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Taken

GeschichteMystery, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Claire Davison Lindsay Donner Peter Axon Professor Anton Hendricks Professor Connor Doyle
26.05.2012
26.05.2012
1
7.300
 
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26.05.2012 7.300
 
Titel: Taken
Autor: DancingStar
Pairing: Connor/ Lindsay
Rating: 12
Kategorie: Drama, Romance, Mystery
Inhalt: Nachdem sie von Außerirdischen entführt wurde, ändern sich die Dinge in Lindsays Leben von grundauf.
Kommentare:  hoffe, ihr alle habt schönes Wetter.


Taken

Als Connor die Augen aufschlug, blickte er zuerst in ein helles Licht. Sein Kopf schmerzte, aber das Gefühl kehrte langsam in seinen Körper zurück, sodass er den Kopf drehte um sich etwas umzuschauen. Auf einer Liege links neben ihm lag eine hübsche Frau mit blonden Haaren. Alleine ihr Anblick genügte, um ihn völlig durcheinander zu bringen.
Sie schlief ebenfalls und nur ein leises Atemgeräusch verriet ihm, dass sie noch am Leben war.
„Hey“, flüsterte er ihr zu, wollte sie aber nicht aufwecken.
Die Frau öffnete die Augen und schaute ihn an. Dabei fiel eine Strähne ihres Haares in ihr Gesicht.
„Hallo“, wisperte sie ebenso leise.
„Wie heißt du?“, wollte er von ihr wissen.
„Das weiß ich nicht“, gestand sie, „Wie ist dein Name?“
„Ich weiß es auch nicht.“
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Dieser Ausdruck kam ihm vertraut vor. Er musste einfach die Hand nach ihr ausstrecken um sich davon zu überzeugen, dass dieses bezaubernde Wesen keine Illusion war.
Als sie es bemerkte, streckte sie ebenfalls eine Hand in seine Richtung. Ihre Finger berührten sich und wieder lächelte die Frau. Sie wagte nicht auszusprechen, dass sich diese Berührung unglaublich schön anfühlte.
Am anderen Ende des Zimmers ging eine schwere Tür auf und ein älterer Mann kam herein. „Wie geht es Ihnen?“, fragte er und nahm seine Brille ab.
„Wer sind Sie?“, wollte Connor als Gegenfrage wissen. Langsam setzte er sich auf und die blonde Frau tat es ihm gleich. Die immer noch heftigen Kopfschmerzen versuchten sie dabei zu ignorieren.
„Ich bin Anton. Anton Hendricks. Wir sind Freunde.“
„Ach wirklich?“, Connor gab ungern zu, dass ihn diese Erklärung durcheinander brachte, aber er hatte im Augenblick nicht genug Energie, um etwas zu unternehmen.
„Ich wüsste gerne, was gestern Abend passiert ist.“ Anton wandte ihnen den Rücken zu.
„Gestern Abend?“, fragte die Frau neben Connor.
„Sie können sich nicht erinnern?“
„Im Moment kann ich mich nicht mal an mich selbst erinnern.“
„Dann werde ich Ihnen etwas auf die Sprünge helfen. Sie waren gestern Abend miteinander aus“, klärte Anton sie auf.
„Sie haben uns nicht verstanden. Wir haben keine Ahnung, wer wir sind. Vielleicht sagen Sie uns erst einmal, wie wir überhaupt heißen.“
„Ihr Name ist Lindsay Donner“, Anton schaute von Lindsay zu Connor, „Und Sie sind Connor Doyle.“ Anton machte eine Pause. „Sie haben wirklich keine Ahnung, wer Sie sind.“
„Nein.“
„Dann sollten wir Sie beide untersuchen“, schlug Anton vor, „Vielleicht finden wir so heraus, warum Sie sich an gestern Abend nicht mehr erinnern können.“ Damit waren Lindsay und Connor einverstanden und so ließen Sie zu, dass Anton ihnen Blut abnahm. Anton erklärte ihnen, dass er vermutete, die beiden seien sogenannten K.O.- Tropfen, einer gefährlichen Droge, zum Opfer gefallen. Aber das Restaurant, von dem Anton in Connors Jacke eine Quittung gefunden hatte, war seriös. Später wollte er deshalb eine Hypnosesitzung mit ihnen durchführen.
„Wie sind wir eigentlich hierhergekommen?“, wollte Lindsay wissen, „Und wo sind wir?“ Sie fand die Einrichtung seltsam. War sie in einer Klinik?
„Das ist das Mobile Labor. Sie arbeiten hier.“
Lindsay nickte wortlos, allerdings half ihr diese Information nicht weiter. Deshalb wiederholte sie ihre Frage: „Wie sind wir hierhergekommen?“
„Die Polizei hat Sie gefunden, als Sie alleine auf einer einsamen Landstraße umhergelaufen und dort zusammengebrochen sind. Zum Glück hatten Sie Ihren Dienstausweis bei sich.“
„Lindsay war alleine?“, fragte Connor verwirrt während Anton ihm Blut abnahm, „Wo war ich zu diesem Zeitpunkt?“ Anton hatte ihnen eben noch erzählt, er und Lindsay hätten den gestrigen Abend miteinander verbracht.
„Das ist etwas kurios: ein weiteres Polizeiteam fand Sie in Ihrem Wagen, fast zwanzig Meilen von Lindsay entfernt. Als die Polizei Sie zu uns brachte, haben wir die Leute in dem Restaurant befragt. Die Kellnerin sagte, Sie hätten das Bella Italia um 22:05 Uhr verlassen. Die Polizei fand Connors Wagen um 22:09 Uhr. Was stimmt daran nicht?“, fragte Anton.
„Es ist unmöglich, 20 Meilen innerhalb von vier Minuten zurückzulegen“, murmelte Lindsay und sie war nicht überrascht, dass Anton nickte. Sie fragte sich, was Anton dachte und sie fragte ihn danach. Schließlich sagte er ihnen, dass sie sich noch eine Weile ausruhen sollten.

„Wie geht’s den beiden?“, fragte Peter besorgt. Er hatte gehört, dass ihnen etwas passiert war und sie sich an den gestrigen Abend nicht erinnern konnten, aber dass sie sich nicht einmal an ihren Namen erinnern konnten, wie Claire ihm erzählte, schockte ihn.
„Es geht ihnen gut, zumindest körperlich“, antwortete Anton, „Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, wissen wir mehr.“ Auch er fand es seltsam, dass Connor einen Weg von 20 Meilen innerhalb von vier Minuten zurückgelegt haben sollte und er hatte bereits eine Ahnung, was passiert war.
„Kann ich sie sehen?“, wollte Peter wissen. Als Anton nickte, stand Peter auf und marschierte in das Zimmer, in dem sich Connor und Lindsay befanden. Er hörte, wie die beiden miteinander redeten. Sie saßen sich gegenüber und als sie ihren Besuch bemerkten, schauten beide etwas misstrauisch auf den Mann. „Hi“, sagte er, „Wie geht es euch?“
„Den Umständen entsprechend“, antwortete Connor, „Wer bist du?“
„Ich heiße Peter. Ich bin dein bester Freund… Könnt ihr euch an etwas erinnern?“
„Nein, wir wissen nicht, was passiert ist“, antwortete Lindsay, „Ich nehme an, du kannst uns nicht helfen.“
„Leider nein. Das tut mir Leid. Glaubt mir, ich würde selbst gern wissen, was passiert ist.“
In diesem Moment öffnete sich hinter Peter die Tür und Anton trat herein. Er beschloss, dass Connor und Lindsay nicht länger im Krankenzimmer des Mobilen Labors bleiben mussten. Vielleicht würde es ihren Erinnerungen auf die Sprünge helfen, wenn sie sich in einer vertrauten Umgebung befanden.

Die Auswertungen ihrer Untersuchungen dauerten bis zum Mittag. Lindsay und Connor saßen mit Peter im Besprechungsraum und aßen. „Ich hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache und habe deshalb bei der Luftwaffe angerufen“, berichtete Peter, „Ratet, was die Herren von der Luftwaffe gesagt haben?“ Er zeigte ihr ein Bild, welches man ihm gefaxt hatte: Auf dem Ausdruck waren zwei große, ovale Lichter zu erkennen.
„Gestern Nacht gab es in der Gegend, in der ihr beide euch befand, eine Sichtung von unbekannten Lichtern am Himmel. Die Lichter standen auf der Stelle und laut Augenzeugen sind sie dann gen Wolken verschwunden… Wie ich schon sagte, ich habe ein ganz mieses Gefühl…“
Sie versuchten, den gestrigen Abend zu rekonstruieren und Peter erzählte von ungewöhnlichen Lichterscheinungen in der Gegend, als Anton Lindsay zu sich rief.
„Lindsay, würden Sie bitte einen Moment zu uns kommen“, bat er und Lindsay war verwirrt. Sie folgte seiner Bitte und betrat den Raum. Lindsay schloss die Tür hinter sich und bemerkte, dass eine Frau ebenfalls anwesend war. „Lindsay, das ist Claire. Sie ist ebenfalls Ärztin“, stellte Anton sie vor als er realisierte, dass sie sie nicht erkannte.
„Ist alles in Ordnung?“, wollte sie wissen. Die ernsten Gesichter der beiden bereiteten ihr Sorgen. „Die Bluttests sind da“, informierte Claire sie, „Wir haben keine Drogen in Ihrem oder Connors Blut finden können aber… Wir haben etwas interessantes herausgefunden.“
Lindsay wurde es eiskalt. „Oh Gott, ich bin doch nicht etwa krank.“
„Nein. Jedenfalls nicht dauerhaft.“
„Was… Wie meinen Sie das?“, Lindsay war verwirrt.
„Sie sind schwanger.“
„Was?!“, sie war entsetzt, „Aber… Aber ich…!“ Ihre Knie gaben nach und sie musste sich setzen. „Wer… Wer ist der Vater des Kindes?… Habe ich einen Freund?“, während Lindsay das fragte, verließ Anton den Raum und ließ die beiden Frauen alleine.
„Das weiß ich nicht, tut mir Leid“, Claire setzte sich zu ihr, „Sie erzählen nicht viel über Ihr Privatleben.“
„Das verstehe ich nicht“, murmelte sie, „Ich würde nie… Also ich würde nie mit Connor ausgehen, wenn ich einen Freund habe mit dem ich ein Kind erwarte.“ Sie würde nie jemanden betrügen, den sie liebte.
„Ich glaube nicht, dass Sie einen Freund haben“, sagte Claire plötzlich.
„Aber Sie haben selbst gesagt, dass ich nicht viel über mein Privatleben erzähle. Vielleicht habe ich Ihnen nichts von meinem Freund erzählt.“ Sie fühlte sich schlecht.
„Sie sind ein sehr ehrlicher Mensch, Lindsay. Wie Sie schon selbst gesagt haben, halte auch ich es für unwahrscheinlich, dass sie mit Connor ausgehen würden in der Absicht, jemand anderen zu betrügen.“
„Vielleicht ist das Baby das Ergebnis aus einem One Night Stand. Aber ich glaube nicht, dass ich so etwas tun würde…“
„Es gibt da noch eine weitere Möglichkeit“, Claire spielte unruhig mit dem Stück Papier, welches sie in den Händen hielt, „Sie beide können sich nicht an gestern Abend erinnern, richtig? In der gleichen Gegend, in der Sie beide sich aufgehalten haben, wurde eine Sichtung von unbekannten Flugobjekten gemeldet, richtig? Was ist wenn…“
„Sprechen Sie es nicht aus!“, ihr wurde schlecht, „Wie weit bin ich?“
„In der achten Woche“, antwortet Claire. Lindsay beobachtete durch eine Glastür, wie Connor nebenan mit Peter sprach. „Ich muss es ihm sagen.“
Claire blieb besorgt zurück.

„Was ist los?“, fragte Connor als er und Lindsay nach draußen gegangen waren. Lindsay bat ihn um ein Gespräch unter vier Augen und er fragte sich, ob er etwas falsch gemacht hatte. Sie sah krank aus.
„Ich wollte dir das nicht sagen, wenn die anderen dabei sind. Aber ich glaube, du solltest es wissen.“
„Was wissen?“
„Ich bin schwanger“, erklärte Lindsay plötzlich, „Ich weiß, ich hätte es dir vorher sagen sollen, aber ich weiß es erst seit wenigen Minuten“, sie bemerkte seinen schockierten Gesichtsausdruck, „Ich bin mir sicher, dass ich es vor unserem Gedächtnisverlust noch nicht gewusst habe. Ich bin mir auch sicher, dass ich keinen Freund habe, denn ich hätte ich ihn sicherlich nicht betrogen, indem wir beide anfangen miteinander auszugehen und…“
„Schon gut“, sagte Connor schließlich, „Du musst dich nicht entschuldigen.“ Er ging hinein und ließ sie alleine zurück. Natürlich fühlte er sich gekränkt weil sie plötzlich schwanger war. Er mochte sie sehr, aber anscheinend gab es noch jemand anderen in ihrem Leben. Auch, wenn sie sagte, dass sie keinen Freund hatte wusste er nicht, ob er ihr das glauben sollte.
Connor betrat das Mobile Labor und begegnete Anton. „Was ist passiert?“, Anton sah Connors angespanntes Gesicht. „Sie ist schwanger, Anton. Wie kann sie schwanger sein und sich nicht daran erinnern?“
„Wir sollten in Ruhe miteinander über diese Situation sprechen“, schlug er vor.
„Diese Situation?! Anton, ich weiß nicht…“, Connor schrie fast, aber Anton beruhigte ihn: „Ich weiß, dass ist ein schwerer Schlag für Sie, aber es ist auch für Lindsay nicht leicht. Deshalb sollten wir alle ein klärendes Gespräch führen. Setzen Sie sich, ich hole Lindsay und Claire.“

„Ich weiß, diese Situation ist für Sie beide nicht einfach“, wiederholte Anton am Abend, „Hinzu kommt, dass es Probleme gibt.“ Sie saßen zu viert im Besprechungsraum, wobei Anton und Claire als Streitschlichter im Gespräch dienten.
„Es gibt Probleme?“, fragte Lindsay beunruhigt, „Ist das Baby krank?“ Connor sah, dass sie beschützend die Hand auf ihren Bauch legte und er verspürte ein seltsames Gefühl in seiner Magengegend: Eifersucht.
„Das Kind entwickelt sich mit achtfacher Geschwindigkeit“, Claire zeigte ihnen ein Ultraschallbild, „Ich habe heute Vormittag, nachdem wir es Lindsay gesagt haben, eine Sonografie gemacht. Weil Lindsay mich darum gebeten hat, haben wir die Untersuchung vor einer halben Stunde wiederholt.“ Sie zeigte ihnen nun ein weiteres Ultraschallbild. „Zwischen diesen beiden Entwicklungsstadien eines Embryos liegen zehn Tage… Theoretisch.“
„Was heißt das?“, wollte Lindsay wissen. Sie betrachtete beide Bilder genau.
„Wenn es so weitergeht, wird das Baby in 5 Wochen zur Welt kommen… Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, aber ich bin der Meinung, dass das hier nicht mit rechten Dingen zugeht.“ Claire erinnerte sie noch einmal an die Ufo- Sichtung in dem Gebiet, in dem Connor und Lindsay gestern Abend unterwegs waren.
„Das heißt, dass ich in 5 Wochen einen Außerirdischen…“, Lindsay konnte den Satz nicht zu Ende sprechen.
„Das Kind sieht menschlich aus.“
„Bis jetzt“, wiedersprach Lindsay. Einerseits war sie erleichtert, dass Claires Theorie Sinn machte und sie Connor nun beweisen konnte, dass sie ihn nicht benutzt hatte um jemand anderen zu betrügen. Andererseits hatte sie Angst vor dem, was nun folgen würde.
Als das Gespräch beendet war, entschuldigte sich Claire bei Lindsay, falls sie ihr Angst eingejagt hatte aber sie erklärte ihr auch, dass es wichtig war, alle Fakten zu kennen. Claire reichte ihr eine Tasse Tee. „Wenn sich das Kind tatsächlich in dieser Geschwindigkeit entwickelt, wird mein Bauch bald furchtbar aussehen“, prophezeite Lindsay, doch Claire glaubte nicht, dass es ein Scherz war.
„Wie geht es Ihnen?“, wollte Anton von Connor wissen, der die beiden Frauen schweigend beobachtete.
Connor nickte wortlos.
„Lindsay sagt die Wahrheit“, erklärte Anton und Connor sah ihn überrascht an.
„Woher wissen Sie das?“
„Ich weiß es einfach. Seien Sie nicht mehr böse auf sie. Es gibt niemanden, der für Lindsay da ist und sie braucht Ihre Hilfe und Unterstützung.“
„Ich mag sie sehr“, gestand Connor plötzlich und er sagte sich selbst, dass das außer Zweifel stand. Immerhin würde er nicht mit einer Frau ausgehen, wenn er sie nicht mochte. Und schließlich waren sie miteinander ausgegangen, bevor sie beide an diesem Abend ihre Erinnerung verloren hatten.
„Anton, darf ich Ihnen eine Frage stellen?“
„Natürlich“, Anton war gespannt, was Connor beschäftigte.
„Waren Lindsay und ich ein Paar bevor wir beide unsere Erinnerung verloren haben?“
„Gestern Abend war Ihre erste Verabredung.“
Connor nahm diese Antwort mit einem schweigenden Kopfnicken zur Kenntnis. Also war es ausgeschlossen, dass er und Lindsay schon länger ein Paar waren und er der Vater ihres Kindes war, obwohl er sich das sehr wünschte.
Selbstverständlich bemerkte Anton, dass Connor angestrengt nachdachte und er schien eine Idee zu haben: „Vielleicht erinnern Sie sich, wenn Sie den gestrigen Abend wiederholen“, schlug Anton vor. Nun rief er nach Lindsay und sagte ihr, sie solle zu ihm kommen. Er beschloss, die beiden zu Bella Italia, einen kleinen italienischen Restaurant zu schicken, wo die beiden gestern Abend gewesen sein mussten. Eine Quittung über 100 Dollar in Connors Jackentasche verriet es ihm. Lindsay wollte wiedersprechen, doch Anton ließ keine Wiederworte zu.

Zusammen waren sie am Abend in die kleine Stadt gefahren und Connor hatte sie noch einmal in ein italienisches Restaurant eingeladen, danach gingen sie im Park spazieren. Auf einer Brücke blieben sie stehen.
„Es tut mir Leid, Connor“, entschuldigte Lindsay sich schließlich. Während des ganzen Abendessens hatten sich krampfhaft versucht, nicht über ihre Beziehung und über das Baby zu sprechen.
„Du musst dich nicht entschuldigen.“
„Aber du weißt doch gar nicht, wofür….“
„Ich bin sicher, dass wir ein Paar sind. Immerhin gehen wir miteinander aus“, sagte Connor plötzlich zu ihr, „Ich bin sehr froh darüber.“
„Warum?“
„Wenn es nicht so wäre, hättest du ab jetzt einen Verehrer mehr.“
Sie lachte.
„Du bist wunderschön“, fiel es ihm auf und ihr Lachen verstummte.
„Das sagst du wohl zu jeder, wie?“      
„Nein“, versicherte er ihr, „Ich gehe sehr sorgsam mit Komplimenten um, besonders bei Menschen, die mir viel bedeuten.“
Als sie nicht antwortete, überlegte er, was er tun sollte. Dass sie zögerte, war kein gutes Zeichen.
„Connor, ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist. Das Baby…“
Er drehte sich um und lehnte sich mit den Rücken ans Geländer der Brücke. „Gib mir eine Chance.“ Er griff nach ihrer Hand und ihre Haut kribbelte an den Stellen, an denen er sie berührte. Dieses Gefühl war ihr so vertraut als hätte sie ihn nie vergessen. Sie hatte zwar vorgehabt, sich ihm zu entziehen, zu sagen, dass es ihr zu schnell ging. Aber sie konnte es nicht. „Bist du mir nicht böse?“, fragte Lindsay stattdessen.
„Nein. Ich kann dir nicht böse sein.“ Sie verbrachten noch einen schönen Abend miteinander. Connor stellte sicher, dass sie nach ihrer Rückkehr auch ins Bett ging und sich ausruhte. Sie bedeutete ihm viel. Sehr viel, sogar. Er hoffte, dass das Baby nichts an der Beziehung zwischen ihnen änderte, aber er wusste es war sinnlos: Das Baby würde alles verändern.

Am nächsten Morgen  nahm Anton bei beiden eine Hypnosesitzung vor. Lindsay hatte bereits eine sehr unruhige Nach hinter sich, denn sie hatte in der Dunkelheit kein Auge zugetan. Sie glaubte nicht, dass es ihre Art war, sich als erwachsene Frau im Dunkeln zu fürchten, aber sie wusste, warum sie so reagierte. Zumindest ahnte sie es und sie brannte darauf, die Wahrheit zu erfahren.
Connor war zu Erst an der Reihe als Anton ihn in Trance versetzte und ihn zu vorgestern Abend befragte. Er erzählte von dem Dinner im Bella Italia, danach wollten er und Lindsay zum Mobilen Labor zurückfahren. Als nächstes berichtete er von einer seltsamen Lichterscheinung an Himmel: „Lindsay sieht das Licht zuerst“, sagte Connor, „Es schwebte in etwa hundert Metern Höhe über einem Wald. Der Wagen stoppt am Straßenrand und ich steige aus. Das Licht wird plötzlich Orange und ich hörte ein seltsames Geräusch“, sagte er aufgeregt.
„Können Sie das Geräusch beschreiben?“, fragte Anton.
„Nein… Da sind Männer auf der Straße… Sie sind ziemlich groß und tragen graue Anzüge aus einem Stoff, den ich noch nie gesehen habe.“
„Weiter, Connor! Sie erinnern sich an alles“, ermutigte Anton ihn.
„Wir gehen eine Rampe hinauf.... Ich muss mich wehren.... Ich bin in einem Korridor und stehe vor einer Tür.... Ich will nicht in diesen Raum! Ich weiß nicht, wo Lindsay ist! Alles ist taub! Ich spüre nichts! Ich liege auf einem Tisch!“, Connor klang immer aufgeregter.
„Es ist gut, Connor. Sie können jetzt aufhören. Sie sind ganz ruhig, fühlen sich entspannt....“
Lindsay und Claire hörte ihm zu, als er sprach und bevor Anton zu ihrer Hypnosesitzung übergehen konnte, erklärte sie ihm und Connor, der sich nach der Sitzung sehr ruhig fühlte, dass sie sich erinnerte.
„Ich erinnere mich, dass der Wagen ausging und nicht mehr ansprang. Connor ist dann ausgestiegen… Dieses Licht… Etwas stimmt damit nicht. Die Männer kamen zwischen den Bäumen auf uns zu. Sie waren groß und dürr. Ich hatte das Gefühl, als müsste ich mich verstecken.“
„Haben Sie schon einmal etwas gesehen, dass Ähnlichkeit damit hatte?“, fragte Anton.
„Nein. Ich wollte weglaufen und konnte nicht. Einer der Männer packte mich am Arm und ich folgte ihm in das Licht. Sie sagten, sie werden nur ein Paar einfache Tests durchführen, dann könnte ich wieder zum Wagen zurückgehen.“
„Haben sie gesagt, woher sie kommen?“
„Nein… Der Tisch auf dem ich lag, war eiskalt. Sogar die Luft war kalt. Und ich erinnere mich an schreckliche Bauchschmerzen.“ Sie ahnte, was die Bauchschmerzen bedeuteten.
„Wir wurden beide von Außerirdischen entführt. Danach haben sie unsere Erinnerung gelöscht“, stellte Connor fest, „Nur wurdest du von ihnen auf einer Landstraße ausgesetzt und ich 20 Meilen entfernt von dir…“
„Sie dachten, damit könnten sie vertuschen, dass ein Zusammenhang zwischen Ihnen besteht“, vermutete Claire. Nun, da sie wussten, was wirklich passiert war, war die Wahrheit fast noch schlimmer als jede Fantasie. „Ruhen Sie sich noch eine Weile aus“, schlug Anton vor, „Ich muss im Hauptquartier anrufen und erklären, warum wir noch nicht zurück sind.“ Sie hätten schon längst wieder in Toronto sein müssen und Anton hatte keine Ahnung, wie lange sie noch hier in dieser ländlichen Gegend blieben.

Spät in der Nacht klopfte jemand ungeduldig an Connors Tür. Er und Lindsay waren im Mobilen Labor untergebracht und die Zimmer waren furchtbar klein.
„Peter, was ist los?“, fragte Connor, als er seinen besten Freund erkannte. Er hatte keine Ahnung, warum Peter so hektisch reagierte.
„Bei der Übermittlung der aktuellen Ergebnisse musste Anton dem Büro von der Schwangerschaft und den Gesprächen eurer Hypnosesitzung mitteilen. Elsinger musste nur Eins und Eins zusammenzählen und nun ist er auf dem Weg um Lindsay abzuholen… Es ist nicht Antons Schuld. Die Geschichte würde sich ohnehin nicht mehr lange verheimlichen lassen…“
„Wer ist Elsinger?“, fragte Connor, „Und wohin will er Lindsay bringen?“
„Elsinger ist unser Chef. Wir beide können ihn nicht leiden“, erklärte Peter, „Ich glaube, er bringt Lindsay ins Hauptquartiert und weil er denkt, das Baby sei ein Alien- Mensch- Hybrid, wird er Tests mit ihr durchführen….  Ihr müsst verschwinden“, sagte Peter und reichte Connor eine Tasche. Er war verwirrt: „Und wohin?“
„Ich kenne eine sichere Unterkunft, in der Lindsay bleiben kann, bis das Baby geboren ist. Du musst mit ihr kommen und sie beschützen.“
Connor verstand nicht, aber er stopfte etwas Kleidung in die Tasche. Dann brachte Peter ihn hinaus zum Wagen. Aus den Augenwinkeln bemerkte Connor, dass Claire Lindsay ebenfalls geweckt hatte. Claire trug einen Koffer zum Auto.
„Was ist mit euch beiden?“, wollte Connor wissen.
„Wir werden Anton sagen, dass wir nicht bemerkt haben, als ihr weggelaufen seid. Je weniger Leute wissen, wo ihr seid, desto besser“, schlug Peter vor und reichte Connor eine Landkarte, „Claire und ich kommen in einigen Tagen nach… Folgt der Karte und sprecht unterwegs mit niemandem. Hier ist etwas Bargeld“, Peter gab ihm nun einen Briefumschlag, „Achte darauf, deine Kreditkarte nicht zu benutzen. Das ist wichtig.“
„Okay“, Connor nickte einverstanden. Er stieg in den Wagen und startete den Motor. Sie verließen den Parkplatz, auf dem das Mobile Labor stand. Peter und Claire sahen ihnen in der Dunkelheit nach, bis die roten Rücklichter des Fords verschwunden waren.
„Was passiert jetzt mit Peter, Claire und Anton?“, wollte Lindsay besorgt wissen, die auf dem Beifahrersitz hockte.
„Das weiß ich nicht“, antwortete Connor ehrlich, „Aber Peter hat gesagt, er und Claire würden in wenigen Tagen nachkommen.“
„Wohin fahren wir?“
„Das kann ich dir nicht sagen.“
„Warum? Wem sollte ich es sagen?“
Connor zögerte, dann reichte er ihr die Landkarte, die Peter ihm gegeben hatte. Sie faltete die alte Karte auseinander. „Hier ist eine Route eingezeichnet“, informierte sie ihn, „Wenn das stimmt, dann fahren wir in den Polar Bear National Park…. Das liegt im tiefsten Ontario!“
„Ich weiß“, sagte Connor und linste einmal auf die Karte. Dort oben im Nationalpark gab es sicherlich nicht mehr als Berge, Wälder und kristallklare Seen. Er fragte sich, was sie dort erwartete.

Connor fuhr acht Stunden ohne Pause, doch er war froh, dass Lindsay neben ihm sehr lange schlief. Das gab ihr Zeit, sich ein wenig zu erholen. Einmal unterbrach Connor seine Fahrt, um den Wagen an einer Tankstelle aufzutanken. „Wir sollten meinen Wagen loswerden“, schlug er vor, „Vielleicht verfolgt Elsinger uns schon.“ Also fragte Connor den Tankstellenwart ob er sein Auto gegen ein anderes Fahrzeug eintauschen könnte. Der Mann hatte nichts dagegen und gab ihnen einen alten Pick Up, mit dem sie weiterfuhren.
„Du bist müde“, stellte Lindsay besorgt fest, „Ich halte es für keine gute Idee, wenn du in diesem Zustand fährst.“
„Mir geht es gut“, versprach Connor ihr, aber das stimmte nicht: Er hatte fürchterliche Rückenschmerzen und seine Augen brannten.
„Komm, lass mich eine Weile fahren“, schlug sie vor, aber er antwortete nicht, „Connor, ich bin nur schwanger und nicht schwerstbehindert.“ Er antwortete noch immer nicht, aber dann fragte er:  „Hast du auf dem letzten Schild gesehen, wann wir die Autobahn verlassen müssen? Ich habe es nicht gesehen.“
„Das letzte Schild, an dem wir vorbeigefahren sind, war eine Zigarettenwerbung.“
„Wir verlassen den Highway bei der nächsten Gelegenheit.“
Lindsay nahm an, dass er sie dann eine Weile fahren lassen würde, doch er fuhr auch an dem Rastplatz vorbei und dann eine Schotterstraße entlang. Nach weiteren sechs Stunden Fahrt erreichten sie schließlich die Position, die Peter auf der Landkarte markiert hatte: Es war eine kleine Holzhütte mitten im Wald. Im Briefkasten steckte ein Umschlag. Offenbar hatte Peter diesen Brief per Eilpost geschickt. Connors Name war auf dem Umschlag im Absender vermerkt und da Connor genau wusste, dass er in den vergangenen Tagen keine Post verschickt hatte, nahm er an, der Brief war für ihn bestimmt. Außerdem war die Schrift auf dem Umschlag nicht einmal seine eigene Handschrift.
Er öffnete den Umschlag und las Lindsay die Botschaft vor: Peter schrieb, dass es sich hier um die Ferienhütte eines entfernten Verwandten handelte, die selten benutzt wurde. Sie verfügten über Strom und Wasser, jedoch gab es hier oben kein Telefon. Auch von der Verwendung ihrer Handys riet Peter ab, denn er befürchtete, dass man sie dann orten könnte. „Lindsay, hast du dein Handy dabei?“, fragte Connor plötzlich.
„Ja, aber es ist abgeschaltet“, sie tätschelte ihren Koffer und war froh, dass Connor ihr zumindest erlaubt hatte, ihren Koffer alleine zu tragen.
„Gut“, er nickte, „Dann bleibt es dabei.“ In dem Briefumschlag befand sich ebenfalls der Schlüssel zu dem Haus und Connor öffnete die Tür für sie. Lindsay fand fremde Häuser sehr spannend, da es er gefiel zu sehen, wie andere Menschen lebten. Diesmal ängstigte die Holzhütte sie, denn sie hatte keine Ahnung, ob sie diesen Ort nach der Geburt des Kindes jemals wieder verlassen würde oder ob sie sich für den Rest ihres Lebens hier in den Wäldern Ontario´s verstecken musste. Oder ob sie Geburt überhaupt überlebte. Lindsay beschloss, diesen Gedanken zu verscheuchen.
Connor half ihr, den Koffer die Treppe hinaufzutragen. Im Obergeschoss der kleinen Holzhütte sagte er ihr, sie dürfe sich ein Zimmer aussuchen. Lindsay versuchte, ein schönes Zimmer zu wählen, aber die vier Zimmer waren weder schön noch geräumig: Alles wirkte klein und beengend. Sie konnte sich nicht vorstellen, für immer hier zu bleiben, aber schließlich suchte sie ein Zimmer mit Blick auf den Teich aus, der sich in einiger Entfernung zum Haus befand. Nachdem Connor ihr geholfen hatte, gingen sie beide wieder nach unten. Lindsay stellte fest, dass sich keine Lebensmittel im Kühlschrank befanden. Sie würden erst einkaufen gehen müssen und sie erinnerte sich, dass sie einen kleinen Lebensmittelladen an der Straße gefunden hatte. Aber Connor hielt sie auf: „Ich möchte, dass du hier bleibst. Ich gehe einkaufen.“ Ihm gefiel die Idee nicht, sie alleine in dieser Hütte zurückzulassen, aber noch weniger mochte er die Vorstellung, dass sie alleine einkaufen ging.
Er sagte ihr, sie sollte hier auf ihn warten und die Hütte nicht verlassen. Connor versprach ihr, in einer halben Stunde mit neuen Lebensmitteln zurück zu sein.

In ihrer ersten Nacht in der Hütte gab es ein schreckliches Gewitter. Lindsay schlief unruhig und träumte von den fremden Wesen, die sie und Connor entführt hatten. Die großen Männer in grau führten sie ihn ihr Raumschiff und untersuchten sie. Dann warf sich ein dunkler Schatten über sie.
Sie schrie in Panik, als sie aufwachte und sofort war Connor bei ihr. Er war kaum eingeschlafen, als Lindsay ihn weckte. „Was ist los?“, fragte er sie, weil er dachte, mit dem Baby sei etwas nicht in Ordnung. Sie begann nun, zu weinen und gleichzeitig zu schreien. Sie war so außer sich, dass Connor sie fest an sich drückte und in den Armen hielt, bis sie erschöpft eingeschlafen war.

Peter und Claire hatten ihnen versprochen in wenigen Tagen nachzukommen. Aber aus den Tagen wurde schließlich eine ganze Woche. Lindsay langweilte sich schrecklich in der kleinen Hütte. Zwar hatte sie zwei Bücher mitgebracht, doch diese hatte sie bereits nach drei Tagen durchgelesen. Sie versuchte sich, mit Fernsehen zu unterhalten, aber das machte ihr keinen Spaß. Das Wetter war schlecht und so konnte sie auch nicht im Wald spazieren gehen. Connor erlaubte ihr ohnehin nicht, dass sie sich alleine draußen aufhielt.
Schließlich hörte sie, wie ein Wagen vor dem Haus bremste. „Connor!“, sie rief leise nach ihm und er kam zu ihr. Connor hatte im Haus eine Angel gefunden und versuchte, für sie einen Fisch im Teich zu angeln. Gemeinsam gingen sie zur Eingangstür der Hütte und schauten durch ein kleines Fenster hinaus. „Peter und Claire!“, rief Lindsay und riss die Tür auf. Sie stürmte hinaus.
„Meine Güte“, Claire war überrascht, als sie Lindsay sah. Wenn ihre Berechnungen stimmten, dann war das Kind inzwischen so weit entwickelt, als ob die Schwangerschaft bereits bis zum vierten Monat fortgeschritten war. Sie sah einen deutlichen Bauch, der sich unter Lindsays Kleidung abzeichnete. „Hi, wie geht es Ihnen?“, fragte sie.
„Gut“, antwortete Lindsay knapp, „Wo ist Anton?“
„Wir haben ihn noch immer nicht eingeweiht“, erklärte Peter.
Mit dieser Antwort war Connor zufrieden und sie gingen ins Haus. Claire und Peter zogen ebenfalls in ihre Zimmer im ersten Stock und Lindsay half ihnen dabei. „Wie geht es Ihnen wirklich?“, wollte Claire wissen.
„Es geht mir wirklich gut“, versicherte Lindsay ihr, „Connor kümmert sich sehr gut um mich. Er beschützt mich, aber…“
„Aber?“
„Es ist totlangweilig hier.“
Als Claire das hörte, musste sie lachen. Sie war erleichtert, dass es außer Langeweile keine Beanstandungen gab.

Das Wetter verbesserte sich erst in der folgenden Woche. Connor beobachtete schweigend, wie Lindsay am Fenster stand und hinausblickte. Ihre Hand ruhte auf ihrem Bauch und er bemerkte wieder dieses schreckliche Gefühl namens Eifersucht in seiner Magengrube. Sollte sie doch einen Freund haben und dieser würde sich nicht um Lindsay und das Baby kümmern, würde er dem Mann eigenhändig den Kopf abreisen. Andererseits, so rief er sich ins Gedächtnis, war es sehr unwahrscheinlich, dass das Kind menschlich war. Immerhin sah Lindsay bereits nach zweieinhalb Wochen Schwangerschaft so aus, als wäre sie bereits im fünften Monat.
„Lass uns angeln gehen“, schlug Connor eines Tages vor, als die Sonne schien und er freute sich, dass Lindsay mitkam. Gemeinsam versuchten sie mit Peter und Claire einen Fisch aus dem Teich zu angeln. Es gefiel ihr und am Abend, als sie tatsächlich einen Fisch gefangen hatten, äußerte Lindsay den Wunsch, ein wenig mehr Zeit draußen zu verbringen. Connor mochte die Idee nicht, aber er schlug vor, sie morgen zu einem Spaziergang zu begleiten.
Claire war sehr zufrieden.

„Heute beginnt die vierte Schwangerschaftswoche“, sagte Claire und gab kaltes Gel auf Lindsays dicken Bauch, dann korrigierte sie sich, „Entschuldigung, ich meine, der achte Schwangerschaftsmonat… Theoretisch.“ Heute nahm Claire eine Ultraschalluntersuchung vor, für die sie extra ein Sonographie- Gerät aus Toronto mitgebracht hatte. „Ich hoffe, das Baby schläft, sodass wir einige schöne Ultraschallaufnahmen bekommen“, sagte Claire.
„Ich fürchte mich vor dieser Untersuchung“, gestand Lindsay. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder schreien sollte, wenn das Kind nicht menschlich war. Sie wollte lachen, weil sie Connor dann sagen konnte, dass es für sie immer noch eine Chance gab und sie würde schreien, weil sie wusste, dass dies ihr Ende bedeutete. „Sie müssen keine Angst haben“, versprach Claire ihr.
Plötzlich öffnete sich die Tür und Connor trat in den abgedunkelten Raum. Lindsay hob irritiert den Kopf. „Connor, was machst du hier?“
„Deine Untersuchung ist heute“, erinnerte er sich, setzte sich neben sie und griff nach ihrer Hand, „Ich wäre gerne dabei.“
„Du musst nicht dabei sein“, sagte Lindsay, aber Connor ließ ihre Hand nicht los. „Ich möchte es aber“, versicherte er ihr und Claire begann zufrieden mit der Untersuchung. Auf dem Bildschirm erkannte Lindsay einen Kopf, dann Arme und Beine. „Es sieht sehr menschlich aus“, stellte Connor fest und drückte ihre Hand.
„Das Baby ist ein Junge“, erklärte Claire ihnen, „Zumindest sieht es so auf dem Ultraschall aus.“
Connor versuchte, auf Lindsays Gesicht zu erkennen, ob sie sich freute aber er erkannte keine Reaktion. „Das ist das Gesicht des Babys“, sagte Claire aber plötzlich drehte sich das Baby auf dem Bildschirm herum, „Keine Sorge, wir haben das Baby nur aufgeweckt. Das ist normal.“
Damit war die Untersuchung beendet. Claire bescheinigte Lindsay und dem Kind gute Gesundheit, dann reichte sie ihr ein Taschentuch um ihren Bauch zu säubern und beschloss, die beiden alleine zu lassen.
„Du solltest dich freuen“, sagte Connor, „Das Baby ist ein Mensch und gesund.“
„Dass diese Schwangerschaft so schnell vorangeht, ist nicht normal“, wiedersprach Lindsay, „Es fällt mir schwer, mich zu freuen.“ Es war außerdem schwer, unter diesen unnormalen Bedingungen überhaupt eine Bindung zu dem Kind aufzubauen.
Das verstand Connor.

Connor schlief schon seit Wochen nicht mehr ruhig. Bei jedem Geräusch, welches er nachts im angrenzenden Wald hörte, scheuchte ihn aus dem Bett und brachte ihn dazu, ans Fenster zu gehen und hinauszuschauen. Er tat es für Lindsay, denn er wollte, dass sie in Sicherheit war. Auch heute, fünf Wochen nachdem sie von der Schwangerschaft erfahren hatten, schreckte ihn ein klirrendes Geräusch aus dem Halbschlaf. Also ging er hinunter ins Erdgeschoss des kleinen Hauses um nachzusehen. Connor war überrascht, als er Lindsay sah. Sie saß alleine in der Küche und aß Eiscreme. „Was machst du hier?“, wollte Connor besorgt wissen.
„Ich kann nicht schlafen“, gab Lindsay zu und das stimmte: Der Gedanke, dass 5 Wochen nun vorbeiwaren und der von Claire errechnete Geburtstermin immer näher rückte, ängstigte sie.
„Lass uns ein bisschen spazieren gehen“, schlug er vor.
„Draußen ist es dunkel“.
„Na und? Ich bin bei dir.“
Von diesem Argument ließ sie sich schließlich breit schlagen und so liefen sie wenige Minuten später schweigend durch den Garten und dann am Teich entlang. „Das ist eine sehr schöne Gegend“, stellte Lindsay fest. Sie war schon seit Wochen hier aber sie hatte nicht die Möglichkeit gehabt, sich die Umgebung anzusehen. Ihr Leben würde niemals wieder wie vorher sein, dachte sie. Wenn ihr Baby nicht menschlich war, würde man sie bis an ihr Lebensende jagen. Noch schlimmer empfand sie den Gedanken, dass das Kind sie möglicherweise bei der Geburt töten könnte. Sie und Connor sprachen nicht mehr, bis sie die kleine Hütte nach einem halbstündigen Spaziergang wieder erreichten. Gemeinsam gingen sie die schmale Treppe zu ihren Zimmern hinauf.
„Wie wirst du das Baby nennen, wenn es geboren ist?“, fragte Connor interessiert.
„Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“, gestand Lindsay. Sie flüchtete regelrecht vor dieser Entscheidung, denn was war, wenn ihr Baby kein Mensch war, sondern eine außerirdische Kreatur? „Ich weiß noch nicht einmal, was ich meinen Eltern sagen werde“, gestand sie und Connor war überrascht, dass sie es ihren Eltern noch nicht gesagt hatte. Lindsay wollte sich gar nicht vorstellen, was ihr Vater zu ihr sagen würde.
„Connor, ich habe Angst“, gab sie plötzlich zu und blieb stehen, „Was ist, wenn das Baby ein Monster ist?“ Sie wollte ihn fragen, was sie tun sollte, wenn das Baby nicht sein Baby war, aber sie traute sich nicht.
„Das Baby ist kein Monster, ich bin sicher“, beruhigte er sie und trat einen Schritt auf sie zu, „Es wird sicherlich ein hübsches, gesundes Baby werden.“
„Ich wollte schon immer ein Baby“, erklärte sie, „Zumindest denke ich das. Wahrscheinlich habe ich nicht den richtigen Mann gefunden, und…“ Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte immer einen liebevollen Mann finden, ihn heiraten und dann Kinder bekommen. Doch es kam anders, als sie dachte.
„Was ist?“
„Das ist ziemlich merkwürdig. Wir beide gehen miteinander aus, dann finden wir heraus, dass ich schwanger bin und wir können uns an nichts erinnern. Denkst du, du bist der Vater?“
„Das hoffe ich“, als Connor das sagte, sah sie ihn überrascht an. Sie wusste nicht, dass er hoffte der Vater ihres Kindes zu sein. „Lindsay, ich hab dir das nie gesagt, aber…“
Plötzlich veränderte sich ihr Gesichtsausdruck und sie hielt sich den Bauch. „Das Baby tritt!“, rief sie leise um Peter und Claire nicht aufzuwecken. Dann griff sie nach Connors Hand und drückte sie auf die Stelle, an der sie das Baby gespürt hatte. Connor spürte es auch. Es war ein wundervolles Gefühl und auch wenn das Kind in Lindsays Bauch vielleicht nicht seines war, würde er nie vergessen, wie es sich anfühlte, wenn es sie trat. Sie gaben bestimmt ein seltsames Bild ab, wie sie in der Dunkelheit mitten auf der engen Treppe standen und Connor liebevoll ihren dicken Bauch berührte.
„Das ist absolut lächerlich“, sagte Lindsay plötzlich und Connor war überrascht: „Was?“
„Wenn wirklich eine Möglichkeit besteht, dass du der Vater bis, wie Claire behauptet, dann sind wir wahrscheinlich die einzigen beiden Menschen auf diesem Planeten, die ein Baby bekommen ohne jemals miteinander im Bett gelandet zu sein.“
„Wahrscheinlich“, murmelte Connor und sah sie an. Ihre Augen waren wunderschön und er wünschte, sie könnten für einen Moment vergessen, wo sie waren und… Auf einmal realisierte er, wie nahe sie im dem engen Treppenaufgang beieinander standen. Ihr Atem streifte sein Gesicht und er lehnte sich zu ihr. Sie berührten sich fast für einen Kuss, als oben im Flur einer Tür aufging und sie Claire ins Badezimmer gehen hörten. Connor fand es schade, denn der Moment war vorbei.
Sie gingen die Treppe hinauf und vor ihrer Zimmertür verabschiedete sie sich von Connor mit einem einfachen „Gute Nacht.“

Lindsay schlief nur bis vier Uhr morgens als ein heftiger Krampf im Bauch sie weckte. Sie schrie und bemerkte, wie jemand das Licht anknipste. Claire stürmte in ihr Zimmer, drehte sie auf den Rücken und fragte was los war. „Es tut so weh“, Tränen traten aus Lindsays Augen. Auch Connor war sofort bei ihr und Peter blieb entsetzt im Türrahmen stehen. Er verkündete, dass er in der Küche heißes Wasser holen wollte. „Es geht los“, Lindsay atmete in Stößen, „Ich glaube, das Baby kommt.“
„Okay. Ich hole meine Tasche“, sagte Claire, „Connor, bleiben Sie bei ihr.“
Connor nickte einverstanden und hielt ihre Hand. „Es ist zu früh“, Lindsay weinte noch immer und dass Connor ihr tröstend den Handrücken küsste registrierte sie kaum, „Das Baby sollte jetzt noch nicht…“, sie schüttelte den Kopf. Anlässlich der heftigen Schmerzen und der Geschwindigkeit, mit der diese Schwangerschaft vorangeschritten war, glaubte sie nicht, dass ihr Baby wirklich menschlich war. „Ich habe Angst.“
„Das musst du nicht“, er hielt ihre Hand immer fester und in diesem Moment kam Claire zurück. Peter brachte ihr heißes Wasser, dann schickte sie die Männer aus dem Zimmer. Connor sträubte sich, denn er wollte bei Lindsay bleiben. „Raus hier!“, schrie Claire ihn an und Connor verließ schließlich das Zimmer. „Es wird nicht lange dauern“, versprach Peter ihm, als Connor schweren Herzens die Zimmertür hinter sich schloss. Er hörte Lindsay qualvoll weinen und er wünschte sich, dass er von diesem Geräusch davonlaufen und es aus seinen Gedanken streichen konnte, wenn er schon nicht bei ihr sein durfte.
„Woher willst du das wissen?“, fragte Connor zurück.
„Bis jetzt ist doch auch alles sehr schnell gegangen“, erinnerte Peter ihn. Sie warteten unruhig im Flur und nach einer Stunde hörten sie ein Baby schreien. Connor wollte zu Lindsay gehen, aber Peter hielt ihn auf. Sie beide hielten die Luft an, als sie nur den Säugling brüllen hörten, aber nicht Lindsays und Claires Stimmen. Sie hofften, dass das Außerirdische Wesen, welches die letzten fünf Wochen in Lindsays Bauch verbracht hatte, sie nicht getötet hatte.
Schließlich griff Connor aber doch nach dem Türknauf und betrat den Raum. Claire räumte eben einige Bettlacken weg und Lindsay lag sehr erschöpft in ihrem Bett und hielt ein Baby mit einem dunklen Haarflaum auf dem Kopf, in ihren Armen. „Es ist ein kleiner, gesunder Junge“, sagte Claire und Peter fragte sie, ob er ihr gut ginge.
„Herzlichen Glückwunsch, Lindsay“, Connors Stimme war sehr leise, als er nach ihrer Hand griff und sie fest hielt, „Wie fühlst du dich?“
„Ich bin sehr müde“, murmelte sie, „Ich verstehe das alles nicht.“
Connor setzte sich zu ihr ohne ihre Hand loszulassen.
„Warum? Warum ist das alles passiert? Welchen Zweck verfolgen sie?”, ihre Augen flatterten. Sie war wohl wirklich sehr müde.
„Das wichtigste ist, dass es dir und dem Baby gut geht.“
“Ja”, sie nickte zustimmend, dann sah sie ihren Sohn an, “Möchtest du ihn einmal halten?” Lindsay war erleichtert, dass er ein wenig näher kam und er das Baby in seinen Arm nahm. Sie wünschte sich so sehr, dass er der Vater war, denn sie wusste er würde es gut machen. Claire sagte ihnen, sie müssten drei Tage auf die Ergebnisse des Vaterschaftstest warten. Sie fuhr noch am Abend mit drei Speichelproben in die Stadt.

Stand by me, I am your baby
You will always be safe in my arms
The season I don’t think about reason
I just wanna lose it and wish upon the star
I can reach the stars from where I am

Tell me, what is the recipe
Secret of eternity
No more love me or leave me
not a year
Not three or four
Forever is in my heart
With you ... more
Uuh uuh uuh uuh          (“Recipe” by Aura Dione)

Die Wartezeit war furchtbar. Das Schlimmste war, dass Connor ständig daran denken musste, dass er vielleicht nicht der Vater des kleinen Jungen sein könnte, obwohl er sich immer mehr an das Baby gewöhnte. Die vergangenen Tagen waren seltsam für ihn: Wenn Lindsay schlief um sich von der Geburt zu erholen, kümmerte sich Connor um das Baby. Natürlich fand er, dass der Säugling aussah wie er, aber das äußerte er Lindsay gegenüber nicht: Die dunklen Haare und grauen Augen glichen ihm sehr. Er behielt es für sich, dass er den kleinen Jungen jede Minute mehr in sein Herz schloss. Connor glaubte, dass Lindsay von all dem nichts mitbekam, doch er wusste nicht, dass sie sich manchmal nur schlafen stelle und dann beobachtete, wie er das Baby aus dem Bettchen nahm, wenn es weinte und tröstete. Ihr Herz wurde weich, als sie sah, wie liebevoll er mit dem Kind umging. Dann dachte sie daran, dass es vielleicht nicht sein Kind war und ein Kloß bildete sich in ihrem Hals. Sie hatte Angst vor dem Ergebnis und sie hoffte, Claire käme bald aus der Stadt zurück.
Es musste einfach sein Baby sein, davon war Connor mehr und mehr überzeugt. Er war erleichtert, als er Claire drei Tage nach der Geburt des Kindes in die Stadt fahren sah und als sie zurückkam teilte sie ihm mit, dass es sein Baby war. „Wo ist Lindsay?“, fragte Claire dann. Sie fragte sich, warum Connor und das Baby alleine im Wohnzimmer waren und er antwortete, dass Lindsay in ihrem Zimmer war und schlief. Claire wollte nun nach oben gehen und Lindsay informieren. Sie hatte das Zimmer kaum verlassen, als er schon an der Wiege stand und seinen Sohn auf seinen Arm nahm. Sein Sohn. Connor fand, das klang unglaublich.
„Ich wusste, dass du mein kleiner Junge bist, als ich dich zum ersten Mal gesehen habe“, sagte er zu dem Baby und tätschelte liebevoll den Rücken seines Sohnes, „Sicherlich muss ich dir nicht sagen, dass ich immer für dich da sein werde, denn ich bin mir sicher, das weißt du. Wenn du alte genug bist, bringe ich dir Fahrradfahren bei, wir spielen Eishockey und irgendwann kaufe ich dir dein erstes Auto… Ich liebe dich sehr, mein Kleiner.“
Er merkte nicht, dass Lindsay ihr Gespräch mit Claire bereits beendet hatte und nun auf dem Weg zu ihm war. Sie blieb im Türrahmen stehen und lauschte den Dingen, die er dem Baby erzählte.
„Deine Mommy liebe ich auch. Findest du, dass ich ihr das sagen sollte?“, er schaute den keinen, dunkelhaarigen Jungen an.
„Das solltest du“, stimmte Lindsay ihm zu und er drehte sich überrascht um.
„Du hast gehört, was ich gesagt habe?“
„Jedes einzelne Wort… Du liebst mich also, ja?“, es klang viel mehr wie eine Feststellung, als sie zu ihm kam und ihm das Baby abnahm. Sie fühlte, dass er ihr das Baby nur wiederwillig gab, obwohl es auch ihr Sohn war. Lindsay legte den Jungen in seine Wiege zurück, dann ging sie erneut zu Connor.
„Sag es mir doch“, bat sie, „Sag mir, wie sehr du mir liebst. Ich warte schon so lange darauf.“
Connor grinste. „Ich liebe dich sehr“, erklärte er schließlich, „Ich habe mich in dich… wieder in dich verliebt, als ich dich vor fünf Wochen zum ersten Mal sah.“ Während er sprach schlang sie die Arme um seinen Körper und schmiegte sich an ihn. Schließlich lehnte er sich zu ihr und küsste sie. Es war ein so schönes Gefühl, bei ihm zu sein. Sie genoss es und vertiefte den Kuss. Plötzlich ließ sie ihn los und Connor war enttäuscht.
„Was ist mit unserem Sohn?“, fragte sie leise.
„Das weißt du bereits, aber da du es gerne hörst, wiederhole ich es für dich: Ich liebe euch beide.“
„Schön“, murmelte sie und schloss die Augen, „So sollte es immer sein.“ Sie mochte es, in seinen Armen zu liegen. Lindsay gefiel die Vorstellung, ihren Sohn gemeinsam groß zu ziehen. Dieser Gedanke machte sie unheimlich glücklich.
„Das ist absolut lächerlich“, sagte Connor, „Wir sind die einzigen Menschen, die ein Baby bekommen haben, ohne miteinander im Bett gewesen zu sein“, stellte er fest, aber es störte ihn nicht im Geringsten.

Fin
 
 
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