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Blüten im Nebel

von -Madara-
KurzgeschichteFantasy, Freundschaft / P16 / Gen
Docksohn Elant Wager Kelsier Marsch Vin Wayne
01.07.2012
03.09.2014
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01.07.2012 669
 
Lavendel

Docksohn lehnte an dem Geländer eines Balkons der Festung Wager und blickte über die in Nebel gehüllte Stadt. Auch wenn es dort nicht viel zu sehen gab.
Schon die Lichter der Wachleute auf dem Wehrgang, der die Festung umgab, waren nur undeutlich auszumachen.
Der Nebel machte die Laternen zu einem undeutlich und verwaschen scheinenden Fleck und schluckte die Geräusche der schlafenden Festung. Nicht einmal die Schritte von Vin auf dem Dach waren zu hören, obwohl Docksohn sich sicher war, dass sie da waren.
Der Nebel… Für Kelsier war er ein Freund gewesen. Etwas, das ihm Schutz gewährte. Etwas, dass ihm eine Art Rückendeckung gab.
Docksohn war schon bevor er Kelsier gekannt hatte im Nebel unterwegs gewesen. Er hatte ihn ebenso wie Kelsier genutzt, damit er ihm Schutz bot.
Um sich nachts zu Kareien zu schleichen, wenn die Aufseher der Plantage schliefen.
Die anderen Skaa hatten zu ihnen gehalten und ihre Beziehung verschwiegen. Es hatte ihnen allen Mut gemacht.
Doch dann hatte Graf Devinshae Kareien zu sich gerufen und somit ihr Todesurteil gefällt.
Ein Schicksal, dass Docksohn später mit Kelsier gemein hatte. Oder eher Kelsier mit ihm.
Gemeinsam mit Mare war auch ein Teil von Kelsier in den Gruben von Hathsin gestorben. Docksohn hatte nicht lange gebraucht, um die Veränderung zu bemerken, die in Kelsier vorgegangen war.
Und dennoch war er der gleiche geblieben und Docksohn hatte den blonden Mann wie einen Bruder geliebt.

Er war sich bewusst, dass er immer in Kelsiers Schatten gestanden hatte.
Aber es war eine Rolle, die er gerne gehabt hatte. Wer hielt nicht gerne seinem besten Freund den Rücken frei? Besonders dann, wenn man sicher war, dass dieser seine hochgesteckten Ziele irgendwie würde erreichen können.
Docksohn hatte wie die anderen auch ebenfalls an Kelsiers Methoden gezweifelt. Den unsterblichen Obersten Herrscher stürzen und alle Skaa befreien zu wollen… Das waren hohe Ziele und es hatten in den tausend Jahren, die das letzte Reich bestand gehabt hatte, etliche versucht und waren daran gescheitert.
Das Kelsier ein anderer Fall gewesen war, hatten sie alle gewusst. Und es war ihm gelungen, wenn auch mit drastischen Mitteln.
Es entsprach eigentlich Kelsiers typischer Haltung den Adeligen gegenüber. >Friss oder stirb<, um es ganz salopp in Worte zu kleiden.

Ein leises Seufzen entrang sich der Kehle von Docksohn, während er weiter in den Nebel hinausblickte.
Im Nebel, da lebten Geister.
Nicht die Nebelgeister, vor denen sich fast alle fürchteten, die aber vollkommen harmlos waren. Und auch nicht ihre intelligenten Verwandten, die Kandra.
Geister von Verstorbenen lebten dort. Kelsier und Mare. Und Kareien.
Mare und Kell hatten von einer Welt geträumt, in der die Nebel nicht jede Nacht wiederkehrten.
Wie hätte diese Nacht dann wohl ausgesehen?
Docksohn legte den Kopf in den Nacken und blickte hinauf in den nächtlichen Himmel, der ihm verborgen bleib. Da war nur undurchdringliches Grau.
Doch Kelsier hatte nachdem er aus den Gruben zurückgekehrt war von den Sternen erzählt. Und Mare hatte es schon zuvor getan.
Tausende kleiner Sonnen. Docksohn konnte es sich nicht vorstellen. Er hatte in seinem Leben noch nie die Sterne gesehen, aber er hoffte, dass er es irgendwann tun könnte.

Ein Rascheln drang an Dox’ Ohr und Vin landete neben ihm auf dem kleinen Balkon, umhüllt von den Quasten ihres Nebelmantels.
Sie blickte Docksohn einige Momente lang schweigend an, ehe sie ihn begrüßte. „Hey…“
„Hallo Vin.“
„Was machst du hier?“, fragte sie und legte die Unterarme auf dem Balkongeländer ab. Sie verbrachte seit Kelsiers Tod wenig Zeit mit Docksohn und so wunderte er sich kurz, dass sie ihn mitten in der Nacht aufsuchte. Vielleicht hatte sie ihn aber auch nur hier draußen stehen sehen.
„Mich erinnern… und in die Sterne sehen.“, erwiderte Docksohn ruhig und hob den Blick wieder gen Himmel.
Vin zog ihre Augenbrauen zusammen. Sie wusste, dass nur Nebelgeborene und Zinnaugen die Sterne hinter dem dichten Nebel sehen konnten und Docksohn war weder das eine noch das andere. Diesen Gedanken sprach sie auch laut aus. „Du kannst die Sterne doch gar nicht sehen, oder?“
„Irgendwann vielleicht schon…“
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