Return to Gaia

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Allen Schezar Dryden Fassa Hitomi Kanzaki Merle Millerna "Milana" Sara Aston Van Fanel
09.06.2012
05.02.2019
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Ist es ein Traum oder ist es Wirklichkeit? Doch, es ist wirklich! Fünf Jahre ist es nun schon her seit ich Van und Gaia zum letzten Mal gesehen habe. Ich studiere an einer Universität in Kyoto und habe eine eigene Wohnung bezogen. Eigentlich sollte mein Leben in geregelten Bahnen laufen, doch Alpträume, nein, ich weiß es besser, Visionen stören mein friedliches Leben. Ich bekomme Angst. Was sie wohl zu bedeuten haben? Ich weiß etwas Schlimmes kommt auf mich zu, denn noch nie haben mich meine Visionen belogen und doch fühlte ich Erleichterung. Sind diese Visionen vielleicht mit Gaia verbunden? Darf ich etwa nach gefüllten fünf Jahren Van endlich wiedersehen? Hoffentlich. Ich sehne mich nach ihm …

Schweißperlen rannen ihren verschwitzen Körper hinab. Auf die Knie gesunken, hielt sich Hitomi krampfhaft den Kopf fest. Es sollte aufhören. Sie wollte nicht noch mehr sehen. Sie schloss die Augen und hoffte vergebens, dass die Bilder verschwinden, doch es wurde nur noch schlimmer, schmerzhafter. Die Visionen schienen realer zu werden. Sie sah Blut, Tote, zerstörte Dörfer und dann das Feuer, das alles zu verschlingen drohte.
Inmitten des tobenden Krieges sah sie dabei zu, wie sich Hunderte von Guymelefs bekämpften und innerhalb der Menge sah sie ihn. Hitomi schien es unbegreiflich, wie sie ihn bis jetzt noch nicht entdeckt hatte. Von fast allen Seiten wurde er brutal angegriffen. Es schien als hätte sie vergessen, dass alles nur eine Vision war. Es war alles noch nicht geschehen.
Sie wollte schreien, ihm helfen. Aber Hitomi war wie gelähmt. Kein Muskel bewegte sich, nur noch ihr Herz pochte ohrenbetäubend laut in ihrer Brust.
Etwas in ihr zerbarst in tausend Stücke, als sie sah wie jemand hinter Escaflowne hinterhältig das Schwert erhob und es ihm mit voller Kraft in den Rücken rammte. Ein metallisches Geräusch ertönte als die Waffe den Guymelef durchbohrte. Zur selben Zeit hörte sie seinen durchdringenden Schrei und gleichzeitig rief sie verzweifelt nach ihm, bevor unter ihr der Boden brach und Hitomi in eine grausame Finsternis stürzte.

Mit einem erstickten Keuchen riss sie die Augen auf.
Eine Sekunde lang schien es so, als wäre sie eingefroren.
Doch dann beherrschte tödliche Angst ihren zitternden Körper, bevor sie ihre Arme noch fester um sich schlang.
Nach Minuten oder auch Stunden, sie wusste es nicht mehr, hatte sie sich ein wenig beruhigt und stemmte sich vorsichtig am Baumstamm hoch. Hitomi sah sich kurz um und erkannte die Treppen des alten Tempels, in der Nähe des Sportplatzes ihrer alten Schule.
Was war passiert? Wieso war sie hier?
Während sie sich langsam auf den Weg nach Hause machte, kehrten nach und nach ihre Erinnerungen wieder zurück.
Sie war erschüttert und sogar ein wenig verstört. Sie hatte gedacht ihre Fähigkeit verloren zu haben, doch sie war noch da. Stärker als je zuvor.
Schon seit ein paar Wochen bekam sie seltsame Träume und zumindest hatte Hitomi schon eine Ahnung gehabt, dass sie nicht gewöhnlicher Natur sein konnten, doch sie hatte den Sinn an ihnen nicht verstanden. Die Bilder passten nicht zusammen, so sehr sie versucht hatte sie zusammenzusetzen. Es war einfach nur verrückt. Mittlerweile war es schon so weit, dass sie sich nicht mehr über schlaflose Nächte wunderte. Sie kannte es schon.
Hitomi hatte sich auf den Weg gemacht um einen kleinen Spaziergang zu machen, weil sie sich sicher gewesen war, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Sie hatte gehofft etwas frische Luft und Erholung zu finden, stattdessen hatte sie unbarmherzig eine Vision gepackt.
Als Hitomi die Wohnungstür ihres Apartments schloss und sich aufs Sofa fallen ließ, erkannte sie, dass es wieder angefangen hatte. Etwas Böses hatte in Gaia, dem Planeten hinter dem Mond, begonnen und Hitomi wusste, dass ihre Träume keine Streiche spielten. Schon immer hatte sie sich auf sie verlassen können und heute war der Punkt gekommen an dem sie sich sicher gewesen war, dass es mit Van zu tun hatte. Zum ersten Mal war die Vision klar und deutlich gewesen: Van brauchte ihre Hilfe.
Mit einem tiefen Seufzen stand sie schließlich auf, schüttelte sich ihre Schuhe von den Füssen und nahm eine kalte Dusche. Sie schloss die Augen und spürte wie das Wasser in sanften Wellen über sie floss. Sie wollte nicht groß nachdenken. Hitomi wollte einfach nur abschalten.
Mit einem viel zu kurzen Handtuch, das gerade so ihre Blöße bedeckte, schritt Hitomi in ihr Schlafzimmer, zog sich ihre Unterwäsche und ein kurzes, cremefarbenes Kleid mit samtener Spitze an.
Es war ihr Lieblingskleid, besonders weil es von ihrer besten Freundin stammte. Yukari hatte es ihr kurz nachdem sie auf die Erde zurückgekehrt war, geschenkt. Nachdem sie Zuhause ihren 16ten Geburtstag verpasst hatte, wollte Yukari unbedingt eine Party feiern. Hitomi hatte sich strikt geweigert, da sie zu dieser Zeit überhaupt nicht in der Stimmung gewesen war. Doch wie immer hatte Yukari ihren Sturkopf durchgesetzt und die größte Fete, auf der sie jemals gewesen war, geplant. Zu diesem Anlass hatte Yukari ihr das Kleid geschenkt. Es war das Wertvollste und Schönste das sie besaß.
An diesem Tag hatte sie tatsächlich Spaß gehabt. Für ein paar Stunden konnte sie Gaia einfach aus ihrem Gedächtnis streichen und damit war Yukaris Plan aufgegangen. Sie hatte Hitomi aufgeheitert, und wie sie später erzählt hatte, selbst eine aufregende Nacht erlebt.
Daran war der Alkohol nicht ganz unschuldig. Jedes Mal, wenn sie zurückdachte, kamen Schuldgefühle in ihr hoch. Bilder schossen durch ihren Kopf, die ihr augenblickliches Kopfzerbrechen bereiteten. Auch wenn sie an diesem Tag benebelt gewesen war, wusste sie noch ganz genau, was der Alkohol mit ihr angestellt hatte. Zu schrecklichen Dingen hatte er sie gebracht.
Hitomi schüttelte schnell unmerklich den Kopf, versuchte ihre Erinnerungen zu verbannen. Als sie sich ihre schwarzen High Heels überstreifte, konzentrierte sich nur noch auf den Tag, der vor ihr lag.

Als sie ihre Wohnung verließ und sich auf den Weg zur Braut machte, schien sie ganz in Gedanken versunken. Hitomi freute sich für ihre beste Freundin.
Yukari und Amano waren schon seit viereinhalb Jahre ein glückliches Paar. Es war, als wären sie wirklich für einander bestimmt. Natürlich gab es zwischendurch Spannungen aber wenn es nichts Derartiges gäbe, dann müsste man sich auch Sorgen machen.
An den letzten Streit der beiden konnte sie sich noch lebhaft erinnern. Es war wirklich heftig gewesen.
Yukari war gelegentlich übertrieben eifersüchtig und das Amano oft geschäftlich unterwegs war, machte es auch nicht gerade besser. Diesmal war es das gleiche Problem gewesen. Die blöde Eifersucht die das Leben der beiden manchmal wirklich behinderte.
Aber sie wusste, wie sehr Amano Yukari liebte und deshalb machte sie sich auch nie große Sorgen. Manchmal hatte man einfach das Gefühl, als würde er es mögen sie ein bisschen zu ärgern.
Nein, Hitomi glaubte nicht, dass er das absichtlich tat. Sie kannte ihre rothaarige Freundin und wusste, manchmal war es wirklich schwierig mit ihr.
Sie seufzte, als sie vor einem bestimmten Block stehen blieb. Sie war Trauzeugin und erste Brautjungfer. Wieso hatte sie bloß zugestimmt und nicht einfach abgelehnt?! Aber nein, einfach antworten ohne nachzudenken! Dumme, dumme Hitomi!
Sie wusste, Yukari würde heute gestresst sein und spürte, dass ihr eine lange Rede bevorstand. Man sagte der Hochzeitstag wäre der schönste Tag des Lebens. Da konnte sie nur höhnisch auflachen.
Was war schön daran, wenn man vor Aufregung und Anspannung fast wahnsinnig wurde und man die anderen selbst auch noch verrückt machte?!

Leise klopfte die Studentin an die Tür, obwohl sie sich hundertprozentig sicher war, dass man sie nicht hören würde. Man konnte den Lärm in der Wohnung einfach nicht überhören. Laute Stimmen waren zu hören, doch hauptsächlich Yukaris übertönte alle.
Hitomi steckte vorsichtig den Kopf durch die Tür und sah fragend in die Runde. „Bin ich etwa schon wieder zu spät?!“ Einstimmiges Gekicher folgte.
Yukari kam ihr wutentbrannt entgegen –zumindest schlussfolgerte sie das, nachdem Hitomi ihr rotanlaufendes Gesicht sah- und stemmte die Hände in die Hüfte. „Nein, du bist so pünktlich wie eh und je, “ sagte Yukari beherrscht ruhig und ihr sarkastischer Unterton entging Hitomi kaum, doch dann schrie sie, „Natürlich bist du zu spät! Wie konnte ich je glauben, dass du dich wenigstens an meinem Hochzeitstag zusammenreißt und es pünktlich schaffst? Du bist einfach unglaublich, Hitomi! Wirklich unglaublich!“
Yukari fuhr sich mit der Hand durch die etwas verstrubbelten Haare und versuchte ihren beschleunigten Atem zu beruhigen. Hitomi versuchte unterdessen den kommenden Redeschwall zu unterbrechen in dem sie sanft Yukaris Hand in ihre nahm und leise flüsterte: „ Ach komm, du kennst mich doch. So bin ich eben, etwas zeitverloren, aber dafür sehr liebenswürdig. Das magst du doch an mir, nicht?“ Leise lachte Yukari. Anscheinend hatte ihr Plan funktioniert. Die junge Frau vor ihr hatte sich ein wenig beruhigt.
„Außerdem haben wir bis zur Kirche noch genügend Zeit, stimmt’s?“ Hitomi wandte ihren braunen Schopf ein wenig nach rechts und sah ihre Freundinnen fragend an, die gemütlich auf dem Sofa lümmelten und sie beide grinsend beobachteten.
„Stimmt“, bestätigte Rina ihre Vermutung, diese hatte sich nun auch zu den beiden gesellt und umarmte Yukari von hinten. „Also, sei nicht allzu streng zu ihr. Das ist eben ihre kleine Macke. Das wusstest du das doch vorher schon. Ich für meinen Teil, da wir nun endlich vollständig sind, möchte dir nun endlich dein hübsches Gesicht noch schöner gestalten. Sonst verpasst du wirklich noch deine eigene Hochzeit und das wollen wir doch nicht?“
Die rothaarige Braut seufzte.
„Nein, das wollen wir nicht.“

Sie sah aus dem Fenster. Lächelnd und ein wenig nachdenklich.
Ein wunderschönes Lied lief im Radio der Limousine und merkwürdigerweise stimmte es die braunhaarige Studentin fast melancholisch. Sie kannte das Gefühl und doch war es eher fremd für sie. Es fühlte sich merkwürdig, aber trotzdem so unscheinbar glücklich wie lange nicht mehr, an. Sie genoss die Gefühle, die kribbelnd in ihr aufstiegen. Keine der Anwesenden im fahrenden Auto, bemerkte den beseligten Wechsel der in der schon lange gebrochenen Frau herrschte und das war auch gut so. Niemand sollte je bemerken, was für ein Chaos von Gefühlen in ihr momentan herrschte.
Hitomi schloss stumm ihre Lider, während die anderen immer noch summend mitsangen.
Doch unwillkürlich erschien vor ihrem geistigen Auge Jemand bei dem es ihr das Herz zusammenzog. Es fühlte sich so wirklich an als wäre er tatsächlich hier und nicht nur eine von ihren nur allzu bekannten, verrückten Wahnvorstellungen.
Hitomi spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Mit aller Kraft versuchte sie diese zurückzuhalten. Sie krallte ihre Hände in ihr Kleid, so fest, dass ihre Knöchel weiß vortraten.
Sie wagte es nicht ihre Finger zu lockern. Hitomi hatte einfach panische Angst auf einmal in Tränen auszubrechen. Sie durfte es nicht zulassen. Nicht an diesem Tag, nicht heute.
Niemand auf Erden durfte sie jemals wieder so sehen. Schwach und zerbrechlich, ohne Würde.
Einmal hatte gereicht, ein einziges Mal hatte Yukari sie erwischt und damals hatte sie es sich selbst geschworen. Nie mehr wieder. Es war demütigend gewesen.
Der junge Mann vor ihr sah so verdammt traurig aus, dass es ihr buchstäblich das Herz zerriss. Er schaute in eine unbestimmte Richtung, trotzdem sah sie auf den ersten Blick, was sich hinter seiner schwer erkämpften, Fassade verbarg. Sie wünschte sich einfach ihre grünen Augen zu öffnen und sich vor dem Ganzen hier zu verstecken. Sie versuchte es, Gott ja, wie sie es versuchte.
Leere und Trostlosigkeit zeigten sich unverkennbar in seinen Augen.
Deine Schuld, sagte ihr Gewissen. Sie biss die Zähne zusammen.
Hitomi wollte ihm helfen. Kein Mensch hätte je verstehen können, was sie im Moment empfand. Mitleid für diesen einzigartigen Mann kämpfte mit dem Gefühl der Machtlosigkeit und des Schmerzes.
Sie verspürte so ein unglaubliches Verlangen ihm näher zu kommen, ihn in die Arme zu nehmen und zu trösten.
Doch ihr Körper war wieder einmal wie gelähmt. Sie hasste es so hilflos zu sein und nichts tun zu können. Besonders wenn er gerade vor ihr stand und sie nichts weiter tun konnte, als seinem Leiden zuzusehen.
Seine Haltung war gebrochen und seine nackte Brust war kräftig wie zuvor, wenn nicht noch kräftiger, muskulöser.
Er schien grösser, als damals vor fünf Jahren, vor allem erwachsener. Doch das meiste was sie beeindruckte waren seine Flügel, die sich weiß wie der Schnee um ihn herum verbreiteten. Obwohl seine dunklen Augen so unglücklich schienen, war es, als stände ein Engel vor ihr. Ein mächtiger, majestätischer Engel, dem alles und jeden zu Füssen lag. Aber wieso sah er dann so unerträglich traurig aus?
Plötzlich, ohne dass sie es verhindern konnte, drehte er sich um und breitete seine Flügel aus. Er erhob sich, immer höher, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. Damit kehrte die absolute Dunkelheit zurück.
Ihr persönliches Licht und die weißen Flügel waren verschwunden. Hektisch sah sie in alle Richtungen, versuchte ein Licht auszumachen aber nichts erinnerte mehr im Entferntesten daran.
Ein unheimliches Gefühl kroch in ihr hoch. Schauder liefen über ihren Rücken und Angst schnürte ihr die Kehle zu. Es durchzuckte ihren ganzen Körper. Verzweifelt, schlang sie ihre Arme um sich.
Sie wollte weg, egal wohin, nur weg von dieser furchterregenden Dunkelheit.
Dann plötzlich vernahm sie eine vertraute Stimme. Hitomi wirbelte herum, doch nichts anders als Schwärze empfing sie. Die männliche Stimme kam ihr ungemein bekannt vor, aber sie konnte sie einfach nicht richtig erkennen. Hitomi dachte angestrengt nach, doch ihr fiel einfach nicht mehr ein, wem sie gehörte. Er hörte sich gedämpft an und gleichzeitig so als ob er nach ihr schrie.
Ihr Griff um sich wurde fester, doch dann lockerte sie ihn und ließ ihre Arme lose fallen. Einen Augenblick schloss sie ihre Lider um sie gleich wieder zu öffnen.
An ihrem Blick hatte sich nichts verändert. Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit spiegelte sich in ihnen. Noch nie in ihrem ganzen Leben hatte sie sich so einsam gefühlt, wie in diesem Moment.
Sie schrie, bat um Hilfe, von ihm. Doch in Wahrheit kam nur ein Hauchen aus ihrem Mund. Sie versuchte es noch einmal. Diesmal funktionierte es, glaubte sie jedenfalls, als sie mit aufgerissenen Augen aufwachte.

In der ersten Sekunde hatte sie noch nicht begriffen, wo sie war und wie entsetzt ihre Freundinnen sie anstarrten. Zunächst sah sie sich etwas verwirrt um, während schon aufgeregte Stimmen auf sie niederdrosselten.
„Hitomi? Hitomi?! Alles in Ordnung mit dir?“
Sofort verstand sie, zog sich im Sitz hoch und fragte unbeabsichtigt leise: „Was ist? Ist etwas passiert?“
Antwort war ein Schnauben und undefinierbares Geflüster, bevor Yukari ihr verständlich antwortete. „Was passiert ist, fragst du? Naja wie soll ich es dir schonend beibringen… Sagen wir es so, die Kurzfassung: du hattest einen Alptraum.“ Hitomi hob ihre Augenbrauen.
„Ich hab geschlafen? Was...“ mitten im Satz hielt sie inne.
Auf einmal fiel ihr alles wieder ein. Die Vision, die gleichzeitig so real und doch wie ein Traum gewesen war.
Ihr dröhnte der Schädel.
Die Visionen wurden immer komplizierter.
Die anderen starrten sie noch immer mitleidig an. Sie hasste es, wenn man sie ansah als wäre jemand gestorben.
„Mit mir ist echt alles in Ordnung, Okay?!“
Es nützte nichts. Sie sah auch so, dass sie ihr nicht glaubten. „Hör zu“, unterbrach Rina ihre wirren Gedanken. „Du bist eingeschlafen und als wir dich wecken wollten, ging es nicht. Es war komisch, als wärst du in einer Art Trancezustand und plötzlich hast du geschrien, so laut, dass wir dachten du könntest… sterben. Also ich denke du bist alles andere, als in Ordnung.“
Heilige Scheisse!

Hoffentlich hatten sie nichts von ihren Visionen mitbekommen - was redete sie sich da eigentlich ein? Bestimmt war Yukari schon in den Sinn gekommen, dass ihre Visionen wieder da waren. Verdammt gerade heute verlor sie ihre Fassung. Sie hatte sich doch geschworen, dass Yukari und besonders ihre Freundinnen – die wirklich keine Ahnung hatten - nichts mitbekamen.
„Ihr solltet euch keine unnötigen Sorgen um mich machen, ehrlich!“ versuchte sie die anderen trotzdem noch zu überzeugen, obwohl sie wusste, dass es nichts mehr brachte.
Yukari seufzte. „Das kann ich nicht, Hitomi.“ Zaghaft streichelte Hitomi über den Oberschenkel ihrer Freundin. „Wieso nicht?“
Eindringlich sah Yukari in die glühenden Smaragde ihrer Trauzeugin.
Mit jeder weiteren Sekunde die verging fühlte es sich unerträglicher an, so dass sie irgendwann ihren Blick senken musste.
„So kann es nicht weiter gehen, Hitomi.“
Oh, Gott!
Sie wusste etwas. Klar, war zu erwarten gewesen. Nur ein Blinder hätte nicht sehen können, das etwas mit ihr nicht stimmte, nein, das war falsch. Niemand sah, dass es ihr nicht gut ging. Das es sie unglaubliche Kraft kostete jeden einzelnen Tag zu überstehen. Hitomi wollte nicht von bedauernswerten Blicken heimgesucht werden und so nochmal die Bestätigung zubekommen, was für ein Wrack sie geworden war. Das brauchte sie nicht. Sie wusste es doch schon. Hitomi verabscheute sich ja selber, was sie sich angetan hatte.
Sie gab auf, ließ sich hängen und genau das wollte sie nicht.
Die neuen Visionen hatten es nur noch schlimmer gemacht. Mit jedem Atemzug schmerzte es umso mehr und auf masochistische Art und Weise fühlte es sich gut an. Sie begriff, dass sie Van immer näher kam und Hitomi wusste wie selbstsüchtig sie war, doch alles was sie wollte war endlich wieder glücklich zu sein. Ihr war egal ob ein Krieg herrschte, dann würde sie ihn mit ihm besiegen.
Sie konnte kaum glauben, was sie da gerade dachte.
„Was denn?“ fragte sie mit unschuldigen Augen, versuchte ihr innerliches Durcheinander zu überspielen.
„Das weißt du ganz genau! Ich weiß doch was los ist! Du brauchst mir nichts vorzuspielen. Denkst du wirklich ich bin so dumm?! Denkst du, ich weiß nicht, wie unglücklich du seit diesen Fünf Jahren bist? Ich liebe dich, Hitomi, das tue ich wirklich aber ich kann das nicht länger mit ansehen.
Es tut mir leid, es ist meine Schuld. Ich war selbstsüchtig. Ich wusste, wie sehr du gelitten hast, trotzdem habe ich dich nicht gehen lassen. Ich liebe dich zu sehr und hatte einfach zu große Angst, dass du einfach verschwinden könntest, dir etwas zustoßen könnte oder schlimmeres.
Aber heute ist mir eins klar geworden… Ich kann dich nicht aus meinen egoistischen Gründen hier behalten. Ich dachte du würdest über ihn hinwegkommen, aber das wird nicht mehr passieren. Es ist wirklich unglaublich, wie sehr du diesen Van liebst. Ich denke er ist deine große Liebe, “ flüsterte sie am Schluss und legte die Hand auf Hitomis Wange. „ Er ist deine große Liebe, Hitomi. Du darfst nicht länger warten, sonst wird er nicht mehr gewillt sein länger auf dich zu warten.
Ich kann von dir nicht verlangen unglücklich vor dich hinzuleben, während ich inzwischen überglücklich meine Hochzeit feiere. Das wäre nicht fair dir gegenüber.“ Hitomi sah sie mit großen Augen an und bemerkte Tränen in den Augenwinkeln ihrer Freundin. „Yukari… Was meinst du damit?“
Diese musste lächeln. „Ist das noch nicht klar?“ Sie legte eine kurze Pause ein. „Ich meine damit, dass ich will, dass du gehst.“
Hitomi senkte stumm ihr Haupt. „D-Das kann ich dir und besonders meiner Familie doch nicht antun. Ich weiß doch wie es wäre, wenn ich nicht mehr da wäre.
Es spielt sowieso keine Rolle mehr. Ich kann nicht mehr zurück.“ Dabei ließ sie aus, dass sie neustens Visionen hatte, die deutlich ankündigten, dass sie bald wieder etwas in Gaia zu tun hatte.
„Ich denke deine Familie ist derselben Meinung wie ich. Das ist wirklich kein Problem. Aber etwas anderes, warum kannst du nicht mehr zurück? Letztes Mal ging es doch auch?“ Hitomi biss sich auf die Lippen.
Weiter durfte es nicht gehen. Die anderen waren noch hier. Sie hatten nicht die geringste Ahnung von ihrem Leben in Gaia. Das Gespräch gelang immer mehr dorthin. Bis jetzt glaubten sie wahrscheinlich noch, das alles mit einem Jungen zu tun hatte, welchen sie liebte und sie zurückgewinnen sollte. Doch würden sie weiter miteinander sprechen, würden sie bald Fragen stellen und das konnte sie nicht zulassen.
Als sie sah, wie sie vor der Kirche zum stehen kamen, dankte sie innerlich Gott.
Dann wandte sie sich gespielt grinsend an Yukari. „Später, in Ordnung? Du wirst jetzt heiraten! Und ich…Ich werde dabei sein. Ich hab es dir versprochen und ich halte immer meine Versprechen, das weißt du doch. Also dürfen wir keine weitere Sekunde mehr verlieren.“
Sie öffnete die Tür und schlüpfte schnell aus dem Fahrzeug. Auf dem Asphalt, musste sie sich den Kopf halten und schmerzend die Augen schließen.
Die anderen konnten nicht in ihr Gesicht sehen, da sie nun den Rücken zu ihnen gedreht hatten. Wenn sie es getan hätten, wäre ihnen bewusst gewesen, wie schlecht es um Hitomi stand. Ihre Fröhlichkeit war verblasst und hatte stattdessen einem bitteren Ausdruck im Gesicht hinterlassen.
Nach und nach kamen auch die Anderen die breite, steinerne Treppe hoch.
Um sich von ihren Gedanken abzulenken sah sie sich die Kathedrale genauer an. Hitomi war ehrlich beeindruckt. In den gotischen Türen der Hauptfassade erhoben sich die beiden fast anmutigen, hohen Türme mit den eisernen Spitzen. Sie blieb auf der dritten und somit letzten Ebene der Treppe stehen und wartete geduldig auf die anderen.
Jäh legte sich eine Hand auf ihre rechte Schulter. Sie ließ sich von ihrer Überraschung nichts anmerken und hörte dann auch gleich Yukaris leise aber bestimmte Stimme: „Wir reden nachher noch.“
Hitomi nickte ihr lächelnd zu, diesmal weniger überzeugend als vorhin, so dachte sie zumindest, als sie in Yukaris Gesicht sah. Hitomi konnte nicht genau beschreiben, was es war – vielleicht die leidvollen Lider, die ihre Freundin zu verstecken versuchte in dem sie durch eine der Nebentüren ging - aber sie wusste, dass sie Yukari enttäuscht und verletzt hatte.
Hitomi fühlte sich schuldig, so dass sie einen Moment brauchte um ihr zu folgen. Es war ihre Schuld, dachte sie, genau heute sollte Yukaris schönster Tag werden, doch sie, ihre beste Freundin hatte ihr schon den halben Tag verdorben.

Fest umklammerte Hitomi mit ihren kräftigen Händen den Blumenstrauß.
Sie wusste, es war nicht richtig. Es war falsch, dass sie hier war und das lag nicht nur daran das ein verruchtes Stechen in ihrer Bauchgegend sie fast um den Verstand brachte.
Das war nicht gut, ganz und gar nicht.
Ein Fremdes Gefühl durchströmte ihren Körper. Etwas, was sie nicht zuordnen konnte. Sie schluckte ihren Klos im Hals herunter und sah wieder auf das Brautpaar hinüber.
Das Letzte Gespräch mit Yukari hatte ihr ein wenig zu schaffen gemacht. Sie wollte nicht, dass ihre beste Freundin über solch belanglose Dinge nachdachte und schon gar nicht an ihrem Hochzeitstag. Hitomi wollte nicht Yukaris schönsten Tag ihres Lebens kaputt machen. Das würde sie sich niemals verzeihen. Aber sie fürchtete genau das würde sie tun.
Sie wollte, dass es wieder wie vorher war als kein Mensch auf Erden bemerkte wie sie in Wirklichkeit empfand.
Ihr Blick klärte sich wieder, nachdem sie ein paar Mal blinzelte.
Yukari war ohne Zweifel wunderschön. Schultern und Hals lagen bloß. Das mehrteilige, elfenbeinfarbene Kleid aus Satin und Spitze betonte ihre schmale Taille und umschmeichelte ihre zarten Rundungen. Liebevoll wurde es mit Pailletten und Kunstperlen geschmückt. Auf dem Rücken folgten feste Schnüre und danach kam eine lange Schleppe.
Es war einfach perfekt. Als wäre es nur für diesen einen Tag und nur für diese eine Frau gemacht.
Sie lockerte ihren eisigen Griff um den Blumenstrauß und dann erschien ein friedvolles Lächeln auf ihrem Gesicht. So als wäre es schon immer da gewesen.
Ab jetzt sollte alles glatt laufen, alles sollte so perfekt wie die Braut werden und bis jetzt sah es sehr gut aus. In diesem Moment wusste Hitomi noch nicht wie sehr man sich doch täuschen konnte.

Kilometer entfernt, weit weg vom Mond der Illusionen, sah jemand genau dorthin. Die Gestalt hatte es sich am höchsten Platz der Stadt gemütlich gemacht. Der junge Mann lag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf dem Dach des neuerbauten Palastes, welches dem alten zum verwechseln ähnlich aussah.
Damals, während dem Aufbau Fanelias, hatte er es eigenständig veranlasst.
Auch wenn es noch immer schwer an ihm nagte, was gleich nach seinem Thronaufstieg geschehen war, wäre es noch schmerzlicher gewesen einen anderen Palast aufzubauen. Ohne ihn wäre es nicht dasselbe, genau dieser gehörte hierher.
Aber im Moment war das nicht wichtig. Etwas anderes oder besser jemand anderes hatte schon lange den Platz seiner Gedanken eingenommen. Sie drehten sich seit einiger Zeit ganz allein nur noch um sie.
Sehnsucht spiegelte sich in seinen trüben Augen, wie immer wenn er an ihr schönes Antlitz dachte.
Ein trauriges Lächeln schlich sich über seine Züge.
Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wie sie wohl inzwischen aussah. Waren ihre Haare inzwischen länger geworden? Van hatte sich insgeheim immer gefragt, wie sie wohl mit langen Haaren aussah. Wie er selbst musste sie sich auch verändert haben. Das war nur natürlich.
Auch wenn man nicht sagen konnte, dass er sich beträchtlich verändert hatte.
Seine schwarze Mähne hatte war immer noch so unordentlich wie früher. Sein Körperbau war noch viel kräftiger geworden, da er mit seinem Training weder nachgelassen noch aufgehört hatte. So was hätte er sich nie verziehen, außerdem gab es ihm Kraft, ohne das sich Hitomi unwillkürlich in seine Gedanken schlich, zumindest meistens.
Er genoss die Stunden, hin und wieder in vollkommener Einsamkeit.
Im Moment trug er eine einfache Hose, ein rotes Hemd und wie immer hatte er sein altbekanntes Schwert bei sich. Sein Outfit ähnelte sehr dem früheren von vor Fünf Jahren.
Meistens war er nicht anders angezogen, außer man verlangte es von ihm als König bei festlichen Anlässen.
Hitomi würde ihn selbst durch seine Veränderung erkennen können, aber würde er sie erkennen? Er wusste nicht wie sehr sie sich verändert hatte.
Was würde sie tun, wenn sie ihn sehen würde? Würde sie sich womöglich freuen ihn zu sehen? Oder ihn verspotten, ignorieren oder ihn sogar wegschicken?!  
Es machte ihn beinahe wahnsinnig. Sein Verlangen nach ihr war stark aber die Furcht ihrer Zurückweisung stärker. Nicht nur das machte ihm zu schaffen.
Was wenn sie ein Leben ohne ihn angefangen hatte, ein Leben mit einem anderen Mann?
Der Gedanke ließ ihn beinahe verrückt werden. Es tat so furchtbar weh, dass er es nicht mal herausfinden wollte. Er war vielleicht ein König, hatte Dornkirk und mit ihm den letzten Krieg überstanden aber wieso war es so verdammt schwer einem Mädchen gegenüberzutreten?!
Er war schwach ihr gegenüber und nur ihr gegenüber. Sie war sein einziger Schwachpunkt und deshalb wusste er auch, dass er noch nicht bereit war.
Er war noch nicht bereit für eine andere Frau - auch wenn es alle anderen von ihm verlangten. Er wusste, er konnte seine Gefühle für dieses eine Mädchen nicht verleugnen und sich einfach einer anderen zuwenden.
Er würde es nicht tun können und er wollte auch nie herausfinden ob er es könnte.
Es würde ihm das Herz zerreißen. Er würde nicht damit leben können. Van wusste, würde er je der Begierde seines Volkes nachgeben, würde ihn seine Schuld von innen auffressen.
Nein, er wagte es nicht seine Hitomi zu betrügen. Es wäre zu schmerzhaft.
Er gehörte zu ihr.
Das war so unwiderruflich, das es fast als Gesetz galt.
Schon immer war es nur sie gewesen, niemand anderes besaß sein Herz mit Leib und Seele. Diese Tatsache war so unumstritten, dass es trotz seiner langen Einsamkeit noch immer ein Gefühl gab, dass ihn überleben ließ. Hoffnung. Das war es, ein Gefühl, mehr nicht und doch gab es ihm so viel Kraft. Er glaubte an Hitomi und glaubte irgendwann würde sie wieder zurückkehren. Er würde warten, wie lange es auch dauerte. Van hatte die Gewissheit, dass seine Gefühle für sie sich nicht verändern würden und er wusste Hitomi hatte ihn damals geliebt. In diesem Moment als sie realisiert hatte, dass sie ihn liebte, waren ihre Gefühle in ihn übergangen. Wahrscheinlich wusste sie das gar nicht aber sie waren stärker gewesen als er es je erwartet hätte. Es war das Gefühl der Liebe, die man nur für einen Menschen empfand. So wie er es nur für Hitomi empfand und deshalb gab er nicht auf.

Es durchzuckte Hitomi wie ein Blitzschlag.
Ihr wurde mit einem Mal so heiß, dass ihr schwindelig wurde. Sie zog den Blumenstrauß näher an ihre Brust und drückte ihre Finger fester um das Gebinde. Sie fürchtete in Ohnmacht zu fallen.
Ihr Körper schien in Flammen zu stehen. Hitomis schlagendes Herz raste als wollte es nicht mehr aufhören. So laut wie es war, dachte sie, dass es sogar die Worte des Pfarrers übertönte.
Sie spürte wie sich ihr Atem unaufhörlich beschleunigte. Langsam spürte sie Blicke auf sich, aber es war egal. Es war keine Vision, die ihr diese Heidenangst einjagte, bloß eine lächerliche Vorahnung. Sie war nicht lächerlich, wie sie im nächsten Moment feststellte.
Der Blumenstrauß fiel lautlos in dem Gedränge, das nachher herrschte, zu Boden. Fast wie eine Salzsäule blieb sie als einzige wie erstarrt stehen.
Die Lichtsäule war so überraschend und unwillkürlich aufgetaucht, dass sie nichts anderes tun konnte als ungläubig auf die Stelle zu starren. Kein Gedanke herrschte in ihrem Inneren.
Nur absolute Leere.
Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, dass sich auch Yukari und Amano nicht vom Fleck berührt hatten, aber sie waren nicht weniger überrascht.
Schreie schossen durch den ganzen Raum, aber es kam ihr wie weites Geflüster vor.
Nachdem mehr als die Hälfte aus der Kirche geflüchtet war, kam Hitomis erster klarer Gedanke.
Sie hatte die Hochzeit zerstört, wie prophezeit.
Tränen rannen ihre Wangen hinab, doch dabei lächelte sie matt. Sie fühlte sich wie in einem Film, so als wäre all das nicht real, es war alles so unwirklich. Die Situation überforderte sie einfach nur.
Es war alles zu viel. Jetzt wollte sie ohnmächtig werden aber ihr Verstand war so klar, dass es ihr Angst machte.
Ihr Blick hob sich und sie sah in Pechschwarze Augen. Diese schienen sie zu durchbohren, beinahe heimzusuchen. Als könnten diese Augen in ihr innerstes sehen. Hitomi kannte sie nicht aber sie machten ihr eine Angst, die sie seit Gaia nie zuvor gehabt hatte.
Die Hand des Guymelefs hob sich und dann schoss sie wie vom Blitz getroffen herunter. Kaum war sie sich dem bewusst, spürte sie schon einen festen Griff um ihren Körper, der ihr das Atmen wesentlich schwerer machte. Bis Sie irgendwann das Gefühl hatte keine Luft mehr zu bekommen.
Das Schwindelgefühl tauchte mit einem Kribbeln im Körper wieder auf, aber diesmal war es tausend Mal schlimmer als zu Anfang.
Immer wieder öffnete sich ihr Mund hilfesuchend, doch nichts war zu hören. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.
Dann wurde ihr schwarz vor Augen, doch bevor sie endgültig das Bewusstsein verlor, hörte sie noch Schreie, die immer leiser wurden und schließlich ganz verschwanden.
Ihr Letzter Gedanke galt ihm, demjenigen, den sie von ganzem Herzen liebte.
Van, wo bist du?! Hilf mir, rette mich, Van!

„Du denkst wieder an sie, stimmt’s?“
Van unterdrückte den dringenden Impuls zu seufzen.
Er musste sich nicht umzudrehen um zu wissen, wer ihn im nächsten Moment von hinten umarmte. „Immer“, sagte er leise, so das nur sie es hören konnte, wobei es nur für ihre Katzenohren bestimmt war.
Merle verstärkte ihren Griff. „Majestät?“
„Hm?“ Das Katzenmädchen löste die Arme um ihn und setzte sich geräuschlos neben ihn. Wie er selbst sah sie nun ebenfalls auf den Mond der Illusionen, sah nach jemanden, den sie nicht entdecken konnte. „Denkst du sie wird jemals zurückkommen?“ Ihre Stimme war nicht mehr der kindliche Ton von früher, sondern war der einer erwachsenen, verführerischen Stimme einer Katze gewichen und gerade als er ihr antworten wollte, meinte er etwas gespürt, gehört zu haben, dass schon seit mehreren Jahren nicht mehr der Fall gewesen war.
Er riss geschockt die Augen auf.
„Hitomi“, flüsterte er so leise, dass es fast Merle mit ihrem überdurchschnittlichen Gehör nicht hörte.
„Was?“ sagte sie überrascht und drehte sich nun doch zu ihm, doch plötzlich schoss er in die Höhe. Sie machte es ihm gleich. „Was ist los?“
„Hitomi! Sie hat nach mir gerufen. Sie braucht mich!“, rief er aufgewühlt und erschüttert.
„Das weißt du nicht, Van!“, sagte sie nun auch etwas lauter.
„Doch, du kannst das nicht verstehen. Ich… Ich habe es gespürt. Sie hat fürchterliche Angst. Ich muss sie retten!“ Van war schon dabei vom Dach zu springen, als ihn ihre hohe Stimme aufhielt. Sie war so laut, dass er augenblicklich stehen blieb.
„Majestät, bleib sofort stehen!“
Fast beängstigend lief sie auf ihn zu. „Du kannst das nicht tun, Van. Du hast ein Land zu herrschen und…“ Sie stoppte mitten in ihrem Satz und sah mit schockgeweiteten Augen an ihm vorbei.
Besorgt bemerkte auch er Merles Blick. „ Merle, was ist los?“ Sie ignorierte seine Frage.
„Van, ich glaube du musst sowieso nicht mehr auf den Mond der Illusionen...“
„Was?“
Als Antwort streckte sie ihren Arm in seine Richtung. Er hob seine Augenbraue, drehte sich nun doch in die Richtung und da verstand er, was sie gemeint hatte.
Entgeistert starrte er auf die Lichtsäule, die nun langsam verschwand. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Er wusste nicht was er tun sollte…
War das Hitomi?!
Und wenn nicht, war sie in ihrer Welt in Gefahr?!
Musste er zu ihr oder hatte sie es geschafft nach Gaia zu flüchten?!
Was sollte er bloß tun?
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