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Geister geben niemals Ruhe

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Parodie / P12 / Gen
27.07.2012
17.08.2013
14
14.460
 
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Dieses Kapitel
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27.07.2012 1.038
 
Teil X (Römisch Zehn) - Eloquenz ist auch ein Wort


"Mein lieber Freund und Dschinn, würdet ihr mir nicht auch zustimmen, wenn ich behaupten würde, dass so langsam die Zeit gekommen ist, sich etwas sehr gewitztes einfallen zu lassen?"
So jedenfalls interpretierte ich das wilde Herumgefuchtel von Kazumi, die aufgrund der immer stärker ansteigenden Lautstärke im Raum in die Zeichensprache verfallen war.
Vielleicht meinte sie auch einfach nur "TU IRGENDWAS!".
Ich warf einen raschen Blick auf mein Armgelenk. Der Zeiger meiner Mana-Batterie kroch so langsam nach oben wie ein Hundertjähriger, der versucht, eine nach unten fahrende Rolltreppe emporzusteigen.
Ich hob kurz den Kopf, um die Lage abzuchecken. Dabei blieb ich mit den puscheligen Ohrschützern, die seit kurzem meine Lauscher bedeckten, in den Ästen eines Gummibaums hängen. Für einen kurzen Augenblick waren meine Ohren dem entsetzlichen Lärm ausgesetzt, der den zerstörten Speisesaal erfüllte.
Links von mir spielte eine Geisterkapelle unter der Führung von Groucho Marx und Glenn Miller gerade eine furchtbar laute Version des "Chatanooga Choo Choo", während rechts von mir eine Gruppe unbeschreiblich behaarter Gespenster in Sailor-Moon-Kostümen einen Song von Dir-En-Grey zerstörten.
Ich war mir seltsamerweise ziemlich sicher, dass vom Ausgang dieses Konzertes das weitere Schicksal der Welt abhing, aber was ich dagegen tun sollte, war mir noch nicht ganz klar. Ohne meine Zauberkraft war ich nur ein - zugegebener Maßen ziemlich gut aussehender - Mann mit einem Turban auf dem Kopf und Pluderhosen an den Beinen.
Augenblick mal!
Gab es eigentlich eine Regel dagegen, sich zu wünschen, dass der Manavorrat niemals versiegt?
Begeistert von dieser Idee robbte ich unter den Tischen durch zu Kazumi hinüber, die mit ihrem Katana in der Hand nervös den Ausgang des seltsamen Battle of the Bands abwartete.
Ich holte einen Bleistift aus der Luft, riss eine Speisekarte aus ihren Ständer und kritzelte ein paar Katakanas darauf, um der (süßen) Japanerin klar zu machen, welchen Wunsch sie äußern sollte.
Sie starrte kurz auf den Zettel, hob erstaunt die Augenbrauen und formte mit ihren Lippen Worte, die ich als "Ich soll mir einen Mann wünschen, der niemals siegt?" interpretierte.
Ich starrte kurz auf die Schriftzeichen, drehte den Bleistift um und ließ den Radiergummi seine Arbeit tun.
Jetzt nickte Kazumi begeistert, holte meine Dose hervor und rieb daran. Mein Körper glühte kurz grün auf, während die Anzeige an meinem Arm von "Fast Leer" auf "Komplett Ausgebrannt" sank.
Einen Moment lang schauten wir uns verdutzt an. Hatte es etwa nicht funktioniert?
Doch dann schnellte die Nadel auf "Total voll!" und . . .

OH.
MEIN.
GOTT.

Scheiße, bin ich gut.
Nein, ich bin besser.
Der Beste!
Der ALLERBESTE!

Ich, Hannes "THE MAGNIFICENT" Sester, bin HAMMERGEIL!

Was, da sind irgendwelche Typen in Sailor-Fukus, die total abnerven?
Weg damit.
Zack!
Eine kurze Handbewegung, und die sind ausgelöscht wie Kerzen in einem Wirbelsturm.
So.
Erledigt.
Und wie sieht das hier überhaupt aus? Da kann man ja nicht mal seine Tante zum Tee einladen! Da muss was getan werden!
"Kinderspiel", schmunzele ich, klatsche kurz in die Hände, wodurch das demolierte Restaurant wieder in neuem Glanz erstrahlt. Nur das die Tische und Stühle jetzt mit Gold überzogen sind.
Man will ja den Gästen was bieten!
"Applaus, Applaus, lasst ihn nur raus", schallt es aus meinem Mund.
"Alles in Ordnung, Hannes-San?", will Kazumi von mir wissen.
"Na klar! Alles in Butter, Mutter. Mach dir nicht ins Höschen, Röschen!", beruhige ich sie. Dann bemerke ich ihre zerfetzte und schmutzige Kleidung.
"Na, also wirklich! So kann sich eine hübsche junge Dame doch nicht sehen lassen!"
Schwupp-di-wupp, einmal mit der Hand gewedelt und schon trägt meine bezaubernde Begleiterin ein schickes Kleidchen von irgendeinem italienischem Designer mit unaussprechlichem Namen.
"Ist fürchterbar kleidsam", meine ich und füge fingerschnippend noch schnell passende Ohrringe hinzu.
"Was ist denn hier passiert?", fragt Hep, die gerade in den Raum kommt. Verdutzt begutachtet sie die Gummibäume die dank meinem guten Geschmack jetzt erdbeerfarben sind und auch so schmecken.
"Ich habe einige Erklärungen vorbereitet, aber sie werden dir alle nicht gefallen", meint Groucho.
"Hep, meine allerliebste Geister-Gefährtin, komm doch rein, ich habe extra aufgeräumt!", begrüße ich sie überschwänglich, blinke kurz mit den Augen, wodurch ein Besen erscheint und schnell ein paar Krümel unter den nächsten Teppich kehrt.
"Ich dachte, hier drinnen fände eine Kampf statt", sagte Hep unsicher.
"Hat, meine Liebe, hier hat ein Kampf stattgefunden", antworte ich. "Aber die ehrenwerten Herren Gespenster haben nacheinander die Klinke in die Hand genommen, um sich von hier zu verabschieden, mit anderen Worten sie haben das Weite gesucht, sind von hinnen geeilt, nein, von dannen. Wo liegt das eigentlich, Dannen? Ist es Dannen an der Oder oder Dannen am Rhein?"
"Er hat sich Schnodderismus eingefangen!", dringt die Stimme von Groucho an meine wohlgeformten Ohren.
"Was?", fragte Kazumi verwirrt.
"Er nimmt nichts mehr ernst und gibt nur noch dumme Sprüche von sich."
"Dann verwandelt er sich also langsam in einen Marx-Brother?"
"Das ist nicht lustig!", schimpft Hep. "Was hast du dir eigentlich gewünscht? Das er unermessliche kosmische Kräfte bekommt? Dass sein Mana-Vorrat niemals versiegt?"
Kazumi senkt schuldbewusst den Blick. "So in der Art."

ZUR GLEICHEN ZEIT, AN EINEM ANDEREN ORT:


(Moment - Wie funktioniert das eigentlich? Ich erzähle diese Geschichte doch selbst, wie kann ich da wissen, was woanders passiert? Das ist sehr verwirrend!)

Der Mann mit dem kleinen Hut auf dem Kopf hörte für einen Moment auf, Gitarre zu spielen, als ein sehr dürrer Diener in Livree ins Zimmer gestürzt kam und ihm etwas ins Ohr flüsterte.
„Bist du sicher?“, fragte er mit einem drohenden Unterton in der Stimme. Als der Diener ängstlich nickte,  schickte ihn der Mann mit dem kleinen Hut wieder aus dem Zimmer. Auf seiner Gitarre stimme er leise die ersten Töne von Venom's  „In League with Satan“ an.




+++ Worte der Weisheit (vom Autor): Wenn ihr das hier lest, habt ihr das Ende dieses Kapitels erreicht. Schreibt mir ruhig ein paar Zeilen, wenn ihr wollt.
Bis Bald!
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