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Du hast mir mein Leben gerettet - (Sweet Amoris)

von Fly19
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Het
Castiel OC (Own Character)
15.06.2012
31.12.2020
15
64.196
 
Alle Kapitel
25 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.06.2012 11.850
 
Hey, Ihr!

Also, hier ist das nächste Kapi. ;-)

Viel Spaß beim lesen.

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Mein Bruder redete nun schon eine viertel Stunde auf mich ein. Langsam fing es an zu nerven. „Saku, warum denn nicht? Mir macht das nichts aus. Ich bringe dich gerne zur Schule.“, versuchte er es weiter. Wegen der Sache mit Takumi hatte er Angst mich alleine raus zu lassen. Falls er wieder kommen sollte, wollte er diesmal bei mir sein. Ehrlich gesagt war es mir alleine auch nicht ganz geheuer, aber ich wollte nicht, das Makoto sich noch mehr Sorgen machte. „Ich schaff das. Außerdem weiß ich ja jetzt, das ich mit ihm rechnen muss. Da werde ich dann nicht vor Schreck angewurzelt stehen bleiben. Ich laufe dann weg.“, versuchte ich ihn zu beruhigen. Er gab aber noch nicht auf: „Er ist schneller als du.“ „Ja. Aber trotzdem würde ich einen Vorsprung haben. Ich laufe dann einfach in einen Laden oder zu irgendwem, der in der Nähe ist. Auch morgens sind ein paar Menschen draußen.“ Mako überlegte und nickte dann schließlich: „Na gut. Du wirst eh nicht aufgeben, oder?“ Richtig.“, bestätigte ich, „Außerdem freut sich Lou sicher, wenn du mit ihm einen Spaziergang machst.“ Also schnappte ich mir meine Schultasche und machte mich auf den Weg.

Mein Bruder winkte mir noch. Nach ein paar Schritten blieb ich aber bereits schon wieder stehen. Das glaube ich jetzt nicht. Was macht der denn hier? Vor allem um die Uhrzeit? Seit wann ist der mal richtig pünktlich? Da stand ein gewisser Rotschopf ein paar Meter vor meinem Haus und sah mich etwas verschlafen an. Ich drehte mich zu meinem Bruder und schaute fragend, doch der zuckte nur mit den Schultern und grinste fröhlich. Klar. Jetzt war ich auch nicht mehr alleine. Und ich musste zugeben, ich freute mich auch darüber. Etwas… „Morgen, Rotkäppchen.“, begrüßte ich ihn im Vorbeigehen. Er setzte sich in Gang und ging neben mir. „Morgen, Kleine.“, wurde auch ich begrüßt. Mir fiel auch, das wir uns über unsere Spitznamen gar nicht mehr so aufregten, aber man merkte schon noch, das wie sie nicht gerade besonders mochten. „Was machst du hier?“, wollte ich wissen. Denn immerhin kam er auf dem Schulweg nicht bei mir lang, sondern ich bei ihm. Seine Antwort war: „War gerade in der Gegend.“ Aha. Klar. Wer´s glaubt. „Wenn du Dämon dabei hättest, würde ich es dir glauben, aber da du es nicht hast…“, den Satz ließ ich unvollendet. Den Rest konnte er sich sicher denken. Der rothaarige sah etwas zerknirscht drein, und schaute mich aus dem Augenwinkel immer wieder an. Anscheinend wollte auch er mich nicht alleine gehen lassen und hatte mich deshalb abgeholt. Aber der coole und kalte Castiel würde das ja niemals sagen. Innerlich musste ich darüber lachen. Eigentlich war er ein richtig netter Kerl, nur wollte er das nicht zeigen. „Castiel.“, sprach ich ihn an. Aber keine Reaktion. Er sah stur zur Seite weg und lief weiter. Ich hatte schon befürchtete, das er gegen eine Laterne lief, aber anscheinend bekam er trotzdem mit, wohin er ging. Ich versuchte es noch einmal und berührte ihn am Arm: „Castiel?“ Endlich sah er mich an. Na ja, zuerst zu meiner Hand auf seinem Arm, dann zu mir, dann wieder zu meiner Hand und wieder zu mir. Schließlich fragte er etwas genervt: „Was?“ Über seine Antwort musste ich leicht grinsen. In manchen Dingen schien er viel Geduld zu haben, aber bei so was, kein Stück. Jetzt lächelte ich ihn freundlich an: „Danke. Dafür das du mich abgeholt hast und ich nicht alleine gehen muss.“ Zuerst schien er etwas überrascht und verwirrt zu sein, wahrscheinlich weil ich ihn tatsächlich durchschaut hatte, dann aber drehte er sich einfach wieder weg. Er schnaubte nur noch ein: „Hmm.“, dann war er komplett still. Daraufhin musste ich anfangen zu lachen. Irgendwie fand ich ihn manchmal einfach zu komisch. Verwirrt starrte er mich an. „Was ist denn jetzt so lustig?“, fragte Cas. „Du.“, brachte ich zwischen lachen und Luft holen heraus. Sein Blick wurde noch verwirrter, dann schüttelte er nur den Kopf. „Du bist echt seltsam.“, meinte Castiel. Langsam beruhigte ich mich. „Ich hoffe doch im positiven Sinne.“, sagte ich und blickte ihn an. Er musterte mich eine Weile und dachte nach. „Hm…Ich bin mir noch nicht ganz sicher.“, teilte er mir dann mit. Verdutzt sah ich ihn an. Dann schob ich meine Unterlippe vor, machte einen Schmollmund und drehte ich weg. Mal sehen was er macht, wenn ich die Beleidigte spiele. Kurz lachte er und klopfte mir auf die Schulter. Ich sah wieder zu ihm und grinste. „Ich werde dich noch mal drauf ansprechen. Dann möchte ich eine Antwort.“, erwartungsvoll schaute ich ihn an. „Ok.“, gab er nur von sich.
Den restlichen Weg schwiegen wir. Es war aber kein unangenehmes Schweigen, deshalb machte es mir auch nichts aus.


- Erzähler-Sicht -

An der Schule angekommen sahen die beiden Lysander am Eingangstor stehen. „Guten Morgen, ihr zwei.“, begrüßte er sie freundlich, als sie ankamen. Morgen, Lys.“, sagte das Mädchen fröhlich und die beiden umarmten sich kurz zur Begrüßung. „Morgen.“, grummelte Castiel hingegen nur und ging weiter. Verwirrt schauten die beiden anderen ihm hinterher. „Was ist denn mit dem wieder los?“, wandte sich der weißhaarige an Sakura. „Ich habe keine Ahnung. Den ganzen Weg über, war seine Laune eigentlich recht gut.“, antwortete sie ahnungslos. „Hm…Ich werde mal versuchen mit ihm zu reden.“, teilte der Junge ihr mit, „Bis dann.“ Damit lief er in die Richtung, in der Cas verschwunden war. „Ok. Bis dann.“, rief ihm die schwarzhaarige noch hinterher und ging aufs Schulgebäude zu. >>Ich frag mich, was schon wieder mit ihm los ist. Ich sag doch, Stimmungsschwankungen.<<, dachte sich das Mädchen.

Castiel saß auf seiner Bank auf dem Schulhof und hörte laut Musik. Lysander setzte sich neben ihn. „Also, was ist los?“, fragte er ihn gleich direkt. Der Rotschopf nahm sich einen Kopfhörer aus dem Ohr. „Nichts.“, grummelte er wieder. Aber der weißhaarige kannte seinen Freund. Da er einen Kopfhörer raus genommen hatte, würde er mit ihm reden. „Komm schon. Mir kannst du nichts vormachen.“, bohrte sein Sitznachbar weiter. >>Da hat er leider Recht.<<, musste Castiel zugeben. Er seufzte kurz und antwortete: „Ich denke nach.“ „Sehr ausführliche Erklärung.“, stellte Lys fest, „Über was denn?“ Er machte eine kurze Pause und sah seinen Freund aufmerksam an. >>Irgendwie habe ich das Gefühl, es hat was mit Sakura zu tun.<<, überlegte er sich. „Oder sollte ich lieber fragen, über wen?“, fügte er dann noch hinzu. Der Rotschopf kaute etwas auf seiner Unterlippe rum. >>Warum kennt er mich bloß so gut?<<, ärgerte er sich. „Du wirst keine Ruhe geben, oder?“, versuchte es Cas noch mal. Sein Kumpel schüttelte bloß entschieden den Kopf. >>Garantiert nicht. Ich habe gerade echt keine Lust auf seine schlechte Laune.<<, dachte sich Lysander. Schließlich gab der rothaarige Junge nach: „Na gut. Wenn es sein muss. Es geht um Sakura.“ >>Ich hatte also Recht.<<, freute sich der weißhaarige. Castiel erzähle Lysander also was alles passiert war.

Nachdem Lysander nun erfahren hatte, was mit Sakura passiert war, saß er geschockt vor dem Rotschopf und starrte in geschockt an. Nach einer Weile schüttelte er seinen Kopf und holte tief Luft. „Da kann ich verstehen das du dir Sorgen machst.“, sagte er dann. >>Trotzdem ist es für dich echt etwas seltsam, das du dir um jemanden Sorgen machst.<<, fügte der weißhaarige in Gedanken hinzu. Cas holte ihn aus seinen Überlegungen: „Du weißt aber nichts davon, ok? Ich habe dir nichts erzählt. Ich weiß nämlich nicht, ob das ok für sie ist.“ >>Wenn nämlich nicht, macht sie mir sicher die Hölle heiß, wenn rauskommt, das ich dir das erzählt habe.<<, grübelte er noch. „Ja, klar. Versprochen. Ich sag kein Wort.“, versprach Lys. >>Du hast dich die letzten Tage echt verändert mein Freund. Sonst ist dir so was doch auch immer egal. Obs der Person nun gefällt, oder nicht. Interessiert dich doch eigentlich nie. Anscheinend hat Sakura einen guten Einfluss auf ihn.<<, dachte Lysander nach.
Damit war das Thema für die beiden beendet und sie unterhielten sich über einen Song den der weißhaarige gerade schrieb.

- Erzähler-Sicht Ende -



Kaum das ich die Schule betreten hatte, kam ein Mann mit schwarzen Haaren, einer echt schlimmen Brille und einem blauen Pullunder auf mich zu. „Guten Tag. Ich bin Mr. Faraize und ein neuer Lehrer. Bist du hier Schülerin?“, sprach er mich an. Nein. Wie kommen sie denn darauf? Ich bin eine 17 jährige Lehrerin. Aber da ich das nicht laut sagen konnte antwortete ich freundlich: „Ja, bin ich. Guten Tag.“ „Das ist schön. Könntest du mich ein bisschen in der Schule herumführen? Ich kenne mich hier noch nicht aus und möchte mich nicht gleich an meinem ersten Tag verlaufen.“, fragte er mich. Wahrscheinlich jeder der hier neu ist, verläuft sich. Wenn man es an seinem ersten Tag durch ein Wunder nicht tut, dann mit Sicherheit am zweiten. „Ich kenne mich hier auch noch nicht so gut aus, da ich erst seit ein paar Tagen auf diese Schule gehe. Sie sollten den Schülersprecher fragen. Der kennt hier jede Ecke.“, schlug ich ihm vor. Er schien zu überlegen. Das dauerte mir aber zu lange, da es auch gleich zur ersten Stunde klingeln würde. „Ich bringe Sie zu ihm.“, entschied ich und ging einfach los. Zum Glück folgte er mich auch. Naja, sein Glück. Mir war das eigentlich recht egal.

An der Tür des Schülersprecherzimmers klopfte ich und wartet auf das „Herein.“ Mit dem Mann betrat ich den Raum und schritt gleich auf den blonden Jungen zu, der an seinem Schreibtisch saß. „Ah. Hallo, Sakura. Wie geht’s dir?“, begrüßte er mich, „Oh. Wer ist das?“ Nun hatte er die andere Person entdeckt. „Hey Nathaniel. Mir geht’s gut. Dir? Das ist Mr. Faraize, der neue Lehrer.“, erwiderte ich. Der Junge stand von seinem Stuhl auf: „Freut mich. Mir geht’s auch gut. Danke. Guten Tag, Mr. Faraize.“ Er ging zu dem schwarzhaarigen und reichte ihm die Hand. Dann sprach ich ihn wieder an: Nathaniel? Mr. Faraize hatte mich gefragt, ob ich ihn in der Schule herumführen könnte, aber ich kenne mich hier selbst noch nicht so gut aus. Da hatte ich gedacht, du könntest das vielleicht machen.“ Außerdem hatte ich ehrlich gesagt keine Lust dazu. Unser Schülersprecher wendete sich wieder mir zu. „Das würde ich gerne, aber ich habe leider keine Zeit. Ich muss noch eine Menge Papierkram erledigen.“, antwortete er. Der immer mit seinem Papierkram. Hat er irgendwann auch mal Freizeit? „Aber Nathaniel,“ ,begann ich, „du kennst dich hier doch viel besser aus.“ Mit seinem typischen Gesichtsausdruck sah er mich an. Das hieß, freundlich, nett, ruhig, halt sein Schülersprechergesicht. „Ich habe keine Zeit, Sakura. Tut mir leid.“, redete er sich raus. Man ey! Den Kerl muss man doch irgendwie überredet bekommen. Kurz überlegte ich, dann hatte ich eine Idee. Gut, versuchen wir es mal so. Ich setzte einen Bettel-Blick auf und sah ihm in seine gold-braunen Augen. „Bitte Nath. Ich muss doch gleich in den Unterricht.“, bat ich ihn. Als Schülersprecher hatte man ein paar Freiheiten, deshalb war es nicht so schlimm, wenn er mal nicht im Unterricht war. Schon gar nicht um einen neuen Lehrer rum zu führen. Bei einem normalen Schüler wie mir war das was anderes. Ich würde sicher ärger bekommen. „Na gut. Dann werde ich das übernehmen.“, sagte er. Jaaa! Gewonnen!! Ich bin gut! „Danke, Nath.“, bedankte ich mich und drehte mich schon zum gehen um. Da hielt er mich aber noch einmal auf: „Seit wann nennst du mich eigentlich ´Nath´?“ Oh. Stimmt. Ich hatte ihm eben einen Spitznamen verpasst. „Ähm…seit jetzt?“, meinte ich. „Aha. Ok. Gut, bis dann.“, verabschiedete er sich noch. Er hatte also nichts dagegen. Schön. „Bis dann.“, antwortete ich ihm, „Tschüss, Mr. Faraize.“ Damit verschwan ich aus dem Raum.
Ich schaffte es gerade noch pünktlich zur ersten Stunde. Mathe. Oh, wie ich Mathe doch hasste.

Als der Lehrer und endlich vom Matheunterricht befreite, ging ich zu meinem Spind und packte ihn um. Mathe raus, Deutsch und Englisch rein. Da kam plötzlich Ken auf mich zu geschlichen und das hieß nie was gutes. „Ken, was ist los?“, fragte ich ihn auch sogleich. „I…Ich…Ich…wollte mich verabschieden.“, stotterte er. Was? Ich hoffe, ich habe mich gerade verhört. „Wie, verabschieden?“, hakte ich nach. „Mein Vater hat mich von der Schule genommen und schickt mich auf eine Militärschule. Er meint, dort würde ich ein richtiger Mann werden. Ich habe ihm erzählt, das Amber mich immer geärgert hat und er will sich das nicht länger mit angucken. Er wartet draußen auf mich.“, teilte er mir mit traurigem Gesicht mit. Nein, bitte nicht. „Ken. Du kannst mich doch nicht alleine lassen. Du bist mein bester Freund.“, ich wollte es einfach nicht akzeptieren. Klar, nervte er mich manchmal. Und ich ärgerte ihn aus Spaß auch ab und zu, aber trotzdem. Er war immer für mich da gewesen. Außerdem gehörte er zu den einzigen zwei Personen, die wissen, was alles in meinem Leben passiert war. Ich konnte immer mit ihm reden. „Tut mir leid, Sakura.“, er kam auf mich zu und umarmte mich. Sofort erwiderte ich die Umarmung und hätte ihn am liebsten so schnell nicht mehr los gelassen. Einige Tränen liefen an meinen Wangen hinab. „Wir telefonieren aber, ja?“, wollte ich wissen. Ken nickte eifrig. „Natürlich, ich bin immer für dich da.“, bestätigte er mir. „Gut.“, schluchzte ich leise. Wir drückten uns noch einmal und dann ging er. Na toll. Jetzt ist er weg.
Traurig machte ich mich auf den Weg zurück in die Klasse. Bevor ich aber dort ankam, lief eine gewisse Zicke auf mich zu. Och nee, nicht auch noch Amber. Schon gar nicht jetzt. „Hey, du! Gib mir mal ein bisschen Geld, ich brauche was für mein Mittagessen!“, rief sie auch gleich. Bin ich bescheuert? Ich gebe der doch nicht mein Geld. „Garantiert nicht.“, antwortete ich ihr nur kühl. Mit hochgezogener Augenbraue sah sie mich an. „Du willst nicht?“, fragte sie arrogant. Ihre zwei Anhängsel, Charlotte und Lie, kicherten. Wer weiß, warum. „Nein, will ich nicht.“, gab ich zurück. Sie rümpfte verächtlich die Nase und schnappte schnell nach meiner Tasche. „Hey! Was soll das?“, wollte ich wissen. Das kann doch nicht wahr sein. Ich griff nach meiner Tasche, doch die Klone hielten mich fest. Amber wühlte indes mein Portmonee raus und nahm sich 15€. „Wenn du es mir nicht freiwillig geben willst, dann halt so.“, meinte sie und wedelte mit dem Geld vor meiner Nase herum. Die zwei Mädchen hatten mich wieder losgelassen. Dann schmiss sie mir meine Tasche zu, sodass ich leicht ins wanken kam. Ich mein Gleichgewicht aber noch halten. Die drei stolzierten davon und ich stand noch etwas perplex da. Dann wurde ich wütend. Zuerst muss Ken die Schule wegen ihr verlassen und jetzt bestielt sie mich. Jetzt reichts. Das gibt Rache. Sauer stapfte ich wieder zum Schülersprecherzimmer und ging diesmal ohne Klopfen einfach rein. Nathaniel saß wieder an seinem Schreibtisch über irgendwelchen Papieren und fuhr hoch, als ich reinplatze. „Sakura. Was ist los?“, fragte er mich etwas erschrocken. „Was los ist? Wegen deiner, ach so lieben Schwester, muss Ken jetzt auf eine Militärschule! Und eben hat sie mir 15€ geklaut!“, meckerte ich drauf los. Ich war sauer, und zwar richtig. Und Nathaniel hatte leider ein schlechtes Los gezogen. Er war der Schülersprecher und Ambers Bruder, deshalb ließ ich meinen Ärger jetzt leider an ihm aus. „Beruhige dich bitte.“, beschwichtigend hob er die Hände. Inzwischen war er auch aufgestanden. „Das tut mir wirklich leid, aber ich kann auch nichts dafür.“, verteidigte er sich. Ich versuchte mich zu beruhigen und holte tief Luft. „Ich weiß.“, antwortete ich, „Aber jetzt reichts mir. Diesmal gibt’s Rache.“ Skeptisch sah er mich an. „Du willst dich rächen? Lass das lieber.“, fing er an, „Weißt du was? Ich gebe dir das Geld wieder und rede mal mit Amber.“ Sofort holte er sein Portmonee und gab mir 15€. „Nathaniel, das kann ich doch nicht annehmen.“, sagte ich. Der blonde Junge sah mich mit einem Blick an, dem man nicht widersprechen durfte, also nahm ich das Geld widerwillig. „Ich glaube es bringt nicht viel, mit ihr zu reden. Oder hat das jemals geholfen?“, wollte ich wissen. Nath dachte nach, dann schüttelte er den Kopf. „Nein. Leider nicht.“, gab er zu, „Hm…sie hat Angst vor Spinnen.“ Hä? Und? Was sollte ich damit jetzt anfangen? Ich habe auch Angst vor Spinnen. Auf meinen verständnislosen Gesichtsausdruck hin, erklärte er mir: „In dem Laden hier in der Nähe kann man Plastikspinnen kaufen. Leg die ihr doch einfach in den Spind.“ Moment. Hatte Nathaniel mir gerade einen Vorschlag gegeben, um mich an seiner Schwester zu rächen? Der artige Schulsprecher? Wieder deutete er mein Gesicht richtig: „Ja, ich weiß. Erwartete man nicht von mir. Aber auch mir macht sie das Leben zur Hölle.“ „Ach so.“, gab ich von mir, „Danke. Das ist eine gute Idee.“ Somit verließ ich das Zimmer. Ich hatte zwar selbst totale Angst vor Spinnen, sogar vor toten, aber das bekomme ich schon irgendwie hin. Ich schütte die Dinger einfach direkt aus der Tüte oder in was die eingepackt sind, direkt in ihren Spind.



Es war Pause und ich stand nun schon ein paar Minuten in dem Laden vor den Plastikspinnen. Ich konnte es leider nicht ändern, aber ich ekelte mich vor den Dingern. Vielleicht fällt mir ja doch noch was anderes ein. Somit verließ ich das Geschäft und ging wieder zur Schule. Auf dem Weg hatte ich überlegt, aber leider keine Idee bekommen. Im Klassenraum traf ich Iris, die ich sogleich fragte: „Iris? Ich will mich an Amber rächen, hast du eine Idee?“ „Wieso willst du dich an ihr rächen?“, wollte sie wissen. „Wegen ihr muss Ken auf eine Militärschule und sie hat mir Geld gestohlen.“, erklärte ich ihr. Etwas geschockt sah sie mich an, das überlegte sie. „Kauf dir doch die gleichen Klamotten wie sie. Das findet sie sicher nicht gut.“, schlug sie mir vor. Keine so schlechte Idee. Alleine deshalb schon, weil keine Spinnen dabei waren.

Nach der Englischstunde hatten wir große Pause, also ging ich in die Stadt in den Klamottenladen von Leigh. Da er gerade anscheinend nicht im Geschäft war, suchte ich mir erstmal die Sachen raus. Ein beiges T-Shirt mit türkisem Gürtel, eine türkise Kette und eine weiße Tasche. Das Shirt und die Kette fand ich echt hässlich, die Tasche mochte ich. Leigh stand nun auch an der Kasse. „Hey, Leigh.“, begrüßte ich ihn. „Hey, Sakura. Was machst du denn hier?“, fragte er mich. Als Antwort legte ich ihm die Sachen hin. Er sah sie sich an und schaute dann skeptisch zu mir. „Das ist doch nicht dein Ernst, oder?“, nun sah er etwas fassungslos aus. „Wie jetzt? Du magst die Klamotten nicht, die du in deinem eigenen Laden hast?“, wollte ich wissen. „Ja. Manche Sachen kann ich mir leider nicht aussuchen.“, erklärte er. „Ach so. Na ja, ich will mich an Amber rächen und dachte das ich die selben Klamotten wie sie anziehe.“, teilte ich ihm mit. „Ah. Ok. Aber heb den Bon auf, damit du es wieder umtauschen kannst.“, riet er mir. „Klar doch, ich hatte nicht vor das zu behalten.“, dabei zeigte ich mit leicht verzogenem Gesicht auf die Dinge auf dem Tresen. Leigh lachte und packte mir die Sachen und den Bon in eine Tüte. Eigentlich könnte ich mich auch gleich hier umziehen. Hm…Nee, dann würden die mich auf der Straße ja alle in diesen Klamotten sehen. Ich zieh mich in der Schule um. „Ich muss dann wieder los. Tschau, Leigh.“, verabschiedete ich mich. „Bye, Sakura. Bis dann.“, winkte er mich noch nach. Nach der Schule werde ich die Sachen gleich wieder umtauschen.

Wieder in der Schule war jetzt erstmal Geschichte angesagt. In der nächsten Pause ging ich aufs Mädchen-Klo und zog mich schnell um. Im Flur begegnete ich auch gleich Amber. „Was? Du hast dir die selben Sachen wie ich gekauft?“, sagte sie wütend. Siegessicher grinste ich sie an: „Ja. Und, was meinst du? Stehen sie mir?“ Ihr Gesichtsausdruck wandelte von wütend zu arrogant. „Willst wohl endlich mal was geschmackvolles anziehen, was? Mir steht das aber natürlich immer noch am besten.“ Sie lachte kurz und ging an mir vorbei. Wie jetzt? Was sollte das? Richtig geärgert hat sie sich nicht, oder? Mist! Der Plan ist wohl schief gelaufen. Vor mich hin grummelnd ging ich mich wieder umziehen. In meinen Sachen fühlte ich mich auch gleich viel wohler. Heute hatte ich eine schwarze Blumentunika mit roten Mustern an, eine schwarze Röhrenhose, rote Chucks und ein braunes Bettelarmband.
Ich ging wieder in die Klasse und überlegte mir was ich wegen Amber jetzt unternehmen könnte. Hm…dann muss ich das wohl doch mit den Spinnen machen. Aber irgendwie glaube ich, reicht das noch nicht. Was könnte ich denn noch machen? Nach der nächsten Stunde ging ich auch den Schulhof, setzte mich auf eine Bank und überlegte. Plötzlich riss mich jemand aus meinen Gedanken: „Hey, Kleine. Warum starrst du Löcher in die Luft?“ Es war Castiel. Er hatte sich neben mich gesetzt und krame seinen MP3-Player heraus. „Ich überlege wie ich mich an Amber rächen könnte.“, beantwortete ich seine Frage. „Wie wärs mich Graffiti?“, machte er einen Vorschlag. Hä? Wie sollte Graffiti mir den dabei helfen? Ich fragte nach: „Wie soll mir das dabei helfen?“ „Ganz einfach. Du besorgst dir eine Spraydose und besprühst ihren Spind.“, erklärte er mir seine Idee. Ach so. Hm…Gute Idee. Und in dem Laden hatte ich vorhin auch Spraydosen gesehen. Da musste ich mich jetzt aber beeilen, das ich das vor der nächsten Stunde noch machte. Ich stand auf und sah noch einmal zu dem Rotschopf. „Danke, Cas.“, bedankte ich mich. „Kein Problem.“, entgegnete er und steckte sich seine Kopfhörer in die Ohren und machte viel zu laut Musik an. Mich wunderte es, das er noch nicht taub war.
Ich lief also wieder in das Geschäft, holte mir eine Spraydose mit schwarzer Farbe.

Zurück in der Schule hieß es, das unser Lehrer eine Viertelstunde später käme. Perfekt. Ich schlich leise in den Flur zu Ambers Spind, niemand war zu sehen. Ich schüttete ihr die Plastikspinnen in den Spind, keine Ahnung warum sie ihn nicht abgeschlossen hat. Dann sprühte ich ein paar Strichmännchen auf die Spindtür. Auf einmal hörte ich eine wütende Stimme hinter mir: „Hey! Was machst du da mit Ambers Spind?“, Ruckartig drehte ich mich um. Es war Li. Sie versuchte mir die Spraydose aus der Hand zu reißen. „Das werde ich alles Amber erzählen.“, drohte sie. Ach nee. Damit hätte ich ja jetzt überhaupt nicht gerechnet. „Was habt ihr da angestellt?!“, schrie das pinke Etwas mit rotem Kopf, das auf uns zu gestapft kam. „Das ist Beschädigung des Schuleigentums! Dann wart ihr das auch sicher mit dem Geschmiere hinten im Flur und im Treppenhaus! Ihr zwei werdet nach dem Unterricht so lange bleiben, bis ihr das alles wieder sauber gemacht habt!“, informierte sie uns kreischend. Ich musste mich wirklich zusammenreißen mir nicht die Ohren zu zuhalten. Nachdem sie fertig war stapfte sie wieder zurück in ihr Büro. Leider ging das Geschrei weiter. Li machte löste die Direktorin ab: „Wegen dir muss ich jetzt länger bleiben und verpasse meinen Termin bei der Maniküre!“ Oh. Das tut mir jetzt aber leid. Auch sie ging wütend davon. Hm…dafür brauchen wir Putzzeug. Ich werde mal Nathaniel fragen, ob er weiß, wo wir welches herbekommen.

Also machte ich mich, mal wieder, auf den Weg ins Schülersprecherzimmer. Diesmal klopfte ich. „Herein.“, hörte man die Stimme des blonden. Langsam öffnete ich die Tür und schaute rein. Hoffentlich war er mich nicht böse, wegen vorhin. „Nathaniel?“, fragte ich vorsichtig, „Darf ich reinkommen?“ Er sah von seinen Papieren auf und machte mir mit einer Handbewegung klar, das ich reinkommen sollte. „Entschuldigung, wegen vorhin. Ich hätte dich nicht so anmeckern sollen.“, entschuldigte ich mich. Schließlich konnte er ja nichts dafür, das er mit Amber verwandt war. „Schon ok. Ich kann dich verstehen. Amber kann einem den letzten Nerv rauben.“, winkte er ab. Wie? Sogar ihm? Das würde ich ja mal gern sehen. Man kannte Nathaniel nur ruhig und freundlich. Es war fast unvorstellbar, das auch er ausrasten konnte. „War noch was?“, riss mich der Schülersprecher aus meinen Überlegungen. Stimmt, ich wollte ihn ja was fragen. „Ähm…ja. Weißt du wo ich Putzzeug für Graffiti herbekomme?“, fragte ich also. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und er sah mich fragend an. „Ich wollte mich doch an Amber rächen, hab ich auch, aber ich habe zusätzlich noch ihren Spind besprüht. Li hat mich erwischt und dann kam auch noch die Direktorin. Die hat uns dann dazu verdonnert das Graffiti am Spind und hinten in den Fluren wegzumachen.“, erklärte ich ihm. „Oh. Das tut mir leid.“, meinte er, „Das Putzzeug kann ich dir besorgen. Komm einfach nach dem Unterricht noch mal her.“ „Es muss dir nicht leid tun. Ist ja nicht deine Schuld. Ok. Danke. Dann bis nachher.“, damit ging ich wieder. Und zwar in die letzte Stunde für heute, Erdkunde.



Nach dem Unterricht hatte ich mir bei Nathaniel das Putzzeug abgeholt. Dann stand ich zwanzig Minuten im Hauptflur und wartete auf Li. Als sie kam, meckerte sie: „Da bist du ja. Ich warte schon ewig im Treppenhaus.“ Das wir uns da treffen, hätte sie mir ja auch ruhig mal sagen können. Ich kann schließlich keine Gedanken lesen. Wäre manchmal aber echt praktisch. Aber anscheinen war sich Kloni zu fein dafür, mir Bescheid zu geben.
Auf jeden Fall gingen wir dann zusammen den Flur entlang zu den Graffitis. Es waren zwar nur ein paar, dafür aber nicht gerade klein. Wir teilten sie auf und ich begann mit meiner Hälfte. Ich hatte die im hinteren Flur und Li die beim Treppenhaus.
Nachdem ich fertig war und alles sauber hatte, schaute ich nach Li. Sie hatte gerade mal die Hälfte von einem Graffiti weg. „Li. Was soll das denn?“, fragte ich etwas fassungslos. Sie saß auf der Treppe und lackierte ihre Nägel. „Denkst du etwa ich mache mir meine Finger mit dem Zeug dreckig?“, sagte sie arrogant, „Das kannst du machen. Ich habe angefangen, das reicht. Meine Hände sind jetzt schon ganz trocken.“ Das glaube ich jetzt ja nicht. Spinnt die jetzt total? „Garantiert werde ich das nicht tun. Wir haben uns die Arbeit aufgeteilt und ich habe meine fertig. Da werde ich sicher nicht auch noch deine machen. Das kannst du schön selbst tun.“, teilte ich ihr verärgert mit. Ich stellte ihr ihre Putzsachen hin, nahm mir meine Tasche und setzte mich neben sie auf die Treppenstufen. „Ich habe Zeit. Ich mache jetzt erstmal meine Hausaufgaben.“, informierte ich sie und begann mit gesagtem. Zum Glück hatten wir nur was kurzes in Englisch auf. Um Lou brauchte ich mir keine Sorgen machen, da mein Bruder bei ihm war. Anderenfalls hätte ich vorhin einfach Tantchen angerufen und ihr Bescheid gesagt. Da sie einen Ersatzschlüssel für mein Haus hat, wäre das kein Problem gewesen. Die Asiatin meckerte vor sich hin, machte sich dann aber doch ans putzen.

Rums. Was war das denn? Suchend sah ich mich um, konnte aber nichts entdecken. Von Li kam es auch nicht. Die räumte gerade ihre Putzsachen zusammen, denn sie war endlich fertig. Genauso wie meine Englischaufgaben, weshalb ich die wieder einräumte. Polter. Schon wieder ein Geräusch. „Was war das?“, wollte Li wissen. „Keine Ahnung.“, antwortete ich ihr. Etwas ängstlich sahen wir uns um. Auf dem Treppenabsatz konnten wir plötzlich einen Schatten ausmachen. Panisch schrieen wir: „Ahhhh!!!“ Hastig schnappten wir unsere Sachen und rannten schreiend davon. „Ahhh!! Hilfe!!“, konnte man auf dem Schulgelände hören. Keine von uns blieb stehen. Wir wollten einfach nur noch so schnell wie möglich nach Hause.



Am nächsten Morgen ging ich etwas früher zur Schule, um noch die Klamotten bei Leigh umzutauschen. Makoto ließ mich heute ohne lange Reden alleine gehen, während er sich mit Lou auf den Weg in den Park machte. Der Tag gestern war echt beschissen gewesen, dem entsprechen war heute meine Laune. Echt mies. Auf dem Weg traf ich Castiel, als ich an seiner Straße vorbei kam. „Morgen, Kleine.“, wurde ich von dem Rotschopf begrüßt. „Morgen.“, grummelte ich. Irgendwie kam mir das etwas bekannt vor. Nur das wir anscheinend die Rollen getauscht hatte. Sonst war er es nämlich, der am grummeln war. Schweigend liefen wir nebeneinander her und ich holte nach einer Weile mein Handy und die Kopfhörer raus. Ich machte mir ´Linkin Park´ mit ´Leave Out All The Rest´ an.
Dann kamen wir zur Kreuzung. Zur Schule ging es gerade aus weiter, zu Leighs Laden nach links. Ich bog also nach links ab. Mir fiel gerade auf, das es gar nicht zu Cas passte so früh zur Schule zu gehen. Er ist echt seltsam. „Hey, Sakura! Du weißt schon das es zur Schule da lang geht, oder?“, riss mich der rothaarige aus meinen Gedanken. Er zeigte in Richtung Schule. Ich nickte nur und ging weiter. „Hallo?“, sprach er mich wieder an. „Cas. Ich habe heute schlechte Laune und deshalb keine große Lust zum reden. Entweder du kommst einfach mit, oder du gehst schon mal allein zur Schule vor.“, erklärte ich ihm etwas genervt. „Hm…In diesen paar Sätzen hättest du mir auch erklären können, was du vor hast.“, meckerte der Junge neben mir. „Ja, hätte ich. Habe ich aber nicht.“, dann schwieg ich wieder und ging einfach weiter. Castiel blieb noch etwas verwirrt und unschlüssig stehen, kam dann aber hinter mir her.

Wir waren beim Laden angekommen, ich stand gerade an der Kasse und wartete das Leigh sich blicken ließ. Wo war der bloß? Vielleicht hinten in dem Raum. In diesem Moment kam der schwarzhaarige Junge durch gerade diese Tür. „Ah. Guten Morgen, Sakura. Guten Morgen, Castiel.“, begrüßte er uns freundlich. „Morgen, Leigh.“, sagten wir im synchron. „Ich wollte die Sachen von gestern umtauschen.“, teile ich ihm mit. Ich legte ihm die Tüte mit den Klamotten hin und hielt ihm den Bon hin. „Ach ja. Hat dein Plan denn funktioniert?“, wollte er wissen. „Nein, leider nicht. Es hat eher das Gegenteil bewirkt. Ich glaube, sie findet sich jetzt noch toller.“, genervt verdrehte ich die Augen, als ich daran dachte, „Aber ich habs ihr anders heimgezahlt. Hoffe ich zumindest.“ Hatte das mit den Spinnen eigentlich geklappt. Fragend sah ich Castiel an. „Soweit ich mitbekommen habe, ja. Jedenfalls ist sie schreiend durch die Schule gerannt und hat die ganze Zeit ´SPINNE!!!´ geschrieen.“, klärte er mich auf. Das hört man doch gerne. Da wurde meine Laune auch gleich ein kleines bisschen besser. „Gut zu wissen.“, ich grinste kurz.

Nachdem Leigh die Klamotten und ich mein Geld wieder hatte, gingen wir zur Schule. Castiel setzte sich wieder auf seine Bank und ich wollte noch mal ins Treppenhaus. Ich wollte unbedingt wissen, was das gestern war. Dort angekommen fand ich neben der Treppe kleine Plastikstücke und einen Zigarettenstummel. Das lag gestern aber noch nicht hier. Seltsam. Außerdem, was war das für ein Schatten? Ich ging die Treppe etwas rauf und sah mich dort um, aber nichts. Ein Gespenst? Ich werde mal mit Nathaniel reden. Der weiß doch sonst eigentlich auch immer, was an der Schule los ist. Also ging ich zum Schülersprecherzimmer, klopfte wie immer an und trat nach seiner Aufforderung herein. „Hallo, Sakura.“, grüßte er mich, „Und? Habt ihr die Graffiti alle weg bekommen?“ „Hey, Nath. Ja, haben wir.“, begann ich, „Sag mal, das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen seltsam an aber, könnte es sein, dass es in der Schule spukt?“ Sein Gesichtsausdruck verriet mir, was er jetzt von mir dachte. Nämlich, das ich total spinne. Ich wartete schon darauf, das der Schülersprecher zum Telefon griff und mich in die Klapse einwies. Ich seufzte: „Jetzt guck nicht so.“ „Ähm…Tut mir leid. Wie kommst du darauf, das es hier spukt?“ Ich erzählte Nathaniel was gestern nach dem sauber machen vorgefallen war. „Aha. Ihr habt euch sicher geirrt. Das war bestimmt nur ein offenes Fenster. Die Putzfrauen vergessen manchmal alle zu zumachen.“, meinte er nur. „Nein. Ich bin mir ganz sicher. Und auch wenn, die Geräusche von einem Fenster kamen, was ist dann bitte schön mit dem Schatten? Hast du da auch eine Erklärung für?“, behaarte ich. „Nun ja…also…ähm….“, stotterte der blonde Junge. Überall sah er hin, nur nicht zu mir. Was ist denn mit dem los? „Nathaniel? Alles in Ordnung?“, fragte ich nach. „Äh…ja. Alles Bestens. Danke. Ich…muss jetzt langsam mal weiter machen.“, sagte er und wendete sich wieder seinem Papierkram zu, „Und zu dem Geist. Es gibt keine Geister, Sakura.“ Doch, die gibt es. Da bin ich mir ganz sicher. „Eine Frage habe ich aber noch. Das hier habe ich vorhin im Treppenhaus gefunden und gestern lag das noch nicht dort.“, ich hielt ihm den Zigarettenstummel und die Plastikstücke hin. „Dann ist das wohl von heute.“, sprach er etwas abwesend, „Wenn ich rauskriege wer da geraucht hat, bekommt der mächtigen ärger. Das ist im Schulgebäude verboten.“ Aus unserem Schülersprecher würde ich nichts rausbekommen, das stand klar. Trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl, er wusste mehr als er zugab. „Ok. Bis dann.“, verabschiedete ich mich und ging wieder.

Auf dem Flur traf ich gleich auf Lysander. „Guten Morgen, Sakura.“, wurde ich freundlich begrüßt. „Morgen, Lys.“, grummelte ich wieder etwas genervt. Ich hatte noch immer schlechte Laune und war nun zusätzlich genervt, weil ich nicht raus fand was hier los war. „Auf dem Weg zu Cas?“, hing ich noch dran. „Ja, richtig.“, antwortete er, „Hast du heute schlechte Laune?“ „Bingo. Ich komm gleich zu euch. Hole nur noch meine Bücher aus dem Spind, dann erzähle ichs euch.“, gab ich mich geschlagen. Auch so wusste ich schon, das die zwei keine Ruhe geben würden, ehe ich es ihnen nicht erzählte, da war ich mir sicher. „Ok. Dann bis gleich.“, damit ging er raus auf den Schulhof. Wie gesagt ging ich zu meinem Spind und holte die Bücher, die ich brauchte. Danach wollte ich zu den beiden Freunden. Die Mädels hatte ich noch gar nicht entdeckt. Entweder sie waren im Klassenraum oder irgendwo draußen. Auf dem weg aus dem Gebäude kam mir aber leider Blondchen mit ihrem Anhang entgegen. „Wen haben wir denn da? Den kleinen Angsthasen.“, lachte Amber spöttisch, „Li hat uns erzählt was gestern los war und wie du vor Angst schreien davon gerannt bist.“ Hat die mir einen Peilsender eingepflanzt oder wieso lauf ich der immer über den Weg. Ist ja schrecklich. „Was ist mit Li? Die hat ebenso geschrieen. Und nenn mich nicht klein.“, gab ich zurück. Die Asiatin hatte auch panisch rum geschrieen. Wehe die nennt mich noch mal klein. Dann würde ich mir noch was schönes für sie ausdenken. Ich kann das nicht leiden. Ich bin nicht klein, die anderen sind nur zu groß. Hm…Außer bei Castiel, bei ihm stört es mich nicht mehr so. Na ja, er meint es auch anders als Amber. Er sagt das nur zum Spaß um mich ein bisschen zu ärgern, aber nicht böse. Zickie schon. „Li hat uns da aber was ganz anderes erzählt.“, holte sie mich aus meinen Gedanken. „Dann hat sie was falsches erzählt.“, entgegnete ich. „Willst du damit etwa sagen, ich lüge?!“, fragte Li empört. „Ähm…nein, natürlich nicht. Wie kommst du denn darauf?“, fragte ich ironisch. Li wurde langsam wütend. „Ach, und auf das andere zurück zu kommen. Du bist klein.“, warf Amber plötzlich ein. Da viel mir ein Spruch ein, den mir meine Mutter oft gesagt hatte. Den sagte ich nun auch Amber mit einem frechen Grinsen: „Nein. Ich bin nur aufs Beste reduziert.“ Jetzt wurde auch Blondchen wütend, und zwar so, das sie rot anlief. „Charlotte. Li. Packt sie.“, befahl sie auf einmal. Blitzschnell schnappten sie mich an meinen Armen und hielten mich fest. Dies geschah alles so schnell, das ich gar nicht reagieren konnte. „Mal sehen, ob du gleich auch noch so freche Töne spuckst.“, sprach Amber mit einem bösen Grinsen. Oh nein. Was hatten die mit mir vor. Sie schleiften mich einfach mit. Ich versuchte mir zu wehren, aber vergebens. Vor einer Tür weiter hinten blieben wir stehen. „Der Raum wird als Abstellraum benutzt. Hier kommt alles rein, was man nicht mehr braucht. Du passt hier also perfekt hin.“, erklärte sie mir. Sie öffnete die Tür und Licht schien in den dunklen Raum. Oh Gott! Die wollen mich doch nicht wirklich da reinsperren?! Egal wo ich hin sah, erblickte ich Spinnweben und Spinnen. Nein! Bitte nicht! Ich hasste Spinnen. Ich hatte panische Angst vor diesen Viechern. Die beiden Klone zerrten mich in den Raum und Amber holte etwas aus ihrer Tasche. „Ich wusste doch, das mir die noch mal nützen werden.“, sie hielt mir Handschellen vors Gesicht, „Ein Scherzartikel von Helloween.“ Li und Charlotte drückten mich auf den Boden. Neben mir sah ich ein Gitter, wahrscheinlich ein Abfluss oder so. Amber nahm mein Handgelenk und machte mich mit den Handschellen an dem Gitter fest. All mein Gezappel und Treten brachte nichts. Mist! Blondchen trat zurück und die anderen beiden ließen mich endlich los. Ich versuchte sogleich aufzustehen, aber es klappte nicht. Ich hing fest. „Hahaha. Bin mal gespannt, wie du da wieder rauskommen willst.“, lachte das blonde Mädchen, „Vor allem ohne den Schlüssel.“ Diesen hielt sie mir vor die Nase, zog ihn aber gleich wieder weg, als ich danach greifen wollte. „Na na. Wer wird denn wohl.“, sagte sie und bewegte ihren Zeigefinger hin und her, „Mal sehen, vielleicht lassen wir dich nach dem Unterricht wieder raus. Oder auch erst morgen.“ Lachend verließen die drei den Raum und schlossen die Tür. Was? Wie soll ich das so lange hier aushalten. Erstens, war da das Problem mit den Spinnen. Zweitens, ich gebe es nicht gern zu, aber ich habe totale Angst im Dunkeln. Ich dreh durch, wenn ich meine Umgebung nicht mehr erkennen kann. Und drittens, meine Blase würde das nicht so lange mitmachen. „Hilfe!“, schrie ich. Keine Antwort.

Seit zwei Stunden saß ich hier nun fest. Inzwischen hatte ich panische Angst. Mir war nämlich wieder eingefallen wie klein dieser Raum war und deshalb bekam ich zusätzlich auch noch Platzangst. Ich hatte angefangen zu weinen und rief ab und zu nach Hilfe. Auf einmal hörte ich Schritte. „Hilfe!“, machte ich mich bemerkbar. „Hahaha. Mach dir keine Hoffnungen. Wir sinds nur.“, hörte ich Amber und ihren Anhang lachen. Shit! Ich will hier endlich raus. Die drei entfernten sich wieder. Wunderte sich denn keiner das ich nicht da war. Die Mädchen, Castiel oder Lysander. Genau, Lys. Ich hatte ihm doch gesagt, das ich rauskommen wollte. Warum suchte denn niemand nach mir. Da fiel mir etwas ein. Auch wenn sie nach mir suchen sollten, würde es ewig dauern bis sie mich finden. Es würde keiner auf die Idee kommen, das ich im Abstellraum bin. Meinen Nerven waren am Ende. Ich war in einem kleinen engen, stockdunklen Raum mit Spinnen eingesperrt. Der totale Horror-Albtraum. Ich ließ meinen Gefühlen einfach freien Lauf und heulte drauf los. Wann würde ich wohl endlich hier rauskommen?



- Erzähler-Sicht -

Lysander kam gerade bei Castiel an und setzte sich neben ihn auf die Bank. „Sakura kommt auch gleich.“, informierte er seinen Freund. Dieser sah ihn aber nur mit einem ausdruckslosen Gesicht an. „Und warum erzählst du mir das?“, wollte er wissen. „Sie will uns verraten, warum sie heute so schlechte Laune hat. Ich dachte, das interessiert dich auch.“, sagte der weißhaarige und holte sein Notizbuch und einen Stift aus seiner Tasche. Der Rotschopf hatte sich inzwischen einen Kopfhörer aus dem Ohr genommen. „Warum sollte mich das interessieren?“, fragte er nach. Sein Sitznachbar sah von seinem Buch zu ihm auf, lächelte und sagte ganz direkt: „Weil du sie magst.“ Castiels Augen weiteten sich für einen Moment, dann nahm er aber wieder seinen üblichen kühlen Gesichtsaudruck an. „Wie kommst du darauf, das ich die kleine Nervensäge mögen würde?“, kam es nur von ihm. Lys seufzte genervt. „Castiel. Warum gibst du nicht einfach zu, dass du sie magst? Was ist daran so schlimm?“, bohrte er weiter. Der rothaarige schaute ihn aus den Augenwinkeln kurz an, dann wandte er sich wieder seinem MP3-Player zu, steckte sich den Kopfhörer wieder ins Ohr und damit war das Gespräch für ihn beendet. >>Ich habe nichts gegen sie. Aber ich weiß, welche Art mögen Lysander meinte und auf diese Art mag ich sie nicht. Wie kommt er darauf?<<, fragte sich Cas. Der weißhaarige machte sich auch so seine Gedanken, >>Warum kann er nicht einfach zu geben, das er in sie verknallt ist? Ich sehs ihm an, das kann er nicht ewig abstreiten. Er hat sich noch nie so viele Sorgen und Gedanken um jemanden gemacht. Schon gar nicht um ein Mädchen.<<
Nach einer Weile wunderte sich Lysander wo Sakura blieb. >>Seltsam. Sie wollte doch nur noch ihre Bücher aus dem Spind holen. Wo bleibt sie nur?<<, dachte er sich. Er hatte die ganze Zeit an einem neuen Song geschrieben und bemerkte, das die Pause bald vorbei war. „Weiß du vielleicht wo sie bleiben könnte?“, fragte er den rothaarigen. Angesprochener blickte ihn nicht an, sondern schaute weiter in den Himmel: „Woher soll ich das denn wissen? Wie du schon bemerkt hast, sie hat schlechte Laune. Vielleicht hatte sie einfach keine Lust mehr gehabt.“ Lys gab sich damit aber nicht zufrieden.
„Das glaube ich nicht.“
„Und wieso nicht.“
„Weil es nicht danach aussah. Sie wollte uns wirklich erzählen, was los ist.“
„Hm…“
„Hast du eine Idee, warum sie so miese Laune haben könnte?“
„Vielleicht wegen Amber.“
„Wie? Amber?“
„Sie wollte sich an Amber rächen, keine Ahnung warum. Vielleicht ist irgendwas schief gelaufen.“
„Das wäre möglich.“
Da klingelte es zur nächsten Stunde. Lysander stand auf und zog Castiel mit sich. Dieser sah ihn nur fragend und verwirrt an. „Du kommst jetzt mit in den Unterricht. Sonst fliegst du doch noch mal von der Schule, wenn du so weiter machst.“, erklärte er sein tun. Der Rotschopf schnaubte nur genervt, ging aber mit.

Nachdem eine weiter Schulstunde vergangen war und Sakura auch nicht im Unterricht aufgetaucht war, begann Lysander sich Sorgen zu machen. „Ich geh sie mal suchen. Da stimmt doch was nicht.“, teilte er seinem Freund mit und machte sich auf die Suche nach dem Mädchen. Auch Castiel machte sich so langsam Sorgen, ließ es sich aber natürlich nicht anmerken. >>Wo bist du nur, Kleine? Hoffentlich ist ihr Vater nicht wieder aufgetaucht. Wenn ja, landet er diesmal im Krankenhaus.<<, dachte er sich. Bei diesem Gedanken wurde er wütend und ballte die Hände zu Fäusten. Da wieder Pause war, setzte er sich wieder auf die Bank und machte laut Musik an um sich wieder zu beruhigen. Sie suchen würde er nicht. Er war der Meinung, es reichte, wenn Lys das machte. Wenn sie allerdings nach der letzten Stunde immer noch nicht aufgetaucht ist, würde er sie doch suchen gehen.

Lysander lief indes schon zum zweiten Mal durch die Schule. >>Irgendwo muss sie doch sein.<<, dachte er. Er blieb in der Nähe der Abstellkammer stehen und überlegte wo das schwarzhaarige Mädchen sein könnte. Plötzlich nahm hörte er ein Schluchzen und Wimmern. >>Weint hier irgendwo jemand?<<, suchend sah er sich um. Er folgte dem Geräusch und blieb schließlich vor dem Abstellraum stehen. >>Hier raus kommt es.<<, stellte er fest und wollte die Tür öffnen. >>Abgeschlossen. Wo kriege ich denn jetzt den Schlüssel her?<<, überlegte er und sah ein paar Meter weiter etwas glänzendes auf dem Boden liegen. Als er näher heran ging, erkannte er einen Schlüssel an dem ein kleines Schild befestigt war, auf dem ´Abstellkammer´ stand. >>Wie kommt der denn hier her?<<, fragend sah er sich um, konnte aber niemanden entdecken. Schulter zuckend ging er wieder zurück und schloss die Tür auf. Er konnte nicht glaube, was er da sah. Am Ende des kleinen Raums, an der Wand, saß eine völlig verängstige Sakura auf dem Fußboden und heulte sich die Augen aus. „Mein Gott. Sakura, was ist passiert?“, kam es nur hauchend von ihm. Er was so perplex und erschrocken, das er nicht in dem Moment nicht normal sprechen konnte. Das Mädchen sah auf und blickte ihn aus geröteten Augen an. „Lys.“, flüsterte sie und streckte die freie Hand nach ihm aus. Erst jetzt bemerkte der Junge, das sie mit der anderen Hand an ein Gitter gefesselt war. Mit zwei großen Schritten war er bei ihr, nahm ihre Hand entgegen und kniete sich zu ihr runter. Sakura klammerte sich sogleich an ihm fest und weinte noch mehr. Vorsichtig nahm er sie leicht in den Arm und sah sich nebenbei die Handschellen an. „Wer hat dir das angetan?“, wollte er wissen. „A…Amber…und…die…die anderen beiden.“, brachte sie zwischen ihrem schluchzen hervor. >>Jetzt ist sie wirklich zu weit gegangen.<<, sagte er sich. Der schwarzhaarigen teilte er mit: „Ich suche sie und hole den Schlüssel.“ Das Mädchen sah ruckartig auf und schüttelte wild den Kopf. „Nein. Bleib hier.“, bat sie ihn und klammerte sich noch fester in sein Hemd. Er seufzte. „Aber wir müssen dich doch hier irgendwie los bekommen.“, bemerkte er. Betrübt sah sie auf den Boden und nickte leicht. „Trotzdem. Ich…ich bin seit zwei Schulstunden hier. Seit dem…wo ich eigentlich zu euch kommen wollte. Und…hier sind so viele Spinnen und es ist eng….und….stockdunkel.“, sprach sie. Immer noch weinte das Mädchen. >>Aber jetzt kommt doch Licht rein.<<, versuchte er sie zu beruhigen. Sie antwortete nicht. >>Sie muss panische Angst gehabt haben.<<, überlegte er. Der weißhaarige sah sich in dem Raum um und entdeckte eine Zange. Er ließ Sakura los, die ihn auch gleich erschrocken ansah. „Da liegt eine Zange. Vielleicht bekomme ich damit die Handschelle kaputt.“, erklärte er ihr. Sie ließ ihn los und er holte sich das Werkzeug. Nach ein paar Versuchen war Sakura frei und fiel Lysander um den Hals. Er hatte sich schon gefreut, da sie sich etwas beruhigt hatte, aber nun brach sie wieder in Tränen aus. Er nahm sie in den Arm und steckte die Handschellen in seine Jackentasche, >>Die nehme ich lieber mit. Sonst glaubt die Direktorin mir das garantiert nicht.<< Er wollte das Mädchen auf die Beine stellen, doch sobald sie stand, knickte sie wieder weg. >>Die Arme. Sie ist völlig am Ende.<<, stellte er fest. So nahm er sie auf die Arme und trug sie. Sakura klammerte sich weiter an ihm fest und weinte weiter. >>Warum beruhigt sie sich denn nicht endlich?<<, sorgte er sich. Der Junge ging auf den Schulhof zu der Bank, auf der Castiel saß und Musik hörte. Als er die beiden aber sah, nahm er sofort die Kopfhörer raus, steckte sie samt MP3-Player in seine Jackentasche, sprang auf und kam ihnen entgegen. „Was ist passiert?“, fragte er gleich. „Ich hatte dir doch gesagt, das sie zu uns kommen wollte.“, begann Lys, „Amber hat sie mit Handschellen in die Abstellkammer gesperrt und sie war bis eben da drin. Und wäre das nicht genug, hat sie noch Angst vor Spinnen, von denen es da drin jede Menge gibt. Platzangst, du weißt glaube ich wie klein der Raum ist. Und Angst im dunkeln. Na ja, und dort kommt kein bisschen Licht rein.“ Castiel hatte zwischendurch immer mal wieder genickt. Je mehr sein Freund erzählte, umso wütender wurde er. Und zwar auf Amber. „Jetzt hat sie es wirklich übertrieben.“, sagte der Rotschopf in einem gefährlichen Ton. Der weißhaarige stimmte ihm zu: „Ich weiß. Deshalb gehe ich jetzt auch zur Direktorin und erzähle es ihr. Du kümmerst dich in der Zeit um Sakura. Vielleicht kannst du sie ja beruhigen.“ Damit drückte er ihm das Mädchen in die Arme und verschwand im Schulgebäude. Castiel war noch etwas perplex, weil er sie so plötzlich in den Armen trug, aber als sich die schwarzhaarige an ihn klammerte, erwachte er aus seiner Starrte. Er blickte zu ihr runter und sah in ihr verheultes Gesicht. Sie weinte immer noch. Der Junge seufzte, setzte sich wieder auf die Bank und nahm Sakura auf seinen Schoß. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, drückte sich an ihn und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. >>Ich glaube sie merkt gar nicht, was sie da gerade tut.<<, lachte er innerlich. Aber als er sie sich dann genauer an sah, verschwand das Schmunzeln von seinem Gesicht. Er hielt ein kleines Häufchen Elend in seinen Armen, das mit den Nerven am Ende war. Rot verweinte Augen, ein paar zerzauste Strähnen im Gesicht. Und die Tränen wollten einfach nicht aufhören zu fließen. >>Was hat Amber dir nur angetan?<<, dachte er sich und sah sie weiter besorgt an. Castiel drückte das Mädchen weiter an sich und stich ihr über den Rücken. „Schhh. Beruhig dich.“, flüsterte er ihr zu. Sie weinte aber weiter. Der Junge überlegte, was er machen könnte, da fiel ihm etwas ein. Er holte seinen MP3-Player aus seiner Jackentasche, steckte der schwarzhaarigen einen Kopfhörer ins Ohr, den anderen in seines und machte Musik an. Er nahm ein ruhigeres Lied und machte die Lautstärke runter, damit es nicht mehr so laut war.

Nach einer Weile hatte sich Sakura endlich beruhig und aufgehört zu weinen. Cas, der in den Himmel gesehen hatte, schaute zu dem Mädchen, als er bemerkte, dass sie vollkommen ruhig war. Ihre Augen waren weiterhin geschlossen, aber sie hatte einen ruhigen Gesichtsausdruck angenommen. Sie war eingeschlafen. Der rothaarige betrachtete sie und strich ihr dann die Haarsträhnen aus den Gesicht. >>Endlich hast du dich beruhigt.<<, sagte er in Gedanken. Castiel lehnte seinen Kopf an den von Sakura und schaute sie weiter an. >>Da haben wir was gemeinsam. Musik hilft immer.<<, ein Lächeln huschte kurz über seine Lippen.

Lysander verließ gerade das Büro der Direktorin. Nachdem er ihr alles erzählt hatte, ließ sie sofort Amber holen. Diese gestand nach einigen Minuten, da sie die bösen Blicke der Frau und Lys nicht mehr standhielt. Er war nun auf dem Weg zu seinen beiden Freunden, währen sich das blonde Mädchen eine Schimpftirade der feinsten Sorte anhören musste. Sie würde eine saftige Strafe bekommen, was stand allerdings noch nicht fest. Der weißhaarige bog gerade um die Ecke, als er Castiel und Sakura auf der Bank erblickte. Ruckartig blieb er stehen. >>Ist klar. Er mag sie nicht. Das kann er mir echt nicht erzählen, so wie er sie ansieht.<<, dachte er grinsend. Er holte sein Handy raus und schoss heimlich ein Foto von den beiden. >>Ich glaube, das werde ich bei Gelegenheit mal Makoto zeigen.<<, überlegte er sich. Der Junge hatte sich mit Sakura´s Bruder auf der Feier gut verstanden und die zwei hatten die Handynummern ausgetauscht. >>Außerdem, könnte es mir für Cas sicher auch nützlich sein.<<, sagte er sich. Grinsend drehte er um und ging ans andere Ende des Schulhofs, dort hatte er vorhin nämlich Rosalia entdeckt. Erzählen würde er ihr davon aber erstmal nichts.

- Erzähler-Sicht Ende -



Der Tag gestern war der totale Horror gewesen. Den Tag davor fand ich schon schlimm, aber gestern übertrag es bei weitem. Das Beste an dem Schultag waren Lysander und Castiel gewesen. Lys hatte mich aus dieser Hölle gerettet und der Direktorin erzählt was passiert war. Dies erfuhr ich von Cas. Der weißhaarige hatte mich zu ihm gebracht, nachdem er mich befreit hatte. Bei beiden hatte ich mich erstmal ausgeheult, aber bei dem Rotschopf beruhigte ich mich endlich. Ich weiß nicht wie, aber er hat es geschafft. Irgendwie hat er eine beruhigende Wirkung auf mich. Zumindest gestern, sonst ja eher nicht. Durch die Musik die er angemacht hatte, wurde ich zusätzlich ruhiger. Musik half mich schon immer. Egal in welcher Stimmung ich war. Jedenfalls musste ich irgendwann eingeschlafen sein, denn Castiel weckte mich.


- Flashback -

„Hey, Kleine. Aufwachen.“, sagte er ruhig, „Unser Schulmonster kommt.“ „Mhmh…“, murrte ich und kuschelte mich enger an ihn. Es war gerade so schön warm und gemütlich. Ich fühlte mich richtig wohl. „Sakura, wach auf.“, sprach er wieder. Ich konnte sein schmunzeln förmlich raushören. Moment. Castiel und schmunzeln? Und von was für einem Schulmonster redete er? Langsam öffnete ich die Augen und blickte direkt in Castiels. Seine braun-grauen Augen sahen mich warm und auch etwas belustig an. Dann musste er leicht lachen. „Warum lachst du?“, fragte ich nach. „Ach, nur so.“, bekam ich als antwort. Hm… Was hatte er wieder? „Von was für einem Schulmonster redet du eigentlich?“, wollte ich wissen. Er nickte in eine Richtung, ich drehte mich etwas und schaute über meine Schulter. Das pinke Etwas kam auf uns zu, mit einem besorgten Ausdruck im Gesicht. Ok… Die und besorgt? Habe ich was verpasst. Fragend sah ich Cas an. Der grinste aber wieder nur komisch. Warum war er mir eigentlich so nah? Das fiel mir nämlich gerade auf. Er war mir sehr nah. Irgendwie war ich nicht so ganz da, also versuchte ich meine Gedanken zu ordnen und mich zu orientieren. Ich sah mich um und bemerkte, das ich auf seinem Schoß saß und meine Arme um ihn geschlungen hatte. Hä??? Was ist hier bitte los??? Warum sitze ich auf seinem Schoß! Oh mein Gott! Jetzt weiß ich auch, warum er die ganze Zeit so komisch gegrinst hat und gelacht. Weil ich gar nicht gepeilt habe, wo ich bin. Vor Schreck weiteten sich meine Augen und ich sprang auf. Nur leider wollten meine Beine nicht so wie ich will und drohten weg zu knicken. Der Rotschopf konnte mich aber noch rechtzeitig auffangen. „Na, endlich wieder richtig anwesen?“, fragte er leicht lachend. „Haha. Sehr komisch. Warum hast du nicht gesagt?“, meckerte ich. „Ich hatte nicht das Gefühl, das es dir was ausmachen würde. Außerdem bist du eine tolle Heizung.“, grinste er mich schief an. Ich stellte mich endlich richtig hin, alleine. Dann drehte ich beleidigt den Kopf weg. Na toll, jetzt vergleicht er mich schon mit einem Möbelstück.
Inzwischen kam auch Pinkie bei uns an. „Sakura, geht es Ihnen gut?“, fragte sie mit besorgter Stimme. „Ähm…ja. Danke.“, antwortete ich. Fragend sah sie Castiel an. Ich sah verwirrt von einem zum anderen. In welchem Film bin ich denn hier gelandet? „Äh…Ist was? Habe ich irgendwas verpass?“, wollte ich wissen. Der Junge neben mir sah mich erstaunt an: „Du kannst dich nicht erinnern?“ „An was?“, fragte ich nach. „An Amber.“, erwiderte er und sah mich misstrauisch an. „Klar kann ich mich an Amber erinnern. Warum sollte ich auch nicht? Sie ist blond, ich kann sie nicht leiden, sie ärgert mich…“, mitten im Satz stockte ich. Erst wusste ich nicht, was das soll, aber jetzt fiel mir wieder alles ein. Sie hatte mich eingesperrt. Mit Handschellen in diesen Höllenraum gekettet. In mir kamen die Gefühle wieder hoch und ich merkte, wie sich meine Augen mit Tränen füllten. Ich schlang meine Arme um mich, senkte den Kopf und ließ meine Harre vors Gesicht fallen. „Sakura?“, sprach mich Castiel an, „Alles ok?“ Ich schüttelte nur den Kopf. Wieder rannen mir die Tränen die Wangen hinab. Der rothaarige musste bemerkt haben, das ich leicht zitterte, denn er legte mir eine Hand auf die Schulter. Ich sah auf und schaute ihn an. Er seufzte und erwiderte meinen Blick, besorgt. Die Direktorin meldete sich wieder zu Wort: „Lysander hat mir erzählt was passiert ist. Amber wird nicht ungestraft davon kommen. So etwas dulde ich an meiner Schule nicht. Castiel, würde Sie Sakura bitte nach Hause begleiten? Ich habe Sie beide für den restlichen Unterricht heute befreit.“ Castiel und ich nickten. Kurz sah ich die Direktorin noch einmal an und sagte leise: „Danke.“ Dann holten wir unsere Taschen und machten uns auf den Weg.

Bei mir angekommen, löste Makoto den Rotschopf gleich ab. Als er sah wie fertig ich war, nahm er mich gleich in den Arm. Cas berichtete ihm in der Zeit, was passiert war. Irgendwann dazwischen, weil ich nicht weiter zuhören wollte, machte ich mich von meinem Bruder los und ging rein. Ich hob Lou auf meine Arme, setzte mich im Wohnzimmer aufs Sofa und kuschelte mich an ihn.
Nachdem Castiel gegangen war, kümmerte sich mein Bruder um mich. Er machte mir einen Kakao, machte einen meiner Lieblingsfilme an, und setze sich neben mich. Rechts von mir saß nun Mako, an den ich mich anlehnte und der einen Arm um mich gelegt hatte. Links von mir lag Lou, der seinen Kopf auf meine Beine abgelegt hatte und den ich kraulte. Irgendwann machte ich mich dann fertig und ging ins Bett.

- Flashback Ende -


Heute hatte ich also, mal wieder, dementsprechende Laune. Noch schlechtere als letztes Mal. Meine Klamotten bestanden heute aus meinem roten Gothicshirt mit Streifen, einer schwarzen Hotpan, einer schwarzen Jacke, viktorianischen schwarzen Stiefeln, einer schwarzen Schiebermütze und dazu meine roten Motorradhandschuhe.
Castiel holte mich heute wieder ab und wir gingen zusammen zur Schule. „Morgen, ihr beiden.“, begrüßte uns Lysander, den wir auf dem Schulhof trafen. „Morgen.“, murmelte ich leise, „Ich geh schon mal rein.“ Damit verschwand ich in dem großen Gebäude. In der Klasse setzte ich mich auf meinen Platz neben Rosalia. Die anderen Mädchen waren auch schon da und redeten fröhlich miteinander. Ich hörte nur halb zu und zeichnete irgendwelche Kritzeleien in meinen Block.
In der Pause kam Nathaniel zu mir. „Hey, Sakura. Ich hab gehört, was meine Schwester gemacht hat. Tut mir echt leid.“, sagte er. Kurz schaute ich ihn an und zwang mich zu lächeln: „Schon gut. Du kannst ja nichts dafür, das du mit ihr verwandt bist.“ Besorgt sah er mich an, dann berichtete er: „Die Direktorin lässt sie einen Monat Nachsitzen. Den Tafeldienst hat sie ihr auch für einen Monat aufgebrummt.“ Darauf musste ich wirklich ein bisschen lächeln. „Schön.“, entgegnete ich aber nur.
Den ganzen restlichen Tag, war ich die meiste Zeit still und sprach nur das Nötigste. Entweder war ich in den Pausen bei den Mädels oder bei Cas und Lys. Meistens aber eher bei den zwei Jungs. Meine Freundinnen versuchten mich die ganze Zeit aufzumuntern und redeten ununterbrochen auf mich ein. Ich weiß, sie meinten es nur gut, aber im Moment wollte ich das nicht. Die Jungs ließen mich in Ruhe. Ich saß bei ihnen, hörte Musik und zeichnete weiter in meinem Block rum. Lysander zeigte mir zwischendurch ab und zu den Text von dem neuen Song an dem er gerade schrieb, und wollte wissen wie ich ihn finde.
In der letzten Schulstunde fiel mir dann wieder die Sache mit dem Gespenst ein. Nach dem Unterricht ging ich zu Cas und sagte ihm, das er heute alleine nach Hause gehen sollte, da ich noch was zu erledigen hatte. Zum Glück fragte er auch nicht weiter nach. Ich versteckte mich auf der Mädchen-Toilette und wartete bis es dunkel wurde. Dann schlich ich durch die Schule uns sah nach, ob auch niemand mehr da war. Im Hauptflur traf ich dann auf einmal Nathaniel. „Sakura. Was machst du denn noch hier?“, wollte er wissen. Was sollte ich denn jetzt sagen. Ah, genau. Ich stellte einfach eine Gegenfrage: „Und du? Bist du immer so lange in der Schule?“ „Nein. Ich wollte nur endlich den einen Aktenstapel fertig bekommen.“, antwortete er, „Also, was machst du hier? Sag nicht, du bist auf Geistersuche?“ Mist. Er hatte mich durchschaut. Ertappt sprach ich dann: „Ähm…ja, irgendwie schon.“ Etwas genervt seufzte er.
„Sakura, es gibt keine Geister. Das habe ich dir doch schon gesagt.“
„Aber irgendwas war den Tag hier. Ich habe was gehört und gesehen.“
„Das hatten wir doch schon geklärt. Das Geräusch kam sicher von einem offenen Fenster, das die Putzfrauen vergessen haben. Und der Schatten…vielleicht ein Baum, von draußen.“
„Das war kein Baum. Kann auch keiner gewesen sein. Bei dem Treppenabsatz gibt es gar kein Fenster.“
„Dann vielleicht von einem Schrank oder so.“
„Nath. Das glaubst du doch wohl selber nicht, oder? Irgendetwas oder jemand ist hier, und ich werde es schon noch herausfinden.“
Damit machte ich kehrt und ging zum Treppenhaus. Den Schülersprecher ließ ich einfach stehen.
Nach zwei Stunden warten war immer noch nichts passiert. Vielleicht kommt ja heute keiner. Am besten ich geh nach Hause und gucke morgen noch mal.

Am nächsten Tag, fand ich wieder etwas im Treppenhaus. Ein rotes Plektrum und ich Notizbuch. Dieses Buch kam mir sehr bekannt vor. Das gehört doch Lysander. Da schreibt er immer seine Texte rein. Dann gehörte das Plektrum vielleicht Castiel. Sofort ging zu den beiden, die wie immer auf ihrer Bank saßen. „Hey, ihr zwei.“, sprach ich sie an. Der Rotschopf nickte mir nur zu und widmete sich dann wieder seiner Musik die er hörte. „Hey, Silent.“, begrüße mich der weißhaarige. Hä? Was soll das denn jetzt? „Warum nennst du mich Silent?“, fragte ich nach. „Du hast für und doch auch Spitznamen, also dachte ich mir, du bekommst auch einen.“, begann er, „Und ich finde Silent passt zu dir.“ Ich überlegte kurz, dann nickte ich leicht. Stimmt, da hat er Recht. Silent passte wirklich zu mir. Vor allem in den letzten Tagen. Ich war sehr ruhig und redete nicht allzu viel. Die schlechte Laune war noch nicht ganz weg. „Sagt mal, gehört das euch?“, ich hielt ihnen die gefundenen Gegenstände hin. „Mein Notizbuch. Ich habe es schon gesucht, wo hast du es gefunden?“, wollte Lys wissen. Ich gab es ihm und hielt dem rothaarigen dann das Plektrum unter die Nase, da dieser nicht aufgesehen hatte. Augenblicklich sah er auf und nahm es mir aus der Hand. „Wo hast du das her?“, fragte auch er. „Ich habe die Sachen eben im Treppenhaus gefunden.“, informierte ich sie. Erst sahen sie etwas erschrocken aus, dann schauten sie sich kurz an und wendeten sich wieder mir zu. „Die müssen wir vorhin verloren haben.“, meinte Lysander. Aha. Klar. Er hört sich auch sehr überzeugend an.
„Was ist, wenn ich dir nicht glaube?“
„Warum solltest du das nicht?“
„Warum nimmt Castiel sein Plektrum mit zur Schule?“
„Das geht dich doch nichts an.“, meldete dieser sich jetzt zu Wort. „Hm…“, gab ich nur von mir. Aus welchem Grund auch immer, aber ich hatte das Gefühl, das die beiden etwas mit diesem Schatten den ich gesehen hatte, zu tun haben. Ich finds schon noch raus. „Egal. Wir sehen uns.“, verabschiedete ich mich und ging zu den Mädels. Ich spürte noch ihre Blicke in meinem Rücken. Was geht hier bloß vor sich?

Wie geplant war ich auch diese Nacht wieder in der Schule. Ich hatte meinen Digitalkamera von zu Hause mitgenommen. Falls der Schatten, oder sogar die Person oder was auch immer auftauchen sollte, könnte ich es diesmal beweisen. Ich wartete und wartete und wartete. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich ein Geräusch, konnte aber nicht deuten, was es war. Zwischendurch wurde es lauter, dann wieder leiser. So langsam konnte ich es als Musik wahrnehmen. Warum war mitten in der Nacht in der Schule Musik an? Plötzlich berührte mich etwas an der Schulter. Ich schrie vor Schreck auf, fuhr herum und drückte wohl irgendwie den Auslöser meiner Digi. Sie gab nämlich auf einmal ein helles Licht ab und ich erkannte eine Person vor mir. Diese stolperte, von dem Licht erschreckt, ein paar Schritte zurück. „Man! Willst du das ich bild werde!“, meckerte auch gleich eine mir bekannte Stimme. „Castiel?“, fragte ich, doch etwas ungläubig.
„Ja, wer denn sonst?“
„Was machst du denn hier?“
„Das gleiche wollte ich dich auch fragen.“
„Ich wollte wissen was hier los ist.“
„Wovon redest du?“
Ich erzählte ihm also, was in der Nacht, in der ich mit Li putzen musste, passiert war. „Aha.“, kam nur von ihm, als ich geendet hatte. „Also, was machst du hier?“, fragte ich noch einmal. „Na gut. Ich erzähle es dir, aber du musst schwören es für dich zu behalten.“, gab er nach. „Ich schwöre.“, sagte ich und legte meine linke Hand auf mein Herz und die rechte hob ich. „Also, Lysander und ich proben hier im Keller. Das darf aber nicht rauskommen, weil wir sonst mächtigen ärger bekommen würden.“, erklärte er. Seit wann störte es ihn, wenn er ärger bekam? Damit müsste er sich doch auskennen, sooft wie er den Unterricht schwänzt. „Und woher bekommt ihr den Schlüssel?“, stellte ich meine nächste Frage. „Von Nathaniel.“, meinte er nur knapp. Wie jetzt? Die können sich doch nicht ausstehen. Völlig verwirrt starrte ich ihn an. „Naja, wir würden es so oder so machen. Aber so ist es leichter und nicht so auffällig.“, erklärte er wieder. Ich nickte nur. „Na komm. Ich zeigs dir.“, er ging an mir vorbei und dann durch die Kellertür. Ich folgte ihm. Wir kamen an ein paar Türen vorbei und an der letzten blieb er stehen und öffnete sie. Ich trat ein uns sah Lysander auf einem grauen Sofa sitzen, das an einer der Wände stand. Es gab noch eine Gitarre, ein Mikrofonständer, natürlich mit Mikro und hinten in der Ecke konnte ich einen staubigen schwarzen Flügel sehen. „Ich hab dir doch gleich gesagt, wir sollten sie einweihen, aber du wolltest ja mal wieder nicht auf mich hören.“, hörte ich Lys sprechen. „Ja, ja. Ist gut.“, gab der Rotschopf von sich und setzte sich auch aufs Sofa. „Hey, Silent.“, begrüßte mich der weißhaarige. „Hey, Lys.“, erwiderte ich, sah ihn aber nicht an. Mein Blick hing noch immer an dem schwarzen Flügel. „Den hat die Schule hier gelagert, da er momentan nicht gebraucht wird. Leider kann keiner von uns spielen, sonst würden wir ihn auch benutzen.“, meinte Lysander, der neben mich getreten war. Ich ging langsam auf den Flügel zu, setzte mich hin und fing an zu spielen. ´Amazing Grace´ von ´Celtic Woman´, ich fand das Lied wirklich schon, und sang mit. Ich merkte nicht wie Castiel und Lysander mich anstarrten.

Als das Lied zu Ende war schaute ich noch eine Weile einfach die Tasten an. Manchmal ist es, als wäre ich in einer anderen Welt, wenn ich singe. Dann drehte ich mich wieder zu den beiden Jungs. Lys saß inzwischen wieder neben dem rothaarigen auf dem Sofa. Ungläubig blickten sie mich an. „Was ist?“, wollte ich wissen. „Das…das war unglaublich. Du kannst wirklich wunderschön singen.“, fand Lysander als erster die Sprache wieder. Etwas verlegen schaute ich zu Boden. „Danke.“, flüsterte ich. Der Rotschopf nickte darauf nur. Die beiden sahen sich kurz an. Dann fragte Lys: „Sag mal, willst du vielleicht bei uns mit machen? Also, in der Band?“ Perplex sah ich sie an. Sollte ich? Es war noch nie so mein Ding gewesen, bei etwas mitzumachen, wo ich regelmäßig hin musste. Keine Ahnung warum, wahrscheinlich war ich dafür einfach zu faul. „Hm…kann ich…vielleicht auch erstmal einfach so ab und zu mitmachen? Ohne gleich in die Band einzusteigen?“, fragte ich vorsichtig. „Klar doch.“, freundlich schaute mich der weißhaarige an. Ich lächelte glücklich. „Danke.“, sagte ich noch.
Dann sangen wir noch ein paar Lieder. Cas an der Gitarre, Lysander am Mikrofon und ich am Klavier. Ab und zu sang ich auch alleine oder ein Duett mit Lys. Es machte wirklich riesigen Spaß mit den Jungs Musik zu machen. Ich überlegte mir, ob ich ihnen diesen Proberaum hier nicht ersparen sollte. Praktischerweise hatte ich ja ein professionelles Studio zu Hause, das sie ja eigentlich benutzen könnten. Darüber wollte ich aber noch einmal genau nachdenken.
Zwei Stunden später entschieden wir dann, für heute Schluss zu machen. Am Schultor verabschiedeten wir uns von dem weißhaarigen Jungen, da er einen anderen Heimweg hatte. Nach ein paar Minuten Fußweg sprach mich Castiel an: „Über was denkst du die ganze Zeit nach?“ Er hatte es also gemerkt. Soll ich es ihm sagen? Hm…Na ok, zum Teil. Ich grinste: „Darüber, ob ich euch diesen Proberaum ersparen soll, oder nicht.“ „Hä? Wie meinst du das?“, wollte er wissen. „So wie ich es gesagt habe.“, entgegnete ich. „Aha. Aber irgendwo müssen wir proben.“, stellte der Rotschopf klar. „Ich weiß. Aber den Raum kann man ja wirklich nicht gerade schön nennen. Außerdem ist es ja auch nicht ganz ungefährlich für euch nachts, in der Schule zu proben. Ich meine, falls es doch mal irgendwie rauskommen sollte.“, fuhr ich fort. „Stimmt. Aber daran können wir nichts ändern.“, meinte er. „Ja. Aber vielleicht ich.“, grinste ich ihn an. „Echt?! Und wie?“, fragte er nach. Ich grinste noch mehr. Irgendwie gefiel mir die Idee immer besser, aber ich wollte die Jungs überraschen. Endlich bekam ich mal wieder gute Laune, und zwar solche das ich grinsend um Castiel herumhüpfte. „Sag ich nicht.“, trällerte ich. Er blieb stehen und sah mich verwirrt an. „Und du beschwerst dich darüber das ich Stimmungsschwankungen hätte. Aber selber.“, sprach er dann. Ich blieb vor ihm stehen. „Du hast mehr Stimmungsschwankungen als ich.“, verteidigte ich mich. Mit schief gelegtem Kopf sah ich ihn an. Der Junge vor mir schüttelte den Kopf: „Du bist echt seltsam. Der Satz kam mir bekannt vor. Das hatten wir schon mal. Wieder grinste ich ihn an und stellte die selbe Frage, wie letztes Mal: „Ich hoffe doch im positiven Sinne?“ Er musterte mich eine Weile. „Vergiss nicht, diesmal musst du mir eine Antwort geben“, fügte ich noch hinzu. Erst verstand er nicht was ich meinte und dachte nach, dann schien es ihm einzufallen. „Ach ja. Dieses Gespräch hatten wir ja schon einmal.“ Ich nickte daraufhin nur. „Und?“, erwartungsvoll sah ich ihn an. Kurz überlegte er noch, dann lächelte er: „Ja. Im positiven Sinne.“ Glücklich darüber erwiderte ich sein Lächeln. So standen wir eine Weile da und lächelten und einfach nur an. Dann wurde Cas plötzlich rot, ging eilig an mir vorbei, schnappte sich meine Hand und zog mich mit sich. „Es ist schon spät, wir sollten langsam nach Hause.“, sagte er nur noch. Den ganzen restlichen Weg, gab er keinen Ton mehr von sich. Er ging vor und ich starrte die ganze Zeit auf seinen Rücken. Hm…war es ihm vielleicht peinlich? Ha! Da waren wieder seine Stimmungsschwankungen. Ich sag doch, er hat die viel öfter als ich. Castiel brachte mich nach Hause, verabschiedete sich schnell und verschwand dann. Wenn ich richtig gesehen hatte, war er immer noch ein bisschen rot. Ich kicherte vor mich hin, schloss die Tür auf und ging rein. Dort wurde ich schon von Cookie bellend begrüßt. „Hey, mein Kleiner.“, ich kniete mich zu ihm runter und streichelte ihn ausgiebig. Dann ging ich in die Küche, gefolgt von meinem Hund, und machte mir Nudeln. Auf dem Tisch fand ich einen Zettel.

´Hey Schwesterchen!

Bin mit Freunden unterwegs.
Cookie hatte schon sein Abendbrot.

Hab dich lieb,
Makoto

Etwas stupste mich am Bein an und als ich hinuntersah, erblickte ich Cookie der mich mit großen Augen ansah. „Tut mir leid, aber du hattest ja anscheinend schon dein Essen.“, entschuldigend sah ich ihn an. Ich holte Geschirr raus und deckte den Tisch. Der kleine Hund sah mich immer noch bettelnd an. „Nein, du bekommst nicht noch etwas. Sonst wirst du mir noch zu dick.“, sagte ich ihm entschieden. Anscheinend hatte er jetzt verstanden, das er nichts mehr zu Fressen bekam, denn er trottete zu seinem Körbchen, lege sich rein und beobachtete mich weiter. Ich schaltete Musik ein, und aß meine Nudeln, als sie endlich fertig waren. Danach sah ich mir noch irgendetwas im Fernsehen an.


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Kommi nicht vergessen!

LG, Fly


PS: Hier ist noch das Lied.

http://www.youtube.com/watch?v=5_OQxElM94g
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