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The bittersweet tone of love

von Sue Rose
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Lichtenstein Österreich Schweiz Ungarn
15.06.2012
28.03.2013
39
32.539
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15.06.2012 843
 
17. Nur ein spontanes Bedürfnis

Nachdem er sich nun den ganzen Tag verbarrikadiert hatte, lockte ihn der Hunger schließlich aus seinen Gemächern. Es musste schon nach acht sein, da die Sonne sich bereits verdächtig tief gesenkt hatte. Nicht mehr lange und es war Nacht. Normalerweise aß der Schweizer erst, wenn er alles erledigt hatte, was meist bis nach Sonnenuntergang dauerte, weshalb er es als sicher erachtete, schnell in die Küche zu schleichen und sich eine Kleinigkeit zuzubereiten. Lilly wartete vielleicht schon mit dem Essen. Oder sie würde später mit Vash essen. Ihm war es egal, solange er nicht mit ihm essen musste. Er wollte ihn einfach nicht sehen, denn es war ihm unsagbar peinlich. Er konnte es nicht ertragen.

Der bloße Gedanke an Vash Zwingli ließ heißes Blut durch seine Adern quellen, ließ ihn verlegen werden, ihn sich schämen, wünschen, es wäre niemals passiert. Und genau aus diesem Grund wollte er ihn nicht sehen. Und schon gar nicht wollte er mit ihm reden. Vor allem nicht über die vergangene Nacht. Was ihn da geritten hatte, wusste er noch immer nicht. Zu gern hätte er behauptet, es wäre ganz allein die Schuld des Blonden gewesen, doch er erinnerte sich genau, dass er selbst es gewesen war, der es darauf angelegt hatte. Er selbst hatte es heraufbeschworen. Er war zu ihm gegangen, hatte sich nach Nähe gesehnt, nach Berührungen.

Wie lange war es nun her? Wann hatte er zum letzten Mal Wärme gespürt? Jemand andren berührt? Lange. Seit seiner Scheidung damals war er stets allein gewesen. Und schon davor... Er hatte Elisaveta selten berührt und auch sie hatte selten körperliches Interesse an ihm gezeigt.
Vielleicht war es einfach zu lange her? Er hatte sich einfach zu sehr gesehnt und Vash war da gewesen. Es war, wie damals, als Vash ihn getröstet hatte, als er ihn geküsst hatte. Nichts anderes war der Fall gewesen.
Damals war er traurig gewesen, einen Krieg verloren zu haben und der Blonde hatte sich stundenlang angehört, wie schlecht es ihm ging, dann hatte er ihn geküsst.
Ja, das war nicht anderes gewesen! Nur diesmal hatte er sich seinen Trost genommen. Es war nichts anderes! Nichts weiter steckte dahinter, als ein einfaches Bedürfnis, dem er nachgegangen war, ein einziges Mal, seit so vielen Jahren.

Er schüttelte den Kopf, um den Gedanken loszuwerden, und setzte seinen Weg in die Küche fort. Es war nur eine einmalige Sache gewesen! Ein Unglück. Nichts ernstzunehmendes. Er sollte das Ganze einfach vergessen. Es war nur angestaute Nervosität gewesen. Weil ihm das Klavierspiel verboten worden war. Es war nur ein Trost gewesen, nichts ernstes. Damit sollte er die Sache einfach vergessen. Ja, vergessen.

Das erinnerte ihn an sein Klavier. Vash hatte es ihm verboten, doch vielleicht sollte er seinem geliebten Instrument einen Besuch abstatten? Schließlich hatte er es nun seit diesem Verbot nicht mehr gesehen. Er vermisste es schon. Auch, wenn er wohl nicht darauf spielen durfte, er wollte zumindest mit den Fingern über die Tasten streichen, das kühle Holz des Deckels berühren. Ja, er liebte sein Klavier, er wollte es sehen. Deshalb hielt er vor der Küche inne und wandte sich um. Er begab sich nun in das dazu erkorene Musikzimmer, zu seinem Klavier. Seinem geliebten Instrument.

Überrascht spitzte  er die Ohren, als er sich dem Raum nährte. Ihm war, als würde er ein Geräusch vernehmen. Musik. Doch das was vollkommen unmöglich. Lilly besaß kein Instrument, ein Radio hatte Vash nicht und der Schweizer war vollkommen unmusikalisch. Dennoch drangen Geigenklänge an sein empfindliches Gehör.
Vor der Tür blieb er stehen. Ja, es war eine Geige. Unverkennbar. Und sie war nicht ganz richtig gestimmt, doch das konnte ein Leihe nicht ausmachen, denn das war nur eine winzige Unebenheit. Das H war auf B gestimmt. Dennoch erkannte er das Stück sofort. Es war die 41. Symphonie von Mozart in molto allegro, so, wie er sie am Liebsten zu spielen pflegte. Zwar war das Timing nicht immer perfekt, doch das Stück war unverkennbar.

Wer nur, spielte es? Es kam nur eine Person infrage. Doch wie war das möglich? Vash konnte einfach nicht spielen. Schon damals, als er versucht hatte, es ihm beizubringen, war es eher amüsant, als konstruktiv gewesen.
Roderich schloss die Augen, um seinem Gehör besser folgen zu können. Er kannte den Klang der Geige, auch, wenn sie leicht verstimmt war. Er selbst hatte früher häufiger auf ihr gespielt. Er hatte sie damals bei einem Italiener in Auftrag gegeben und sie hatte ihm immer Freude bereitet, weshalb er sie auch an einem Weihnachtsabend seinem damals besten Freund geschenkt hatte. Doch es konnte einfach nicht Vash sein, der da spielte!

Es half nichts, er musste es herausfinden.
Deshalb öffnete er die Tür und sah hinein. Sofort hielt das Spiel inne, doch er sah den Schweizer, der das empfindliche Instrument in den Händen hielt. „Vash, du...“, hauchte der Brünette überrascht. Damit hätte er nicht gerechnet. Vash konnte spielen! Und nicht mal so schlecht! Dabei hatte er immer geglaubt, sein ehemaliger Freund könnte nur ein Gewehr bedienen, nicht aber ein so filigranes Instrument. „...du spielst Geige?“, flüsterte er völlig überrumpelt.
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