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Yī jiàn zhōngqíng

von Cealen
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Cheng Dre Parker
04.06.2012
23.06.2012
2
4.667
9
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8 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
04.06.2012 1.983
 

Das hier ist ein gemeinsames Projekt mit einer Freundin, die mir ihre Erlaubnis gegeben hat, den ersten Teil, der vollständig aus ihrer Hand ist, hochzuladen.
Viel Spaß :)

yī jiàn zhōngqíng, chinesisch für "Liebe auf den ersten Blick".
_____


Er hat inzwischen schon recht gut Chinesisch gelernt. Aber er hat einen starken amerikanischen Akzent.
Das wird sich wohl nie ändern, genauso wenig wie seine Hautfarbe.
Ich habe das Gefühl er wird jeden Tag ein Stück größer als ich, was man nicht ändern kann, Chinesen sind eben nun mal kleiner als Dunkelhäutige.

Dabei sollten wir mit unseren 16 Jahren eigentlich beide ausgewachsen sein.
Seit er damals gegen mich gewonnen hat, haben meine Kumpels und ich ihn nicht mehr geärgert.
Ich habe seinen eindeutigen Sieg akzeptiert und war, ehrlich gesagt, sehr beeindruckt davon, dass er so schnell so gut werden konnte.
Sein Durchhaltevermögen beim Wettkampf hat mich geschockt und mein schlechtes Gewissen hat an mir genagt, weil er benachteiligt war.

Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass wir uns, oder besser gesagt, er mich, immer noch nicht gut leiden kann.
Er ist auch immer noch mit dieser blöden Kuh, Mei Ying, zusammen, aber inzwischen haben sie eine Fernbeziehung, weil sie von ihrem Vater auf eine Musikschule im Ausland geschickt wurde, die wohl sehr gut sein soll.
Die beiden waren ja damals verknallt wie die Hölle, es gab nichts was sie trennen konnte, aber das hat sich abgekühlt, glaube ich.

Ach was, ich kann es ruhig zugeben, ich hoffe es.
Alle haben gedacht, ich war eifersüchtig auf ihn, als ich damals zwischen sie gegangen bin.
Was sollte man auch anderes denken, so wie ich ihn zusammengeschlagen habe, nur weil er sich mit ihr unterhalten hat.
Aber ich war eben nur ein Kind.
Ich bin nicht damit zurechtgekommen, mit meiner Eifersucht.
Er hat sie angesehen und hat mit ihr geredet und dann hat sie auch noch seine Haare angefasst, auf die er immer so stolz ist.
Mich hat er keines Blickes gewürdigt, er konnte mich wahrscheinlich nicht mal von meinen Freunden unterscheiden.
Ich war so wütend, so verdammt wütend, wie konnte er es wagen?
Damals war ich noch um ein vielfaches stärker als er und habe das auch ausgenutzt.
Mein Inneres zog sich zusammen bei dem Anblick, wie er sich später am Boden krümmte, aber wenn sie und Mr. Han nicht dazwischen gegangen wären, hätte ich ihn wohl sogar tot geschlagen.
Unser Lehrer hat damals seinen Beruf verloren, lustigerweise nicht wegen seiner Unterrichtsweise, sondern weil er Schulgelder unterschlagen hatte.
Der neue Kampfsportlehrer hat uns nicht so gedrillt, aber er war trotzdem kein guter Lehrer.
Egal wie viel ich trainiere, ich werde nicht mehr stärker als er.
Mr. Han ist einfach ein besserer Lehrer, obwohl er nur Hausmeister ist, seltsam was?
Wir sind immer noch auf der gleichen Schule, sogar in der gleichen Klasse, aber wir gehen uns aus dem Weg.
Wir versuchen so wenig Worte wie möglich miteinander zu wechseln, er hat seine Freunde, ich meine.


Wir haben gerade Sportunterricht, auch wieder etwas, was an meinem Stolz kratzt.
Wir sind unangefochten die Besten in Sport, aber er ist mir meistens trotzdem noch mal meilenweit voraus.
Ich werfe ihm einen frustrierten Blick zu, doch genau in dem Moment sieht er mich an.
Sein Blick verfinstert sich und er sieht schnell wieder weg.
Ich weiß dass er mich hasst, ich kann ihm das auch wirklich nicht verübeln, schließlich muss er seit damals denken, dass ich ihn, trotz des Wettkampfes, immer noch hasse.
Aber das tue ich nicht, verdammt das tue ich nicht, im Gegenteil.
Ich höre meinen Namen, die Lehrerin möchte, dass wir ein paar Sportutensilien aus dem Lager holen.
Ich mache mich nachdenklich auf den Weg zum Lager, helfe dabei die Sachen herauszuräumen und bleibe dann noch einen Moment nachdenklich stehen.
Gerade will ich mich zum Gehen wenden, als ich merke, dass ich nicht, wie ich gedacht hatte, die letzte Person im Lager bin.
An der Tür lehnt Dre und sieht mich ernst an.
Mir schwant Böses als er zum sprechen ansetzt.
„Ich weiß nicht wo dein Problem liegt, Cheng!“, beginnt er und redet dabei auf Englisch, was er bei einigen immer noch macht, wenn er weiß, dass diese gut Englisch können.
„Du hasst mich immer noch oder? Ist es wegen Mei Ying?“
Seine Stimme ist dunkel, er ist schon lange durch den Stimmbruch.
„Nein, lass mich einfach in Ruhe.“, antworte ich ihm knapp und will mich an ihm vorbeidrängen.
Erschrocken japse ich auf, als er mich grob am Handgelenk packt und zurückzieht, damit habe ich nicht gerechnet.
Brennend lastet sein Blick auf mir, ich weiche ihm aus, doch plötzlich packt er mich mit der freien Hand am Kinn und zwingt mich, zu ihm aufzusehen.
Er ist viel stärker als ich.

„Sag’s mir wenigstens ins Gesicht, dass du mich hasst und sag mir warum.“
Ich habe sein Gesicht schon lange nicht mehr aus der Nähe gesehen und so genau betrachtet.
Seine dunkle Haut, immer noch so makellos, wie an dem Tag, an dem ich sie grün und blau geschlagen habe.
Seine langen schwarzen Wimpern, und seine dunklen Augen.
Seine Lippen, die auf einmal so nah sind, dass ich seinen Atem auf meinen spüren kann.
Wie aus Reflex stoße ich ihn von mir und renne aus dem Lager.

Er ruft mir noch hinterher, aber ich drehe mich nicht um und gehe schnell zurück zum Sportunterricht.
Bis zur Mittagspause ignoriere ich ihn erfolgreich und gehe dann schnell zu meinem Lieblingsplatz im Hinterhof, wo normalerweise um die Uhrzeit niemand ist.
Zum Glück folgt mir keiner, und keiner meiner Freunde scheint meine seltsame Laune bemerkt zu haben.
Gedankenverloren packe ich mein Essen aus, und will gerade die Stäbchen in die Hand nehmen, als jemand auf den kleinen, zugestellten Hof stürmt.
Ich sehe überrascht auf, es ist Dre.
Er scheint mich, zwischen all dem Krimskrams, nicht zu bemerken und wischt sich in einer fahrigen Geste über die Augen, dann zieht er sich ein zerknittertes Taschentuch aus der Hosentasche und putzt sich geräuschvoll die Nase.
Ich kann das bei seiner Hautfarbe nicht so leicht beurteilen, aber ich würde sagen, er hat geheult.

Ein lautes Geräusch lässt mich zusammenzucken und Dre zu mir herumfahren.
Meine Stäbchen sind heruntergefallen.
Verwirrt sieht er zu mir herüber, ja, er hat eindeutig geheult.
Etwas unschlüssig geht er auf  mich zu.
Sag bloß, er heult wegen mir und will mich noch mal fragen, was er mich in Sport gefragt hat?
Er holt Luft und setzt zum sprechen an, stockt dann für einen Moment, und sagt es doch: „Falls du mich wegen Mei Ying hasst, jetzt hast du’s. Sie hat gerade übers Handy mit mir Schluss gemacht.“
Es dauert einen Moment, bis die Worte bei mir ankommen.
Ein bitteres Gefühl breitet sich in mir aus, natürlich hat er nicht wegen mir geweint, warum sollte er.
Doch gleichzeitig keimt ein Gefühl von Freude in mir auf.
Endlich ist die blöde Trulla aus dem Weg.
Mein Mundwinkel zuckt leicht nach oben, aber ich fasse mich schnell wieder.

„Was soll ich jetzt mit der Information?“, es ist mir so rausgerutscht, und klang etwas kälter als beabsichtigt.
Verletzt sieht er zur Seite und wirkt, als würde er gleich wieder das Heulen anfangen.
Der Anblick setzt mir doch mehr zu als erwartet und geschlagen rutsche ich ein Stück zur Seite und hebe dabei meine Stäbchen wieder auf.
Bis er kapiert, dass er sich neben mich setzen soll, dauert es etwas, aber letztendlich lässt er sich dann doch neben mich sinken.
Gefühlte fünf Minuten reden wir kein Wort miteinander, während ich langsam beginne, mein Essen in mich reinzuschaufeln.
Ich habe überhaupt nicht gemerkt welchen Hunger ich hatte.
Ich höre seinen Magen knurren.

„Hast du nichts zu Essen dabei?“, frage ich zögerlich.
„Hmm, nee, hab’s zu Hause vergessen…“
Daraufhin entsteht wieder peinliche Stille und ich bin fast davor, ihm etwas von meinem Essen anzubieten, als ich seine Hand auf meiner Schulter spüre.
„Freut es dich, dass sie mit mir Schluss gemacht hat? Oder ist es dir scheißegal? Jetzt sag doch mal was…“, stößt er zischend zwischen den Zähnen hervor.
Irgendwie macht mich diese Frage aggressiv.
„Was soll mit ihr sein, ich hab dich doch auch die ganzen letzten Jahre nicht interessiert!“, rutscht es mir heraus, und ich merke wie frustriert ich dabei klinge.
Er wirkt überrascht und der Druck auf meiner Schulter wird stärker.
Er soll die Hand nicht da wegnehmen, nie wieder.
Worauf will er mit der Fragerei überhaupt hinaus?
Wenn er wüsste, wie viele  Hoffnungen er mir damit macht.
Sein Gesichtsausdruck wird auf einmal sehr entschlossen und gerade will ich ihn fragen, warum er das alles überhaupt wissen will, als er mir wieder verwirrend nahe kommt.
Mein Gehirn setzt aus, als er mich dann auch noch an beiden Schultern packt und als er seine warmen Lippen auf meine legt, glaube ich zu wissen wie sich ein Herzstillstand anfühlt.
Was tut er da? Was zur Hölle tut er da? Sollte das jemand machen der gerade seiner Freundin hinterhertrauert?
Er drückt mich gegen irgendeine Kiste hinter mir und mir schießt ein heißer Blitz durch den Körper als ich seine feuchte Zunge an meinen Lippen spüre.
Seine Augen sind fast geschlossen, aber er schließt sie ganz, als ich Halt suchend meine Finger in sein T-Shirt kralle.
Unsere Zungen berühren sich und am Rande höre ich ein Klappern, was vermutlich bedeutet, dass sich meine Mittagessensbox gerade gen Boden verabschiedet hat.
Was mir mal so egal ist, solange er nur weiter seine Zunge an meiner reibt und mit seinen Händen unter mein Hemd fährt.
Seine Finger wandern über meine Bauchmuskeln und mir entweicht ein Stöhnen in den Kuss.
Ich schlinge meine Arme um seinen Nacken und ziehe ihn noch näher zu mir.
Ich fühle seine geflochtenen Haare, die ich schon die ganze Zeit noch mal anfassen wollte.
Mein ganzer Unterleib kribbelt vor Erregung, als ich realisiere, dass er praktisch auf mir drauf sitzt.
Wenn er seine Hand nur ein paar Zentimeter tiefer hätte, würde er die Beule in meiner Hose bemerken.
Wir sind immer noch in der Schule verdammt!
Ich höre irgendwo Stimmen und versuche wieder zu Verstand zu kommen, wenn die uns hier so erwischen, können wir uns ne neue Schule suchen.

Aber ich will nicht, dass er aufhört.
Ich will, dass er mich weiter so küsst und anfasst, als wäre er genauso verrückt nach mir wie ich nach ihm.
Doch er scheint die Stimmen auch gehört zu haben und löst sich langsam von mir, aber nicht ohne mir noch einmal über die Unterlippe zu lecken.
Wir sind beide ganz außer Atem, und ich wette, ich sehe gerade aus wie eine reife Tomate.
Ich beginne wirklich ihn um seine Hautfarbe zu beneiden.
Verlegen rückt er vorsichtig von mir ab und stellt mit einem erschrockenen Blick auf den Boden fest, dass mein Mittagessen tatsächlich heruntergefallen ist.
Ich muss lächeln, so scheißegal ist mir mein Mittagessen noch nie gewesen.
Anscheinend hasst er mich doch nicht, sondern mag mich.
Mag mich vielleicht sogar sehr?
Mein Herz fühlt sich an, als müsste es platzen vor Freude.

Der Schulgong ertönt und wir erheben uns so synchron, dass ich beinahe lachen muss.
Wir räumen schweigend das verschüttete Essen weg und treten dann durch die Tür, zurück in den Schulkorridor.
Fast alle sind schon in den Klassenzimmern, so sieht keiner, wie ich noch mal nach seiner Hand greife und sie festhalte, bis wir am Klassenzimmer angekommen sind.
Er wirft mir noch einmal einen verlegenen Blick zu, der mein Herz schneller schlagen lässt.
Wir sind ein wenig zu spät und bekommen Ärger und die meisten sehen uns etwas verwundert an.
Ich hoffe wirklich, dass mir das keiner ansieht.
Ich will gar nicht darüber nachdenken, dass ich noch mit ihm reden muss.
In der letzten Stunde fliegt ein Zettel auf meinen Tisch.
„Gehen wir nach der Schule zusammen nach Hause?“ – Dre
„Okay!“ – Cheng
In den letzten fünf Minuten erwische ich mich dabei, wie ich Herzchen an den Heftrand male…
Ich verknallter Vollidiot…
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