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von kaddiii
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Adrian Ivashkov Rosemarie "Rose" Hathaway
05.06.2012
05.06.2012
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2.045
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05.06.2012 2.045
 
Die Orte und Personen gehören der wunderbaren Autorin Richelle Mead. Lediglich die Idee ist auf meinen Mist gewachsen. Ich verdiene mit der Kurzgeschichte auch kein Geld.

Viel Spaß beim Lesen, ich hoffe es gefällt euch.
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Adrian ging gemächlich die Korridore der St. Vladimir Akademie entlang. Die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, zwinkerte er hier und da einem Mädchen zu und freute sich darüber, wenn sie erröteten. Es war wohlwollend für sein Ego. Er fühlte sich bestätigt und auch begehrt. Adrian wusste, dass er gut aussah, auch wenn er immer wieder eine Abfuhr von dem einzigen Mädchen kassierte, welches ihn ernsthaft interessierte, seit er sie das erste Mal gesehen hatte. Rose. Schon alleine der Gedanke an sie, ließ seine Hände kribbeln und ein verträumtes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Nie im Leben hätte er erwartet, dass er sich verlieben würde. Schon gar nicht in eine angehende Wächterin. Bevor er Rose kannte, war er sich nicht mal darüber im Klaren, welchen Typ Frau er bevorzugte. Er hätte noch nicht mal erwartet, dass er überhaupt für nur eine Frau so viel empfinden konnte, dass er das Rauchen und Trinken aufgab. Teilweise. Denn ganz konnte er davon einfach nicht ablassen, auch nicht für sie.

Er klopfte an eine Tür, lehnte sich lässig an den Rahmen und wartete darauf, dass man ihm öffnen würde.  Nichts passierte. Grübelnd sah er auf seine Uhr. Er war pünktlich, aber wieso war Lissa nicht da? Er strich sich einmal durch die Haare und ging seinen gewohnten Weg zurück zum Westflügel, in dem sich sein Zimmer befand.  
In einem verlassenen Gang sah er sie. Adrian erkannte sie schon auf mehrere hundert Meter Entfernung. Es gab keine Zweite die aussah wie sie. Oder auch nur annähernd diese einnehmende Aura hatte. Nein, sie war einzigartig. Und sie stand eng umschlungen mit Belikov dort.
Adrians Augen wurden trübe, während seine Körperhaltung zusammensackte. Seine Schulter hingen herunter und ihm war, als würde er die Last der ganzen Welt auf ihnen tragen. Seine Welt brach zusammen, einzig und allein verursacht durch dieses Bild. Belikovs Hände an ihrem Rücken, ihre in seinem Nacken, den Kopf an seine Schulter gelehnt. Er hätte seinen guten Namen und sein gesamtes Geld dafür gegeben, an Belikovs Stelle zu sein.
Warum konnte Adrian nicht auch dieser eine Mann für sie sein? Was hatte Belikov, was er nicht hatte? War er denn so viel weniger attraktiv? Hatte er denn nichts zu geben, was Rose gefallen könnte? Sie lief Belikov ständig hinterher und ihm, Adrian, wollte sie nicht mal eine faire Chance geben. Dabei hätte er es doch so sehr verdient. Er hatte sich geändert und das nicht zu knapp. Er trank seinen Alkohol nur noch in Maßen und auch nur noch dann, wenn Rose am schlafen war. Genau so war es auch mit den Zigaretten. Und Frauen… Denen hatte er abgeschworen, es gab nur noch Rose und wenn er die nicht haben konnte, wollte er keine andere.

Hastig stürmte er die Korridore lang, direkt in sein Zimmer, zu seinem Vorrat an Alkohol. Nur Rose vermochte es, ihn immer wieder in diese Situation zu bringen. Ein gewaltiger Rückschlag. Wie immer, wenn Adrian die beiden zusammen sah. Langsam lief der Wodka seine Kehle hinunter, das gleiche Tempo, wie die Tränen, die an seiner Wange herunter liefen. Warum tat er sich das noch an? Warum ließ er sich immer so sehr verletzen? Dabei hatte er wirklich geglaubt, dass Rose auch etwas für ihn empfinden würde. Die Blicke die sie ihm zuwarf, wenn sie dachte, er würde es nicht bemerken. Das Lächeln, welches sie nur für ihn hatte.  Die zufälligen Berührungen wenn sie nebeneinander saßen. Der Kuss gestern Abend in ihrem Traum. Sie hatte ihn leidenschaftlich erwidert. Was hatte Adrian denn falsch gemacht? Warum musste er solche Schmerzen ertragen?

Während die Tränen unablässig an seiner Wange herunterliefen, traf er eine Entscheidung. Er würde zurück an den Königlichen Hof gehen. Nur so konnte er über sie hinweg kommen. Sein Leben neu ordnen. Vielleicht eine Frau finden. Irgendwann…
Sollte Rose jemals als Lissas Wächterin an den Hof kommen, würde er wieder gehen. Woanders ein neues Leben anfangen. Er wusste, was jetzt zu tun war und musste es nur noch in die Tat umsetzen. Noch heute würde er den Privatjet der Schule nehmen und von hier fort gehen.

Seine Koordination war gelähmt durch den Alkohol und trotzdem schaffte er es irgendwie, seine Reisetasche zu packen. Nur die wichtigsten Sachen, ein paar Hosen, T-Shirts und Unterwäsche. Seine Zahnbürste und das Lieblingsduschbad. Dann war er fertig. Den Rest würde er später abholen lassen. Der Duft von Nelkenzigaretten umhüllte ihn und er blies kleine Rauchkringel in die Luft.
Noch einmal sah er sich in seinem Zimmer um. Das Bild von Rose, es stand immer auf seinem Nachttisch, würde er hier lassen. Sie sollte beim Aufstehen nicht sein Erster und beim Einschlafen sein letzter Gedanke sein. Nicht mehr. Adrian wollte nicht mehr gequält werden. Täglich zerriss ein weiterer Teil in seinem Herzen. Er hatte es nicht verdient so behandelt zu werden. Er wollte doch nur geliebt werden. Warum konnte sie das nicht?
Das Bild von Rose flog quer durch den Raum. Das Glas zersplitterte und blieb lieblos auf dem Boden liegen. Er stellte seine Tasche neben die Tür und verließ das Zimmer. Er musste sich von Jill und Lissa verabschieden. Die einzigen Menschen in seinem Leben, denen er wirklich etwas bedeutete. Er spiegelte sich in einem der Fenster und erschrak. Er sah schlecht aus, die Augen rot vom Weinen und die Haare hingen trostlos herab. Was die Liebe alles bewirken konnte…

Energisch klopfte er gegen die Tür. Konnte seine eigene Kraft nicht einschätzen.
„Adrian?“, Lissa klang erschrocken.
„Ich wollte mich nur verabschieden“, murmelte er und sah auf den Boden. Sie sollte seinen Schmerz nicht sehen.
„Komm erst mal rein.“
Adrian saß auf ihrem Bett, in der Hand eine Tasse mit starkem Kaffee. Seit Minuten schwiegen sie sich an. Er spürte Lissas bohrende Blicke, sah aber nicht vom Boden auf.
„Okay, Adrian. Was ist los?“
„Ich hab sie gesehen!“, platzte es aus ihm heraus, noch ehe die Frage richtig gestellt worden war.
„Wen?“, fragte Lissa irritiert.
„Rose und Belikov!“
„Hm, bist du dir sicher?“, hakte sie verwundert nach.
„Ich bin nicht blind, Liss. Warum bin ich ihr nicht gut genug?“
„Oh, Adrian. Manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie aussehen!“
„Du hast leicht reden. Du musst dir auch nicht jeden Tag vor Augen führen, dass die einzige Person die du jemals lieben wirst, dich nicht will. Ozera und du, ihr seid glücklich. Ihr habt einander. Aber mich hält hier nichts mehr.“, resigniert seufzte er. Adrian hatte verloren. Wenn er jetzt nicht los ließ, würde er es nie schaffen. Schwermütig erhob er sich und drückte Lissa an sich.
„Mach´s gut Cousine. Ich komm dich mal in deinen Träumen besuchen“, versprach er zum Abschied und schloss die Tür hinter sich.

„Jill!“, rief er quer über den Hof, als er das Mädchen mit ihren Freundinnen sah. Ihr Gesicht erstrahlte und sie kam auf ihn zu, schloss ihn in die Arme.
„Ich wollte mich von dir verabschieden.“, flüsterte er in ihr Haar.
„Wo willst du hin? Wann kommst du wieder?“
„Ich werde zurück an den Königlichen Hof gehen, Küken. Ich komme nicht mehr zurück!“
„Es ist wegen ihr, stimmt´s? Sie macht alles kaputt. Warum geht sie nicht?“, sie schrie sich die Seele aus dem Leib, das Gesicht vor Schmerz verzerrt. Jill hatte Rose immer für ihre Taten bewundert, dass wusste Adrian. Aber seit Rose ihm immer wieder einen Korb gab, ihn nicht ernst nahm, wurde Jill von Tag zu Tag ungehaltener und setzte sogar ihre Wassermagie gegen Rose ein. Es verletzte Jill, dass es Adrian so schlecht ging. Er war wie ein großer Bruder für sie, sie liebte ihn und gerade er hatte es nicht verdient, wie der letzte Abschaum behandelt zu werden.
„Ach Küken“, er seufzte und umarmte sie erneut. „Ich werde dich vermissen. Aber wir werden uns wiedersehen, versprochen!“ Dann wandte er sich um und ging schnellen Schrittes zurück zu seinem Zimmer.

Mit seiner Reisetasche in der Hand, war Adrian auf dem Weg zum Wagen, der ihn zum Flughafen bringen würde.
„Hey Ivashkov!“
Das durfte doch nicht wahr sein. Warum war sie hier? Warum jetzt? Er blieb stehen, aber drehte sich nicht um. Wollte sie nicht sehen, konnte ihr Glück mit einem anderen Mann nicht ertragen. Nicht mehr.
„Du wolltest doch wohl nicht gehen, ohne dich von mir zu verabschieden?“, fragte sie leise. Sie stand hinter ihm, er spürte ihre Wärme. Seine Mauer der Entschlossenheit begann zu bröckeln. Er durfte nicht schwach werden, nicht jetzt, wo er seinem Ziel so nahe war. Er schloss die Augen, atmete tief durch. Ruhig bleiben und nicht zweifeln, du tust das Richtige, ermahnte er sich und drehte sich zu ihr.
„Du bist doch der Grund weshalb ich gehe“, schnaubte er. Adrian war ein Idiot. Er wollte ihr seinen Schmerz nicht auch noch unter die Nase reiben. Aber genau das, hatte er gerade getan. Er sah in weite Ferne, konnte ihr nicht in die Augen sehen.
„Bitte bleib!“ Sein Herz hämmerte in der Brust bei ihren Worten.
„Rose, warum gehst du nicht einfach?“, frustriert sah er sie an. „Mach es mir doch nicht schwerer als es ohnehin schon ist.“ Wo blieb denn nur das Auto? Er musste hier weg. Immer wieder suchten seine Augen in der Umgebung nach dem Fahrer.
„Es wird kein Auto kommen, Adrian“, meinte sie leise.
„Rose, was hast du getan?“
„Ich hab nur gesagt, dass du betrunken bist und es ein Witz gewesen war mit dem Auto.“ Der Mond schien auf sie beide herab, spielte mit ihren Haaren, spendete Licht um die Traurigkeit im Gesicht des anderen zu sehen. Adrian drehte sich weg, fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Warum, Rose? Warum nur machst du es mir so schwer?“ Er schmiss die Tasche auf den Boden und unterdrückte den Drang laut zu schreien. „Such dir gefälligst einen anderen Sündenbock und trampel nicht mehr auf meinem Herzen herum. Ich habe das nicht verdient.“
Eine Hand umfasste seine, wieder stand sie vor ihm und sah zu ihm herauf. Sein Herz schlug, wenn möglich, noch schneller.
„Es tut mir so leid, aber ich bin hier, weil…“
„Spar dir das. Dafür ist es jetzt zu spät!“ Er löste seine Hand aus ihrer und zog sein Handy aus der Hosentasche. Er brauchte ein Auto. Sofort.
„Dimitri und ich…“
„Bitte, Rose! Hör auf und geh einfach. Ich will gar nicht wissen, was mit euch beiden ist.“, seine Stimme war der pure Kummer. Musste sie ihm jetzt noch ihre Liebesgeschichte mit Belikov unter die Nase reiben? Hatte sie Adrian denn nicht schon genug verletzt? Warum verstand sie es nicht?
„Adrian, jetzt hör mir…“
„Nein! Ich will davon nichts hören, verstehst du? Es interessiert mich nicht. Werde glücklich mit ihm, aber zwing mich nicht, mir das mit ansehen zu müssen.“ Er schob sie von sich weg, unterdrückte die Tränen, die sich ihren Weg in seine Augen bahnten und wählte die Nummer der Schule.
„Adrian Ivashkov“, knurrte Rose warnend und riss ihm das Telefon aus der Hand. „Ich kann dich nicht gehen lassen. Ich brauche dich.“
„Warum? Gibt es nicht genügend andere Idioten mit denen du spielen kannst?“, spottete er und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Liss hat mir vorhin erzählt, was du gesehen hast. Ich habe mich nur von ihm verabschiedet, Adrian. Er und ich haben keine Zukunft.“
„Das ist ja schön, bekomme ich mein Handy bitte wieder?“
„Adrian, du bist so ein Idiot. Verstehst du überhaupt was ich dir gerade sagen will?“
„Ehrlich gesagt: nein! Es ist mir auch egal. Ich habe mich lang genug vor dir zum Deppen gem…“
Er fühlte ihre weichen Lippen auf seinen und erwiderte den Kuss. Adrian, du bist ein Idiot, ermahnte er sich. Und trotzdem lagen seine Hände an ihrer Hüfte und zog sie dichter an seinen Körper heran. Ein letztes Mal, sagte er sich und drückte mit diesem Kuss all seine Gefühle aus. Liebe, Verzweiflung, Trauer. Ihre Hände an seinem Nacken zogen ihn noch weiter herunter, kurz bevor sie den Kuss unterbrach. Sie sah ihm tief in die Augen und in diesem Moment war er sich sicher, sie hätte alles von ihm verlangen können und er hätte es ihr erfüllt.
„Ich liebe dich, Adrian Ivashkov!“, hauchte sie an seinen Lippen. „Bitte, verlass mich nicht!“
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