehr als Spott gewohnt war.

Philipp hatte Hephaestion Respekt entgegen gebracht. Bis zu einem gewissen Punkt. Genügend um Amyntors Freundschaft aufrecht zu erhalten. Als König hätte Amyntor ihm sicherlich keine Vorwürfe gemacht, wenn Philipp Hephaestion schlecht behandelt hätte. Das hätte Amyntor nicht zugestanden. Doch Philipp hatte es verstanden, seine Freunde treu zu wissen und indem er seinen Sohn trotz dessen offensichtlicher Liaison mit Alexander gute behandelte, wusste Amyntor, dass er sich auf ihn verlassen konnte.

Alexander hielt in seinen Gedanken inne, als ihm auffiel, dass sein Kopf ihn schon wieder unwissentlich zu seinem Vater geführt hatte. So oft wie heute, hatte er lange nicht mehr an ihn gedacht.Und er wollte es auch nicht.

Aber der Traum wollte ihn einfach nicht mehr loslassen.

„Hattest du jemals den Eindruck, dein Vater hasst dich?“ fragte Alexander ruhig. Kassander schien über den plötzlichen Themenwechsel verwundert und rang einen Moment tatsächlich um eine Antwort. Es war zu schnell gegangen, als dass er nun sich noch irgendein gehässiges Kommentar hätte ausdenken können.

„Nein… Nein. Mein Vater hasst mich nicht. Warum sollte er?“, entgegnete er daher ungewohnt gesprächig.

„Das ist gut“, stimmte Alexander schwach zu. In seinem Hals hatte sich ein Kloß gebildet und er wandte sich eilig von Kassander ab, um ihm nicht seine Schwäche zu zeigen. Doch Kassander hatte seine Stimmung gefühlt und sein Abwenden richtig interpretiert. „Man sollte sich mit seinem Vater verstehen. Als Sohn.“

„Du sprichst über deinen Vater“, erkannte Kassander und ein Hauch von Spott schwang in seiner Stimme mit. „Ihr habt euch gehasst, nicht wahr?“

„Sah es danach aus?“, fragte Alexander, den Spott in Kassanders Stimme ignorierend. „Wir haben uns nicht gehasst. Wir hatten einige Unklarheiten, Missverständnisse… Nenn es, wie es dir beliebt.“

„Es war nicht zu übersehen. Philipp hat dich verabscheut. Frag Kleitos, ich habe sie mehr als einmal von dir reden hören. Er hat dich und deine Mutter gehasst.“

„Schweig“, unterbrach Alexander ihn in gesenktem Tonfall. Es tat weh, diese Dinge zu hören, wo er sich selbst nicht sicher war, was sein Vater wirklich empfunden hatte. Es hatte oft danach ausgesehen, als würde Kassander recht haben. Und doch weigerte er sich zu glauben, dass sein Vater ihn tatsächlich gehasst hatte.Er war letztendlich immer noch sein Sohn. Und trotz aller Fehden hatte er seinen Vater geliebt.

„Warum sich mit alten Fehden beschäftigen, wenn die Zeit hinter dir liegt?“, fragte Kassander schließlich. Alexander seufzte daraufhin schwer. Kassander war sicherlich nicht der geeignete Gesprächspartner für dieses Thema. Und doch war er unbekümmert genug, damit Alexander ihm vertrauen konnte.

„Ich träume von ihm. Von den alten Zeiten“, erwiderte er leise. Wieder sah er das Gesicht seines Vaters vor sich, wie er wütend in seine Gemächer gestürmt war. So sehr er sich auch bemühte, er schaffte es nicht, sich an ein freundliches Bild von ihm zu erinnern.

„Davon lässt du dir den Schlaf rauben? Der Thron ist dein, also warum an diese Dinge festhalten. Das ist lange vergangen und nicht länger wichtig.“ Kassanders Tonfall war distanziert und die Art, wie er darüber dachte, war herzlos. Dennoch musste Alexander ihm beipflichten. Diese Dinge lagen hinter ihm. Es sollte ihn nicht länger kümmern, konnte er doch ohnehin nichts mehr daran ändern. „Aber tu was dir beliebt, ich werde mich nun in meine Decken verkriechen.“

Er wandte sich bereits zum Gehen, als Alexander ihn davon abhielt.

„Wurdest du nie von Träumen verfolgt? Von Dingen, die dir keine Ruhe lassen?“ Kassander zögerte sichtlich und haderte mit seiner Antwort. Offenbar war ihm diese Art vertraut, denn sonst hätte er sich mit seiner Antwort nicht so lange Zeit gelassen.

„Ich bin ein Sieger, Alexander. Mich belastet nichts“, befand er steif. Für Alexanders Geschmack ein wenig zu steif.

„Hephaestion“, sagte er dann scharfsinnig. „Träumst du von ihm? Von den Dingen die du ihm angetan hast?“

Kassander versteifte sich und im Schein der Fackeln konnte Alexander sehen, wie er die Lippen fest zusammenpresste.

„Warum sollte ich?“, presste er zwischen den Zähnen hindurch.

„Du hast ihm sehr wehgetan. Er hat dir vertraut und wurde enttäuscht. Er kann sehr nachtragend sein. Ich sehe, dass du es bereust, aber das ist nicht genug. Nicht wahr?“

Abermals zögerte Kassander, schien in Gedanken nach einer Antwort zu suchen, die er sich erlauben konnte.

„Hephaestion ist kein Thema zwischen uns!“, entschied er frostig und wandte sich ohne eine weitere Erklärung von Alexander ab und ließ ihn alleine zurück.
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