School of Music

GeschichteDrama / P18
31.05.2012
11.07.2012
20
58037
2
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Dieses Kapitel
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Ein überarbeitetes Kapitel von DasKleineMonster :)



Du musst keine Angst haben (Edward)


Bella liegt in meinen Armen und ich merke, dass sie das immer noch beschäftigt. Mir ist das egal, dass sie Krebs hat, ich möchte nur mein Leben mit ihr teilen. Soweit wie es halt möglich ist und wenn ich nur noch ein Jahr mit ihr kriege, werde ich dieses Jahr mit ihr genießen.

„Ich hab dir doch versprochen, dass ich dir einen neuen Laptop kaufe. Lass uns los ziehen und dann auch ein schönes Kleid für einen feinen Abend in einem Restaurant kaufen.“, lächele ich und Bella stützt sich auf und schaut mich an. Ich grinse sie nur weiter an. Sie packt hektisch ihren Block und kritzelt hektisch darauf herum.

>>Wie, du willst mit mir einen Laptop und ein Kleid kaufen und anschließend dann auch noch in ein Restaurant mit mir? <<

„Der Laptop dient unserer Kommunikation und das Kleid ist halt für ein Date. Ich möchte ein richtiges Date mit dir.“, sage ich lachend und drücke sie wieder an mich. Sie rutscht mit dem Stift ab und mal mir über die Handinnenfläche. Ich lache und hebe ihr Gesicht an, sodass ich sie anschauen kann. Statt etwas zu sagen, drücke ich meine Lippen auf ihre und sie stöhnt leise in den Kuss.

„Geht’s dir gut?“, frage ich sie nach einer Weile. Sie starrt nur an die Wand und nestelt mit ihren Fingern herum. Ihr Blick wandert zu meinem Gesicht und sie lächelt mich an.

„Dann lass uns los.“, lache ich und ziehe sie vom Bett. Sie grinst nur frech und stürmt mir hinterher. Sie scheint in dem Moment überhaupt nicht geschwächt und ich bin einfach glücklich. Ihre Augen leuchten und zeigen keine Qual. Aber ich würde trotzdem ein Auge auf sie haben. Ich würde sie nicht überanstrengen.

Keine zehn Minuten später stehen wir in dem Einkaufszentrum und sie schaut sich staunend um. Wie soll man auch ahnen, dass in so einer kleinen Stadt, so ein großes Kaufhaus steht?,  kichere ich und zusammen laufen wir zu dem Elektronik Geschäft. Wir laufen die Gänge entlang und schauen uns die verschiedenen Laptops an. Einen mit großem Bildschirm, aber da schüttelt Bella nur angewidert den Kopf. Dann folgen immer mehr große Computer, aber Bella schüttelt nur den Kopf. Plötzlich beginnen Bellas Augen zu leuchten und sie zieht mich zu einem in der Ecke. Er ist blau und sehr klein. Es ist eher ein Notebook und Bella streicht ehrfürchtig über die Tasten. Er hat die neuste Software und passt in jede Tasche. Er ist nicht unhandlich und Bella kann ihn überall benutzen und wir können kommunizieren. Ich lächele und Bella schmiegt sich in meine Arme.

„Dann wird es dieser Laptop.“, kichere ich und hebe ihr Gesicht hoch. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen und küsst mich leicht. Ich nehme den Karton und wir gehen zur Kasse. Ich muss dank meiner Eltern nicht auf das Geld achten und Bella braucht ihn immerhin. „Jetzt finden wir noch ein schönes Kleid für dich.“, lache ich und ziehe sie in das nächste Modegeschäft. Dort fühlt sie sich nicht so wohl und versteckt sich leicht hinter meinem Rücken.

„Guten Tag, kann ich ihnen helfen?“, fragt die Verkäuferin freundlich und lächelt mich an.

„Meine Freundin braucht ein Kleid.“, sage ich schlicht und die Verkäuferin schaut zu Bella.

„Was möchten sie denn für ein Kleid?“, fragt die Verkäuferin an Bella gewandt, aber sie fühlt sich dabei nur noch unwohler.

„Wir schauen einfach mal.“, sage ich sofort und laufe an der Frau vorbei. Bella folgt mir und schaut mich dankend an.

„Ich muss mich auch erst daran gewöhnen, aber ich schaff das.“, lächele ich sie an und damit beginnt die Suche. Schnell sind wir an ein paar schöne Kleider vorbeigekommen. Schöne bunte Kleider kommen zum Vorschein. Ein Kleid fällt mir ins Auge und ich betrachte es eingehend. Es ist schwarz und wird am Nacken zusammengebunden. Es würde ihr bis zu den Knien reichen.

>> http://picture.yatego.com/images/4c2a02f8bdf709.2/GO1827-Rockabilly_Kleid_violett_schwarz-Rockabilly_Kleider-Rockabella-Rockabilly_Mode-Gothic_Kleidung-Rockabilly_Dress_purple_black-kqh/rockabilly-kleid-violett-schwarz-s.jpg <<

Ich zeige es Bella und sie schüttelt den Kopf. Sie läuft zielstrebig an mir vorbei und hält vor einem Kleiderständer. Sie nimmt die Kleider leicht in ihre Hände und beschaut sie sich neugierig. Die meisten sind blau und dann fällt ihr eins Zwischen die Finger, welches sie sofort herauszieht. Es ist hellblau und verläuft nur über einer Schulter. Die selber mit einer Blume drapiert ist. Ein Band ist um den Bauch gebunden. Es fällt in der feinen Seide die Beine bis zum Knie herab. Es würde ihr ausgezeichnet stehen.

>> http://www.born2style.de/WebRoot/Store18/Shops/61587439/MediaGallery/Fever/Fever-Ivy-Kleid-blau.jpg <<

Ich schiebe Bella mit dem Kleid in die Richtung der Kabinen und sie verschwindet lächelnd. Ich lasse mich an einem Stuhl darauf nieder und warte gespannt. Kurz darauf kommt sie wieder und sie lächelt stolz. Mir fällt der Mund sprachlos auf und starre sie einen Moment an. Das Kleid umschmeichelt ihren Bauch und ihre Beine werden lieblich umrandet. Ihre Beine hält sie über kreuz und schaut mich leicht verlegen an. Ich schaffe es aufzustehen und auf sie zu zugehen. Sie schaut mich durch die Wimpern an und ich ziehe sie an mich.

„Du bist wunderschön. Du musst dich niemals vor mir verstecken.“, sage ich ihr ernst und drücke ihr Gesicht leicht nach oben und hauche einen Kuss auf ihren Mund. Dann verschwindet sie wieder in die Kabine und zieht sich um. Als sie wieder herauskommt, bezahlen wir eben das Kleid und laufen dann gelassen den Weg zum Auto entlang.

„Wir fahren eben nach Hause, dann ziehen wir uns um und fahren dann zu einem kleinen Restaurant in Port Angeles. Es ist klein, aber nobel.“, lächele ich und drücke sie einen Moment fester an meine Seite.

~◊~


Die Tür geht auf und Bella schreitet lächelnd hindurch. Ihre Haare fallen ihr locker herab und sie lächelt mich an. Ich folge ihr und schaue mich einen Moment in dem dämmrigen Licht um. Viele runde Tische sind im Raum verteilt und kleine Nischen in den Ecken geschaffen. Eine Kellnerin kommt auf uns zu und führt uns wortlos zu einer Nische. Sie lächelt uns freundlich zu und verschwindet. Bella schaut mich einen Moment fragend an und setzt sich auf die Bank. Ich setze mich gegenüber von ihr hin.

„Meine Familie ist hier bekannt.“, lächele ich und nehme ihre Hand über den Tisch hinweg. „Ich glaube, ich werde heute die meiste Zeit reden.“

Bella kichert und lacht mich an.

Die Kellnerin kommt zurück und hält mir die Karte entgegen. Sie verschwindet wieder und lässt uns alleine. Ich wende mich einen Moment der Karte zu und Bella ebenfalls. Dann lächelt sie mich wieder an und zeigt auf ein Gericht auf der Karte.

Während dem Essen erzähle ich von der Gründung der Schule und wie es schlussendlich dazu kam, dass unsere Schule später als beste Schule des Landes ausgezeichnet wurde. Jeder begehrt einen unserer Plätze an der Schule und viele wünschten sich, hier zur Schule zu gehen. Bella hört mir interessiert zu und lächelt verspielt.

Aber nach dem Essen macht sich die Erschöpfung bei Bella breit. Sie sitzt mehr zusammengesunken auf der Eckbank und ihre Augen versucht sie verzweifelt aufzuhalten.

„Lass uns nach Hause gehen.“, sage ich leise und sie schaut mich geschockt an. Ich stehe auf, lege genug Geld auf den Tisch und halte ihr meine Hand hin. Sie nimmt sie und steht auf. Ich drücke sie einen Moment an meine Brust und dann laufen wir zusammen nach draußen in die kühle Luft. Wir laufen wieder das kleine Stück zum Auto und ich helfe ihr beim einsteigen. Kaum sinkt sie in den Sitz zurück, schließt sie ihre Augen. Ich setze mich neben sie und schon ist sie eingeschlafen. Ich fahre nach Hause und trage sie anschließend in ihr Zimmer. Ich ziehe ihr nur noch die Schuhe aus und decke sie zu. Ich küsse sie auf die Stirn und verschwinde aus ihrem Zimmer.

Bellas Sicht:


Ich schlage meine Augen auf und die Sonnenstrahlen zwingen mich dazu, sie wieder zu schließen. Wieso muss ausgerechnet jetzt in Forks schönes Wetter sein? Wieso kann das Wetter nicht einmal meine Gefühle wiederspiegeln? Vielleicht tun sie das ja auch. Ich muss über den grotesken Gedanken lächeln und setze mich auf. Ich fahre mir mein Haar nach hinten und blinzele gegen das Licht an. Ich kann die Bäume draußen erkennen, die noch viel grüner erscheinen, als vor ein paar Tagen. Erst jetzt bemerke ich, dass ich alleine bin und seufze tonlos auf.

Ich habe gestern sehr viel von der Schule erfahren. Viel mehr, als man mir schon erzählt hat oder im Internet finden konnte. Ich muss lächeln, was für interne Probleme es zu Anfang gegeben hat. Aber jetzt schüttele ich den Gedanken ab und setze mich auf. Ich muss immerhin wieder zum Unterricht. Ich wälze mich aus dem Bett und im Badezimmer betrachte ich mich erst mal eingehend. Leichte Augenringe zeichnen sich noch unter meinen Augen ab. Meine Augen selber sind dunkel und leuchten nicht mal mehr. Mein Gesicht ist eingefallen. Meine Haare liegen matt an meinem Gesicht herunter und meine Schultern sind eingesunken. Ist die Chemo doch schlimmer als gedacht? Ist der Krebs wieder da? Wieso sagt es mir denn keiner? In mir steigt die Panik, da ich mich schon lange wieder vollständig vom letzten Freitag erholt haben müsste. Wir haben immerhin schon Mittwoch. In einer Woche wäre die nächste Chemo.

Ich habe keine Kraft um mich zu duschen, daher wasche ich mich, kämme mir die Haare durch und binde sie zu einem Zopf zusammen. Mein Gesicht versuche ich gar nicht erst zu vertuschen, das würde nur gekünstelt aussehen. Dann gehe ich in die Mensa und hole mir etwas zu essen. Ich habe nicht wirklich Hunger, aber ich zwinge mich wenigstens dazu einen Apfel zu essen. Gerade als ich aufstehen will, steht Esme neben mir.

„Du solltest mehr essen. Du bist immer noch erschöpft.“, stellt Esme fest und ich senke meinen Kopf. Dann schaue ich sie eindringlich an und hoffte, sie wüsste mehr als ich. Aber sie schaut mich nur mitleidig an. Leider habe ich meinen Block im Zimmer liegen lassen, sonst würde ich sie fragen, ob sie mit mir zum Arzt fahren würde.

„Ms. Varner wartet bestimmt schon auf dich.“, lächelt Esme einen Moment später gequält und verschwindet. Ich schaue ihr noch einen Moment hinterher und bereue es, dass ich sie letzte Woche bei der Chemo dabei gelassen habe. Ich schüttele den Kopf und verschwinde schnell in mein Zimmer und hole die Sachen. Als ich das Zimmer verlasse, steht Edward schon davor. Als er mich erblickt, lächelt er und nimmt mein Gesicht zwischen seine warmen Finger. Ich merke wie er leicht zusammenzuckt, aber dann seine Lippen auf meine legt. Ich löse mich schnell von ihm, da ich ihm nicht meine Gefühle offenbaren will und verschwinde den Gang. Edward folgt mir schnell und verwebt unsere Finger miteinander.

„Du bist ja ganz kalt.“, lächelt er gespielt lächelnd, aber ich kann auch in seinen Augen die Besorgnis erkennen. Schnell sind sitzen wir im Klassenzimmer und da kann ich mich vor Zetteln nicht mehr retten, aber als ich darauf schaue steht da nur >>Für Edward<<.

Ich reiche ihn weiter und Edward schaut mich verdutzt an. Er lächelt gequält und schmeißt die Zettel ungelesen auf den Boden. Wieso liest er sie denn nicht?

Der Unterricht fliegt nur so an mir vorbei und ich mache mich auf den Weg zu Esmes Büro. Ich möchte sie gerne bitten mit mir zum Arzt zu kommen. Ich möchte endlich wissen was los ist. Aber wieder höre ich Stimmen aus der Tür kommen. Die Tür ist nur angelehnt und ich kann das Gespräch ungewollt verfolgen.

„Sie macht mir Angst.“, flüstert eine männliche Stimme eindringlich.

„Sie isst nicht mehr viel und heute Morgen schien sie sehr ins sich gekehrt.“, sagt Esme leise.

„Ich habe heute Morgen ihre Hand genommen und sie war eiskalt. Ihr ganzer Körper war eiskalt. Irgendwas stimmt da nicht. Aber ich weiß nicht, ob Bella es weiß.“, sagt die männliche Stimme wieder. Es muss Edward sein. Wieso redet er über mich? Mit seiner Mum.

„Vielleicht sollten wir…“, beginnt Esme, aber da steigt in mir solch eine Wut hoch, dass ich ins Zimmer stürze. Sie fahren zu mir herum und schauen mich mit schreckenserweiterten Augen an.

„Bella…“, findet Edward als erstes seine Stimme wieder. Er will auf mich zukommen, aber ich hebe nur warnend meine Hand und gehe einen Schritt zurück. Edward bleibt stehen, lässt die Hand, die er erhoben hat, wieder sinken und senkt den Blick.

Ich nehme den Zettel, der in meinen Fingern zerdrückt wird und lege ihn Esme auf den Tisch. Dann drehe ich mich um und laufe wütend aus dem Raum und auf den Vorplatz der Schule. Ich setze mich an den Brunnen, stütze meinen Kopf auf die Knie und schluchze tonlos. Ich bin verzweifelt und sie haben nichts Besseres zu tun, als sich über mein Befinden zu unterhalten.

Ich muss mir unbedingt ein eigenes Auto kaufen. Vielleicht sollte ich heute… Die Tür der Schule schlägt krachend auf und Edward kommt über den Kiesweg auf mich zu. Er hält die Hände in die Hüften gestützt und funkelt mich an.

„Du belauschst unsere Gespräche und bist dann wütend darüber, was wir besprechen?“, knurrt er mich an und ich wende mich einfach von ihm ab. Ich kann ihm sowieso nicht antworten und meine Gefühle zum Ausdruck bringen. Mir laufen vor Wut und Verzweiflung die Tränen die Wange herab und im nächsten Moment stürme ich an ihm vorbei zurück in die Schule. Ich möchte mir nicht weiter Vorwürfe machen lassen. Immerhin wollte ich nur zu Esme und habe daraufhin das Gespräch mitbekommen.

„Bella.“, schreit er mir hinterher, aber das lässt mich nur schneller die Treppen nach oben stürmen. Ich knalle die Tür meines Zimmers laut zu und suche in einer kleinen Tasche mein Geld zusammen. Dann reiße ich die Tür wieder auf, Edward schaut mich mit weit aufgerissenen Augen an und kann mir nur hinterher starren, als ich wieder an ihm vorbeistürme.

„Jetzt bleib doch mal einen Moment stehen.“, schnauzt Edward mir hinterher. „Ich bin dir doch nicht böse.“

Das soll ich ihm jetzt glauben? Er schreit mich wütend an, aber er ist nicht böse auf mich. Wer glaubt das dann? Ich stürme derweil weiter die Treppen nach unten und laufe direkt in Carlisle. Ich habe oben noch einen Zettel geschrieben, welchen ich Carlisle geben will. Ich reiche ihm den Zettel schnaubend und er schaut mich besorgt an.

„Natürlich.“, sagt er und schaut an mir vorbei. Edward steht hinter uns und betrachtet mich eingehend. „Dann lass uns fahren.“, sagt Carlisle in meine Gedanken und führt mich nach draußen. Da Esme mir nicht helfen möchte, frage ich eben den Arzt in der Familie. Zuerst würde er mich zu meiner Ärztin bringen und anschließend würde er auch mit mir nach einem Auto schauen. Ich bin ihm wirklich dankbar dafür.

~◊~


Ich habe auch einen Zettel für meine Ärztin geschrieben, den ich ihr jetzt reiche. Sie liest ihn ausgiebig durch und seufzt dann leise auf. Sie schaut mich mitfühlend an und wechselt dann einen Blick zu Carlisle.

„Ich wollte sie nicht beunruhigen und habe mir daher gedacht, dass wir das erst bei der zweiten oder dritten Chemo besprechen müssen, aber da ihr Körper nun schon stärker angegriffen ist, müssen wir wohl jetzt schon darüber reden.“, beginnt die Ärztin nachdenklich. Dr. Lessing knetet ihre Finger aneinander und betrachtet eingehend ihre Finger, bis sie plötzlich wieder zu mir hochschaut.

„In der Blutuntersuchung ganz am Anfang, hat es sich herausgestellt, dass wieder Krebszellen in ihrem Körper arbeiten. Da sie jetzt auch in ihrem Blut zu finden sind, kann man davon ausgehen, dass es nicht nur ihr Gehirntumor ist, sondern auch Leukämie. Es tut mir leid. Wir dachten, dass sie die stärker dosierte Chemotherapie vertragen und wir dem Krebs entgegen beugen könnten.“, sagt Dr. Lessing mitfühlend. (Ich weiß nicht, ob man das so heraus findet :S) Es rauscht in meinen Ohren, ich bekomme nichts mehr mit und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Leukämie. Zusätzlich zu meinem Gehirntumor. Habe ich nicht schon genug mitgemacht? Habe ich nicht auch mal Glück verdient? Darf ich nicht leben? Muss ich jetzt sterben?

Ein Zettel liegt vor mir und ich greife mechanisch danach. Ich kritzele Wörter darauf und kann mich kaum darauf konzentrieren. Noch immer schiebt sich ein Wort in meinen Kopf, welches mich lähmt. Was mich zusammenfahren lässt.

„Ihre Chancen sind dadurch leider noch mehr gesunken. Wir geben noch nicht auf, aber sie sollten sich schlimmstenfalls auf das Schlimmste vorbereiten. Wir setzen sie in die Liste zur Knochenmarkspende und hoffen, dass wir ihnen so helfen können.“, sagt Dr. Lessing weiter, aber ich höre nur, aber kann es nicht verarbeiten. Ich starre einfach nur geradeaus und versuche meine Gedanken abschweifen zu lassen. Ich will nicht mehr daran denken. Einen Moment nicht mehr an das Ende denken. Das Ende, welches jetzt immer näher rückt.

>>Wie lange, wenn nichts hilft? <<, kritzele ich wieder auf ein Zettel.

„Es kann noch ein Jahr oder sogar zwei Jahre sein. Ihr Gehirntumor ist entfernt und eigentlich ist die Chemo nur sicherheitshalber angelegt gewesen. Jetzt wird damit ihre Leukämie bekämpft. Wir suchen nach einem Knochenmarkspender für sie.“, sagt Dr. Lessing und wartet gespannt, ob noch eine Frage kommt. Ich stehe aber nur auf und reiche ihr meine Hand. „Dann sehen wir uns nächste Woche zur nächsten Chemo.“

Ich schaue kurz zu Carlisle, der mich mitfühlend anschaut. Ich laufe nur nach draußen und lehne mich an die nächste Wand. Vielleicht sterbe ich schon bald.

Edwards Sicht:


Ich stehe hinter der Tür und schaue gespannt auf die Tür. Die Tür nach draußen ist immer noch fest geschlossen und ich kann plötzlich nicht mehr ruhig sitzen. Ich gehe nach draußen und laufe um den Brunnen. Der Brief an Esme hat mich sehr beunruhigt. Sie hat ihn mir gegeben und ich habe nur geschockt darauf starren können, bis ich losgestürmt bin. Ich wollte sie noch kriegen, aber sie hat mich einfach abblitzen lassen.

Ich laufe nochmals um den Brunnen und da höre ich, wie sich zwei Wagen unserer Schule nähern. Erst kommt der schwarze BMW von Dad ins Blickfeld. Dahinter fährt ein roter Mini Cooper. Am Steuer erkenne ich Bella, die übers ganze Gesicht strahlt. Sie hat sich ein eigenes Auto gekauft. Aber ich kann von hier auch die quälenden Augen sehen. Sie hat wohl schreckliches erfahren und jetzt muss ich ihr erst mal beweisen, dass ich nicht wütend auf sie bin. Damit sie mir erzählen kann, was los ist. Aber ich könnte auch Dad fragen, er war sicherlich dabei. Aber ich möchte es von Bella hören. Möchte mich versichern, dass alles gut ist. Sie stellt den Wagen neben den von Dad in die Garage und steigt aus. Sie kommt mit Dad zusammen zur Haustür und bleibt stehen, als sie mich sieht. Dad schaut besorgt zu Bella und dann zu mir, aber da Bella nickt, verschwindet er in der Schule. Sie kommt gequält auf mich zu und ich nehme sie in den Arm. Ich drücke sie an mich und drücke ihr Küsse auf den Kopf.

„Ich bin dir nicht wütend. Ich mach mir doch nur Sorgen um dich.“, sage ich leise und mit den Worten, bricht Bella vollständig in sich zusammen. Ihre Knie geben nach und sie will auf den Boden sacken, aber da ich sie in den Armen halte, bleibt sie an meine Brust gedrückt. Ich hebe sie richtig hoch und trage sie ins Gebäude und anschließend in ihr Zimmer. Ich lege sie aufs Bett und decke sie zu. Ich möchte sie ausruhen lassen, aber sie streckt ihre Hände in meine Richtung und ich lege mich zu ihr. Sie kuschelt sich auf meine Brust und schläft dann friedlich ein.

Ich versuche nach einer Weile ihr Notebook zu greifen und lasse ihn hochfahren. Dann beginne ich an einen Brief für sie zu schreiben.

>>Liebste Bella,

Ich liebe dich schon mehr als mein eigenes Leben. Ich will dich beschützen, weil mein Leben ohne dich kein Sinn hat, dabei kenne ich dich noch nicht mal zwei Wochen. Es soll nicht ungläubig wirken, aber es ist einfach so. Ich habe mich einfach verliebt und kann mich nicht mehr dagegen wehren…


Weiter kann ich nicht weiterschreiben, weil Bella sich in meinen Armen unruhig bewegt. Ich kann gerade noch den ganzen Text löschen, bevor sie die Augen aufschlägt und zu mir hochschaut. Ich lächele sie etwas gequält an und küsse sie leicht auf die Stirn. Sie schließt ihre Augen und versinkt kurz in die Berührung, bis sie den Blick zu dem Notebook wandern lässt. Sie setzt sich auf und zieht das Notebook zu sich heran. Sie dreht es so, dass ich keinen Blick darauf werfen kann. Ich lasse sie tippen und schaue einfach aus dem Fenster. Die Vögel zwitschern aufgeregt und flattern vor dem Fenster hin und her. Die Sonnenstrahlen streifen nur noch das Fenster und das Zimmer scheint dadurch dunkler.

Kurz darauf gibt sie mir das Notebook zurück und ich kann die Ziffern kaum erkennen, weil sie vor meinen Augen verschwimmen. Ich kann nicht klar denken, als die Worte in meinen Kopf eindringen.

>>Ich bin dir für gar nichts böse. Ich habe mir ja selber schon Sorgen gemacht.


Weiter kann ich schon nicht mehr lesen. Es ist so schmerzhaft, dass sie sich selbst Sorgen machen muss. Dass sie nicht einfach alles vergessen kann.

>>Ich habe mir so viele Gedanken darüber gemacht, da ich immer noch so schwach bin. Selbst gerade bin ich einfach eingeschlafen. Mein Körper kämpft so sehr dagegen an. Ich habe…


Ich muss einen Moment meine Augen schließen, bevor ich mich wieder auf die Zeilen konzentrieren kann.

>>… nicht nur einen Gehirntumor…


Ich kann immer weniger erkennen, aber die Wörter springen mir dann plötzlich mit voller Wucht entgegen. Mein Herz droht stehen zu bleiben. Verzweiflung macht sich breit.

>>… sondern auch Leukämie…


Mein Herz pocht, setzt einmal aus und schlägt dann schneller weiter.

>>…Es tut mir so leid. Ich wollte für dich stark sein. Für dich kämpfen. Nur für dich. Aber ich weiß nicht, ob ich das auch noch schaffe. Es tut mir so leid. Ich weiß nicht, ob ich genug Kraft habe. Ich will es für dich versuchen, aber sei mir nicht böse, wenn ich es nicht schaffe…


Sie will aufgeben? Aber für mich weiter machen? Will sie sich das wirklich antun? Sie muss sich aber nicht dafür entschuldigen. Ich lege das Notebook zur Seite und drücke sie an mich.

„Du musst dich für gar nichts entschuldigen.“, flüstere ich leise. „Du tust dein Bestes und ich werde immer an deiner Seite sein.“