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Blutiger Schnee

von momomida
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAngst, Familie / P12 / Gen
02.07.2012
02.07.2012
1
1.269
3
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
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02.07.2012 1.269
 
Dieser One-Shot basiert auf der Nachfolgeserie von Avatar: The Legend of Korra. Er beinhaltet Spoiler für die Serie, insbesondere das Finale.
Deswegen nur lesen, wenn man bereits die ganze Serie auf Englisch gesehen hat!
 
So, genug der Warnungen =)
Irgendwelche Korra Fans hier draussen? Ich hoffe doch mal, ich bin nicht die einzige, die sich die Serie bereits auf Englisch angesehen hat, sie ist zu genial um zu warten bis sie auf Deutsch raus ist ^.^
Ernsthaft, ich bin begeistert davon! Besonders das Finale war meiner Meinung nach einfach genial! (Okay, ich bin kein riesiger Makorra Fan, dafür umso ein grösserer Amon Fanatiker.) Jedenfalls konnte ich meine Finger nicht davon abhalten, etwas über Noatak und Tarrlok zu schreiben. Ich finde ihre Geschichte extrem tragisch und gerade deswegen auch unglaublich toll.
Der One-Shot spielt einige Zeit bevor Noatak seine Familie verlässt.
Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen und hoffe, er gefällt euch! =)
 
Blutiger Schnee
 
Da war eine Veränderung in den Augen seines Bruders. Er wusste nicht genau, was es ausmachte, doch in ihnen lebte seit einiger Zeit etwas Böses und Furchteinflössendes, das zuvor nicht dagewesen war und das nicht zu ihm gehörte. Seine einst so blauen und klaren Augen waren nun trüb und matt. Die blutunterlaufenen Ränder liessen sie zusätzlich müde und verzweifelt erscheinen. Schon seit einiger Zeit war Tarrlok aufgefallen, das Noatak kaum noch schlief. Nachts, wenn der Jüngere wach wurde, lag er nur noch selten in seinem Bett. Oft hatte er zu ihm gehen wollen, doch noch nie hatte er sich wirklich getraut. Weiter als bis zur Schwelle nach draussen, wo er ihn mit dem Rücken zu ihm sitzen und den Mond betrachtend entdeckt hatte, war er nie gekommen. Vielleicht war er wirklich ein Schwächling, dass er sich nicht einmal traute zu seinem eigenen Bruder zu gehen.
Das erste Mal, dass er richtig mit ihm darüber sprach, war eines Tages nach dem üblichen Blutbändigen Training. Noatak war anders als sonst, das erste Mal seit Jahren gelang es ihm nicht bloss mit seinem Willen die Hunde zu steuern. Sein Vater ermahnte ihn erst nur, wurde dann aber wütend. Nach mehreren Versuchen nahm der Junge schliesslich die Hände zu Hilfe. Er hob sie energisch und sein Ärger veranlasste ihn dazu, die folgende Handbewegung, mit jener er den Kopf des Tieres drehen wollte, zu heftig auszuführen. Das Genick brach mit einem lauten Knacken und das weinerliche Jaulen erstickte. Tarrlok daneben erstarrte, hielt die Luft an und ihm schien es den Magen umzudrehen. Indem er die Arme senkte, liess Noatak das Tier auf den Boden fallen und dessen Blut begann den Schnee unter sich rot zu färben. Der Bändiger selbst zeigte keine Regung, er schloss bloss die Augen und ballte die Hände neben sich zu Fäusten. Ihr Vater drehte sich ohne ein Wort um. Doch das ausbleibende Lob sprach für sich selbst. Er ging davon und liess seine Söhne schweigend zurück.
Eine Zeit lang starrte Tarrlok seinen Bruder nur an und er konnte die aufkommende Furcht vor ihm nicht verdrängen. Noataks Körper bebte und er wusste nicht, ob aus Wut, Ekel oder Bedauern. Sein Gesicht verkrampfte sich länger wie mehr zu einer wutentbrannten Grimasse. Schliesslich riss er sich aus seiner Starre und lief auf das tote Tier nur wenige Meter von ihm entfernt zu. Tarrlok sah ihm zuerst irritiert nach, tat es ihm dann aber gleich.
„Noatak…“
Der Ältere kniete sich unmittelbar neben dem Wolfshund in den blutroten Schnee und schien ihn mit seinem Blick zu durchbohren. Als Tarrlok bei ihm angekommen war und etwas entfernt von ihm inne hielt, fiel ihm auf, dass seine Schultern nun noch heftiger als zuvor zitterten, sie bebten regelrecht.
Dann hörte er das Weinen seines Bruders.
Noch nie zuvor hatte Noatak in seiner Gegenwart geweint. Sein Schluchzen war das verstörendste Geräusch der Welt. Er wirkte nicht mehr wie der grosse fünfzehnjährige Bruder, viel mehr wie ein entsetztes Kleinkind.
„I-ich… ich w-woll…wollte d-och… ni-nicht…“
Die einzelnen Wörter schienen in seiner Stimme zu ertrinken, jedes davon war voller Schmerz und Reue. In all den Jahren hatte sich Tarrlok zu sehr von seinem Bruder entfernt, fürchtete ihn zu sehr, als sich neben ihn zu setzten und ihn irgendwie zu trösten versuchen. Doch er liebte ihn noch zu sehr um einfach zu gehen. Also blieb er an Ort und Stelle stehen und wartete.
Es dauerte Minuten bis sich Noatak beruhigt hatte. Er schwieg erst nur und starrte erneut den Wolf vor sich an, Tarrlok selbst hätte nicht gewusst, was er sagen sollte.
Schliesslich hob der Ältere leicht die Hand an und das Blut, das sich mit dem Schnee vermischt hatte und ebenfalls an seinen Kleidern klebte, löste sich daraus, umdrehte sich selbst in der Luft ehe es sich in einer runden Menge schloss. Erst dachte Tarrlok, dass sein Bruder etwas damit anfangen wollte, doch dann bemerkte er, dass er mit dem Blut spielte. Der Geschmack von Magensäure vermischte sich in seinem Mund mit Speichel.
„Das ist eklig, hör damit auf, Noatak.“
Tatsächlich kam er seiner Bitte nach und liess das Blut langsam und einheitlich in einer Stelle im Boden versickern.
„Ja, das ist wahr. Tut mir leid.“
Tarrlok konnte aus seinem Tonfall nicht deuten, ob er es wirklich ernst meinte oder nicht, doch schon nur durch die Tatsache, dass er auf ihn gehört hatte, schien er seines Bruders wieder etwas näher gekommen zu sein. Er entschied sich nun dazu, sich neben ihn auf den Boden zu setzten. Nach einem Augenblick begann Noatak auch zu sprechen.
„Vater hat mir gesagt, dass ich etwa in einem Jahr so weit sein werde. Dann würde ich euch verlassen, um … um meine Aufgabe zu erfüllen.“
„Deine Aufgabe? Meinst du …“
„Tarrlok, du weisst, in seinen Augen sind wir nur Werkzeuge.“
Noatak sah ihn nicht an, sein Blick war leer, einzig die leichte Rötung seiner Augen deute auf seinen vorherigen Gefühlsausbruch hin.
„Ich frage mich, ob der einzige Sinn meiner Existenz darin liegt, ein Rächer und Mörder zu sein.“
Tarrlok hatte das Gefühl, etwas sagen zu müssen, doch er wusste nicht was. Noatak hatte recht.
„Und… und was ist mit mir?“, fragte er dann aber leise.
Sein Bruder drehte nun den Kopf zu ihm und sah ihm somit in die Augen.
„Du bist so etwas wie Vaters Absicherung falls ich versage.“
Die Antwort schockte ihn nicht, er hatte damit gerechnet und so sagte er auch nichts, hielt jedoch Blickkontakt mit Noatak. Dann biss sich dieser auf die Lippen und wandte das Gesicht schliesslich ab.
„Kannst du es?“
Die Frage brannte Tarrlok schon lange auf der Zunge, doch noch nie hatte er sich getraut, sie auszusprechen. Er wusste nicht, woher er nun plötzlich den Mut dazu nahm.
„Was?“
„Kannst du jemanden töten, Noatak?“
Wieder haftete der Blick seines Bruders auf dem toten Wolf. Vielleicht hatte er die Frage falsch formuliert. Vielleicht hätte er fragen sollen, ob er es tun würde.
In Noataks matte Augen trat nun ein Glanz, der sie traurig und verzweifelt erschienen liess, und der Junge hob die Hand und bedeckte sein Gesicht damit, als wolle er genau dies verbergen. Dabei hatte Tarrlok schon längstens gesehen, dass es erneute Tränen waren.
Der Ältere atmete tief durch, doch sein Atem stockte beim Ausatmen unregelmässig, dann schluckte er gequält und sprach schliesslich mit heiserer Stimme.
„Ich muss.“
Er strich sich über die Augen und nahm die Hand wieder vom Gesicht als er sich erhob und von seinem Bruder wegdrehte.
„Und ich kann.“
Doch er wollte nicht. Tarrlok war davon überzeugt, doch die eigentliche Frage blieb unbeantwortet. Ob er es tun würde. Und tief in ihm hoffte Tarrlok, dass dies der Fall war. Denn er könnte es nicht.
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