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Sweet Amoris (with OC)

von susu-sama
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Lysander
14.07.2012
18.09.2012
14
56.512
 
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14.07.2012 4.718
 
Müde lag ich am Sonntagabend in meinem Bett. Das restliche Wochenende hatte ich daheim und allein verbracht. Lediglich mit Luna hatte ich noch telephoniert und sie wollte natürlich alles über den Abend mit Castiel und Lysander erfahren. Wahrheitsgemäß hatte ich ihr berichtet, da ich wusste, dass sie es eh nicht weiter erzählen würde. Hatte sie einmal etwas versprochen, hielt sie sich auch daran. Von ihrem andauernden Quietschen am Hörer tat mir allerdings noch immer das Ohr weh.
Ich drehte mich auf die rechte Seite, anschließend auf die linke. Das Wochenende war wieder einmal viel zu schnell herum gegangen und wie öfters in der Nacht von Sonntag auf Montag konnte ich kaum einschlafen. Frustriert tastete ich nun wieder auf dem Rücken liegen nach meinem Nachtkästchen. Dort bekam ich mein Handy zu fassen, welches ich die letzten zwei Tage gar nicht angerührt hatte. Wenn ich schon nicht einschlafen konnte, könnte ich ja noch ein wenig im Internet surfen. Geheiligt sei dazu die Erfindung des Smartphones
Als ich den Bildschirm entsperrte, entdeckte ich, dass ich eine SMS hatte. Sie war von Lysander. Vor Schreck wäre mir beinahe das Gerät aus der Hand gefallen.
Erst nach kurzem Zögern rief ich die Kurznachricht auf.
>Hey. Tut mir leid wegen heute Morgen. Ich hoffe, mich nicht allzu blöd benommen zu haben. Wir sehen uns dann ja am Montag, bis dann.<
Die wenigen Worte las ich immer und wieder durch.
Eingegangen war die Nachricht schon gestern Abend, aber da mein Handy auf lautlos gestellt war, hatte ich sie eben erst jetzt entdeckt. Ich seufzte und legte das Mobiltelephon wieder weg. Zu dieser späten Stunde würde ich auch nicht mehr antworten. Ich wüsste auch nicht, was.
Einschlafen konnte ich noch immer nicht. Meine Gedanken kreisten nur um eine Person und wollten keine Ruhe geben. Es tat ihm also leid. Aber was tat ihm leid? Dass er mich geküsst hatte? Ich hoffte doch nicht. Wenn dies der Fall sein sollte, wäre ich wirklich traurig. Vielleicht würde er ja auch alles auf den Alkohol schieben und es damit abtun oder nie wieder ein Wort darüber verlieren und es einfach vergessen. Das wollte ich nicht. Ich wollte Klartext von ihm.
Man küsste einen anderen Kerl doch nicht einfach so und umarmte ihn so innig, wenn man nichts von ihm wollte. Zumindest war das meine Meinung. Ich wusste ja nicht einmal, ob Lysander überhaupt auf Jungs stand. Vielleicht wäre er im Nachhinein ja auch total angewidert und wollte nie mehr etwas mit mir zu tun haben.
Innerlich machte ich mich selbst damit fertig und ich machte mir definitiv zu viele Gedanken.
Vielleicht sollte ich lieber irgendwie versuchen zu schlafen. Morgen müsste ich dann mit dem Weißhaarigen reden, ohne, dass er mir irgendwie auswich. Hoffnungen machte ich mir ja allemal. Und Lysanders Character schätze ich nun auch bei bestem Willen nicht so ein, dass er jemanden wegen solch einer Szene verletzen würde.

Ich hasste Montage! Oder zumindest das Aufstehen am Montag.
Verschlafen hatte ich, schon wieder, aber diesmal nahm ich in Kauf, dass ich eben zu spät zum Unterricht erscheinen würde, damit ich vorher eben noch zur Bäckerei gehen konnte. Noch einen Schultag ohne Essen würde ich nicht aushalten! Ironischerweise lief beim Bäcker das Lied ´I don’t like mondays´ im Hintergrund aus dem Radio.
Mit schnellen Schritten machte ich mit meiner Bäckertüte auf den Weg zur Schule; Rennen tat ich allerdings nicht. Als ich auf dem Schulhof ankam, lehnte dort Castiel rauchend an der Mauer neben dem Eingang. Äh, hallo? Déjà-vu?
Wir grinsten uns zur Begrüßung kurz zu, bevor ich mich beeilte, ins Klassenzimmer zu kommen. Der Lehrer war zwar schon da, aber da ich wirklich keine 5 Minuten zu spät, wurde ich nur getadelt und mehr nicht. Zum Glück nicht noch eine Strafarbeit.
Die ersten beiden Stunden vergingen glücklicherweise schnell und der Lehrer musste die stunde sogar ein wenig früher beenden, da er in eine Besprechung musste. Herrlich.
In der verlängerten Pause ging ich mit Luna raus auf den Schulhof. Sie erzählte mir beim Rausgehen nun auch von ihrer Übernachtungsparty, die sich aber nicht so spannend herausstellte, wie meine. Schnell kamen wir auf das Thema Lysander zu sprechen, wobei ich leicht meine Miene verzog. Ich musste unbedingt mit ihm reden.
Gerade als wir uns nach draußen durch die Eingangstür quetschten, streifte mir etwas Flauschiges um die Beine. Hinter uns hörte ich jemanden rennen und rufen.
»KIIKIIIII!! Haltet sie fest! Macht schon!!!« Ne, oder?
Dieser Köter war nicht wirklich schon wieder abgehauen?
Ich seufzte, als die Direktorin uns auf einmal eingeholt hatte und sie uns beinahe anschrie, dass wir ihren Hund zurückholen sollten. Nicht schon wieder!
An diesem Tage war mir das Glück allerdings hold. Oder das Schicksal spielte mir einen Streich.
Nur wenige Meter entfernt sah ich Kiki schwanzwedelnd an jemanden hochspringen. Und dieser jemand war niemand anderes als Lysander. Ich riss mich zusammen, um zu ihm rüberzugehen.
Ein flaues Gefühl machte sich in meinem Magen breit, als ich ihm einen guten Morgen wünschte.
>Ist Kiki etwa schon wieder abgehauen?«, fragte er freundlich, nachdem er auch gegrüßt hatte. Seinem Tonfall war bisher nichts Außergewöhnliches anzumerken. Während ich und Lysander uns anschließend erst anschwiegen, da ich nichts geantwortet hatte, war Luna so geistesgegenwärtig gewesen, Kiki am Halsband zu schnappen. Hätte sie das nicht getan, wäre der Köter schon wieder abgehauen, da er auf einmal das Interesse an Lys verloren hatte.
»Ich bring Kiki dann mal zurück.«, meinte Luna schließlich und zwinkerte uns kurz zu, bevor sie mit der Flohschleuder verschwand.
Noch immer herrschte Schweigen.
»Ähm…«, meinte ich erstmal, um diese Stille irgendwie zu brechen. >Ich hab deine SMS erst gestern Nacht gesehen, deshalb hab ich nicht geantwortet.«, begann ich nun vorsichtig, da ich nicht wusste, wie ich ein Gespräch mit ihm beginnen sollte, das auch noch in die richtige Richtung führte. Als ich nach den Worten in Lysanders Gesicht blickte, wich er meinem Blick aus.
»Achso.«, erwiderte er nur knapp.
Okay, irgendwie gefiel mir die Situation gerade ganz und gar nicht. Ich musste irgendwas sagen, damit nicht wieder dieses merkwürdige Schweigen herrschte. Ob ich ihn einfach ganz direkt fragen sollte? Wäre das Beste, als die ganze Zeit nur darum herum zu reden.
Allerdings wich Lysander meinem Blick noch immer aus, was mir noch mehr Unbehagen bescherte. Ich schluckte. Da musste ich jetzt, damit ich wusste, wo ich bei ihm stand.
»Warum hast du mich am Samstag geküsst?«, fragte ich ihn nun ganz offen. Überraschung glitt für einen kurzen Moment über Lysanders Gesicht, welches aber schnell wieder seinen normalen Ausdruck zeigte. Diesmal war er es, der zögerte.
»Entschuldige nochmals deswegen.«, begann er nun mit ruhiger Stimme, als hätte er sich seine Worte gerade sorgsam zusammen gelegt. »Ich hatte mich in dem Moment nicht ganz unter Kontrolle und hatte zuvor noch zu viel getrunken. Wenn ich also irgendwas getan hab, dass du nicht mochtest…« Wieder zögerte er kurz, doch ich hinderte ihn sowieso beim Weitersprechen.
»Du musst dich nicht entschuldigen. Und alles, was du gemacht hast, mochte.«, gab ich nun zu, wobei ich, wer hätte es gedacht, rot wurde. »Sonst hätte ich das doch gar nicht erwidert.. auch ohne Alkohol..«, murmelte ich.
Lysander schien ein weiteres mal überrascht. Hatte er sich etwa Vorwürfe gemacht wegen dem, was vorgefallen war, gemacht? So, wie es aussah, schon.
»Dann…«, wollte der Weißhaarige beginnen, sprach aber nicht weiter. Ich stellte mich ein wenig auf die Zehenspitzen, um ihm und seinem Gesicht näher zu kommen. Erschien da etwa auch eine leichte Röte auf seinen Wangen?
»Es war alles okay. Aber ich muss dich noch was fragen…«, meinte ich zu ihm, wobei mein Blick auf seinen Lippen lag. Er wich nicht zurück. Weiterreden konnte ich allerdings nicht, da ich mitten im Satz unterbrochen wurde.
»Hey, Leute, habt ihr zufällig Castiel gesehen?«, erklang die fragende Stimme unseres näher kommenden Schülersprechers. Lysander und ich fuhren auseinander.
»Alles okay bei euch? Ihr seid so rot.«, fragte Nathaniel, als er uns erreicht hatte. Er wiederholte seine Frage und Lys und ich verneinten beide diese. Seit heute Morgen hatte ich den Rothaarigen nicht mehr gesehen. Nathaniel schien nicht sehr begeistert zu sein. Ob zwischen den beiden wieder etwas vorgefallen war? Neugierig war ich ja schon, so oft, wie die beiden sich in die Haare kriegten.
»Und müsst ihr nicht wieder in euren Unterricht?«, ging die Fragerei des blonden weiter.
»Ich hab eine Freistunde.«, antwortete Lysander und ich sah leicht panisch auf die Uhr. Ich hatte nicht wirklich die Schulglocke zur nächsten Stunde überhört?
»Verdammt.«, fluchte ich und mit einer knappen Verabschiedung rannte ich über den Schulhof zu meinem Klassenzimmer. Die beiden zurückgebliebenen hörte ich noch leise kichern.
Mit Lysander müsste ich dann eben ein nächstes mal weiter reden.

Unterricht. Langweilig. Und dann musste man auch noch lernen, wer überhaupt die Schulpflicht irgendwie irgendwann mal irgendwo eingeführt hat. Danke, Napoleon.
Zwei Stunden Geschichten gingen rum, sowie irgendwie auch der Rest des Unterrichtes. Wenn man vor sich her träumte konnte wirklich ganz schon viel Zeit vergehen. In der großen Pause war ich zwar auch wieder auf dem Schulhof, hatte aber weder Lysander noch Castiel angetroffen. Luna wollte mich deswegen trösten, obwohl ich gar nicht traurig war. Sie war eben ganz in ihrem Element, seit sie erfahren hatte, dass Lysander und ich uns geküsst hatten.
Ich war heilfroh, als der heutige Schultag endgültig vorbei war. Bevor ich endgültig von meinem Platz aufstand, streckte ich kurz die Arme nach oben. Mit meinem fetten Deutschbuch unter dem Arm verließ ich schließlich das Klassenzimmer.
Das Buch, das bestimmt Tonnen wog, wollte ich nicht mit nach Hause schleppen, also ließ ich es in meinem Spind. Jedem Schüler stand ein abschließbarer Spind hier an dieser Schule zur Verfügung, nur ich nutzte dieses Angebot irgendwie nie. So war es eher reiner Zufall, dass ich mich heute dazu entschloß, das grüne Schließfach aufzusuchen, um etwas darin zu lagern.
Als ich das Schließfach aufgeschlossen hatte, wedelte ein weißer Briefumschlag direkt vor meiner Füße. Das Teil musste wohl in der Türe gesteckt haben.
Nachdem ich mein Buch gelagert hatte, hob ich den Brief auf. Mein Name war außen mit schnörkeliger Schrift hingeschrieben worden. Irritiert runzelte ich die Augen und fragte mich, wer heutzutage denn noch Briefe schrieb. Das Öffnen verschob ich allerdings noch ein paar Momente nach hinten, da Luna am Ausgang schon ungeduldig auf mich wartete.
»Was brauchst du auch so lang.«, meckerte sie mich auch gleich an, worauf ich mich aber nicht einließ.
An der Kreuzung, die uns in jeweils verschiedene Richtungen führte, verabschiedeten wir uns.
Erst jetzt hatte ich in Ruhe die Gelegenheit, den Brief zu öffnen. Neugierig riss ich ihn auf und hätte mich dabei beinahe an dem Papier geschnitten. Ich staunte nicht schlecht, als ich sah, wer den Brief geschrieben hatte. Lysander!
Mein Herz begann augenblicklich zu rasen, während ich die sorgsam geschriebenen Zeilen las.
Wegen des Lesens wäre ich auch beinahe gegen eine Straßenlaterne, einen Baum und gegen meine Haustür gelaufen. Als ich bei mir zu Hause auf der Couch saß, hielt ich den Brief noch immer in Händen. So süß. So verdammt süß war es geschrieben.
Eigentlich hatte Lysander sich in dem Brief nur erklärt und sich noch einmal entschuldigt, aber seine Worten, die er sorgsam gewählt hatte, waren einfach bezaubernd. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so ausdrücken könnte, ohne kitschig zu klingen.
Er hatte geschrieben, dass er an diesem Morgen noch nicht ganz nüchtern war (er vertrug wohl auch nicht so viel) und dass er sich nicht mehr zurück halten konnte, als ich so nahe neben ihm lag. Ich habe einfach süß und verschlafen ausgesehen, das habe ihm gefallen.
Ich mochte es zwar nicht sonderlich, süß genannt zu werden, aber bei ihm war es okay.
Zudem stand in den Zeilen, dass er eben kein großer Redner war und Sachen lieber mit geschrieben Worte klärte. Ich müsste wirklich einmal seine Songtexte lesen!
Das Beste stand allerdings erst zum Schluss im Brief. Er hatte mich doch tatsächlich um eine Date gebeten. Oder zumindest könnte ich es so auslegen, dass es ein Date sein könnte.
Er hatte gefragt, ob wir uns morgen nach der Schule nicht treffen und zusammen zu Mittag essen gehen wollten. Natürlich wollte ich! Ich solle ihm dazu nur noch per SMS Bescheid geben. Nichts lieber als das!
Ich griff sofort nach meinem Handy und schrieb ihm, dass ich mich freuen würde, wenn wir das morgen machen würden. Eine Antwort kam zwar erstmal nicht zurück, aber das war mir im Moment egal. Nach diesem Brief war ich einfach nur auf Wolke Lysander.. äh.. ne, Wolke sieben.
Dass so ein toller Kerl was von mir wollte, war wirklich unglaublich. Zwar wusste ich immer noch nicht, ob er tatsächlich was von mir wollte, aber auch das war gerade egal. Mir drängten sich zwar noch so einige Fragen, wie etwa, ob er auch schwul oder zumindest bi sei, auf, aber diese wurden jetzt verschoben. Irgendwann, sprich morgen, konnte ich ihn ja persönlich fragen.
Im Moment war ich einfach nur glücklich und sah alles so positiv wie nie zuvor. Dass Lysander ja auch nur mit mir reden wollen würde, damit wir das ganze vergessen und er mich einfach nur höflich abweisen wollte, daran dachte ich erst gar nicht.

Den ganzen nächsten Tag über war ich hibbelig, aufgeregt und nervös. Mein Umfeld schien das zu bemerken und sah mich teilweise verwirrt und amüsiert an. Zusätzlich hatte ich ein breites Lächeln auf den Lippen.
Ich hatte ein Date mit Lysander! Zumindest legte ich es als Date aus.
Luna hatte mir das auch schon aus der Nase gezogen, obwohl ich es eigentlich gar nicht verraten wollte. Nun wir sie genauso aufgeregt wie ich. Sie meinte immer wieder, dass sie hoffte, dass Lys und ich zusammen kämen und was für ein süßes Paar wir dann doch wären. Ich musste gestehen, ich hatte die selben Gedanken.
Auch heute konnte der Unterricht nicht schnell genug vorangehen. Ich meldete mich sogar einige Male, was den Lehrern durchaus positiv ausfiel. Eigentlich hoffte ich dadurch ja nur, dass die Zeit schneller verginge. Gute Laune tat anscheinend meinen mündlichen Noten gut.
Nach dem heutigen Unterricht war ich kaum noch zu halten. Noch im Klassenzimmer verabschiedete ich mich von Luna und rannte mitsamt meiner Tasche hinaus. Dass Rennen auf dem Flur eigentlich verboten war, ignorierte ich mal gekonnt. Durch das hohe Tempo wäre ich allerdings beinahe gegen die sich öffnende Schultür gelaufen und gegen Castiel gerannt. Dieser kam gerade mit einem verdammt mürrischen Gesicht herein und schnauzte mich sogar an, dass ich hier nicht im Weg rumstehen sollte. Okay, da hatte aber einer schlechte Laune; im Gegensatz zu mir.
Als ich nun draußen war, sah ich mich nach Lysander um. Er hatte mir noch in einer SMS geschrieben, dass er auf dem Schulhof auf mich warten würde. Anscheinend hatten wir mal zur selben Zeit Unterrichtsaus.
Ich sah ihn schließlich an einen der Bäume auf dem Schulhof gelehnt. Er kritzelte gerade vertieft etwas in sein Skizzenbuch, als ich näher kam. Als er mich entdeckt hatte, klappte er dieses hastig und leicht erschrocken zu. Wahrscheinlich wollte er nicht, dass ich sah, was er da aufgeschrieben hatte. Zu schade.
»Hey.«, begrüßte ich ihn schließlich lächelnd.
»Hallo.«, erwiderte er mir ebenfalls und schenkte mir dabei eines seiner wunderbaren Lächeln, während er sich sein Notizbuch unter den Arm klemmte.
»Wollen wir?«, fragte der Weißhaarige nun, was ich mit einem Nicken beantwortete.
Lysander gab die Richtung vor und da ich ja nicht wusste, wohin er wollte, sagte ich auch nichts dagegen. Den ganzen Weg über schwiegen wir uns an.
Während wir so nebeneinander herliefen, betrachtete ich ihn immer mal wieder von der Seite. Er hatte wirklich ein schönes Profil; auch sein Gesicht sah von der Seite bezaubernd aus. Zudem war er um einiges größer als ich, was mich aber nicht störte. Ich war meisten einer der Kleinsten, aber mit der Zeit hatte ich mich damit abgefunden. Außerdem gab es ja noch Plateauschuhe und –stiefel.
Als wir anscheinend das Lokal erreicht hatten, welches Lysander ausgesucht hatte, staunte ich schon ein wenig. Es sah von außen ganz schön nobel aus und war mit zahlreichen Fresken dekoriert. Die Eingangstür, die eher einem Tor glich, bestand aus dunklem Holz, in welches verschiedene Muster und Vertiefungen geschnitzt waren. Selbst die hinter Glas versiegelte Speisekarte, die daneben hing, war mit ähnlichen Mustern bedeckt. Ich schluckte, als wir schließlich hereintraten.
Innen erwartete uns ein großer, geräumiger Gastraum, der vollkommen im Empire-Stil eingerichtet war. Große, schwere Vorhänge hingen vor den Fenstern, die Tische und Stühle waren aus dunkelbraunen Holz und mit kontrastreichen weißen Tischdecken und Blumen dekoriert. An den Wänden hingen Büsten, die in Vertiefungen an der Wand angebracht waren. Die Tische standen genügend weit auseinander, dass man sich nicht Sorgen machen musste, die Tischnachbarn würden die Gespräche belauschen. Über fast jedem der Tische hing ein schwarzer, stark verzierter Kronleuchter. Ich war erst einmal völlig in den Anblick verloren.
Lysander zog mich schließlich leicht am Arm, da ein Kellner gekommen war, der uns zu unserem Tisch, den Lys offenbar reserviert hatte, führte. Noch einmal schluckte ich. Hoffentlich hatte ich genug Geld dabei, das alles hier sah verdammt nobel und teuer aus.
Erst, als wir auf unseren Stühlen, die auf der Innenfläche der Bequemlichkeit halber mit Samt verziert und gepolstert waren, setzten, riss ich den Blick von dem Raum los. Lysander schmunzelte, als ich zu ihm sah.
»Ist schön eingerichtet hier, oder?«, fragte mein Gegenüber mich, was ich wieder nur mit einem Nicken beantworten konnte. Das Lokal konnte einen von der Optik her echt umhauen.
Zusätzlich passte Lysander mit seinen Klamotten irgendwie perfekt hierher. Ich hingegen fühlte mich irgendwie mit meinen Chucks und der Röhrenjeans underdressed.
Bevor wir nun allerdings zum Reden kamen, fragte der Kellner uns nach unserem Getränkewunsch. Noch ein wenig eingeschüchtert von der Pompösität des ganzen hier bestellte ich einfach eine große Cola. Lysander orderte eine Johannisbeerschorle.
Nachdem der Kellner weg war, sahen wir uns an. Ich fragte mich, wer denn jetzt den Anfang zum Reden machen sollte. Ich? Er?
Warum er mich geküsst hatte, konnte ich ihn schlecht nochmal fragen, da er sich ja in dem Brief schon erklärt hatte. Dennoch waren da noch ein paar offene Fragen. Nur wie ich diese stellen sollte, ohne, dass es so verdammt direkt klang, war mir ein Rätsel.

»Gefällt es dir hier?«, fragte er schließlich, damit wir immerhin mal ein Gesprächsthema hatten.
»Äh.. Ja. Bist du öfters hier?«, stellte ich auch gleich eine Gegenfrage. Dass wieder Stille herrschte, das wollte ich nicht.
»Ja, ich bin hier quasi Stammkunde.«, erklärt er mir lächelnd. Irgendwie hatte ich mir das gedacht. Er passte von seiner ganzen Erscheinung einfach perfekt hier her. Und der Kellner hatte ihn auch schon so vertraulich behandelt. Eben jener kam nun auch mit unseren Getränken zurück, die vor uns auf dem Tisch abgestellt wurden. Anschließend wurde uns je eine Speisekarte gereicht.
Notgedrungen schwiegen wir uns doch wieder an.
Ich überlegte einige Zeit lang, was ich nehmen sollte, während Lysander sich anscheinend schon entschieden hatte. Zudem betrachtete ich die Preise und überlegte, ob es arg komisch kommen würde, wenn ich jetzt in meinen Geldbeutel schaute. Warum musste mich der Weißhaarige auch an einen so noblen Ort führen?
Damit ich mein Gegenüber nicht noch länger warten ließ, entschied ich mich nun einfach für das erstbeste auf der Karte. Mit einem leicht nervösen Lächeln schlug ich diese zu und legte sie neben mich auf den Tisch.
Irgendwie war die Stimmung doch ein wenig angespannt zwischen uns. Wahrscheinlich wäre es am besten, es würde endlich eines der Themen angesprochen werden, dir mir auf der Seele brannten.
»Lysander?«, begann ich nun vorsichtig, bevor er mich fragend ansah.
»Du… hast mich wirklich nur geküsst, weil du mich in dem Moment süß fandest und angetrunken warst?« Bei meiner eigenen Frage wurde ich knallrot. Ob es dagegen vielleicht eine Therapie gab?
Allerdings wurden auch Lysanders Wangen leicht rot.
»Naja.. ja..«, meinte er ausweichend und blickte überall hin, nur nicht in meine Richtung. Er war ja so verdammt süß, wenn er ebenfalls schüchtern war.
Eigentlich stand ich ja eher auf Kerle, die ran gingen und zuweilen auch ein wenig aggressiv waren, ungefähr so wie Castiel. Allerdings hatte es mir diesmal Lysanders ruhige, besonne Art angetan. Er war so sanftmütig und nett zu jedem und ging allerlei Streitigkeiten aus dem Weg. Gleichzeitig hatte er aber auch seinen eigenen Lebensstil gefunden, der sich vor allem in seinen Klamotten ausprägte und dabei ließ er sich auch von niemandem reinreden. Seine Stimme verursachte mir zudem auch Gänsehaut und von seinem Körper wollte ich erst gar nicht anfangen. Ich könnte stundelang so von ihm schwärmen!
Vor der nächsten frage scheute ich mich allerdings ein wenig. Wir kannten uns jetzt zwar schon einzige Zeit und da konnte sich gefühlstechnisch einiges entwickeln, aber ich konnte absolut nicht einschätzen, wie er da zu mir. Aber die wichtigste aller Fragen musste jetzt einfach gestellt werden.
»Und ansonsten willst du aber nichts von mir?<, fragte ich ihn ernst und mutig, blickte ihn dabei sogar direkt an.
Lysander schien das ziemlich in Verlegenheit zu bringen.
»Naja… ich weiß nicht. Ich hab mich vorher ja noch nie in einen Jungen verliebt.«, meinte er mit leiser Stimme, wobei er immer noch von mir wegsah.
Hatte ich da gerade richtig gehört? Verliebt? Er? In einen Jungen?
In…. Mich??
Geschockt, auch wenn es das falsche Wort hierfür war, sah ich ihn an. Ich brachte absolut kein Wort mehr heraus.
In diesem Moment kam auch schon der Kellner wieder, um die Bestellung für unser Essen aufzunehmen. Mit verlegenen Stimmen orderten wir unser Essen.
Anschließend schwiegen wir uns schon wieder an, diesmal noch länger als die Male zuvor. Ich wusste einfach nicht, was ich sagen wollte und hatte Angst, dass irgendetwas total Dummes aus meinem Mund kommen würde. Mein Herz raste so schnell, als wollte es einen Trommelwettbewerb gewinnen.
Es verging einige Zeit, in der wir absolut nichts miteinander sprachen und uns auch nicht ansahen.
Irgendwie hatte Lysander deswegen wohl das Gefühl, etwas Falsches gesagt zu haben.
»Entschuldige, wenn…«, wollte er gerade anfangen, aber ich unterbrach ihn sofort. Er sollte sich nicht entschuldigen. Wofür denn auch?
»Nein, nicht entschuldigen. Ich wollte dich außerdem noch was äh… fragen, genau.« Nachdem ich angefangen hatte zu reden, verließ mich beinahe wieder der Mut. Sollte ich ihn wirklich fragen? Ich wollte es wissen, eine klare Antwort bekommen, denn sonst könnte es so nicht weiter gehen.
»Also… wenn das so ist… du hast ja gesagt…. Also ich meine… du und ich äh….«
Lysander sah mich bei diesem Wortsalat leicht verwirrt an. Ich versuchte mein Hirn ja schon zu erahnen, sinnvolle, deutsche Sätze zu bilden.
»Also… wollen wir es nicht……….. miteinander versuchen?« Meine Stimme wurde gegen Ende hin immer leiser, aber man hatte trotzdem alles verstehen können.
Mit hochrotem Kopf saß ich da und starrte auf die schneeweiße Tischdecke vor mir. Dementsprechend erschrak ich, als auf einmal dort ein dampfender Teller mit Essen abgestellt wurde. Der Kellner war wiederkommen und auch schon wieder abgehauen, als ich den Kopf hob.
Schweigend fingen wir an zu essen, Lysander blieb mir eine Antwort schuldig. Wenn er mich jetzt allerdings eiskalt abservieren würde, ich glaube, ich würde umkippen.

Ich erhielt keine Antwort. Stattdessen fing Lysander an zu essen und ich tat es ihm erstmal gleich. Vielleicht wollte er ja erst etwas im Magen hab, bevor er wieder anfing zu reden. Die Antwort blieb aber immer noch aus.
Er schwieg. Und schwieg. Und auch ich sagte nichts mehr.
Von Sekunde zu Sekunde wurde ich nervöser. Am Liebsten hätte ich ihn angeschrien, damit er endlich etwas sagte. Der Weißhaarige aß allerdings seelenruhig weiter.
Ich hingegen bekam kaum einen Bissen runter, zwang mich aber dennoch dazu. Als mein Teller leer war, wusste ich kaum noch, was ich überhaupt bestellt hatte.
Warum antwortete mir Lysander denn nicht? Hatte ich etwa doch irgendwas falsch verstanden?
Wenn er nichts mit mir anfangen wollte, würde ich darüber schon irgendwie hinweg kommen.
War ihm diese Frage jetzt so unangenehm? Oder war er plötzlich einfach stumm geworden? Oder hatten auf einmal unsichtbare Aliens die Kontrolle über ihn gewonnen?
Inmitten meiner abstrusen Gedanken bekam ich gar nicht mit, wie Lysander den Kellner heranwinkte.
»Zahlen?«, fragte dieser, als er den Tisch erreicht hatte. Der Weißhaarige nickte, woraufhin der Kellner einen Stift und einen kleinen Block herausholte und uns ansah.
»Zusammen oder getrennt?«, fragte der Anzugträger. Lysander dachte auf diese Frage hin nicht lange nach.
»Zusammen.«, erwiderte der Weißhaarige bestimmt, während er seinen Geldbeutel aus der Hosentasche holte und mir dabei ein kurzes, scheues Lächeln zuwarf.
Häh? Was war das denn jetzt?
Erst mir einfach nicht antworten und dann bei einer so doppeldeutigen Frage mir einen bedeutungsschwangeren Blick zuwerfen.
Irgendwie war mir die Situation gerade ziemlich suspekt.
Sollte das jetzt etwa eine Abfindung dafür sein, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben wollte? Noch verwirrter war ich, als Lysander mir ein ziemlich glücklich aussehendes Lächeln zu warf.
»Wollen wir?«, fragte er schließlich, während er mit dem Stuhl ein Stück nach hinten rutschte und dabei seinen Geldbeutel wieder verstaute.
»Wie darf ich das jetzt verstehen?«, fragte ich ihn ernst und unterdrückte dabei meine Verwirrung. Lysander sah mich daraufhin nun auch fragend an. »Oder wolltest du noch hier bleiben?«, meinte er nun ebenfalls leicht verwirrt. Ich schüttelte den Kopf. Im Moment verstand ich wirklich gar nichts mehr.
»Wieso hast du mich eingeladen?«, fragte ich ihn, während ich nun ebenfalls aufstand.
»Weil ich dich einladen wollte.«, kam die relativ knappe Antwort zurück.
Lysander lächelte bei diesen Worten wider und wandte sich zum Gehen. Schweigend und noch immer verwirrt folgte ich ihm nach draußen. Was sollte das alles?
Kaum, dass ich einen Schritt draußen war, packte mich Lysander vorsichtig am Arm und zog mich ein paar Meter in eine kleine, unbelebte Straßenseite. Dort lächelte er mich zuerst mit glücklichem Gesicht an, bevor er mir mit eben jenem immer näher kam in der eindeutigen Absicht, mich zu küssen. Was um alles in der Welt sollte das denn jetzt?
Hastig drehte ich meinen Kopf zur Seite, um seinen Lippen zu entgehen. Aus dem Augenwinkel sah ich seinen irritierten Blick auf mir liegen.
»Lucio?«, fragte er nun vorsichtig und mit verunsicherten Tonfall. »Du hast deine Frage doch ernst gemeint, oder?« Seine Stimme klang wirklich zutiefst verunsichert und leise. Natürlich hatte ich das und antwortete es ihm auch. Jetzt war er es, der aus der Verwirrung nicht mehr herauskam.
»Aber dann sind wir doch…«, begann er zaghaft, doch ich unterbrach ihn leicht angesäuert. Hallo? Redeten wir gerade absolut an uns vorbei oder was hatte ich verpasst.
»Zusammen?!«, fragte ich und fuhr sofort fort. »Du hast mir gar keine Antwort darauf gegeben.« Meine Stimme klang schärfer, als gewollt. Lysanders unsicherer Blick wollte gar nicht mehr weichen.
»Ich dachte, meine Antwort wäre klar.«, meinte er wieder mit dieser zaghaften Stimme, die ihn so süß wirken ließ.
»War sie aber nicht.«, antwortete ich hart, bevor mir noch etwas einfiel, was mich abermals erröten ließ (Ja, ich brauchte wirklich eine Therapie oder ähnliches dagegen). »Oder hast du damit wirklich mich gemeint, als du sagtest, du seist…« Diesmal war es Lysander, der mich nicht aussprechen ließ. Anscheinend hatte er erkannt, wo unser Problem gerade lag.
»Verliebt? Ja.«, meinte er diesmal mit so ernstem Ton, dass man ihm einfach glauben musste. Diesmal ließ ich es zu, dass er meinem Gesicht wieder so nahe kam und mich schließlich küsste.
Oh Himmel. Seine Lippen waren einfach so weich, dass ich mich fragte, ob er vielleicht Labello benutzte.
Ich schloß meine Augen, während ich den Kuss nun erwiderte.
Jetzt kapierte auch ich, dass wir wirklich irgendwie aneinander vorbei geredet hatten. Eine direkte Antwort von ihm auf meine Frage wäre aber dennoch schön gewesen.
Jetzt war es aber egal.
Lysander umarmte mich vorsichtig, woraufhin ich mich enger an ihn schmiegte und gleich darauf meine Arme um seinen Nacken schlang.
So sanft, so zärtlich und schließlich mit aufkeimender Leidenschaft küssten wir uns. Ich wollte mich gar nicht mehr von ihm lösen und mir war es egal, ob uns jetzt jemand sehen würde oder nicht.
Nur am Rande bekam ich mit, dass ich mittlerweile mit dem Rücken gegen eine Wand gelehnt war und dass sich Lysanders Körper von vorne sanft an mich schmiegte.
Meine Gedanken und Ängste lösten sich in einem kitschig zuckersüßen Nebel auf, der alles andere nebensächlich wirken lies. In diesem Moment gab es nur noch mich und ihn und die sanften Bewegungen unserer Lippen.
Dass ich ebenfalls heiß in ihn verliebt war, stand mittlerweile völlig außer Frage. Nicht umsonst waren in mein Matheheft mehr Herzchen als Zahlen gekritzelt.
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