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Cycle 1.0

GeschichteDrama, Tragödie / P18 / MaleSlash
Emma Ludbrook Jared Leto OC (Own Character) Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
13.05.2012
01.07.2020
66
127.793
4
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Dieses Kapitel
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24.09.2017 2.209
 
Ich weiß, hier ist laaaange lange nichts mehr passiert. Das hat einen ganzen haufen von Gründen - vor allem aber den, dass meine Cowriterin umgezogen ist, nen Verlobten und mehrere Katzen hat und, denke ich, einfach raus ist.
ich hab lange überlegt was ich hiermit jetzt mache. Einstampfen? Allein durchziehen? Und kam letztlich zu dem Schluss, dass es zu schade wäre sie einfach zu löschen. Dazu steckt einfach zu viel Arbeit dahinter, auch wenn ich mit einigem (zum beispiel meiner eigenen Schreibe) nicht mehr wirklich glücklich bin. Aber verschnitt hat man ja immer, also weiter im Text :P

Bitte seht es mir nach, wenn dieses Kapitel gerade am Anfang sehr holprig daher kommt, aber ich habe es seit Monaten nicht eines Blickes gewürdigt (vielleicht ist es sogar schon ein Jahr oder mehr), habe in der Zwischenzeit gute 800 Seiten an anderen Sachen geschrieben und bin, gelinde gesagt, aus dem Tritt. Außerdem hat sich denke ich auch einiges an meiner Schreibe verändert, sodass ihr womöglich ziemlich genau merkt, welcher Teil des Kapitels alt ist, und welcher neu. Ich hoffe aber, ihr habt trotzdem Spaß. (Auch wenn ich beinahe befürchte, die meisten von euch müssen die ganze Story noch mal von vorne anfangen)

ich kann nicht versprechen, regelmäßig zu posten, aber ich werde mich drum bemühen es nicht wieder einschlafen zu lassen, wo ich doch gerade einen Entschluss gefasst hab.

Vielleicht seid ihr ja gnädig und lasst mir trotzdem das ein oder andere Sternchen oder noch besser den ein oder anderen Kommi da? (Obwohl ich fast davon ausgehe, dass die Favoritenzahl erst einmal gnadenlos einbrechen wird *sigh*)

Habt einen schönen Restsonntag, trotz gruseliger Hochrechnungsergebnisse bei der Bundestagswahl.
LG
Amy

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Chapter Fifty-Seven (Jon PoV)



Wir brauchten an jenem Abend eine Weile, um all die Briefe, Dokumente und Fotos einzusammeln und in die Richtige Reihenfolge zu bringen. Jared war still, die meiste Zeit. Ungewöhnlich still. Ab und zu fiel sein Blick auf ein Bild oder ein Blatt Papier und er lachte still in sich hinein, als habe jemand, den nur er hören konnte, einen besonders guten Witz erzählt. Je länger wir dort auf dem Boden knieten, desto klarer wurde mir, dass diese eine Kiste sein Leben enthielt und wie schwer es ihm fiel, zu teilen. Manchmal saß er einfach da und starrte blicklos die Wand an, als sei er gar nicht da sondern ganz woanders. Ich selbst fühlte mich dabei fast wie ein Eindringling so versunken war er Streckenweise. Ich bin nicht sicher, was er tat. Vielleicht war es seine Art Abschied zu nehmen von Erinnerungen und Geheimnissen, Dingen, die er tief in sich vergraben hatte bis die Not ihn zwang, sie preiszugeben. Vielleicht fiel ihm das Ordnen und Sortieren nach so etwas Nichtssagendem wie Jahreszahlen auch einfach nur schwer. Er hat mir bisher nicht verraten, was er dachte oder fühlte. Aber nachdem wir fertig waren – oder besser: er fertig war, ich hatte höchstens assistiert indem ich ihm das Ein oder Andere reichte, damit er es an seinen Platz legen konnte – rappelte er sich hoch, schob mir das Ganze hin und hielt mir meine Zimmertür auf. Vermutlich, damit mir nicht das Gleiche passierte wie ihm zuvor. Er humpelte noch immer, ließ sich entsprechend dankbar wieder aufs Sofa fallen und lächelte mich ein wenig scheu an. Die Hände hatte er im Schoß gefaltet und überlegte wohl, wie er beginnen sollte.

Wie sich herausstellte, war der Plan denkbar einfach. Wie sich ebenfalls herausstellte, nachdem er eine Weile damit verbracht hatte mir die Details aufzuzählen, war er aber auch absolut utopisch. Doch wenn ein Jared Leto sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es auch durch, koste es was es wolle.  Nachdem er geendet hatte, verstand ich, warum er es so eilig gehabt und wieso er mich so überfahren hatte. Es gab so viel zu tun, dass ein einziger, abgehakter Punkt bestenfalls als Tropfen auf den heißen Stein zu werten war. Selbst so ein großer, wichtiger Punkt wie Körperschmuck. Je eher ich begann er zu werden, erklärte er mir, umso schneller bekäme ich selbst ein Gefühl dafür, was zu tun war, wie er dachte und auf welche Weise er eine Fragestellung oder ein Problem anging, und desto sicherer würde ich werden.  Natürlich würde er mir jede Hilfestellung geben, zu der er fähig war. Und die schlichte Truhe, in der alles schlummerte, was er durch unzählige Umzüge und persönliche Katastrophen  hatte retten können, war nur ein erster, kleiner Schritt auf dem langen Weg zu ihm.

Mein Leben änderte sich von diesem Zeitpunkt an radikal. Jay ist notorischer Frühaufsteher, ich eher Langschläfer. Eine Eigenschaft, die seiner Meinung nach geändert werden sollte und er war dahingehend ausgesprochen vehement. Es verging kein Tag, an dem er mich nicht morgens um sechs aus dem Bett holte, um Laufen oder Fahrradfahren zu gehen. Die einzige Ausnahme von dieser Regel bildeten die Wochenenden. Was nicht bedeutete, dass ich länger schlafen durfte sondern nur, dass wir statt des üblichen Ertüchtigungsprogramm etwas Abwechslungsreicheres taten. Anfangs war dieser Aktionismus die reine Hölle für mich. Nicht, dass ich wirklich vollkommen unsportlich gewesen wäre – andernfalls hätte ich es kaum geschafft über die Dächer New Yorks zu flüchten als es nötig war - aber mit Jared mitzuhalten ist schwer. Ich hatte wochenlang solchen Muskelkater, dass ich mich kaum bewegen konnte. Am Wochenende toppte er das dann noch, indem er mich mit zum Klettern nahm, auf Wanderungen - bei denen er sich schon aus Prinzip nicht an so etwas albernes wie ausgewiesene Wege hielt - oder gleich zu so etwas wie Kiten, Rafting und allem, was die Kalifornische Landschaft am Aktivitäten noch so zu bieten hat. Inzwischen bin ich allerdings fit genug, um Spaß daran zu haben mir mit ihm kleine Fahrradrennen den heimischen Berg hoch zu liefern und zu sehen, wer von uns beiden vor der Haustür am meisten aus der Puste ist.

Nur, dass so etwas schon lange nicht mehr vorgekommen ist und mich allmählich das Gefühl beschleicht, es geht ihm alles nicht schnell genug. Und das, obwohl ich kaum etwas anderes tue als zu lernen; und eigentlich ist es auch nicht verwunderlich.

Mit jedem Tag, der vergeht, bekommt er mehr Druck von oben und schafft es längst nicht mehr, alles von uns fern zu halten auch wenn er sich redlich darum bemüht. Nicht, dass er sich je offen beklagt; aber seine mal mehr, mal weniger unterdrückte Wut, wenn ich nicht die Fortschritte mache, die er sich vorstellt, spricht Bände.

Immer und immer wieder fragt er mich ab oder lässt mich vorspielen. Nur, um schon genervt die Augen zu verdrehen, sobald ich die Finger an den Gitarrenhals lege.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Tomo jederzeit gehen und ihm sagen könnte, wo er sich den Unterricht hinstecken kann wenn ihm alles nicht gut genug ist, oder ob es Zufall ist. Aber bisher habe ich nicht ein einziges Mal erlebt, dass Jared die Stimme gegen ihn erhoben hätte. Ich dagegen scheine sein bevorzugter Blitzableiter zu sein, sodass ich inzwischen schon den Kopf einziehe, wenn er mich nur ansieht.

Natürlich besteht er bei allem nach wie vor darauf, ich sei sein Freund. Nur ist davon nicht mehr viel zu spüren.

Sicher, er hat Wort gehalten, was mein Zimmer angeht und es war wirklich schön gemeinsam zu Malern und Einzurichten. Außerdem tat es gut, mich ein wenig heimischer zu fühlen. Ein paar recht glückliche Monate lang vergaß ich sogar, dass er angekündigt hatte mich einschränken zu müssen, zumal ich mir darunter nicht wirklich etwas hatte vorstellen können, als wir darüber sprachen.

Bis sich zum ersten Mal Besuch aus der Chefetage ankündigte und Jay mir eröffnete, ich dürfe unter keinen Umständen mein Zimmer, geschweige denn das Haus verlassen, solange selbiger dauerte.

Ich hatte Verständnis dafür. Natürlich. Wie auch nicht? Mich nicht sehen zu lassen, war nur logisch. Ansonsten wären wir sofort aufgeflogen. Also saß ich die meiste Zeit über meinen Papieren und lernte, arbeitete daran meinen New Yorker Akzent abzulegen oder übte und verdrängte das unangenehme Gefühl in der Falle zu sitzen recht erfolgreich.

Auch die Tatsache, dass wir – bis auf die unvermeidlichen Erfolgskontrollen – nichts mehr zusammen machten, nahm ich hin.

Das letzte, das wir brauchten, waren Papparazzi Fotos von uns gemeinsam. Nicht, dass das unter normalen Umständen ein wirkliches Problem gewesen wäre – doch die Umstände waren das nun mal nicht. Also biss ich die Zähne zusammen und ertrug klaglos immer und immer mehr zu einer Sache zu werden.

Immerhin hatte ich Jays tollkühnem Plan zugestimmt und stand außerdem nach wie vor so tief in seiner Schuld, dass ich kaum in der Position war ihm etwas abzuschlagen.

Nur häuften sich die Kontrollbesuche seines Labels mehr und mehr, bis kein Tag mehr verging, an dem das Haus nicht voller Fremder Menschen war. Jared war so eingespannt, dass er sich kaum noch zu mir verirrte und selbst Tomos Stippvisiten wurden kürzer und seltener.

Bald schaffte er es kaum noch mich zu unterrichten. Geschweige denn, einfach mal zu reden und ich muss zugeben, dass mich das mehr belastete, als ich je für möglich gehalten hätte. So kämpfe ich schon seit Wochen beinahe stündlich gegen den Drang an, alle Verbote in den Wind zu schlagen und wenigstens von der Treppe aus zuzusehen. Und sei es nur um mich zu versichern, dass die Welt da draußen noch da ist.

Außerdem bin ich verdammt neugierig darauf zu sehen, wer Jay das Leben so schwer macht. Inzwischen ist es schon so weit, dass er jedes Mal zusammenzuckt wenn sein Telefon klingelt. Nur, um kurz darauf einmal mehr in seinem Büro zu verschwinden. Ab und zu erhasche ich einen kurzen Blick in sein Gesicht und den hoffnungslosen Ausdruck in seinen Augen, bevor die Tür hinter ihm ins Schloss fällt. Es muss schlimm sein. Sehr schlimm. Manchmal würde ich ihn am liebsten packen und schütteln, bis er mir verrät, worum es bei diesen Telefonaten geht. Doch ich lasse es. Er gibt sich solche Mühe das alles so weit wie irgend möglich von uns fern zu halten, dass ich jedes Mal ein furchtbar schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich mich selbst beim Lauschen erwische.

Zumal ich mir inzwischen schon wie ein Eindringling vorkomme, wenn ich mir nur eine neue Flasche Wasser aus der Küche hole. Selbst dann, wenn ich es wohlweißlich mitten in der Nacht tue – nicht, ohne mich vorher davon zu überzeugen dass Ruhe eingekehrt und niemand mehr da ist, der mich sehen könnte.

Umso furchtbarer fühle ich mich allein bei dem Gedanken, spionieren zu gehen.

Andererseits bin ich so isoliert hier oben, dass ich tatsächlich dazu übergegangen bin, Chatrooms zu benutzen; und das, obwohl ich das Bedürfnis nach menschlicher Nähe eigentlich vor sehr langer Zeit abgelegt habe. Natürlich kann ich niemandem dort sagen, wer ich bin, was ich mache oder was mich beschäftigt, und trotzdem ist es meine einzige Möglichkeit, die Einsamkeit in Schach zu halten. Zumal ich inzwischen nicht einmal mehr genau sagen kann, wann ich das letzte Mal mit einem echten Menschen geredet hab.

Man könnte meinen, die Welt –  allen voran Jared – habe mich vergessen.

Uns so schleiche ich, bevor ich auch nur begriffen habe, was ich tue, auf Zehenspitzen über die verlassenen Flure, lausche auf eventuelle Schrittgeräusche auf der Treppe unter mir, und kauere mich schließlich auf dem letzten Absatz hinter die Ecke, wie ein kleiner Junge der auf den Weihnachtsmann lauert.

Viel sehen kann ich auch von hier aus nicht. Aber ich höre Shannons sonore Stimme und bin selbst überrascht davon, wie gut das tut. Dabei hat sich sein Verhalten mir gegenüber nicht im Geringsten geändert. Nach wie vor ist er misstrauisch und teilweise offen feindselig, obwohl ich ihm meines Wissens nie Anlass dazu gegeben hab. Zumindest, wenn man von der Tatsache, dass ich in einem Moment äußerster Anspannung auf seinen kleinen Bruder losgegangen bin, mal absieht.

Die zweite Stimme, die zu mir dringt, kenne ich nicht, habe aber keinerlei Probleme damit, mir die dazugehörige Person vorzustellen so kalt und geschäftsmäßig ist ihr Ton. Dazu wäre die unergiebige Aussicht auf den in einen Maßanzug gewandeten Rücken und den modischen Kurzhaarschnitt nicht einmal nötig gewesen. Alles an ihm – von der Stimme bis zur Körperhaltung – sagt „Ich bin der Boss und du hast zu tun, was ich will. Weil sonst…“ Die Drohung ist in jedem Zucken seiner Schultern und jeder Silbe, die er spricht, und so greifbar, dass selbst ich mich darunter noch kleiner mache, als ohnehin schon.

Ich höre, wie sie diskutieren – Shannon und dieser Mann und sehe, wie selbiger sich größer macht. Höre, wie Shannon – der kämpferische, so sehr von seinen Meinungen überzeugte Shannon – innerhalb weniger Sätze erst defensiv wird und dann resigniert. Schneller, als ich das je für möglich gehalten hätte; und so tief unsere Differenzen auch gehen mögen: Ich hasse diesen Mann dafür, wie er Jays Bruder behandelt. Für die Art und Weise, wie er ihm über den Mund fährt, als sei er ein unartiges Kind. Dafür, wie er ihn klein macht und dafür nicht mehr braucht, als ein Achselzucken.

Ich hasse ihn jetzt schon und der Gedanke, dass ich vor nicht allzu langer Zeit ganz genauso war, verursacht mir eine unangenehme Gänsehaut und treibt mir die Schamesröte ins Gesicht. Mir ist schlecht.

Für heute hatte ich eindeutig genug Input. Also stehe ich so lautlos wie möglich auf, um mich zurück in mein Zimmer zu flüchten, ehe mich jemand sieht, drehe mich um und sehe direkt in ein paar eiskalte, graue Sturmaugen.
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