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Time Travel

von Brokstedt
GeschichteMystery / P12
Ben Hugo 'Hurley' Jack John Locke Sawyer Sayid
16.07.2012
16.07.2012
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16.07.2012 846
 
Die Insel, Anno 2067

Die morschen Dielen am Boden des engen Ganges knarrten bedrohlich, als sie mit zögernden Schritten auf die schwere Eisentür zuging, die jedes Mal aufs Neue der Auslöser dafür war, dass ein Schwarm an Gefühlen unangekündigt auf sie einströmte.
Neugier.
Vorfreude.
Angst.
Das waren wohl die Nebenwirkungen, wenn man es in Kauf nahm, ohne das Wissen seiner Mitmenschen etwas zu entwickeln, von dem man nicht wusste, ob es all diese Menschen früher oder später auslöschen würde; unterstützt nur von einer Handvoll Menschen, bei denen man es durchaus in Betracht zog, dass sie für ihre Ziele auch über Leichen gehen würden.
Es half doch alles nichts. Sie war bereits zu sehr in all das verstrickt, um jetzt noch einen Rückzieher zu machen. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen schluckte sie ihre Zweifel also einfach hinunter, als sie endlich die verhasste Eisentür erreichte.
Sie bereitete den Eingang in ein kleines Labor, doch für sie war es der Eingang in eine neuartige, fremde Welt. Nicht einmal den Menschen, denen sie vertraute, durfte sie davon erzählen; während andere dem prächtigen Wandbild in der Mond-Station höchstens einen kunstkritischen Blick widmeten, verbarg sich für sie dahinter der enge, dämmrige Gang, der sie zu eben dieser Eisentür führte, durch die sie jetzt zu ihren Mitwissern in das Labor trat.
„Deanna, na endlich!“ Heywood bedachte die junge Frau mit einem tadelnden Blick, bevor er sich wieder einem Gerät widmete, das seltsame Geräusche von sich gab. Sofort röteten sich Deannas Wangen und sie senkte verlegen den Kopf. Normalerweise war sie für ihre Exaktheit und den Drang zum Perfektionismus bekannt, und es ärgerte sie selbst maßlos, wenn sie einmal zu spät eintraf. Doch sie hatte keine weitere Zeit, um sich selbst zu rügen, denn in diesem Moment erfüllte ein lauter Schrei den schwülen Raum.
„Geschafft! Ich habe es geschafft!“ Ein hagerer, völlig überarbeitet wirkender Mann fuhr sich durchs kahle Haar und starrte ungläubig auf das, was er nach jahrelanger mühevollster Kleinarbeit scheinbar endlich vollendet hatte. Alle Blicke der wenigen Menschen im Labor waren nun auf ihn gerichtet, und Heywood, der jegliches Interesse für sein tickendes und surrendes Gerät verloren hatte, eilte zu ihm.
„Ist das dein Ernst? Cly, bist du dir ganz sicher?“, fragte er den Mann, dessen Gesicht überzogen war von tiefen Furchen des Grübelns und der Arbeit, woraufhin dieser immer wieder wie in Trance nickte. Er schien selbst nicht zu fassen, was er soeben verkündet hatte.
Nun breitete sich ein siegessicheres Grinsen auf Heywoods Gesicht auf, und er riss Clys Hand in Siegerpose in die Luft. „Leute, er hat es geschafft! Wir haben es geschafft!“
Deanna ließ den Blick durch den Raum schweifen. Die meisten ihrer Kollegen klatschten begeistert oder fielen dem noch immer völlig verdutzten Cly um den Hals; nur einige wenige schienen dieselben Zweifel wie Deanna zu besitzen. Zweifel, ob das, was nun unweigerlich auf sie zukommen würde, tatsächlich Grund dafür war, sich in Siegerlaune zu wägen. Im Gegenteil, das Gefühl, das die junge Frau nun erfüllte, war von völlig unbekannter Natur. Es gab nur eines, dessen sie sich sicher war: Wenn Cly wirklich das erschaffen hatte, an dem er und sie alle jahrelang gearbeitet hatten, hätten sie nicht länger Kontrolle über das, was passieren würde.
Doch wie hatte sie sich vorhin selbst gesagt? Es gab kein Zurück. Sie hatten diesen Weg betreten, und jetzt würden sie ihn wohl oder übel auch zu Ende gehen müssen. Selbst, wenn sie dabei alle auf der Strecke bleiben würden.
„Worauf warten wir denn noch?“, rief nun ein etwa 30-jähriger Mann namens Trey aus und trat nach vorne. Seine Gesichtszüge zeigten wilde Entschlossenheit und die Hände hatte er zu Fäusten geballt. Soweit Deanna mitbekommen hatte, hatte Trey nie wirklich an den als verrückt eingestuften Cly und dessen Arbeit geglaubt; umso mehr wunderte es sie nun, dass gerade er es war, der es gar nicht mehr abwarten konnte, die neue Errungenschaft zu testen.
„Er hat Recht!“, beteuerte Heywood an Cly gewandt. „Wir haben so lange daran gearbeitet, da möchte ich keine weitere wertvolle Zeit verstreichen lassen. Kannst du die Maschine starten?“
Cly sah Heywood mit großen Augen an, dann nickte er langsam. Mit zittrigen Fingern tippte er auf einem Steuerbrett herum, das zur Maschine gehörte, bis diese plötzlich anfing zu beben und rauschen. Dichter dunkler Rauch strömte aus einem Rohr und Zeiger, von denen Deanna nicht wusste, was sie überhaupt anzeigten, sprangen wie wild um die eigene Achse.
Zweifelnd blickte die junge Frau in die Gesichter ihrer Kollegen, auf denen sich nun ebenfalls die ersten Unsicherheiten zeigten. Noch bevor einer von ihnen jedoch etwas sagen geschweige denn Cly an dem, was er tat, hintern konnte, erfüllte ein ohrenbetäubendes Quietschen das Labor.
Deanna drückte ihre Hände auf die Ohren und verzog gequält ihr Gesicht. Auch Cly und Heywood waren von der Maschine weggesprungen und starrten sie nun völlig entsetzt an.
Es kam, wie sie es vorausgesehen hatte.
Sie hatten die Kontrolle über die Maschine verloren.
Über das, was sie soeben angerichtet hatten.
Diese Gedanken schossen Deanna durch den Kopf, ehe sie einen lauten Knall vernahm, zu Boden stürzte und ohnmächtig wurde.