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The bittersweet tone of love

von Sue Rose
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lichtenstein Österreich Schweiz Ungarn
15.06.2012
28.03.2013
39
32.539
2
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15.06.2012 1.086
 
35. Bittersüße Erkenntnis

Die Stunden bis acht vergingen so langsam, dass Roderich sich immer wider vergewisserte, dass die Uhren im Haus nicht allesamt stehen geblieben waren. Sie tickten, doch es kam ihm so endlos lang vor, bis zum nächsten Ticken. Und irgendwann hatte er den Eindruck, das Zifferblatt der Standuhr in seinem Zimmer würde langsam zerfließen, so zähflüssig, wie die Zeit dahin floss. Das Warten trieb ihn beinah in den Wahnsinn, dabei hatte er es extra so lange herauszögern wollen, damit er alles noch einmal bedenken konnte. Doch das Denken fiel ihm so entsetzlich schwer. Und so kroch die Zeit dahin, ohne dass er an etwas denken konnte, bis es schließlich so weit war. Acht Uhr. Oder zumindest kurz davor. Er machte sich auf, in den Salon und war auch genau zwei Minuten vor acht da.

Er trat herein und erblickte Vash, der unruhig hin und her lief. Was dieser wohl erwartete? Hoffentlich doch nicht das Schlimmste? Er wollte ihm doch nur etwas Gutes tun. Ihnen allen. Er wollte das Richtige tun.
Mit einem leisen Räuspern machte er den Wartenden auf seine Anwesenheit aufmerksam und schloss die Tür leise hinter sich. Jeden Moment musste es so weit sein. Jede Sekunde war der Moment gekommen. Der Moment, der alles retten würde, was sie verband.

„Da bist du ja...“, murmelte Vash mit merkwürdig rauer Stimme. War er etwa nicht minder nervös, als er? Doch der Schweizer wusste gar nicht, worum es ging. Er hingegen wusste es genau und eben dies machte ihn so unsicher. Eigentlich war es eine stärke von ihm, in jeder Situation die Contanace zu bewahren, doch nun war er wieder einmal kurz davor, sie zu verlieren. Wie so oft, wenn es um Vash ging.
„Ich...Also, ja...“, murmelte Roderich leicht verspätet und trat auf ihn zu.
„Was möchtest du bereden?“, fragte sein Gegenüber frei heraus.
„Ich, wie soll ich das sagen?...Also...“, stammelte der Österreicher. Er war nervös. Wie sollte er nur in Worte fassen, was ihm auf dem Herzen lag?

Apropos Herz, warum schlug seines eigentlich so schnell, dass es schmerzte? Warum war er so machtlos dagegen? Was sollte er nur tun? Er hatte seine Entscheidung getroffen und das musste er ihm einfach mitteilen.
„Ich...“, gerade, als er erneut zum Reden ansetzte, öffnete sich die Salontür erneut. Reflexartig wandte er den Kopf, wohl wissend, wer den Raum betreten hatte. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Alle Beteiligten waren versammelt und er musste die Stimme erheben. Er musste sagen, was er zu sagen hatte. Auch, wenn es seiner Art in jeder Weise widerstrebte.

„Was macht der denn hier? Ich dachte, wir wollten reden, mein liebster Roderich!“, hallte mit einem Mal die hohe Frauenstimme durch den Raum.
„Was macht sie hier?“, fragte nun auch Vash, die Frau ignorierend.
„Roderich, schick ihn weg, wir wollen doch reden...“ Elizaveta trat auf den Angesprochenen zu und wollte sich bei ihm einhaken, doch er zog ihr einfach den Arm weg.
„Was soll das ganze, du verdammter Schnösel?“
„Roderich, warum bist du so kalt zu mir?“
„Du willst dich über mich lustig machen, nicht wahr?“
„Liebst du mich denn nicht?“, riefen die beiden Überraschten durcheinander, dass es in Roderichs Ohren dröhnte.

„ES REICHT!“, rief er deshalb und brachte sie damit beide zum Schweigen. Dass er schrie kam nämlich so selten vor, dass jeder der ihn kannte den Ernst der Lage erahnen konnte. „Elizaveta, hör mir mal zu...“, begann er dann etwas ruhiger und wandte sich der Frau zu.
„Du bist für mich eine gute Freundin, mit der ich viel Zeit verbracht habe, aber mehr nicht. Ich empfinde lediglich Freundschaft für dich, keine Liebe. Bitte, du musst aufhören, mit diesem Wahnsinn. Ich will dir nicht so nah sein. Ich möchte nicht, dass du mich unsittlich berührst und ich möchte auch nicht mit dir schlafen. All die Jahre hat das funktioniert. Warum willst du es jetzt ändern? Ich liebe dich nicht und das werde ich nie. Ich mag dich, das ist alles. Ich habe es dir schon damals gesagt, als ich dich bat, mich zu heiraten....Ich liebe dich nicht und ich werde dich niemals lieben!“, erklärte er sachlich nüchtern und emotionslos, wie eh und je.

„Wie...Wie kannst du nur...?“, hauchte sie aufgelöst, den Tränen nahe.
„Ich bin nicht der Richtige für dich. Suche dir jemanden, der dich auch lieben kann, sonst endest du noch, wie Natalia. Das wünsche ich dir nicht. Lass mich los...“
„Ich, ich will aber nicht...“
„Du musst! Ich will dich nicht! Nicht so! Ich begehre deinen Körper nicht und auch längere Unterhaltungen konnten wir in all den Jahren nicht führen. Wir sind gänzlich verschieden. Du bist nicht so, wie ich es mir wünsche, also hör auf damit!“ Das war die reine Wahrheit. Was er sich wünschte, war niemand, der so war wie sie. Viel mehr wünschte er sich jemanden an seiner Seite, der nicht immer nur Ja und Amen sagte. Jemanden, mit dem er streiten konnte. Jemanden, den er ernst nahm. Jemanden, dem er auch körperlich nah sein konnte. Jemanden wie....Nein, das durfte er nicht denken! Er durfte jetzt nicht einknicken!

„Vash...“, sagte er deshalb laut. Doch nicht laut genug, um seine Zweifel zu übertönen. „Ich kann Elizaveta einfach nicht lieben. Aber du kannst es. Du hast sie immer geliebt, nicht wahr? Ich bitte dich, sei gut zu ihr, ich...“
Seine Stimme brach. Gern hätte er ihnen noch alles Gute gewünscht, doch die aufsteigenden Tränen schnürten seine Kehle zu. Er brachte nichts mehr hervor. Deshalb wandte er sich ab, damit niemand sah, wie es in seinen Augen feucht wurde. Und dann lief er los. Noch bevor jemand etwas sagen konnte. Er stürmte einfach aus dem Raum und ließ seinen Tränen freien Lauf.

Warum weinte er? Er hatte etwas Gutes getan, da einzig richtige. Aber warum schmerzte sein Brust so? Warum konnte er kaum atmen? Er hatte doch das Richtige getan. Warum lastete dann die Bürde dessen, was er erreicht hatte, so schwer auf ihm, dass sie ihn zu erdrücken drohte?
Er weinte. Um eine verlorene Schlacht. Eine Schlacht, die er nicht einmal gekämpft hatte. Langsam nur begriff er, warum er eigentlich weinte. Nicht, weil er nun allein war, weil Vash und Elizaveta glücklich werden würden, sondern, weil er ohne Vash war. Weil er ihn niemals mehr küssen durfte. Niemals. Weil dieser nun mit jemand anderem glücklich werden würde. Er hatte das Richtige getan, und dennoch tat es so verdammt weh.
Mit dieser bittersüßen Erkenntnis schloss er sich im Musikzimmer ein. Und in seinem Schmerz entlockte er dem Klavier bittersüße Symphonien. Er hatte das Richtige getan!
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