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The bittersweet tone of love

von Sue Rose
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lichtenstein Österreich Schweiz Ungarn
15.06.2012
28.03.2013
39
32.539
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15.06.2012 806
 
27. Die Sorgen eines Aristokraten

Es war Abend geworden und Lilly, Elizaveta und Roderich saßen beim Abendessen. Die beiden Frauen unterhielten sich über Belanglosigkeiten, während die Brünette immer wieder versuchte, unter dem Tisch ihre Hand auf sein Knie zu legen. Der Österreicher hatte kein Verständnis für diese Aktion, schließlich hatte es so etwas zwischen ihnen nie gegeben. Diese Zärtlichkeiten hatten sie noch nie ausgetauscht, warum sollten sie also nun damit anfangen? Es hatte doch bisher auch ganz gut ohne geklappt. Außerdem waren ihm ihre Berührungen unangenehm. Deshalb schob er immer und immer wieder ihre Hand von seinem Knie, was Elizaveta, die direkt neben ihm saß, aber nicht davon abbrachte, es erneut zu versuchen. Er verstand ihre Zudringlichkeit nicht. Sonst waren sie doch auch nicht so miteinander umgegangen. Warum sollten sie also von altbewährten Gewohnheiten abweichen?

Außerdem beschäftigte den Aristokraten etwas ganz anderes. Seit er diesen finsteren Blick Vashs auf sich gespürt hatte, war dieser nicht mehr auffindbar. Auch zum Abendessen war der Schweizer nicht erschienen. War er etwa wieder auf dem Schießstand? Er wusste nicht, warum, doch hatte Roderich eine ziemliche Wut bei ihm gespürt, als er an ihnen vorüber gegangen war.  Sicherlich würde Vash dieser Wut auf dem Schießplatz Luft machen. Auch, wenn er nun schon eine ganze Weile fort war. Zum wiederholten Mal verpasste der Blonde das Abendessen. Und Mittag hatte er auch nicht gegessen, soweit er es wusste. Wenn sein Gastgeber so weiter machte, würde er noch irgendwann zusammenbrechen.

Auch, wenn der Brillenträger sich nicht sehr gut mit ihm verstand, wollte er nicht, dass sich sein einstiger Freund seine Gesundheit ruinierte. Aus welchem Grund auch immer. Und den ganzen Tag fast nichts zu essen, bei körperlicher Anstrengung, war für niemanden gesund. Auch nicht für den sturen Schweizer.
Warum war dieser eigentlich so wütend? Roderich verstand es nicht. Lag es an ihm? Er hatte doch nichts getan. Trotzdem hatte er das Gefühl, dass Vash ihm etwas übel nahm. Was konnte das sein? Ob es vielleicht mit Elizaveta zu tun hatte? Mit ihrem plötzlichen Auftauchen? Nein, dann hätte er nicht ihn, sondern sie so böse angesehen.

Was war das überhaupt für ein Blick, den Vash ihm zugeworfen hatte? Er war voller Wut, das hatte der Aristokrat schon bemerkt, doch er konnte es sich einfach nicht erklären. War Vash etwa wütend auf ihn? Weil er sich mit Elizaveta verstand? Mochte sein einstiger Freund etwa die Frau? War er deshalb wütend auf ihn? Weil Elizaveta ihn mochte und nicht Vash? Ach, das war doch Unsinn. Die beiden hatten nie viel miteinander zu tun gehabt. Immer nur durch ihn. Ja, das stimmte. So war es auch damals zu diesem Streit gekommen, in dessen Folge er sich von Vash abgewendet und Elizaveta zur Frau genommen hatte. War der Schweizer etwa wirklich in die verliebt? Hatten sie nur deswegen ihre Freundschaft tatsächlich begraben? Ach, warum ließ sein Gedächtnis ihn ausgerechnet nun im Stich? Wie war das damals genau gewesen?

„Ach...“ Er konnte sich einfach nicht an die Details erinnern.
„Was hast du, Roderich?“, fragte Elizaveta sofort besorgt, als sie sein Seufzen gehört hatte.
„Ich weiß nicht...Ich mache mir Sorgen um diesen Sturkopf...“
„Um Vash? Ach lass ihn, er kommt sicherlich allein klar...“, lächelte sie aufmunternd.
„Er hat heute kaum etwas gegessen...“, merkte Roderich an.
„Er ist alt genug. Lass ihn einfach“, winkte sie ab.
„Lieber nicht...“, murmelte er und erhob sich. „Ich werde nach ihm sehen...“
„Lass mich mitkommen“, bat die Brünette.
„Nein, ist schon gut. Es ist schon dunkel draußen. Du solltest dich lieber auf dein Zimmer begeben. Es wird spät“, lächelte er charmant, wandte sich ab und verließ den Speiseraum.

Ohne großartig nachzudenken, steuerte er direkt auf den Schießplatz zu. Er wusste einfach, dass sein einstiger Freund dort sein musste. Weil er sich immer dort hin begab, wenn er wütend war. Seit der Erfindung des Revolvers hielt sich der Blonde fast nur dort auf. Und langsam war es kalt geworden. Sicherlich schoss der Sturkopf noch immer auf wehrlose Ziele ein, während er gar nicht bemerkte, wie hungrig er war, oder dass er fror. So ein Idiot, dachte der Österreicher bei sich und schüttelte den Kopf, während er durch die Nacht lief und tatsächlich in der Ferne Schüsse hörte. Aber genau so kannte er ihn.

Es dauerte nicht lange, bis er schließlich den Schießplatz erreicht hatte, und die Silhouette eines bewaffneten Mannes sah. „Vash?“, fragte er sicherheitshalber, um nicht in die Schusslinie zu geraten, doch führte sein Ausruf nur dazu, dass die Schrotflinte direkt auf ihn gerichtet wurde.
„Was willst du?“, fragte die Stimme des Schweizers mürrisch.
„Ist dir nicht kalt?“, seufzte Roderich unbeeindruckt und ignorierte den Lauf, der auf ihn gerichtet war.
„Was willst du?“
„Du hast den ganzen Tag noch nichts gegessen“.
„Was geht dich das an?“
„Vash, nimm die Waffe runter. Lass uns reden, ja?“, versuchte der Österreicher, den mutmaßlichen Meisterschützen zu beruhigen.
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