Edda Loka Laufeyjarsonar - Die Edda des Loki Laufeyjarson (Die neuen Götterlieder)

von Enari
KurzgeschichteAllgemein / P6
24.06.2012
13.04.2013
20
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Nummerierte Liste:
1. Loki
2. Heimdall/Higashiyama Kazumi
3. Yamino/Miðgarðsormr/die Midgardschlange
4. Mayura
5. Fenrir
6. Freya/Reiya
7. Freyr/Kaito Freyr
8. Thor/Narukami

Aufgabe 16: Nr. 5 (Fenrir) & 6 (Freya/Reiya) werden im Möbelhaus eingeschlossen. Nr. 6 hat ganz fürchterliche Angst vor dem Monster unterm Bett. Wie überleben sie bis zum Morgen?


Wiedergänger klatschen


„Ich hab’s gehört! Ich hab’s genau gehört, Fenrir-chan! Sie sind da, sie sind unter dem Bett!“ Vor Angst mit überkieksender Stimme quietschend versteckte das kleine Mädchen sich unter der Bettdecke und presste sich eng an die schwarze Wollkugel, die neben ihm lag und genervt die Augen verdrehte. Allerdings war der Wolf immerhin so freundlich, ihr beruhigend über die Wange zu lecken, und Reiya quetschte ihn so fest, dass ihm die Luft wegblieb. „Loookiii-kun, wo bist du?!“, jammerte sie leise und verzweifelt.

Fenrir seufzte, strampelte sich etwas frei und machte Anstalten, unter der Bettdecke herauszukriechen. Panisch packte das kleine Mädchen ihn und zerrte ihn zurück zu sich. „Nicht! Das Monster unter dem Bett wird dich holen kommen!“

„Reiya-chan, es gibt kein Monster unter dem Bett.“, versuchte er ihr geduldig verständlich zu machen – reichlich erfolglos, immerhin war er nach wie vor ein Hund. Beziehungsweise der Fenriswolf in Hundetarnung. Und Reiya war ein kleines Menschenmädchen.

Die Kommunikation gestaltete sich schwierig, solange Loki nicht als Übersetzer zwischen ihnen fungierte.

Erneut versuchte Fenrir, sich freizustrampeln. „Ich will doch nur Daddy suchen gehen! Er ist bestimmt noch hier, er würde mich doch nie allein zurücklassen!“

„Nicht gehen, Fenrir-chan!“ Reiya kreischte schrill, presste ihr Gesicht an sein Fell -

Im nächsten Moment strahlte helles Licht auf, Fenrir jaulte entsetzt und schoss in eine Ecke des Ausstellungszimmers davon, wo er in der untersten Etage von Regal BILLY zwischen KASSETT und SKUBB Deckung suchte und zitternd beobachtete, wie Freya sich mit wild funkelnden Augen umsah.

„Loki!“, rief sie mit ihrer klangvollen Stimme durch die leeren, dunklen Gänge, stampfte wütend auf. „Loki, du hinterhältiger Mistkerl! Wie kannst du es wagen, mich einfach in so einer Umgebung alleinzulassen?!“

Hochbett TROMSÖ, in dem sie sich eben noch gemeinsam versteckt hatten, bekam einen Tritt, dass einer der Bettpfosten mit leisem Knirschen der göttlichen Übermacht nachgab und das Bett sich in eine Schieflage bewegte.

Fenrir knurrte.

Unter dem Bett knurrte es ebenfalls. Verdutzt verstummte der Wolf. Freya erstarrte. Ihre Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen.

Es knurrte erneut, deutlich lauter und angriffslustiger. Langsam drehte die Göttin sich um, musterte das schiefstehende Bett. Ein Lächeln strahlte auf ihrem Gesicht auf. Unauffällig griff sie in den Bleistifthalter, der sich neben dem Ausstellungszimmer befand. Die Stifte klackerten.

„Hallo mein Kleiner!“, säuselte sie und ging in die Knie, dabei noch einige Papiermaßbänder abreißend. „Was machst du denn da unten, hm? Haben sie dich ausversehen aus Schweden hier eingeflogen, hmmm? Och du armes, armes Ding, komm zu Mama...“

Das nächste, was Fenrir sah, war ein riesengroßer Schatten, der mit schrillem Jaulen und blitzenden weißen Zähnen auf die Göttin zusprang, Arme gespickt mit überlangen Fingernägeln und Mordlust in den rotglühenden Augen.


„Sie müssen einfach hier drin sein, nun beeilen Sie sich doch!“

Loki war von Natur aus nicht besonders geduldig, aber wenn er seinen Sohn und Reiya/Freya gemeinsam in einem Möbelhaus wusste, war er noch ungeduldiger als sonst. Nicht, dass er glaubte, dass Reiya-chan seinem Jungen etwas getan haben würde, aber ihre andere Gestalt Freya...!

Naja, es möge genügen zu sagen, dass Freya – für eine Fruchtbarkeitsgöttin – erstaunlich viel Ähnlichkeit mit diversen Walküren aus Lokis Bekanntschaft aufwies.

Um nicht zu sagen, sie übertraf diese bisweilen, was ihr furienhaftes Verhalten anging.

Der Anblick, der sich ihm bot, sobald der verständnislose Wächter endlich die Tür aufgeschlossen hatte, bestätigte seine schlimmsten Befürchtungen. Der Mann schrie beinahe auf vor Schreck, als er die durcheinandergeworfenen Möbel, zerstörten Ausstellungsräume und das Chaos sah, das hier herrschte.

Loki dagegen rannte an ihm vorbei, Yamino im Schlepptau, und fing bereits an zu rufen. „Fenrir! Fenrir, mein Junge! Wo bist du?! Reiya-chan! Meldet euch!“

Die schwarze Wollkugel, die ihm entgegenschoss, brachte ihn fast zu Fall, aber der hinter ihm stehende POÄNG hielt diesen wirkungsvoll (und zudem sehr bequem!) auf.

„Nicht so laut, Daddy, nicht so laut, sonst wacht sie wieder auf!“, winselte der Fenriswolf verzweifelt und Loki sah sich hektisch um. „Das war Freya hier?!“

„Ja... und...“

„Loki-sama!“

Eilig sprang der Gott auf und eilte zu seinem anderen Sohn, der vor einer undefinierbaren dunklen Masse stand, die sich recht gleichmäßig über zwei bis drei ehemalige Ausstellungsräume verteilte und von kleinen Erdbrocken umgeben war. Mit etwas Phantasie konnte man noch erraten, dass sie einmal menschliche Formen gehabt haben mochte, auch wenn alles von einer zentimeterdicken Schlammschicht überzogen war. Es stank leicht nach Schwefel.

Entgeistert starrte Loki auf das Ding, dann zu Bett ODDA, dem einzigen Möbelstück, das in diesem Raum noch halbwegs heil war. Darauf, in Bettwäsche VANDRING UGGLA und an drei GOSIG RÅTTA in unterschiedlichen Farben gekuschelt, lag Reiya und schlief selig.

Lokis Blick wanderte zwischen dem Mädchen und dem toten Wesen hin und her, bis Yamino sich leise räusperte. „Loki-sama... was glauben Sie, ist hier passiert?“

Fenrir wimmerte leise und Loki drückte ihn beruhigend an sich, während er vorsichtig über das tote Ding stieg, um ans Bett zu gelangen. „Ich würde sagen, Freya ist heute Nacht einer typisch wikingerzeitlichen skandinavischen Beschäftigung nachgegangen.“

Yamino runzelte verwirrt die Stirn. „Die da wäre?“

Loki beugte sich über das Bett. „Wiedergänger klatschen.“

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Das soll keine Schleichwerbung für IKEA und auch kein Product Placement sein... das ist schlicht und ergreifend... tja... mein krankes Gehirn ;-)

Edit: Wiedergänger: beliebtes Motiv in Isländersagas, lebende Tote, die aus ihren Gräbern aufstehen und die Lebenden heimsuchen. Im Altisländischen meist als „draugr“ oder „haugbúi“ bezeichnet. Meist wird ihnen ein Ende gesetzt, indem ein Held auftaucht und sie nach Strich und Faden in ihre Einzelteile zerlegt - so wie Freya... allerdings wahrscheinlich nicht mit IKEA-Bleistiften.
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