In Feindes Hand

von Roxy-Roxy
GeschichteDrama / P16
Elladan Elrond Glorfindel Legolas OC (Own Character) Thranduil
01.07.2012
13.09.2019
30
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Story Notes:
Disclaimer: Alle Charaktere, Orte, Schauplätze etc. sind Eigentum der jeweiligen rechtmäßigen Besitzer. Die Originalcharaktere und Originalhandlung sind Eigentum des Autors. Der Autor ist in keiner Weise mit den Besitzern, Erschaffern oder Produzenten irgendeiner Medienkonzession verbunden. Vorsätzliche Verstöße gegen das Urheberrecht sind nicht beabsichtigt.

In meiner Geschichte gibt es ein weiteres Elbenreich im Norden von Mittelerde, die leider mit Düsterwald im Clinch liegen und dabei Dinge tun, die Elben normalerweise nicht tun - nämlich sich gegenseitig bekämpfen. Wer sich damit nicht abfinden kann, links oben ist der Home-Button, der bringt Euch zurück auf die Startseite. ;-)

Unzählige Jahre vor dem Ringkrieg


Das Gewitter stand direkt über ihnen. Blitze zerschnitten den Nachthimmel und tauchten die karge Ebene in ein geisterhaftes Blau. Für einen kurzen Augenblick sahen sich die Heere direkt gegenüberstehen. Hunderte hochgewachsene Elben, ehrenwerte Männer des Schönen Volkes, mit hohen Helmen und reich verzierten Bögen, welche sie gespannt im Anschlag hielten. Der Donner grollte über den Bergen. Der strömende Regen übertönte alle Geräusche und ließ die Szenerie noch unheimlicher erscheinen.  

Ein greller Blitz zuckte auf. Ein lauter Knall hallte durch den Regen, als er in die Erde einschlug. Der nachfolgende Donner erschütterte die Erde. Wie auf Kommando teilten sich die Reihen der vorderen Schützen und ließen den Blick frei auf eine schlanke Gestalt. Sie trug die schlichte Kleidung eines Kriegers und sein grüner Mantel war ebenso nass und schlammbespritzt, wie die seiner Männer. Nur das kräftige Blau seines Obergewandes, das mit den drei Eichen und Buchen des Düsterwaldes geschmückt war, deutete seine Königswürde an – das und die stolze Haltung und das mächtige Auftreten. Ohne Zögern ging er auf das feindlich Heer zu. Hinter ihm schlossen sich die engen Reihen seines Heeres. Die Pferde zerrten an ihren Zügeln, wehrten sich gegen die kräftigen Hände ihrer Reiter. Wie jedes Tier, wie jeder vernünftige Elb, wusste es, dass es in solch einer schlimmen Nacht nicht draußen sein sollte.

Ein Windstoß riss ihm seine Kapuze vom Kopf und entblößte seine goldblonden Haare, welche zusammengeflochten waren, ganz nach kriegerischer Tradition. Seine spitzen Ohren zeugten von seiner Abstammung, ein reinblütiger Elb, mit ungewöhnlich stechenden Augen. Schließlich blieb er stehen, keine vierzig Schritte von seinen Feinden entfernt. Der Wind blies den Regen gegen sein Gesicht und das Wasser lief an seiner Stirn und seinen Wangen hinab.  

Hochmütig sah er auf seine Gegner herab, ein mächtiger Blitz erhellte seine Züge und reflektierte sich in seinen blauen Augen.

„Forildón! Wo versteckt Ihr euch? Kommt herausgekrochen, feiger Kronprinz der Forodedhil! Oder gebt Ihr etwa auf?“, rief er, mit einer unleugbaren Autorität, die noch von einem sogleich folgenden, ohrenbetäubenden Donnerschlag unterstützt wurde.

Doch es geschah nichts, nur der Regen strömte dumpf auf den Boden trommelnd herab und verwandelte die Landschaft in einen matschigen Sumpf. Über ihm entluden sich Blitz und Donner mit brachialer Gewalt. Die Erde erzitterte und der Sturm legte weiter zu.  

Dann ritt einer durch die wohlgeordneten Reihen vorwärts, ein großer Mann. Das hellbraune Haar quoll unter seinem leichten Helm hervor und wehte in langen Flechten um sein ernstes Gesicht. In seiner Hand hielt er ein starkes Schwert. Seine Seiten wurden flankiert von zwei weiteren berittenen Kriegern. Sie galoppierten herbei, sich mit erstaunlicher Schnelligkeit und Geschicklichkeit gegen die Naturgewalten stemmend. Schlamm spritzte auf, als sie ihre Pferde in einem engen Kreis um den blonden Elben lenkten, rund um ihn herum und immer mehr nach innen drängend. Einer näherte sich, bis die Spitze seines Schwertes nur noch  wenige Zentimeter von der Brust des anderen Elben entfernt war.

„Ihr nennt mich feige, Kronprinz Legolas? Ihr, der sich doch sonst hinter den Reihen Eurer Männer versteckt und nun so ängstlich wie ein Menschenweib zu mir aufblickt?“, rief Forildón und drängte sein Pferd näher an den anderen Prinzen heran und zwang ihn so, einige Schritte zurückzuweichen.

Legolas würdigte die Schwertspitze, die an seiner Brust lag, keines Blickes. Er sah Forildón  geradewegs in die Augen, die Selbstzufriedenheit und einen kaum verhaltenen Triumph widerspiegelten, und berief Stimme und Benehmen ein, die er bei seinem Vater so verabscheut hatte. “Ja, ich nannte Euch einen feigen Kronprinzen. Und ich nenne Euch so erneut,  feiger Kronprinz der Forodedhil!   Warum würdet Ihr sonst beschützt von den Leibwächtern Eures Vaters mir gegenübertreten, außer aus Feigheit?“

„Seid vorsichtig mit dem was Ihr sagt, Legolas“, knurrte Forildón, denn diese gebieterische Herablassung machte ihn rasend und auch seine Wächter griffen wütend nach ihren Schwertern. “Seid sehr vorsichtig! Ihr befindet Euch nicht in der Position mich zu beleidigen!“

„Dann beweist mir, dass Ihr nicht ebenso ein feiger Hund seid wie Euer Vater!“, antwortete der blonde Elbenprinz und prompt wurde er von den beiden Leibwächtern angegriffen. Doch er hatte es vorausgesehen und sie bereits aus den Augenwinkeln anvisiert. Er griff nach seinen weißen Dolchen, wirbelte schlammaufspritzend herum, wehrte mit einer Klinge den kommenden Hieb ab und stach mit der anderen treffsicher zu. Unter dem zweiten Schlag tauchte er hindurch und rammte dem Leibwächter seine Waffe zwischen die Rückenwirbel. Er war schon tot, als er auf dem Boden aufschlug.

Für wenige Sekunden schien es totenstill zu sein. Die beiden Elbenprinzen sahen von den im Matsch liegenden Leichen auf, sich direkt in die ausdruckslosen Augen.

„Dafür werdet Ihr bezahlen“, zischte Forildón eisig. “Ihr werdet tot sein, ehe das Gewitter sich verzogen hat.“ Ein gewaltiger Blitz zerteilte den Himmel und der Regen peitschte mit neuer, anspornender Wucht auf sie nieder. Zugleich mit dem grollenden Donner trafen ihre Klingen aufeinander.

„A Eruchîn, ú-dano i faelas a hyn an uben tanatha le faelas!”, die Stimme eines Kriegers hallte durch den Sturm. ”Herio!”

Die Heere setzten sich in Bewegung. Die Elben stürmten aufeinander zu, für Tod und Glorie, für Königin und König. Doch weder Legolas noch Forildón beachteten sie. Sie waren vollständig darin versunken, einander mit ihren Waffen niederzuschmettern. Die Klingen klirrten. Ihre Gesichter waren hart. Sie schauten einander nicht in die Augen, oder auf die Klingen, sondern auf die Brust. Es war wie ein tödlicher Tanz von Stahl und Stolz.

Die beiden Elben bewegten sich, vor und zurück, jagten einander über die Länge der Ebene, die Klingen verfingen sich und wurden wieder losgerissen. Legolas’ helles Haar flog und verbarg teilweise sein Gesicht, Forildóns härtere Züge waren wutverzerrt. Sie schlugen  auf Arme und Beine ein, zielten auf ihre Kehlen und Herzen, um endlich einen Treffer zu landen, der ihren Widersacher lähmen würde. Immer wieder kreuzten sich ihre Klingen. Forildón wich wieder und wieder zurück, überließ dem Elben aus dem Düsterwald dadurch die überlegenere Situation, während er nur seine Klinge abwendete.

Legolas war unermüdlich. Er focht seinen Schwertkampf mit einer innewohnenden Grazie, seine Bewegungen waren geschmeidig, seine Kraft unvermindert. Doch auch Forildón schmetterte sein Schwert mit einem gespenstischen Reiz gegen die beiden Dolche von Legolas.

Um sie herum kämpften ihre Männer, das Gebrüll entfesselter Elben drang durch den Sturm. Schwerter klirrten, Bogensehnen sirrten, Schmerz und Tod lag kalt in der Luft. Blut vermischte sich mit dem Regen und sickerte in den Boden.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Einer der Leibwächter von Prinz Legolas ging tödlich getroffen zu Boden und gleich darauf ein zweiter. Eine Lücke in der Verteidigungskette tat sich auf, und die Forodedhil nutzten sofort ihre winzige Chance. Gleich ein halbes Dutzend Krieger drängten sich in die Rückendeckung des Prinzen. Nun von mehreren Seiten bedrängt, konnte sich Prinz Legolas sich kaum verteidigen. Verbissen kämpfte er gegen die Übermacht an, doch dabei wurde er geschickt von seiner eigenen Gefolgschaft abgedrängt.
Schließlich hatten sie ihn völlig umzingelt und stießen ihn grob zu Boden. Seine Dolche fielen in den Schlamm. Legolas schlug hart mit dem Kopf auf einen Stein auf und lag benommen auf der nassen Erde, Arme und Beine von sich gestreckt.

Forildón stieß mit dem Fuß Legolas’ Dolch aus seiner Reichweite und brachte dann seine Klingenspitze an die helle Haut. „Soll ich Euch die Kehle durchschneiden?”


Notes:
A Eruchîn, ú-dano i faelas a hyn an uben tanatha le faelas. -- Show them no mercy, for you shall receive none.' [lit. 'O Children-of-Eru, don't show the mercy to them, for nobody will-show you mercy.']
 
Herio! -- 'Charge!' (or 'Begin!')
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