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Pokerface (Folge 4)

von lizzy1813
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Eva Mayerhofer Jan Brenner Klaus Frings Kriminaldirektor Ritter Leonie Bongartz
28.06.2012
12.09.2012
4
4.283
 
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29 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
28.06.2012 1.839
 
Liebe Leser!

Ich weiß, es ist wieder wahnsinnig spät geworden mit dem nächsten Kapitel, und blad gehts auch mit dem Fall los, versprochen!
Bei mir gehts privat derzeit ziemlich turbolent zu, deshalb entschuldigt mein unregelmäßiges Schreiben. Und wie versprochen werde ich die Staffel zuende schreiben, das steht weit oben auf meiner To-Do-Liste! ;)


Und danke an alle fleißigen Reviewer für eure tollen feedbacks, es ist schön eure Meinungen zu lesen! ;)



Liebe Grüße ;)

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“Jan, jetzt konzentrier dich endlich!”, nörgelte Mia ungeduldig an ihrem Patienten herum. Dass Brenner in Gedanken immer woanders war, daran hatte sie sich gewöhnt - aber so extrem wie heute Vormittag war es noch nie gewesen.
Nahm er überhaupt ihre Anwesenheit war? Wütend kniff sie in sein Bein, jedoch zuckte er nur leicht zurück. Fast, als würde er den Schmerz kaum wahrnehmen, so beschäftigt war er mit sich selbst.



“Jaja”, murmelte er nur. Widerwillig machte er die Übungen mit, denn eigentlich war er kilometerweit weg. Was sollte er nur tun? Was würde Eva tun? Wusste Leo bereits was Sache war?


Hatte er das Richtige getan?


Jetzt gab es kein zurück mehr. Er schloss die Augen und versuchte die bitteren Gefühle herunterzuschlucken, doch ein übler Nachgeschmack blieb auf seiner Zunge kleben. Jetzt musste er seinen Plan durchziehen und hoffen, dass Eva am selben Strang mit ihm ziehen würde. Martin zu überzeugen war kein Problem gewesen, doch Eva würde ein Brocken werden.

Brenner sog tief die Luft in seine Lungen und versuchte sich zu beruhigen. Einen klaren Kopf brauchte er jetzt; nur keinen Fehler machen - vielleicht würde doch noch alles gut werden; wenn er bei seinem Plan blieb.


Dennoch hatte er Angst. Angst, in Evas Augen zu blicken. Was würde er dort wohl finden? Abscheu? Verachtung? Trauer? Enttäuschung?
Oder vielleicht ein kleiner Funken Erleichterung? Oder sogar ein Krümelchen Freude?





“Jan, du musst dich wirklich konzentrieren, sonst wird das nichts”, ermahnte Mia ihn und kniff erneut in seinen Unterschenkel.


“Au! Mensch, was soll das?!”, fluchte Brenner auf und rieb sich die schmerzende Stelle.


“Dich aus deiner Traumwelt zurückholen”, antwortete sie arglos, zwinkerte Brenner zu und fuhr mit den Übungen fort. Dieser seufzte auf und gab sich geschlagen; Mia hatte schon recht, er musste sich jetzt auf seine Genesung konzentrieren.
Sein Bein zitterte vor Erschöpfung als er es hob, krampfhaft biss er dabei die Zähne zusammen. Er musste durch, egal wie sehr es schmerzte.















Nervös folgte Eva Martin zum imposantem Klinikgebäude, das sich wie ein schneeweißer Riese vor ihr auftat. Sie wusste nicht wie sie reagieren sollte wenn Brenner nun vor ihr stehen würde - die ganze Fahrt über hatte sie sich darüber den Kopf zerbrochen. Und Martin mit eisernem Schweigen bestraft.

Die Schuldgefühle waren ihm sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben, und das sonst so fröhliche Gesicht legte sich in Sorgenfalten.


Leise schob sich die Glastür zur Seite und sie betraten das blanke Ungetüm, das so sehr nach Sterillium und Krankheit roch. Eine äußerst unangenehme Gegend, die Eva soweit es ging, mied.


Im Lift sah Martin Eva vorsichtig von der Seite an; sie schaute angestrengt die Fahrstuhltür an um ihn nicht anzusehen. Eigentlich schaute sie ins Leere, fokussierte keinen bestimmten Punkt.
Martin lief es kalt den Rücken hinunter - es war die bekannte Ruhe vor dem Sturm. Warum hatte er sich nur da reinziehen lassen?


Der Fahrstuhl hielt, und nach wenigen Metern standen sie vor einer weißen Tür.













Brenner horchte instinktiv auf als er Schritte hörte, die vor seinem Zimmer halt machten. Er hockte sich kerzengerade auf, woraufhin Mia verächtlich schnaubte. Dieser Jan war ja schlimmer als ein Kleinkind!


Seine Nackenhaare stellten sich auf, und seine Hände begannen zu schwitzen. Es war soweit.











Kurzerhand drückte Eva die Türklinke herunter und blieb vor Schreck bereits nach wenigen Schritten stehen.

Wer war dieser Mann? Das war nicht Brenner, der vor schlechtem Gewissen nicht wusste, wohin er sehen sollte.

Die Krankenschwester musterte sie neugierig, doch Martin gab ihr zu verstehen still zu sein.



Dieser Mann war nicht dieser unbeschwerte Sunnyboy von Chef. Er war so schwach, so blass; das Haar hing wirr übers Gesicht, verschämt strich er es zur Seite.
Das Krankenhaushemd war zerknittert vom vielen Liegen. Genauso geknickt wie sein Träger.
Er zitterte als er sich aufsetzte, man konnte geradezufühlen wie viel Kraft ihm diese simple Bewegung kostete.



Sie war geschockt. Das derzeit einzige kraftvolle an seiner Erscheinung waren seine Augen, in denen ein winziger Funke Überlebenswille war.
Und machte sich diese unbändige Wut in ihrem Magen breit. Sie boxte sie von innen, stieß schmerzhaft gegen Lunge und Herz - sogar ihre Augen begannen zu Tränen.




“Eva, ich - “, begann er zaghaft, stockte, und bekam keinen Ton mehr heraus.


Man konnte sehen wie sie mit den Tränen kämpfte. “Du Mistkerl!”, stieß atemlos aus.


“Ich weiß - “


“Gar nichts weißt du! Hast du eine Ahnung wie es Leo geht, wie es uns allen geht? - Wir dachten du wärst tot!!!!”
Tränen kullerten über ihr Gesicht als sie sich zu ihm ans Bett setzte und ihn wie einen verlorenen Sohn umarmte.
“Du tust uns allen so weh, was hast du dir dabei gedacht?! Wie hältst du das überhaupt aus, hier zu sein ohne uns etwas zu sagen? Leo ist am Boden zerstört, auch wenn sie es nie zugeben würde und tapfer weitermacht; wie kannst du ihr das antun, uns das antun?!?! Du weißt gar nicht wie sehr du uns gefehlt hast!!”


Und da war sie auch schon wieder verpufft; mit einem Mal war die ganze Luft draußen. Warum war sie noch mal wütend gewesen? Und warum hatte sie diese Stimmungsschwankungen, sie war doch sonst nicht so sentimental! Sie wollte Brenner richtig fertig machen, dass er so klein mit Hut und Stöckelschuhen war - aber sie konnte es nicht. Es ging einfach nicht.

Was war nur mit ihr los?






Brenner schluckte und tätschelte Evas Schulter während er sie umarmte. Und sie verstand Gott und die Welt nicht mehr. In Grund und Boden wollte sie ihn schimpfen, ihn persönlich an den Haaren nach Köln schleifen - aber sie konnte nicht.

Sie konnte es einfach nicht.

Sie war im Grunde einfach heilfroh dass ihrem Chef nichts passiert ist und er mit einem blauen Auge davongekommen war.
Dass diese Ungewissheit endlich ein Ende gefunden hat.





Schniefend wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht und versuchte Brenner vorwurfsvoll anzusehen. “Schön dass es dich noch gibt, du Vollidiot”


“Das finde ich auch”, bemerkte er trocken, und beide mussten sogar ein wenig kichern.






Martin atmete erleichtert auf. Die Bombe Eva ist wohl in letzter Sekunde noch entschärft worden. Die Erleichterung war wohl doch größer als die Wut gewesen.
Mia nickte Martin leise zu und huschte aus dem Zimmer - die Kollegen brauchten jetzt ein paar Minuten für sich, und Martin würde ihr ohnehin alles später erzählen.


Trotzdem kam sie nicht umhin einen letzten Blick auf Eva zu werfen. Das war sie also, Fuzzel-Eva. Schien ganz nett zu sein. Vielleicht würde sie es sogar schaffen ihren Kleinkind-Bruder ein wenig zu erziehen.







Eva schob Brenner ein Stück von sich und sah ihm in die Augen. “Warum?”, lautete ihre einzige Frage.

Doch dass war nicht das was Brenner nun beschäftigte - er hatte es bemerkt. Diesen einen Blick. Den er schon zu oft gesehen hatte.  Leider immer bei den Falschen.

Evas Blick war weich geworden, diese gewisse Härte, die sonst darin lag, war wie weggefegt. Zärtlichkeit hatte sich an deren Stelle breit gemacht, und sogar einen leichter Zug von Verträumtheit konnte er erkennen.
Ein kurzer Blick zu Martin - und die Sache war für ihn klar.


“Ne oder? Ihr habt miteinander, oder?”, rutschte er ihm ohne groß nachzudenken heraus, was Eva sofort zum Erröten brachte.

Und Martin verdrehte genervt die Augen. Nein, dieses private Thema wollte er jetzt nicht breittreten, doch es schien als sei es schon zu spät um noch einzugreifen.

“Ich glaubs nicht, jetzt wirklich?” Nur mit Mühe konnte er sich ein spöttisches Grinsen verkneifen.







“Brenner! Das ist jetzt nicht das Thema!!!”, keifte Eva ihn an und stand zutiefst empört auf.


“Meine Kollegen schlafen miteinander, natürlich geht mich das was an”, konterte er mit seinem schiefen Grinsen. “Dann weiß ich wenigstens was los ist wenn Mal angestunkene Stimmung im Büro herrscht”



“Brenner das geht dich wirklich nichts an” Fast schon beschützend legte Martin seine Arme um Eva, die peinlich berührt zum Fenster hinaussah. Bis jetzt hatte sie es immer geschafft berufliches und privates zu trennen; wie gesagt, bis jetzt.


“Schon gut, ich wollt euch nicht zu Nahe treten”, wich Brenner zurück, doch seine Mundwinkel blieben oben. Eva hatte es wohl richtig erwischt, wenn er ihr Verhalten richtig deutete. Was das Thema angeht, da konnte ihm keiner was vormachen.


Eva schloss kurz die Augen um sich zu konzentrieren. Wo waren sie gleich gewesen? Genau, bei der Frage warum.


“Was ist nun? Warum machst du das? Hast du auch nur eine Sekunde dabei an Leo gedacht?”


Seine Stimmung verfinsterte sich schlagartig. Evas Pfeil saß gut, mitten in die klaffende Wunde seines Herzens.

“Ich denke jede Sekunde an nichts anderes”


“Warum dann? Warum tust du ihr so weh? Du hättest dich längst melden sollen, kannst du dir vorstellen wie enttäuscht alle von dir sein werden? Es ist nicht fair von dir alle in Ungewissheit zu lassen, vor allem Leo. Es zerreißt mir jeden Tag das Herz sie so leiden zu sehen. Wie kannst du nur?”
Der Vorwurf war nicht zu überhören, leise, aber klar und deutlich lag er in ihrer Stimme.






Brenner schluckte. Sie würden es nicht verstehen. Keiner versteht ihn! Oder war er wirklich einfach nur egoistisch?
“Eva - es geht einfach nicht”
Himmel ,wie sollte er es nur erklären?!


“Warum?”


“Weil - weil - überleg mal; wenn ich es ihr jetzt sage, was würde dann passieren? Sie würde nächtelang hier im Krankenhaus kampieren, sich unnötig Sorgen wegen meinen Beinen machen…”


“Und stattdessen bangst sie um dein Leben”


“Argh! Ich weiß nicht wie es dir erklären soll ohne wie ein Vollidiot zu klingen” Brenner raufte sich die Haare und wusste nicht, wo er hinschauen sollte. “Ich will nicht dass Leo mich so sieht, als Schwächling - das ist so ein Bild dass ich ihr nicht antun möchte, dieser Anblick - schau mich doch mal an! Ich will nicht dass sie so eine Erinnerung bekommt. Außerdem ist Leo stark; sie schafft das, da bin ich mir sicher”




“Willst du es wirklich darauf ankommen lassen?”
Eva zweifelte an seiner Entscheidung, aber was sollte sie machen? Ihn überreden wollte sie nicht, aber ganz wohl war ihr dabei nicht. Es war nicht richtig, alles in ihr protestierte lauthals. Sie kannte Leos Zustand, ihren Arbeitsübereifer, ihre schlaflosen Nächte, ihr Kaffee-Ritual - ahnte Brenner überhaupt was er seiner Liebe antat?



“Leo ist stark”, wiederholte Brenner - ob er sich oder seine Kollegen überreden wollte konnte man jedoch nicht eindeutig erkennen. “Und außerdem bin ich bald wieder auf den Beinen. Wir schaffen das schon”




“Ich hoffe du weißt was du tust”, flüsterte Eva und umfasste Martins Hand.


“Das hoffe ich auch”, antwortete Brenner leise.



“Ich weiß jedenfalls was ich tue”, hauchte Martin in Evas Ohr und gab ihr einen kleinen Kuss. Im Gegensatz zu Brenner wusste er ganz genau was er tat. Und das es nie übers Herz bringen würde dieser Person derartige Schmerzen zuzufügen.
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