Vaterfreuden

GeschichteMystery, Familie / P16
Detective Nick Knight Dr. Natalie Lambert OC (Own Character)
28.05.2012
03.05.2013
5
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Vaterfreuden

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Die vorliegende Geschichte hat den Pilotfilm von „Nick Knight, der Vampircop“ zum Ausgangspunkt:

Nick verliebt sich während eines Falls in die Archäologin Alice Hunter, die in einem historisch-archäologischen Museum als Assistentin des Direktors arbeitet. Sie findet heraus, dass er ein Vampir ist und wird dabei von LaCroix bemerkt, aus dessen Händen Nick sie befreien kann. Als es allerdings in Nicks Wohnung zum Kampf zwischen ihm und seinem Meister kommt, gelingt es LaCroix, Alice zu beißen. In dieser Geschichte allerdings überlebt sie diesen Angriff und bleibt ein Mensch. Was das für Folgen hat, könnt ihr hier nun lesen.

Viel Spaß dabei.

Eure Kim

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*Prolog*




Die letzten Flammen erloschen gerade, während Nicholas Alice in seinen Armen hielt und Tränen über seine Wangen liefen. Es war allein seine Schuld, dass die junge Archäologin durch LaCroix den Tod gefunden hatte. Warum nur hatte er bei seinem letzten Kampf mit seinem Meister nicht überprüft, ob dieser wirklich vernichtet worden war? Aber nein, ihm hatte es ja gereicht, dass LaCroix an einem Fleischerhaken hing und sich nicht rührte. Doch dieser hatte es wieder einmal geschafft, ihn reinzulegen, um ihn später desto besser quälen zu können. Der Alte musste gespürt haben, wie sehr er in Alice verliebt war. Und die junge Frau schien seine Gefühle erwidert zu haben. Anders war ihr Angebot, dass er ihr Blut trinken sollte, um LaCroix zu besiegen, nicht zu verstehen. Ach, er hätte sich einfach von der hübschen Sterblichen fernhalten sollen. Dann wären sie sich niemals näher gekommen und sie würde jetzt noch leben…

Nicholas schloss seine Augen und drückte einen innigen Kuss auf Alice‘ Stirn.

„Verzeih mir“, schluchzte er leise. „Bitte, verzeih mir!“

„Hm…“, stöhnte sie plötzlich leise.

Erschrocken starrte Nicholas die junge Frau an. Konnte es sein, dass…?

„Alice? Alice, hörst du mich?“

„Hm…“, kam es abermals und nun erst bemerkte Nicholas, dass ihr Herz schlug.

Sie lebte!

Alice lebte!

Beglückt schloss er sie erneut in die Arme und murmelte: „Keine Angst, Alice, es wird alles wieder gut.“

Äußerst vorsichtig nahm er sie auf seine Arme und trug sie zu seiner Couch, wo er sie behutsam niederlegte und mit einer weichen Decke zudeckte. Dann wählte er rasch Natalie’s Nummer und schilderte ihr kurz, was geschehen war.

„Ich komme sofort, Nick“, versprach die Gerichtsmedizinerin. „Was ist mit Jeanny?“

„Sie wartet bestimmt draußen, aber ihr ging es vorhin besser als Alice jetzt. Bitte, beeil dich, Nat. Alice lebt zwar, aber sie ist sehr schwach und ich habe Angst, sie doch noch zu verlieren. Nat, sie darf nicht sterben! Das könnte ich nicht ertragen!“

„Nur nicht die Nerven verlieren, Nick! Wir sind gleich da!“

„Wir?“

„Schanke hat bereits ein Polizeiteam geschickt, da er unabhängig von dir herausfand, wer hinter den Morden an den Obdachlosen steckte. Sie müssten eigentlich jeden Augenblick da sein!“

„Was?“ entfuhr es dem Vampir, doch da hatte Natalie bereits aufgelegt. Ungläubig starrte er den Hörer an, dann legte er ihn wieder auf die Gabel. Und gleich darauf hörte er Sirenengeheul, das ihm unmissverständlich ankündigte, dass seine Kollegen endlich ankamen. Sie würden sich schon um Jeanny kümmern, während er bei Alice bleiben konnte. Bei Alice, die glücklicherweise lebte.

Dankbar stieß er einen Seufzer aus und sah wieder auf die junge Archäologin hinab. Sie hatte die Augen geschlossen und atmete ruhig. Sanft strich er ihr eine ihrer braunen Haarsträhnen aus dem Gesicht und küsste sie leicht auf den Mund.

Dann richtete er sich auf und sah sich in seinem Wohnraum um. Vor dem großen Fenster, dessen Glasscheibe durch das Eindringen von LaCroix zerstört worden war, lag der tote Körper von Dr. Fenner, dem der alte Vampir ein Ende bereitet hatte.

Es war eine Ironie des Schicksals, dass LaCroix genau im richtigen Augenblick gekommen war. Ansonsten hätte der mörderische Arzt Alice wohl schwer verletzt. Nun ja, dafür versuchte der alte Vampir wenig später, sich an Alice‘ Blut zu laben und sie auf die dunkle Seite zu holen. Doch zum Glück konnte Nick das Letztere gerade noch verhindern, indem er seinem Meister, der ihn geschwächt und kampfunfähig glaubte, den abgebrochenen, brennenden Holzstiel des Besens in den Körper rammte und LaCroix gegen die Wand drückte. Schon einige Sekunden danach war LaCroix verschwunden und Nick sah nur noch, wie der Besenstiel zu Boden fiel. Er konnte kaum glauben, dass sein Meister endlich tot war…

„Ich bin frei“, dachte Nicholas beglückt und starrte jetzt nachdenklich auf die Stelle an der Wand, an der der alte Vampir sein Ende fand. „Endlich bin ich dich Quälgeist los. Und Alice hat deinen Angriff überlebt… ja, LaCroix, du bist endgültig besiegt!“

Nicholas ahnte nicht, wie sehr er sich hierin irrte…



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1. Kapitel: Ankunft in Toronto




Toronto, 17 Jahre später:

Sie stand auf der anderen Straßenseite und betrachtete sich eingehend das Gebäude, in welchem sich die Mordkommision der Metro-Police befand. Wenn sie dem Tagebuch ihrer Mutter Glauben schenken konnte, arbeitete hinter diesen Mauern ihr Vater als Detective.

Endlich würde sie ihn kennenlernen und ihn von ihrer Existenz in Kenntnis setzen. Etwas, das ihre Mum unverständlicherweise nicht getan hatte. Diese wollte mit ihrem Vater nichts zu tun haben. Weshalb das so war, stand jedoch nicht in Mum’s Tagebuch. Und wenn sie es nicht zufällig beim Aufräumen in Mum’s Nachtschränkchen gefunden hätte, wüsste sie wohl immer noch nicht, wer ihr Vater war.

Das dunkelblonde Mädchen lächelte spöttisch. Zum Glück war Mum mit einem ihrer Kollegen vor zwei Wochen auf eine halbjährige Expedition nach Ägypten gereist und so wohnte sie allein mit den Großeltern in deren Haus. Da sie ein strebsames, ehrgeiziges Mädchen war, das ihrer Mutter und deren Eltern bislang keinen Kummer bereitete, ließen ihr die alten Herrschaften viel Freiheit und kontrollierten sie kaum. Die Sommerferien hatten letzte Woche angefangen und deshalb hatten ihre Großeltern, die ihr völlig vertrauten, auch nichts dagegen, dass sie für ein paar Tage nach Toronto fuhr, um angeblich eine Brieffreundin zu besuchen, die sie letztes Jahr im Feriencamp kennengelernt hatte. Nie wären ihre Großeltern auf die Idee gekommen, dass es sich dabei um eine Lüge handelte. Denn diese Brieffreundin existierte nicht. Nun, sie war erst vor zwei Stunden in Toronto angekommen und hoffte, ihr Vater würde sie bei sich aufnehmen. Eigentlich konnte er gar nicht anders, denn sie kannte niemanden in Toronto, hatte nirgendwo ein Zimmer reserviert und wusste deshalb auch nicht, wohin. Sicher würde sich ihr Vater verpflichtet fühlen, sie aufzunehmen.

Mit dieser Gewissheit straffte das junge Mädchen seine Schultern und überquerte die Straße. Vor dem Eingang des Polizeireviers blieb sie noch einmal stehen und starrte auf die Tür. Sollte sie jetzt wirklich da reingehen und nach ihrem Vater fragen? Was, wenn er ihr nicht glaubte? Ach was, dann sollte er sich ihre Geburtsurkunde aus Vancouver schicken lassen. Außerdem hatte sie Mum’s Tagebuch mit, wo ja unmissverständlich drin stand, dass er vor 17 Jahren eine Affäre mit dieser hatte und sie bald darauf schwanger war. Einen besseren Nachweis gab es wohl kaum…



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Der junge Sergeant staunte nicht schlecht, als ein halbwüchsiges Mädchen mit kinnlangem, glattem, dunkelblondem Haar und dunklen Augen, das auf ihrem Rücken einen großen Rucksack trug, während sie in einer Hand einen Geigenkasten mit sich schleppte, selbstbewusst auf ihn zuschritt und ihm ein Lächeln schenkte. Er lächelte zurück und fragte: „Kann ich etwas für Sie tun, Miss?“

„Das hoffe ich sehr“, entgegnete der Teenager. „Ich bin eine Verwandte von Mr. Nicholas Knight und gerade erst angekommen. Könnte ich ihn wohl sprechen?“

„Nicholas Knight?“ fragte der Sergeant verwundert. Dann schüttelte er den Kopf und meinte mit einem Ausdruck des Bedauerns in der Stimme: „Es tut mir wirklich sehr leid, aber Mr. Knight arbeitet schon seit ein paar Jahren nicht mehr hier. Sie haben wohl nicht gerade einen besonders engen Kontakt zu ihm, oder?“

„Nein, denn ich war noch sehr klein, als er meine Mutter verließ, und kann mich kaum an ihn erinnern“, sagte das Mädchen und blickte den Polizisten enttäuscht an. „Was soll ich denn jetzt machen? Ich muss Mr. Knight wirklich sehr, sehr dringend sprechen und bin deshalb extra nach Toronto gekommen.“

„Warten Sie, Miss, vielleicht kann Ihnen einer meiner Kollegen helfen“, meinte der Sergeant und wählte eine hausinterne Nummer. Als jemand abhob, sagte er: „Schanke, könntest du bitte mal nach vorne kommen? Hier ist eine junge Dame, die nach Knight gefragt hat.“

„Ist sie hübsch?“ wollte sein Gesprächspartner wissen.

Der Sergeant sah sich kurz um und meinte: „Ja, und sie ist eine Verwandte von Knight, die ihn dringend sprechen muss. Also, beeil dich!“

Dann legte der junge Mann auf und wandte sich freundlich wieder dem Mädchen zu.

„Warten Sie bitte einen Augenblick, Miss. Mein Kollege kommt sofort.“

„Danke! Sie sind wirklich überaus zuvorkommend und hilfsbereit.“

„Dafür bin ich hier. Ich hoffe nur, dass mein Kollege Ihnen auch wirklich weiterhelfen kann.“

In diesem Augenblick kam Schanke mit jovialem Gesichtsausdruck in den Vorraum hineingerauscht, sah sofort den Teenager mit dem Geigenkasten und dem Rucksack und fragte verdattert: „Sind Sie etwa die junge Dame, um die ich mich kümmern soll?“

„Wenn Sie derjenige sind, der mir verraten kann, wie ich Nicholas Knight finde, dann ist es so!“ erwiderte das Mädchen selbstsicher und musterte den Detective eingehend.

„Bevor ich das ernsthaft in Erwägung ziehe, müssen Sie mir verraten, wer Sie sind und was genau Sie von meinem Freund Nick wollen!“ forderte Schanke sie auf.

„Oh, Mr. Knight zählt also zu Ihren Freunden?“ stellte die Halbwüchsige fest und lächelte nun etwas entspannter. „Dann können Sie mir also wohl tatsächlich weiterhelfen.“

„Wer sind Sie?“ fragte Don erneut und musterte sie misstrauisch. „Und was wollen Sie von Nick?“

„Nun, Mr. Schanke“, begann das Mädchen mit süffisantem Lächeln, während ihrem Gegenüber der Mund vor Staunen aufklappte. „Eigentlich wäre es angebracht gewesen, dass Sie sich mir erstmal vorstellen. Aber solche Formalitäten sind mir im Augenblick nicht wichtig. Mein Name ist Nicola Hunter und ich bin gekommen, um Nicholas Knight kennenzulernen. Er ist nämlich mein Vater…“



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