Modern Alice

GeschichteRomanze, Fantasy / P12
Alice
18.06.2012
09.07.2012
11
11.002
 
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18.06.2012 1.092
 
Meine erste Story...würde mich über Reviews freuen :)
und jetzt viel Spaß beim lesen
;)
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Ich saß in meinem Zimmer, auf meinem gemütlichen und weichen Bett. Draußen regnete es schon seit Stunden in Strömen. Das erinnerte mich an meine Kindheit. Als ich noch kleiner war wollte ich immer mit meinem Vater draußen spielen, in die Pfützen hüpfen, im Regen tanzen und lachen. Heute sehnte ich mich überhaupt nicht mehr danach. Damals hatten wir auf einem großen Anwesen in der Nähe eines riesigen Waldes gewohnt. Doch dann entschied sich mein Vater unser traumhaftes Leben aufzugeben und stattdessen lieber in eine Großstadt zu ziehen. Das einzige Grün was man hier fand, war im Park, 500 Meter von unserem Haus entfernt. Ich verstand die Entscheidung meines Vaters. Er musste den Job damals annehmen. Das war seine große Chance. Obwohl ich  damit immer noch nicht wirklich klar kam, habe ich damals und auch heute noch nie dagegen protestiert. Ich glaube, dass schätzten meine Eltern an mir. Ich gab fast nie Wiederworte und das mit 16 Jahren. Andere Mädchen in meinem Alter wären vermutlich bis heute noch sauer auf ihre Eltern, aber ich konnte es einfach nicht. Ich hatte den Drang allen Menschen in meiner Nähe zu verzeihen. Entschuldigte sich jemand bei mir, war die Sache für mich gegessen, auch wenn sie noch so schlimm war.

„Alice! Kommst du zum Essen?“, rief meine Mutter. „Ja, Mama“ ,antwortete ich. Seufzend stand ich von meinem Bett auf und ging in die Küche. Mein Vater las die Zeitung von gestern und meine Mutter stellte gerade einen dampfenden Topf voller Nudeln auf den Tisch. Ich setzte mich und begann mir den Teller mit Nudeln vollzuschaufeln. Ich liebte Nudeln. Doch ich bemerkte schnell, dass meine Eltern heute anders waren. Sie warfen sich vielsagende Blicke zu, dann sahen sie beide weg. Das ging bestimmt fünfzehn Minuten so. „Was ist hier los“, fragte ich und unterbrach das Schweigen. „Schätzchen“, begann mein Vater. Das Wort Schätzchen alarmierte sofort an mein Gehirn. Das letzte Mal, als mein Vater mich Schätzchen genannt hatte, teilte er mir mit, dass wir nach Düsseldorf ziehen würden. Meine Hand verkrampfte sich und mir wurde unangenehm kalt. „Wir werden unserer Ferien nicht in Düsseldorf verbringen“, beendete mein Vater seinen Satz. „Aber Papa meine Freunde und ich wollten doch zum großen Fest gehen und uns das Feuerwerk ansehen!“ „Tut mir leid, aber das fällt dieses Jahr für dich aus“, sagte meine Mutter und verschärfte ihre Tonlage. „Dann bleibe ich hier. Das Feuerwerk ist das wichtigste Event im ganzen Jahr und meine Freunde und ich haben schon alles geplant. Das ist nicht fair!“ Na gut! Hin und wieder gab ich doch Wiederworte, aber das war wirklich wichtig für mich. „Du weißt genau, dass das nicht geht“, sagte meine Mutter und legte ihre Hand auf Meine. „Ihr seid doch total bescheuert“, schrie ich und sprang auf. Das überraschte meine Eltern, denn sie verstummten für einen Moment. „Kind, beruhige dich!“, meinte mein Vater. „Wenn ihr mich nicht zum Feuerwerk gehen lasst, dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass ich anwesend bin.“ „Wir werden nicht hingehen. Das ist mein letztes Wort“, sagte mein Vater, warf mir einen warnenden Blick zu und wandte sich wieder seiner Zeitung zu. Ich schob meinen Stuhl an den Tisch. Vielleicht haute ich ihn auch etwas zu hart dagegen, aber meine Eltern hatten es schließlich auch nicht besser verdient.

Ich rannte in mein Zimmer und griff nach dem Telefon. Das musste ich sofort Evelyn erzählen. Sie war meine beste Freundin seit ich in Düsseldorf angekommen war. Sie wohnte nur ein paar Straßen weiter. Ich wählte ihre Nummer und sie nahm ab. „Hey Alice, was gibt’s?“, fragte sie freundlich. „Meine Eltern wollen mit mir in den Ferien wegfahren. Die ganzen Ferien lang.“ „Was? Warum das denn? Wissen sie denn nicht, dass das Feuerwerk genau in den Sommerferien ist?“ „Doch das wissen sie und ich hab ihnen das auch gesagt, aber sie lassen nicht mit sich reden.“ Verzweifelt ließ ich mich auf meinen Schreibtischstuhl fallen. „Was mach ich denn jetzt?“ „Wo fahrt ihr denn hin?“ „Ich weiß nicht. Das ist doch auch total unwichtig. Ich kann nicht zum Feuerwerk. Es wollten alle kommen; die halbe Schule, alle unsere Freunde und Peter. Ich muss irgendwie dahin.“ „Du hast Recht. Wie wär’s, wenn du herausfindest wo ihr hinfahrt und ich nach Zugverbindungen gucke. Nachts, wenn deine Eltern schlafen, kannst du bestimmt weg. Außerdem geht das Feuerwerk eh erst um Mitternacht los.“ „Evelyn die Idee ist super, auch wenn sie mega in die Hose gehen kann.“ „Du musst dich bloß nicht erwischen lassen. Morgens nimmst du dann den erstbesten Zug zurück und bist passend zum Frühstück wieder da.“ „Das ist Riskant, aber die einzige Möglichkeit. Evelyn, was würde ich nur ohne deine genialen Ideen machen?“ „Nicht zum Feuerwerk gehen! Also du musst jetzt bloß so tun, als würdest du es total gut finden, dass deine Eltern mit dir wegfahren und herausfinden wo ihr hinfahrt.“ „Ja das mache ich. Ich erzähl’s dir dann morgen. Hab dich lieb, Evelyn.“ „Ich dich auch. Bis morgen, Alice.“ Ich legte auf. Unser Plan konnte so richtig schief gehen.

Es klopfte an meiner Zimmertür. Meine Mutter kam herein. „Alice, ich weiß, dass du unsere Reise nicht gut findest, aber vielleicht willst du wenigstens wissen wo es hingeht.“ Ich antwortete nicht. „Wir fahren nach Hamburg und besuchen deinen Cousin Philipp.“ Oh Gott! Bitte alles außer dem! Nicht Philipp! Ich lächelte nur mild und bat meine Mutter mich jetzt alleine zu lassen. Ich musste morgen nämlich zur Schule. Eigentlich blieb ich immer ziemlich lange auf, aber das wusste meine Mutter ja nicht. Morgen war der letzte Tag vor den Ferien und wir bekamen unsere Zeugnisse. Bestimmt gab Philipp dann wieder mal mit seinem perfekten Zeugnis an. Er hatte nämlich gerade sein Abitur abgeschlossen und wollte nun sein Jurastudium beginnen. Woher ich das weiß? Meine Eltern redeten ständig von ihm. Er war ja so hübsch und intelligent und einfach der beste Mann, den man sich wünschen kann. Das sah ich etwas anders. Bei der Intelligenz gab ich meinen Eltern Recht, allerdings machte ihn dies zu einem unglaublichen Angeber und Besserwisser. Schönheit liegt im Auge des Betrachters würde ich jetzt mal sagen. Philipp war ein totaler Mädchenschwarm, aber ich habe noch nie verstanden, was alle an ihm so toll fanden. Vielleicht bin ich blind oder blöd, aber meiner Meinung nach gehörte Philipp nicht zu dem Typ Mann, den ich als attraktiv ansah. Zusammengefasst war er ein reiches, verwöhntes, besserwisserisches Einzelkind und ich durfte die ganzen Ferien mit ihm verbringen. Das waren ja tolle Aussichten.