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Cycle 1.0

GeschichteDrama, Tragödie / P18 / MaleSlash
Emma Ludbrook Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
13.05.2012
01.07.2020
66
127.793
4
Alle Kapitel
208 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
30.09.2017 1.811
 
Wow.. ihr seid tatsächlich noch da oO Und habt nicht die komplette bisherige Handlung vergessen. wow. (Ich hab dafür die tage fast alles noch mal durchgelesen, damit ich nach der langen pause nicht völligen Unsinn schreibe oder monströse Plotholes produziere. ich hoffe, das gelingt mir auch irgendwie)

Danke an Dreamer, Uninona und Schoko fürs reviewen <3

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel <3

(Da ich mich nächste Woche erst nach Edinburgh und dann nach Berlin verabschiede für insgesamt ca 2 Wochen, poste ich das nächste kapitel dann vorher, vorausgesetzt ich vergesse es nicht (ihr dürft mich gern dran erinnern auf Facebook oder hier)  Danach muss ich dann aber eine Woche aussetzen. ich hoffe ihr nehmt es mir nicht allzu krumm :P

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Chapter Fifty-eight (Jon PoV)



Jared macht sich gar nicht erst die Mühe mich anzusprechen, sondern packt mich grob am Oberarm und zerrt mich wortlos hinter sich her die Treppen hinauf.

Selbst nachdem wir in meinem Zimmer angekommen sind und dir Tür hinter uns ins Schloss fällt, schweigt er. Vielleicht, weil er mich anschreien würde beginge er den kapitalen Fehler, den Mund zu öffnen. Die nackte Wut tropft ihm aus jeder Pore, sodass ich unwillkürlich ein paar Schritte zurückweiche, bis ich mit dem Rücken an der Wand stehe.

Mühsam kämpfe ich um meine Selbstbeherrschung. Darum, nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Alex gehört der Vergangenheit an - wenigstens würde ich das gerne glauben – ebenso wie sein Umgang mit Konfliktsituationen.

Doch mit jedem Schritt, den Jay auf mich zu macht, sträuben meine Nackenhaare sich ein wenig mehr. Sein Atem geht stoßweise und abgehakt; so, als wäre er gerannt. Die Adern an seinen Schläfen und unter seinem Auge pulsieren im viel zu schnellen Rhythmus seines Herzens – ein sicheres Zeichen dafür, wie aufgebracht er ist.

„Ich dachte, ich könnte dir vertrauen, Jonathan“, presst er schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als er schon so dicht vor mir steht, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüre. Ich will etwas erwidern, mich entschuldigen, mich erklären, doch eine knappe Handbewegung hält mich auf, bevor ich es auch nur schaffe, den Mund zu öffnen. „Lass es“, sagt er tonlos. „Ich will es nicht wissen.“ Damit dreht er sich auf dem Absatz um und geht - nicht, ohne mir zuvor noch einen derart enttäuschten Blick zuzuwerfen, dass ich am liebsten losheulen würde.

Mein ganzer Körper zittert vor Anspannung und meine Knie fühlen sich an, wie Pudding. Kraftlos lasse ich mich auf das Sofa sinken und vergrabe das Gesicht in den Händen.

„Es tut mir leid, Jay“, nuschele ich viel zu leise. „Tut mir Leid.“

Dass er den Schlüssel, der sonst immer von der Innenseite steckt abgezogen hat, merke ich erst, als selbiger im Schloss gedreht wird. Einen Moment lang starre ich fassungslos in Richtung des Geräuschs; sehe, wie sich die Klinke senkt und wieder hebt, ohne dass das schwere Furnier nachgibt.

Panisch springe ich auf, stolpere dabei fast über meine eigenen Füße, versuche wider besseres Wissen die Tür zu öffnen und kann nicht glauben, dass er das wirklich getan hat – dass er fähig ist, mir das anzutun obwohl er – als einziger Mensch auf der Welt – weiß dass ich das Eingesperrt Sein nicht ertragen kann und warum.

Verzweifelt hämmere ich, in der Hoffnung ihn zu erweichen, gegen das schwere Furnier, brülle seinen Namen, immer und immer wieder, bis meine Stimme bricht und ich einfach zusammensacke, wie ein Häuflein Elend. Ich weiß verdammt genau, dass er mich nicht hören kann – oder will.

Natürlich könnte ich ihn anrufen oder ihm eine Nachricht schicken. Allerdings bin ich ziemlich sicher, dass er beides ignorieren würde. Schließlich hat er eine Entscheidung getroffen. Eine, die mir deutlicher als alle Worte es könnten sagt, wie er mich sieht: Als Eigentum – bestenfalls.

Am liebsten würde ich weglaufen. So schnell und soweit mich meine Füße tragen. Es wäre möglich – theoretisch. Schließlich bin ich nicht mehr ganz Mittellos. Was auch immer ich Jared zurzeit alles vorwerfen könnte – Geiz gehört nicht dazu. Er sorgt gut für mich.

Nein, Geld ist kein Problem. Selbst wenn er meine Kreditkarte umgehend sperren lassen würde, brächte meine über die vergangenen Monate gehortete Barschaft mich locker über das erste Jahr. Vorausgesetzt ich werfe das Geld nicht mit beiden Händen zum Fenster raus. Erschreckend, dass ich darüber nicht zum ersten Mal nachdenke und das, obwohl ich Jay etwas versprochen habe und es auch so meinte. Nur komme ich allmählich an meine Grenzen und ich weiß nicht, ob unser ohnehin zunehmend schwieriges Verhältnis jetzt noch zu kitten ist.

Müde lasse ich den Kopf gegen die Tür in meinem Rücken sinken. Ich könnte gehen und mich nicht mehr umdrehen, ja. Aber wohin? Jay, Tomo und dessen Verlobte sind alles, was ich habe und ich mache mir keinerlei Illusionen darüber wie meine Chancen stehen auf Dauer unsichtbar zu bleiben, sollte ich versuchen irgendwo neu anzufangen.

Auch wenn Alexander mir inzwischen so entfernt erscheint wie eine Figur aus einem anderen Leben: Seinen ehemaligen Geschäftspartnern wird es nicht so gehen. Ein paar Monate, selbst Jahre, ändern nichts daran, dass ich zu viel weiß. Oder daran, dass es nötig ist ein Exempel zu statuieren. Schon alleine um eventuellen Nachahmern prophylaktisch den Garaus zu machen. Nein. Zu gehen käme einem Selbstmord gleich und ich bin definitiv nicht bereit zu sterben. Nicht jetzt, wo ich gerade anfange zu begreifen, dass ich mehr sein kann als ich je für möglich gehalten hätte. Ich kann mehr sein, als ein Dealer, ein Zuhälter oder ein Werkzeug zur Abfallbeseitigung. Ich kann mehr… und, Jared sei Dank, will ich es unbedingt.

Sicher, auch für ihn bin ich wohl nicht mehr, als ein Mittel zum Zweck. Doch zumindest habe ich so einen sicheren Zufluchtsort und eine Chance irgendwann ein Leben zu führen, das nicht auf Leichen aufgebaut ist und Geld zu verdienen – eigenes Geld, an dem kein Blut klebt. Vorausgesetzt, ich lasse uns nicht um der Einsamkeit willen hochgehen.

Mich runter zu schleichen war eine verdammt dumme Idee und plötzlich erscheint mir Jays Reaktion darauf nur zu verständlich, auch wenn mir diese Erkenntnis das Gefühl, eingesperrt zu sein, nicht im Geringsten erträglicher macht. Eher im Gegenteil. Bevor mir klar wurde, wie überaus dämlich ich wirklich war, konnte ich wenigstens rechtschaffen wütend auf ihn sein und Wut ist für mich weitaus leichter zu ertragen, als Trauer und Angst. Aber letztlich habe ich mich ganz allein in diese beschissene Situation hinein manövriert indem ich nicht nur seine Karriere gefährdete, sondern auch mein Leben – und seins gleich mit.  Natürlich ist er da wütend und enttäuscht. Wären unsere Plätze vertauscht gewesen, hätte ich ihn vermutlich eiskalt vor die Tür gesetzt und ihn seinen Häschern überlassen. Dass Jared das nicht getan hat und auch nie tun würde, zeigt mir wieder einmal überdeutlich ein wie viel besserer Mensch er trotz aller Macken ist.

Ein Gedanke, der sich wie eine eiserne Klaue um mein Herz legt. Er ist das Licht und ich… ich bin es im Grunde nicht einmal wert, in seinem Schatten zu stehen, geschweige denn ihn zu verkörpern. Trotzdem glaubt er, dass ich es kann und vertraut mir, während ich nichts Besseres zu tun hab, als zu lamentieren, zu hadern, und ihm Vorwürfe zu machen. Aber natürlich nicht so, dass er auch nur den Hauch einer Chance hätte, sich zu verteidigen oder zu erklären – oder gar etwas an seinem Verhalten zu ändern. Nein. Ich fresse es lieber in mich rein, kultiviere meine Wut und rede mir selbst ein, alles sei sein Fehler. Erwäge sogar meinen Schwur zu brechen nur weil es ein bisschen ungemütlich wird.

Was zum Teufel habe ich erwartet? Dass es ewig so weitergehen wird? Dass er nichts anderes zu tun hat, als mir die Zeit zu vertreiben? Dass es nie Konflikte zwischen uns geben wird? Dass er die personifizierte Geduld ist –  nie die Beherrschung verliert, egal wie schwer die Last auf seinen Schultern wird?

Es ist schon verdammt unglaublich wie selbstgerecht ich mich ins gemachte Nest gesetzt und erwartet habe, dass er mich ewig hofieren wird. Kein Wunder, dass Shannon mich nicht ausstehen kann. Vermutlich ist er der einzige, dessen Wahrnehmung meiner Person nicht von ein paar hübschen blauen Augen und dem über Jahrzehnte kultivierten Katzbuckeln getrübt ist. beneidenswert, eigentlich. Immerhin hätte ich es mir fast selbst abgekauft.

Nein. Ich habe sie mir abgekauft - die Mär über die wundersame Läuterung. Vielleicht nicht gleich vom Schurken zum Helden in der glänzenden Rüstung, aber doch zumindest zu einer etwas weniger skrupellosen Person.

Wie wenig diese Einschätzung zutrifft, wird mir erst ganz allmählich klar, während ich mich endlich vom Boden aufrappele, um mir einen Kaffee zu machen. In meinem sündhaft teuren Vollautomaten in meiner ebenso sündhaft teuren Küchenecke mit meinem eigenen Kühlschrank, der immer so viel besser gefüllt ist, als der unten.

Stirnrunzelnd betrachte ich mein Spiegelbild im hochwertigen Klavierlack der Hängeschränke während sich der heimelige Duft von frisch gemahlenen, fair gehandelten Kaffeebohnen – Bio natürlich -  in meinem Zimmer ausbreitet, und wende mich ab. Meine Hände umklammern so fest die kante der marmornen Arbeitsplatte, dass es schmerzt.

Ja, ich hasse es, eingeschlossen zu werden. Es macht mir Angst, weil ich dabei schier ertrinke in all den grausamen Erinnerungen an Schmerz und Demütigung. Es macht mir Angst, weil ich jeden Moment damit rechne, dass die Tür sich öffnet und einer meiner Peiniger hereinkommt. Sobald ich in meiner Wachsamkeit nachlasse, es nicht mehr schaffe, meinem Kopf etwas zu tun zu geben, beginnt alles wieder von vorn und sind die Dämme einmal gebrochen, gibt es nichts mehr, was die Flut aus Bildern und Empfindungen noch aufhalten könnte.

Ich habe Angst. Schreckliche Angst. So sehr, dass meine Hände zittern und ich mich beeile, die Tasse auf dem Nachttisch abzustellen, ehe ich ihren Inhalt gnadenlos auf dem Fußboden verteile. Dabei ist sie gerade das einzige, das mich noch im hier und jetzt hält.

Sie, und ironischerweise dieser Raum. Er mag ein Gefängnis sein – zumindest im Moment. Aber er sieht nicht danach aus. Vor allem aber fühlt er sich nicht danach an. Dafür hat Jay – weitaus vorausschauender als ich, gesorgt; und ich bin ihm unglaublich dankbar dafür.

Ich hatte damals, als wir die Einrichtung aussuchten, etwas Einfaches, Zweckmäßiges gewollt und es war Jared gewesen, der auf mehr bestand. mehr von allem. Mehr Gefühl, mehr Persönlichkeit, mehr Wärme. Er war derjenige gewesen, der weder Kosten noch Mühen gescheut hat, damit ich mich hier zuhause fühle und nicht wie ein Gast.

Selbst die Küchenzeile war seine Idee. Damit ich, wie er - selbstironisch wie immer - scherzte, nicht darauf angewiesen bin, dass er nicht den Herd anzündet bei seinen Kochversuchen.

Ich habe alles, wirklich alles hier, was ich brauche und darüber hinaus und es gibt fast nichts, das ich mir nicht kurzerhand bestellen könnte, stünde mir der Sinn danach. Er hat wirklich alles getan, was in seiner Macht stand und ich danke es ihm, indem ich mich, ihn, und jeden, der uns je zu nahe gekommen ist, in Gefahr bringe.

Ich fürchte, ich schulde ihm ein wenig mehr als eine einfache Entschuldigung.
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