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Schachmatt

KurzgeschichteAllgemein / P12
Graf Rochefort Kardinal Richelieu Mylady
04.06.2012
04.06.2012
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Und mein zweiter OS in diesem Fandom, an einem einzigen Tag für eine sehr gute Freundin geschrieben.
Für dich, Ignis! =3 Hier noch einmal meinen herzlichen Glückwunsch und viel Freude mit diesem OS. ;)

Disclaimer: Die Drei Musketiere gehören nicht mir...wie sehr ich diesen Fakt auch bedauere. Dx
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Der König hatte noch nie ein besonderes Talent für Schach aufweisen können, wie Richelieu an diesem Tag erneut die Ehre hatte, festzustellen. Er setzte die Figuren willkürlich, ohne auch nur den geringsten Funken einer im Hinterkopf gehaltenen Strategie zu zeigen- das komplette Gegenteil von sich selbst, wie Richelieu mit unverhohlener Selbstzufriedenheit feststellte. Im Gegensatz zu seiner Majestät Louis XIII. sah er die Züge deutlich in seinem Kopf, wog Schwächen gegen Vorteile ab, kalkulierte Verluste, wägte den Vergeltungszug seines Gegenübers aus. Was bei dem König eine Beleidigung seiner Intelligenz war, auch wenn er diesen Gedanken nie laut aussprechen würde. Der König hatte ernsthaftes Glück, ihn als Kardinal an seiner Seite zu haben- Richelieu unterdrückte ein Lächeln. Ja, der König hatte Glück. Glück, dass er, Richelieu, ihn bald ersetzen würde. Und mit seinem Plan würde er ihn ebenso vernichtend schlagen, wie bei jeder einzelnen Partie Schach, die sie gegeneinander gespielt hatten. Er richtete seinen Blick vom Gesicht des Monarchen auf das Spielbrett, studierte diesmal nicht die Reihen seines Gegners- es würde nicht lang dauern, bis sie vernichtet wären, sie waren seinen einfach hoffnungslos unterlegen.
Die schwarze Dame bedrohte Louis' schneeweißen König und hatte ihn nun schon zum zweiten Mal in diesem Spiel in eine beinahe ausweglose Situation gebracht, indem sie die Figuren, welche den König einmal beschützt hatten, einfach aus dem Weg geräumt hatte, nichts weiter als eine Schneise der Vernichtung hinterlassend. Milady de Winter, die Dame in seinem Plan- tödlich, präzise und auch relevant- wie sehr Richelieu den letzten Fakt doch bedauerte. Sie war wichtig und nützlich, ja, aber auch sie war ersetzbar. Milady würde ihn hintergehen, dessen war er sich vollkommen bewusst; ihre Eliminierung würde erfolgen, sobald er auf dem Throne Frankreichs saß. Sie würde fliehen, selbstverständlich, versuchen sich seinem Griff zu entziehen- als ob es etwas nützen würde. Er würde sie finden und sie den erbärmlichen Tod sterben lassen, den jemand ihres Kalibers verdiente. Der Gedanke an die verschiedenen Methoden, mit denen er ihr Leben möglichst schmerzhaft würde beenden können, zauberte immer wieder ein Lächeln in sein Gesicht. Jedoch kein freundliches Lächeln, oh nein, bei weitem nicht.
Als Louis, statt den König aus dem Schach zu setzen, andere Figuren zu Hilfe rufen wollte, konnte der Kardinal nur mit Mühe ein Seufzen zurückhalten. Mit einer fließenden Bewegung schlug er den weißen Läufer mit seinem nachtschwarzen Springer und verschärfte die Situation des gegnerischen Königs nur noch weiter. Eigentlich hatte er aufschauen wollen, dem König in die Augen sehen, sich an dessen Frustration und Hilflosigkeit weiden- doch sein Blick blieb an dem Springer hängen.
Ein nachtschwarzer Schicksalsbote inmitten von Fußsoldaten, so weiß, rein und unbefleckt wie der Sonnenaufgang. So glasklar wie es die Seele des Königs noch war. Es war eine finstere Ironie, dass gerade Richelieu die schwarzen Spielfiguren führte- waren sie doch eher die Farbe, die seiner Seele entsprach. Er hatte gemordet, nicht selbst zwar, sondern durch Befehle, aber trotz allem war es sein Wort, dass diese unseligen Narren, welche das Unglück hatten, ihn im Weg gestanden zu haben, ihr Leben hatte aushauchen lassen. Er fühlte kein Bedauern, nicht für diese Unwürdigen. Richelieu hatte sie nicht eigenhändig ihres Lebens beraubt- nein. Er starrte den schwarzen Springer an- eingekreist vom Feind, und doch spürte Richelieu eine seltsame Gewissheit, dass er diesen Krieger in seinen Reihen nicht einfach so verlieren würde. Nicht durch solch niedere Gegner.
Rochefort.
Der Name blitzte in seinen Gedanken auf, und Richelieu hielt das Lächeln nicht länger zurück- er hätte es vermutlich ohnehin nicht gekonnt. Rochefort, der Hauptmann seiner Garde und seine rechte Hand, seine Klinge, sein Henker, der zu denen kam, die dem Willen des Kardinals nicht dienlich waren; sein Todesengel. Wie oft hatte der Graf seine Hände schon mit Blut befleckt, wie oft hatte er seine Klinge schon in seinem Dienst geschwungen, ohne jegliches Mitgefühl Leben genommen und das alles auf seinen Befehl hin? Ein Mann, so einzigartig wie die Figur des Springers selbst. Sein Bewegungsradius war groß, aber sehr speziell- ebenso wie Rochefort selbst. Auf einem Auge blind und trotzdem der beste und gefürchtetste Fechtmeister des ganzen Landes, mit einer Disziplin so eiskalt wie ein winterliches Meer und Fähigkeiten, die noch vergeblich ihren Meister suchten.
In den Jahren, die er ihm nun als engster Vertrauter diente, hatte er keine seiner Entscheidungen auch nur ein einziges Mal hinterfragt, hatte kein einziges Mal die Stimme gegen ihn erhoben- Rochefort war in seiner Gegenwart generell noch nie ein Mann großer Worte gewesen, hatte nie ein Wort über seine Fähigkeiten verloren, deren Größe er sich ohne jeden Zweifel bewusst war; es verlieh ihm einen Charakterzug von solcher Kälte, Stärke und Selbstsicherheit, dass man es praktisch fühlen konnte, man sah es ihm vom ersten Moment an. Er war gefährlich, konnte töten. Und würde es auch tun, sollte er nur den Befehl dazu bekommen. Schon bei seiner ersten Begegnung mit dem Grafen hatte er diese Kälte gespürt, die ihn wie eine Aura umgeben hatte. Selbstsicherheit, kälter als ein eisiger Regen, ruhig wie ein Fels im Sturm. Eine Aura, von solch lähmender Kälte, dass seinen Gegenübern schon oft genug die Worte im Hals stecken geblieben waren. Und doch hatte Richelieu es anfangs angezweifelt, hatte die Entscheidung, einen Einäugigen in seine Garde aufzunehmen, immer wieder für sich selbst hinterfragt- Er hatte jeden Zweifel ausmerzen wollen, hatte diesen närrischen Krüppel in seine Schranken weisen wollen, weshalb er kurzerhand vier seiner Gardisten auf den Fechter losgeschickt hatte.
Der Kardinal hatte damals jede einzelne Regung des Grafen studiert, hatte jede noch so kleine Bewegung bemerkt und in Erinnerung behalten. Die kurze Überraschung in seinem Gesicht, das unwillkürliche, hinterfragende Hochziehen einer Augenbraue, als er von der plötzlichen Herausforderung erfahren hatte. Die Gardisten waren nähergetreten, er hatte aufgrund des scharfen Klackens ihrer Stiefelabsätze leicht den Kopf gedreht, sah seinen Gegnern entgegen. Und da war sie gewesen, diese kühle Aura. Selbstsicherheit, so kalt, dass sein Gesicht sich innerhalb eines Momentes von überrascht zu komplett ausdruckslos wandelte.
Er hatte den Kardinal keines weiteren Blickes gewürdigt, sich nur umgedreht, war seinen Gegnern einen halben Schritt entgegengekommen. Die Gardisten schienen unsicher zu sein- vor ihnen stand immerhin jemand, der nicht seine volle Sehkraft besaß; Richelieu wusste, dass sie seine Entscheidung, diesen Mann attackieren zu lassen, hinterfragten, es jedoch nicht wagten, diese Zweifel an seinem Befehl auszusprechen. Ein Blick seinerseits genügte, und die Gardisten zogen ihre Waffen, verteilten sich automatisch ein wenig- alle steuerten sie unwillkürlich die linke Seite des Sichtfeldes ihres Gegners an- die Seite, auf welcher er nicht würde sehen können. Der Graf hingegen, reagierte überhaupt nicht. Er stand regungslos da, die Linke entspannt auf dem Griff seines Degens, während die Kälte, welche ihn wie eine leuchtende Korona umgab, beinahe greifbar war. Plötzlich jedoch drehte er den Kopf, als hätte jemand einen Schalter umgelegt; nur ein winziges Bisschen, doch es reichte, um die Gardisten in ihren Bewegungen einhalten zu lassen.
„Vorsicht.“
Das Wort war an den Gardisten gerichtet, der am weitesten links von ihm stand; nur einen Schritt weiter, und er wäre in eine der Bleifiguren gelaufen, welche die Truppen auf dem Boden, der nichts weiter als eine riesige Landkarte war, symbolisierten. Der Gardist trat unwillkürlich einen Schritt nach vorn, bevor ihm klar wurde, was Rochefort da eigentlich gerade getan hatte. Er hatte ihn nicht einmal angesehen, dafür hätte er den Kopf weiter drehen müssen. Den Gardisten stand die Überraschung förmlich ins Gesicht geschrieben, und Richelieu konnte an ihren Augen ablesen, dass dieser Mann vor ihnen für sie vermutlich eine größere Herausforderung darstellen würde, als anfangs gedacht- ganz im Gegensatz zu Richelieu, den das ganze kein bisschen beeindruckt hatte, fehlende Sicht hin oder her.
Falls der Graf die plötzliche Erkenntnis seiner Gegenüber ebenfalls bemerkt hatte, ließ er es sich nicht anmerken. Mit einer Bewegung die zu fließend war, um von einem Unerfahrenen ausgeführt worden zu sein, schlossen sich die Finger seiner rechten Hand um den Griff seines Degens und zogen die glänzende Klinge mit einem scharfen metallischen Geräusch heraus. Er grüßte seine Gegenüber mit einem kurzen Schnippen der Klinge, bevor er, wie die Gardisten vor ihm, seine Grundhaltung einnahm. Die Linke hinter dem Rücken, den Degen leicht nach vorn gerichtet, auf die Herzen seiner Gegner. Auf einmal war die Ausdruckslosigkeit seines Gesichtes verschwunden, ersetzt durch ein winziges spöttisches Funkeln in den braunen Augen, ein winziges, höhnisches Zucken seines Mundwinkels, bevor er, ohne seine Haltung aufzugeben, die Klinge sinken ließ, bis sie mit einem hellen Ton auf dem steinernen Boden auftraf. Richelieus Augen verengten sich unwillkürlich, als die kalte Aura des Mannes vor ihm noch stärker zu werden schien- er sah das hauchdünne, aber vor Hohn triefende Lächeln praktisch vor sich. Und als die Gardisten wenige Momente später auf den Grafen losstürmten, war es um jeden Zweifel seinerseits geschehen.
Rochefort wehrte den ersten Schlag des Gardisten ganz links von ihm ab, ohne wirklich hinzusehen und entwaffnete ihn in derselben Bewegung, bevor er herumfuhr, um den Gardisten, der sich hinter ihn geschlichen hatte, mit einem spöttischen Schnippen der Klinge zu grüßen, ihn mit dem Fakt seiner unabwendbaren Niederlage zu konfrontieren.
Nun sah Richelieu auch das Lächeln endlich vor sich. Nicht mehr hauchzart, sondern offensichtlich präsent lag es nun auf des Grafen Lippen, unterstrich seine Überlegenheit mit unauslöschlicher Tinte, unterschrieb die Kapitulation der Gardisten mit ebensolcher.
Erneut prallte Stahl auf Stahl, erneut ertönte der tödliche Gesang aufeinanderprallender geschliffener Klingen durch den Raum, vergrößerte Rocheforts Lächeln sichtbar. Die Klinge des zweiten Gardisten wurde gen Decke geschickt, der Besitzer der Waffe gen Boden und Rochefort drehte sich zu den letzten beiden Gegnern um, die unwillkürlich zurückgewichen waren. Die Entwaffnung ihrer zwei Kameraden hatte kaum mehr als zehn Sekunden gedauert, und für die Übrigen würde der Graf auch nicht länger benötigen, dessen waren sich die beiden zweifelsohne sicher. Die Spitze von Rocheforts Degen berührte erneut den Boden und sang einen hohen Ton, was die Gardisten als Zeichen zu werten schienen. Nun, da seine Klinge gen Boden gerichtet war, würde er länger brauchen um zu reagieren- so, oder so ähnlich mussten sie wohl gerade denken. Was jedoch ein Fehler war, und ein gravierender noch dazu. Zu spät merkten die Gardisten, dass der Graf seine Klinge aus ebenjenem Grund senkte- er wollte länger brauchen, um gegnerische Schläge abzuwehren, einfach nur, um den Kampf ein klein wenig härter zu gestalten, ein klein wenig schwieriger, ein klein wenig gefährlicher. Allein diese Haltung zeugte davon, wie unerschütterlich sein Selbstvertrauen zu sein schien und ließ jeden letzten Zweifel, den Richelieu vielleicht noch gehabt haben sollte, in Rauch aufgehen.
Die Gardisten stürmten wie zuvor auf den Grafen zu, dessen Antwort nur aus einem unwilligen Zucken seiner Waffe bestand, bevor er den Schlag des Einen abfing und den vernichtenden Tanz seiner Klinge zur Melodie von Stahl auf Stahl erneut begann. Rochefort bewegte sich lautlos, blitzschnell und absolut präzise, keine Bewegung war zu ausladend, aber in ihrer Knappheit von solch raubtierartiger Eleganz, dass die Gardisten kaum mehr als weitere zehn Sekunden gegen ihn bestanden.
Das laute Geräusch von Stahl auf Stein schien Rochefort auf eine gewisse Weise wachzurütteln. Sein eben noch präsent gewesenes Lächeln verschwand wieder hinter einer Maske aus Seriosität, die kalte Aura ging langsam wieder etwas zurück, gab der Umgebung wieder die Möglichkeit, aufzutauen. Ohne ein weiteres Wort glitt des Grafen Degen wieder in die vorgesehene Scheide zurück, und er erwiderte die erstaunten, entsetzten und beeindruckten Blicke der Gardisten ohne eine Miene zu verziehen. Richelieu hatte wortlos zugesehen- was hätte er überhaupt sagen sollen? Sagen können? Sagen wollen? Es gab keine Worte, um solch ein Schauspiel zu beschreiben, zumindest nicht in seinen Augen. Tödlich, präzise, elegant und tänzerisch. Ihm war plötzlich klar, dass er sich erhoben hatte, und der Graf und dessen Herausforderer ihn anschauten, in Erwartung von Worten jeglicher Art. Richelieus Blick wanderte wenige Momente noch von einem Gardisten zum Nächsten bis er schließlich an Rochefort hängen blieb. Mit einem Nicken entließ er die Gardisten, welche mehr als froh zu sein schienen, endlich aus dem Raum herauszukommen. Das leise Geräusch der zufallenden Tür hallte noch ein paar Momente in dem großen Raum wider, bevor wieder vollkommene Stille herrschte. Rochefort, der den Gardisten hinterhergeschaut hatte, drehte sich nun langsam wieder um und erwiderte Richelieus Blick, die Linke wieder entspannt auf dem Griff seines Degens, das Gesicht ohne jede Regung.
Richelieu kam langsam um den Schreibtisch herum, ohne jedoch seinen Blick von dem Fechter vor ihm zu nehmen. Rocheforts Blick folgte ihm, als er langsam näher kam und dem Grafen schließlich gegenüberstand.
„Beeindruckend.“ Richelieu musterte den Grafen kurz, und kehrte nach wenigen Sekunden wieder zu seinem Gesicht zurück. Er machte eine kurze Handbewegung hin zu Rocheforts zerstörtem Auge.
„Ich nehme an, dass Euch das nicht behindert.“ Er sprach es wie einen Fakt aus, nicht wie eine Frage, doch Rochefort antwortete trotzdem. „Keineswegs, Eminenz. Ich wäre nicht hier, täte es das.“
Rocheforts Stimme war rau, ein Zeichen dafür, dass er sie nicht allzu oft zu benutzen schien- nur in den Momenten, in denen er es als notwendig erachtete, er war mehr die Art von Mann, die ihre Klingen sprechen ließen- auch wenn er das mit meisterhafter Eleganz tat, die man mit Worten nicht einmal ansatzweise erfassen konnte.
Richelieu antwortete mit einem kurzen Nicken. „Die Männer, gegen die Ihr eben gekämpft habt, unterstehen Euch von nun an.“ Mit diesen Worten drehte er dem Fechter kurz den Rücken, um wieder hinter seinen Schreibtisch zurückzukehren. Dort angekommen begegnete er dem Blick des dunklen Auges seines Gegenübers erneut und ein Lächeln trat auf seine Züge- diese Eleganz, Präzision und eiskalte Selbstsicherheit gehörte von nun an ihm.
„Ihr wisst, was ich von Euch erwarte, nehme ich an?“
Seine Stimme klang harsch, doch Rochefort schien das nicht zu stören. Zu Richelieus Verwunderung erwiderte er das Lächeln sogar, die Kälte ging vollends zurück, versiegte komplett und in diesem Moment wirkte er schlicht und einfach wie ein Mann wie jeder andere.
„Selbstverständlich, Eure Eminenz.“
Rochefort mochte die kühle Aura sonst immer in Kämpfen um sich haben, doch sowohl in Gegenwart seiner Gardisten als auch in Richelieus Gegenwart war sie verschwunden, beinahe so als habe es sie nie gegeben, und der Kardinal wusste auch warum. Rochefort vertraute ihm, auch wenn er wusste, dass der Kardinal sein Leben mit einem Wort beenden konnte. Er hatte Richelieu sein Leben und seine Dienste angeboten und er würde zu seinem Wort stehen- ein Charakterzug, den Richelieu aufs Äußerste schätzte. Er hatte es mittlerweile schon oft erlebt, dass der Fechtmeister in seiner Gegenwart beinahe schon gelöst wirkte, sein Schweigen viel öfter brach als sonst. Reichte sein Vertrauen so weit?

Louis versuchte, eine weitere Figur zum Schutze seines Königs heranzuziehen, doch wieder kam ihm Richelieus Springer in den Weg. Ein weiterer Zug brachte den König nun doch endlich aus dem Angriffsbereich seiner Dame- ein Zug, mit dem Richelieu jedoch gerechnet hatte, und er reagierte so, wie es jeder tun würde, nur das dieser Zug für ihn selbst und für seine Zukunft eine kolossal große Bedeutung hatte.
Springer und Dame kesselten den schneeweißen König ein, die Nacht umschloss den Tag mit unbarmherziger Härte, nahmen ihm jegliche Bewegungsmöglichkeit.
Das Wort kam von allein, und Richelieu liebte den Klang, liebte die Überraschung in den Augen seines Gegenübers. Weidete sich an der Enttäuschung des Königs, an seiner Frustration, seiner Hilflosigkeit. Wieder einmal wurde ihm klar, wie sehr er den Tag herbeisehnte, an welchem er dieses Wort würde laut aussprechen können, ohne es auf ein Spiel beziehen zu müssen. Der Tag, an dem dieses Wort sein Schicksal besiegeln würde.
„Schachmatt.“
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