Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The bittersweet tone of love

von Sue Rose
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lichtenstein Österreich Schweiz Ungarn
15.06.2012
28.03.2013
39
32.539
2
Alle Kapitel
45 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
15.06.2012 971
 
19. Der Brief

Was war das gewesen? Irgendetwas war anders gewesen. Aber was? Vash hatte doch reagiert, wie immer. Und er hatte es lediglich endlich über sich gebracht, zu sagen. Eigentlich hätte nun alles wie immer sein müssen, doch das war es nicht. Es hatte sich nichts geändert und doch war alle irgendwie komisch. Sie gingen sich in den folgenden Tagen aus dem Weg, wie schon so oft. Eine direkte Konfrontation suchte keiner der Beiden. Alles war wie immer. Doch hatte Roderich das dumpfe Gefühl, dass es eben nicht so war. Es war doch alles so, wie es sonst war, warum also hatte er so einen schalen Nachgeschmack auf der Zunge, ein flaues Gefühl im Magen, als stimmte irgendetwas nicht? Es war doch alles, wie immer.

Hin und wieder dachte er darüber nach. Warum war es anders, wenn es doch genauso war, wie immer? Doch er fand keine Antwort. Und abfinden mit dieser unerklärlichen Andersartigkeit konnte er sich einfach nicht. Zu gern hätte er ich an sein Klavier gesetzt und gespielt, so lange, bis es ihm klar gewesen wäre. So, wie er es immer tat, um seine Gedanken zu ordnen, um sein Gemüt zu beruhigen, doch er durfte ja nicht.
Auch von der Küche hielt er sich fern. Zu backen hielt er für keine gute Idee, schließlich hatten sie noch immer einige Torten, die im Vorratsschrank standen. Also saß er die meiste Zeit auf seinem Zimmer oder in der Bibliothek, ein Buch lesend, den Inhalt nicht begreifend, nur einen Vorwand brauchend, irgendwohin zu starren und zu denken.

Das Gefühl ließ nicht nach, egal, wie viel er dachte und saß und überlegte. Nichts änderte sich. Er redete zwar öfter mit Lilly, um sich abzulenken, doch auch diese Gespräche lenken ihn nur kurz von dieser unerklärlichen Merkwürdigkeit ab.
Längerfristige Ablenkung erfuhr er erst, als eines Tages ein Brief auf seinem Platz am Frühstückstisch lag. Vash hatte ihm, als er dabei war, sich hinzusetzen, einen kurzen Blick zugeworfen, doch nichts gesagt. Dann hatte er sich wieder seinem Essen zugewandt und ihn ignoriert, wie schon zuvor.

Roderich nahm den Brief von seinem Teller und betrachtete ihn. Kein Absender. Doch der Adressat war eindeutig er. Ein gewisser Roderich Edelstein. Die Handschrift, in der die Lettern auf das raue Papier geschrieben waren, war gleichmäßig und trotz der runden Bögen sehr penibel und ordentlich. Er kannte sie, doch schon seit sehr langer Zeit hatte er sie nicht mehr gelesen.
Von wem stammte dieser Brief? Er hatte eine Ahnung, doch hielt sie schon im selben Moment für unsinnig. Es war zu lange her, als dass es so sein könnte. Zu viel Zeit war vergangen.

Er legte den Brief bei Seite. Später, auf seinem Zimmer, würde er ihn in Ruhe lesen. Nun wollte er erst einmal Frühstücken.
„Roderich?“, fragte Lilly ihn, nachdem er sich ein Brötchen genommen hatte.
„Lilly, was ist?“, lächelte er freundlich.
„Wer hat dir geschrieben?“, wollte sie wissen. Ihr Bruder, einige Meter weiter, schnaubte nur demonstrativ und wandte sich wieder seinem Kakao zu. Es war, als versuchte er die Tatsache, dass der Brünette existierte, bestmöglich zu verdrängen.
„Ich weiß es noch nicht, aber die Handschrift kommt mir doch bekannt vor...“, erklärte Roderich.
„Pha...“, machte der Blonde verächtlich und nahm einen Bissen von seinem Brot. Dann erhob er sich, trank im Stehen seine Tasse aus und verließ den Tisch, ein halbes Brot zurücklassend.

„Was hat Bruder denn?“, wunderte sich nun das Mädchen und sah ihm nach.
„Das würde ich auch gern wissen...So habe ich ihn zum letzten Mal erlebt, kurz bevor...“ der Österreicher stockte. Ja, er hatte Vash tatsächlich schon einmal so, so ein geschnappt erlebt. Ja, man konnte es so nennen. Damals, kurz bevor sie sich endgültig zerstritten hatten. Genau, so war es gewesen. Damals hatte er auch dieses Gefühl gehabt. Eine Veränderung, die nie stattgefunden hatte, und doch präsent gewesen war. Es war nun, wie es damals gewesen war. Zu der Zeit, was war da gewesen? Roderich versuchte, sich zu erinnern, doch er wusste es nicht mehr. Es war um Allianzen gegangen. Er hatte eine folgenschwere Entscheidung getroffen und Vash hatte ihm nicht verziehen. Ja, so war e gewesen. Doch was war es gewesen? Was hatte er entschieden, dass der Schweizer ihn von dem Tage an nicht mehr gemocht hatte? Es wollte ihm nicht einfallen.

„Wann? Wann hast du ihn schon einmal so erlebt?“, unterbrach Lilly seine Gedanken.
„Hm? oh...Das ist schon sehr lange her, Lilly...Das war viele Jahre vor deiner Geburt...Wir hatten damals einen, nun Streit kann man es nicht nennen, doch es war eine Meinungsverschiedenheit...“, versuchte er ihr zu erklären, selbst nicht mehr genau die Hintergründe wissend.
„Ist das der Grund, warum ihr eine Weile...Warum ihr nicht mehr miteinander geredet habt?“
„Unter Anderem...Ich weiß nicht mehr genau, was damals vorgefallen ist, das ist schließlich schon viele viele Jahre her...“, seufzte Roderich.
„Aber er hat dich trotzdem immer gemocht“
„Das kann man nie wissen...“ Er schüttelte den Kopf und lächelte. „Weißt du, dein Bruder ist wirklich sehr kompliziert...“
„Aber er ist ein sehr netter, umsichtiger Mensch“
„Ab und an...“

Sie beendeten ihr Mahl, dann nahm der Österreicher den Brief und erhob sich. Er begab sich auf sein Zimmer, um ihn zu lesen. Ein Gefühl beschlich ihn, dass dies nicht einfach nur ein Stück Papier war. Es war, als hätte dieses Schriftstück mit ihm und Vash zu tun, mit ihrer Vergangenheit. Die Handschrift hatte etwas Melancholisches.  
Auf seinem Zimmer angelangt, setzte er sich auf sein Bett und betrachtete den Umschlag. Immer und immer wieder drehte er ihn in den Händen, setzte an, ihn zu öffnen und tat es dann doch nicht. Warum fiel es ihm nur so schwer, den Brief zu öffnen und zu lesen?
Seufzend schließlich legte er ihn auf seinen Nachttisch. Er würde ihn später lesen. Nun wollte er sich erste einmal ein Glas Wasser holen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast