Wolfsherz

von Terazuma
GeschichteDrama, Romanze / P18
07.06.2012
13.04.2014
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Urlaub hat auf mich wohl schlimmste Auswirkungen… Den Wunsch Vilkas eine eigene Geschichte zu widmen hatte ich schon seit Kazu den Armen in ihrer Story auf so übelste Weise ‚trollte‘! Er ist ihr einfach zu gut gelungen, als dass ich ihn so enden lassen wollte… Nur bei mir hat er es aber auch nicht besser! Anfangs zumindest. Ich möchte ihm schon ein wenig Glück gönnen. Aber ob er es annehmen wird? Das steht im wahrsten Sinne das Wortes noch nicht geschrieben…^^

Diese Geschichte hat nichts mit meiner ‚Drachenblut-Story‘ gemein. Die Umstände sind anders, das Drachenblut ist jemand ganz anderes und kommt erst später hinzu. Außerdem wird die Story auch einen ganz anderen Ton und Härte aufweisen. Deshalb auch P18.

Viel Spaß beim Lesen! ^^



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Kapitel 01

Über einem verschlafenen Nest in Himmelsrand erklomm gerade die Sonne den Horizont und brachte den Morgentau auf den Gräsern zum Glitzern. Trotz des nahenden Sommers war es morgens immer noch kalt und teilweise trat den Auerochsen beim Atmen der Dampf aus den Nüstern, was von den immer noch niedrigen Temperaturen sprach.

Himmelsrand war eines der kühlsten Länder Tamriels. Es war die Heimat der Nord, die Eis und Schnee trotzten und Lobeshymnen auf die raue Schönheit ihres Landes sangen. Es war ein herbes, zerklüftetes Fleckchen Erde, dem tatsächlich ein Charme wilder Schönheit und unberührter Landschaft anhaftete. Schroffe Felsen, klare Flüsse, dichte Wälder und selbst heiße Quellen und dampfende Moore fand man in diesem Land, das wie seine Bewohner reich an Legenden und arm an üppigem Kapital war.

Eine frische Brise wehte den Berghang zu den bebauten Feldern hinab. Die Luft erwärmte sich trotz des letzten Frühlingsmonats nur sehr langsam – hier, wie auch in den dichten Wäldern, die eine Gehstunde von Rorikstatt entfernt begannen. Rorikstatt war nichts anderes als eine Ansammlung von Gehöften und einem Wirtshaus. Ein verschlafenes Nest von Bauern, die dennoch durch harte Arbeit aus dem kargen Boden Himmelsrands nahrhaftes Gemüse und Getreide  hervorbrachten. Auch ein paar Ziegen und Auerochsen wurden hier gezüchtet, was dieser Stadt doch einen zumindest geringen Wohlstand ermöglichte.

Aber die Bewohner waren ängstlich und keine Kämpfer. Nach den Wirren des Bürgerkrieges und der Bedrohung der Drachen im vergangenen Jahr, begann bei ihnen vorsichtige Hoffnung auf ein wenig Ruhe und Beschaulichkeit aufzukeimen, die jetzt aber erneut zu kippen drohte. Seit einiger Zeit verschwanden immer mehr Ziegen auf unerklärliche Weise. Man fand auch keinerlei Spuren, die auf wilde Tiere, wie Bären oder Wölfe, hingewiesen hätten. Außerdem fehlten auch von den unzähligen Hühnern, die hier völlig frei herumzulaufen pflegten, sicherlich bereits die Hälfte. Es war ein Rätsel, welches die Bauern alle wieder furchtsam im einzigen Wirtshaus der Stadt zusammenkommen ließ. Als vor zwei Tagen auch noch einer der Knechte auf unerklärliche Weise verschwunden war, begann Rorik, der Großgrundbesitzer von Rorikstatt, endlich in Aktion zu treten. Da ging etwas nicht mit rechten Dingen zu, und er wollte dafür Sorge tragen, diese Missstände zu beseitigen. Seine Leute hatten die letzten Jahre über bereits genug gelitten.

Rorik war ein umsichtiger Mann und hatte sofort eine Notiz an die Gefährten geschickt, in der er die Umstände in ihrer Stadt erläuterte. Die Gefährten – so nannte sich die berühmteste Kriegergilde von Himmelsrand – waren die einfachste Lösung für solche Probleme. Wenn er sich zuerst an Jarl Vignar oder Großkönig Ulfric gewandt hätte, wäre nur wieder unnötig Zeit vergangen, bis vielleicht die benötigten Soldaten zum Schutz geschickt worden wären. Nein, die Gefährten waren hier nicht nur schneller, sie waren auch effizienter. Bei ihnen konnte man sicher sein, dass sie sich ohne Umschweife um die Probleme kümmerten und diese auch zur vollsten Zufriedenheit lösten.

Der Großgrundbesitzer strich sich über seinen Bauch. Er hatte gerade sein Früh Mahl verspeist, das er diesmal wieder in entspannter Weise vornehmen hatte können. Die Vertreter der Gefährten waren vor zwei Stunden bei ihm angekommen und hatten sich nochmals den Sachverhalt erklären lassen. Sie waren große Nord-Männer, die nicht viele Worte machten. Rorik hatte zuvor noch nie mit den Gefährten zu tun gehabt, sondern nur Anerkennendes über sie gehört. Jetzt sah er sie und ja, sie verstanden es wirklich zu beeindrucken.

Offensichtlich handelte es sich bei den beiden Männern, die so groß waren, dass sie sich sogar bücken mussten um durch die Tür zu kommen, um Zwillinge. Die Ähnlichkeit war erstaunlich, obwohl der Schweigsamere der beiden sogar noch gewaltiger wirkte als der Sprecher. Ihr Anblick allein ließ Rorik sämtliche Sorgen vergessen und ihr Preis war fair. Himmelsrand konnte sich wirklich glücklich schätzen, so eine Vereinigung ehrenhafter Kämpfer – dieser Ruf eilte ihnen voraus – zu besitzen.

Während ihre Pferde von einem Knecht versorgt wurden, schüttelten die beiden ihre Umhänge aus und setzten sich zu Rorik an den Tisch. Zuvorkommend lud er sie zu einem einfachen Mahl ein, was sie auch dankend annahmen. Ihr gesegneter Appetit ließ Rorik zwar kurz um seine Lebensmittel bangen, doch nachdem wie sie aussahen, wandelten sie die Nahrung wohl in direkte Muskelkraft um. Dass sie so früh hier angekommen waren, konnte nur bedeuten, dass sie die ganze Nacht durchgeritten waren. Sie wirkten dennoch nicht müde oder ausgelaugt.

Die hellen Augen des Sprechers der beiden waren während ihrer Unterhaltung unverwandt auf Rorik gerichtet. Der Großgrundbesitzer fühlte sich unter diesem Blick der außergewöhnlich hellen Augen wie gebannt. Doch dieser Krieger fragte einfach nur präzise nach den Umständen. Es lag keine Drohung in seinem Blick, aber auch keine übermäßige Freundlichkeit. Für diesen Mann zählten wohl nur Fakten. Sein scharfer Verstand, der sich unverkennbar in seinem klaren Blick wiederspiegelte, nahm alles sofort auf und schien sich auch jedes noch so kleine Detail einzuprägen. Der andere wirkte ein wenig lockerer als sein Zwilling und seine Augen hatten auch nicht diesen bohrenden und alles erfassenden Blick. Dennoch, dessen war sich Rorik sicher, sollte man auch ihn nicht unterschätzen. Zumindest aß er für drei. Jedenfalls, nachdem die beiden Kämpfer Rorikstatt verlassen hatten, um sich ihres Problem anzunehmen, fühlte sich der Großgrundbesitzer wieder entspannt. Er hatte sichtlich das Richtige getan.

*****

Der Schweiß tropfte Vilkas in die Augen. Das hier wurde härter als sie gedacht hatten. Noch waren sie nicht bis auf das Äußerste gefordert, aber er spürte, dass nicht mehr viel dazu fehlen würde. Mit einem gekonnten Hieb seines Zweihänders entledigte er sich gerade eines weiteren Gegners, als er Farkas Rufe hörte. Das Klirren der Waffen übertönte die Worte seines Bruders. Doch Vilkas hatte den Bogenschützen, auf den Farkas hinweisen wollte, ebenfalls ausgemacht. Versteckt hinter dem dicken Stamm eines Baumes konnte er ungehindert seine Pfeile auf sie abschießen und da Vilkas näher an ihm dran war, würde es auch an ihm liegen, ihn auszuschalten.

Mit einer Finte lenkte er seinen unmittelbaren Gegner ab und stieß dem Mann dahinter sein Schwert in die Brust. Dann rollte er ab, sprang auf und während er sich dabei um die eigene Achse drehte, ließ er seinen Zweihänder mit voller Wucht auf den Abgeschworenen nieder, der sich bereits von seiner Finte erholt hatte. Sein gespaltener Schädel machte jede weitere Absicht von ihm nutzlos und er brach vor dem Krieger der Gefährten zusammen. So schnell er konnte zückte Vilkas jetzt seinen Bogen und visierte den Schützen an, der unaufhörlich seine Pfeile auf sie abschoss. Vilkas war zwar kein ausgezeichneter Bogenschütze, doch auf diese Entfernung reichten auch seine Künste. Seine durchtrainierten Muskeln ließen ihn den schweren Bogen mit Leichtigkeit spannen. Der Pfeil schnellte von der Sehne und Vilkas  sah wie der Schütze seine Arme hochwarf, bevor er zusammenbrach. „Der ist erledigt“, murmelte er und verstaute wieder seinen Bogen. Ein erstickter Schmerzenslaut, den sein feines Gehör in dem Moment aufschnappte, ließ ihn kurz innehalten. Gebannt lauschte er, doch es war nichts mehr zu hören.

Ohne weiter darüber nachzudenken stürzte er sich erneut in das Kampfgeschehen. Farkas und er waren wie Anfänger in den Hinterhalt der Abgeschworenen gestolpert. Für diesen Auftrag hätten sie wohl noch einen weiteren ihrer Kameraden mitnehmen sollen. Doch mit dieser großen Anzahl der eigentümlichen Ureinwohner Himmelsrands hatte niemand von ihnen gerechnet. Die Bewohner von Rorikstatt hatten die Gefährten angeheuert sich um Bedrohungen zu kümmern, die ihren ruhigen Ort heimsuchten. Gestohlenes Vieh und verschwundene Bewohner waren nur einige der Dinge, welche die Leute in Panik versetzten.

Als Vilkas den Schilderungen des Großgrundbesitzers von Rorikstatt gelauscht hatte, hatte er bereits den Verdacht, dass sich eine Gruppe Abgeschworener in der Nähe der beschaulichen Stadt eingenistet haben musste. Diese ‚Ureinwohner‘ wie sie sich selber nannten, lebten fast noch wie vor tausend Jahren. Sie lehnten feste Häuser ab und ernährten sich ausschließlich von Wild, welches sie erjagten. Dazu vollzogen sie die uralten Traditionen, durch die ihr Anführer – das sogenannte ‚Dornenherz‘ – eine Art unerschöpflicher Quell für die Wiederbelebung toter Krieger wurde. Die Kräfte, die so einem ‚Dornenherz‘ inne wohnten, waren gefürchtet. Doch bis jetzt hatten es die beiden Gefährten nur mit den einfachen Kriegern dieses Stammes zu tun bekommen. Das ‚Dornenherz‘ mussten sie noch unbedingt finden.

Ein weiterer Angreifer stürzte sich auf Vilkas. Der Mann war ein erprobter Kämpfer der durch sein entbehrungsreiches Leben in der Wildnis gestählt war. Doch Vilkas machte mit ihm kurzen Prozess. Seine Wut, dass sie wie Anfänger in diesen Hinterhalt gestolpert waren, half ihm dabei. Voller Angriffslust sah er sich um. Aber es waren nicht mehr viele ihrer Widersacher übrig.  Ein Blick auf Farkas zeigte ihm, dass sein Bruder die Situation mit dem Rest voll im Griff hatte. Etwas anderes hatte er auch nicht von ihm erwartet. Es gab wohl keinen stärkeren Kämpfer als seinen Zwilling. Da drang erneut ein erstickter Schmerzenslaut an seine feinen Ohren. Es klang nach jemandem in höchster Not und Vilkas folgte den verhaltenen Schreien. Mit gezücktem Schwert brach er durch das Unterholz des Waldes. Er hätte wohl mit allem gerechnet, nur nicht mit dem, was er vor sich sah, als er zum Ursprung der unterdrückten Schmerzlaute vorgedrungen war.

Da saß oder viel mehr lag ein junges Mädchen mit blutigem Kleid und schmerzverzerrtem Gesicht gekrümmt auf der Seite. Ihre Hände hatte sie fest um ihren Leib geschlungen. Als Vilkas mit einem alles entschlossenen Gesichtsausdruck und erhobenen Schwert durch die Büsche sprang erschrak sie so heftig, dass sie mit einem kurzen Schrei ihre Hände vor ihr Gesicht warf.

„Oh nein, nein!“, rief Vilkas. „Ich tu Euch nichts. Ich dachte Ihr seid in Not!“ Suchend blickte er sich um, doch kein Gegner war zu erkennen. „Wo ist Euer Peiniger?“, fragte er irritiert.

Das Mädchen hatte sich von ihrem Schock erholt. „Ich verstehe nicht was Ihr meint“, sagte sie, nur um danach heftig Luft zu holen.

„Aber… Ich hörte doch Eure Schmerzenslaute, als würdet Ihr gequält werden und Ihr seid verletzt! Euer Kleid ist blutig!“, zeigte Vilkas auf die dunklen Flecken in ihrem Schoß. Da krümmte sich das Mädchen erneut zusammen und presste ihre Hände auf ihren Leib.

Sie biss sich auf die Lippen, dennoch entkam ihr ein gequältes Stöhnen. „Bei den Neun! Es soll aufhören! Macht dass es aufhört, bitte!“, flehte sie.

Vilkas begann langsam zu ahnen, was da vor sich ging. Die Frau vor ihm war gerade dabei zu gebären – und das mitten im Abgeschworenen Gebiet! Mit einem Sprung war er bei ihr und drückte ihr seine Hand auf den Mund. „Bei Talos, seid leise!“, zischte er. Heftig nickte sie. Vilkas konnte ihren Schweiß unter seinen Händen spüren und die konvulsivischen Zuckungen ihres Leibes. Das brachte auch ihm den kalten Schweiß auf die Stirn. Er war gewiss ein guter Kämpfer, aber sicherlich kein guter Geburtshelfer. Und das Mädchen vor ihm sah so aus, als wäre sie bereits jenseits des Erduldbaren angelangt.

Gepeinigt richtete sie sich auf und fasste seine Hand, die sie so fest zusammendrückte, dass Vilkas seine Finger bereits absterben sah. „Nein“, hauchte sie und öffnete ihren Mund zu einem Schrei. Vilkas fasste mit seiner zweiten Hand nach, doch es war zu spät. Voller Pein gellte ihr Laut durch den Wald. Wenigstens ließ sie jetzt seinen Arm los, doch nur um ihre Hände noch fester auf ihren Leib zu drücken. Dunkel quoll das Blut zwischen ihren Schenkeln hervor und heftige Atemzüge leiteten wohl die letzte Phase der Geburt ein. Das Kleid war ihr bereits hochgerutscht und ihre überaus schlanken Beine stachen wie weiße Zähne aus dem dunklen Grün des Waldbodens hervor.

Vilkas kam nicht mehr dazu ihr weiter zu helfen. Wie erwartet hatte ihr Laut Krieger der Abgeschworenen herbeigerufen. Es waren nur drei Gegner, aber diese forderten Vilkas, da der Platz nur begrenzt war und er auch auf die Gebärende achten musste. So versuchte er die Abgeschworenen von ihr fern zu halten. Im Hintergrund hörte er die Schmerzenslaute der jungen Frau. Ihre in immer kürzer werdenden Zeitabständen folgenden, verhaltenen Schreie, machten ihm zu schaffen. Nach einem besonders qualvollen Laut beging er sogar einen Fehler, der ihm einen Schlag in die Hüfte einbrachte. Ärgerlich versuchte er das Mädchen aus seinen Sinnen zu bannen und kämpfte weiter. Schließlich lagen seine Gegner tot auf dem Boden und er eilte wieder auf die Gebärende zu, die sich bleich und zitternd vor ihm wand.

„Ihr müsst aufhören Euch zu winden!“, rief er und versuchte sie in eine bequemere Lage zu bringen. Er hatte zwar keine Ahnung davon, aber das kam ihm logisch vor. Vorsichtig lehnte er die Gebärende mit ihrem Rücken gegen einen glatten Felsen. Das Mädchen war sehr jung. Beinahe ebenfalls noch ein Kind. Hier hatte er es sicherlich mit einer Erstgebärenden zu tun und wahrscheinlich lief auch nicht alles glatt, denn sie krümmte sich wieder und presste schreiend die Hände gegen ihren Leib.

Verschwitzt hingen ihr die dunklen Haare ins Gesicht und heftig atmete sie ein und aus. Vilkas kniete sich zu ihr und versuchte sie zu stützen. Scheinbar war es wieder so weit. Sie krallte sich in seinen Arm und ihr gequälter, langanhaltender Schrei ließ ihm beinahe das Blut in den Adern gefrieren. Dabei hatte Vilkas schon viele Verletzungen gesehen und auch selbst erlitten. Doch hier war selbst jeder Heiltrank wirkungslos. Als die Verkrampfung das Mädchen verließ und sein Arm wieder etwas Blut bekam, zückte er seinen Dolch und schnitt ihr die blutige Hose vom Leib. Soviel er wusste, brauchte ein Kind Platz, wenn es aus dem Körper austrat. Das Mädchen selbst war zu sehr im Schmerz gefangen, als dass sie irgendetwas anderes noch mitbekommen würde.

Vilkas überlegte wie er ihr die Geburt nur irgendwie erleichtern könnte, als eilige Schritte ihn alarmiert hochfahren ließen. Doch es war nur Farkas, der durch die Büsche brach. Sein Bruder hatte ein ebenso empfindliches Gehör wie er. Das lag an ihrem Fluch, der sie unter anderem zwar mit besonderen Sinneswahrnehmungen segnete, dafür langsam aber sicher ihre Seele fraß. „Was…“, fragte Farkas erstaunt und sein Gesichtsausdruck verriet, dass er versuchte diese Szene irgendwie zu erfassen.

„Komm und hilf mir, Bruder!“, rief Vilkas. „Stütze sie hier im Rücken. Damit kann ich ihr vielleicht anders helfen.“

Doch ein dumpfer Schlag war alles was von Farkas übrig blieb. Als das Mädchen in ihrer Not ihre Beine anzog, einen gepressten Schrei ausstieß und ein Schwall Blut sich aus ihrem Schoß über den Waldboden ergoss, kippte er einfach um.

Vilkas blieb keine Zeit mehr sich um seinen Zwilling zu kümmern. Das Mädchen wurde schon rot im Gesicht doch der Krampf hörte nicht auf. Verzweifelt bemühte er sich ihren aufbäumenden Körper im Rücken zu stützen, während er mit der anderen Hand versuchte eines ihrer Beine noch weiter anzuziehen. Mit einem Schrei und heftigsten Atemzügen warf sie den Kopf zurück. Dann krampfte sie sich erneut zusammen und presste mit aller Kraft. Vilkas begann im Stillen zu fluchen. Außer sie zu stützen und ihre Beine zu halten, fiel ihm nichts anderes ein um ihr zu helfen.

„Bitte…“, begann sie zu keuchen. „Ich kann nicht mehr!“ Ein markerschütternder Schrei folgte und Vilkas spürte wie ihm ebenfalls beinahe das Blut entwich. Doch er wollte nicht wie Farkas enden. Beherzt holte er tief Luft und begab sich zwischen ihre Beine. Der Kopf des Kindes war während einer Presswehe tatsächlich schon leicht zu sehen. Wenigstens bedeutete das, dass kein Blut mehr nachkommen würde.

Farkas rappelte sich neben ihm gerade auf. „Los, stütz sie endlich!“, fuhr er seinen Bruder an, der tatsächlich hoch taumelte und das Mädchen von hinten umfasste. Erneut krampfte sie sich zusammen und der Kopf des Kindes tauchte noch ein wenig weiter auf, doch dann blieb er stecken. Es ging nichts weiter. Auch nicht nach weiteren Presswehen. Das würde das Mädchen nicht länger durchhalten können. Vilkas war kein Heiler, aber so viel war zu erkennen. Sie lag jetzt schon völlig fertig in Farkas Armen, der Vilkas hilfesuchend ansah. Eine erneute Wehe erfasste sie, doch sie hatte kaum noch Kraft. Vilkas setzte alles auf eine Karte. Entweder sie würde überleben, oder sie starb sowieso.

„Los, presse!“, schrie er sie an und klatschte ihr hart seine Hand ins Gesicht.

„Was tust du?“, fuhr Farkas auf, doch Vilkas ignorierte ihn.

Stattdessen lehnte er sich mit seinem ganzen Gewicht auf den geschwollenen Leib des Mädchens und drückte ihn hinunter, während er ihre Beine packte und hochzog. Die junge Frau unter ihm bäumte sich gequält auf und ein weiterer markerschütternder Schrei hallte durch die Wälder. Schließlich ging ein Ruck durch sie und mit einem Schwall Blut erblickte das Neugeborene auf dem kalten Waldboden das Licht der Welt. Ein erbärmliches, dünnes Quäken ertönte, und Vilkas rutschte vom Leib der Frau herunter um den kleinen Jungen, der ziellos mit seinen Ärmchen fuchtelte, vom Waldboden zu heben. Mit seinem scharfen Dolch durchtrennte er die Nabelschnur.  

„Sie ist bewusstlos“, meldete sich Farkas zu Wort.

„Lebt sie noch?“, fragte Vilkas kalt. Nach dem was sie durchgemacht hatte, würde es ihn wundern. Aber der Säugling war zumindest am Leben.

„Ja.“ Damit stand Farkas auf und hob die junge Frau hoch, die völlig entkräftet und zitternd in seinen Armen lag. Jetzt schlug sie ihre Augen auf.

„Mein Kind! Was ist mit meinem Kind?“

„Mein Bruder hat es.“, murmelte Farkas ihr zu. „Der Kleine ist wohlauf.“ Als wären das die befreienden Worte gewesen, sackte das junge Mädchen zusammen.  „Und was jetzt?“, fragte Farkas an Vilkas gewandt.

„Halt kurz.“ Damit legte er der bewusstlosen Frau das nackte Kind auf den blutigen Schoß. Schnell schnallte er sich die Rüstung ab, zog sein Unterhemd aus und wickelte den Säugling darin ein. Es war trotz des wolkenlosen Wetters kalt genug um einem unbekleideten Neugeborenen den sicheren Tod zu bringen. Himmelsrand, das Land der Nord, war nicht gerade für sein mildes Klima berühmt. „Diese Wahnsinnige hatte nichts bei sich! Wie konnte sie nur glauben hier zu überleben?“ Rasch zog sich Vilkas wieder seine Rüstung über.

„Vielleicht war sie auf der Flucht?“, mutmaßte Farkas.

„Was auch immer. Wir haben jetzt eine verletzte Frau und ein Neugeborenes am Hals. Und das mitten in der Wildnis. Ich gratuliere…“

„Wozu? Die Abgeschworenen sind noch nicht besiegt. Du weißt, dass wir ihr Dornenherz finden müssen. Ansonsten werden sie immer wieder aufs Neue zum Leben erweckt.“

„Ich weiß!“, fuhr Vilkas ihn an. „Deshalb bin ich auch so aufgebracht! Los, gehen wir.“

Es war nicht weit bis zu ihrem Lager, an dem sie ihre Pferde zurück gelassen hatten. Sie schafften es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit und Vilkas errichtete sofort ein wärmendes Feuer. Farkas hatte das immer noch bewusstlose Mädchen mitsamt ihrem Baby in die Felle gewickelt, die im Gepäck der Pferde waren. Das war alles was sie im Moment tun konnten. „Hast du gesehen?“, fragte er dabei an Vilkas gerichtet. „Sie hat Striemen an den Handgelenken und blaue Flecken im Gesicht. Die Arme ist misshandelt worden! Wer bringt es fertig eine Schwangere zu schlagen?“

„Mehr Leute, als du vermuten würdest.“

„Was machen wir jetzt? Wir haben das Dornenherz noch nicht gefunden. Vorher ist unser Auftrag nicht erledigt.“

„Ich weiß!“, grollte Vilkas ärgerlich und fuhr herum. Farkas sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ich weiß“, antwortete Vilkas ruhiger. Die Situation überforderte ihn. Sie mussten sich um ihren Auftrag kümmern, dennoch konnten sie das bewusstlose, von der schweren Geburt gezeichnete Mädchen, nicht im Stich lassen. „Gib ihr etwas von unserem Heiltrank.“

„Den hab ich schon vorbereitet“, sagte Farkas. „Doch sie ist noch immer ohne Bewusstsein. Trink du einen Schluck davon. Deine Hüfte ist voller Blut.“

Vilkas nahm einen Schluck zu sich. Den Rest ließ er für das Mädchen übrig. Im Schein des Feuers sah er sie genauer an. Sie konnte nicht älter als sechzehn sein. Ihre Misshandlungen waren nun deutlich zu sehen und sein Herz zog sich zusammen. Genauso wie sein Bruder konnte er es nicht fassen, dass es Leute gab, die es sogar fertig brachten Kinder, schwangere Frauen oder andere Schutzbefohlene zu quälen und auch zu töten. Das Mädchen hatte wohl Glück gehabt ihren Peinigern zu entkommen, und von ihm und seinem Bruder gefunden worden zu sein. Sie dagegen hatten jetzt ein Problem.

Vilkas setzte sich zu seinem Bruder, der inzwischen begonnen hatte, etwas Brot und Trockenfleisch zu essen. Wortlos hielt Farkas ihm etwas davon hin, welches er dankbar annahm.

„Wir müssen uns aufteilen“, überlegte Vilkas. „Wenn wir das Mädchen zuerst in die Stadt bringen, damit ihr geholfen werden kann, werden die Hexen der Abgeschworenen die getöteten Krieger wieder zum Leben erwecken. Solange wir nicht das Dornenherz töten, können sie das immer wieder tun.“ Farkas nickte und kaute weiter. „Du bleibst hier und kümmerst dich um die Kleine und ihr Kind. Ich werde das Lager der Abgeschworenen suchen und sie erledigen.“

„Dasch…“ Farkas schluckte den Bissen herunter. „Das kannst du nicht alleine! Außer du wechselst die Form. Du weißt, was dich das kostet!“

„Ja“, knirschte Vilkas und schloss kurz die Augen. Er kannte den Preis. Das war ihre Macht und gleichzeitig auch ihr Risiko. Sie waren Werwölfe. Mächtige Biester, die beinahe unbesiegbar waren. Man sagte sich, dass vielleicht nur Drachen noch stärker wären. Aber diese Macht hatte auch einen hohen Preis: ihre Seele. Und das Risiko, sich in der Form zu verlieren, nicht mehr zu sich zu kommen. „Deshalb möchte ich nicht, dass du dieses Wagnis eingehst, Kleiner.“

„Nenn mich nicht so!“, erboste sich Farkas. „Nur weil du angeblich 10 Minuten älter bist als ich!“ Dann schüttelte er den Kopf. „Ich bin nicht einverstanden! Gemeinsam können wir sie ohne das Biest zu wecken besiegen!“

„Willst du das Mädchen wirklich hier alleine lassen?“, fragte Vilkas ungeduldig, während er auf sie deutete. „Mit einem Säugling, der jederzeit zum Schreien anfangen und wer weiß was anlocken kann?“

„Warum bleibst du nicht hier? Ich kann das genauso gut erledigen, wenn nicht sogar noch besser!“, warf Farkas ein. „Du bist bereits verletzt und ich bin sowieso der Kräftigere von uns beiden. Pfeif auf die 10 Minuten, die du älter bist!“ Damit sprang er auf und verließ das Lager.

„Farkas!“, rief Vilkas ihm nach. „Farkas!“ Doch sein Bruder wandte sich nicht mehr um. Dagegen rührte sich stöhnend das Mädchen und der Säugling begann zu quäken. Vilkas war sauer, auch wenn Farkas Recht hatte. Sein Bruder hatte seine Taktik durchschaut und ihn einfach ausgespielt. Er wäre lieber in den Kampf gezogen, auch wenn er den Werwolf beschwören hätte müssen, als sich um ein erschöpftes und wahrscheinlich auch verletztes Mädchen und dessen Neugeborenes zu kümmern. Langsam ging er zu dem Fellbündel, das sich zu bewegen begann. Er musste sich in das Unvermeidliche fügen und sich um die Kleine kümmern.

Mühsam versuchte sich das Mädchen aus dem Fell zu schälen, in das Farkas sie eingeschlagen hatte. „Braucht Ihr Hilfe?“, fragte Vilkas und sie zuckte zusammen, als sie seine Stimme hörte. Doch als sie ihn sah, entspannte sie sich. Vilkas half ihr aus den Fellen. Sie war immer noch bleich von den Strapazen der Geburt, doch liebevoll und vorsichtig drückte sie zitternd das Neugeborene an sich. Der Kleine sah völlig zerknittert aus und verzog das Gesichtchen wie im Schmerz.

„Er… er ist wundervoll!“, sagte das Mädchen und strich vorsichtig über das Köpfchen des Säuglings. Dann wallten Tränen aus ihren Augen und sie legte sanft ihren Kopf auf das Kind. Ihr ganzer Körper bebte, aber der Kleine hörte tatsächlich mit dem Greinen auf.

„Hier…“ Vilkas hielt ihr den Heiltrank hin. Verständnislos sah sie zu ihm auf. „Nehmt den Heiltrank, Ihr braucht ihn. Ihr habt viel Blut verloren. Jetzt nickte sie und nahm dankbar den Trank von Vilkas entgegen.

„Danke“, murmelte sie. „Auch… auch für Eure Hilfe…“ Verschämt drückte sie erneut ihren Kopf in Vilkas Unterhemd, in das das Neugeborene gewickelt war.

„Wer seid Ihr?“, fragte Vilkas. „Und wie kommt es, dass Ihr hier alleine umherstreift?“

„Ich bin Hana.“ Unsicher blickte sie ihn an. „Und… ich bin geflohen. Sie… sie haben mich… haben mich…“

„Wer?“, fragte Vilkas lauter als beabsichtigt. „Wer hat Euch das angetan?“ Anklagend deutete er auf die Striemen an ihren Händen und die Flecken in ihrem Gesicht.

„Banditen…“ Sie sah sich furchtsam um.

„Seid unbesorgt“, versuchte Vilkas sie zu trösten.

„Aber… Ihr kennt sie nicht!“, rief sie. „Sie sind zu allem fähig!“

„Wir auch.“

Geschockt sah sie ihn an.

„Nein. Nicht so wie Ihr denkt“, verbesserte sich Vilkas sofort. „Vor uns habt Ihr nichts zu fürchten.“

Hana lächelte ihn erleichtert an. „Das hätte ich mir eigentlich denken müssen. Verzeiht. Sonst hättet Ihr mir wohl kaum geholfen.“ Mit klarem Blick sah sie zu ihm. Ihr schmales Gesicht war bleich und ihre Augen dunkel. Eindeutig eine Kaiserliche. Während er sie noch studierte beugte sie sich zu dem Säugling und entblößte ihre Brust. Hektisch begann der Kleine seinen Kopf hin und her zu bewegen, bis sich sein Mund endlich um die ersehnte Brustwarze schloss. Gierig begann er zu saugen und Vilkas konnte den Blick nicht abwenden.

‚Erst ein paar Stunden alt und doch schon so perfekt‘, dachte er bei sich. Das Bild hatte etwas Faszinierendes. Ein schmerzender Stich traf ihn im Herzen. Auf das würde er wohl immer verzichten müssen. Eine Frau und Kinder würde er niemals haben können. Der Werwolf-Fluch, unter dem sie litten, und Hircines Verfolgung, hatte all das zunichte gemacht.  Am meisten tat es ihm Leid wegen seines Bruders. Farkas liebte Kinder über alles. Vilkas seufzte und ertappte sich dabei immer noch auf das Mädchen zu starren, das vor ihm ihr Kind säugte. Das kam ihm ungebührlich vor diese Intimität zwischen Mutter und Kind zu begaffen. So machte er sich am Feuer zu schaffen.

„Wenn Euch kalt ist, so rückt näher an das Feuer“, sagte er zu ihr. „Wir haben leider nicht mehr zu bieten als ein wenig zu essen und die Felle.“

Verbunden lächelte sie ihn an. „Danke. Vielleicht nur ein wenig zu trinken. Mir geht es noch nicht so gut.“

Vilkas sah, wie sie im Sitzen zu schwanken begann und eilte herbei um sie zu stützen. Das Neugeborene war bereits eingeschlafen, als hätte ihn die Nahrungsaufnahme über die Gebühren erschöpft. Verschämt zupfte Hana ihr Kleid wieder über ihre Brust. Vilkas half ihr sich gegen einen Felsen zu lehnen. Dann holte er die Wasserflasche, die er ihr an die Lippen hielt. Sie konnte sich kaum noch aufrecht halten, trank aber begierig das Wasser. Entkräftet sackte sie in seinen Armen ein.

„Tut… tut mir leid… dass ich Euch so viele… Umstände… mache“, flüsterte sie. Ein Zittern lief durch sie und Vilkas griff an ihre Stirn. Sie glühte im Fieber. Das bisschen Heiltrank war wohl nicht genug gewesen. Vilkas schlug wieder eng die Felle über sie zusammen und warf seinen Umhang noch über Mutter und Kind. Dann zog er sie ein wenig näher zum Feuer. Er selbst setzte sich so hinter sie, dass sie mit ihrem Kopf auf seinem Schenkel ruhte. So döste er ebenfalls ein wenig ein. Fester Schlaf war ihm durch sein Bestienblut nicht vergönnt. Er brauchte somit keine Angst zu haben, von etwaigen Bedrohungen oder Feinden überrascht zu werden.

So war es auch. Es dürfte vielleicht eine Stunde vergangen sein, als leise geflüsterte Stimmen an seine empfindlichen Ohren drangen und ihn die Augen aufschlagen ließen. Entgegen seiner sonst so auffälligen, extrem hellen Augen, blickten sie nun gelblich glühend in die Dunkelheit. Die Bestie in ihm war dabei sich zu regen. Wenn sie sich rührte bedeutete das höchste Gefahr. Seine Sinne spannten sich aufs Äußerste. Mittlerweile konnte er nicht nur die einzelnen Stimmen ausmachen, die sich ihnen vorsichtig näherten, er witterte auch ihre Ausdünstungen, die auf eine größere Gruppe schlecht gepflegter Leute schließen ließ.

„Leise jetzt! Ich sehe einen Feuerschein. Scheint als wäre unser Kleinod irgendwo untergeschlüpft!“, hörte Vilkas eine kratzige Männerstimme raunen.

„Warum müssen wir sie unbedingt wieder finden? Dieses Gör ist eine Plage“, fragte ein anderer.

„Weil wir eine Unsumme an Gold bekommen, wenn wir ihren Balg abliefern! Darum!“, antwortete der Mann mit der kratzigen Stimme.

In Vilkas spannte sich alles an. Diese Bastarde! Ein tiefes Grollen stieg aus seiner Kehle. Er konnte es nicht verhindern. Vorsichtig zog er sein Bein unter Hanas Kopf hervor und bettete ihn achtsam auf das spärliche Gras. Dabei versuchte er das Fell unter ihr ein wenig höher zu ziehen, damit ihr Kopf nicht auf dem Boden zu liegen kam. Es war bereits empfindlich kalt geworden. Er merkte das besonders, da sein Unterhemd ihn nicht mehr wärmte sondern einem Säugling nun als Wickel diente. Behutsam schlich er sich zum Rand des Lagers. Die Ausdünstungen wurden schärfer. Das hieß, dass sie sich noch weiter genähert hatten. Gebannt lauschte er. Sechs, nein sieben verschiedene Bewegungen konnte er ausmachen. Eine ganz schöne Überzahl. Er würde sie überraschen müssen, um ihren Vorteil wett zu machen und die Frau samt ihrem Kind zu schützen. Vielleicht würde es ihm damit sogar gelingen sie auszuschalten, ohne sich zu verwandeln. Leise zückte er seinen Dolch und schlich ihnen entgegen.

Er hatte zwar noch seine menschliche Form, doch seine Nachtsicht zeigte Viklas, dass sein Bestienblut in ihm bereits auf seinen vollen Einsatz wartete. Wenn es sich verhindern lassen könnte, würde Vilkas lieber nicht als Werwolf kämpfen. Er behielt währenddessen zwar die geistige Kontrolle, doch fühlte er sich dabei immer dumpf und langsam. Nicht in den Bewegungen, sondern im Denken. Das störte ihn am meisten an den Verwandlungen. Das, und die Einflüsterungen Hircines, des Daedrafürsten, dem sie diese Macht zu verdanken hatten. In der Wolfs-Form konnten sie der lockenden Stimme Hircines nicht mehr entgehen. Mit aller Gewalt versuchte der Daedra sie damit auf seine Seite zu ziehen.

Er brauchte nicht weit zu huschen. Direkt vor ihm tauchten zwei Gestalten auf, die sich hinter einem Busch zusammen kauerten. Dem Ersten hieb Vilkas den Dolchknauf so ins Genick, sodass er bewusstlos zusammensackte. Bevor der andere noch schreien konnte hielt er ihm den Mund zu und schnitt ihm die Kehle auf. Den, den er zuerst bewusstlos geschlagen hatte, trieb er nun den scharfen Dolch ins Herz, das augenblicklich zu schlagen aufhörte. Ohne sich weiter umzusehen, schlich Vilkas weiter.

Auf diese Weise tötete er noch zwei weitere Banditen. Als Assassine hätte er auch ohne Probleme sein Geld verdienen können. Doch er kämpfte lieber auf die direkte Art und so wie es Tradition der Gefährten war: Ehrenvoll. Das hier war ein notwendiges Übel, auf das er nur zurückgriff um sich und eine ihm durch das Schicksal anvertraute Frau, zu verteidigen. Gerade als er mit seinen gelben Wolfsaugen weiter nach dem räuberischen Gesindel Ausschau hielt, ließ ihn Hanas Schrei auffahren. Ohne nachzudenken wechselte Vilkas die Form.  Alles was er am Körper trug, wurde mit verwandelt und er preschte zurück zum Lager.

Das Bild, das sich ihm bot, ließ ihn kurz in seinen Bewegungen inne halten. Die Männer hatten ihn noch nicht bemerkt. Einer von ihnen hielt gerade triumphierend den Säugling hoch, während ein anderer das Mädchen an ihren schwarzen Haaren hochgezerrt hatte. „Na so ein Glück!“, ätzte der Mann. „Die Kleine hat das Kind bereits bekommen! Was ist, Dillinger? Du hattest doch an ihr einen Narren gefressen! Willst du dich noch mit ihr vergnügen, oder kann ich sie töten?“

„Mach sie kalt und dann nichts wie weg!“

Mit einem mordlüsternen Glitzern in den Augen hob der grobschlächtige Mann, der Hana an den Haaren hochhielt, seine Axt. Zu mehr kam er jedoch nicht. Ein gewaltiger Schatten sprang auf ihn zu und zerfetzte ihm mit einem Prankenhieb Teile seines Kopfes und seines Gesichtes. Schreiend ließ der Mann das Mädchen los und schlug sich die Hände vor die fleischige Masse, die einmal ein Antlitz gewesen war. Vilkas beachtete den Sterbenden nicht weiter, sondern sprang schnell auf den anderen Mann zu. Panikartig ließ dieser den Säugling fallen, dessen Sturz gerade noch von einer Pranke aufgefangen werden konnte. Sanft legte Vilkas das Neugeborene, das hektisch zu schreien begonnen hatte, auf den Boden. Dann setzte er dem Fliehenden nach. Viel blieb von dem Mann nicht übrig, als er endlich mit ihm fertig war.

Witternd und lauschend hob Vilkas seinen Wolfsschädel. Doch es waren keine verdächtigen Geräusche mehr zu hören. Entspannt glitt er wieder in seine Menschenform und drehte sich zu Hana um, die ihr Kind an sich genommen hatte und wankend vor ihm stand. Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen und ihr Mund bewegte sich in unausgesprochenen Worten. Dann brach sie zusammen und Vilkas kam gerade noch rechtzeitig um sie aufzufangen, bevor sie mit ihrem Kind auf dem steinigen Untergrund aufprallte.

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