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Alice im Spiel der Schatten

von J-chan
GeschichteAngst, Horror / P16 / Gen
Alice Die Grinsekatze
15.05.2012
15.05.2012
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1.175
 
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„“Liebling, bringst du noch einen Sack voll Blumenerde mit? Es wird noch eine ganze
Weile dauern bis der Gemüsegarten wieder auf Vordermann gebracht ist.“
„Ja Mama.“, Dieser Sack ist so schwer. Wieso muss solch ein kleines Mädchen wie ich es bin, einen so großen Sack schleppen? Nun ja, bis jetzt habe ich es noch jedes Mal hinbekommen. Wieso soll es dann dieses Mal nicht mehr klappen?!  
Mit kleinen Schritten tapste ich in den dunklen schuppen, der keine Fenster hatte. Auf Zehenspitzen stand ich vor dem metallenen Regal, gefüllt mit allem Möglichen Gartengeräten und was man sonst noch so benötigt. Im ersten Fach spitze Schaufeln und Spaten, große Geräte, wie Zangen, Scheren, Sensen und Sicheln. Im zweiten Fach hingegen befanden sich Blumentöpfe in allen möglichen Größen. Braune, rote, blaue, schwarze und ein kleiner grüner. Im obersten Regalteil befanden sich hingegen lauter kleine Papiertütchen die die verschiedensten Pflanzensamen enthielten. Und in der Ablage darunter befand sich der gigantische, schwere Sack voll Erde. Meine Fingerspitzen reichten allerdings nicht so hoch. Ich knirschte mit den Zähnen. Ich versuchte es mit hüpfen, ein paarmal streiften meine Finger das Plastik. Wieder und wieder, doch nicht einmal bekam ich den Sack wirklich zu fassen. Das reichte also noch lange nicht um den schweren Sack aus dem Regal zu ziehen.
Als meine Mutter mich schnaufen hörte fragte sie mit einer misstrauischen Stimme: „Alles in Ordnung, mein Schatz? Soll Louise dir helfen?
Ich ballte die Fäuste: „Nein Mama, ich brauche keine Hilfe.“
Es wäre doch gelacht, wenn ich es nicht schaffen würde den Sack Blumenerde von Regal zu ziehen und hinaus in den Garten zu bringen. Allerdings gab ich auf ohne Hilfsmittel an den Sack heranzukommen. Ich schaute mir das erste Fach an und wühlte ein wenig darin herum und wurde schließlich fündig. Ich schnappte mir die große eiserne Zange mit blauen Griffen. Mit einem „hepp“ hob ich sie nach oben, doch im nächsten Moment wurde mir klar, dass es nicht so einfach war, das lange Ding in Balance zu halten. Dieses schwere Metallmonster wollte einfach nicht gerade nach oben  in der Luft bleiben. Das hohe Gewicht lies mich immer zu nach links oder nach rechts schwanken. Doch allmählich bekam ich die Zange unter Kontrolle.
Mit voller Anstrengung versuchte ich den Sack mit der Zange zu packen und aus der Ablage zu ziehen, doch das Ding rutschte immer wieder ab. Beim dreiundzwanzigsten  Versuch bewegte sich der Sack um eine Daumenbreite, die weiteren sechs Versuche schlugen fehl.
Wütend schmiss ich die Zange auf den Boden. Und schon wieder kam diese misstrauische Stimme aus dem Garten: „Ist wirklich alles in Ordnung, ich höre laute Geräusche, soll Louise dir doch nicht lieber helfen?“
„Nein Mama ich komme schon klar, ich habe mir nur den Fuß an der Tonne gestoßen, daher kam das Geräusch.“, ich wollte es alleine schaffen, meine Schwester sollte mir nicht helfen. Da erblickte ich den hohen morschen Stuhl der sich  in der zweitdunkelsten Ecke des Raumes befand. Der dunkelste Fleck hier drinnen, war überall dort wo sich gerade meine dunkle wütende Aura ausbreitete. Auch der Stuhl war, wie alles in diesem Schuppen, sehr schwer.
Langsam und vorsichtig zog ich ihn über den kalten, rauen Steinboden bis hin zum Regal. Mühselig kletterte ich auf den hohen Stuhl. Der Sack voll Erde befand sich nun genau auf der Höhe meiner Schultern. Lächelnd  beglückte ich meinen Erfolg, nun war ich absolut siegessicher. Ich zog nun kräftig an dem Sack. Und im nächsten Moment passierten einige Dinge gleichzeitig. Langsam rutschte der Sack aus dem Regal, spürbar war, dass die Last immer schwerer wurde, als das letzte Stück die Ablage verließ, konnte ich den Sack nicht mehr halten, doch in diesem kurzen Moment, da der Sack sich noch in meinen Händen befand, krachte der morsche Stuhl durch das Gewicht in sich zusammen, der halt wurde mir genommen und ich rumste mitsamt dem Sack voll Erde und den Millionen Holzsplittern auf den kalten Steinboden, natürlich mit dem Kopf voraus.
Es dauerte einige Sekunden bis ich mich wieder fassen und klar denken konnte. Erst sah ich schwarz, dann verschwommen und dann wurde Gott sei Dank wieder alles klar erkennbar. Doch brauner dichter Staub verdunkelte mir immer noch die Sicht.
Nun fühlte ich mich selbst wie eine Blume, denn der schwere Sack war beim Aufprall aufgeplatzt und ich wurde unter geschätzten  Tausend Kilo Schmutz und Dreck begraben.
Doch nicht nur das war eine Folge des Aufpralls. Mein Kopf tat mir weh, er tat so unglaublich weh, mein Po tat mir weh und alles tat mir weh. Mit Tränen in den Augen versuchte ich mich wieder aufzurichten. Meine weiße Schürze war nun braun gefleckt und meine Ellenbogen blutig geschlagen. Zitternd sah ich an mir herab und begutachtete dann das Chaos, welches ich verursacht hatte. Dies aufzuräumen würde keine Arbeit von drei Minuten sein. Angst schlich in meine Wasserblauen Augen und das erste woran ich dachte war: Mama wird mich umbringen, sobald sie das sieht. Und schon hörte ich ihre Schritte auf den Steinplatten vor dem Schuppen.
Wie von einer Wespe gestochen nahm ich die Beine in die Hand und rannte durch die Tür quer durch den Garten über das Gemüsebeet, sprang von der hohen Mauer die unseren Garten von der Straße abtrennte. Bei jedem meiner Schritte spürte ich den Schmerz in meinen Knien, und schließlich knickten sie unter mir weg, mit meinen Händen fing ich mich, richtete mich sofort wieder auf und sprintete über den feuchten breiten Pfad, hinüber zum Haus meines Onkels. Sobald ich das Gartengatter seines Gartens hinter mir schloss verlangsamte sich mein Schritt und der Stress verlies mich. Sobald ich mich auf dieser Seite des Pfades befand, konnte sie mir nichts mehr anhaben. Seit Jahren hatte keiner außer mir mehr diese Seite betreten, außer mir und meinem Onkel.
Der steinerne Weg, der vom Gatter durch den Garten zur Haustür verlief war lange, sehr lange. Der Garten riesig, geteilt durch den Weg, doch nur braunes, totes Gras, keine Blüten und keine Büsche. Nur ein großer alter Baum auf der rechten Seite der Rasenfläche. Groß, mächtig und knochig. Genau wie mein Onkeln, er war auch groß, mächtig und knochig. Allein seine Körpergröße war so mächtig, dass man mich 4-mal aufeinanderstapeln hätte müssen um seine Größe zu erreichen. Mein Onkle hatte noch niemals ein Wort mit mir gesprochen. Auch habe ich ihn noch nie niemals lächeln sehen. Die Hautpartie zwischen seinen Augenbrauen war immer zerknittert und gefaltet. Als ob er immer böse sei. Auch mich sah er immer zu mit einem abwertendem Blick an. Aus diesem Grund liebte ich meinen Onkelüber alles, wie seltsam es auch klingen mag. Auch wenn er sich nichts anerkennen lies, so glaubte ich trotzdem, dass er mich auch liebte. Denn trotz seiner Grimmigkeit hat er mich noch nie weggeschickt wenn ich zu ihm kam. Ich konnte sein Haus ohne weiteres betreten. Hinter dem Haus meines Onkels lag ein tiefer, dunkler Wald und Wiesen, etwas Übernatürliches prägte diese Gegend.
Meine Mutter und Louise nannten diesen Ort abwertend „Ort-den-man-nicht-betreten-sollte. Doch ich nannte diesen Ort liebevoll „Wunderland“…
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