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Blüten im Nebel

von -Madara-
KurzgeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Gen
Docksohn Elant Wager Kelsier Marsch Vin Wayne
01.07.2012
03.09.2014
12
5.761
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01.07.2012 903
 
Mimose

Die ersten Nebel zogen bereits auf, als Docksohn endlich in Keulers Laden zurückkehrte. Gewissenhaft schob er die Tür hinter sich ins Schloss, um die Nebel auszusperren, erst dann zog er sich die Kapuze vom Kopf, die er wegen des leichten Ascheregens getragen hatte.
In gemäßigtem Tempo schritt Docksohn die Treppe nach oben. Er wollte nur noch die Dokumente, die er bei sich trug, in sein Arbeitszimmer bringen und dann ein Bad nehmen. Er hörte bereits jetzt sein Bett rufen, obwohl es noch nicht spät am Abend war.
Doch der Tag war anstrengend gewesen und die vorangegangene Nacht kurz. Er hatte etwas Schlaf nachzuholen, denn anders als Kelsier, Vin oder Hamm konnte er nicht auf allomantische Fähigkeiten zurückgreifen, um sich wach zu halten.

Docksohn kam leicht ins Stutzen, als er bemerkte, das Licht unter der Tür seines Zimmers hervor fiel. Nicht, dass es den anderen verboten war den Raum zu betreten, doch taten sie dies meist schlichtweg nicht. Zumindest nicht dann, wenn Docksohn sich nicht darin aufhielt.
Da dies im Augenblick aber der Fall war, klopfte Docksohn kurz an der Tür an, ehe er in das Zimmer trat.

Kelsier blickte auf, als sich die Tür öffnete. Er saß an Docksohns Schreibtisch, vor ihm lag ein Blatt Papier, in der Hand hielt er eine Feder.
Mit einer hochgezogenen Augenbraue blickte Docksohn zu dem Blonden und fürchtete bereits, dass Kelsier auf seinen Unterlagen Tintenflecke oder seine krakelige – charaktervolle, wie Hamm sie nannte – Handschrift verteilt hatte. „Hast du dich verlaufen, Kell?“
„Ein bisschen und die Vögel haben meine Linie aus Brotkrumen gefressen, sodass ich nun nicht mehr nach Hause finde.“, antwortete dieser.
Nun wanderte auch Docksohns zweite Augenbraue in Richtung des dunklen Haaransatzes.
„Ach Dox… Ich habe mir eine von Sazeds Geschichten angehört. Es ging nicht um Religionen, sondern war ein altes Märchen. Ist also nicht schlimm, wenn du mit meinem Gebrabbel nichts anfangen kannst.“
„Dann bin ich beruhigt, da dies der Fall ist. Aber eigentlich ist das nicht sehr wunderlich.“, gab Docksohn trocken zurück und legte die Unterlagen auf seinem Schreibtisch ab, wie es sein Plan gewesen war. Dabei warf er einen kurzen Blick auf das Papier, das vor Kelsier lag. „Was machst du da?“
„Eigentlich hatte ich ein paar meiner Gedanken bezüglich unseres Plans aufschreiben wollen, aber irgendwie ist das dabei raus gekommen.“, meinte er und drehte Docksohn das Blatt hin, auf dem Kelsier ein rundes Gebilde gezeichnet hatte, das entfernte Ähnlichkeit  mit einer Pflanze aufwies.
„Und das ist was?“
„Ich bin mir auch nicht sicher.“, gab Kelsier freimütig zu. „Aber ich könnte mir vorstellen, dass so vielleicht die Blumen vor der Ehrhebung ausgesehen haben. Zumindest ein paar davon.“
Docksohn schmunzelte kurz. „Du und deine Blumen… Ich weiß, dass du ziemlich extrem bist. Was du möchtest, das ziehst du auch durch. Aber ich verstehe nicht, was dich so an der Zeit vor der Erhebung reizt.“
Kelsiers gute Laune schien sich ein wenig zu trüben. „Ich finde die Vorstellung von einem blauen Himmel und grünen Pflanzen irgendwie… Ich weiß nicht. Es kommt mir so vor, als müsse es so sein und nicht so, wie es jetzt ist. Als wäre der jetzige Zustand falsch. Und…“ Er verstummte.
Doch er musste nichts sagen. Der andere Mann kannte ihn gut genug, um den Satz fortsetzen zu können. „Und es ist ein wenig, um Mares Andenken zu ehren, nicht wahr?“
„Ja.“
Darauf wusste Docksohn nicht was er sagen sollte. Er wusste aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft es war die eigene Ehefrau zu verlieren und wie wenig irgendwelche flachen Zusprüche halfen.

„Lass uns aufhören Trübsal zu blasen. Wir sollten runtergehen und mit den anderen feiern. Einer von Keulers Lehrlingen hat heute Geburtstag.“, sagte Kelsier schließlich nach einigen Momenten unbehaglichen Schweigens. Und während Docksohn sichtlich zögerte – eigentlich wollte er nur noch ins Bett – nahm Kelsier seinen besten Freund einen Moment in Augenschein.
Nicht wirklich äußerlich, immerhin kannten sie sich schon etliche Jahre. Etliche Jahre in denen Docksohn zu einer verlässlichen Konstante in Kelsiers Leben geworden war. Im Gegensatz zu Kelsier erschien Docksohn fast spießig und langweilig, doch gerade dadurch ergänzen sie einander. Docksohn war es, der dafür sorgte, dass Kelsier Bodenkontakt behielt, selbst wenn er den Kopf wieder einmal in den Wolken trug.

„Eigentlich wollte ich nur noch ein Bad nehmen und dann ins Bett. Immerhin hast du mich gestern recht gut beschäftigt.“, entgegnete Docksohn schließlich.
„Nur einen Becher Wein unter Freunden? Das kannst du nicht ablehnen, Dox.“
„Kann ich nicht? Nun… Dann werden wir beide wohl hinuntergehen und einen Becher Wein trinken müssen.“ Mit einem leichten Schmunzeln zupfte Docksohn an seinem kurzen Bart.
Daraufhin erhob Kelsier sich und legte seinem Freund einen Arm um die Schultern, während er ihn zur Tür schob. „Dann mal los. Sicher vermissen uns die anderen schon.“
„Ich bin gerade erst her gekommen. Erinnere dich, Kell, du bist der, der hier eben saß und seltsame Blumen gemalt hat. Außerdem vermissen sie eher dich. Schließlich bist du der Witzbold von uns.“
„Aber ich kann mich doch ohne dich nicht nach da unten wagen. Wer hält mir dann den Rücken frei?“
„Ich wüsste nicht, wer dir von den anderen in den Rücken fallen sollte.“
Kelsier schenkte Docksohn ein charmantes Grinsen. „Vielleicht sehne ich mich auch nur nach deiner Gegenwart, Dox.“
Anstatt einer Antwort seufzte dieser. Manchmal konnte Kelsier regelrecht entmutigend sein und Wortgefechte würde er wohl auch immer gewinnen… Aber das war es, was Kelsier ausmachte. Das und eine interessante Mischung aus Genie und Wahnsinn.
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