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Wer sie war

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Maxim de Winter Mrs. Danvers
17.05.2012
02.01.2016
16
32.963
2
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17.05.2012 2.111
 
Hallo alle zusammen :)
Meine erste Rebecca Fanfiction!
ich kenne die Geschichte von Rebecca schon einige Zeit und ich finde es noch immer ein wenig unfair, dass Mrs. Danvers so verrückt ist. Daher habe ich versucht einen anderen Grund für ihren Wahn zu finden.Sie ist mein Lieblingscharakter in der Geschichte. Deshalb ist diese Geschichte vielleicht ein wenig an ihrer eigentlichen Art vorbei geschrieben. Vielleicht gefällt sie euch dennoch.
Liebe Grüße!
Sophie




Wer sie war


Erfüllt von Schmerz, Angst und tiefer, tiefer Trauer blickte Danny auf die Fackel in ihrer Hand. All dem endlich ein Ende setzen. Das verfluchte Haus in Flammen aufgehen lassen und niemals wieder irgendetwas spüren zu müssen. Es wäre wundervoll und doch, sie zweifelte. Würde es nach Mr. de Winter gehen, so wäre sie blind im Stande das Haus zu entzünden, denn sie war ja verrückt und vergessen. Von ihm vergessen.
Tränen stiegen in ihre Augen und sie warf die Fackel in den Kamin. Schluchzend ließ sie sich auf dem Teppich vor dem prasselnden Feuer nieder und starrte in die Flammen, welche nun Manderley verschlingen sollten. Vielleicht sollte sie vorn beginnen. Am Anfang einer langen Geschichte, einer sehr langen und traurigen Geschichte, die niemand kannte.

❀❀❀❀❀❀❀❀


Es war der 19. Oktober 1914. Der erste Weltkrieg nahm, wie schon der Name sagte, die Welt in Anspruch und verwandelte sie in einen Abgrund aus Hass und Brutalität. Menschlichkeit sich dahin und Freundlichkeit konnte man sich nicht leisten. Für Danielle Danvers war es ein Glück als Kindermädchen für die junge Rebecca arbeiten zu dürfen, dennoch war es schwer. Ihr Mann kämpfte im Krieg. Sie wusste nicht wo er war und auch nicht wie es ihm ging. Es konnte gut sein, dass er genau in diesem Moment verletzt in einem Graben lag und um sein Leben rang. Für sie war es ein Albtraum. Auch nur an ihn zu denken erfüllte sie mit Schmerz und Sehnsucht. Viel zu lange hatten sie sich nicht mehr gesehen, nicht mehr in den Armen halten können. Danny wusste genau, dass sie immer nur gekämpft hatten. Als sie sich kennen lernten war sie bereits an einen Mann versprochen. Ihre Eltern liebten die Tradition nach der sie zusammengefunden hatten und glaubten, dass es auch das Beste für ihre einzige Tochter sei. Danny war damals außerordentlich hübsch gewesne. Mit langem braunblonden Haar und strahlenden Augen, hohen Wangenknochen und einem bezaubernden Lächeln. Ihre Eltern hatten viel Anfragen, aber Danny verliebte sich ausgerechnet in einen Landstreicher, einen Musiker. Er schätzte sie, unterhielt sich mit ihr über Dinge die sie wirklich interessierten und hörte zu. Dass sie jahrelang Unterricht des Geigenspiels bekam, wusste sie erst ab diesem Zeitpunkt zu schätzen.
Zusammen machten sie Musik und schauten spät abends, wenn sie schon längst zu Hause sein sollte, in die Sterne. Nur zu gut erinnerte sie sich an seine sanften Worte:„Ich wünschte es könnte immer so sein. Für uns. Du bist wundervoll Danny. Ich liebe dich.“ Nie zuvor hatte sie intensiver gefühlt. Ihr erster Kuss, ihre erste große Liebe und sie sollte einen anderen Mann heiraten. Eines Nachts packte sie all ihre Sachen und floh mit ihm aus dem kleinen Dorf auf dem Land in die nächst größere Stadt. Sie wurde mit ihren gerade achtzehn Jahren als Kindermädchen für die sechsjährige Rebecca eingestellt und ihr Mann verdient weiterhin Geld mit seiner Musik. Bis der Krieg ausbrach. Er wurde eingezogen um zu kämpfen und sie glaubte vor Schmerz kaum noch atmen zu können.
„Danny?“ Rebecca saß unruhig auf dem Stuhl vor Danny, während sie die Haare des Mädchens kämmte.
„Ja mein Schatz.“ Antworte sie.
„Wann hört es endlich auf zu regnen? Ich möchte nach draußen und mit dem Boot raus fahren.“ Nörgelte sie.
„Ich denke in ein paar Tagen.“ Murmelte sie abwesend. „Ich kann gar nicht verstehen, dass du das so gerne machst. Ich werde immer Seekrank.“
Sie kicherte. „Das sieht man.“
„Und trotzdem muss ich immer mit?“
„Ja!“ rief sie aus und drehte sich abrupt um, sodass Danny die Bürste aus der Hand fiel. „Mit dir macht es am meisten Spaß!“
„Weil ich so schön grün werde, nichtwahr?“ sie lächelte selbst. Das Mädchen war herzallerliebst und schon jetzt eine wahre Schönheit. In ein paar Jahren würden ihr die Männer zu Füßen liegen.
Kichernd erhob sich Rebecca und lief durch ihr großes Kinderzimmer zu einer ihrer Puppen. Ihre Eltern überhäuften sie mit Geschenken, hatten aber selbst nie Zeit für das Mädchen. Danny hatte irgendwann die Mutterrolle eingenommen, da die leibliche Mutter sich vielleicht einmal am Tag blicken ließ. Für Danny selbst war es niemals ein Problem gewesen. Sie hatte sich immer Kinder gewünscht und glaubte fest daran irgendwann einmal mit ihrem Mann Kinder zu haben. In ein paar Jahren, sobald der Krieg endlich ein Ende gefunden hatte.
„Möchtest du Clara auch die Haare kämmen?“
Nachdenklich sah Danny auf die Puppe mit den großen Kulleraugen. „Sie hat doch sehr gepflegtes Haar. Meinst du nicht, ich sollte erst dir Zöpfe flechten?“
Rebecca stutzte und schüttelte dann den Kopf. Für ihre dreizehn Jahre war sie sehr bockig „Ich will aber keine Zöpfe.“
„Deine Mutter wünscht es so.“ Danny wusste auch nicht warum. Das Kind hasste es jedenfalls und wehrte sich so wie jeden Tag.
„Bitte können wir das nicht heute lassen.“
„Keine Widerrede mein Schatz, oder möchtest du, dass ich entlassen werde?“ es war die Frage mit der sie Rebecca jeden Tag dazu bekam sich die Haare flechten zu lassen.
„Nein.“ Ergeben setzte sie sich auf den Stuhl und Danny konnte mit ihrer Arbeit fortfahren, bis das Mädchen so adrett aussah, wie die kaum anwesende Mutter es wünschte. Aber Danny durfte und konnte es sich nicht leisten auch nur ein Wort gegen die gnädige Frau zu richten. Ihre Arbeit und das Geld waren ihr viel zu wichtig, ebenso die kleine Rebecca, die wirklich ein Engel sein konnte, wenn sie gute Laune hatte.
Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und eine vollkommen aufgelöste Haushälterin stand im Zimmer. Mrs. Adams war seit Jahren bei der Familie und hatte Danny am Anfang unter ihre Fittiche genommen um sie in den Beruf einzuweisen. Sie hatte sich auch zurückgehalten und nicht gefragt woher Danny kam und warum sie so jung schon von zuhause weg war. Nun stand sie dort, mit einem blassen Gesicht und musterte Danny.
„Kindchen, kann ich dich einen Moment sprechen.“ Seit sie hier war, wurde sie Kindchen genannt. Sie war die Jüngste unter den Bediensteten.
„Natürlich.“ Sie wand sich mit einem mulmigen Gefühl zu Rebecca. „Ich komme sofort zurück. Du kannst Clara ja währenddessen die Haare kämmen.“
Rebecca war abgelenkt und Danny konnte hinausgehen. Auf dem Flur reichte Mrs. Adams ihr ein gelbes Telegramm. Mit pochendem Herzen öffnete sie die Nachricht, in der Hoffnung ihr Mann würde bald wieder nach hause kommen. Doch das Gegenteil stand darin.
Gefallen im Krieg, hieß die schlichte Botschaft, ohne weiter Verschönerung oder Beileidsgrüße. Danny glaubte den Boden unter den Füßen zu verlieren. Die Nachricht glitt aus ihren eiskalten Händen, segelte zu Boden und blieb auf dem roten Teppich liegen. Danny selbst wurde schwach. Ihre Glieder wollten nicht mehr, ihre Beine wollten sie nicht mehr tragen und so knickte sie ein, wie eine verwelkte Blume. Um sie herum stand die Welt still, ihr schneller Herzschlag war alles was sie hörte. Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie glaubte auf der Stelle ohnmächtig zu werden. Er durfte nicht tot sein. Nicht jetzt. Sie war zu jung um Witwe zu sein.
„Kindchen.“ Hörte sie die mitfühlende Stimme von Mrs. Adams. „Es gab einen Kampf und kaum einer hat Überlebt. Du weißt so gut wie ich, dass die jungen, unerfahrenen Männer im Krieg verloren sind. Dein Mann war Musiker, er konnte nicht kämpfen.“
Die erste Träne fand den Weg über Dannys Wange, gefolgt von weiteren, die sie in einen Weinkrampf führten. Schnappatmung und unkontrolliertes Aufschluchzen erfüllten den Flur in dem sie immernoch regungslos auf dem Teppich saß. Sie bemerkte kaum, wie hinter ihr die Tür aufging und die kleine Rebecca neben ihr auftauchte. Stumm legte das Mädchen ihre Arme um Danny und hielt sie schützend fest.
„Was hast du denn?“ fragte Rebecca bedrückt.
Mrs. Adams nahm das Mädchen an sich. „Lass sie einen Moment in Ruhe Kleines. Ihr Mann ist gestorben. Sie braucht Zeit.“
Danny bemerkte nicht wie die Beiden von dannen zogen. Sie spürte nur noch Schmerz und blinden Zorn auf die ganze Welt.
Ab diesem Zeitpunkt dauerte es für sie ganze drei Jahre um wieder einmal zu lächeln. Jeden Tag zeigte sie allen Menschen um sich herum die kalte Schulter, die ihr gezeigt wurde. Das Leben war für sie nur noch Quälerei, welche den Tod hinauszögerte und immer schmerzhafter werden ließ. So bemerkte Danny die Veränderung ihres Schützlings erst viel zu spät. Rebecca wurden von Jahr zu Jahr schöner und immer angesehener. Sie verhielt sich mit vierzehn wie eine Lady und mit sechzehn wurde sie von allen Jungs aus der Nachbarschaft angehimmelt. Doch sie freute sich darüber nicht, für sie war es selbstverständlich. Alle himmelten sie an und Danny hatte dies auch zutun.
Es war ein Nachmittag am 27. März 1917 als Rebecca nach hause kam und ihren Eltern berichtete, sie habe einen sehr netten Mann kennengelernt. Sein Name lautete Maximilan de Winter und er sei reich. Danny war zu der Zeit auf ihrem Zimmer. Sie versuchte das Loch in ihren wärmsten Socken zu stopfen und sich nicht in die Finger zu stechen, als Rebecca ihr Zimmer stürmte und sich elegant auf ihr Bett schmiss.
„Danny, es ist ein wundervoller Tag.“
Behutsam legte sie ihr Stickzeug beiseite und wand sich Rebecca zu. „Was ist denn geschehen?“
„Ich habe einen Mann kennengelernt.“
„Das freut mich für dich.“ Lächelnd dachte sie an sich selbst als sie in etwa Rebeccas Alter ihren Ehemann kennenlernte. Sie war keinesfalls zu jung für die Liebe.
„Er sieht gut aus und er ist reich.“
Die Worte ließen Danny aufhorchen. „Reich?“ war es etwa das Kriterium nach dem Rebecca ihren Mann auszuwählen dachte?
„Ja. Maximilian de Winter ist sein Name. Ihm gehört ein prächtiges Schloss in Cornwall.“ Schwärmte das junge Mädchen.
Danny räusperte sich. „Wie alt ist dein Maxim denn?“
„Er ist achtundzwanzig.“ Sie zuckte mit den Schultern.
Dannys Augen wurden groß. „Wie alt bitte?“
Rebecca verdrehte ihre hübschen, hellen Augen. „Was macht das schon.“ Sie warf ihr dunkles Haar gekünstelt zurück und lächelte, so wie sie es immer zutun pflegte. „Er war sehr sympathisch und sehr zuvorkommend.“
„Wäre ich deine Mutter, würde ich mit dem Herrn reden. Er ist zu alt für dich.“
„Danny.“ Empört erhob Rebecca sich. „Du bist erstens nicht meine Mutter und du wirst es auch nie sein und zweitens was erlaubst du dir so mit mir zu sprechen? Du bist nur ein Kindermädchen. Ein Wunder das meine Eltern dich noch nicht entlassen haben.“
In Danny raffte sich Wut auf, aber sie zügelte ihr verhalten. „Es tut mir leid Madam.“
„Na siehst du.“ Rebeccas Lächeln traf sie kalt. „Du bist doch auch erst achtundzwanzig. Es heißt doch nicht, dass es keinen Mann mehr für dich gibt. Kein Grund eifersüchtig zu sein Danielle.“
Danny musste sich beherrschen Rebecca nicht ihres Zimmers zu verweisen. Beherrscht biss sie die Zähne zusammen und nickte bloß um sich wieder ihren Socken zu widmen. Für sie war das Thema Männer schon lang erledigt. Sie brauchte keinen neuen Mann und sie würde auch niemals mehr heiraten. Ihre große Liebe hatte sie zu grabe getragen. Sie würde keinen Mann mehr treffen, der so war wie er. Nie mehr.
„Ich möchte dich um etwas bitten.“ Sagte Rebecca nun weicher als eben noch.
„Was sie wünschen Madam.“
„Ach komm schon Danny. Sei nicht eingeschnappt. Da Mr. de Winter mir sicher in einigen Jahren einen Heiratsantrag machen wird, möchte ich, dass du mit mir gehst.“ Erklärte sie stolz wie sie nun mal war.
Danny horchte auf. „Einen Heiratsantrag? Wie kannst du dir sicher sein?“
Rebecca fasste Danny bei den Schultern und drehte sie zu sich um. „Sieh mich an. Ich bin schön, charmant, intelligent und ich weiß genau das Mr. de Winter mich begehrt wie keine andere Frau. Er wird mich heiraten. In einigen Jahren. Ich möchte, dass du dann mit mir gehst. Als meine treue rechte Hand.“
Ergeben seufzte Danny. „Gut, wie du es wünscht.“ Sie würde Rebecca keinen Wunsch abschlagen können, egal wie sehr sie ihre Bemerkungen kränkten. Zu guter letzt war sie auf Rebecca angewiesen. Niemand würde eine so schlecht ausgebildete Frau einstellten. Rebecca war ihre Lebensversicherung. Doch Danny vermisste das kleine Mädchen, das sie bat ihrer Puppe die Haare zu machen und sie vermisste die Spiele. Rebecca hatte sich schneller verändert als der Wind es tat. Und wenn Danny genau nachdachte, so saß vor ihr eine Frau und kein sechzehnjähriges Mädchen. Was hatte die Zeit nur mit ihr gemacht?

Ich würde mich über Reviews sehr freuen :)
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