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Blüten im Nebel

von -Madara-
KurzgeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Gen
Docksohn Elant Wager Kelsier Marsch Vin Wayne
01.07.2012
03.09.2014
12
5.761
2
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16 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.07.2012 778
 
Moin Moin, wie wir im schönen Norddeutschland sagen.

Hier kommt nun schon das vierte Kapitel. Ich bin ganz überrascht, dass ich so gut vorankomme, auch wenn ich mit diesem Kapitel noch nicht so hundertprozentig zu frieden bin... Obwohl ich es schon etliche Male überarbeitet habe... Demnach freue ich mich über ehrliche Kritik.


Efeu

Leuten wie Kelsier fiel es leicht mit einem Lachen im Gesicht durch das Leben zu gehen. Aufgewachsen war er als Privilegierter und auch nachdem aufgeflogen war, dass sie nur Halbblute waren und sie fliehen mussten, hatte Marsch die Verantwortung übernommen. Und nun führte Kelsier das sorglose Leben eines Diebes, der mehr Geld hatte als er ausgeben konnte.
Entschlossen, diese Gedanken an seinen jüngeren Bruder aus seinem Geist zu verbannen, zog Marsch die Augenbrauen zusammen. Mit Kelsier würde er sich früher oder später in natura schon genug befassen müssen. Offenbar hatte er wieder irgendetwas ausgeheckt und hoffte nun auf die Hilfe von Marsch.
Doch der war dieses Mal fest entschlossen, nicht nach der Pfeife seines jüngeren Bruders zu tanzen, auch wenn dieser sehr geschickt darin war, die Leute für seine Zwecke einzuspannen. Und selbst wenn Mare ihn darum bitten würde, Kelsier zu helfen… Heute würde Marsch standhaft bleiben.
Selbst wenn er den beiden helfen wollte, er hatte einfach keine Zeit dazu. Sein Laden lief erstaunlich gut in den letzten Wochen und auch die Skaa-Rebellion organisierte sich nicht von alleine.

Der Tag war ungewöhnlich warm, wie Marsch fand, als er durch Luthadels Straßen schritt. Gemeinsam mit ihm befanden sich die üblichen Soldaten der Stadtwache auf der Straße, ein paar vereinzelte Adelige und Skaa – auf den Weg in die Schmieden und Eisenhütten der Stadt, bei Besorgungen für ihre Herren, beim Fegen der Asche, beim Betteln. Marsch mochte zwar zur Hälfte ein Adeliger und einige Jahre im Adel aufgewachsen sein, doch er fühlte sich in seinem Inneren wie ein Skaa. Obwohl er den Rücken gerade hielt und mit größerem Selbstbewusstsein durch die Straßen schritt.

Auf dem Weg zu dem Haupttor der Stadt gab Marsch sich einige Momente lang seinen Gedanken hin. Einige kurze Momente, bis jemand mit ihm zusammenstieß.
Auf Höhe seines Oberschenkels…
Nur ein beherztes Zupacken von Marsch verhinderte, dass der kleine Junge zu Boden fiel. Schrecken zeichnete sich auf seinem von Asche beschmutzten Gesicht ab.
„Toma!“ Eine junge Frau folgte dem Kind eilig aus der Gasse auf die Straße. Sie blieb stehen, als sie Marsch erblickte, der sich gerade versicherte, dass dem Jungen nichts passiert war.
„Oh, es tut mir leid. Ich habe ihm so oft gesagt, er solle aufpassen wo er hinläuft.“, begann sie eilig sich zu entschuldigen und verlagerte das Gewicht des schlafenden Babys in ihren Armen ein wenig.
Aufgrund der erstaunlich wortreichen Entschuldigung wandte Marsch seine Aufmerksamkeit nun der jungen Mutter zu. Gespräche zwischen Skaa waren auf der Straße selten.
Der Junge – Toma – flüchtete bereits in Richtung der Frau und versteckte sich hinter dem Rock ihres aschefleckigen Kleides. Irgendwann muss es einmal hell gewesen sein, doch nun hatte es nur noch ein verwaschenes und schmutziges Grau.
„Schon gut.“, entgegnete Marsch auf die Entschuldigung der Skaa hin. „So sind Kinder.“
„Das stimmt.“ Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht der Frau. Marsch glaubte beinah, sich geirrt zu haben.
Die meisten  – fast alle – Skaa lächelten nicht. Das Leben enthielt ihnen beinah jede Freude vor. Sie waren ein von einem unsterblichen Herrscher versklavtes Volk ohne Rechte. Sie arbeiteten Tag ein, Tag aus unter den wachsamen Blicken der strengen Zuchtmeister. Wäre Toma mit einem Adeligen zusammengestoßen, dann wäre der Junge vermutlich bereits tot. Der Willkür des Adels zum Opfer gefallen, denn es gab ja immer genügend Skaa.
Das Ministerium nannte es das Gleichgewicht. Im Adel wurden weniger Kinder geboren, während die Familien der Skaa meist viele hatten. Angeblich hatte der Oberste Herrscher es so eingerichtet, damit immer genügend Skaa vorhanden waren, die nicht zu viele Adelige versorgen mussten.

Die Frau befreite schließlich ihren Rock aus dem Griff ihres Sohnes – oder war er vielleicht doch nur ihr jüngerer Bruder? – und nickte Marsch dann zu. Ein leichtes Lächeln lag auf ihrem Gesicht. „Auf Wiedersehen.“
„Leb’ wohl.“ Marsch blickte ihr nach, wie sie mit dem Jungen an der Hand die Straße hinunter ging. Ihre Schritte waren ungewöhnlich leicht für eine Skaa. Die meisten schienen eher zu schlurfen. Niedergedrückt von einer unsichtbaren Last.
Eine seltsame Frau, wie Marsch fand. Doch er wusste gleichzeitig, dass es Leute wie sie waren, die dafür sorgten, dass die Skaa nicht endgültig aufgaben. Leute wie sie waren es, die sich an die Rebellion wandten.
Marsch atmete durch und setzte seinen Weg fort. Dabei wandte er einen kurzen Moment das Gesicht der wütenden roten Sonne zu. Und fast erschien ein Lächeln auf seinen schmalen Lippen.
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