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GeschichteKrimi, Freundschaft / P16
DI Gregory Lestrade Dr. John Watson Molly Hooper Mrs. Hudson Mycroft Holmes Sherlock Holmes
01.07.2012
26.03.2020
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Hallo, Ihr Lieben!


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Und noch ein Gruß aus dem allerblödesten* Zwangsurlaub, den man sich ausdenken kann!
Haltet die Ohren steif, Leute!

(Ich muss jetzt allerdings mal einkaufen gehen:
"We are out of milk!")

* Damit will ich nicht die Sinnhaftigkeit der aktuellen Maßnahmen anzweifeln!


15:00 am 26. 3. 2020, 251 Favos
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Zwischen drei Heuhaufen






„...verdammt!“ schimpfte ich leise – und rief sofort Mrs Hudson an.

„John?! Was ist passiert?! Ist was mit Sherlock?!“
„Erm, sorry, nein – tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe, aber... Sie haben vorhin so etwas gesagt...“
„Ich?“ kiekste sie verdutzt.
„Ja...“
„Und deshalb rufen Sie an?! Wissen Sie wie spät es ist?!“
„Ja, und ich bitte um Vergebung – aber womöglich ist es wichtig!“ erklärte ich demütig – obwohl ich insgeheim dachte: Sie ist doch sonst auch eher eine Nachteule – was stellt sie sich denn jetzt so an?
„Und WAS?“
„Wie kommen Sie darauf, dass es der Chauffeur war? Woher haben Sie das?“
Stille.
„Mrs Hudson?"
Ich konnte nicht abschätzen, ob sie jetzt eingeschnappt war; und natürlich wollte ich nicht riskieren, dass sie komplett dicht machte.
„Es tut mir wirklich leid, Sie zu stören, aber...bitte, sagen Sie mir, wo Sie das aufgeschnappt haben!“
„...das...hat Marie gesagt...“
„Mrs Turner? Und wie kommt sie dazu?“
„Ich weiß nicht...
Muss sie wohl irgendwo gelesen haben. Online...“
„Und wo? Wissen Sie wo?“
„Keine Ahnung? Vielleicht irgendein Klatschblatt? Sun oder so?“
„Hat sie dazu noch irgendwas gesagt? Wie er's gemacht hat? Und warum? Oder sonst irgendetwas?“
„Hm..., nein. Nein, nicht dass ich wüsste...“
„Na, gut, danke..., Danke, Mrs H – und sorry nochmal! Schlafen Sie gut, ja?“
„Wenn Sie mich nicht wieder anrufen!“ nörgelte sie.
„Nein, tut mir leid!“

Trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit hatte ich wohl keine andere Wahl, als Mrs Turner anzurufen. Leider ging sie nicht ran, auch auf dem Festnetz nicht.

„Verfluchter Mist!!!“ schimpfte ich.
Marléne gab einen kleinen entsetzten Laut von sich.
„Sorry...“
Was mich so ärgerte, war, dass ich jetzt wohl nicht darum herumkam, mich an die Chandlers zu wenden! Natürlich rief ich lieber Don als Ally an.

„Oh, John, Hallo!?“ meldete sich unser Nachbar verwundert, „Ist irgendwas los? Können wir helfen?“
Ihm war natürlich klar, dass ich weder aus persönlichem Interesse anrief, noch um mir erneut anzuhören, wie leid es ihnen täte...
„Naja – ihr wisst nicht zufällig, wo Mrs Turner steckt? Sie hat nämlich so eine Andeutung gegenüber Mrs Hudson gemacht – unseren Fall betreffend. Möglicherweise ist das wichtig...“
„Oh! Julia Stoner! Wirklich? – Du, da geb ich dir mal Ally,...“
„Nein, lass...!“ widersprach ich hastig.
„...der hat sich ausführlich mit der Materie beschäftigt...“
Letzteres hörte ich bloß noch aus der Ferne.

Bleibt mir denn nichts erspart...? fragte ich mich. Jetzt hätte ich gerne einfach aufgelegt!
„Johnny! Hallo, mein Lieber! Ich bin ja so wahnsinnig froh, dass du nicht mehr sauer bist! Das war wirklich sooo dumm von mir!“
„Ja – ich meine: Ist ja schon gut! Okay – du kannst uns vielleicht helfen: Es geht um den Tod von Julia Stoner...“
„Oh, ja, entsetzlich, nicht? Ein tolles Mädel! Die hatte wirklich Stil!“ klagte er, „und sie muss waaahnsinnig nett gewesen sein!“
„Äh, ja, nach allem, was man so hört... – also folgendes: Mrs Turner..., die ich leider nicht erreichen kann – muss da so eine Bemerkung gemacht haben, dass jetzt wohl der Chauffeur verdächtigt wird – weißt du da etwas?“
„Der Chauffeur?“ wunderte sich Allan. „Der hat sie doch am Vorabend noch gefahren – aber bloß auf dem Hinweg, nicht?“
„Ja, genau. Aber die Nacht über – in der Julia gestorben ist – war er ja da. Wenn wohl auch nicht im Haus, sondern in seinem Apartment über der Garage...“
„Jaja..., aber zum High Tea ist er ja noch im Haus gewesen – und vielleicht hat er sich nach seinem Dienst auch noch einen Happen holen können; es hat doch sicher noch massenhaft Reste gegeben. Man weiß doch, wie sowas ist! Und wenn er dann schonmal drin war...! – Ach, vielleicht ist er deshalb so schnell ersetzt worden!?“ platzte er heraus und begann dann zu spekulieren: „Oh, na das...! Ha: Er ist wahrscheinlich erwischt worden, wie er irgendwo rumschnüffelte, und Roylott hat gedacht, dass er klaut oder vielleicht intime Fotos knipsen will, die er an die Presse verscherbeln kann – dabei war es noch viel schlimmer!“  
„Interessante Theorie! Das klingt absolut schlüssig!“ schmeichelte ich ihm widerwillig.
„Und...stand dazu irgendwas im Web – irgendwas, was Mrs Turner gelesen haben könnte?“
„Hm..., keine Ahnung... Du, ich mach mich auf die Suche und ruf ich wieder an, okay?“
„Erm..., gut ja – und auch, wenn es sich um ganz neue Meldungen handeln sollte. Ich meine jetzt was, das so aktuell ist, dass Mrs Turner das nicht gemeint haben kann...“, bat ich unbehaglich.
„Ja, klar!“ versicherte Allan eifrig. „Dann noch viel Glück! Grüß deinen Sherlock von uns! Und passt aufeinander auf!“
Oh, nein...!
„Er ist nicht... –
Machen wir...“, brummte ich unwillig.
„Dann bis später!“

Angewidert beendete ich das Gespräch und dachte: Hätte ich das doch bloß gelassen! Wahrscheinlich bringt es sowieso nichts! Vielleicht hat Mrs Turner bloß irgendwelche Hypothesen aufgestellt?

„Und, Doc? Soll ich denn jetzt weiter Richtung Canary Wharf fahren? Oder doch lieber Box Hill...?“
„Wenn ich das wüsste...!“ brummte ich.
Tatsächlich dachte ich ernsthaft darüber nach, dem Yard einen Besuch abzustatten und sie dort einfach so lange zu löchern, bis jemand damit herausrückte, wo Sherlock gerade festgehalten wurde. Bloß weshalb hätte man mir das verraten sollen?
„Gibt es da nicht diese komische Theorie mit dem Esel, der angeblich verhungern würde, wenn er von zwei Heuballen genau gleich weit weg steht oder sowas? – Genauso ist das nämlich jetzt gerade mit Canary Wharf und Box Hill...“
Marléne begann zu kichern. „Buridans Esel! Also, was ist, Doktor? Sind Sie Buridans Esel?“
„Sie sind übermüdet, deshalb werden Sie so albern“, konterte ich finster.
„Ich finde ja, dass das völlig unrealistisch ist! Selbst wenn der Esel wirklich auf beiden Augen gleich gut sieht und wenn es windstill ist, so dass er die beiden Heuhaufen genau gleich gut riechen kann: Er würde einfach drauflos fressen: Erst den einen Ballen, dann den anderen. Einfach weil er eben NICHT nachdenken würde! Er hat Hunger zum Teufel!“ stellte Rover fest. „Also, das eine sag ich Ihnen: Zum jetzigen Zeitpunkt, werde ich Sie nicht mehr nachhause bringen, denn es kann gut sein, dass die Schweine Sie auch noch schnappen wollen, und dass die Ihnen deshalb dort auflauern, deshalb werd ich mich da jetzt bestimmt nicht blicken lassen!“
„Ja, schon gut, versteh ich...“, seufzte ich. „Übrigens, Marléne: Schweine ist ein gängiges Schimpfwort für Polizisten hierzulande; aber: Nicht nachmachen!“
„Schweine, ja, 'ab isch ge'ört in Filmen. En France sagen wir perdreau.“
„Und was wäre das normalerweise?“
„Ein junges 'uhn...ein Wild'uhn... Isch weiß nischt: Reb'uhn...?“
Jetzt musste ich doch lachen: Wieso, zur Hölle, sollen Polizisten denn Rebhühnchen sein?! Ich hätte drauf kommen können: Perdreau, Partridge; klingt ähnlich.

Also nicht zum Yard, dachte ich. Es wäre sicher nicht in Sherlocks Sinn, wenn ich auch noch verhaftet werde. Ich muss ihn machen lassen. Man wird ihm erlauben, einen Anwalt anzurufen und er würde es mir bestimmt übel nehmen, wenn ich Mycroft alarmiere. ...wenn es bloß nicht Samstagnacht wäre...!
„Werfen Sie doch eine Münze!“ empfahl mir Rover – immer noch auf dem Weg nach Süden.
Entweder die Polizei kümmert sich um Roylott – oder es gelingt ihm, jeden Verdacht zu zerstreuen. So oder so, käme ich wohl diese Nacht nicht an ihn heran. Aber in jedem Fall wird er vorläufig die Füße stillhalten. Es sei denn, dass seine nächste tödliche Falle bereits aufgebaut und scharf ist...
„Canary Wharf“, entschied ich. „Helen und Alex müssen ja irgendwann wieder nachhause kommen...Helen hat für übermorgen ein Meeting in ihrer Firma angesetzt und am Dienstag soll die Trauerfeier sein. Da gibt es bestimmt noch Vorbereitungen zu treffen...“, überlegte ich. „Und er hat wahrscheinlich auch zu tun...“
Noch während ich redete, vollführte unser Chauffeur ohne jegliche Vorwarnung einen U-Turn. In einen entsetzt-empörten Aufschrei von Marléne mischte sich das Hupen einiger anderer Verkehrsteilnehmer, die von dem plötzlichen Manöver sogar noch weitaus überraschter gewesen sein mussten.
„Rover?“
„Donkey? Erm, ich meine: Doktor?“
„Sehr witzig! Können Ihre Leute auch dafür sorgen, dass Alex Crown seine Verlobte nicht zu ihrem Stiefvater fahren kann?“
„Das lässt sich sicher machen.“
„Übrigens sagt man Buridan's ass nicht Buridan's donkey!“
„Tatsächlich?“ gab Rover übertrieben verwundert zurück. „Na, wenn das so ist, werde ich doch davon absehen, Sie Jack zu nennen, Doktor...“
„Jack? Wieso denn Jack? John ist doch nic't Jack?“ fragte Marléne verständnislos.
„Weil wir einen Eselhengst auch Jack nennen und eine Eselstute Jenny“, erklärte ich.
„Oh, das ist ja niedlic'!“ freute sie sich.
„Oder Jennet. Und ein weibliches Maultier ist eine Molly“, erklärte Rover gemütlich.
„Oh!“ machte Marléne überrascht und bedauernd.
„Das will ich nicht gehört haben!“ brummte ich.
„Mit Molly kann auch ein Molotow-Cocktail oder eine Party-Droge gemeint sein. Reines Ecstasy und –
und eine weibliche Katze...und noch eine ganze Menge mehr...!“
Ich hatte Rover einen warnenden Blick zugeworfen, was ihn dazu brachte, sich zurückzuhalten und lieber nicht mehr zu erwähnen, dass „Moll“ auch eine Prostituierte bezeichnen kann. Obendrein ist Molly in den Staaten ein altmodischer Ausdruck für ein Gangsterliebchen – was mir angesichts des Umstands, dass Moriarty mit ihr angebandelt hatte, ein etwas gruseliger Zufall zu sein schien.
„Molly, ist eine gängige Koseform von Mary“, versetzte ich. „mitunter auch noch von anderen Namen, die mit M anfangen, dann meistens Margret. – Und jetzt sagen Sie schon Bescheid! Gestern Abend hat Helen nämlich noch darauf bestanden, dass sie ihren Stiefvater zum Dinner besuchen – deshalb wäre es durchaus denkbar, dass sie vorhat, noch heute Nacht nach Box Hill zu wollen...“
„Wenn Sie mir noch sagen können, wie seine Karre aussieht...?“
„Dunkelblau mit einer chromfarbenen Motorhaube, ziemlich lange Schnauze...ich fürchte, ich hab das Kennzeichen nicht notiert...“
„Wäre auffällig genug, wenn nicht nachts alle Katzen grau, beziehungsweise alle dunklen Karren schwarz aussehen würden...!“
„Ja, sorry..., das war so nicht geplant...“
„Aber mit der Motorhaube wird’s gehen...“
Rover tippte wieder kurz auf sein Handy in der Halterung am Armaturenbrett und erklärte mein Anliegen.

...nein, das war so nicht geplant...wirklich nicht, ging es mir durch den Kopf.

...und wenn er das hat kommen sehen...? fragte auf einmal eine Stimme in meinem Kopf.

Ja, was?
Wäre ja nicht das erste Mal...

„Rover?
...hat er irgendetwas zu Ihnen gesagt? Irgendwas..., was Sie nicht einordnen konnten, vielleicht...? Kurz bevor er aus dem Wagen gestiegen und zu dem Haus in der Harley Street gegangen ist?“

„...hmmm...“

Ich wartete.

„...nein...
...das heißt...
Also, ich hab ihn...ein bisschen aufgezogen... so auf die Art: dass jetzt aber erstmal ER UNS mindestens zwei Gefallen schulden würde. Aber er hat nur die Schultern gezuckt und gemeint: Gibt noch so einige Leute, die mir was schuldig sind...

Jetzt wünschte ich mir ausnahmsweise, dass er mich mal wieder reingelegt hatte! Dass er wiedereinmal ein Ass im Ärmel hatte, einen geheimen Plan B. Besser wäre das, denn oft blieb es nicht bei einem einzigen Mord, wenn jemand erstmal damit angefangen hatte.

„Hat er Andeutungen gemacht, um wen es sich handelt?“
„Nein. Zumindest ist mir nichts aufgefallen...“

„Na gut...“


Rover machte das Radio an. Das gefiel mir zwar nicht sonderlich, aber er war der Fahrer und dafür verantwortlich, alles zu tun, um sich wachzuhalten und rechtzeitig von etwaigen Verkehrsbehinderungen zu erfahren.

Mein Nokia klingelte – es war Lancelot, Percys Neffe. Ich bedeutete Rover, das Radio leiser zu drehen.
„Wie sieht's aus?“ fragte ich.
„Also, mein Onkel ist soweit in Ordnung – mal davon abgesehen, dass er sich tierisch aufregt über das Ganze. Und natürlich wollte er sich auch nicht sagen lassen, dass er besser über Nacht im Krankenhaus bleiben soll – aber zumindest nicht zuhause weitertrinken soll. Naja, nach dem, was passiert ist, kann man sich doch bloß noch betrinken, oder? Also fürs Erste zumindest! Die angebrochene Flasche hat die Polizei sichergestellt. Aber ich weiß nicht... Ist vielleicht doch unsere und er hat seine wieder mitgenommen, weil ich dazugekommen bin?“
„Dann müsste er sie noch bei sich haben, sie mit nachhause nehmen...“, grübelte ich. „Wenn sie ihn anhalten und sowieso feststellen, dass er alkoholisiert am Straßenverkehr teilgenommen hat, werden sie ihn schon deshalb filzen wollen – und dann sollten sie den Gin ja finden...
Ach, erm, Lance? Haben Sie noch weiteren Vorrat?“
„Schon – aber nichts mehr von derselben Marke. Außerdem ist Roylott noch nie hier gewesen; dieses Versteck kann er nicht kennen – und da wäre er auch nicht unbemerkt rangekommen, in der kurzen Zeit.“
„Gut. Passen Sie auf Ihren Onkel auf – und wir sehen zu, dass wir – “
Mir kam auf einmal ein Gedanke.
„Doc?“
„Hören Sie, Lance..., denken Sie, Sie könnten Ihren Onkel dazu überreden, sich bei der Polizei zu melden und zu behaupten, dass er es war, der einen Privatdetektiv namens Sherlock Holmes beauftragt hat, den Tod seiner Verlobten zu untersuchen? Es geht dabei wirklich nicht um unsere Bezahlung, es ist nur...“ Ich zögerte.
„Ist Ihr Kollege in Schwierigkeiten?“
„Sie haben's erraten! Anscheinend wurde er geschnappt, als er nochmal in die Stadtwohnung der Schwestern wollte – dabei hatte er die Schlüssel dafür!“
„Hm..., ich frag ihn, okay? Allerdings ist er ziemlich angetrunken. Da weiß ich nicht, ob das wirklich Eindruck machen wird. Kann denn da nicht eher Julias Schwester was machen?“
„Das ist mir gerade durch den Kopf gegangen – ich fürchte nur, Helen ist weniger gut auf uns zu sprechen als Ihr Onkel...“
„Tja..., ich werd' es ihm vorschlagen, okay?“
„Mehr kann ich nicht verlangen...
Dann gute Nacht. Und melden Sie sich, falls es was Neues gibt – egal welche Uhrzeit.“
„Okay? Ich hoffe, Sie kriegen das Schwein bald – vielleicht kann Perce denn wenigstens...normal trauern...
Sofern man das überhaupt kann, wenn jemand so plötzlich und so früh...gehen muss...“
„Wie gesagt..., behalten Sie ihn im Auge – werden Sie ihn begleiten? Am Dienstag?“
Er gab ein ratloses Schnauben von sich. „Da bin ich ja eigentlich im Geschäft...
Mal sehen...
Dann...viel Glück!“
„Ja, danke. Bye.“


Nach einer Weile rief mich dann leider auch noch Ally zurück und berichtete bedauernd, dass er nichts über Verdächtigungen gegen den Chauffeur habe finden können. Es hätte aber wohl einige Tweets gegeben, die inzwischen wieder gelöscht worden seien, und die etwas mit Julia Stoner zu tun gehabt haben mussten.

Als wir endlich vor dem Haus ankamen, in dem Alex Crown seine Wohnung hatte, war es schon zehn nach elf. Die Garage war zu; sodass ich keine Ahnung hatte, ob dieser Rolls darin stand oder nicht.
„Na, dann geh ich mal nachsehen...“, meinte Rover.
„Stopp! Sie werden hier aber keine Schlösser knacken! Und keine Alarmanlage auslösen!“ rief ich – woraufhin er die Fahrertür hastig wieder zuhaute, sodass ich den Druck in den Ohren spürte.
„Ändert ja nichts...“, brummte ich, „zumindest haben sie kein Licht an...“
„Sollisch noc'mal anrufen?“  
„...wenn, dann eher an der Tür klingeln. Apber dazu sollten Sie Licht anhaben. Oder den Fernseher. So dass ihnen klar sein müsste, dass man das von der Straße aus sieht. Wieso sollten sie jetzt auf einmal rangehen...? – auf meine Mail haben sie noch nicht reagiert – bei Ihnen irgendwas?“
„Non...“, seufzte sie. Dann gab sie einen unwilligen Laut von sich und schimpfte: „Wenn Mr 'Olmes rescht 'at und etwas fehlt, isch müsste doc' wissen!!“ ärgerte sie sich.
„Ich im Grunde doch auch! Aber im Moment hilft uns das nicht weiter...“
„Wenn isch wüsste, isch könnte ein Taxi nac' Box'ill nehmen und Dr Roylott sorry sagen und dann vielleischt Montag 'Aus'älterin überreden, dassSie misch in Julias Wohnung lässt...“
„Könnte funktionieren – wäre aber zu riskant. Sie sollten nicht mit ihm alleine sein.“
„Ja, Sie 'aben rescht!“ stimmte sie mir schaudernd zu.

Ich hatte unterdessen immer mal ein Auge auf etwaige Taxis oder Pärchen, die zu Fuß unterwegs waren. Wenn Alex auch ein paar Gläser trinken wollte, dann hatte es sowieso nichts zu bedeuten, falls er den Wagen hatte stehen lassen.

Rover gähnte, rutschte tiefer in den Sitz und meinte: „Wecken Sie mich, falls ich wieder losfahren soll...“

Aber nach nichtmal zehn Minuten riss ihn sein eigenes Smartphone wieder aus seinem Nickerchen.

„Jaaa?“ gähnte er in sein Handy, „...hm...hm...ah. Ja, gut. ...keine Ahnung...hm.
Bye...
Also, sie haben ihn aufhalten können, bis Polizei in Sicht kam. Die haben ihn zwar nachhause begleitet und waren dann wohl auch noch eine Weile bei ihm drin, sind dann aber wieder abgezogen.“
„Hm..., aber was war dann mit dem Gin, frage ich mich“, grübelte ich.

Ist es denkbar, dass er so clever gewesen ist, diese halbe Flasche vergifteten Gin unterwegs irgendwo loszuwerden? fragte ich mich.
Hoffentlich hat er sie nicht einfach irgendwo abgestellt und irgendein Tippelbruder findet sie und bringt sich versehentlich damit um...!


„DA!!“
Marlénes Schrei ließ mich unwillkürlich zusammenzucken.
„Was?!“
„Da kommen sie!“ Sie deutete aufgeregt in die Nacht hinaus.
„Tatsache...! – Nein, warten Sie noch...! Handy und Radio aus! Runter! ...lassen wir sie noch näher kommen...!“
Wie es aussah, waren Helen und Alex noch in einem Tesco gewesen, denn er trug eine entsprechende Plastiktüte, und dann anschließend noch irgendwo auf einen Drink oder auch einen Imbiss und darüber hinaus einen Drink. Der Form nach hatten sie unter anderem zwei Flaschen eingekauft. Auch Helen hatte ein gutes Motiv, sich zu betrinken.

„Wir steigen gleichzeitig aus, sobald sie an uns vorbei sind“, zischte ich. „Verstanden? Auf drei!
...eins...
...zwei...
…...DREI!“

Ich riss die Tür auf und sprang nach draußen – Marléne war mindestens genauso flink, war aber eher hinausgeschlüpft, während Rovers Ausstieg zwar langsamer geriet – aber dafür bedrohlicher wirkte.
„N'Abend! Wir hatten gehofft, Sie hier zu treffen!“ sagte ich freundlich.
„Was soll das?! Ich rufe die Polizei!“ rief Alex und schob sich instinktiv vor seine Verlobte.
„Es spricht wirklich sehr für Sie, dass Sie Ihre Freundin beschützen wollen – aber wir sind es nicht, von denen die Gefahr ausgeht!“ Dabei hob ich beschwichtigend die Hände. „Ich möchte Sie nur bitten, dass Sie Ihre Mails checken – es ist wirklich wichtig!“
„...und...vielleischt wäre es möglisch...“, schaltete sich Marléne vorsichtig und etwas zerknirscht ein. „Bitte...“
Die beiden waren gerade widerwillig dabei, meiner Bitte nachzukommen – im kalten Schein des Handydisplays verzog sich Helens Gesicht und sie funkelte mich aus zu Schlitzen verengten Augen böse an: „Das ist absurd! Absurd, geschmacklos und grausam!“ fauchte sie.
„Ich weiß, wie das auf Sie wirken muss, aber ich versichere Ihnen, dass wir inzwischen beweisen können, dass die Präparate – ich meine die Kosmetika, die ihre Schwester benutzt hat, so manipuliert worden sind, dass sie davon diese Hautprobleme bekam! Und deshalb sind wir auch ziemlich sicher, dass es Ihr Stiefvater gewesen s- – “
„KEIN WORT MEHR!“ wetterte sie.
„Bitte, 'Elen! Isch war dabei! Monsieur 'Olmes 'at essogar selbstausprobiert und seine Arme se'en ganz fürschterlisch aus! Ischweiß esist schrecklisch...! – und kannstdu bitte  Polizei sagen, dassdu Sherlock 'Olmes engagiert 'ast? Dass er die Schlüssel von dir 'atte?“

Eisige Stille.

„Also gut! Wenn es wirklich sein muss, dann lasse ich dich in die Gästetoilette – aber danach gehst du! Alex – bitte warte hier und pass auf, dass die Herrschaften hier draußen bleiben und dass sie nicht abhauen, bevor mademoiselle zurück ist: Sie werden sie nämlich wieder mitnehmen, ist das klar?“
„Ischab Angst vor Dr Roylott! Und dassolltest du auc'! Er 'at auf Dr Watson geschossen!“
„Zu recht!“ giftete Helen und durchbohrte mich förmlich mit ihrem Blick. „Erst wolltet ihr alles Dean anhängen – aber das hat nicht geklappt! Dreist genug! Aber Daddy zu beschuldigen?! Das ist...ungeheuerlich!“
„Moment?! Wir hätten Ihren Chauffeur beschuldigt?!“ rief ich fassungslos.

Oops! Hätte ich vielleicht nicht sagen sollen – oder doch?

„Er hatte den Auftrag, herumzutelefonieren, und alle zu informieren, was passiert war – gleich Donnerstagvormittag. Aber als ich aus dem Krankenhaus zurückkam, stellten wir fest, dass er weg war! Hatte bloß eine Nachricht hinterlassen, dass er wegen einer dringenden Familienangelegenheit weg muss und es ihm leid täte, dass das ausgerechnet jetzt passiert. Ich weiß noch nicht, wie ihrs gemacht habt, ihr sauberen Herren Schnüffler!
Aber soviel ist ja wohl klar: Irgendwie wurde Dean weggelockt, damit wir einen neuen Chauffeur brauchen würden und sich Ihr Komplize bei uns einschleichen kann!“
„Aber...!“ ächzte ich hilflos, „wieso hätten wir so etwas tun sollen...?!“

Zugegeben, das war eine sehr, sehr dumme Frage, denn genau das muss es gewesen sein, was Sherlock getan hatte! Also riss ich das Ruder herum.

„Sherlock hat sich doch nur eingeschleust, um den Mörder Ihrer Schwester zu finden! Aus reinem Gerechtigkeitssinn und ohne jegliche Profitgier! Den WAHREN Mörder – keinen Sündenbock! ...und ich fürchte, dass es Ihr St- – “
„Halten Sie das MAUL!!!“ keifte sie.

Von oben kam ein Klappen: „Was ist das für ein Lärm?! Soll ich die Polizei rufen?!“ rief jemand herunter.
„„„„Nein!!!““““ riefen Helen, Marléne, Rover und ich gleichzeitig. Alex sah bloß verwirrt zu, dann fasste er sich aber:
„Also, Sie beiden werden sich jetzt auf jeden Fall in Ihr Auto setzen und schleunigst von hier verschwinden – Hel', was ist mit Marléne...?“
„Wenn sie nicht bei Dad bleiben will, weil sie sich von diesen Halunken hat bequatschen lassen, ist es mir egal, was aus ihr wird – undankbare Göre!“ und damit verschwand sie auch schon im Haus.
Alex warf der jungen Französin noch einen entschuldigenden Blick zu, dann folgte er seiner Verlobten.
„Das...lief suboptimal...“, stellte ich fest.
Aber falls es sich wirklich so verhielt, dass Dean Shepherd sich aus dem Staub gemacht hatte, weil ihm jemand vorgemacht hatte, dass man ihn wegen Mordes suchte, dann war Sherlock natürlich selbst schuld!
„Äh..., Doc, esiste mir ja unangenehm, aber...nun, isch...“
„Verstehe...in die Richtung muss es einen Laden geben, der noch geöffnet hat“, sagte ich.

Wir stiegen also ein und Rover machte sein Smartphone wieder an und stellte fest:
„Gibt eine Bar, die „The Gun“* heißt; ganz in der Nähe, machen um Mitternacht dicht. Nehmen wir dort ein Feierabendbier und machen dann Schluss.“


„The Gun“ hieß nicht umsonst so: Zumindest in dem einen Raum hingen so viele alte Gewehre knapp unter der Decke an den Wänden – dass ich es schon ungemütlich fand! Ansonsten war es eine großartig ausgestattete Bar. Nur dass ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt keinen Sinn mehr für solche Schönheiten hatte!
Es war sogar noch einiges los – obwohl man mich am Tresen gleich mit der Info empfing, dass sie gleich schließen würden. Freundlich versicherte ich, dass ich das wisse und orderte ein kleines Murphy's, ein Ginger Ale mit einem Schuss Whisky und eine Orangenlimonade, zahlte und machte mich dann mit den Getränken auf den Weg zu unserem Tisch. Marléne war noch nicht wieder zurück.
Ich überließ Rover das Bier und nippte an meinem beschwipsten Ginger Ale.

Was nun?

„Ich soll euch dann mitnehmen zum Trailer-Park...“, sagte Rover, als Marlene wieder zu uns gestoßen war und einen ordentlichen Zug von ihrer Limo genommen hatte.
„Ja, gut...“; brummte ich. „Ich muss zugeben, es wäre mir lieber, wenn Sie den Reste der Nacht in der Baker Street verbringen könnten, aber Sie jetzt noch dorthin zu fahren – außerdem könnte Helen auf die Idee kommen, die Polizei dorthin zu schicken...vielleicht sogar auch Ihretwegen...“, überlegte ich. „Ist natürlich sicher ziemlich weit weg von Sherlocks Zelle – wo auch immer sie ihn untergebracht haben...“
„Was für ein Trailer-Park?“ wollte Marlene wissen.
„Naja..., gar nicht weit weg von Roylotts Anwesen.“
„Un'eimlisch! Aber dasistes, wo wir als näschstes 'inmüssen, rischtisch?
Eh bien, je suis prête...!“ verkündete sie verschwörerisch.






*
https://www.thegundocklands.com/360-tour
...nun, zurzeit hat „The Gun“ natürlich auch zu – wie praktisch alles...
Und wenn ich John das nächste Mal Tube fahren lassen will, werde ich die Fahrtzeit raten müssen...


tbc

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Eure Nothing
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