Unter Kirschblüten

GeschichteHumor, Thriller / P12 Slash
Amane Ohtori Aoi Nagisa Hanazano Shizuma Hikari Konohana Tamao Suzumi Yaya Nanto
25.07.2012
02.02.2013
11
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Sie saß im Bus, ihr schwarzes, kurzes Haar wurde vom Wind erfasst, umspielte ihr Gesicht. Ihre grünen Augen folgten einer Strähne, wie sie vor ihnen tanzte, und sich dann auf ihre Haut legte. Energisch pustete sie sie weg. Moshiro hasste ihre Haare manchmel ganz schön. Sie waren eine wilde Mähne, die sie einfach nicht bändigen konnte.
"Hey, Miss, wo müssen sie denn aussteigen?", hörte sie den Schaffner fragen. Das Mädchen brauchte eine Weile, bis es begriff, dass es der einzig noch verbleibende Fahrgast war.
"Ich muss zu dem Privatschulenkomplex Astraea...", antwortete die schwarzhaarige.
"Ah, eine neue Schülerin also. Sehr ungewöhnlich, wechseln Sie?", kam die Rückfrage.
"Ja, früher habe ich hier gelebt, und wollte auf die Schule gehen, aber wegen gewissen Umständen musste ich leider wegziehen, bevor mein Jahr begann. Deswegen bin ich jetzt echt gespannt, wie es dort sein wird.", antwortete Moshiro ehrlich und schaute auf ihre Schultasche hinab. Es war streng genommen gar keine Schultasche, sondern ein Rucksack, denn sie verabscheute die klobigen Lederdinger, die man sich über die Schulter hängte.
Als ihre Haltestelle aufgerufen wurde, stand die Grünäugige auf und holte eine Schachtel mit Kontaktlinsen hervor. Der Busfahrer schaute perplex drein.
"Wie wollen sie die da ohne Probleme hineinbekommen, sie werden sich verletzen!"
Doch Moshiro schüttelte den Kopf. Dann öffnete sie die Box, holte zwei braun kolorierte Linsen hervor und schob sie vorsichtig auf ihre Augenhaut. Die ganze Zeit stand sie regungslos da, perfekt ausbalanciert. Als sie ferig war, blinzelte sie und nickte.
Schließlich wandte sie sich noch an den Busfahrer.
"Vielen Dank für alles, und ich wünsche ihnen noch ein vergnügsames Leben!", sagte sie, dann öffneten sich die Türen und sie stieg aus. Einen verblüfften Fahrer ließ sie zurück.

Kurz darauf stand Moshiro vor dem großen Stahltor zu ihrem neuen Zuhause, ihre Habsachen hatte sie in einer Art Seesack verpackt über die Schulter geworfen, ihren Rucksack hielt sie in der rechten Hand. Die Fülle an Habsachen war ihr zu gering gewesen, um sie vorausschicken zu lassen.
"Na dann, auf gehts!", sagte sie zu sich selbst, und schritt durch die Pforten. Ihre Füße bewegten sich immer schneller, schließlich rannte sie so schnell, dass sie zu fliegen schien. Überraschte Blicke wurden ihr zugeworfen. Überall waren Schülerinnen der drei Häuser, Miator, Lulim und Spica.
Die schwarzhaarige hasste zwar Röcke und Kleider, aber darüber brauchte sie sich keine Sorgen zu machen, denn die Schneider hatten gesagt, sie könnten ihr auch eine Jungenuniform machen. Insgesamt fühlte das Mädchen sich sowieso eher als Junge.
Moshiro bemerkte zu spät, dass sie zu schnell gerannt war, denn plötzlich ragte vor ihr die Mauer der Schule auf. Die Braunäugige wollte bremsen, rutschte aus und landete mit der Nase voran auf dem Asphalt. Schon im nächsten Moment war sie von einer Traube Schülerinnen umringt. Sie hörte, wie sie sich leise unterhielten.
"Ist das ein Mädchen?", "Was macht ein Junge hier auf dem Astraea Hügel?", "Ist ihm was passiert?"
Rasch richtete sie sich wieder auf, und klopfte sich den Dreck von den Kleidern.
Sofort wurde es still. Das Mädchen holte tief Luft.
"ICH BIN EIN MÄDCHEN!", brüllte es, dass einem die Ohren klingelten. Die anderen Schülerinnen wichen zurück. Da bemerkte die Braunäugige eine Gestalt im Schatten eines Baumes, hörte ein leises Lachen. Graues Haar blitzte auf, dann war sie verschwunden.
-Was war das denn?-, fragte sie sich im Stillen. Doch im nächsten Moment musste sie herzhaft gähnen. Moshiro hatte seit einem ganzen Tag nicht mehr geschlafen, weshalb sie jetzt sehr müde war.
"Hey, wo ist hier das Zimmer, wo man seine Uniformen abholen kann? Oh, und könnt ihr mir sagen, wo das Gebäude von Miator ist?", fragte sie die noch immer geschockte Menge vor ihr. Nun schauten die Mädchen ehrlich überrascht.
"D-Du bist nicht in Spica?", fragten sie.
"Nein, sollte ich?", hakte die Schwarzhaarige nach, während sie ihren Kopf schüttelte.
"Na, dann pass auf, Spica jagt alle, die gut im Sport sind!", warnte eine aus der Menge sie.
"Ha?" Die Braunäugige verstand nicht, was sie damit sagen wollte, und es war ihr auch egal. Sie zog ihr weißes Hemd zurecht, klopfte noch einmal ihre knielange, besche Hose ab, und fragte einmal mehr nach dem Weg. Diesmal bekam sie eine Antwort, und ab war sie wieder.

"Ist es hier?", fragte Moshiro sich, stieß dann einfach die Tür auf. Ein Besen fiel ihr entgegen. Na toll, jetzt war sie endlich nach zwei Verwechslungen im Haus Miator, und nun irrte sie in den Gängen herum, nur um in der Besenkammer zu landen. Der Tag konnte nicht besser laufen. Schließlich setzte sie sich frustriert auf eine Treppenstufe und seufzte.
Doch plötzlich hörte sie Stimmen.
"Nagisa, hier, wir holen deine Uniform ab!" Sofort horchte das Mädchen auf. Dann kamen auch schon zwei Schülerinnen an ihr vorbei.
"Wartet, bevor ihr geht, könntet ihr mir zeigen, wo ich mich anmelden kann, und mich dann mitnehmen? Ich kenne mich nicht aus!", fragte es schon fast verzweifelt flehend.
"He, Tamao, ich dachte, wir wären hier auf einer Mädchenschule. Warum ist dann ein Junge hier?", fragte das eine Mädchen mir rotbraunem Haar. Das andere mit blauem Haar, das zu einer komplizierten Frisur geflochten war, sah ebenfallst verwirrt drein.
"Frag mich nicht, ich kann mir das auch nicht erklären.", winkte es ab. Jetzt reichte es Moshiro.
"ICH BIN EIN M-Ä-D-C-H-E-N!!! WIE OFT SOLL ICH DAS NOCH SAGEN; EIN MÄ-", erst jetzt fiel ihr auf, das sie wohl ziemlich unhöflich antwortete, weshalb sie mitten im Satz abbrach.
"Ich bitte vielmalst um Entschuldigung.", sagte sie.
"Ist nicht schlimm, du bist neu?", fragte die Blauhaarige. Moshiro nickte. Sie blinzelte und hielt dann kurz inne. Mist, sie hatte ihre Kontaktlinsen verloren, nachdem sie gehofft hatte, diese für mehr als einen Monat zu behalten. Also wieder grüne Augen.
"Ja, man nennt mich Hiro. Ich bitte euch, ich kenne mich hier einfach nicht aus. Aber ich muss mich noch anmelden, sowie meine Uniform abholen. Doch ich verlaufe mich andauernd.", führte sie ihre Bitte aus.
"Was meinst du, Nagisa? Da du ebenfalls neu bist, würde es dir wahrscheinlich auch helfen, eine kleine Führung zu bekommen.", sagte die mit der komplizierten Frisur zu der, die wie es aussah Nagisa hieß.
"Natürlich, es macht mir nichts aus, Tamao.", kam die Antwort. Erleichtert atmete Moshiro aus. Doch dann hob sie den Kopf, starrte die mit dem Namen Tamao an.
"Tamago!", rief sie.
"Tamago? Wie unhöflich!", brummte die andere. Sofort hielt sich die Schwarzhaarige den Mund zu. Erinnerungen stiegen in ihr auf. Wie sie mit ihrer Familie in ein Haus mit roten Ziegeln gezogen war, und ihre Nachbarn, eine nette Familie mit einer Tochter, und einem Sohn, Tamao, und.... Kiiro. Wie das kleine Mädchen in Vies Alter zu ihr gekommen war, sich vorgestellt hatte.
'Tamago? Wer nennt sich schon Tamago?', hatte sie gefragt.
'Tamago? Ich heiße Tamao, nicht Tamago!', hatte es daraufhin säuerlich geantwortet. Kiiro war eingeschritten.
'Sie hat sich nur verhört, sie meint es nicht so!'
"Sie hat sich nur verhört, sie meint es nicht so!", riss sie Nagisa aus ihren Gedanken.
"Wie wäre es, wenn du uns jetzt den Weg zeigst?" Kurz hielt Tamao inne und schien über etwas nachzudenken.
"Was hast du?", fragte ihre Freundin.
"Nichts, ich hatte nur gerade ein Deja vu...", antwortete diese. Traurig sah Moshiro sie an. Anscheinend erinnerte sie sich nicht mehr an sie. Verdenken konnte sie ihr es aber nicht, sie waren ja nur kurz Nachbarn gewesen.
"Hey, Neue, kommst du?", rief die rothaarige ihr zu. Das riss sie aus ihren Gedanken.
"Natürlich, ich komme!", antwortete sie, und rannte hinter den beiden her. Kurz dachte sie an ihre eigene Familie. Ob ihre Zwillingsschwester es schaffen würde, für ihre kleine Schwester, die gerade mal sechs Jahre alt war, und ihren elfjährigen Bruder zu sorgen? Doch diese Gedanken verdrängte sie schnell wieder, und konzentrierte sich ganz darauf, mit den beiden anderen Schritt zuhalten, doch musste sie nicht aufpassen, hinterher zu kommen, sondern, sie nicht abzuhängen. Nach kurzer Zeit hob Tamago die Hand.
"Wie wäre es, wenn wir normal gehen würden?", keuchte sie. Rothaar nickte zustimmend. Oh mann, Hiro konnte sich nur schwer Namen merken, allein Gesichter konnte sie selbst nach Monaten wiedererkennen.
"Ahm, Rothaar, wie ist dein Nachname?", fragte sie.
"Ich heiße nicht Rothaar, mein Name ist Nagisa Aoi!", knurrte sie. Aoi... hörte sich nach einer Farbe an. Genau, Blau.
"Ok, danke Blue!", sagte das Mädchen vergnügt und schritt voran.
"Mein Name ist Nagisa, nicht Rothaar und auch nicht Blue!!!", schrie die andere ihr hinterher. Kurz drehte die schwarzhaarige ihr den Kopf zu und grinste sie an. Unvermittelt verstummte sie, schaute weg. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Wie Moshiros älterer Bruder gesagt hatte, sie konnte jeden zum Mitlachen bringen.
Kurze Zeit später hielten sie vor einer großen Tür.
"Hier wohnt die Wohnheimhausmeisterin, hier meldest du dich an!", erklärte Tamao, und öffnete. Sie befanden sich in einem großen Raum, vollgestellt mit Bücherregalen. In der Mitte stand ein Schreibtisch, hinter dem eine ältere Dame mit strengem Gesichtsausdruck saß.
"Willkommen, was kann ich für euch tun?", begrüßte sie sie.
"H-hallo, ich heiße Moshiro Sylvia Akai, ich bin die neue Schülerin hier!", stellte sich die schwarzhaarige vor.
"Aber alle nennen mich Hiro, weswegen vielleicht auch Hiro Akai daraufstehen könnte, oh, und Akai ist auch nicht mein Geburtsname, eigentlich ist er Arai, aber meine Eltern sind sehr früh 'gestorben'.", fügte sie dann aber noch hinzu, wobei sie das Wort gestorben besonderst betonte. Tamao horchte auf, als sie den Namen hörte, sah die andere von der Seite an. Hiros Ausdruck hatte sich verändert. Ihr Gesichtzüge waren gespannt, sie sah merkwürdig gequält aus, aber auch entschlossen. Doch im nächsten moment waren diese Emotionen verschwunden, und die Teilnahmslosigkeit kehrte zurück.
Schließlich war auch ihr Name gefunden.
"Hier haben wir dich, Moshiro Sylvia Arai!", sagte die ältere Dame. Moshiro hatte schon längst einen Spitznamen gefunden.
"Danke Obasa!", lächelte sie. Die Hausmeisterin war sprachlos.
"Ich bin erst fünfzig,  meine Dame, ich wünsche, das nicht mehr von dir zu hören!", herrschte sie sie an. Doch als Antwort hörte sie nur noch das Geräusch der ins Schloss fallenden Tür.
Die Schwarzhaarige wusste nicht, wie ihr geschah, als Tamao sie am Arm packte und sie und Nagisa mit sich riss. Erst ein paar Gänge weiter hielt sie an.
"Bist du verrückt?", fuhr sie die Neue an.
"Es tut mir leid, Omlett, ich kann mir nur schlecht Namen merken.", versuchte sich das Mädchen zu erklären.
"Ich bin kein Gericht!", seufzte sie und rang die Hände zum Himmel.
"Entschuldigung.", wiederholte Moshiro.
"Warum hab ich nur das Gefühl, das du dein Verhalten nicht ändern wirst.", brummte die blauhaarige. Nagisa lächelte gezwungen.
"Lass gut sein, Suzumi-sa... ich meine Tamao-chan. Lass uns lieber unsere Uniformen abholen!", versuchte sie, ihre Freundin zu beschwichtigen. Die Schwarzhaarige horchte auf.
"Hey, Blue, das ist doch auch dein erster Tag hier, aber ihr seht aus, als wärt ihr alte Freunde..."
"Sie ist meine Mitbewohnerin, wenn du in dein Zimmer einziehst, wirst du auch eine haben.", antwortete Nagisa.
"Nein, werde ich nicht. Ich habe ein Einzelzimmer.", antwortete die Neue. Eigentlich wollte sie dorthin. Ihre Tasche wurde langsam wirklich schwer. Dennoch zeigte ihr Gesicht kurz ein Aufzucken eines Gefühls der Einsamkeit.
Abermals blieben sie vor einem Zimmer stehen.
"Hier ist die Uniformenausgabe!", schilderte Suzumi und stieß die Tür auf. Dahinter war ein eher karger Raum mit einem langen Tisch, hinter dem Fächer in die Wand eingelassen waren, whrscheinlich als Ablage für die Schuluniformen. Eine nettasusehende Frau stand hinter dem Tresen.
"Was kann ich für euch tun, Suzumi-san?", fragte sie mit einer ganz anderen Stimme als die Wohnhaushausmeisterin.
"Diese beiden hier sind neu an der Schule, und wollten ihre Kleider holen.", erklärte das Omlett. Die Frau wandte sich an Moshiro.
"Dann musst du Arai-san sein. Hier, komm mit, deine Kleidung ist gerade angekommen!", sagte sie mit sanfter Stimme. Die Schwarzhaarige ballte ihre Hände zu Fäusten.
"K-Könnten sie mich wenn dann Akai nennen? Wie sie sicherlich wissen, sind meine Eltern tot, daher habe ich lange Zeit bei meinem Adoptivvater gelebt...", bat sie mit stockender Stimme. Nun sah auch Nagisa sie verwirrt an.
"Was ist denn deinen Eltern zugestoßen?", fragte sie.
"Das würde ich lieber für mich behalten!", antwortete das Mädchen, ihre Hände zitterten leicht. Einen Moment stand die Ausgabefrau noch unschlüssig da, dann lächelte sie.
"Wie du willst, Akai-san!"
Hiro schaute auf, sie lächelte wieder.
"Danke.", flüsterte sie.

Moshiro trat aus ihrem neuen Zimmer und atmete auf. Endlich war alles verstaut. Sie sah an sich herab. Ihre Kleider, die sie von der netten Dame bekommen hatte, hatte sie bereits angezogen. Die Sommeruniform bestand aus einer schwarzen, knielangen Hose, einem weißen Hemd, und einem Jackett, mit Krawatte. Alle, die an ihr vorbeigingen, sahen sie schräg an, doch es machte ihr nichts aus. Die ärmsten, wie sollten sie in diesen Kleidern vor den Lehrern wegrennen? Dann fiel ihr jedoch ein, dass diese Mädchen wahrscheinlich gar nicht vor irgendwelchen Lehrern weglaufen mussten.
Einen Moment stand sie noch im Türrahmen, denn raffte sie sich auf.
"Ok, ich werde mich jetzt ein bisschen hier umsehen!", sagte sie, und verschwand wieder in ihrem Zimmer, nur, um kurz darauf ohene ihr Jackett, sondern einer dunklen Weste mit einem Abzeichen wieder heraus zu kommen. Auf dem Abzeichen waren zwei große Ds und ein S eingraviert, darunter noch klein ein Q. Mit warmem Blick schaute die Schattenafte es an, dann setzte sie sich in Bewegung. Diese Weste bedeutete ihr viel, aber hier würde niemand ihre wahre Bedeutung verstehen, es war ein neues Land und ein neuer Anfang. Wie es Lee wohl ging...
"Lasst uns die Observation dieses Gebäudes beginnen!", sagte sie, schritt voran.
Sie kam an zahllosen Klassenzimmern vorbei, an einem großen Speisesaal, in dem gerade die Vorbereitungen fürs Essen getroffen wurden, weswegen sie das Mädchen gleich wieder hinausschmissen, und einem großen, gemütlich aussehenden Raum, der wahrscheinlich so etwas wie ein Wohnzimmer war. Das schloss sie aus den kuscheligen Sesseln, den Bücherregalen, einer Schreibtafel, und einem kleinen Fernsehr versteckt hinter einem Pergamentstapel.
"Hier werden wohl selten die Nachrichten verfolgt.", kommentierte die jungenhafte, bevor sie sich wieder von den Menschen abwandte, die dort standen, miteinander sprachen, lachten, oder einfach nur dasaßen und lasen.
Das war also ihre neue Heimat. Es sah ziemlich friedlich aus, wie sie fand.
Als sie um die Ecke bog, blieb sie jedoch kerzengerade stehen. Im Schatten halb verborgen standen zwei Mädchen, und... küssten sich! Als sie ihren unfreiwilligen Zuschauer sahen, der wie eine statue an der Ecke stand, trennten sie sich. Dann schauten sie das Mädchen genervt an.
"T-Tut mir leid wegen der Störung...", stammelte Moshiro. Sie lief rasch an ihnen voorbei, sobald sie außer Sichtweite war, rannte sie.
Was hatte sie da gesehen? Mädchen, die sich küssten? Erst jetzt fiel ihr das Benehmen vieler der Schülerinnen auf. Sie hielten Hände, oder standen fest umschlungen mitten auf dem Gang. Die arme Neue wusste nicht, wohin sie sehen sollte, deswegen beschloss sie, so schnell es ging aus dem Gebäude zu kommen, weg von den ganzen Pärchen.
Draußen angekommen hielt sie an, der Schweiß rann ihr an den Schläfen hinab, sie stützte sich an einem Baumstamm ab, rutschte an ihm hinab in eine halbwegs gemütliche Sitzposition. Wo war sie gelandet? In der Hölle? War das ein Traum? Nein, dafür war alles viel zu real. Dennoch, dieser Ort war so unschuldig, so friedvoll. Traurig drehte das Mädchen ein herabgefallenes Blatt zwischen den Fingern. Sie wusste, dieser Frieden würde nicht mehr lange herrschen, der Sturm begann schon, sich über ihren Köpfen anzubrauen, und niemand konnte etwas dagegen tun.

"Vie, oi, Vie!", ertönte eine Stimme. Das Mädchen öffnete die Augen, und musste wegen dem Licht blinzeln.
"Vie, es gibt bald Essen!", es war Tamao. Doch von Nagis fehlte jede Spur.
"Wo ist Blue denn?", fragte es verschlafen.
"Ehrlich? Das wüsste ich auch gerne.", antwortete die andere ärgerlich.
"Vielleicht hat sie sich draußen verlaufen...", schlug die schwarzhaarige vor, rieb sich gähnend die Augen.
"Du hast recht, sie wollte sich draußen umsehen! Ich habe ihr doch gesagt, dass das Tor um sechs geschlossen wird!", stöhnte sie. Vie betrachtete Tamao. Sie hatte sich eigentlich kaum veändert, weder im Charakter, noch im Aussehen. Sie seufzte, nahm ihre Brille, die ihr von der Nase in den Schoß gerutscht war, und zog sie wieder auf. Anschließend verbarg sie noch ihr Abzeichen, sowie ihre Weste. Es wäre so einfach, Tamao an die Vergangenheit zu erinnern, doch das würde auch heißen, sie in all ihre Probleme mit hinein zu ziehen, und das wollte sie nicht.
Ihr Hadern wurde von Nagisa untergraben, die in dem Moment auff das Tor zurannte und nach ihrer Zimmerkammeradin rief. Vie scheute auf ihre Uhr.
"Sie schafft es nicht mehr, sie müsste schneller rennen...", doch die blauhaarige war schon längst weg und konnte sie nicht mehr hören. Das Mädchen holte tief Luft, stieß sie dann aus.
Schließlich überließ sie die zwei anderen Schülerinnen sich selbst. Langsam stand sie auf, steckte ihre Hände in die Hosentaschen, und machte sich auf den Weg zum Speisesaal. Vielleicht war es doch besser, die Vergangenheit ruhen zu lassen?

Als sie den Speisesal betrat, drehten alle ihre Köpfe. Vie sah, dass die Schülerinnen, die sie am Morgen umringt hatten, kurz zusammenzuckten, sich dann wieder einander zuwandten. Das Mädchen seufzte, rückte sich ihre Brille zurecht und setzte sich ohne ein weiteres Wort neben eine aus seinem eigenen Haus.
"Hey, da wollte sich meine Freundin hinsetzen!", beschwerte sie sich. Daraufhin rückte die schwarzhaarige so weit es ging nach rechts. Dann schaute sie der anderen fest in die Augen.
"So besser?", fragte sie.
"J-Ja.", antwortete diese und rückte ihrerseits nach links. Wieder stieß die grünäugige die Luft aus. Wie schaffte sie es nur immer, alle so zu verschrecken? Dafür hasste sie sich.
Eine ganze Weile blieb es Still, alle schauten sie an, ihr weißes Hemd, das ihre kleinen Brüste verbarg, und locker in die Hose gesteckt war, ihre kräftigen Beine. Sie selbst starrte stur auf die Tischplatte.
Plötzlich erhob sich am Tisch von Spica ein Tumult.
Ein blondhaariges Mädchen, vielleicht eine aus dem ersten Jahr, das auch unter der Menge gewesen war, die ihr den Weg zum Hause Miator gezeigt hatten, sie erkannte sie am Gesicht, war von einer anderen Schülerin mit kurzen, schwarzen Haaren zu Boden geworfen worden.
"Du Idiot, kippst mir Slz über den Rock!", brüllte sie das verängstigte Mädchen an.
"Es war keine Absicht, es tut mir leid...", versuchte sich die vielleicht zwölfjährige zu entschuldigen, doch die schwarzhaarige hörte nicht zu. Mit einer fließenden Handbewegung nahm sie den Salzstreuer und leerte den gesamten Inhalt über dem Kopf der jüngeren aus. Im Saal wurde es mucksmäuschenstill. Keiner tat etwas, niemand regte sich. Mit den Augen fuhr Vie an den Reihen entlang, doch alle schauten überallhin, nur nicht auf die Szenerie. Das einzige Geräusch war das weinen der blondhaarigen. Feiglinge! dachte sie.
"Na, jetzt mach schon, feg das auf, was du verschüttet hast, hol neues Salz und entschuldige dich endlich. Oh, und wenn du schon dabei bist...", In dem Moment ergoss sich erneut Salz über die Frisur der, die sich so aufregte.
"Was..."
"Sie hat sich bereits entschuldigt! Um noch hinzuzfügen, du hast den gesamten Salzstreuer ausgekippt, ich denke, wenn du Slz willst, solltest du dir selbst neuen holen!", knurrte Vie, die sich schützend vor der zwölfjährigen aufgebaut hatte, und die andere mit kalten, grünen Augen anstarrte.
"Wer bist du, das entscheiden zu können?", beschwerte sich die unbekannte Schülerin mit zitternder Stimme.
"Wer bist du, dass du entscheiden kannst?", konterte die schwarzhaarige. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, ihr Züge zeigten Wut. Ihr Gegenüber murmelte irgendetwas, was sie nicht verstand, setzte sich dann aber wieder hin.
Überall im Saal wurde Gewispere laut. Schließlich zupfte Vie Jemand an den Ärmeln des Hemdes. Überrascht drehte sie den Kopf. Weiche Lippen pressten sich auf die ihren. Das Mädchen war zu perplex, um etwas zu unternehmen. Bevor sie sich fassen konnte, wurde der Kuss wieder gelöst. Erst da begriff sie, was passierte und stolperte einige Schritte zurück.
"Was zum..." stieß sie hervor. Vor ihr stand das blondhaarige Mädchen, das sie beschützt hatte.
"E-Es tut mir leid, ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, aber ich glaube, ich habe mich in dich verliebt!", sagte sie.
"BITTE?", entfuhr es der grünäugigen. Die andere wurde hochrot.
"M-Mein Name ist Misaki Ichigo.", stellte sie sich vor.
"A-Angenehm, mein Name ist Vie Akai...Moment, ich bin nicht in dich verliebt, tut mir leid!", stammelte Vie. Misaki schlug die Augen nieder. Dann ballte sie die Hände zu Fäusten, es sah so aus, als würde sie jeden Moment anfangen, zu weinen. Sie rieb sich über die Augen. Plötzlich rannte sie los, an der schwarzhaarigen vorbei aus dem Speisesaal. Einen Moment blieb es still, dann wurde wild durcheinandergeredet.
"Geh ihr nach, du Dummkopf, so eine Chance bekommst du nie wieder."
"Hol sie zurück!"
Vies Stimme durchschnitt den Lärm wie ein frisch geschliffenes Messer.
"Seid alle RUHIG! Es tut mir leid, aber ich kann nichts anderes sagen, und außerdem, ICH BIN NICHT LESBISCH!", brüllte sie. Daraufhin schwiegen alle.
Schließlich stand eine aus ihrem Haus auf, und sprach:" Ihr habt sie gehört, hört nun auf, sie zu bedrängen!"
Vielseitiges Murren war zu hören, doch niemand erhob Einwände.
Die grünäugige setzte sich wieder auf ihren Platz, doch die Blicke der anderen Schüler waren ihr unangenehm.
Nach einer Weile stand sie auf.
"Ich fühle mich nicht wohl, ich werde verfrüht ins Bett gehen!", sagte sie. Als sie die Tür zum Saal aufzog, wäre sie beinahe in Nagisa, Tamao, und noch ein anderes Mädchen, nein, ehr eine junge Frau, hineingelaufen. Gerade noch rechtzeitig konnte sie ausweichen, indem sie sich drehte, sich denn vom Türrahmen abstieß und unter dem Arm der rothaarigen durchtauchte. Am Tisch des Spica Instituts wurde die Luft eingesogen. Doch mehr bekam sie nicht mehr mit. Vie Akai verschwand vor den Augen der verblüfften Schüler.

Die schwarzhaarige lag im Bett in ihrem dunklen Raum und sah an die Decke. Sie hätte den Move am Ende vielleicht nicht machen sollen, sie war einfach verunsichert gewesen. Was sie gemacht war ziemlich simpel. Jeder Ninja konnte es, manche besser als andere und Vie war Meister auf dem Gebiet. Man verschärfte sein Tempo einfach, bis das menschliche Auge einen nicht mehr erfassen konnte. Für eine normale Person sah es dadurch so aus, als würde der anwendende verschwinden. Doch war es sehr gedankenlos von ihr gewesen, so etwas vor einer großen Menschenmenge durchzuführen, die nichts von der immer noch vorhandenen Existenz der Ninja wusste.
Vie schloss die Augen und dachte nach. Was würde ihr bester Freund Lee jetzt wohl tun? Damals, als sie das Dorf hinter den Blättern verlassen musste, um vor einer Organisation Namens Black Rose zu fliehen, hatte er gerade seine kleine Schwester durch ebendiese Organisation verloren gehabt. Bevor sie gegangen war, hatte er ihr eine Sache eingeschärft, sie erinnerte sich noch an jedes einzelne seiner Worte:
'Egal was passierte, zeige niemandem dein wahres Gesicht, das ist sehr wichtig, niemand darf von deinem wirklichen Können wissen!'
Tränen stiegen in die Augen der schwarzhaarigen. Sie wünschte, ihr bester Freund wäre jetzt, in diesem Moment, bei ihr, und würde nicht hunderte von Kilometer weit weg gegen das Unrecht kämpfen. Sie hatten so viel zusammen durchgestanden, sie vermisste ihn, denn sie verband mehr, als nur ihr gleicher Nachname. Seine Worte hatten ihr Kraft gegeben, über sich selbst hinaus zu wachsen, nichts als unmöglich an zu sehen. Das Mädchen bedeckte ihr Gesicht mit dem Arm. Erinnerungen stiegen in ohr auf, Erinnerungen an Blut, Klingen, rote Augen, und Feuer, so viel Feuer, das alles verschlang, was ihr wichtig war. sie dachte auch an ihre Freunde zurück, an Naruto, Ino, Sasuke, Sakura, Kiba, und all die anderen. Sie hatte so viele Kämpfe geschlagen, hatte die Welt gerettet. Es war schwer, sich an die schönen Zeiten zu erinnern. Das einzige, was ihr blieb, waren Bilder von sanften, grünen Wiesen, lachenden Kindern, den Wind im Gesicht, sowie die ein oder anderen Fetzen aus ihrem Leben, das sie früher hier geführt hatte, an Tamao, Kiiro, und ihren Adoptievvater, Shuichi.
Vie rollte sich unter der Decke zusammen. Tränen strömten ihre Wangen hinab, ihre Hände gruben sich in den Stoff ihres Schlafanzugs. Der Ärmel rutschte ein Stück nach oben und legte eine Narbe frei, die sich beinahe um den gesamten Arm zog. Ihre Seiten waren gezackt. Wo sie sie herhatte, wollte die fünfzehnjährige so verzweifelt vergessen, doch wie könnte sie das jemals?
Die Zeiger der Uhr auf ihrem Nachttisch bewegten sich, und zeigten null Uhr an. Und so endete für Vie der erste Tag von vielen weiteren, darauffolgenden.
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