Was das Herz begehrt

von Andrea23
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
13.07.2012
13.07.2012
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Disclaimer:

Jeglicher Bezug zu historischen Figuren und Gegebenheiten dient ausschließlich dem Setting der Story.
Die Story repräsentiert zu keinem Zeitpunkt persönliche politische Ansichten und entsagt sich auch jeglicher politischer Meinungsbildung.
Ferner wird eine Diffamierung oder Verletzung von bestimmten Personengruppen in keinster Weise beabsichtigt und steht ebenfalls in keinem Bezug zu Ansichten des Autors.
Historische Gegebenheiten werden lediglich angerissen und nicht vertiefend erläutert.
Die Verletzung der Rechte Dritter ist zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt. Die Ähnlickeit zu bestehenden Charakteren und Figuren ist nicht im Sinne der Autorin.

Hallo ihr lieben,

Dies ist mein erster Schreibeversuch und ich wage mich sofort an ein ´´heißes´´ Eisen, in dem ich einen Schauplatz zu Zeiten des NS-Regimes gewählt habe.
Seid jedoch versichert, dass dies keine politische Geschichte wird, sondern die zeitlichen Umstände lediglich die Rahmenbedingungen liefern.
Mir liegt es fern, irgendwelche politischen Ansichten zu vertreten oder zu beeinflussen, sowie die Gefühle von bestimmen Personengruppen zu verletzen.
Die Charaktere handeln im Sinne ihrer Umstände und Prägungen und werden sich demnach auch in diesem Sinne äußern
Die Geschichte ist auf den Hauptcharakteren Deniz und Roman aufgebaut und begründet in ihnen auch den Kern des Ganzen.
Daneben, werden in meiner Story auch eigene historische Abwandlungen stattfinden, wobei vor allen Dingen angemerkt sei, dass es zu keiner lang andauernden NS - Herrschaft kommt und demnach auch kein Krieg ausbricht.
Ich würde mich freuen, wenn ihr der Geschichte eine Chance gebt und euch mit Feedback nicht zurückhaltet.
In diesem Sinne, lasst die Story beginnen….



Und ich möchte mich noch ganz ganz herzlich bei Bee für ihre Hilfe und Inspirationen bedanken denn ohne sie wäre die Geschichte nie so geworden wie sie jetzt ist *many kisses and cuddles*"





Kapitel 1 - Die Pflicht über Allem

Es war wieder einer dieser Tage, einer dieser Tage an dem er sich Gedanken darüber machte wie er ihn überstehen sollte.
Er wusste nicht einmal wie lange er schon hier wach lag, aber es waren sicherlich schon  mehrere Stunden in denen er sich  von einer Seite auf die andere wälzte.

Es war wie jeden Tag ein Labyrinth ohne Ausweg.

Irgendwann kam er auf dem Rücken zu liegen und starrte auf die Zimmerdecke.
Er dachte über sein derzeitiges Leben nach, was er war und wie es mit ihm weitergehen sollte.
Doch darauf wusste er wie jeden Tag keine Antwort.

Er wusste einfach nicht was er mit seinem Leben anfangen sollte, doch das sich etwas ändern musste stand außer Frage.
Sein  Blick viel auf die kleine Standuhr auf dem Nachtisch und er wusste, dass es schon Zeit war aufzustehen und dem Frühstück beizuwohnen.
Doch gerade dies viel ihm mehr als schwer, da sich hier schon der Ursprung seiner Gedanken und Ängste manifestierte.
Schwermütig verließ er sein Bett und streifte die Uniform, die über dem Stuhl hing, mit einem kalten Blick.
Er wusste, dass er sie in wenigen Minuten wieder anlegen musste, da es die Pflicht verlangte.
Andere die er kannte, legten sich dieses Zeichen der Parteizugehörigkeit mit Freude und Stolz  an, weil sie es genossen was sie taten.
Für ihn war diese Uniform jedoch wie eine Zwangsjacke, die ihm die Luft zu atmen nahm.

Es war, als würde sie sich an seiner Haut festkrallen und ihn zu ihrem Sklaven machen.


Doch er hatte keine Wahl -  es war die Pflicht.


Nachdem er sich den Fesseln der Kleidung ergeben hatte, machte er sich auf den Weg zu dem großen Essaal , dass nur eines der vielen Räumlichkeiten repräsentierte.
Das Haus, in dem er leben musste, war eine kalte Festung - eine Festung die Mensch und Seele gefangen hielt.

Wie jeden Tag schritt er die massive Eichentreppe hinunter und  konnte schon auf halben Weg die penetrante Stimme seines Großvaters vernehmen.
Er versuchte sie auch dieses Mal zu ignorieren, doch es gelang ihm nicht.

Wie jeden Tag.

Als er schließlich das Esszimmer betrat wurde ihm auch schon von seinem Großvater die Hand zum Gruß gehoben.
Es war keine liebgemeinte Geste sondern ein Ritual- ein Ritual von einem Mann den er aus tiefstem Herzen verabscheute.
Fast schon mechanisch hob auch er die Hand zum Gruß und nahm am anderen Ende des großen ovalen Tisches platz. Direkt gegenüber seines Großvaters , der als Haupt der Familie am Kopfe der Tafel saß und die  Zeitung studierte.

Hier saß er nun also mit 3 Menschen an einem Tische, die eigentlich seine Familie sein sollten.
Doch dieses Gefühl von Familie hatte er noch nie erfahren.
Die einzige Person, die ihm etwas Wärme entgegen brachte, war seine Großmutter.
Sie war links von ihm platziert und schenkte ihm ein leichtes Lächeln, dass das ihm viel bedeutete und seine trüben Gedanken für einen Moment milderte.  
Rechts von ihm saß seine Mutter, die jedoch lediglich die Frau repräsentierte, die ihn auf die Welt gebracht hatte.
Für sie war er nurmehr ein Unfall, der sich vor 20 Jahren mit einem italienischen Mann ereignet hatte.
Eigentlich dürfte er jetzt nicht hier anwesend sein und würde es sicherlich auch nicht, wenn eine Abtreibung nicht eine noch größere Schande für die Familie bedeutet hätte.  
Sein Großvater sah in ihm einen stolzen Deutschen, der sein Blut in den Adern trug und den es galt auch in diesem Sinne zu erziehen.
Dass dieser stolze Deutsche sich nichts sehnlicher wünschte  als ein ganzer Ausländer zu sein, wusste der 65 Jährige nicht.

,,Willst du nichts zu Dir nehmen, Junge? holte ihn die verhaltene  Frage seiner Großmutter aus seinen Gedanken. Er zwang sich zu einem kurzen Lächeln, doch konnte sich nicht dazu bringen, etwas zu verzehren.
Der Grund dafür, lag in den kalten dunklen Augen, die sich jeden Morgen auf‘s Neue in sein Herz bohrten und wie ein dunkler Schatten über ihm schwebten.

Der Grund für all dies, hing in Lebensgröße über dem Kamin hinter seinem Großvater.

Der Führer der NS-Partei war für das Familienoberhaupt ein Held und großer Politiker, den es zu unterstützen galt.
Doch für den 20 jährigen war er die Gestalt des Bösen, die er abgrundtief verabscheute.
,,Deniz, möchtest Du nicht wenigstens ein warmes Brötchen? Du hast heute einen anstrengenden Tag vor dir,"versuchte seine Gromutter ihn erneut dazu zu bewegen, sich an dem reichlich gedeckten Tisch zu bedienen.
Doch bevor er auch nur im Ansatz darauf erwidern konnte, ertönte auch schon die tiefe und durchdringende Stimme seines Großvaters.
,,Adelheid, es wird nur einmal gefragt ob er etwas zu sich nehmen möchte. Du kennst die Regeln in diesem Hause .”
Aus dem Augenwinkel sah Deniz wie seine Großmutter den Blick senkte und er verspürte einen Stich ihn seinem Herzen.
Die Unterordnung war in diesem Hause die Regel Nummer 1.
Er selbst vermochte sich als Einzelner nicht gegen seinen Großvater aufzulehnen, aber er hatte sich vor langer Zeit selbst geschworen, auf das Wohl seiner Großmutter zu achten.

,,Es ist doch unfassbar!,"folge kurz darauf auch wieder die allmorgendliche Parole des Grauhaarigen, der missmutig die Zeilen seiner Morgenlektüre verinnerlicht hatte.
„Diese jüdischen Parasiten bereichern sich an unserem Geld und unserer Arbeit !” Er redete sich wie jeden Tag in Rage und Deniz fragte sich ,wie jeden Tag,erneut, woher dieser Hass auf die Juden und alles Nichtdeutsche nur kam.
Für ihn selbst waren alle Menschen gleich und hatten das Recht auf gleiche Behandlung - egal welcher Hautfarbe und Religion sie angehörten.
,,Du hast recht,Vater. Man müsste sie alle aus dem Land entfernen.” pflichtete seine Mutter dem NS-General nun bei.
Unter dem Tisch verkrampfte sich Deniz´ Hand fast automatisch und er verabscheute sich wieder einmal selbst dafür, ein Mitglied dieser Familie zu sein.
„Es sind Menschen wie wir, und sie haben das Recht, so zu leben, wie sie es für richtig halten,” ließ er ohne bewusst nachzudenken verlauten.
Umgehend verengte sein Grovater die Augen und schlug mit der harten Faust auf den Tisch.
,,Dies sind keine Menschen! Es sind Parasiten, die sich dort einnisten wo sie eine Nische finden! Sie sind Insekten, die es zu zerquetschen gilt!
Seine Haltung verhärtete sich und er hob einen drohenden Finger in die Richtung seines Enkelsohnes.
,,Stelle nie wieder eine meiner Äußerungen in Frage, wenn du dich in meinem Haus befindest.
„Walther, lasse doch bitte den Jungen in Frieden,” versuchte nun die graublonde 60-Jährige ihren Mann zu besänftigen.
Doch dieser drehte sich ruckartig zu seiner Frau und fixierte sie aus wütenden Augen.
,,Mische dich nicht in Dinge, von denen du keine Ahnung hast. Dies ist MEIN Haus und hier gilt meine Meinung!”
,,Gewiss doch Vater,"teilte Veronika dessen Meinung und nahm unbeeindruckt ein Schluck aus ihrem Kristallglas.
Der Grauhaarige nickte beiläufig, bevor er im durchdringenden Tonfall fort fuhr.
,,Deniz ist ein Harding und als dieser hat er auch die Regeln der Familie zu befolgen.
In seinen Adern fliesst deutsches Blut und ich habe ihn nicht umsonst mit deutschen Werten erzogen."
Bei diesen Worten überkam Deniz eine lähmende Übelkeit und er wollte dem allen nur mehr entfliehen.
Mit einem dumpfen Geräusch schob er seinen massiven Mahagonistuhl zurück und wandte sich mit einem kurzen Kopfnicken zum Gehen.

,,Wo willst du hin!," erklang umgehend die schneidende Stimme des Familienoberhaupts.
,,Ich habe heute Patrouille, erwiderte Deniz emotionslos und vermied es dabei seinem Großvater in die Augen zu sehen.
So entging ihm auch das plötzliche Aufleuchten in dessen Blick und das Entspannen seiner Gesichtszüge.
,,Ich sehe, du trägst doch deutsche Vernunft in dir. Erfülle die Partei mit Stolz!”
Ohne ein weiteres Wort setzte sich Deniz in Bewegung und streifte beim Passieren seiner Großmutter, leicht deren Schulter als Zeichen der Zuneigung.
Der monotone und verhasste Handgruß war alles was noch folgte, bevor er sich in die für ihn gefühlte Hölle des Alltags begab.


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Ich würde mich über Feedback und Kritik sehr freuen. Das zweite Kapitel ist auch schon beendet und folgt, falls Interesse an der Story besteht.

Zur Info: Warum Deniz mit z geschrieben wird ( oder warum er seinen Namen selbst so schreibt ) wird im laufe der Geschichte deutlich.
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