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Die Flüchtende

von Tatja
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P12 / Gen
20.07.2012
31.12.2012
15
20.859
1
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20.07.2012 785
 
Zusammen mit meinem Bruder Kean ritt durch die Wälder und flüchtete vor ihnen. Ich wusste gar nicht mehr, wie lange ich nun schon auf dem Pferd saß, doch ich glaubte, es war sehr lange, denn mir tat schon alles fürchterlich weh. Aber ich zwang mich, meine Schmerzen beiseite zu schieben, und mich darauf zu konzentrieren, dass ich nicht von ihnen geschnappt werde. Nicht nur meinetwegen, nein sondern auch für meinen Bruder und für meine tote Familie.
Wenn wir unsere Verfolger abgehängt habe, werden wir zurückkehren und uns rächen, für das, was sie uns angetan haben. Aber wenn ich das wollte, durfte ich mich nicht mit solchen Lappalien beschäftigenden, wie zum Beispiel Kratzer von den ganzen Pflanzen und Bäumen, die uns schon gestreift und gekratzt haben. Doch eine Sorge hatte ich, nämlich, dass wir uns eines Tages wirklich verletzten können, und bluten. Dann würden uns die Monster riechen und wir würden keine wirkliche Chance mehr haben.

Auf einmal flog ein Pfeil haarscharf an mir vorbei. Erschrocken drehte ich mich um, und entdecke, zu meinen entsetzen, unsere Gegner waren nicht mehr weit von uns entfernt. Wie konnte das aber sein? Wir hatten so einen weiten Vorsprung!
„Wir müssen uns beeilen! Bald müssten wir bei einem weiten Feld sein, wo alles frei ist, Kean!“, rief ich zu meinem Bruder, der mindestens sieben Meter von mir entfernt ist, und ich so leichte Schwierigkeiten hatte, ihn zu sehen.
„Ja, dann reite schneller, Schwester!“, meinte er grunzend.
Leichter gesagt als getan. Denn vor mir sind immer wieder Bäume die entweder schief waren, oder im Weg lagen. Doch ich versuchte es trotzdem mein Pferd an zu spornen.
Schon wieder ein Pfeil.
„Verflucht!“, zischte ich. Eigentlich wollte ich zurück schießen, doch ich traute es mich nicht, weil ich befürchtete, dass dann mein Pferd, Tally, irgendetwas anstellte, oder irgendwo falsch lief. Also unterdrückte ich den Drang mein Bogen und Pfeil aus dem Köcher hinaus zu holen. So achtete ich nur darauf schnell zu sein und, dass meine Kapuze vom Mantel nicht verrutschte.

Auf einmal entdeckte ich das Ende des Waldes. Am liebsten hätte ich auf gejubelt, doch ich tat es nicht. Mein Pferd wurde nur noch schneller und auf einmal konnte ich Licht sehen. Nicht dieses grünliche Licht, welches im Wald war. Nein, es war ein richtig schönes, helles Licht.
Aber schon bald nahm ich meine Umgebung nicht mehr wahr, sondern war nur noch erpicht darauf, dass ich einen von ihnen erwischte und töten konnte. Ich weiß, es war nicht gerade sehr moralisch und gut, wie es mir meine Mutter immer gesagt hatte („Merke dir immer, mein Kind: Töten tun immer die, die keinen anderen Ausweg finden. Aber meine Tochter wird immer einen anderen Weg finden!“, waren oft ihre Worte) Doch nun wollte ich es so sehr, auch wenn sich meine Mutter deshalb im Grab umdrehen würde, wenn sie das wüsste.
Ich nahm an, dass mein Bruder schon neben mir war, oder wenigstens schon aus dem Wald. Doch als ich mich umdrehte, konnte ich niemanden sehen. Panisch sah ich mich immer wieder um, doch ich konnte ihn einfach nicht sehen.
„Kean!“, schrie ich. Aber ich bekam einfach keine Antwort. Als ich noch einmal zum Waldrand blickte, konnte ich eine Gestalt erkennen, die am Boden lag und sich nicht mehr regte. Es hatte helle Haut und seine Gesichtszüge waren unverkennbar. Es war mein Bruder, der einen Pfeil in seiner Brust stecken hatte. Blut sickerte hinaus und es wirkte nicht so, als ob es bald stoppen würde.
Tränen rannten mir über mein Gesicht und ich wollte umdrehen, um alle von ihnen zu töten. Ich wollte keine Gnade walten lassen, sondern einfach nur noch Blut von ihnen sehen.
Doch dann erinnerte ich mich, dass Kean und ich sozusagen einen Packt geschlossen hatten, dass, wenn jemanden etwas passiert, dass der andere nicht umdrehte, um ihn zu retten, sondern einfach nur weiter ritt, und später angriff.
Als letzte Ehre für ihn, tat ich dies. Aber auf einmal hielt ich mich etwas zurück. Im ersten Moment wusste ich nicht, was, doch dann spürte ich etwas in meiner Schulter. Ein erstickter Schrei kam aus meinem Mund. Ein Pfeil steckte tief in meinem Fleisch drinnen. Mit zittrigen Fingern griff ich danach und berührte ihn leicht, um ihn ein bisschen hinaus zu ziehen. Aber ich ließ es bleiben, denn ich wollte nicht, dass noch mehr Blut hinaus quoll und mehr Monster kamen.
Ich ritt jedoch weiter und ignorierte einfach den Schmerz, so stur wie ich war. Doch irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und lehnte mich nach vorne. Schweiß ran mir über meine Stirn. Irgendwann konnte ich mich aber nicht mehr auf Tally halten und fiel hinunter. Dummerweise rutschte meine Kapuze nach hinten und man konnte meine schimmernd, violetten Haare sehen.
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