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Cycle 1.0

GeschichteDrama, Tragödie / P18 / MaleSlash
Emma Ludbrook Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
13.05.2012
01.07.2020
66
127.793
4
Alle Kapitel
208 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
21.10.2017 1.847
 
Huhu,

ich weiß, eigentlich poste ich erst Sonntags, aber da ich es gerade fertig habe und ich ja eigentlich schon eine Woche zu spät bin, 'erfreue' ich euch doch heute schon mit dem nächsten Kapitel.
(By the way... wieder Jared POV... die ja echt übel gewesen sein muss beim letzten mal bei dem ohrenbetäubenden Schweigen XD)

Uni und Schoko sind davon natürlich ausgenommen, die treuen Seelen :-*  Danke euch beiden

Naja, ich hoffe die mangelnde Rückmeldung liegt in Wahrheit nur an fehlender zeit eurerseits und nicht wirklich an meinen miesen Schreibskills.

PS: Wird irgendwer von euch auf irgendwelchen Shows sein? Und wenn ja, dann wo? :-*

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Chapter Sixty (Jared PoV)

Bis ich endlich vor Jons Tür stehe, ist es längst dunkel. Das Haus ist still. Stiller, als ich es in den letzten Monaten je erlebt habe.

Erst jetzt wird mir so richtig bewusst, dass wirklich immer irgendwer hier war und auf einmal trifft mich die ungewohnte Ruhe wie ein Hammerschlag. Ich konnte noch nie wirklich gut mit dem Alleinsein umgehen. Zumindest nicht in geschlossenen Räumen. Draußen dagegen, beim Wandern oder Laufen, kann es mir nicht einsam genug sein. Seltsam. Ich habe nie bewusst darüber nachgedacht, warum das so ist. Vielleicht hab ich einfach Angst davor, auf mich selbst zurückgeworfen zu sein ohne einen Weg, auf den ich achten muss oder Dinge, die es zu entdecken gilt.

Hier jedenfalls gibt es beides nicht.

Nur einen Schlüssel und eine Tür und die unbedingte Notwendigkeit, beides zu benutzen.

Eigentlich hätte ich das längst tun sollen. Aber stattdessen stehe ich hier, ein Ohr am Holz, und lausche angestrengt auf jedes noch so kleine Geräusch das mir verraten könnte, was mich erwartet. Leider höre ich aber nichts bis auf den weit entfernten Donner eines vielleicht aufziehenden Unwetters.

„Jon?“, frage ich – sicher viel zu leise – in Richtung Tür und klopfe an.

Es reicht schließlich schon, dass ich ihn eingesperrt habe wie ein Tier in seinen Käfig. Da muss ich nicht noch eins draufsetzen, indem ich unvermittelt in seinem Zimmer stehe. Doch auch auf lautere Ansprache und wiederholtes Klopfen rührt sich nichts. Mühsam kämpfe ich das flaue Gefühl im Magen nieder und durchsuche mit zitternden Händen hektisch meine Hosentaschen.

„JON?“, versuche ich es, kräftiger diesmal, während ich den Schlüssel schon ins Schloss stecke und ihn, nachdem ich einmal tief durchgeatmet habe, drehe.

Noch immer keine Antwort. So langsam bekomme ich es wirklich mit der Angst zu tun. Dass Jonny gar nicht reagiert ist, soweit ich mich erinnere, noch nie vorgekommen. Und sei es nur mit einem Herein. Einige angespannte Atemzüge lang bleibe ich noch unschlüssig stehen, dann drücke ich die Klinke herunter und stecke vorsichtig den Kopf ins Zimmer.

Das erste, was mir auffällt, ist das Chaos. Jonathan ist eigentlich sehr ordentlich. Fast schon penibel. Aber jetzt sieht es hier aus, als habe ein Hurrikane gewütet. Überall sind Sachen verstreut. Kleidung, Papiere, Bücher. CDs und DVDs liegen, mal mit, mal ohne ihre Hüllen, auf einem wilden Haufen mitten im Raum, daneben sein Schreibtischstuhl und von den Vorhängen vor den Fenstern sind nur noch Fetzen übrig. Noch viel mehr als die Unordnung schockieren mich allerdings die dunklen, feuchten Schmierspuren überall. Ich bin einigermaßen sicher, dass das Blut ist und muss krampfhaft gegen die plötzliche Übelkeit an schlucken.  

Zögernd, obwohl doch eigentlich Eile geboten wäre, betrete ich das Zimmer vollends und muss mich verdammt zusammennehmen, um nicht einfach umzukippen. Die großen Spiegel des Kleiderschrankes sind allesamt zerschlagen und ihre Überreste glitzern in dem gedämpften Licht der Nachttischlampe wie die Horrorfilmversion einer verträumten Winterlandschaft.

„Jonny?“, frage ich in die ohrenbetäubende Stille hinein. Dabei ist mir vollkommen klar, dass ich keine Antwort bekommen werde.

Vorsichtig, um mich auf meinen Socken nicht zu schneiden, tapse ich durch das Scherbenmeer zum Bett.

„Jonny?“, versuche ich es noch einmal, doch die zusammengekauerte Gestalt unter den Laken rührt sich immer noch nicht.

Die letzten paar Schritte achte ich kaum noch darauf, wo ich hintrete, sondern taumele tränenblind durch den Raum und lasse mich schließlich neben dem Bett auf die Knie sinken, ohne mich weiter um das Glas zu kümmern. Meine Hand zittert als ich nach der Decke greife, um sie behutsam anzuheben. Ungeduldig blinzele ich die Tränen weg, die meine Sicht zunehmend verschwimmen lassen. Und das, obwohl ich nicht einmal sicher bin, dass ich wirklich sehen will was ich angerichtet hab. Fuck. Das Herz schlägt mir buchstäblich bis zum Hals, denn auch das cremefarbene Seidengemisch ist voller rötlich brauner Flecken und fühlt sich teilweise feucht an, sodass ich mich förmlich zwingen muss, hinzusehen.

Beinahe erwarte ich… nein. Ich will nicht einmal ausdenken, was ich erwarte. Das wäre einfach zu furchtbar, als dass ich es auch nur als vage Vermutung ertragen könnte. Aber es ist immer noch so grausam still, dass es mir verdammt schwer fällt mich zu überwinden.

Und als ich es dann doch tue, scheinen sich meine dunkelsten Befürchtungen zu bestätigen. Jonny liegt zusammengerollt auf der Seite. Seine Augen sind zwar offen, starren aber blicklos durch mich hindurch ins Nichts und seine blutigen, fragilen Hände ruhen so reglos wie der Tod auf den hellen Laken.  Der einzige Grund, aus dem ich nicht aufspringe und weglaufe, ist seine Körperwärme, die noch immer in der dicken Decke hängt.

Ich schlucke heftig gegen den bitteren Geschmack in meinem Mund an, während ich noch darüber nachdenke ob ich versuchen sollte, seinen Puls zu fühlen. Dies sind vermutlich die längsten Augenblicke meines Lebens und ich würde alles, wirklich alles dafür geben den heutigen Tag ungeschehen zu machen. Zittrig strecke ich eine Hand nach Jons Hals aus, in der festen Überzeugung viel zu spät zu sein und bekomme fast einen Herzinfarkt, als er blinzelt.

„Jonny!“, stoße ich verdammt atemlos hervor. Keine Ahnung ob ich Panik kriegen, wütend werden oder einfach erleichtert sein soll. „Was ist passiert? Hast du Schmerzen? Brauchst du einen Arzt? Du hast mich fast zu Tode erschreckt!“ Das alles rattere ich so schnell runter, es grenzt an ein Wunder, dass ich mich nicht hoffnungslos verhaspele. Dass er mit Sicherheit alles andere lieber will, als einen Arzt, ist mir kurzzeitig entfallen und dämmert mir erst wieder, als seine Augen sich erschrocken weiten und er zum ersten Mal, seitdem ich den Raum betreten habe, eine Reaktion zeigt. Beinahe unmerklich schüttelt er den Kopf und sieht zu mir auf. „Jonny? Rede mit mir bitte. Es tut mir leid.“

Sein Blick ist so leer, dass es mir körperlich weh tut. Ich kann nicht einmal sagen, ob er den Sinn meiner Worte begreift. Es ist, als sei er gar nicht wirklich da.

Es schmerzt. Und dann bin ich plötzlich unglaublich wütend. Am liebsten würde ich ihn packen und schütteln. Das Letzte, das ich gerade brauchen kann, ist irgendein Passiv-aggressives Schmierentheater seinerseits das einzig darauf abzielt, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Pah. Als ob ich das nicht eh hätte! Und überhaupt ist es wohl kaum meine Schuld, dass er beschlossen hat seinen Spiegelschrank – nein, eigentlich das ganze Zimmer – in seine Einzelteile zu zerlegen. Das Brennen in meinen Füßen und Knien facht meine Wut nur noch mehr an. Wie kann er es wagen,  eine derartige Show abzuziehen?

Dass ich die Hände zu Fäusten geballt habe und eine davon zitternd zwischen uns in der Luft Hängt, realisiere ich erst als er ein winziges, ersticktes Geräusch macht und die Augen zukneift, wie ein verängstigtes kleines Tier.

Seltsamerweise versucht er nicht einmal, zu fliehen oder irgendetwas zu sagen.

Ganz langsam, unter Aufbietung all meiner Selbstbeherrschung lasse ich den Arm sinken.

„Warum hast du das gemacht?“, presse ich schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und greife nach seinem zarten Handgelenk. Wann ist er bloß so dünn geworden? „Du hättest draufgehen können dabei.“

„War keine Absicht“, nuschelt er endlich, als ich schon gar nicht mehr mit einer Antwort rechne.

Noch nie war ich so erleichtert, seine Stimme zu hören.

„Keine Absicht“, grummele ich ungnädig, während ich mir seine zerschundene Hand etwas genauer betrachte. „Ist klar.“

Diesmal tut er mir nicht den Gefallen, etwas zu erwidern, sondern wirft mir nur einen resignierten Blick zu, der so ziemlich alles bedeuten könnte von ‚Entschuldigung‘ bis ‚Was kümmert es dich?‘.

Allerdings muss ich zugeben, es sieht wirklich nicht danach aus, als habe er sich was antun wollen. jedenfalls nicht so, wie ich im ersten Moment dachte. Seine Gelenke sind zwar blutig, aber unverletzt. Dafür hat er so viele Schnittwunden an den Händen, dass man fast auf die Idee kommen könnte, er sei mit selbigen geradewegs durch das Scherbenmeer auf dem Boden gefahren.

„Hast du die Spiegel mit bloßen Händen zerschlagen?“, erkundige ich mich trocken. Einfach, weil ich keine Ahnung hab wie ich mit der Situation umgehen soll. Die Stimme in meinem Kopf jedenfalls will ihn immer noch schütteln. „Ich hätte dir nen Baseball Schläger kaufen sollen für solche Fälle.“  

„Ich hasse Baseball“, murrt er in einem ziemlich erfolglosen Versuch meinen schnodderigen Tonfall zu treffen. Allerdings ist es nicht viel mehr, als ein kraftloses Flüstern. Trotzdem klingt er beinahe wie ich.

„Du sollst damit ja auch nicht spielen“, informiere ich ihn und verdrehe die Augen, während ich versuche abzuschätzen, wie viel seines Blutes er wohl auf Boden, Wänden und Bett verteilt hat und ob seine unüberhörbare Schwäche damit zusammenhängt, oder doch eher mit den Nerven. Oder vielleicht mit beidem. „Ist es okay wenn ich mich zu dir aufs Bett setze?“

Er nickt schweigend, rutscht ein Stück beiseite, und lässt sich dann schwer atmend zurück auf die Matratze sinken. Er zittert und auf seiner Stirn bildet sich ein leichter Schweißfilm. Außerdem wird er noch eine Spur blasser, als er ohnehin schon ist. Nachdem ich mich zähneknirschend auf die Bettkante gezogen habe, beiße ich mir auf die Unterlippe, atme einmal tief durch und treffe eine Entscheidung.

„Ich ruf jetzt Hilfe“, informiere ich ihn entschlossen. Scheiß auf seine Abneigung gegen Ärzte.  „Und es ist mir total egal ob dir das passt oder nicht. Du hast überall Glas in den Händen und ich will nicht wissen wo noch alles. Außerdem siehst du aus als würdest du gleich umkippen. Also keine Widerrede. Klar?“

Die Tatsache, dass er nicht einmal mehr versucht zu widersprechen, sondern nur ergeben nickt, ist verdammt noch mal gruselig. Viel alarmierender, als wenn er angefangen hätte zu toben und zu lamentieren. Ich fühle mich, als hätte man mich in den Magen geschlagen. Etwas hilflos tätschele ich seine hoffentlich unverletzte Schulter.

„Das wird schon wieder, versprochen.“

Jonathan antwortet erst gar nicht auf diesen witzlosen Allgemeinplatz.

Er weiß wohl ebenso gut wie ich, dass ich damit mehr versuche mich selbst zu beruhigen, als ihn. Immerhin wirkt er im Vergleich zu mir absolut tiefenentspannt. Tatsächlich sieht er so aus, als würde er jeden Moment einschlafen. Und das, obwohl er so eine verfickte Angst vor Ärzten hat, dass er lieber sterben würde als einen der Halbgötter in Weiß in seine Nähe zu lassen.

Diese Erkenntnis lässt mich so panisch werden, dass ich eine gefühlte Ewigkeit brauche um das Telefon aus meiner Tasche zu fischen.

„Alles wird gut“, murmele ich vor mich hin, während ich darauf warte dass sich am anderen Ende der Leitung endlich etwas rührt. Wenn das immer so lange dauert ist es wirklich ein Wunder dass wir nicht längst in einer Geisterstadt leben.
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