Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schüler sind auch nur Menschen

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 Slash
30.06.2012
31.08.2014
29
105.059
262
Alle Kapitel
319 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
30.06.2012 3.113
 
Hallo ihr Lieben, ^-^
ich wünsche euch einen schönen Sonntag.
Ohne viel Umschweife wünsche ich euch viel Spaß beim neuen Kapitel.
Besonders allen Fans von Marcel und Pia wünsche ich viel Freude.


*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*


Immer noch grinsend, wie ein liebestrunkener Spinner, betrat Marcel dicht gefolgt von mir den Klassenraum. Jannick hatte sich in weiser Voraussicht bereits verzogen. Tja, clever ging die Welt zugrunde. Gespannt sah ich auf die Tische auf denen kleine Namensschilder standen. Unsere Lehrer hatten die Sitzordnung, für die Prüfung, durcheinander gewürfelt. Jeder saß nun an einem anderen Platz. Außer Mike. Dieser unerfreuliche Anblick würde uns zum Glück erspart bleiben. Er würde sein Abitur zusammen mit einer Parallelklasse im anderen Teil des Gebäudes schreiben, damit er bei meinem Anblick nicht auf dumme Gedanken kam. Apropos dumme Gedanken: Wieso zum Henker starrten mich alle so an, als wäre mir über Nacht ein drittes Auge gewachsen?! Achso! Stimmt ja, ich saß ja im Auto von „Herrn Sommer". Wunderbarer Einstieg. Außer mir würde sich wohl keiner aufs Abi konzentrieren können. Wo saß ich denn nun? Ah, hier ganz vorne. Wunderbar. So hatte ich den Blick der Aasgeier die ganze Zeit im Nacken. Bleib ruhig Benny, er hätte dich ebenso gut unterwegs aufgabeln können. Das muss nichts heißen. Isabelle mach den Mund zu verdammt! Ich blickte mich um, um zu erspähen an welchen Platz es meine beiden Freunde verschlagen hat, als ich unwillkürlich schlucken musste. Pia und Marcel saßen in der vorletzten Reihe direkt nebeneinander. Ironie lässt grüßen. Pia schien das genauso zusehen, denn sie war den Tränen nahe, während Marcel einen Arm um sie gelegt hatte und ihr die ganze Zeit sanft ins Ohr flüsterte. Als er dann auch noch ihre Hand nahm, brach der Sturm los. Ich hörte vereinzeltes Gewisper, ob denn nun alle verrückt geworden sein und insgeheim musste ich ihnen zustimmen. Es musste schon ein irrwitziger Tag für intolerante, selbstverliebte und nur aufs Äußere beschränkte Teenager sein. Zuerst wurde der Streber vom heißen Lehrer zur Schule gefahren und auf dem Vordersitz noch fast vernascht und dann nahm die deutsche Antwort auf Don Juan auch noch die Hand des Jahrgangsmoppels. Für Isabelle musste eine Welt zusammenbrechen. Eine kleine, zugegebener Maßen sehr beschränkte, aber immerhin eine Welt. Pfui Benny, bist du böse. Markus musste auf mich abfärben.
„So, meine Damen und Herren, nun wird es ernst." Wie auf Kommando verstummten alle Gespräche und Lästereien, als unser Klassenlehrer Herr Bäumler den Raum betrat. In seinen Händen hielt er einen großen braunen Umschlag, der sofort mein Herz in die Hose rutschen ließ. Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Ich würde sterben. Ich würde versagen! Ich würde kein Arzt werden! Ich würde als arbeitsloser Penner enden, der sich von seinem Freund finanzieren ließ! Ich fand das scheiß Traubenzucker nicht!
„Die Regeln wurden ihnen im Vorfeld bereits erläutert und da Benjamin gleich aus den Latschen fällt, bekommt er seine Deutschprüfung als erstes."
Ha, ha ... .

Es war gar nicht so schlimm, wie ich angenommen hatte. Es war eigentlich wie eine Klassenarbeit. Eine etwas längere Klassenarbeit, aber trotzdem nichts anderes. In Deutsch hatte ich ein gutes Thema im Bereich Lyrik, welches ich natürlich gleich ergriff und in Englisch konnte ich schon immer glänzen. Natürlich hatte ich dennoch ein miserables Gefühl, als ich mich dann endlich entschloss meine Englischprüfung abzugeben und nach Hause zu gehen. Aber das hatte ich bei Daniel ja auch gehabt und eh ich es richtig begreifen konnte, hatte ich seine Zunge in meinem Hals . Also konnte ich nach meinem Bauchgefühl nicht immer gehen.
Ich war einer der letzten, da ich die dumme Angewohnheit hatte alle Aufgaben noch einmal durchzugehen. So konnte man sich selbst noch eine Runde mehr verrückt machen. Hach Benny, bist du toll... .
Als mein Klassenlehrer die Blätterwirtschaft entgegen nahm, blickte er mir prüfend in die Augen, was mich auf der Stelle erröten ließ. Ich wusste, was er wissen wollte und ich konnte nicht verhindern bei dem Gedanken an mein Sommerchen immer noch die Farbe einer Tomate anzunehmen.
Herr Bäumler lächelte nachsichtig, bevor er mir zuraunte ich solle Daniel doch einen Gruß ausrichten. Gott, war das peinlich.
Beim Verlassen des Raumes warf ich einen Blick zu Marcel und Pia und staunte nicht schlecht, als ihre verschlungenen Hände immer noch auf dem Tisch lagen. Marcel war Rechts- und Pia Linkshänder, sodass sie problemlos die Hand des anderen halten konnten. Heute war wirklich ein schräger Tag... .

Als ich eine halbe Stunde später die Haustür aufschloss kam mir bereits ein fantastischer Geruch aus der Küche entgegen. Meine Mutter war anscheinend zu Hause, was sehr ungewöhnlich war.
„Mama?" Fragend hielt ich nach ihr Ausschau und musste auch nicht lange warten, dass sie freudestrahlend aus der Küche kam.
„Hallo Benny, mein Schatz. Wie liefen die ersten Prüfungen?"
„Ganz gut. Aber was machst du hier? Musst du nicht arbeiten?" Spielerisch knuffte sie mir in die Seite.
„Da du die letzten Tage nicht zu Hause aufgetaucht bist und ich dir nicht viel Glück wünschen konnte, habe ich mir heute freigenommen, sodass wir wenigstens zusammen essen können. Es gibt Lasagne." Na dazu sagte ich nicht nein.
Kurze Zeit später unterhielten wir uns über Gott und die Welt und ich hätte es mal wieder besser wissen müssen... .
„Wo warst du eigentlich die letzten Tage, Benny? Pias Eltern sind nicht so großzügig, dass du gleich mehrere Nächte hintereinander bei ihnen bleiben kannst und bei Marcels Familie hättest du es keine 48 Stunden ausgehalten. Also raus mit der Sprache."
Ich wusste, dass sie es wusste.
Aber sie hatte keinen Schimmer mit wem, was auch sehr gut war. Denn das sollte sie lieber schonend von uns Beiden erfahren. Ich senkte automatisch den Blick und überlegte fieberhaft, wie ich es ihr nun begreiflich machen konnte, ohne zu verraten wer mein Freund eigentlich war. Meine Mutter war leider auch so ein Monster, dass sie in aller Seelenruhe abwartete, bis ich beginnen würde. Also fasste ich mir ein Herz und ließ die Bombe platzen.
„Ich habe einen Freund." Prüfend linste ich nach oben und sah in ihr schmunzelndes Gesicht.
„Das konnte ich mir schon denken. Wie heißt er?"
„Daniel." Sommer. Ha, ha, ha... . Hilfe... .
„Nun schau doch nicht so verschüchtert. Ich freue mich sehr für dich! Endlich bringst du auch mal jemanden mit nach Hause." Mit nach Hause?!
„Du hast mich schon richtig verstanden. Ich möchte den Partner meines Sohnes auch kennen lernen. Zumal ich mir gut vorstellen kann, dass in den letzten Tagen mehr gelaufen ist, als nur Händchenhalten." Nun ging das wieder los.
„Aber wenigstens bist du wirklich nicht asexuell." Was habe ich gesagt?
„Woher kennt ihr euch?"
„Aus der Schule." Das war wenigstens nicht gelogen. Grundgütiger war die Lasagne schon immer so zäh und wollte nicht rutschen? Irgendwie hatte ich auch gerade keinen Hunger mehr.
„Oh, das ist aber schön. Ist das einer von denen, die dir gut gefallen haben."
„Es ist der, der mir am besten gefallen hat." Meine Mama strahlte nun und rutschte ein ganzes Stück zu mir näher. Ein Kreuzverhör in einem stickigen Raum mit einer Neonlampe im Gesicht hätte nicht schlimmer sein können.
„Oh, ich freu' mich so für dich, mein Schatz. Wie sieht er aus?"
„Er ist größer als ich, hat schokobraune Haare, hellblaue Augen und ist sehr sportlich."
„Na, das klingt doch sehr lecker. War er wenigstens... . Also - wie soll ich das jetzt sagen? - war er anständig zu dir?"
„Mama, ich werde nicht mit dir über Sex reden."
„Schon gut, schon gut. Ich wollte ja nur wissen, ob es schön für dich war. Immerhin war es ja eine bleibende Erfahrung für dich." Die Lasagne erblasste regelrecht neben mir.
„Es war anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber es war sehr, sehr schön."
Nachdem ich meiner Mutter noch eine Weile Rede und Antwort stehen musste und ihr versprach Daniel in den nächsten Tagen zum Essen mitzubringen, schnappte ich mein Fahrrad und flüchtete zu Pia. Noch eine halbe Stunde länger und ich wäre eingeknickt. Ich wusste, dass meine Mutter nicht begeistert sein würde, wenn sie erfuhr, dass mein Freund mein ehemaliger Lehrer war, mit welchem ich auf Klassenfahrt nackt unter der Dusche stand, der mir anschließend in meinem Zimmer das Küssen beigebracht hatte und zu dem ich mich in der Nacht schlich, um mich befriedigen zu lassen. Dann natürlich noch der Fast-Blowjob im Chemieraum. Das konnte ich nicht bringen. Ich würde mein Sommerchen heute Abend anrufen und ihm von der ungeahnten Entwicklung berichten. Dann konnten wir überlegen, ob wir einfach auswandern würden. Kanada sollte um diese Jahreszeit sehr schön sein.

Als ich bei Pia an der Haustür klingelte, öffnete mir ausnahmsweise mal Pias Vater. Irgendwie schienen alle Eltern heute zu Hause auf ihre Kinder zu lauern. Herr Dr. Strauß war ein ernster Mann und ein strenger Vater, sodass man in seiner Gegenwart automatisch den Kopf einzog und erst mal schlucken musste. Sein autoritäres Auftreten duldete keinen Widerspruch und seine Führungsqualitäten spiegelten sich in der ganzen Familie wieder. Er und Marcel würden bestimmt dicke Freunde werden. Wenn er Glück hatte, würde er bei ihm auf dem Seziertisch landen.
Schon als ich die Treppe zu Pias Zimmer emporstieg, konnte ich ihre liebste Schnulzenmusik vernehmen. Oh, oh, da war aber jemand richtig down und ich sollte Recht behalten, als ich meine beste Freundin heulend in ihrem Berg aus Kissen vorfand.
„Pia? Was ist denn los?" Besorgt ließ ich mich neben ihr auf den Haufen fallen und nahm sie augenblicklich in den Arm.
„Es ist wegen Marcel! Ich bin so durcheinander und gleichzeitig so wütend auf ihn! Ich konnte mich fast nicht mal richtig aufs Abi konzentrieren. Ich sag dir, dass hat er mit Absicht gemacht!" Ich hatte ihm ja noch gesagt, dass er es erst nach Prüfungen machen sollte, aber nööö.
„Was hat er dir denn vorhin noch ins Ohr geflüstert?"
„Er meinte, dass er mich sehr schätzen würde und sehr gern hätte und dass ich mir keinen Kopf machen sollte. Er würde alles schon wieder gerade biegen. Ich solle mich beruhigen und auf die Prüfungen konzentrieren. Dann hat er meine Hand genommen und nicht mehr losgelassen. Nachdem du weg warst, hat er so lange draußen auf mich gewartet, bis ich auch abgegeben hatte und dann hat der Holzkopf mich doch allen Ernstes nach einem Date gefragt! Denkt der ich bin so blöd und falle drauf rein? Ich weiß nicht, was er vorhat, aber ich lasse mir von ihm nicht das Herz brechen." Der Lockenkopf schluchzte heftig. „Oh Benny, er sah so gut aus und er hat so toll gerochen." Was? In ihrem Kopf war ja noch größeres Chaos als in meinem.
„Wenn er dir gefällt, dann gib ihm doch eine Chance. Vielleicht hat er wirklich Gefühle für dich? Er hat dich schon immer anders behandelt als die anderen Mädchen. Es heißt ja auch, was sie liebt das neckt sich."
„Oh Benny, nicht das Wort mit „L" bei Marcel, bitte.", ich musste unweigerlich grinsen, als ich einen Flashback bekam.
„Was soll ich nur tun? Vielleicht redet er nun auch nicht mehr mit mir? Ich habe ihm auf dem Flur noch ein paar italienische Flüche an den Kopf geklatscht und habe ihn anschließend mit meinem Block beworfen." Oh, oh ... .
„Und was hat er daraufhin gemacht?" Ich traute mich ja fast gar nicht zu fragen.
„Keine Ahnung. Er hat irgendwas auf italienisch gesäuselt und ich bin dann abgehauen."
Wenigstens hat er sie nicht in die nächste Ecke gezogen, um ihr seinen Schwengel zu zeigen. Bei dem Schwarzhaarigen wusste man ja nie. Da folgte ja eine dumme Aktion der nächsten... .
Was war das für ein Lärm da draußen? Das klang so, als würde ein Auto im falschen Gang mit hundertachtzig Sachen die Einfahrt von Pias Haus hochjagen. Dazu ertönte eine furchtbare italienische Musik. Das war jetzt hoffentlich nicht das, was ich dachte.
Ich konnte den gleichen Horror in den Augen von Pia sehen wie in meinen eigenen.
Aber es sollte noch schlimmer kommen.
„Pia? PIA! PIA HÖRST DU MICH?" Die ganze Straße hörte dich, Marcel.
„Gino, mach mal die Musik etwas leiser. PIA! PIA, ICH HABE BLUMEN FÜR DICH MITGEBRACHT! IST SOGAR FAIR TRADE! ICH HABE MICH AUCH BEIM WWF PER SMS ANGEMELDET! ICH SPENDE JETZT JEDEN MONAT FÜNF EURO UND RETTE DEN TIGER! WIR KÖNNEN IHN AUCH ZUSAMMEN RETTEN, WENN DU WILLST! Gino, hör auf zu lachen, du Arschgesicht! PIA? PIA, BITTE KOMM ANS FENSTER! WIR KÖNNEN AUCH DEN PANDA RETTEN, WENN DU DEN TIGER NICHT MAGST! ICH MÖCHTE NUR, DASS DU MIT MIR AUSGEHST MEHR NICHT! ICH SCHWÖRE DIR, ICH MÖCHTE NICHT NUR SEX VON DIR! ... ... ... Habe ich das gerade gesagt?" Ich habe mich noch nie so fremdgeschämt, wie in diesem Augenblick. Pia war vor Schock ganz steif. Aber anscheinend fühlte sich Pias Bruder dazu berufen die Liebesbekundungen meines besten Freundes zu beantworten.
„HEY, DU! JA, GENAU DU MIT DEN MUSKELN! WENN DU SEX VON MEINER SCHWESTER WILLST, MUSST DU UNTEN ERSTMAL DIE SPINNWEBEN WEGWISCHEN UND BRING EINE HECKENSCHERE MIT!" Es ging doch nichts über familiäre Bande.
„Oh Gott, Benny, was soll ich nur machen?" Hilflos zuckte ich mit den Schultern. Auch ich war etwas überfragt. In die Aktion war ich nicht eingeweiht. Ich hörte die stampfenden Schritte von Herrn Dr. Strauß auf dem Flur. Marcel, lauf um dein Leben. Pias Tür flog auf.
„Pia! Kannst du mir erklären, was das da draußen zu bedeuten hat? Wenn das Ding da draußen nicht innerhalb von fünf Minuten von meinem Grundstück verschwunden ist, rufe ich die Polizei." Panisch sahen der Lockenkopf und ich uns an. Im Knast sollte Marcel nun nicht landen. Nun kam Leben in unseren Öko. Mit 180 Sachen waren wir Beide am Fenster und blickten in den üppigen Vorgarten. Oder zumindest was davon übrig war. Gino hatte seinen Golf mitten auf dem Rasen geparkt und eine dunkelbraune Bremsspur in das sonst so saftige Grün gebrannt. Die Fuchsien von Pias Mutter hatten auch dran glauben müssen. In besagtem Golf hockte breit grinsend der Bruder von Marcel, der soeben einen Zigarettenstummel aus dem Fenster in den Fischteich schmiss. Mein bester Freund stand direkt unter Pias Fenster und hatte den wohl bunt gewürfelsten Rosenstrauß in der Hand, den ich je gesehen habe. Ein Anblick zum erblinden.
„Marcel! Marcel, verschwinde! Mein Vater ist da! Bist du wahnsinnig?!"
„Ja! Nach dir!" Pias Bruder ein Zimmer weiter gab Würgegeräusche von sich.
„Pia, ich werde nicht eher gehen, bis du mir ein Date versprichst."
„PIA!" Dr. Strauß war kurz vorm ausrasten.
„Marcel! Bitte geh! Ich gehe mit dir aus, aber nun verschwinde! Schnell!" Der Schwarzhaarige grinste wie ein verliebter Gockel, während Gino das italienische Liebeslied nun auf volle Lautstärke drehte. Die Protestschreie der Nachbarn gingen nur noch in dem Gekeife von Pias Vater unter, welcher mit seinem Golfschläger bewaffnet aus der Haustür rannte. Eilig sprang mein bester Freund in den Golf von Gino, welcher auch sofort quietschend Gas gab und den Marmorbrunnen der Familie Strauß köpfte. Am Tor machte das italienische Gespann dann noch mal kurz halt, um den Blumenstrauße ganz romantisch in den Briefkasten zu stopfen. Während die bunten Blütenblätter zu Boden segelten, Pias Vater mit dem Golfschläger dem Auto hinterherjagte und man das italienische Liebeslied noch fünf Straßen weiter hören konnte, wurde mir klar, dass Marcel nun endgültig den Verstand verloren hatte.

Als Herr Dr. Strauß mich nach diesem Auftritt des Italieners bat doch bitte zu gehen, ließ ich mir das natürlich nicht zweimal sagen. Dass Pia nicht in Ohnmacht gefallen war, war grad' alles und auch ich musste gestehen, dass mir bei soviel Dummheit kurz schwarz vor Augen geworden war. Dachte der Junge kein bisschen nach? Er konnte doch nicht bei einer Doktorenfamilie, in der dritten Generation, auftauchen und wie so ein wilder Elefant den Garten umnieten und durch die Gegend schreien, dass er nicht nur Sex von ihr wollen würde.
Anschließend hatte mir der Vogel auch noch eine SMS geschrieben und mich gefragt, ob Pia die Rosen denn gefallen hätten. Ich wollte heulen. Jetzt auf der Stelle. Aber stattdessen nahm ich nun meine Sachen und ging zum Fußballtraining. Das würde mich vielleicht ein wenig ablenken. Morgen würden wir Mathe und Geschichte schreiben. Sofern wir uns konzentrieren und gegen Marcel kein Haftbefehl ausgestellt werden würde.
Am Abend ließ ich mich vollkommen erledigt auf mein Bett fallen. Marcel hatte das Fußballtraining geschwänzt, was unser Trainer ja nun gar nicht verstehen wollte. Ich konnte ihm ja schlecht sagen, dass der Italiener mit seinem Bruder wahrscheinlich kurz vor der Grenze war, um das Land zu verlassen. Noch einmal tief durchatmend ergriff ich mein Smartphone und wählte die Nummer meines Sommerchens. Daniels Stimme war warm und verlieh mir das Gefühl absoluter Ruhe. Aber dennoch bekam ich jedes Mal aufs neue Herzklopfen, so als ob es das erste Mal wäre. Ich erzählte ihm von meinen Prüfungen und von dem Überfall meiner Mutter. Er stimmte einem Treffen sofort zu und bot an uns Beide am Wochenende zum Essen einzuladen.
Ganz der Gentleman. Aber so wie ich meine Mutter kannte, würde sie selber für uns alle kochen wollen. Denn wenn er erst mal in ihren Fängen in unserem Haus war, würde es kein Entkommen mehr geben. Dafür kannte ich sie einfach zu gut. Aber hatte er denn keine Bedenken? Er war zehn Jahre älter, fast elf ,und ich konnte mir denken, dass diese Tatsache von meiner Mama nicht gerade mit Handkuss begrüßt werden würde. Zumal sie keinen Schimmer hatte, dass es mein ehemaliger Lehrer war, der ihren Sohn entjungfert hatte. Irgendwie hielt ich das Treffen für eine ganz blöde Idee.
„Benny, irgendwann musst du es deiner Mutter sagen. Sie hat ein Recht darauf es zu wissen. Und auch wenn sie es nicht gutheißen wird, kann sie dir keine Vorschriften diesbezüglich mehr machen. Du bist achtzehn, mein Schatz. Außerdem: Vielleicht wird sie mich ja lieben? Ich bin der Traum aller Schwiegermütter." Ich musste schmunzeln, als ich die Ironie aus seiner Stimme herausfiltern konnte. Ich seufzte schwer.
„Benny?"
„Ja?"
„Was ist noch passiert? Ich merke dir an, dass dich etwas bedrückt." Ich haderte einen Moment mir selbst, bevor ich ihm von den Ereignissen vor Pias Haus erzählte. Das herzhafte Lachen am anderen Ende war ansteckend und befreit konnte auch ich endlich über den Knallkopf von Italiener lachen.
Mein Vater hatte damals Recht gehabt. Das achtzehnte Lebensjahr war wirklich das Beste in deinem ganzen Leben. Aber dennoch würde ich nicht drum herum kommen, nachher noch einmal kurz mit dem Schwarzhaarigen zu reden.


*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*/*


So, meine lieben Leser. :)
Ich hoffe ihr hattet genauso viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben. :D
Ich wünsche euch noch einen schönen Sonntag und würde mich über ein paar Reviews riesig freuen.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast