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... Und ganz plötzlich ist alles anders.

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P16 / Gen
29.06.2012
07.08.2012
4
5.360
 
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29.06.2012 1.328
 
Mein Name ist Shelly. Ich bin 15 Jahre alt und hab schon so viel in meinem Leben gesehen und erlebt.
Mein Leben ist wie eine ewige Spirale voller Schmerzen, die kein Ende nehmen wollen. Schmerzen, Leid und Kummer. Sie begleiten mich schon seit ich ein kleines Kind bin. Ich möchte mich befreien, möchte die Spirale, den Fluch, der auf mir lastet, durchtrennen. Ich möchte mich erlösen und endlich frei und glücklich sein. Doch es geht nicht.
Es wurde in meinem Leben so vorherbestimmt, dass mir all diese schrecklicken Dinge passieren, stand schon fest. Und ich kann mein Schicksal nicht ändern. Ich kann nicht davonrennen und ein neues Leben beginnen. Ich kann mich von den Schmerzen und dem Kummer nicht erlösen.

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Vorwort

Diese Geschichte wird aus der Sicht von Shelly erzählt,  die zurzeit bereits 15 Jahre alt ist und auf ihre Vergangenheit zurückblickt. Für mich hat diese Geschichte eine sehr tiefe Bedeutung, denn auch wenn sie am Anfang etwas langweilig und eintönig ist, wird es in den späteren Kapiteln nicht mehr so sein. Im Vordergund sollte eigentlich nicht der Tod ihrer krebskranken Mutter liegen, sondern etwas viel Wichtigeres, was später dazu kommt. Die Geschichte ist zwar komplett erfunden, doch ich wollte damit nur ein Thema ansprechen, das mich sehr berührt. Was es ist, werdet bald in den folgenden Kapiteln erfahren.
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Wie alles begann ...
(Bemerkung: Shelly ist noch 11 Jahre alt.)

Ich nehme die Schlüssel in die Hand und versuche den richtigen zu finden um unsere Haustür zu öffnen. Seit meine Mutter krank ist, hab ich es mir abgewöhnt, zu klingeln. Die Schlüssel rascheln in meiner Hand und ich spüre, wie sich langsam ein Kloß in meinem Hals bildet. Es ist merkwürdig, weil es jeden Tag dasselbe ist. Ich gehe in die Schule und bin ein glückliches Mädchen, lache mit meinen Freundinnen und habe Spaß. Für einige Momente bin ich ein normales 11 Jähriges Kind. Ich fühle mich gut und vergesse sogar den Kummer, der auf mir lastet. Doch sobald die Schule aus ist und ich langsam meinem Zuhause näher komme, erinnere ich mich daran, dass in meinem Leben nichts mehr so normal ist, wie es einmal war. Denn hinter den Türen unserer Wohnung befindet sich meine schwerkranke Mutter. Sie hat Brustkrebs und das leider schon seit einigen Jahren. Dementsprechend ist ihre Krankheit auch sehr fortgeschritten. Man kann jeden Tag miterleben, wie der Krebs langsam Besitz von ihrem Körper ergreift. Sie kann kaum noch auf die Straße, weil sie nicht in der Lage ist, aufrecht zu stehen. Durch die Chemotherapie sieht man nur noch einen kleinen Flaum auf ihrem Kopf, dort, wo mal ihre wunderschönen, langen Haare waren. Ihre Haut ist blass und krank und ihre Augen sind nahezu immer müde und leer. Es fällt mir sehr schwer, diesen Anblick jeden Tag zu ertragen, weil ich Angst habe. Ich habe Angst davor, sie irgendwann zu verlieren.
Genau in dem Moment, wo ich gerade den richtigen Schlüssen für unsere Haustür gefunden habe, höre ich ein lautes Poltern.
Schnell drehe ich den Schlss auf und stürme ins Wohnzimmer.
"Mama? Wo bist du, mama?", frage ich mit Panik in der Stimme.
Ich höre ein schmerzerfülltes Stöhnen und renne in die Küche, um dort nachzusehen. Und dort entdecke ich sie. Sie liegt auf dem Boden und versucht, selbstständig aufzustehen. Schnell eile ich zu ihr herbei und unterstütze sie.
"Was ist passiert, mama? Wieso liegst du auf dem Boden?"
"Weißt du, Shelly. Ich wollte in die Küche, um dir etwas zum Essen zu machen. Dann bin ich hingefallen, aber keine Sorge, es geht mir gut."
Sie sagt immer dasselbe. Immer wieder versucht sie mir klarzumachen, dass es ihr gut geht, doch wir beide waren uns ihrem Zustand bewusst.
Doch mich wundert mehr, dass sie mir etwas zum Essen bereiten wollte.
"Mama, wie kommst du jetzt plötzlich darauf, mir etwas zum Essen bereiten zu müssen. Ich komme mit der Tiefkühlpizza wirklich zurecht, das machen wir doch schon seit Jahren so. Du weißt, mama, wir haben abgesprochen, dass du dich nicht überanstrengst.", sage ich und muss gegen die Tränen ankämpfen. Meine Mutter denkt schon seit sie die Krankheit hat, dass sie keine gute Mutter ist. Sie versucht immer alles, um so zu sein wie die anderen Mütter auch, doch ihre körperliche Kraft reicht dafür leider nicht aus.
"Egal was passiert, du wirst immer die beste Mutter auf der Welt bleiben, das weißt du doch. Mama, ich liebe dich wirklich sehr und für mich musst du dich nicht überanstrengen.", sage ich und spüre, wie eine Träne meine Wange hinunterfließt. Sie wischt mir die Träne weg und drückt mir einen Kuss auf die Stirn.
"Ich liebe dich auch Shelly, vergiss das nie. Sogar wenn ich nicht mehr da bin, werde ich immer in deinem Herzen sein. Wenn es dir schlecht geht, musst du nur an mich denken, ich werde dir Kraft geben, dich beobachten und stolz auf dich sein. Versprich mir nur, dass du nie aufgeben wirst."

Kurze Zeit später nehmen wir uns vor, richtig feiern zu gehen. Ich besorge meiner Mutter Gehstöcke und gemeinsam gehen wir in die Stadt und amüsieren uns. Viele Leute gucken uns an und starren vorallem auf den kahlen Kopf meiner Mutter, doch eigentlich stört mich das nicht besonders. Meine Mutter allerdings schon.
"Shelly, ich fühle mich total unwohl, alle Leute gucken so merkwürdig."
"Mama, ist doch nicht schlimm, was sie Leute von uns denken, hauptsache wir haben unseren Spaß."
Meine Mutter nickt und wir führen unseren Weg fort. Auch wenn sie sich zu einem Lächeln zwingt, spüre ich, dass die Sache sie noch immer fertig macht. Doch wie jedes Mal, möchte sie ihre Trauer vor mir verbergen, um mich nicht ebenfalls traurig zu machen. Aber sie vergisst, dass auch wenn ich noch ein Kind bin, ziemlich reif bin und Dinge merke, die ich nicht bemerken sollte.
Als wir plötzlich an einem Frisörladen vorbeigehen, kommt mir eine ungblaubliche Idee in den Sinn.
"Mama, wie wärs, wenn wir uns heute mal von all unseren Problemen lösen? Schau mal, da kann man Perücken kaufen. Lass uns eine Perücke für dich kaufen und schöne Kleider. Dann gehen wir in einem schicken Restaurant essen und amüsieren uns. Was meinst du?"

Kurze Zeit später hat meine Mutter tatsächlich Haare auf dem Kopf. Voller Freude gehen wir und schicke Kleider kaufen, lachen und haben Spaß. Als meine Mutter mit einem dunkelblauen, wunderschönen Kleid die Garderobe verlässt, fällt mir auf, wie schön sie ist. Das Kleid steht ihr perfekt und mit Haaren kommt ihr Gesicht noch mehr zur Geltung. Sie trägt ein dezentes Make- up und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, dass sie eine gesunde, wunderschöne Frau ist.
"Mama, du siehst wunderschön aus."
Sie lächelt mich an, betrachtet sich im Spiegel und ich sehe den hoffnunsvollen Glanz in ihren Augen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal so glücklich aussah, geschweige denn gelächelt hatte. Ein Lächeln, das wirklich aus dem Herzen kam.
"Komm, Shelly, jetzt suchen wir etwas Passendes für dich aus."

Einige Zeit später verlassen wir das Geschäft, vollbepackt mit neuen Klamotten und Schuhen und unsere Gesichter strahlen. Das Einzige, was mich noch an ihre Krankheit erinnert, sind ihre Gehstöcke, doch in diesem Moment war ich so glücklich, dass mich das gar nicht stört.
Wir gehen in einem schicken Restaurant essen, reden und lachen. Ich erzähle ihr von meinen Freundinnen und wie es in der Schule läuft.

Das war ein unvergesslicher Abend, weil wir nach all den Jahren Kummer und Leid alles vergessen konnten.

Noch in derselben Nacht starb meine Mutter. Sie lag auf dem Bett, wieder mit ihrem alten, kranken Aussehen und hörte plötzlich auf zu atmen. Sie starb ganz friedlich und ruhig und ließ mich in dieser großen Welt alleine zurück. Auf der Kommode lag ihre Perücke, in meinen Gedanken waren ihre zarten Worte und Stimme und in meinen Erinnerungen der Glanz in ihren wunderschönen Augen.
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