Abschied

von Duffy 1
GeschichteFamilie / P12
09.07.2012
09.07.2012
1
1633
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Mein Abschied



Liebe Mutti

Es gibt eigentlich noch so viel was ich Dir sagen wollte, mit Dir erleben wollte.

Nichts wird mir Dich zurück bringen, einzig meine Erinnerungen werden mir erhalten bleiben.

Du bist als kleines Mädchen, mit deinem Bruder und deiner Mutter vor den Russen geflüchtet.

Habt Euch in den Kriegsjahren, durchs Land geschlagen, doch für Dich gab es auch immer schöne Erinnerungen an diese Zeit.

Letztendlich seid ihr in einem kleinen Dorf in Schleswig Holstein gelandet. Es kam noch eine Schwester dazu, später als Dein Vater aus der Gefangenschaft zurück kam, konntet ihr, dann als Familie dort glücklich werden.

Dort lebt auch heute noch deine Familie.

Nur dich hat es in die Stadt gezogen.

Dort hast du einen Beruf erlernt, den du geliebt hast. Doch auch die Liebe deines Lebens hast du dort gefunden.

Auch wenn deine Wahl nicht allen gefallen hat, hast du an ihr festgehalten.

Dich hat es nicht gestört, das deine Liebe 19 Jahre älter war. Ich danke dir dafür, du hast uns einen liebevollen und beschützenden Vati geschenkt. Beide seid ihr in dem Beruf der Krankenpflege aufgegangen.



Erst bekamt ihr meine Schwester, habt mit ihr die erste Zeit noch im Schwesternwohnheim gewohnt, dann habt ihr Eure erste gemeinsame Wohnung bezogen.

Nur fünf Monate später habe ich mich angekündigt.

Ihr habt alles für uns getan, doch auch wenn es mal schwere Zeiten gab, warst du immer für mich da.

Du hast uns in den Arm genommen, wenn wir weinten egal aus welchem Grund.



Es gab eine Zeit wo Du unser Wohl über deins gestellt hast, du hättest auf die Liebe deines Lebens verzichtet wenn wir es gewollt hätten.

Doch wir haben unseren Vati geliebt und wollten nicht gehen, egal wie hart die Zeit auch war, wir wollten Euch beide in unserem Leben haben.

Letzt  endlich haben wir es als Familie geschafft, unsere Liebe hat ihm geholfen einen Entschluss zu fällen.



Danach war es zwar auch nicht immer einfach, doch ich habe Euch geliebt so wie ihr wart.

Ihr habt Eure Gene an mich weiter gegeben und so bin auch ich in der Krankenpflege gelandet.



Egal was war ihr wart immer für mich da, ich durfte sogar wieder zu Euch ziehen als ich mich auf meine Prüfung vorbereiten musste, denn im Schwesternwohnheim konnte ich nicht in Ruhe lernen.

Ihr gabt mir Euer Schlafzimmer.



Nach meinen Prüfungen die ich mit einem sehr Gut bestanden hatte, bin ich Euch in das Berufsfeld Psychiatrie gefolgt.

Es ist ein sehr umfangreiches Gebiet, man lernt nie aus.



Dann kam auch bei mir die Liebe,  ihr habt Euch so für mich gefreut.

Auch als es hieß das ich Hamburg verlassen werde um mit meinem Freund nach Köln zu ziehen.

Der Abschied fiel mir nicht leicht und ich bin so oft ich konnte und frei hatte, wieder nach Hamburg gefahren, nur um bei Euch zu sein.

Nach knapp einem Jahr sind wir dann als Ehepaar nach Husum gezogen, jetzt trennten uns nur 1 ½  anstatt 4 Stunden.

Unsere erste Nacht in unsrer neuen Wohnung, verbrachten wir allerdings  nicht dort, sondern im Krankenhaus, denn Euer Enkel hatte sich entschieden auf die Welt zu kommen.

Es  war für mich eins der schönsten Erlebnisse als man mir meinen Sohn auf die Brust gelegt hat.

Ein neues Leben war durch  die Liebe die mich und Dirk verbindet  entstanden.

Die Bilder von Euch wie ihr Euren Enkel zum ersten Mal auf dem Arm habt, sind mir immer präsent.

Nach zwei Jahren kam dann mein zweiter Sohn zur Welt und für uns stand mal wieder ein Umzug an.



Wir kamen zurück nach Hamburg in meine Heimat und zurück zu Euch.

Ihr habt es mir ermöglicht wieder arbeiten zu gehen, in dem ihr Euren Wohlverdienten Ruhestand, damit verbrachtet auf unsere Kinder aufzupassen.



Du kamst morgens ums 6 Uhr um sie zu wecken, ihnen das Frühstück zu machen und sie dann in den Kindergarten oder später in die Schule zu bringen.

Danach bist du nach Hause gefahren um für später das Mittagessen zu kochen, holtest die Kinder wieder ab. Hast dann mit ihnen gegessen, Hausaufgaben gemacht und gespielt bis einer von uns wieder zu Hause war.

Du weißt gar nicht wie Dankbar wir dir dafür sind, keine Worte können ausdrücken was du uns damit ermöglicht hast.

Tief stehen wir in deiner Schuld.



Ein bisschen konnte ich Dir zurück geben, als wir beide zusammen Vati gepflegt haben.

Leider ist er viel zu früh von uns gegangen, doch wir beide haben es geschafft, wir haben ihn zu Hause gepflegt, haben ihn bis in den Tod begleitet waren bei ihm als er seinen letzten Atemzug tat.

Er ist in meinem Herzen und ich werde immer an ihn denken.

Ich liebe ihn.

Doch nichts wird ihn mir zurück bringen.

Du wolltest stark sein, für uns deine Kinder und auch für deine Enkelkinder.

So haben wir leider zu spät gemerkt, das auch du erkrankt warst.

Es folgte eine schwere Zeit, doch wir haben sie gemeistert.

Erst die Chemotherapie, dann die Total Op und später auch die Bestrahlung.

Deine ganze Sorge galt in dieser Zeit aber immer uns, nie hast du an dich gedacht.

Weiterhin bist du gekommen um für meine Kinder, deine Enkelkinder da zu sein.

Hast dir Vorwürfe gemacht, das unser Urlaub, den wir nach Jahren ohne Kinder mal machen wollten, nicht stattfinden konnte.

Doch Mutti du gingst vor, wir hätten auf alles verzichtet nur damit es dir wieder besser geht.

2010 war dann alles geschafft, du galtest als Gesund.

Du hattest noch so viel vor, wolltest Deutschland erkunden, doch es war Dir leider nicht mehr möglich.

Zu spät hast du bemerkt, das du deine Trauer über den Verlust von Vati nicht richtig verarbeitet hast.

Du bekamst Ängste.

Wolltest dich endlich dem Thema stellen, doch auch dazu kam es nicht mehr, den der Krebs hatte dich eingeholt.



Sie haben dir den Magen entfernt, am Anfang hast du noch den Willen gehabt, doch dann hast du es nicht mehr geschafft dich aufzurappeln.

Dich so zu sehen, hat mir das Herz gebrochen. Du warst immer so stark hast für alles gekämpft, was dir wichtig war.

Doch dann zu sehen wie du dich aufgibst war ein Schock, doch ich hatte dir versprochen in deinem Sinne zu entscheiden.

Dazu habe ich gestanden und alles dran gesetzt dies auch vor den Ärzten zu verteidigen.

Nachdem du aus dem Krankenhaus gekommen bist, haben wir versucht dich zu Hause zu pflegen,

doch deine Ängste waren einfach zu groß.

Über meine will ich gar nicht sprechen, doch nur daran zu denken, ist eine Qual. Jeden verfluchten Tag bin ich mit der Angst dich tot in der Wohnung zu finden zu dir gekommen und jedes Mal war ich froh, dass dem nicht so war.

Doch es ging einfach nicht mehr, wir konnten es nicht mehr bewerkstelligen Dich zu Hause zu pflegen, also haben wir dich ins Krankenhaus gebracht, auf eine Palliativstation.

Dies war ganz in deinem Sinne, denn dort wurden nur deine Schmerzen behandelt, aber nicht der Krebs, so wie du es auch wolltest.

Es ging zu Ende, am 23.12.2011 haben wir dich dann in ein Hospitz verlegt und nicht geglaubt, das du das neue Jahr noch erleben würdest.

Doch du hast wieder angefangen zu kämpfen, so kannten wir dich.

Du hast wieder gegessen und getrunken, Pläne gemacht.

Also mussten wir wieder umdenken, du würdest nicht sterben, sondern leben.

Dann kam das was wir alle nicht erwartet hatten, du warst nicht mehr länger ein  „Fall“ fürs Hospitz.

Doch in deine Wohnung wolltest du nicht zurück, denn das war dir klar, dort würdest du es nicht schaffen.

So suchten wir also eine schöne Pflegeeinrichtung für dich.

Doch was keiner erwartet hat, war, dass du dort nur für sechs Wochen bleiben würdest.

Zum Anfang warst du bereit dem Leben wieder entgegenzutreten, doch dann holte dich deine Krankheit mit großen Schritten wieder ein.

Es ging zu ende.

Mit großen Schritten bist du deinem Ende entgegen gegangen.

Es tut mir so leid, dass ich die letzte Woche in deinem Leben nicht mehr zu dir gekommen bin, doch dich so zu sehen hat mich einfach zerbrochen. Ich schäme mich so für meine Schwäche, doch ich konnte es einfach nicht mehr ertragen dich so leiden zu sehen.

Dafür war alles einfach zu präsent, Vati wie er seinen letzten Atemzug getan hat, du nach der Brust OP.

Dir zu sagen, du sollst loslassen und zu Vati gehen war das schwerste was ich je getan habe, ich liebe dich so sehr, das ich einfach wollte das du keine Schmerzen mehr hast.

Selbst bei Vati war ich um ihn zu bitten dich zu ihm zu holen.

Meine Kraftreserven waren einfach aufgebraucht, egal wie schlecht ich mich fühle und denke das ich eine schlechte Tochter war, doch ich konnte einfach nicht mehr.

Den halt den ich brauchte gaben mir mein Mann und meine Kinder.

Doch nichts konnte mich davon abhalten, dir an deinem letzten Tag die Hand zu halten und auch wenn sich das jetzt blöd anhört, doch ich bin stolz auf mich, das ich das geschafft habe und genau wie bei Vati bei dir war, als du von uns gegangen bist.

Dir noch Mal einen Kuss zu geben und dich zu Umarmen, ich hätte es mir nie verziehen wenn ich nicht da gewesen wäre um für dich den Übergang zu erleichtern.



Egal wie sehr du uns fehlst, es ist gut so wie es ist.

Du bist jetzt bei Vati und kannst mit ihm auf einer Wolke sitzen und auf uns runter sehen.





Du fehlst uns so sehr.



Ich liebe Dich



Deine Bette