Verlorene Seele

GeschichteDrama, Romanze / P16
OC (Own Character)
24.06.2012
20.06.2019
5
8.601
 
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04.02.2018 1.782
 
Hallöchen!
Die Geschichte ist schon steinalt, aber ich wagte es, sie einmal neu aufzulegen.
Ich fand dass 400 Wörter für einen Prolog echt zu wenig ist, also verlegte ich das erste und zweite Kapitel ein wenig zusammen. Inzwischen bin ich auch steinalt in diesem Jahr (2018) geworden.
Es wurde noch weiter ausgebaut. Neue Sätze. Hie und dort einige Wortwiederholungen ausgemerzt. Entschuldigt mich aber, wenn ich nicht alles perfekt machen konnte!
Ich bearbeite gerade sämtliche „abgebrochene“ Geschichten neu und so vieles fiel mir auf :)

Doch will ich euch nicht weiter auf die Folter spannen.
Genießt die Einführung!


Liebe Grüße,
  Hiji, das Ellbogen


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Ungestüm



Man male es sich aus, dass vor einigen Jahren der einstige Heldenkönig von Albion starb und der Thron an seinen ältesten Sohn Prinz Logan weiter gegeben wurde. Jener, der zuerst wie einst sein Vater gütig und gerecht regierte. Nach einiger Zeit jedoch, regierte er das Königreich  mit Zorn und Ungerechtigkeit. Es schien als ob König der Gier nach Macht verfallen war und sich nicht aus ihren Krallen befreien lassen wollte. Sein Herz war schwarz und kalt geworden. Nicht einmal sein kleiner Bruder schaffte es sein Herz zu wärmen. Geschweige denn ihm Einhalt zu gebieten.

Nun war das Zeitalter der Industrie in Albion angebrochen.
Doch die Industrialisierung brachte nicht nur Vorteile mit sich. Kummer und Leid unter den Arbeitern stand an oberster Stelle. Da König Logan einem ehemaligen Piraten namens Reaver, über dessen Vergangenheit kaum etwas bekannt war, die Führung des Industrie-Viertels übergab. Dieser lies die Arbeiter und Arbeiterinnen hart arbeiten und etliche Überstunden machen. Sogar zahlte er ihnen nur einen Hungerlohn. Sein Tun veranlasste die Familien dieser armen Menschen dazu, ihre Kinder arbeiten zu lassen. Das sah der Schwarzhaarige natürlich gerne und freute sich über jede weitere billige und auch fleißige Arbeitskraft. Einige Banner mit der Überschrift 'Nur ein arbeitendes Kind, ist ein glückliches Kind' zierten die Wände des verarmten Industrie-Viertels. Es war ein makaberes Schauspiel und die Wohngebiete der Arbeiter glichen Gesinde-Vierteln, wie man sie vor fünfzig Jahren kannte. Es war jedoch noch schlimmer. Aufgrund der mangelnden Hygiene und des Rauches der von den Firmen her durch die Gassen und Häuser drang, war die Krankheits- sowie Sterberate massiv erhöht.
Gab es einen Aufstand, so tötete Reaver ohne mit der Wimper zu zucken zuerst denjenigen, der dafür verantwortlich war und danach jene, die sich sträubten innerhalb weniger Sekunden wieder an ihre Arbeit zu gehen. Man konnte sich nur zu gut vorstellen, welchen Hass sie auf ihn pflegten und dass eine Frau, Page  genannt, einen Aufstand plante und durch diesen gewissen Verdacht gesucht wurde. Natürlich fand man sie nicht, denn sie war zu gewitzt um sich erwischen zu lassen.

Reaver war ein Mann der Stolz, narzisstisch und ein gemeiner Lüstling war, der gerne gewisse Partys veranstaltete. Natürlich nur für ausgewählte Gäste, die seinen Anforderungen und Interessen entsprachen. Was er dort mit ihnen Anstellte wollte man nicht zwingend wissen. Doch wer neugierig war, dem konnte sein Wissensdurst das Leben kosten.
Doch wenn ein junges Weib sich dazu entschließen würde sich ihm zu nähern. Vielleicht nicht aus Liebe, sondern aus reiner unschuldiger Neugier. Würde er sich erinnern?



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Arrogant und stolz, begab sich der Geschäftsführer von Reaver-Industries zu seinem Büro. Der übergroße Zylinder wippte im klang des Taktes seines Gehstockes majestätisch hin und her auf dem Weg dorthin. Angekommen erwartete ihn jemand den er nur zu gut kannte.Ein Mann mittleren Alters mit aschblondem Haar, bei dem man nur erahnen konnte, ob dieser graue Haare aufwies. Er trug einen tiefroten Mantel mit einigen Goldstickereien am Saum der Ärmel. Gerade zog dieser seine erdbraunen Lederhandschuhe aus und steckte sie sachte in seine schwarze Hose. Sein Blick war unsicher und fixierten den Mann der gerade hinein stolziert kam. Der schwarzhaarige Edelmann ignorierte ihn ein wenig, bevor er seinen großen Zylinderhut und seine weiße Lederjacke an einem Kleiderhaken aufhing und sich an seinem prunkvoll verziertem Schreibtisch auf seinen höchst teuren Sessel nieder lies. Sein scharfer Blick traf auf den des unsicheren Mannes vor sich. Der angeblickte Blondschopf war ein Händler. Noch dazu ein Gutbetuchter. Sein Name war Bastian Evans.
„Also, mein guter Freund.“, sagte er mit seiner arrogant klingenden Stimme und verschränkte seine Finger ineinander, um diese dann gleich dazu zu benutzen sein Kinn darauf abzustützen. „Was macht mein Auftrag?“
Der Mann zu dem er sich wandte setzte sich danach ebenfalls auf einen Sessel. Vielleicht zitterte er nicht, doch seine Unsicherheit wurde durch Reavers Sätze und auch seiner Tonlage deutlich verschlimmert. Seine braunen Augen starrten auf die Oberfläche des reichverzierten Schreibtisches. Er wusste wohl nicht so recht was er seinem Auftraggeber sagen sollte. Zur Beruhigung griff er in den Saum seines roten Mantels und atmete tief durch. Sein Herz fing dennoch an zu pochen, als ob es wusste, dass man ihn nicht so einfach enttäuschen durfte. Reaver war gefährlich. So sollte man nicht leichtfertig mit seinem Leben unter jener Kontrolle umgehen.
„Naja... eh... die waren haben etwas Schaden genommen, als wir von Banditen angegriffen wurden.“, gab der Blonde mit zitternder Stimme an und schaute beschämt drein. „Aber ihre Qualität ist immer noch vom Feinsten...“
Ärgerlich schnalzte Reaver mit der Zunge und seine blauen Augen funkelten gefährlich. Er lehnte sich zurück und saß somit tief ihn seinem noblen Sessel auf feinstem Leder ein. Der Blick war von dem Mann nicht abgewendet worden. Woran lag es dass sein treuer Untergebener zum allerersten Mal seine Arbeit vernachlässigte?
"Es tut mir Leid, Master Reaver, aber meine Tochter ist schuld daran. Sie hätte sich nicht einfach von der Gruppe entfernen-", versuchte der Mann im roten Mantel zu erklären, brach aber ab. Dabei ebenso versucht standhaft zu klingen, was ihm nur wenig gelang. Der korrupte Geschäftsmann hob die Hand, damit der Händler verstummte. Seine Augen weiteten sich vor Schreck und befürchtete das Schlimmste. So zuckte er auch auf und kniff anschließend schnell die Augen zu. Seine Handlung geschah blitzschnell. Doch es sollte nicht von seinen Befürchtungen auftreten.
„Wir kennen uns schon seid Euren Anfängen in der Händlerwelt und nun seid Ihr ein wohlhabender Mann durch mich.“, erwähnte der Schwarzhaarige ruhig, wobei die Tonlage einer leichten Arroganz kaum zu überhören war. „Ich verzeihe Euch diese Unachtsamkeit. Aber nur dieses eine Mal!“
Reaver hob tadelnd bei dieser Abmachung einen Zeigefinger. Bastian zog einmal scharf die Luft ein und atmete langsam aus. Er beruhigte sich etwas.
„I-ich danke Euch... Sir...", sagte der Händler demütig und schien hiernach erleichtert zu sein. . Diabolisches Grinsen legte sich auf die Züge des Schwarzhaarigen, was Evans wieder etwas verunsichern lies.
„Ihr habt mir nie erzählt, dass Ihr eine Familie habt, Evans.“ Die Stimme des Geschäftsmannes klang bedrohlich in dem Ohr des Mannes. Der ehemalige Pirat beuge sich vor und stützte wieder sein Kinn mit beiden Händen ab. Sein blick ruhte kalt und fordernd auf ihn. Beinahe schon provozierend.
„Nun...“ Doch der Händler kam nicht weiter zum Sprechen, da jemand Bestimmtes auf den Schultern einer Wache ins Büro getragen wurde. Diese Person keifte lauf und fluchte unaufhörlich. Sogar die Wache wurde bis auf das äußerste beschimpft und am Rücken geschlagen. Diesem schien es aber nichts auszumachen. Gemächlich trat der große Mann ein, welcher die junge Dame schulterte. Reaver musste über diese Situation ein wenig lachen. Es handelte sich hierbei um eine junge Frau, die offensichtlich nicht wusste, bei wem sie sich gerade befand. Doch sogleich sollte er erfahren wer diese grotesk schimpfende Person war, die nun unsanft von der Wache auf dem Boden des Büros abgesetzt wurde.
„Evaine?", fragte der nun besorgte Händler empört. Jener blickte aber nach einigen Sekunden böse zu ihr. „Was zur Hölle machst du hier?!“
Evaine, eine junge Frau deren weißblondes welliges Haar mit einer roten Schleife zusammengebunden war und ein schlichtes Leinenkleid trug, schaute etwas beschämt drein und ihre grünen Augen suchten eine Stelle auf dem Boden auf dem sie haften bleiben konnten. Sie biss sich dabei verlegen auf die Unterlippe und hakte ihre Finger hinterrücks ineinander.
„Tut mir leid, Vater... ich war nur ein wenig neugierig.“, sagte sie kleinlaut und dachte erst gar nicht daran aufzustehen. Es war ihr sowieso schon zu peinlich hier aufgetaucht zu sein. Durch ihre Wissensgier war sie ihrem Vater gefolgt, nachdem er enttäuscht über ihren Fehler war. Gerade wollte Evans vor lauter Wut, seine Tochter anschreien, doch bevor er seinen Mund aufmachen konnte, da wurde er mit einem Gehstock an der Schulter angetippt.
„Na, na. Wir sind hier in meinem Büro. Nicht bei euch zu Hause.“, gab Reaver mahnend an und schaute auch  ebenso drein. Beschämt schaute der Händler zur Seite und Evaine stand so elegant wie möglich auf. Sie klopfte ihr Kleid zurecht und Strich sich einzelne Strähnen ihres weißblonden Haares aus dem Gesicht. Nachdem dies erledigt war, machte sie einen respektvollen Knicks zur Begrüßung des reichen ehemaligen Piraten, der sich dann leicht Kopfschüttelnd zu dem Händler wand.
„So, so. Das ist also deine liebreizende Tochter Evaine?“, hakte der Schwarzhaarige mit einem kaum merklichem Unterton von lüsterner Neugier nach. Der Händler nickte zaghaft.
„Ja, das ist sie.“, antwortete der Blonde ihm. „Ein absoluter Wildfang, der auf niemanden hört und sich nicht wie eine Dame benimmt. Wir werden jetzt zu unserem Haus gehen und dort werde ich ihr die Leviten lesen.“
Reaver grinste nur und setzte sich dann wieder auf den Sessel an seinem Schreibtisch. Ein Wildfang war ganz nach seinem belieben und sicherlich malte er sich schon allerhand obszöne Dinge mit ihr aus. Ob sie noch Jungfrau war?  Sicher erschien es ihm, wenn sie schon aus einem guten Hause stammte. Von dem Mädchen härte er zwar oft, dass sie recht ungezügelt war, dennoch sich nie getraute mit ihrem Verlobten Intim zu werden. So gut kannte er die Familie seines Partners Evans, obwohl er seine Tochter nie zu Gesicht bekam. An diese ganzen Informationen kam er also nur, indem er seinen Handelspartner zu einer kleinen Party in seiner Villa einlud. Bastian nämlich konnte zwar gut Alkohol vertragen, jedoch im Rausch plapperte er wie ein tratschendes Waschweib.
Reaver musterte die blonde Frau heimlich, während sie versuchte sich zu rechtfertigen. Im dem er die Unterhaltung zwischen Vater und Tochter ausblendete. Sie konnte nicht älter als neunzehn sein. Ihre Haus war nahe zu makellos und bleich. Dennoch nicht so kränklich wie die von ihm selbst. Die Ausstrahlung war lebendig und voller Temperament. Er würde es genießen, wenn sie sich unter ihm befinden würde. Dabei auch noch lustvoll stöhnend. Vielleicht auch im ersten Moment wimmernd und abwehrend?
„Tu was du für richtig erachtest, mein guter Freund und denke an den abendlichen Ball, den unser König veranstaltet.“, sprach der Dunkelhaarige mit einem schelmischen Grinsen auf seinen Gesichtszügen.
Evans senkte seinen Kopf etwas und verschwand sogleich mit seiner Tochter, die er unsanft am Arm nahm aus dem Büro zerrte.
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