Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sherlock Holmes: Am Reichenbachfall

von Palomina
KurzgeschichteDrama, Krimi / P12 / Gen
23.05.2012
23.05.2012
1
473
2
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
23.05.2012 473
 
Grauen und unendliche Trauer überfielen ihn, als er sah wie es enden würde, wie es enden musste. Er sah sich selbst, im wirbelnden Wasser untergehen während Moriarty hoch oben auf dem Balkon stand, die Arme ausgebreitet, den Sieg über seinen letzten Rivalen, seinen letzten Feind geniessend, wohlwissend das es auf dieser Welt nun niemanden mehr gab der sich ihm in den Weg stellen konnte...

Der Schluss, den diese Deduktion auslöste  traf Sherlock wie eine eiskalte Welle, während sein Gesicht die Gefühle verbarg. So durfte es nicht enden, das durfte nicht sein. Die Worte die Moriarty vor einigen Minuten gesprochen hatte, kamen ihm wieder in den Sinn: „Ich möchte dass sie wissen, dass ich bestrebt sein werde ein möglichst kreatives Ende für den Doktor zu finden... und für seine Frau.“
John! Nicht John! Nicht er! Nicht der einzige Freund, denn er jemals hatte, nicht den, der nur wegen ihm hier war, dessen Tod seine Schuld wäre...
Moriarty lächelte. Diese kleine Bewegung, nur das, löste etwas in ihm auf. Plötzlich wusste er, was zu tun war. Er wusste was er tun musste. Auch wenn er selbst es nicht wollte. Aber das spielte nun keine Rolle mehr. Nicht wenn er das erreichen wollte, wonach er sein Leben lang gestrebt hatte, das, was er sogar vor sich selbst verleumdet hatte. Eine bessere Welt zu erschaffen. Ich will es nicht tun, dachte er, aber ich muss. Also lachte er. Er lachte Moriarty offen ins Gesicht, denn er würde trotz aller Deduktion nie begreifen was Sherlock jetzt tat, würde es nie verstehen, nie vorhersehen können. Sein Fehler, sein einziger Fehler... Und ehe Moriarty seine Deduktion bewahrheiten konnte, richtete sich Sherlock auf, blies Moriarty einen Schwall funken ins Gesicht. Er nagelte ihn fest, den schmerzhaften Prozess seiner Schulter ignorieren. Warf sich zurück...
Die Tür vor ihm öffnete sich. John erschien. Sherlock erhaschte noch einen Blick auf das Gesicht seines besten Freundes.  So wollte er ihn in Erinnerung halten, das sollte das letzte Gesicht sein, das er sah, bei dem was er tun wollte. Also schloss er die Augen, um das entsetzten im Gesicht seines Freundes nicht sehen zu müssen, liess sich nach hinten gleiten über den harten Stein und übergab sich mit Moriarty den Reichenbachfällen.
Während John ans Geländer schritt, unfähig zu begreifen was eben geschehen war, fiel er. Das Wasser toste um ihn herum, doch Sherlock spürte es nicht, er hörte auch nicht die grauenerfüllten Schreie Moriartys oder das Tosen des Windes. Ein Gedanke pulsierte in ihm, im Gleichschlag mit dem Herzen. Für Watson, für Mary, für Mycroft...
Das Wasser griff nach ihm, zog ihn herunter, ihn der in jenem Moment da alles verloren war, doch noch gewann, der das Spiel um der Spiele willen spielte, der nie verloren hatte ausser dieses eine Mal. So sank er hinab in seine letzte Ruhestätte, sein ewiges Grab...
Für Irene
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast