You'll be in my heart

GeschichteDrama, Romanze / P6
Maria deLuca Michael Guerin
12.06.2012
12.06.2012
1
5396
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
 
Disclaimer: Roswell und deren Charaktere gehören The WB, Jason Katims und Melinda Metz!

Spoiler: "Independence Day"
Anmerkung: Lyrics von Phil Collins - "You'll be in my heart"

Erstveröffentlichung: 18. Oktober 2006



You'll be in my heart


Es regnete wie aus Eimern und das schon seit Stunden, doch es war Maria gleich, sie lag auf der Couch im Wohnzimmer und sah fern. Maria lachte herzhaft als Jim Carrey noch einen Witz riss.

Noch immer lachend nahm sie eine Handvoll Popcorn und stopfte sich dieses in den Mund. Es donnerte lautstark und einige Blitze zuckten über den nächtlichen Himmel von Roswell.

Sie erschrak leicht und drehte das kleine Licht im Wohnzimmer auf, damit es nicht gar so dunkel war. Danach widmete sie sich wieder dem Film, der sie noch mehr zum Lachen brachte.

*******

Triefend vor Nässe stand Michael auf der Terrasse der DeLucas und bibberte fürchterlich. Vor Stunden war er von zu Hause abgehauen und war durch den Regen gelaufen.

Irgendwann kam er vor Marias Haus an und er blieb dort.

Wieder donnerte und blitzte es über ihm und er zuckte erschrocken zusammen. Total verfroren blickte er auf seine Uhr und sah, dass es schon ziemlich spät war.

Dennoch brannte Licht im Haus und er beschloss anzuläuten. Sie würde ihn bestimmt nicht hier draußen lassen und außerdem konnte er nirgends anders hin.

*******

Maria holte sich gerade etwas zu trinken und war auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer, als es auf einmal an der Tür läutete. Verwundert, wer das um diese Uhrzeit war, ging sie langsam auf die Tür zu.

Da ihre Mom einen Schlüssel hatte, konnte kaum sie läuten. Von Liz wusste sie auch, dass sie es nicht war, denn Liz hatte heute den Spätdienst bekommen.

Max und Isabel konnten es auch nicht sein, was sollten sie schon von ihr wollen? Kyle war mit seinem Footballteam auf Campingtrip und ihre Mom war eben bei Jim.

*******

Michael hatte seine Hände tief in seinen Hosensäcken vergraben und sah stumm auf die Tür. Er hatte geläutet, doch bis jetzt hatte sich nichts mehr getan.

Sollte er doch wieder gehen?

Vielleicht schlief sie ja schon und er würde sie nur aufwecken. Wenn sie öffnete und er sie aufgeweckt hatte, dann konnte er sich sicher wieder etwas anhören.

Da war Maria stinkwütend und würde ihm die Tür wieder vor der Nase zuschlagen. Aber er war das Risiko eingegangen und nun musste er auf die Konsequenzen warten.

*******

Maria stellte ihr Milchglas auf der kleinen Kommode im Vorzimmer ab und ging zur Tür. Langsam drehte sie den Schlüssel um und öffnete zaghaft die Tür.

Als sie jedoch sah, wer da draußen stand öffnete sie die Tür ganz. Sie erblickte Michael und sah das Leid in seinen Augen. Es gab ihr einen Stich im Herzen ihn so zu sehen.

Vorsichtig nahm sie ihn an der Hand und zog ihn ins Haus, damit er nicht noch nasser werden würde. Warum lief er bloß bei diesem Unwetter draußen herum?

*******

Michael hörte wie der Schlüssel gedrehte wurde und kurz darauf sah er Marias blonden Kopf, der hinter der Tür auftauchte. Er blickte in ihre Augen und erkannte sofort, dass sie mit ihm Mitleid hatte.

Normalerweise hasste er es, wenn man ihn bemitleidete, aber heute war es etwas anderes. Wortlos ließ er sich ins Haus ziehen und ging mit ihr ins Wohnzimmer.

Obwohl es im Haus warm war und er von Wärme sofort umgeben war, war ihm immer noch sehr kalt und das würde auch so bleiben, wenn er in diesen Sachen blieb.

*******

"Ich komme gleich wieder", sagte Maria leise und verließ kurz das Wohnzimmer. Als sie nach ein paar Minuten zurückkam, stand Michael noch immer dort, wo sie ihn gelassen hatte.

Er tropfte den ganzen Boden voll und ihre Mom würde sicher schimpfen, aber es war ihr egal. Ohne ein weiteres Wort zog sie ihm die Jacke und das Hemd aus.

Er stand nur noch in Unterhemd und Jeans vor ihr. Maria rubbelte mit einem Handtuch seine braunen Haare trocken und blickte, ein wenig lächelnd, zu ihm auf.

Was war nur mit ihm passiert?

*******

Michael versuchte krampfhaft seine Tränen zu unterdrücken, doch es gelang ihm nicht. Die ersten Tränen liefen über seine Wangen und er machte sich nicht die Mühe sie weg zu wischen, denn es wurden immer mehr.

Der ganze Schmerz kam in ihm hoch und er würde es ein einziges Mal zulassen, dass jemand seinen Schmerz sah. Maria war die Einzige, die je davon wissen sollte, denn er vertraute ihr.

*******

Maria sah die Tränen, die über seine Wangen liefen und wischte sie sanft weg. Doch es kamen mehr und sie wusste, dass sie nicht so schnell versiegen würden.

Ihr Herz zog sich noch einmal schmerzhaft zusammen, denn ihn so zu sehen tat ihr weh. Sie wusste genau, dass er kein Mitleid wollte, aber es ging nicht anders, sie empfand es nun mal.

Maria wusste aber auch, dass er es heute Nacht zulassen würde, dass sie ihn verletzlich sah und dass er Hilfe brauchte, aber nur für diese eine einzige Nacht!

*******

Noch immer ließ Michael alles über sich ergehen und sagte kein Wort, dazu war er im Moment nicht im Stande. Es war ihm lieber, dass Maria es machte, denn sie kannte sich mit so etwas besser aus.

Leise schluchzte er und stieg aus seinen Schuhen.

Erst als sie ihm den Knopf seiner Jeans aufmachte, half er ihr langsam. Seine Hände waren kalt und taten ihm weh, deswegen ging nicht alles so wie sonst.

Michael spürte ihre warmen, zarten Hände und schluchzte leise vor sich hin. Zum ersten Mal in dieser Nacht überkam ihm ein wohlig, warmes Gefühl und er fand es schön.

*******

Als Michael nur noch in Boxershorts und seinem Unterhemd vor ihr stand, nahm sie seine Hand und zog ihn zur Couch. Sie drückte ihn in die bequemen Polster und wickelte eine große, warme Decke um ihn.

Noch einmal verließ sie kurz das Wohnzimmer, um in die Küche zu gehen. Nach ein paar Minuten kam sie mit einem dampfenden Häferl Tee zurück und stellte es auf den Wohnzimmertisch.

Den Fernseher, wo noch immer der Jim Carrey Film lief, drehte sie ab und stattdessen drehte sie den Radio auf. Aber nicht laut, nur dass im Hintergrund Music lief.

*******

Michael ließ alles über sich ergehen und zog die Decke, die sie ihm überwarf, enger um seinen kalten Körper. Ihm war noch immer eiskalt und er hoffte, dass es bald vorbei ging.

Dieses Gefühl war schrecklich und er fühlte sich so schon schrecklich!

Er blickte auf, als er Maria wieder kommen hörte und sah sie mit einem Häferl Tee in der Hand. Sie stellte es auf dem Wohnzimmertisch ab und setzte sich danach neben ihn.

Michael seufzte und schloss müde die Augen.

*******

Maria rubbelte wieder mit dem Handtuch über seine Haare, damit sie schneller trocken wurden. Leider bibberte er aber noch immer wie Espenlaub am ganzen Körper.

Ihr fiel ein, was sie im Biounterricht gelernt hatten und stand vorsichtig auf, um sich langsam auf seinen Schoß zu setzen. Sie schlüpfte unter die Decke und kuschelte sich an ihn.

Michael sog tief die Luft in seine Lungen und seufzte leise. Maria lächelte leicht und legte ihren Kopf auf seine Schulter, um genauso seinen Duft in ihre Lungen zuziehen.

*******

Etwas erstaunt war Michael schon, als sich Maria plötzlich auf seinen Schoß setzte und sich fest an ihn kuschelte. Doch dann fiel ihm ein, dass sie das im Biounterricht gelernt hatten.

Hatte doch Vorteile, wenn man einmal zuhörte!

Wenn jemand extremer Kälte ausgesetzt wurde, konnte es passieren, dass das Blut zu schnell zum Herzen zurück transportiert wurde und das konnte zu einem Herzstillstand führen.

Dies wollte Maria auf jeden Fall verhindern, deswegen ließ er sie gewähren. Außerdem fand er es immer schön, wenn Maria sich an ihn kuschelte, er fühlte sich dann immer sehr wohl.

*******

"Wird dir schon wärmer?", flüsterte Maria in sein Ohr und strich dabei über seine noch etwas nassen Haare. Michael schüttelte leicht mit dem Kopf, ihm war noch immer kalt.

Maria drückte ihm einen Kuss auf die Schläfe und kuschelte sich wieder an ihn. Sie würde so lange auf ihm sitzen bleiben, bis er wieder ganz warm war und nicht eher.

Maria wollte nicht, dass er krank wurde, das war nicht wirklich lustig, das sah sie jedes Mal bei sich selbst. Auch wusste sie nicht, wie sich eine Grippe auf Aliens auswirkte.

*******

Michael schlang vorsichtig und etwas zögerlich seine Arme um ihre zarten Hüften und drückte sie an sich. Sie so nahe zu spüren, machte ihn glücklich und dieses Gefühl war schön.

In dieser Nacht wollte er nur das spüren und sonst nichts. Ganz langsam kam die Wärme in Michaels Körper zurück und das lag nicht nur an der Heizung im DeLuca-Haus.

Das lag viel mehr daran, dass Maria ihn wärmte und dass nicht nur mit ihrem Körper sondern mit der Wärme in ihrem Herzen! Gott, sie hatte so viel Wärme in ihrem Herzen.

*******

Come stop your crying, it will be all right
Just take my hand, hold it tight
I will protect you from all around you
I will be here don't you cry

for one so small, you seem so strong
My arms will hold you keep you safe and warm
This bond between us can't be broken
I will be here don't you cry

And you'll be in my heart
Yes, you'll be in my heart
From this day on
Now and forever more
You'll be in my heart
No matter what they say
You'll be here in my heart
Always

Why can't they understand the way we feel
They just don't trust what they can't explain
I know we're different but deep inside us
we're not that different at all

And you'll be in my heart
Yes, you'll be in my heart
From this day on
Now and forever more
You'll be in my heart
No matter what they say
You'll be here in my heart
Always

Don't listen to them, cause what do they know
We need each other, to have and to hold
They'll see in time, I know
When destiny calls you, you must be strong
I may not be with you, but you gotta hold on
They'll see in time, I know
we'll show them together cuz

You'll be in my heart
I believe, you'll be in my heart
I'll be there from this day on
Now and forever more

You'll be in my heart
No matter what they say
You'll be here in my heart always

Always...
I'll be with you
I'll be there for you always
Always and always

Just look over your shoulder
Just look over your shoulder
Just look over your shoulder


*******

Maria hob kurz den Kopf und blickte in seine braunen Augen. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen und sie drückte ihm einen Kuss auf die Schläfe, bevor sie sich wieder an seine Schulter lehnte.

"Ich weiß, du glaubst nicht an Schicksal, aber dieser Song, der gerade im Radio gespielt wurde, ist für uns beide bestimmt. Es ist Schicksal, dass wir uns gefunden haben", flüsterte Maria.

*******

Michael seufzte leise und hörte ihre Worte. Ja, er glaubte nicht an das Schicksal, das Isabel und ihn verbinden sollte, in dem sie zusammen sein sollen.

Aber er glaubte an das Schicksal zwischen Maria und ihm, denn es war etwas Besonderes. Er atmete tief durch und zog noch einmal ihren wunderbaren Duft ein, denn für das, was er jetzt sagte, brauchte er viel Mut.

In Sachen Gefühle für jemanden anderen zeigen war er noch nie ein wirklicher Meister gewesen und erst durch Maria hatte er gelernt solche Sachen zu sagen.

*******

Maria strich über seine Haare und war einfach nur glücklich, dass er zu ihr gekommen war. Sie wusste zwar nicht, was vorgefallen war, aber dass Michael sich an sie gewandt hatte machte sie glücklich.

Das zeigte, dass er doch etwas für sie fühlte und dass er ihr vertraute. Vorsichtig kuschelte sie sich noch dichter an ihn und drückte ihm noch einen Kuss auf den Kopf.

Sanft strich sie ihm immer wieder durch die halbtrockenen Haare und genoss diese Stille mit ihm. Nie hätte sie gedacht, so etwas zwischen ihnen sein konnte.

*******

Michael drückte sie an sich und drehte seinen Kopf etwas. Seine Lippen streiften sanft ihr Ohr und er atmete noch einmal tief durch, bevor er etwas sagte.

"Ich glaube an das Schicksal zwischen uns beiden, es ist das, was ich schon immer gesucht habe, danke, dass es dich gibt, Maria!", wisperte Michael in ihr Ohr.

Er spürte, dass sie sich aufrichtete und seinen Kopf zwischen ihre zarten Hände nahm. Müde blickte er in ihre grünen Augen, die ihn anstrahlten. Tränen liefen über ihre Wangen, aber ihre Augen strahlten.

Ganz leicht lächelte Michael.

*******

"Ich liebe dich, Michael!", flüsterte Maria und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen, der schnell leidenschaftlich wurde. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und vertiefte den Kuss immer mehr.

Michael brauchte nicht sagen, dass er sie auch liebte, die Worte von vorhin reichten ihr aus. Es war für Michael wirklich eine Meisterleistung solche Worte zu sagen und das machte sie glücklich.

Diese Worte zu hören, waren fast noch schöner als ein 'ich liebe dich' aus seinen Mund. Leise seufzte Maria und kuschelte sich noch näher an seine starke Brust.

*******

Michael genoss den Kuss und fühlte sich zum ersten Mal in seinem Leben so richtig lebendig und vor allem geborgen. Obwohl er nie solche Gefühle zulassen wollte, tat er es und zu seiner Verwunderung war es schön.

Er sollte öfters Mal solche Dinge zulassen.

Sanft löste er sich wieder von ihren Lippen und blickte ein weiteres Mal in ihre grünen Augen. Sie lächelte ihn glücklich an und er wusste, warum sie ihn so ansah.

Seine Worte hatten sie sprachlos gemacht und daher wusste er, dass er die richtigen Worte gewählt hatte. Noch einmal an diesem Abend lächelte er sie leicht an.

*******

Sanft strich Maria über seine Wangen und wischte die letzten Tränen weg. Sie lehnte ihre Stirn gegen seine und blickte in seine braunen Augen, die sie ebenfalls ansahen.

Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen und sie war einfach nur glücklich. "Lass uns in mein Zimmer gehen, dort ist es bequemer als hier auf der Couch", flüsterte Maria.

Dabei strich sie ihm wieder durch die Haare, die inzwischen fast trocken waren und über seine nackten Oberarme, wo sie seine Muskeln spürte. Gott, war er stark.

*******

"Was ist mit deiner Mom?", fragte Michael leise und etwas ängstlich.

"Keine Angst, Michael, sie ist bis morgen Abend beim Sheriff!", hörte er Maria antworten und jetzt stahl sich auch ein kleines Lächeln auf seine Lippen.

Ja, in ihrem Zimmer war es sicher gemütlicher als hier.

Sanft nahm er sie an den Hüften und setzte sie neben sich auf die Couch. Schließlich stand er auf und nahm ihre Hand in seine, um sie wieder zu sich zu ziehen.

Er nahm Maria in den Arm und küsste ihre Stirn. Noch ein paar Minuten standen sie fest umarmt im Wohnzimmer und genossen diese angenehme Stille um sich herum.

*******

Verschlafen öffnete Maria die Augen und blinzelte gegen die Sonne, die ihr ins Gesicht schien. Als sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, blickte sie sich in ihrem Zimmer um.

Ihr Bett war leer, nur sie lag darin. Langsam setzte sie sich auf und gähnte herzhaft. Wo war Michael hin, war ihre Mom früher zurück oder war er einfach nur im Bad?

Besorgt drehte sie sich Richtung Tür, da sah sie ein Kuvert neben sich liegen. Ihr Name stand darauf und sie ahnte nichts Gutes. Zaghaft griff Maria danach und nahm die Nachricht heraus.

*******


Maria,

danke, dass du für mich da warst, das werde ich dir nie im Leben vergessen! Es tut mir leid gehen zu müssen, aber für mich gibt es keinen anderen Ausweg.

Ich hoffe, du wirst irgendwann einmal über mich hinwegkommen und mit einem Mann glücklich, der es verdient hat von dir geliebt zu werden, ich wünsche es dir von Herzen!

Michael



*******

Tränen liefen über Marias Wangen, sie wusste, dass Michael für immer weg gegangen war. Nie würde er wieder kommen, es war seine Entscheidung und er würde es durchziehen.

Maria sank in ihre Kissen zurück und weinte leise. Die letzte Nacht hatte nichts gebracht, sie hatte ihn verloren, obwohl er zugelassen hatte, dass sie ihn so sah, wie er wirklich war.

Aber das alles hatte nichts gebracht, er wollte alleine sein und würde es auch bleiben. Michael Guerin blieb der einsame Soldat, der er immer schon gewesen war.

*******

Maria hatte ein tolles Jobangebot bekommen und hatte dieses genutzt. Obwohl New York City eine tolle Stadt war, so wollte sie einmal etwas anderes sehen.

Nun lebte sie seit einem Monat in Chicago und kannte sich noch nicht wirklich richtig aus. Den einzigen langen Weg, den sie sich merkte, war der zur Arbeit und das auch nur, da sie mit dem Auto fuhr.

Im Moment lief sie seit Stunden durch die Stadt und versuchte den richtigen Weg zu finden, mit Hilfe eines Stadtplanes, was gar nicht mal so einfach war.

Denn samt diesem riesigen Stadtplan, in ihrer Hand, verlief sie sich ständig. Aber ihr kam absolut nicht in den Sinn jemanden nach dem Weg zu fragen.

Sie sagte sich immer 'Selbst ist die Frau' und eine DeLuca ließ sich nicht aufhalten. Maria würde alleine nach Hause finden und wenn es noch Stunden dauern würde, sie würde zurück in ihre Wohnung kommen.

*******

Michael ging durch die Straßen, der Stadt, in der er seit zehn Jahren lebte. Seit er sich von Roswell verabschiedet und ein neues Leben angefangen hatte, war er viel zufriedener mit sich selbst.

Er zwar noch immer Einzelgänger, so wie zu High School Zeiten, aber dennoch anders. Michael war erwachsen geworden und das war auch gut so, denn immer ein Sechzehnjähriger zu sein, war nicht wirklich lustig.

Gedanken verloren lief er zu seiner Wohnung und registrierte nicht sehr viel um sich herum. Eine Sache, die er sich auch nie abgewöhnen konnte, er lief immer so durch die Gegend.

Wenn er aus der Firma ging, drehte er völlig ab und wollte nur noch nach Hause. Zehn Jahre führte er nun schon dieses Leben, doch etwas aus seiner Vergangenheit holte ihn immer wieder ein.

Nacht für Nacht holte es ihn ein und er konnte es einfach nicht abstellen. Michael wusste nicht genau ob er nicht konnte oder nicht wollte. Seine Gefühle standen immer wieder auf dem Kopf.

*******

Nachdem Maria eine weitere Stunde planlos durch Chicago gelaufen war, hatte sie sich an einem der vielen Hot-Dog-Ständen etwas zu Essen besorgt und ging, genüsslich vor sich hin kauend, die Straße entlang.

Sie überlegte gerade, wie sie in ihre Wohnung zurückkam, als sich auf einmal ein ganz anderer Gedanke in ihr Gehirn schlich. Diesen Gedanken hatte sie schon seit zehn Jahren und er würde wohl immer wieder kommen.

Seit er damals einfach so verschwunden war, hatte sich einiges geändert. Maria wurde ruhiger und arbeitete mehr für die Schule, sie musste sich damals auf etwas anderes konzentrieren und nicht nur auf ihn.

Schließlich hatte sie als eine der besten die High School beendet, war aufs College gegangen und war Lehrerin für Musik geworden. In New York hatte sie die letzten Jahre gelebt, bis das Angebot von Chicago kam.

*******

Michael dachte an die letzten Jahre, was er alles erlebt hatte und dass er froh darüber war, dass er sie erlebt hatte. Als er in die Stadt kam, hatte er nicht viel bei sich gehabt, nur ein paar Dollar.

Doch er hatte sich einen Job gesucht und eine Wohnung. Sogar die High School hatte er beendet, denn er war gar nicht mal so blöd, wie die Lehrer früher immer gesagt hatten.

Er hatte als einer der Besten abgeschnitten und das nur, weil er sich ganz auf diese Sache konzentriert hatte. Zufrieden mit seinem Leben, war er danach schließlich aufs College gegangen und hatte Kunst studiert.

Nun würde er demnächst an der neuen Grundschule als Kunstlehrer anfangen, die gleich bei ihm um die Ecke war. Michael freute sich schon sehr darauf, denn er mochte Kinder.

Er hatte seinen Job als Aushilfslehrer zwar gemocht, jedoch war ihm ein sicherer Job lieber. Denn er hatte vor bald in eine größere Wohnung umzuziehen, die in einer schönen Gegend lag.

*******

Gedanken verloren lief Maria weiter durch die Straßen und krachte auf einmal mit jemanden zusammen. Sie verlor das Gleichgewicht und fiel auf ihren Allerwertesten.

Etwas sauer darüber sah sie auf und blickte in braune Augen, die sie fesselten. Als sie diese braunen Augen plötzlich erkannte, klappte ihr das Kiefer hinunter.

Vor ihr stand Michael!

Michael, der sie vor zehn Jahren verlassen hatte und sich nie wieder bei ihr gemeldet hatte. Ihre Vergangenheit stand auf einmal vor ihr. Attraktiver den je auch noch!

*******

Michael blickte auf die blonde Person hinab, mit der er gerade zusammen gestoßen war und traute seinen Augen nicht. Diese wundervollen grünen Augen, gehörten zu ihr, die ihm jede Nacht den Schlaf raubte.

Zehn Jahre lang hatte er sie nicht gesehen, aber sie war noch genauso süß wie damals, als er ging. Gott, vor ihm saß wohl die bezauberndste Frau der Welt.

Maria!

*******

"Michael", sagte Maria und rappelte sich wieder auf die Beine. Michael, der ihr dabei half, sah sie noch immer total erstaunt und zugleich auch glücklich an.

Sie lächelte ihn an und umarmte ihn.

Sie hatte ihn so lange nicht gesehen, aber trotzdem hatte sie ihn sofort erkannt und war froh darüber. Immerhin war er ihre erste große Liebe gewesen.

Diese Liebe vergaß man nicht, vor allem nicht ihre!

*******

Michael half ihr auf die Beine und schloss sie sogleich in seine starken Arme. Obwohl er sie gerade festhielt konnte er noch immer nicht ganz fassen, dass er sie wirklich wieder sah.

Jede einzelne Nacht in den letzten Jahren träumte er von ihr und schon oft hatte er sich ein Wiedersehen mit ihr vorgestellt und nun war es endlich eingetroffen.

Michael hatte sie so sehr vermisst und es wurde ihm erst jetzt, in dem Moment, so richtig klar. Sie im Arm zu halten war für ihn das Schönste auf der ganzen Welt.

*******

"Maria, es ist so schön dich zu sehen", lächelte Michael. Sie lächelte ebenfalls und löste sich langsam von ihm. "Es ist auch schön dich zu sehen", antwortete Maria.

"Hast du Zeit, dann können wir einen Kaffee trinken!", schlug Michael vor. "Ja, ich habe Zeit, bis ich in meine Wohnung zurückfinde, dauert es sicher noch eine Weile", meinte Maria lachend.

"Wo wohnst du denn?", fragte Michael.

"In der Park Hills Street", entgegnete Maria. Michael grinste und lachte schließlich. "Das ist am anderen Ende der Stadt, du wohnst noch nicht lange hier, was?", grinste Michael.

Nun musste auch Maria grinsen und nickte. "Ja, seit einem Monat erst. Ich kenne mich kaum aus, ich weiß nur, wie ich zur Arbeit komme und wieder zurück!"

"Na komm, lass uns einen Kaffee trinken, ich kenne ein kleines Café hier gleich in der Nähe", entgegnete Michael. Maria nickte und ging neben ihm her.

Michael hob automatisch den Arm und legte ihn über Marias Schulter.

*******

Stunden später saßen Maria und Michael nach wie vor in dem Café und redeten über die letzten Jahre. Die Zeit hatten sie dabei völlig vergessen und es kümmerte sie auch nicht wirklich.

Sie beredeten so viele Sachen, doch ein Thema ließen sie aus. Die Nacht, in der Michael zu ihr kam, sie etwas Vertrautes getan hatten und sich in die Seele blickten.

Die Nacht, in der Michael einfach so ging und Maria dabei in Roswell zurück gelassen hatte. Kein Wort war darüber gefallen, was damals wirklich passiert war.

Jedoch wussten beide, dass dieses Thema zur Sprache kommen würde und sie wussten ebenso beide, dass sie sich dabei wieder tief in die Seele sehen würden.

*******

"Entschuldigen Sie bitte, aber wir möchten schließen, würde es Ihnen etwas ausmachen zu zahlen?", fragte die Kellnerin freundlich und unterbrach dabei das Gespräch der beiden.

Irritiert sahen beide auf und blickten die Kellnerin zuerst verwirrt an. "Michael, es ist beinahe Mitternacht", sagte Maria und erst jetzt merkte sie, wie müde sie eigentlich war.

"Entschuldigen Sie bitte, das wir die Letzten sind, das ist sonst nicht unsere Art", sagte Michael freundlich und zahlte die Rechnung und vergaß auch nicht, der Kellnerin reichlich Trinkgeld zu geben.

Nachdem sich die beiden verabschiedet und noch einmal entschuldigt hatten, verließen sie das Café und standen erst mal ein paar Minuten auf der Straße und wusste nicht, was sie tun sollten.

"Ich sollte mich mal auf den Heimweg machen", meinte Maria.

"Du hast doch gesagt du wohnst in der Park Hills Street, die ist ziemlich weit weg, ich will nicht, dass du dort jetzt noch hinfährst", antwortete Michael.

"Wo soll ich denn hin?", entgegnete Maria etwas verwirrt.

"Du kannst bei mir schlafen, ich habe ein großes Bett und ich werde auf der Couch schlafen, also komm, es ist nicht weit zu mir", sagte Michael und lächelte.

Dabei nahm er sie an der Hand und zog sie schon hinter sich her.

Maria leistete keinen Widerstand, sie war zu müde dazu. Es war sicher besser bei ihm zu schlafen, als noch eine Stunde mit dem Taxi nach Hause zu fahren.

*******

Kurz darauf sperrte Michael die Tür zu seiner Wohnung auf und ließ Maria vor sich eintreten. Er drehte das Licht auf und die Wohnung wurde hell, zum Glück nicht zu hell, denn das hätte Maria in den Augen gestochen.

"Willkommen im Michael-Land", meinte er lächelnd. Sie drehte sich zu ihm um und grinste, das hatte Isabel einmal gesagt und schon damals hatte sie so was von Recht gehabt, die gute Isabel.

Maria blickte sich in der Wohnung um und staunte nicht schlecht, sie war klasse eingeräumt. Jedoch hatte sie immer noch den Aspekt einer Junggesellenwohnung.

Überall lagen Klamotten, auch ein paar Pizzaschachteln und einige Kartons von Chinesischem Essen standen herum. Es war eine typische Michael Wohnung und Maria fand es toll.

"Sorry, ich hatte keine Zeit zum Aufräumen, konnte ja nicht wissen, dass ich dich einfach so über den Haufen renne", scherzte Michael. Maria lächelte und nickte.

"Kein Problem, zeig mir einfach nur das Badezimmer und wo ich schlafen kann", antwortete Maria. Michael nickte und brachte Maria ins Schlafzimmer, wo gleich anschließend das Badezimmer war.

"Ich suche dir ein altes Shirt von mir raus, darin kannst du schlafen", meinte Michael lächelnd und strich über ihre Schulter. "Danke", entgegnete Maria und gähnte herzhaft.

*******

Obwohl Maria schon ziemlich müde war, konnte sie trotzdem nicht einschlafen. Zuviel ging ihr durch den Kopf, denn der Tag war auch sehr aufregend gewesen.

Er hatte ganz normal begonnen und aus dem Nichts war auf einmal ihre Vergangenheit aufgetaucht. Maria wusste nicht recht, was sie mit den Gefühlen, die sie ganz plötzlich wieder hatte, anfangen sollte.

Immerhin waren zehn Jahre vergangen in denen sie nichts von Michael gehört oder gesehen hatte. Sie hatte lange gebraucht, um halbwegs darüber hinwegzukommen.

*******

Michael, der auf der Couch lag und ebenfalls nicht schlafen konnte, zerbrach sich genauso den Kopf. Jahre lang hatte er versucht sie zu vergessen, doch nie hatte es geklappt.

Jetzt schlief sie sogar in seinem Schlafzimmer.

Als er damals von Roswell wegging, hatte er sich geschworen nie wieder zurück zu sehen, aber das ging nicht, denn die Vergangenheit hatte ihn ganz plötzlich eingeholt.

Es war total verrückt, er hatte sie so lange nicht gesehen, aber seine Gefühle fuhren seit Stunden Achterbahn. Wie schaffte Maria das immer wieder nur?

*******

Mitten in der Nacht wachte Michael auf und blickte sich verwirrt in seiner Wohnung um. Verschlafen strich er sich mit der Hand über das Gesicht. Er hatte irgendetwas geträumt, nur konnte er sich nicht daran erinnern.

Müde schlurfte er in die Küche und holte sich etwas zu Trinken. Danach ging es ihm sicher wieder besser und er konnte weiter schlafen. Nachdem er sein Glas-Wasser getrunken hatte, ging er zur Schlafzimmertür.

Leise öffnete er die Tür und ein fahler Lichtstrahl fiel auf sein Bett, wo Maria friedlich schlief. Sie sah so bezaubernd aus und bekam nichts von all dem mit.

Michael schlich in das Zimmer und legte sich neben sie in das große Bett. Vorsichtig legte er sich dicht an ihren Rücken und platzierte eine Hand um ihre Hüften.

Tief zog er ihren verschlafenen Duft ein und lächelte glücklich. "Gott, wie ich das vermisst habe", dachte er bei sich. Schließlich schlief auch er wieder tief und fest ein.

*******

Maria wurde durch Michaels Wecker aus ihrem Schlaf geholt und spürte sofort, dass Michael hinter ihr lag. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, drehte sie sich und blickte in sein schlafendes Gesicht.

Lächelnd strich sie ihm eine widerspenstige, braune Strähne aus der Stirn. Mit einem Mal wurde ihr klar, wie sehr sie ihn vermisst hatte und wie sehr sie ihn wirklich liebt.

Sie wollte nicht mehr ohne ihn sein, das würde sie nicht noch einmal durchstehen. Die letzten zehn Jahre hatte sie sich so verloren gefühlt und das wollte sie nicht noch einmal.

*******

Sie sah so wunderschön aus, sie war mit einem Engel zu vergleichen. Einfach nur Maria und einfach nur wundervoll. Gott, wie konnte er sie bloß zurück lassen, es war der größte Fehler, den er jede begangen hatte.

Wieso war ihm das erst jetzt klar geworden, es war doch fast utopisch nicht mit ihr zusammen zu sein! Leise seufzte er, bevor er ihr durch die blonden Haare strich.

*******

"Was geht dir durch den Kopf?", flüsterte Maria und blickte in seine braunen Augen. Michael erwiderte den Blick und dann sagte er etwas, das er nie gedacht hatte jemals zu einem Menschen sagen zu können.

"Ich liebe dich, Maria, ich liebe dich über alles und ich war ein Idiot vor zehn Jahren einfach so wegzugehen", flüsterte Michael und rückte ein Stück näher.

Maria schossen Tränen in die Augen, er hatte das gesagt, was sie zehn Jahre gehofft hatte. "Ich liebe dich auch, Michael", entgegnete Maria genauso flüsternd.

Sekunden später trafen sich ihre Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss. Michael zog sie fest an sich und im Hintergrund wurde ein Song von Phil Collins gespielt.

*******

Sanft lösten sie sich und blickten einander in die Augen. Es waren so viele Jahre vergangen, in denen sie sich nicht gesehen hatten, doch an ihren Gefühlen hatte sich nichts geändert.

"Was sagst du zu einem Neuanfang?", fragte Michael leise und hatte etwas Angst, obwohl er wusste, dass sie ihn liebte, denn es waren so viele Jahre zwischen ihnen gewesen.

"Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie lange ich darauf gewartete habe", entgegnete Maria lächelnd. Michael lächelte ebenfalls, er war sehr glücklich, dass sie das jetzt gesagt hatte und küsste sie.

"Kannst du mich in meine Wohnung bringen, ich muss mich umziehen und zu Recht machen", sagte Maria und strich über seinen Arm. "In ein paar Minuten, lass uns hier einfach nur liegen", antwortete Michael.

Maria war damit einverstanden, sie wollte heute auch lieber im Bett blieben, als zur Arbeit zu gehen, doch das Leben spielte da leider nicht immer mit.

Aber sie hatte zu ihrem Glück Michael endlich wieder und sie würden es diese Mal besser machen. Beide lagen noch eine ganze Weile im Bett und genossen diese Ruhe um sich herum.


-The End-
Review schreiben