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'Cause You Are My Heaven

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Matt Mello
12.06.2012
12.06.2012
1
1.758
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Dieses Kapitel
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12.06.2012 1.758
 
Musik: http://www.youtube.com/watch?v=LVsrP9OJ6PA (Ron Pope - Drop In The Ocean)
Vorwort: Ich weiß nicht genau, was mich geritten hat…Es kam einfach so über mich. Sorry, falls es sinnlos ist oder es so etwas Ähnliches schon gibt.. Hab in letzter Zeit nichts zu dem Fandom gelesen, deshalb bin ich nicht auf dem neusten Stand…Ähnlichkeiten sind also unbeabsichtigt!
Und ich denke, es ist ein OneShot. Vielleicht schreibe ich irgendwann ein Sequel? Eure Meinung ist gefragt ;)

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„Mells?“
Matts Stimme drang aus dem Dunkeln unseres Zimmers zu mir herüber. Ich hatte eigentlich schon darauf gewartet, dass er endlich das Herumrollen im Bett aufgeben und reden würde. Trotzdem schossen mir kleine elektrische Blitze durchs Rückenmark.
„Was denn?!“, schnauzte ich und ergänzte im selben Ton eine offensichtliche Lüge. „Ich schlaf hier, du Vollidiot.“
Wir wussten beide, dass ich das nicht tat. Dass ich mich noch mehr hin und herwälzte als er. Dass ich die ganze Nacht keine Sekunde schlafen würde, egal wie sehr mein Körper danach schrie. Würdet ihr in der letzten Nacht eures Lebens schlafen? Ich glaube nicht.
„Ich hab nur gerade darüber nachgedacht-“
„Lass das Denken lieber“, murmelte ich in mein Kissen. Matt überhörte es, wohl aus Routine.
„…dass wir nie wieder so hier liegen werden.“
Ich wartete ab, doch er war anscheinend schon fertig mit seiner wirklich atemberaubenden Ausführung. Mein Seufzen klang nicht halb so genervt wie ich es mir gewünscht hätte. „Da ich plane, den ganzen Laden hier morgen in die Luft zu jagen, wenn wir aufbrechen hast du wahrscheinlich Recht.“
„Das mein ich nicht.“
‚Ich weiß doch’, dachte ich mir und schluckte schwer. Da denkt man immer, die Leute spinnen mit ihrem ganzen Gelaber über Klöße im Hals, und dann kriegt man wirklich kein Wort raus…
„Mells…Wirst du ehrlich sein, wenn ich dich etwas frage?“
Ich nickte. Im Mondlicht war es einfach, das zu sehen. Wir schliefen nie mit geschlossenen Vorhängen. Ich fühlte mich im Dunkeln kategorisch unwohl und Matt war es schlichtweg egal. Wie so ziemlich alles, was unser Zusammenleben anging – weshalb es ziemlich perfekt war, ihn als Mitbewohner zu haben. Meistens zumindest. Wenn er nicht gerade mitten in der Nacht reden will…
Ich hörte seine Decke rascheln, während er sich aufsetzte und aufstand. Meine Matratze kommentierte es mit einem leisen, müden Quietschen, als er sich neben mich setzte. Ich lag mit dem Rücken zu ihm, ein starker Vertrauensbeweis meinerseits. Andererseits hat Matt mir nie einen Grund gegeben, ihm nicht zu trauen. Weder damals im Wammys noch jetzt…
Gott, Mello, reiß dich zusammen! Das ist nicht der Zeitpunkt sentimental zu werden.
‚Aber vielleicht der letzte, den du je haben wirst’, flüsterte eine gehässige Stimme in meinem Hinterkopf. Zu meinem Glück übertönte Matt sie fast vollständig, obwohl er nicht laut sprach.
„Wirst du morgen sterben?“
Wäre meine Kehle nicht vorher schon dicht gewesen, so hätte sie sich jetzt zugeschnürt. Ich drehte meinen Kopf etwas mehr zur Seite, sodass meine Haare mein Gesicht völlig bedeckten. Die hässliche Narbe ebenso wie meine Augen, die bedrohlich feucht waren.
Matts Frage hing schwer im Raum, besonders weil er sie so gestellt hatte. Es war wieder einmal ein Beweis, dass er zu sehr an mich dachte und viel zu wenig an sich selbst. Eigentlich sollte es anders sein. Er sollte mir nicht mehr bedeuten als Rodd oder irgendein anderes Mitglied meiner früheren Mafiabande. Und ich sollte ihm nicht so wichtig sein, dass er für mich eine Mission mitmacht, die höchst gefährlich für ihn war. Ich brachte es nicht über mich, ‚tödlich’ zu denken.
„Vielleicht.“ Meine Stimme war nicht mehr als ein raues Flüstern. Ich hörte ihn einatmen und setzte mich ruckartig auf, um ihn ansehen zu können.
„Lass es, Matt! Wag es nicht, auch nur ein Wort zu sagen, sonst – „
„Knallst du mich ab?“, vollendete er meinen Satz. Ich verfluchte ihn dafür, dass er amüsiert klang, aber noch viel mehr für das traurige Lächeln, das er mir schenkte. Für seine grünen Augen, die sich mühelos in meine bohrten. Ihr Blick drang bis in meine Seele vor – falls ich noch eine habe. Sie fanden die Angst. Ich wollte nicht sterben. Wirklich nicht.
Aber es ist nötig.
„Es ist für eine gute Sache, Matt“, erwiderte ich, da es sich sowieso nicht lohnte, etwas auf seine Frage zu antworten. Matt abknallen? Nie im Leben.
Er schnaubte, eine untypische Reaktion für ihn. Normalerweise nimmt er die Dinge so, wie sie kommen, tut, was ich sage (meistens zumindest) und lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen. Ich schätze, ich bin nicht der Einzige, der in dieser Nacht nicht so ganz er selbst war…
„Es kann nicht gut sein, wenn du dabei draufgehst.“
„Natürlich. Weil mein Leben von so großer Bedeutung für die Menschheit ist.“ Sarkasmus ist ein guter Schutzschild – nur leider nicht Matt gegenüber.
Er starrte mich nur an, ohne Worte. Er brauchte mir auch nicht zu sagen, dass mein Leben für ihn von Bedeutung war, dass er wollte, dass ich lebte. Es würde nichts bringen. Dinge auszusprechen ändert sie nicht. Matt wusste das. Er wusste, dass es keine Worte geben würde, die mich von meinem Vorhaben abbringen konnten.
Ich ließ mich langsam wieder in die Kissen fallen und schaute zur Decke hoch. Wie nebenbei hob ich dabei meine Hand, ließ sie aus der Bettwäsche rutschen und wie zufällig an Matts stoßen. Er ergriff sie sofort. Fest und sicher lagen meine kalten Finger zwischen seinen, und plötzlich löste sich, was auch immer meine Kehle blockiert hatte. Es verwandelte sich in ein seltsames Gefühl zwischen Trauer und Euphorie, und lief mir bald nass über die Wangen.
Ich weinte tonlos und machte keine Anstalten, die Tränen zu verbergen. Matts Blick lag noch immer auf mir, das war mir klar, aber ich erwiderte ihn nicht. Ich konnte das nicht, ihn ansehen und wissen, dass ich ihm wehtun würde.
„Mells…Du weißt, was du für mich bist, oder?“
Ich schloss meine Augen und schüttelte heftig den Kopf. ‚Nicht’, schrie ich innerlich, ‚sag es nicht!’
Doch obwohl Matt mit Sicherheit wusste, was meine Reaktion zu bedeuten hatte, sprach er weiter.
„Alles, Mells. Du bist…alles für mich.“
In diesem Moment verlor ich den Kampf gegen die Tränen endgültig. Erste Schluchzer flüchteten über meine Lippen, bevor ich sie zurückzwingen konnte. Wie benommen fühlte ich Matts Finger, die die Tränen wegwischten, mir durch die Haare fuhren, meine Narbe streichelten. Wieso musste er so sein? Wieso jetzt?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich es gewusst. Matt hat niemanden auf der Welt, genau wie ich. Wir waren immer allein, aber nie einsam, weil wir uns hatten. Ich habe nur nie darüber nachgedacht, was genau das aus ihm macht. Meinen besten Freund auf jeden Fall, aber vielleicht auch meinen Seelenverwandten?
Es gab Momente zwischen uns, in denen ich es spürte. Dass Matt mich liebte. Dass er mich um jeden Preis beschützen will. Dass er alles für mich tun würde.
Er hat meine Wunden versorgt, aber nicht nur die auf meiner Haut. Er war da, wenn die Alpträume mich zu verschlucken drohten. Er gab mir das, was ich brauchte – auch körperlich. Die Frage, was ich ihm dafür gegeben habe, bohrte sich tief in mich.
Nichts. Nicht das, was er verdient hätte.
Ich bin vielleicht emotional, aber nicht auf die zwischenmenschliche Weise. Ich hasse mit Leidenschaft, bin oft rasend vor Wut, und meistens ist es selbst für Matt besser, nichts Falsches zu sagen.
Und  plötzlich beschloss ich, noch einmal mehr egoistisch zu sein. Ihm noch einmal mehr meinen Willen aufzuzwingen. Ich zwang mich, ruhiger zu werden, stoppte mit Gewalt meine Tränen und sah zu Matt hoch. Er sah mich an, mit so viel Gefühl in den Augen, dass sich mir der Magen umdrehte. Wieso, verdammt nochmal, hat er mich nicht früher schon so angesehen? Nein, falsch. Wieso habe ich es nicht bemerkt, egal was wir machten, egal wie tief ich mich in ihm verlor, in seinen Küssen, seinen Berührungen?
Wieso musste ich kurz vorm Ende meines Lebens stehen um zu bemerken was ich hätte haben können?
„Matt, ich möchte, dass du mir etwas versprichst.“
Jetzt mischte sich Verwirrung in seinen Blick, doch sie währte nur Sekunden. Matt ist gut darin, mich zu lesen. Wie ich vorher schüttelte er nun seinen Kopf, ein schwacher Versuch, mich aufzuhalten.
„Denk morgen nicht an mich, nichtmal einen Augenblick lang, klar?“ Ich schaute ihn mit aller Intensität an, die ich besaß, hielt sein Kinn fest, damit er nicht den Blick abwenden konnte. „Ich will, dass du nur an dich denkst. Nur daran, da heil rauszukommen.“
Matt atmete ein, um zu widersprechen, aber ich legte schnell meine Hand auf seinen Mund und flüsterte: „Das musst du für mich tun, Matt…falls du mich liebst.“
Ich spielte falsch. Erpressung ist bei weitem nicht das Schlimmste, was ich je in meinem Leben getan habe, aber nichts hat mehr wehgetan, als ihm dieses Versprechen abzuringen. Als er langsam und gequält nickte, wusste ich nicht, ob ich erleichtert sein sollte. Mein Kopf war leer, mein Körper fühlte sich taub an. Meine Lippen gehorchten mir nicht mehr.
„Matt…“, murmelte ich und legte meine Hand in seinen Nacken, um ihn zu mir ziehen zu können. „Zeig es mir, okay?“
Er verstand. Wortlos beugte er sich zu mir und küsste mich, liebevoller und sanfter als jemals zuvor. Ich ging gleich am Anfang verloren und schwebte nur noch im Raum, während er mir gab, worum ich gebeten hatte. Normalerweise war ich hellwach, wenn wir solche Dinge taten, aber jetzt war es mehr wie ein Traum. Ich fühlte keinen Schmerz, als er in mich eindrang. Alles was ich fühlte war seine Wärme, seine Lippen gegen meine Haut, seine Finger um meine Taille. Ich wünschte mir, jetzt gleich zu sterben, in dieser Haltung. Da, wo ich hingehörte: In Matts Armen.
„Matt“, flüsterte ich irgendwann später, als meine Stimmbänder wieder in der Lage waren, etwas anderes zu produzieren als Stöhnen und Seufzen.
Er küsste mich auf die Wange und schüttelte den Kopf. „Ich weiß, Mells.“
„Ich hätte niemals – „
„Mello.“ Sein Ton brachte mich zum Verstummen. Ich schaute ihn an, sah Vergebung in seinen Augen und endlose Treue, und für einen Moment war alles in Ordnung. Mit einem Seufzen schmiegte ich mich an ihn.
„Danke.“
Er erwiderte nichts, sondern legte seine Lippen noch einmal auf meine, bevor er mich einschlafen ließ. In meinem Traum erlebte ich, was ich für den nächsten Tag geplant hatte: Takadas Entführung. Matts Ablenkungsmanöver. Meinen Tod. Doch das war nicht das Ende meines Traums. Er endete auf einer Wiese, unter einem alten Lindenbaum. Kinder tollten irgendwo in der Nähe, aber alles was ich hörte, war das leise Piepen eines Gameboys. Ich lächelte. Ich war in Sicherheit.
 
 
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