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Blutsschwestern- Dimitris' Sicht (Band 1)

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Dimitri Belikov Jesse Zeklos Mason Ashford Rosemarie "Rose" Hathaway Tasha Ozera Vasilisa "Lissa" Dragomir
17.06.2012
24.12.2012
27
60.659
6
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Dieses Kapitel
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17.06.2012 1.064
 
Kapitel 1

Ich saß in der Kapelle der Akademie. Es war düster geworden, die Dämmerung fraß das letzte Licht des Tages auf und besetzte nach und nach jeden Schlupfwinkel. Eine einzelne Kerze flackerte auf dem Altar. Seltsam haltlos wiegte sie sich von einer Richtung in die andere, gefolgt von meinem Blick und dem leichten Wind, der immer wieder schwach durch die alten Fenster sickerte. Ich war seit knapp einem Jahr hier. Seit knapp einem Jahr häufig in der Kirche… seit dem Tod von Ivan Zeklos. War das mein Verschulden? Alle beteuerten meine Schuldfreiheit, aber sich selbst zu verzeihen war das Schwerste. Ich war einen einzigen Moment nicht dagewesen, hatte ihm für einen kurzen Zeitraum den Rücken zugewandt, mich auf anderes konzentriert. Ich hatte das ungute Gefühl, dass ich es niemals überwinden würde. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn er nicht mein Freund gewesen wäre, sondern nur irgendeine Person auf die ich hätte aufpassen müssen. Eine Person, die ich nicht näher kannte oder die nicht mal irgendetwas an sich gehabt hätte, was man schätzen könnte. Nicht das ich zu den Leuten gehörte, die jemandem keinen Schutz gewähren würden –das war schließlich mein Job-, aber wenn Freundschaft im Spiel war, traf einen der Verlust stärker. Und ich war doch eigentlich genau derjenige, der keine konkrete Beziehung mit Menschen einging. Sicher… ein paar Leute waren da, meine Familie zum Beispiel, aber ich hatte sie schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Die Vorstellung sie irgendwo schutzlos zurückzulassen jagte mich. Manchmal träumte ich von meiner Mutter mit verblassendem Lächeln oder Ivan mit einem Dolch im Herz. Und ich war nicht dagewesen.
Hatte ich deshalb diesen Job ausgesucht? Weil ich verhindern wollte, dass andere Leute so handelten wie ich, als ich nicht dagewesen war? Oder weil ich ihnen beibringen wollte nie die Kontrolle zu verlieren wie damals, als ich meinen Vater mit dreizehn zusammenschlug? Obwohl… er hatte es verdient, war nie wieder aufgetaucht. Aber hatte ich richtig gehandelt? Hätte ich es nicht jemand anderem überlassen sollen? Schließlich war ich ein Kind gewesen.
Ich vergrub meinen Kopf in den Händen, lenkte meinen Blick einen Moment von dem tanzenden Licht der Kerze ab. Das Schöne an der Kirche waren nicht die Worte, die immer wieder vorgetragen wurden. Es waren nicht die Gemälde, die mit Gold verzierten Kerzen. Es war die Stille. Und das Wissen, egal wo ich je arbeiten würde, ein Ort immer die gleiche Bedeutung behielt. Ich mochte die Stille viel lieber als den Lärm. Stille konnte so viel mehr erzählen. Die Kerze flackerte wild und erlosch durch einen scharfen Windzug. Jemand war hier. Meine Sinne schüttelten augenblicklich die Müdig- und Trostlosigkeit ab und wechselten in den üblichen Kampfmodus. Meine Augen suchten die Dunkelheit nach einer Silhouette ab, meine Muskeln spannten sich an, immer bereit zum Sprung. Sobald irgendeine Gefahr in der Nähe war existierte nur noch der Kämpfer in mir und verdrängte den Menschen.
Ich sah jemanden näher kommen, den Schritten nach zu urteilen eine Frau, kaum war sie in Sichtweite, erkannte ich sie und ließ die Anspannung fallen.
„Alberta?“ Sie verharrte im mittleren Gang und sah sich suchend um, natürlich nicht erschreckt, da sie genauso trainiert worden war wie ich; allezeit bereit für einen Gegner.
„Dimitri?“
„Das Licht ist ausgegangen“, bemerkte ich und kam auf sie zu. Als ich aus den Schatten trat, nickte sie mir zu. Wir verließen die Kapelle. Alberta war nicht unbedingt gutaussehend, es war auch nicht unbedingt eine Eigenschaft auf die ich groß Wert gelegt hätte. Sie war ruhig, entschlossen, mutig und auch streng, alles Eigenschaften die ich auch hatte, allerdings noch ausgeprägter als bei ihr. Ich konnte mich, seit ich hier war, auf sie verlassen, was für mich eine große Bedeutung hatte, da ich kaum auf Menschen zählte. Ich war ein Einzelgänger. Und ich war gut darin.
„Was ist los?“, fragte ich nach, als wir einige Minuten über das Gelände gelaufen waren.
„Es wurden in Portland die beiden geflohenen Mädchen aufgespürt. Sie haben sicher davon gehört nicht wahr? Vasilisa Dragomir und Rosemarie Hathaway sind nun schon seit einiger Zeit wie vom Erdboden verschluckt gewesen“.
Ich nickte: „Ja, ich kenne die Geschichte. Ich wurde der Prinzessin als Wächterin zugeteilt, sollte sie  zurückkehren“. Alberta biss sich kurz auf die Unterlippe, eine Geste, die er nur sehr selten bei ihr sah.
„Sie werden zurückgeholt werden, die Direktorin hat uns befohlen diesen Teil zu übernehmen. Oder eher gesagt, du sollst sie hierherbringen. Ich warte hier und organisiere das Restliche“. Ich stellte keine Fragen, da es sinnlos erschien. Alberta gab mir so viele Informationen wie sie von Kirova bekam. Mehr nicht. Ich nickte bloß auf den Befehl hin. Wir erreichten das Schulgebäude schweigend, traten leise in die Halle und setzten unseren Weg nach oben zum Büro fort. Ellen Kirova saß sogar noch zu dieser Stunde in ihrem Büro, tief über den Schreibtisch gebeugt und hielt mit geübter Hand einige Sachen auf ihrem Notizblock fest. Als wir eintraten sah sie auf, Alberta lehnte sich hinter mir an die Wand, ich trat vor und wartete. Einige Sekunden hielt das Schweigen im Raum, dann räusperte sich mein Gegenüber, legte den Stift zur Seite und betrachtete mich eingehend. Sie war weder besonders groß, noch eine herausstechende Erscheinung, aber irgendetwas an ihr wirkte beeindruckend, auch wenn man es an nichts bestimmtem festmachen konnte.
„Hat Alberta Sie informiert?“
„Ja. Wovon muss ich ausgehen?“
„Zwei Mädchen. Vasilisa ist blond, zierlich, keine Gefahr. Achten sie auf Rosemarie… sie handelt meist sehr… nun ja… plötzlich emotional“, ich hatte das Gefühl als würde Alberta in meinem Rücken grinsen wollen und versuche es sich mit allen Mitteln zu verkneifen.
„Sie hatte sehr gute Qualifikationen damals, als sie von hier weggegangen ist, was lange nicht heißt, dass sie fähig wäre eine Moroi zu beschützen“, sie runzelte in einer Mischung aus Unverständnis und Wut die Stirn: „seltsamerweise konnten sich die Beiden anscheinend bis jetzt durchschlagen, aber Sie müssen sie finden.  Vasilisa hat eine hohe Bedeutung für diese ganze Gesellschaft, was mit Rosemarie passiert…“ sie machte eine wegwerfende Handbewegung: „ Die Beiden befinden sich in einer WG in Portland, Alberta wird Ihnen die genauen Anweisungen geben. Ich stelle Ihnen einige Wächter zur Verfügung, bringen Sie die Mädchen her. Alles Weitere wird hier entschieden“. Ich drängte meine Müdigkeit in den Hintergrund, nickte bestätigend und verließ den Raum. Ich würde wieder hierher zurückkommen. Mit den Mädchen. Von dem was hier passierte ging mich nur Vasilisas‘ Part etwas an. Rosemarie spielte die Nebenrolle.
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