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Ikhnys Lächeln

von ZeroEnna
GeschichteDrama / P12 / Gen
30.05.2012
30.05.2012
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30.05.2012 1.172
 
Es war Anfang Juni, als Hiead und ich das erste Mal zusammen einen simulierten Kampfeinsatz durchlaufen mussten. Hiead hatte aus der Simulationskapsel heraus seine Bereitschaft signalisiert. Es war nun an mir, ihm den Rücken freizuhalten, und möglichst präzise Informationen zu geben.

"Wir haben zwei Victims vom Typ B. Einer ist in etwa 2,5 km Entfernung auf 2 Uhr, der zweite ist in wenigen hundert Metern Entfernung direkt hinter dir auf 6 Uhr."
Das war alles. Mehr Informationen gab ich ihm nicht.
"Sehr gut Ikhny, kurz und knapp", lobte mich auch mein Ausbilder Azuma Hijikata.

"In ein paar Minuten bist du außerhalb des..."

"Halt die Klappe, ich schaff es ganz gut ohne dich", knurrte Hiead über das InterCom. Ich schluckte.

"Ist gut", sagte ich kleinlaut, und blickte zerknirscht auf die Anzeigen. Alle Werte waren im Normbereich. Abgesehen von der Tatsache, dass in einem echten Kampf in wenigen Augenblicken jeglich Kommunikation zwischen mir und Hiead abgerissen wäre, da er sich mittlerweile fast schon außer Reichweite befand.

Hiead schaffte es mühelos, beide Victims aus dem Weg zu räumen. Ich hatte nichts anderes erwartet. Hiead verließ die Kapsel, und ging schnurstracks an mir vorbei nach draußen. Ich blieb einen Moment lang stehen.

"Du bist entlassen Ikhny. Denk dran dass du heute Nachmittag Sonderunterricht bekommst." Ausbilder Azuma stand direkt vor mir und riss mich aus meinen Gedanken.

"Ja", sagte ich knapp und verließ den Raum. Wie ich es hasste. Sonderunterricht bedeutete für mich, ich würde mit zig anderen Lotsinnen in einem Raum sitzen, und wir würden über sinnlose Dinge diskutieren. Warum? Damit meine soziale Kompetenz verbessert würde. Ich seufzte. Auf dem Gang herrschte reges Treiben. Unzählige Schüler hatten den Kampf auf Monitoren verfolgt. Auch Kizna und ihr Partner standen dort.

"Hey", begrüßte mich Kizna freudig. "warst klasse."

"Danke", lächelte ich, obwohl ich mich zu einem Lächeln zwingen musste.

"Hiead kann stolz sein, eine Partnerin wie dich zu haben."

"Ich denke, er ist sich dessen bewusst", antwortete ich unsicher.
Kizna musterte mich fragend. Sie ahnte, dass ich mir meiner eigenen Worte nicht sicher war. Um die Situation zu retten sagte ich hastig "Iich muss dann auch mal wieder." und verschwand eilig im nächsten Gang.

Ich war enttäuscht. Hiead hatte nicht ein Wort mit mir gewechselt. Ich blieb in einem abgelegenen Gang stehen und schluckte meine Trauer herunter. Zero hatte - wenn auch etwas grob - Kizna für ihre Hilfe gedankt, und auch Clay und die anderen zeigten so etwas wie Wertschätzung für die Arbeit ihrer Lotsinnen. Doch Hiead? Nichts. Verdammt!

In mir brodelte es. Ich mochte nach außen hin schüchtern wirken, doch nur, weil ich meine wahren Gefühle zurückhielt. Seit ich hier auf der Academy war, gab es für mich immer den gleichen Tagesablauf. Wir trainierten, lernten, trainierten, schliefen, trainierten, lernten.... Und in den meisten Fällen bekamen wir dafür nicht einmal Lob.
Nein, das stimmte nicht. Wir bekamen Lob für unsere Arbeit. Aber auch nur, wenn wir uns wirklich bemühten. Dass man mich nicht lobte, hieß wohl, dass ich mich nicht genug angestrengt hatte.

"Hey, alles in Ordnung?"

Hinter mir hörte ich eine Stimme. Als ich mich umdrehte stand einige Schritte von mir entfernt die Nr.1-Pilotin Teela Zain Elmes.
"Ja, ähm, alles in Ordnung", antwortete ich hastig. "Ich brauchte nur mal einen Moment für mich."

"Du lügst", sagte sie kalt. Ich schluckte. Sie machte einige Schritte auf mich zu, bis sie bis auf wenige Zentimeter an mich herangerückt war.

"Also?"

"Ach, allso...es ist nichts, alles okay!" Ich wich zurück, drehte mich um und rannte davon. Nach einer Biegung blieb ich stehen, und sah zurück. Teela hatte sich mittlerweile abgewandt und ging in die Richtung aus der sie gekommen war.
Ich hatte mich zunächst ein wenig verlaufen, aber nach einigen Kreuzungen und Kurven wusste ich wieder wo ich war und hastete so schnell es ging in mein Quartier. Dort legte ich mich aufs Bett und weinte. Warum konnte ich nicht so sein wie Kizna. Sie hatte ihren Partner voll im Griff, konnte ihm Paroli bieten, und war stark. Und ich?


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Ich musste eingeschlafen sein, denn als ich wieder aufwachte, war Kizna über mich gebeugt. "Hey du Schlafmütze", sagte sie lächelnd. "Ausbilder Azuma sucht dich schon die ganze Zeit."
Ich erschrak. "Oh nein, ich habe das Spezialtraining vergessen."
Kizna lächelte, und legte mir ihre Hand auf die Stirn.

"Du bist ganz warm. Ich denke du solltest lieber hier bleiben. Ich sage Azuma Bescheid, dass du heute nicht am Training teilnehmen kannst."

"Nein das geht nicht", wollte ich protestieren, doch Kizna war schon verschwunden.

Es war keine gute Idee, das wusste ich, aber ich fühlte mich wirklich nicht gut. Ich döste wieder ein, bis ich auf dem Gang eine Stimme hörte, die mir sehr vertraut war.

"Anwärter Nummer 87, Hiead Gner, Partner von Ikhny Alecto."

Hiead wollte augenscheinlich zu mir, doch da die Türen auf dem Lotsinnendeck nur mit den jeweiligen Karten funktionierte, musste der Pilot - wollte er zu seiner Lotsin - eine Sondergenehmigung vorweisen, die in Form einer Stimmprobe abgeglichen wurde.

Die Tür öffnete sich, und Hieads kalte Augen wanderten durch den Raum. Als er mich auf dem Bett liegen sah, ging er schnurstraks auf mich zu, und blieb vor dem Bett stehen.

"Hallo Hiead", sagte ich zögernd. Hiead hob die Hand, holte aus, und schlug mir ins Gesicht. Meine Haut brannte, und mein Kopf wurde brutal zur Seite gerissen. Ich spürte, wie meine Halswirbel knirschten. Ich rang um Atem.
"Du bist unfähig. Deinetwegen werde ich meine Fähigkeiten nicht verbessern können." Seine Hand griff nach meinem Kragen, und ohne Probleme zog er mich zu sich hoch. "Ich werde Pilot, verstanden? Und wenn du mir dabei nicht hilfst, dann werde ich mich nach einer anderen Lotsin umsehen, kapiert? Ich brauch dich nicht. Deine ständigen Fehler werden mich meinen Platz auf dieser Academy kosten!"

Hiead warf mich unsanft zurück auf das Bett, drehte sich um und verließ meinen Raum.
Ich blieb allein Zurück. Noch immer brannte meine Wange. Hiead hatte mich geschlagen, bestraft dafür, dass ich nicht seinem Willen gehorchte.
Kurze Zeit später kam Kizna zurück.
"Was ist los?", fragte sie. Eilig lief sie an mein Bett und legte ihre Hand auf meinen Rücken.
"Hey, warum weinst du?"
"Hiead hat..." Ich sprach nicht weiter. Das brauchte ich nicht. Hieads Hand hatte einen deutlichen Abdruck hinterlassen.
"Dieser Mistkerl. Das müssen wir sofort melden!"
"Nein", antwortete ich hastig. "Nein, ist schon okay."
"Aber er hat gegen die Schulregeln verstoßen."
"Es ist in Ordnung. Ich....es ist meine Schuld. Ich habe ihn provoziert."

Es tat mir weh, Kizna anzulügen. Doch es war besser so. Lieber würde ich lügen als Hiead im Weg zu stehen. Er hatte Recht. Ich hatte ihn enttäuscht.
 
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